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Dieses Thema hat 11 Antworten
und wurde 1.590 mal aufgerufen
 Film- und Fernsehklassiker national
Prisma Offline




Beiträge: 7.591

19.10.2014 14:00
Am Tag als der Regen kam (1959) Zitat · Antworten



AM TAG ALS DER REGEN KAM (1959)

mit Mario Adorf, Christian Wolff, Corny Collins, Elke Sommer, Claus Wilcke, Ernst Jacobi, Gert Günther Hoffmann und Gert Fröbe
Dalida singt "Am Tag als der Regen kam"
ein Alfa Film | im Bavaria Filmverleih
ein Film von Gerd Oswald





»Na, haben Sie jetzt ihr kleines Abenteuer gehabt?«


Werner Maurer (Mario Adorf) ist Anführer der sogenannten Panther-Bande, einer Gruppe von jungen Leuten, die den Westen Berlins mit kriminellen Aktivitäten durchzieht. Als Banden-Mitglied Robert (Christian Wolff) beim letzten Raubüberfall von der Verkehrspolizei geschnappt und peinlich verhört wird, möchte er endgültig aussteigen, um mit seiner Freundin Inge (Corny Collins) ein neues, aber vor allem rechtschaffenes Leben zu beginnen. Doch so einfach wie Robert sich es vorgestellt hat, funktioniert dieser Austritt nicht, denn er hat die Rechnung ohne den misstrauischen Werner gemacht. Er beschwört eine Katastrophe herauf, indem er Robert zu einem letzten Coup überredet, weil er die gesamte Panther-Bande an die Polizei verpfeift. Plötzlich sitzt man in der Falle, aus der es keinen Ausweg mehr gibt ...

Oftmals geben Filme alleine schon wegen ihren Titeln einige Rätsel auf und dieses Gefühl drängt sich bei Gerd Oswalds Jugend-, beziehungsweise Kriminaldrama auch irgendwie auf. Doch als nach der Bavaria-Verleihmarke die sehnsüchtigen Klänge von Dalidas "Am Tag als der Regen kam" einsetzen, bekommt man sofort ein unbestimmtes Gefühl von Treffsicherheit vermittelt und der Verlauf wird bestätigen, dass der verheißungsvolle Titel voll Metaphorik und Tiefsinn steckt und die Geschichte schließlich charakterisiert. Die französische Sängerin Dalida führte mit "Am Tag als der Regen kam" nicht nur die deutsche Hitparade an, sondern landete letztlich einen Welthit. Gerd Oswalds Film kann man auch als eine Art Hit bezeichnen, hat man es doch mit einem der am dichtesten gezeichneten, atmosphärischsten und tatsächlich besten Filme dieser Art zu tun. Gerade die Belange und Träume der damaligen Jugend werden greifbar gemacht und markant simuliert, auch auf die Gewinner und Verlierer im Wirtschaftswunderland wird nachhaltig eingegangen. Hinzu kommt die absolut hochwertige Bearbeitung des Stoffes, die in harten Schwarz-/Weiß-Kontrasten hervorragende Bildkompositionen liefert, die Umgebung besonders präzise einfängt und in gewissen Situationen den Nervenkitzel oder gar die Kneipenluft zum greifen nah macht. Der Verlauf ist mit einer soliden Grundspannung ausstaffiert worden, als Zuschauer fühlt man quasi, dass man auf das Unheil zusteuern wird. Im Übrigen hat man es mit einer interessanten, und auf die Charaktere bezogen, mit einer durchaus markanten Besetzung zu tun.







Nicht nur die Gruppe der schwarzen Panther, sondern auch die Besetzungsliste wird von Mario Adorf angeführt. Er ist der Kopf der Bande und es sieht zunächst so aus, als habe er sehr viel kriminelles Potential zu bieten. Doch dieser Eindruck relativiert sich als man zum ersten Mal seine eigenen Familienverhältnisse zu sehen bekommt. Er hält seinen Vater aus, einen niedergelassenen praktischen Arzt, dem man wegen eines Zwischenfalls seine Praxis dicht machte. Seitdem ist er dem Alkohol verfallen und diese Figur am persönlichen Abgrund wird hervorragend von Gert Fröbe gespielt. Sein Sohn Werner steckt ihm ergaunertes Geld zu, damit er wenigstens keinen Dreck in sich hineinschüttet. Diese desolaten privaten Verhältnisse stellen anfangs den einzigen wunden Punkt bei Werner dar, der ansonsten so unnahbar wirkt und souverän auftritt. Man trifft sich in der Splendid-Bar, dem Dreh- und Angelpunkt für die Planung jedes neuen Coups und wenn er den Raum betritt, erntet er bewundernde Blicke und großen Respekt von allen Seiten. Jeder weiß, dass es vorteilhaft ist, wenn man gut mit ihm steht und viele junge Männer würden alles geben, um in seine Gruppe hineinkommen zu können. Werner ist auch mit dem schönsten Mädchen weit und breit zusammen und hierfür lieferte Elke Sommer von Kopf bis Fuß die perfekte Erscheinung. Ganz anders wirken da Christian Wolff und Corny Collins, die beide einen herben Kontrast herausarbeiten. Sie stehen für Tugenden und Moral und wirken absolut überzeugend in ihren Rollen. Überhaupt unterstützen alle Darsteller dieses Prinzip, so dass die Charakterzeichnungen sehr mitreißend wirken.

"Am Tag als der Regen kam" transportiert sehr viel Zeitgeist und durch die sehr subtil angelegte Geschichte fallen diverse Klischees (die eventuell nur welche darstellen, weil man sie mit heutigen Maßstäben betrachtet) weniger schwer ins Gewicht. Erneut wird eine Art Lethargie, Perspektiv- und Ziellosigkeit geformt, doch auch ausweglose Situationen werden nicht ohne möglichen Fluchtweg stehen gelassen. Die Tatsache, dass gewisse Umstände nicht ohne Grund so sind, wie sie sind, wird nie aus den Augen verloren, so dass sich Gerd Oswalds Film vollkommen auf eine passive Wertung konzentriert und dem Zuschauer das Denken überlässt, sich nicht in ungünstigen Sentimentalitäten verliert, aber dennoch auf seine sterile Art und Weise bewegt. Spannung entsteht beispielsweise bei Machtdemonstrationen oder Mutproben, die absolviert werden müssen. Die Kamera spielt dabei mit Licht und Schatten und fängt jede Regung mit Vorliebe in Großaufnahmen ein. Sehr gut werden auch die Bandenaktivitäten im Bilde festgehalten. Der Start in den Film zeigt eine solche; Elke Sommer steht mit einem Koffer an der Straße und lässt sich von einem älteren Herrn auflesen. Ein Freund, der sich als Mädchen verkleidet hat, steigt ebenfalls in den anhaltenden Wagen ein und der Rest der Panther verfolgt das Zielobjekt mit Motorrädern. Interessant ist, dass das Strickmuster bei Raub und Diebstahl nicht immer das gleiche ist, was die Energie von Werner dokumentiert, um sich immer wieder neue, lückenlose Pläne auszudenken, ohne sich dabei allerdings selbst die Finger schmutzig machen zu müssen. Insgesamt gesehen ist "Am Tag als der Regen kam" ein sehr gelungener, auf seine Weise auch diskreter Beitrag im Bereich Jugend- und Kriminaldrama geworden und im Endeffekt handelt es sich vielleicht sogar auch um einen der besten. Sehenswert!

Gubanov ( gelöscht )
Beiträge:

19.06.2016 14:25
#2 RE: Am Tag als der Regen kam (1959) Zitat · Antworten



Am Tag als der Regen kam

Kriminaldrama, BRD 1959. Regie: Gerd Oswald. Drehbuch: Heinz Oskar Wuttig, Gerd Oswald, Will Berthold. Mit: Mario Adorf (Bandenchef Werner Maurer), Christian Wolff (Robert), Gert Fröbe (Dr. Albert Maurer), Corny Collins (Inge), Elke Sommer (Ellen), Claus Wilcke (Rudi), Ernst Jacobi (Fritz), Gert Günther Hoffmann (Willi), Wolf Richards (Otto), Uwe Gauditz („Professor“) u.a. Uraufführung: 22. November 1959. Eine Produktion der Alfa-Film Berlin im Bavaria-Filmverleih München.

Zitat von Am Tag als der Regen kam
Das war knapp: Robert, der an einem Raubzug der von Werner angeführten Halbstarkenclique teilnahm, wird von der Verkehrspolizei aufgegriffen und verhört. Als er dann auch noch seine Freundin Inge wiedersieht, überlegt er, aus der Bande auszusteigen. Werner, der solche Alleingänge nicht duldet, lässt Robert verprügeln, kann aber nicht verhindern, dass Robert vor dem nächsten großen Coup die Gesetzeshüter einschaltet. Als die Sache auffliegt, muss die Bande rasch eine Entscheidung fällen, wie sie mit dem Verräter abrechnen soll ...


Der Film blendet auf der AVUS auf, auf der nur einzelne Autos durch die Nacht huschen und sich zwei Mädchen auf Anhaltersuche an den Straßenrand stellen. Von den Geräuschen der Autos und Motorräder ist nichts zu hören – fast surreal erscheint die Untermalung der Szene mit Dalidas bekanntem Hit „Am Tag als der Regen kam“, denn während man Düsteres erwartet, dringt der Schlager harmonisch und sehnsüchtig an die Ohren. Aus der Idee, ihn in einem Halbstarkenfilm einzusetzen, ergibt sich rückwirkend eine ungewöhnliche, geniale Symbiose, die die inszenatorische Sicherheit des filmisch zumindest wieder ein Stückweit remigrierten Gerd Oswald demonstriert. Es ist verlockend, zu spekulieren, wie der Film, der unter dem Arbeitstitel „Die schwarzen Panther“ gedreht wurde, zu seiner letztlichen Titelgebung und Klangidentität gekommen sein könnte: Der Sommer 1959 ging in die Geschichtsbücher als Jahrhundertsommer ein, der in Berlin bis heute den Temperaturrekord von 37,8 Grad hält und das von schwindenden Wasserreserven zehrende Land auf Niederschlag und Abkühlung warten ließ. Dieses brutzelnde Gefühl merkt man dem Film an; es unterstreicht die aufgestaute jugendliche „Hitze“, die sich in Kleinkriminalität und Mutproben ein Ventil verschafft. Eventuell war es purer Zufall, dass ausgerechnet in der Nacht, in der man die Szenen zum fatalen Coup am Ende des Films drehte, dann der herbeigewünschte Regen fiel – eine so freudige und atmosphärisch stimmige Überraschung, dass man kurzerhand das ganze Projekt umbenannte, sich die Rechte an Dalidas passendem Hit sicherte und Martin Böttchers belanglose Easy-Listening-Komposition damit in den Hintergrund drängte?



Wo andere Filme, die Jugendkriminalität thematisieren, möglichst plakativ arbeiten, um Tabus der Adenauer-Zeit zu brechen und vom Voyeurismus eines in Zaum gehaltenen Publikums zu profitieren, erweist sich „Am Tag als der Regen kam“ als zurückhaltend und dramaturgisch ausgereift. Einerseits werden klar und kompromisslos die Strukturen und Respektskodizes der „schwarzen Panther“ aufgezeigt, andererseits erfährt man die Beweggründe für das Handeln beider Parteien. Gegenüber stehen sich der toughe, aber keineswegs gewissenlose Bandenchef Werner, der ein aufregendes Leben führen und sich Wünsche schnell erfüllen möchte, und Robert, den es nach einigen Reibereien mit seiner Peergruppe zurück in die Rechtschaffenheit zieht. Wolff ist in dieser besonnenen Rolle perfekt besetzt; auch die Romanze, die sich zwischen ihm und Corny Collins anbahnt, ist ein Lehrbuch-Gegenstück zu der offensichtlich von Geld und Sex bestimmten Beziehung zwischen den Figuren von Adorf und Sommer. Die Schattenseiten in Adorfs Filmcharakter sind ein Faszinosum, über das die Produktion in überraschender Offenheit Auskunft gibt: Die Angst vor einem möglichen Kriegsausbruch – gerade in der Frontstadt Berlin – und sein dem Alkohol verfallener Vater, um den er sich mit soviel Zuneigung kümmert, wie er in seiner Eigensinnigkeit aufzubringen im Stande ist, rücken sein Verhalten in ein differenziertes Licht, das dem Tiefgang des Films ausgesprochen gut tut.

Hinter der Kamera stand Karl Löb – die offenkundig fruchtbare Zusammenarbeit des in Hollywood geschulten Oswald mit dem deutschen Kameramann Nummer 1 merkt man dem in perfekte Schwarzweißoptik gegossenen „Regentag“ in jeder Minute an – ob es um die rauchgeschwängerte Jugendkneipe (deren Eingang sich im Hinterhof des aus den „unsichtbaren Krallen des Dr. Mabuse“ bekannten Neuen Schauspielhauses am Nollendorfplatz befindet) oder einen luftigen Blick von einer Hochhausbaustelle am Ernst-Reuter-Platz über den Tiergarten, um einen nächtlichen Überfall unter der „Zinker“-Autobahnbrücke am Hüttenweg oder den geheimen Treff der „Panther“ in der Ruine des Reichstagsgebäudes handelt. Das vernarbte Berlin wird mit einer Mischung aus Stolz und Alltäglichkeit vorgezeigt, aber auch bewusst in den Handlungsverlauf integriert. Damit gewinnt die Produktion an Glaubwürdigkeit und betont noch einmal ihre bodenständige und dennoch mitreißende Machart.

Wäre generell das schmeichelnde Urteil „Es könnte ein Vohrer-Film sein“ für „Am Tag als der Regen kam“ durchaus angemessen, so stellt man im Detail fest, dass das vorliegende Drama der thematisch vergleichbaren Vohrer-Arbeit „Verbrechen nach Schulschluss“ sogar haushoch überlegen ist. Zur ausgezeichneten handwerklichen Qualität kommt eine realistischere Handlungsführung, die temporeich von Tat zu Tat führt, dabei aber das große Ganze nicht aus den Augen verliert. 4 von 5 Punkten – mit Aussicht auf Steigerung bei wiederholter Sichtung.

PS: Der zweite nennenswerte musikalische Beitrag in „Am Tag als der Regen kam“ ist das im Splendid Salon gespielte deutsche Cover des Coasters-Rocksongs „Charlie Brown“ in der Version von Hans Blum.

Jan Offline




Beiträge: 1.753

26.06.2016 20:07
#3 RE: Am Tag als der Regen kam (1959) Zitat · Antworten

Ein Gerd-Oswald-Film der Alfa-Film GmbH im Bavaria-Filmverleih

Am Tag als der Regen kam
Kriminaldrama, BRD 1959

mit: Mario Adorf, Gert Fröbe, Christian Wolff, Corny Collins, Elke Sommer, Claus Wilke, Ernst Jacobi, Gert Günther Hoffmann, Horst Naumann, Wolf Richards, Uwe Gauditz, uvm.
Drehbuch: Heinz Oskar Wuttig, Gerd Oswald, Will Berthold
Kamera: Karl Löb
Musik: "Am Tag als der Regen kam" von Gilbert Bécaud (Musik) / Ernst Bader (deutscher Text), gesungen von Dalida, sonstige Musik von Martin Böttcher (sowie zeitgenössische Schlager)
Schnitt: Heinz Haber, Brigitte Fredersdorf
Herstellungsleitung: Wolf Bauner
Gesamtleitung: Artur Brauner
Regie: Gerd Oswald
Produktion: Alfa Filmgesellschaft mbH, Berlin
Erstverleih (Deutschland): Bavaria-Filmverleih, München
Weltvertrieb: Omnia Deutsche Film Export, München
Atelier: Bavaria Filmstudios Geiselgasteig, München
Außenaufnahmen: Berlin
Drehzeit: September/Oktober 1959
Erstaufführung: 24.11.1959 (Stuttgart)
Länge: 88 Minuten (2.426 Meter)


Inhalt: Berlin in der Adenauer-Ära. Die Absichten der Panther-Bande um Anführer Werner Maurer (Adorf) sind so simpel wie berechnend: In nächtlichen Beutezügen zieht die Bande durch das kriegsvernarbte Berlin, um sich ihren Anteil am Wirtschaftswunder zu erbeuten. Intelligent in der Planung und raffiniert in der Ausführung, geraten die Aktionen zu immer spektakuläreren Raubzügen. Die Polizei scheint machtlos. Mindestens ebenso machtlos wie Bandenmitglied Robert (Wolff), der am liebsten alles hinschmeißen würde, um mit seiner Freundin (Collins) irgendwo in Westdeutschland ein neues Leben anfangen zu können. Werner, der mit seinen Verdiensten aus dem nächtlichen Treiben nicht nur sich selbst und seiner Mätresse (Sommer) ein sorgenfreies Leben verschafft, sondern zudem seinen versoffenen Vater (Fröbe) unterstützt, kann nicht zulassen, dass ihm gegenüber in Robert ein Aussteiger und damit eine potentielle Gefahr erwächst. Werner versucht sich in Abhilfemaßnahmen und scheint auch vor dem Äußersten nicht zurück zu schrecken.

Bewertung: Mit Regisseur Gerd Oswald engagierte Artur Brauner den mittlerweile dritten Remigranten nach Robert Siodmak und Fritz Lang. Doch restlos sicher scheint sich die deutsche Produzentengröße im Falle "Am Tag als der Regen kam" und Oswald nicht gewesen zu sein. Er produzierte nicht mit seiner CCC-Film, sondern mit der eigens für heikle Sujets gegründeten Alfa-Film, die gesellschaftsrechtlich weniger in das Brauner'sche Studiosystem eingebunden war. Die Sorge indes war unbegründet. Sowohl an den Kinokassen als auch in vielen Feuilletons fand der Film regen Zuspruch.

"In all seinen Filmen erweist sich Oswald als kühler Beobachter, der sehr genau Handlungen und Motive der Figuren registriert und durchaus Verständnis, ja sogar Sympathie auch für die Mörder aufbringt", bemerkte Dr. Helmut G. Asper anlässlich eines Interviews mit Oswald im Jahr 1986 (Film-Dienst H.1/2000 S. 38-41). Diese Bemerkung lässt sich ohne zu zögern auf "Am Tag als der Regen kam" projezieren. Die Figur des Werner Maurer ist kein eindimensional angelegter Charakter, kein Haudrauf und kein Hans-Dampf-in-allen-Gassen. Oswald gelingt es, der Figur unterschiedliche Seiten abzugewinnen. Belohnung erhält der Regisseur in Person Mario Adorfs, der diese Vielschichtigkeit in für jene Jahre eher ungewöhnlicher Präzision auf die Leinwand zu bringen vermag. So ist es der größte Vorzug dieses Films, dass ihm neben den vorzüglichen Darstellern ein Drehbuch zugrunde liegt, das sich den Personen widmet und die Effekte eher an die zweite Stelle verschiebt. Am deutlichsten wird dies natürlich an der Figur des Werner Maurer. Aber auch Vater Maurer, der versoffene und gescheiterte Doktor, erhält den notwendigen Raum. Selbst einen wunderbar interpretierten innerer Monolog Fröbes gestanden die Drehbuchautoren (unter ihnen auch der verdiente Heinz Oskar Wuttig, der zwei Jahre zuvor bereits mit "Die Frühreifen" in diesem Sujet reüssierte) zu. Die Dialoge gehen tiefer, als man es von einigen vergleichbaren Produktionen her kennt. Am ehesten fühlt man sich an den französischen Film aus den Spätsechzigern erinnert, wenn Elke Sommer resigniert auf die Frage, ob sie Angst habe, antwortet, dass sie eigentlich immer Angst habe.

Hinter der Kamera findet sich ein alter Bekannter aus dem Berliner Filmkosmos: Karl Löb bannt das nächtliche und immer noch kriegsgeschwächte Berlin in seine typischen schwarzweißen Kontrastbilder. Gerd Oswald, nach eigenem Bekunden ein Freund der langen Einstellungen, legt hier, wie auch in seinem zweiten deutschen Film "Schachnovelle" aus dem Jahr 1960 Wert auf die untermalende Kameraarbeit. Wieder Dr. Helmut G. Asper: "Oswald hat seine Einstellungen immer vorher festgelegt, sein schon in jungen Jahren erprobtes Talent als Zeichner und Fotograf - er hat auch zahlreiche Aufnahmen von Dreharbeiten gemacht - kam ihm dabei zuhilfe. Aber es gab bei ihm nie Kamerafahrten nur aus der Lust an der Bewegung, sie hatten immer einen Bezug zur Geschichte und den Charakteren." Ob es die verruchte Kneipe als Treffpunkt der Panther ist oder ob Karl Löb auf dem - sinnigerweise mit einer modernen Telefonzelle versehenen - Gelände der Reichstagsruine filmt: Häufig sind die Schauspieler mit Hinterlicht beleuchtet, stehen quasi im Schatten des Lichtes. Es ist anzunehmen, dass dies sicher kein Versehen ist, sondern gewolltes Verdienst um die Untermalung des Geschehens.

Als reine Untermalung des Geschehens mag der musikalische Schmachtfetzen "Am Tag als der Regen kam" der französischen Sängerin Dalida kaum durchgehen können. Der genutzte Score konterkariert das Geschehen geradezu und kann deswegen als Paradebeispiel der heute längst aus der Mode gekommenen konträren Filmmusik gelten. Wie es nun zum Einsatz des letztlich ja sogar titelgebenden Stückes kam, darüber lässt sich heute nur noch spekulieren. Zur Art und Weise Artur Brauners würde es passen, dass der Song im Jahr 1959 (vor dem Film) ein wahrhafter Chartstürmer war und dass Brauner durch das Nutzen des Stückes in seinem Film davon noch ein wenig profitieren wollte. Jedoch sollte diesbezüglich auch nicht ganz außer Acht gelassen werden, dass Gerd Oswald an mehreren Stellen des Films das Wasser als überraschend präsenten Bestandteil seiner Inszenierung verwendet. Gert Fröbe mixt sich seinen Drink aus reinem Alkohol und destiliertem Wasser, Fröbe wäscht mehrfach sein Geschirr ab und es tropft der Wasserhahn. Es darf wohl davon ausgegangen werden, dass es sich hierbei nicht um reine Zufälle handelt. Wie dem auch sei: Die Aufblende auf der Avus mit dem Mercedes-Stern und dem westberliner Funkturm als Fixpunkten im Hintergrund zählt für mich, untermalt mit eben jenem Musikstück, zu den fabelhaftesten Filmanfängen.

Will man Gerd Oswalds Film nun unbedingt irgend etwas anlasten, so könnte man anführen, dass aus den Berliner Schauplätzen vielleicht noch etwas mehr herauszuholen gewesen wäre. Auch mag man anführen, dass es hier und da einmal eine gewisse Länge in der Inszenierung zu überwinden gilt. Jedoch handelt es sich dabei um ein Kritisieren auf allerhöchstem Niveau, es sind ausschließlich Kleinigkeiten, die diesem wunderbaren Film als Ganzes nichts Wesentliches anhaben können.

4,5 von 5 Punkten.

Gruß
Jan

Gubanov ( gelöscht )
Beiträge:

27.06.2016 17:57
#4 RE: Am Tag als der Regen kam (1959) Zitat · Antworten

Scharfe Beobachtungen, die diesem sehr runden Film absolut gerecht werden. Es war ein echter Clou Artur Brauners, mit Gerd Oswald einen überaus begabten Regisseur nach Deutschland zurückzuholen.

Jan Offline




Beiträge: 1.753

28.06.2016 19:51
#5 RE: Am Tag als der Regen kam (1959) Zitat · Antworten

Zitat von Gubanov im Beitrag #4
Es war ein echter Clou Artur Brauners, mit Gerd Oswald einen überaus begabten Regisseur nach Deutschland zurückzuholen.

Leider blieb es bei dieser einen Zusammenarbeit und leider muss man wohl auch festhalten, dass nach diesem wirklich gelungenen Aufschlag Oswalds zumindest hierzulande nichts Wesentliches mehr folgte. "Schachnovelle", den Gerd Oswald als seinen besten deutschen Film bezeichnete, kommt mir über weite Strecken recht bemüht vor. Die Simmel-Verfilmung "Bis zur bitteren Neige" stand unter dem schweren Stern der späten Geburt und bot kaum mehr als den müden Versuch, Alfred Vohrer zu kopieren. Manfred Purzer, der das Drehbuch zu "Bis zur bitteren Neige" geschrieben hatte, formulierte in Bezug auf die Simmel-Verfilmung: "Oswald erwies sich als rechtschaffener, aber biederer Erzähler, dem es nicht gelang, Spannung zu erzeugen und die Effekte richtig zu setzen - eine Fertigkeit, die Alfred Vohrer perfekt beherrschte." Von biederer Erzählweise oder mangelnden Effekten kann hinsichtlich "Am Tag als der Regen kam" nicht gesprochen werden. Ganz im Gegenteil, da es dem Regisseur gelang, das Krimidrama aus den Figuren heraus spannend anzulegen, ganz ohne laute Effekte, die hier völlig fehl am Platze gewesen wären. Offenbar aber war die Fertigkeit Gerd Oswalds zumindest schwankend. Leider kenne ich nur die drei deutschen Filme von ihm. Zudem hat er ja in den USA ein wenig für das Kino und viel für das TV gearbeitet ("Perry Mason", "Raumschiff Enterprise", u.a.). Davon kenne ich aber nichts.

Gruß
Jan

Gubanov ( gelöscht )
Beiträge:

29.06.2016 16:40
#6 RE: Am Tag als der Regen kam (1959) Zitat · Antworten

Zitat von Jan im Beitrag #5
"Oswald erwies sich als rechtschaffener, aber biederer Erzähler, dem es nicht gelang, Spannung zu erzeugen und die Effekte richtig zu setzen - eine Fertigkeit, die Alfred Vohrer perfekt beherrschte."

Schon wieder ein Vergleich zwischen Oswald und Vohrer. In meinen Augen verkannte Purzer die Situation gewaltig, denn Oswald ist eindeutig mehr als ein biederer Erzähler (auch die angesprochene "Schachnovelle" sagte mir sehr zu). Vielleicht - darüber steht mir noch kein Urteil zu, da ich nur die frühen Simmel-Filme kenne - lieferte Oswald nicht den gewünschten Trash-Faktor, was ihm dann den Vorwurf der Biederkeit eingebracht haben könnte?

Als Tipp für sein amerikanisches Werk möchte ich den Farb-Noir "Ein Kuss vor dem Tode" (1956) nennen, der mehr Gelegenheit für handwerkliche Raffinesse bot als Oswalds TV-Verpflichtungen.

Jan Offline




Beiträge: 1.753

29.06.2016 18:29
#7 RE: Am Tag als der Regen kam (1959) Zitat · Antworten

Zitat von Gubanov im Beitrag #6
In meinen Augen verkannte Purzer die Situation gewaltig, denn Oswald ist eindeutig mehr als ein biederer Erzähler (auch die angesprochene "Schachnovelle" sagte mir sehr zu). Vielleicht - darüber steht mir noch kein Urteil zu, da ich nur die frühen Simmel-Filme kenne - lieferte Oswald nicht den gewünschten Trash-Faktor, was ihm dann den Vorwurf der Biederkeit eingebracht haben könnte?

Das Urteil Purzers war kein generelles Statement zu Gerd Oswald, es bezog sich ausschließlich auf "Bis zur bitteren Neige". Dass der Autor hier eine Vohrer'sche Drehzahlinszenierung mit der Brechstange von Oswald erwartet hatte, glaube ich gar nicht einmal. Zugestehen muss man Gerd Oswald, dass die Voraussetzungen für diesen zunächst letzten Simmel schlechtere waren als Jahre zuvor für Alfred Vohrer - die Welle war schlichtweg abgeebbt. Jedoch tritt dies bei heutiger Betrachtung naturgemäß in den Hintergrund, und bei reiner Betrachtung der Inszenierungen bleibt auch mir nichts anderes übrig, als "Bis zur bitteren Neige" jedwede große Kunstfertigkeit abzusprechen. Selbst im Vergleich zu den beiden meiner Meinung nach mäßigeren Vohrer-Simmeln "Die Antwort kennt nur der Wind" und "Gott schützt die Liebenden" fällt Oswalds Film als müder Aufguss weit ab und reiht sich irgendwo vor dem gruseligen letzten Versuch "Bitte lasst die Blumen leben" ein. Wie es hätte sein müssen, sollte Gerd Oswald eigentlich gewusst haben, war er doch als recht schweigsamer New Yorker Agent (ich glaube mit Name Turner) in Vohrers "Der Stoff, aus dem die Träume sind" mit dabei.

Bei Gelegenheit werde ich mir noch einmal "Schachnovelle" zu Gemüte führen. Mal sehen, ob der mir dieses Mal besser gefällt.

Gruß
Jan

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.589

31.07.2016 14:10
#8 RE: Am Tag als der Regen kam (1959) Zitat · Antworten

BEWERTET: "Am Tag, als der Regen kam" (Deutschland 1959)
mit: Mario Adorf, Christian Wolff, Corny Collins, Gert Fröbe, Claus Wilcke, Elke Sommer, Wolf Richards, Ernst Jacobi, Gerd Günther Hoffmann, Uwe Gauditz, Horst Naumann, Hans Zesch-Ballot, Herbert Weissbach, Arno Paulsen | Drehbuch: Heinz Oskar Wuttig, Will Berthold und Gerd Oswald | Regie: Gerd Oswald

Robert ist Mitglied der "Panther-Bande", einer Gruppe um den Anführer Werner Maurer, die nachts Autofahrer überfallen und ausrauben. Jeder der jungen Männer geht tagsüber einer Beschäftigung nach, um nicht aufzufallen, nur Werner verweigert sich einem bürgerlichen Anstrich, weil er gesehen hat, wie übel seinem Vater - einem engagierten Arzt - nach einem Fehler mitgespielt wurde. Als Robert sich mit Inge anfreundet, möchte er aussteigen, doch so einfach lässt Werner ihn nicht gehen....



"Disziplin ist alles bei uns - keiner tanzt aus der Reihe!"

Mario Adorf als Chef einer Bande jugendlicher Räuber gelingt es relativ rasch, die Sympathie des Zuschauers zu gewinnen. Sein überlegtes Vorgehen, der strukturierte Ablauf seiner bis ins Detail geplanten Vorhaben, die ihm und seinen Freunden Geld einbringen sollen, und sein beherrschtes Auftreten machen ihn zu einer Figur, der man Erfolg wünscht. Seine persönliche Situation erklärt seine Beweggründe, ohne eine billige Entschuldigung für sein Verhalten zu liefern. Die Nicht-Teilhabe am sogenannten Wirtschaftswunder, das von jedem viel Fleiß und Einsatz verlangt, beschleunigt seinen Wunsch, es schneller und müheloser zu schaffen. Die Gefahr eines drohenden Atomkriegs, die Angst vor einer Einberufung als Soldat eines zu erwartenden Kriegs und die Enttäuschung über den Abstieg seines einst angesehenen Vaters führten zur Verbitterung, aber nicht zur Resignation Werners. Er schafft es, sich den Respekt seiner Gruppe zu sichern und zeigt hier selten Gefühlsanwandlungen. Die Sorge um den kranken Vater und seine Versuche, ihn wieder aufzurichten, ehren ihn.

Christian Wolff ist als Mitglied der jugendlichen Bande Täter und Opfer zugleich und zeigt sich innerlich zerrissen wie so oft in seinen frühen Filmen. Er ist noch unfertig und deshalb leichte Beute für brutale Männer und ihre verheißungsvollen Pläne. Gleichzeitig bricht aber immer sein guter Kern auf, was sich vor allem im Umgang mit den Mädchen zeigt, die in ihm einen sanften Freund finden, der ihnen zuhört und Macho-Allüren entbehrt. Sein Bob hat bereits mehrmals bei Mutproben und Einsätzen versagt, weil er nicht mit Überzeugung bei der Sache ist. Er ist der Risikofaktor der "Panther" und bildet den Gegenpol zu Werner, der gleichzeitig fürchtet, Bob könnte ihm durch seinen Appell an die Rechtschaffenheit auch andere Gruppenmitglieder abspenstig machen. Nicht die Polizei (die durch den jungen Horst Naumann ein sympathisch-dynamisches Gesicht erhält) ist der Gegner, sondern die Zweifel, die Bob streut und die Fragen, die er aufwirft. Langsam schleicht sich Unsicherheit in die Gruppe ein, die sich - eigentlich untypisch für einen Denker wie Werner - in roher Gewalt äußert.

Gert Fröbe hatte zum Drehzeitpunkt bereits einige wegweisende berühmte Rollen seiner Filmlaufbahn hinter sich ("Es geschah am hellichten Tag", "Und ewig singen die Wälder"). Sein Biograf Michael Strauven hat jedoch für den Film, der am 24. November 1959 in die Kinos kam, wenig übrig: "Wegen seiner Titelmelodie stark überschätzter Kultstreifen, der nur schwer zu ertragen ist. Adorf chargiert heftig, Gert Fröbe hält mit. Wunderbar allerdings Fröbes Nahaufnahmen im Spiegel als Studie eines vom Alkohol Besessenen. (1)" Weitaus hintergründiger sind andere Szenen, so z.B. jene, als Dr. Maurer im wahrsten Sinne des Wortes über seinen Schatten springt, als er nicht in die naheliegende Kneipe, sondern in die Apotheke geht (von oben gefilmt). Er fängt sich nach und nach mit den Anforderungen, die endlich wieder an ihn gestellt werden. Nur durch das Wiedererlangen seines Willens kann er am Ende den entscheidenden Schritt tun. Sein Spiel ist ausdrucksstark, fügt sich aber weitaus besser ins Geschehen als in Vorgängerfilmen wie "Das Mädchen mit den Katzenaugen" oder "Menschen im Hotel".

Stimmiges Porträt zorniger junger Männer mit herrlichen Berlin-Aufnahmen, die den Zuseher förmlich in den Bildschirm hineinziehen. Adorf als Hauptdarsteller gefällt; Wolff strauchelt zwischen Zweifeln und Aufbegehren; Fröbe wankt, fällt aber nicht. Collins und Sommer als zwei gegensätzliche Frauentypen zeigen Möglichkeiten für Lebensmodelle auf, bleiben in dem Männerfilm aber eher außen vor. 5 von 5 Punkten

(1) Michael Strauven: Jedermanns Lieblingsschurke - Gert Fröbe, Rotbuch Verlag Berlin 2012

Jan Offline




Beiträge: 1.753

01.08.2016 19:41
#9 RE: Am Tag als der Regen kam (1959) Zitat · Antworten

Zitat von Percy Lister im Beitrag #8
Sein Biograf Michael Strauven hat jedoch für den Film, der am 24. November 1959 in die Kinos kam, wenig übrig: [i]"Wegen seiner Titelmelodie stark überschätzter Kultstreifen, der nur schwer zu ertragen ist. Adorf chargiert heftig, Gert Fröbe hält mit.

Eine durchaus üble Fehleinschätzung des Biografen! Es ist gerade der Vorzug des Films, dass Mario Adorf nicht einmal ansatzweise in die Nähe des Chargierens zu rücken ist. Ganz im Gegensatz zu einigen anderen Filmen des Genres, erhält der Hauptdarsteller hier die Gelegenheit, sich vollständig zurück zu nehmen und eher durch darstellerische Feinheiten denn durch Grobheiten zu überzeugen. Adorfs Spiel würde ich als zurückgenommen und durch gezieltes Weglassen bestechend eingruppieren. Selbst Gert Fröbe, bekanntlich mit einem Hang zum (angenehmen) Overacting ausgestattet, erscheint vielschichtig und hält eher insofern mit Mario Adorf mit. Das scheint dem Biografen entgangen zu sein.

Gruß
Jan

kaeuflin Offline




Beiträge: 1.259

07.08.2016 12:30
#10 RE: Am Tag als der Regen kam (1959) Zitat · Antworten

Definitiv, hier chargiert niemand nach dem ersten ansehen wünscht man sich im Gegenteil am ende, Adorf würde ein wenig mehr aus sich heraus gehen - beim 2. Schauen
allerdings macht sein zurückgenommenes spiel den Film stärker, Hoffnungsloser und damit länger nachwirkend...

Happiness IS the road ! (Marillion)

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.589

07.08.2016 13:03
#11 RE: Am Tag als der Regen kam (1959) Zitat · Antworten

Michael Strauven steht vielen Filmen von Gert Fröbe distanziert gegenüber. Kleine Kostproben: (über: "Die 1000 Augen des Dr. Mabuse": "Kritiker in Frankreich erkennen darin hohe Kunst. Ich nicht. Gert Fröbe chargiert heftig. Uninteressant!" oder über: "Der grüne Bogenschütze": "So dämlich, dass es schon wieder witzig ist. Interessant (nur für Mutige!)")

Ray Offline



Beiträge: 1.936

31.10.2017 15:49
#12 RE: Am Tag als der Regen kam (1959) Zitat · Antworten

Am Tag, als der Regen kam (BRD 1959)

Regie: Gerd Oswald

Darsteller: Mario Adorf, Christian Wolff, Gert Fröbe, Corny Collins, Elke Sommer, Claus Wilke, Gert Günther Hoffmann u.a.



Werner ist der Anführer einer Bande "Halbstarker", welche in West-Berlin durch eine Reihe von Verbrechen auf sich aufmerksam macht. Als er sesshaft werden will, plant er einen letzten Coup. Doch ein Mitglied will es selbst dazu nicht mehr kommen lassen...

Als Reaktion zur erfolgreichen Hollywood-Produktion "...denn sie wissen nicht, was sie tun" mit James Dean in der Hauptrolle entstanden auch hierzulande einige "Halbstarken-Filme", zu deren prominenteren Vertretern "Am Tag, als der Regen kam" zu zählen ist.

Für diesen zeichnete sich Gerd Oswald verantwortlich, der zuvor in Hollywood Erfahrungen sammeln konnte und dabei u.a. den sehenswerten Noir "Ein Kuss vor dem Tode" mit dem jungen Robert Wagner hervorbrachte. Oswald gelingt es vorliegend, Distanz zu wahren und nie in allzu große Sentimentalität zu verfallen und so den Zuschauer umso betroffener zu machen.

Auf Seiten der Darsteller sind es insbesondere Gert Fröbe und Mario Adorf, die in der Vater-Sohn-Konstellation für schauspielerische Glanzpunkte sorgen und dabei - analog zur Regie - selten bis gar nicht übertreiben. Christian Wolff, Claus Wilcke, Corny Collins und Elke Sommer werden dadurch zwangsläufig ein wenig zurückgedrängt, trotzdem hinterlassen alle genannten einen soliden bis guten Eindruck.

Ein Grund, warum der Film in Erinnerung bleibt, ist freilich der gleichlautende Song, welcher inhaltlich und stimmungsmäßig vielleicht nicht einhundertprozentig passt, seinen intendierten Effekt jedoch keineswegs verfehlt.

Sehr gute DVD-Veröffentllichung von Pidax, die das Werk top restauriert präsentiert.


"Am Tag, als der Regen kam" darf dank angenehm zurückhaltender Regie und bemerkenswerten Schauspiels zu den gelungenen Kriminaldramen der 1950er-Jahre gezählt werden. 4,5 von 5 Punkten.

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