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Dieses Thema hat 23 Antworten
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 Film- und Fernsehklassiker international
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Dr. Oberzohn Offline



Beiträge: 399

03.09.2019 13:56
#16 RE: Justice neatly executed: Campion (GB 1989-90) Zitat · Antworten

An die Albert-Campion-Serie im DDR-Fernsehen kann ich mich auch nicht erinnern. Kam vielleicht ziemlich spät abends. Tatsächlich gab es da ja eine Menge englischer Krimiserien, vielleicht hatte ja einer der Oberen ein heimliches Faible dafür... Neben den vielen aufgezählten gab es da noch Q.E.D. - eine Miniserie über einen victorianischen Professor, der Kriminalfälle klärt, desweitern Inspektor Cameron, auch in dieser Zeit angesiedelt, obwohl das vielleicht eher eine kanadische Serie war. Ebenfalls gab es da eine kleine Serie über reale Kriminalfälle in England zur Sherlock-Holmes-Zeit und ihre Klärung durch die gerade verstärkt eingesetzte Gerichtsmedizin. Usw. usw. In den DEFA-Beständen lagert bestimmt noch das eine oder andere ungehobene Schätzchen.

Und die Campion-Erfinderin Margery Allingham - eine Dame des goldenen Krimi-Zeitalters, die es hierzulande nie zu sonderlicher Bekanntheit geschafft hat. Habe viele ihrer Romane damals zur Studentenzeit auf dem Flohmarkt ersteigert, meistens Auflagen aus dem Diogenes-Verlag. Der richtige Knaller war eigentlich nie darunter, aber auch keine Erzählung, die man bald wieder entnervt aus der Hand legt. Irgendwie sind es seltsame Bücher - nicht richtig gut und nicht richtig schlecht. Mit Dorothy Sayers verbindet sie natürlich die Auswahl eines adligen Protagonisten, der manchmal dümmlich daherschwätzt, wenngleich er nie so nervtötend sein kann wie ab und zu der gute alte Lord Peter Wimsey. Von Agatha Christie hat sie vielleicht die dem Ausgangsmord folgende Dialoglastigkeit des folgenden Handlungsteils übernommen, einschließlich der sich plötzlich zum Ende hin beschleunigenden Handlung samt einiger neu purzelnder Leichen. Mit Edgar Wallace teilt sie offenbar die Vorliebe für eine (idealisierte) organisierte Kriminalität, meistens stehen bei ihr Verbrecherbanden und Verschwörungen im Hintergrund. Mit allen Dreien eint sie wohl das Spiel mit falschen Identitäten und das Aufdecken von Familiengeheimnissen.
Irgendwie ist die Handlung ihrer Bücher noch mehr in einer Pseudo-England-Welt angesiedelt als die ihrer kriminalistischen Mistreiter bzw. Mitstreiterinnen. Das hat für mich persönlich allerdings gerade den Reiz ihrer Werke ausgemacht, der leicht humorvolle, wohlig gruselige Unterton ihrer frühen Geschichten verliert sich aber in ihrem Spätwerk hin eher zu recht düsteren Handlungsverläufen, etwa die "Spur des Tigers", der kein Whodunit mehr, sondern eher eine recht brutale Gangstergeschichte ist.

Immer auf der Suche nach klassischen englischem Krimi-Lesestoff, wollte ich die alten Albert-Campion-Schinken mal reaktivieren, doch die sind leider zwischendurch verschütt gegangen. Schade.
Vielleicht besorge ich mir ja auch mal die Verfilmungen für die anstehenden langen Winterabende. Ein guter Tipp !

Lord Peter Offline




Beiträge: 523

27.10.2019 12:38
#17 RE: Justice neatly executed: Campion (GB 1989-90) Zitat · Antworten

Neusynchro der letzten beiden Folgen war unnötig, offenbar wurden schon zu DDR-Zeiten alle synchronisiert, aber nicht ausgestrahlt. Aber kurz nach der Wende gab es eine einmalige vollständige Ausstrahlung im ORB.

schwarzseher Offline



Beiträge: 606

25.12.2019 12:36
#18 RE: Justice neatly executed: Campion (GB 1989-90) Zitat · Antworten

Die erste Folge (also quasi der Einstieg ) von Capmion gesehen und unweigerlich mit Lord Peter verglichen. Campion ist lockerer /leichtfertiger ? und sein Diener Lugg ist bei weitem kein Bunter .
Aber damit sollte man die Vergleiche auch gut sein lassen .
Als Einstieg gefällt mir die Folge gut und bin gespannt wie es weiter geht.Zwar mag ich es nicht besonders wenn zum Schluss was im dunkeln bleibt ( was war den jetzt hinter dem Visier um so eine tödliche Reaktion auszulösen ?/Visier auf oder zu usw. )aber gut........

schwarzseher Offline



Beiträge: 606

07.01.2020 19:42
#19 RE: Justice neatly executed: Campion (GB 1989-90) Zitat · Antworten

Die erste Staffel habe ich jetzt hinter mir und ich werde die zweite auch ordern.Nachdem man sich etwas rein gesehen hat finde ich die Folgen schon recht interessant und kurzweilig.Campion/Davison ist schon irgendwie die jüngere Ausgabe von Lord Peter aber hinter dem burschikosen leichtlebigem Auftreten blitzt doch auch die Ernsthaftigkeit auf wenn es nötig ist .Gefällt mir gut. Lugg ist natürlich ein eher aufmüpfiger Butler der nicht nur dienen sondern auch an den Fällen teilhaben will ....wenn man sich dran gewöhnt hat gefällt es eigentlich gut.
Auch die Fälle ( sogar mit Cliffhänger )sind spannend ( das man natürlich als Krimi "Experte" schonmal auf den richtigen tippt....geschenkt )

Fazit: mehr davon.......

Dr. Oberzohn Offline



Beiträge: 399

18.06.2020 20:03
#20 RE: Justice neatly executed: Campion (GB 1989-90) Zitat · Antworten

Habe die ersten vier Folgen der Mini-Serie auch gesehen.

1. Dame im Visier dürfte die Verfilmung des Buches Der Hüter des Kelchs sein, einer der ganz frühen Albert-Campion-Fälle, die noch mehr abenteuerlich als kombinatorisch ausgelegt waren. Die Handlung ist manchmal fast unfreiwillig etwas albern geraten, Allinghams Vorstellungen von organisierten Diebesbanden waren wohl noch idealisierter als die von Wallace. Dazu passen noch der wiederaufgetauchte Millionenerbe, ein fabelhaftes Ungeheuer und andere Zutaten. Als Einstieg gelungen, doch für sich gesehen sicher nicht ganz oben rangierend...

2. Der Tod des alten Andrew (deutsch: Polizei auf Beerdigung) ist auch ein früher Roman der Autorin. Hier ist das Vorgehen schon detektivischer, wie schon angemerkt, erinnert es sehr stark an einen von Sherlock Holmes` Fällen, ist aber um einiges ausgebaut. Doch der Grundplot ist der selbe. Eine angenehm britische Atmosphäre, mit einer verschrobenen Familie, deren Mitglieder sich aus vollem Herzen hassem, aber des Geldes wegen zusammen leben müssen. Eine Steigerung zum ersten Teil.

3. Ein Schwein wird beerdigt ist unter Der Fall Pig in Deutschland als Kriminalroman erschienen. Der Film ist ein richtig gelungener Whodunit, hier zeigt sich Allinghams gesteigerte Professionalität zur Mitte der dreißiger Jahre hin, die sie auch ernsthaftere und verwickeltere Probleme für ihren Mr. Campion ersinnen ließ. Dessen klammheimliche Freude über das vorzeitige Abtreten seines Peinigers aus der Kindheit ist durchaus verständlich und menschlich, der vorgestellte Kriminalfall selber macht richtig Lust auf das Lesen des Buches.

4. Die Bilder eines Verstorbenen wurde bei uns unter dem unbeholfenen Titel Wenn Geister sterben als Buch veröffentlicht, auch mit einer mehr als klassischer Detektivroman konzipierten Handlung, diesmal in Künstlerkreisen. Die sind ja bekanntermaßen immer etwas extravagant, doch schließlich gibt es Tote, und hinter allem steckt nur wieder die Jagd nach dem Gelde. Mord in voller Gesellschaft bei plötzlich einsetzender Dunkelheit - ein ewiges Thema. Aber auch ein Mörder, der die Falle, die Campion ihm stellen will, fast selber zuschnappen lässt...

Eine hübsche Reihe der BBC im Stile der goldenen Zeit der Detektive, mit sehr sympathischen Schauspielern, besonders des Campion-Darstellers, welcher gar nicht so töricht daherkommt wie die Buchfigur. Ist wirklich typisch englisch, nicht übermäßig verwirrend, eher ruhig, aber schon mit gelegentlichen Elementen der Aktion. Campion gerät auch mehrmals in Lebensgefahr, manchmal verliert er auch fast sein Herz, doch da er zu lange wartet, bedient sich die Damenwelt woanders... Das Verhältnis zu seinem ehemals Unterwelt-Butler ist eigenartig, beide sind zueinander mitunter recht grob, doch auch zugetan.
Werde mir mal den zweiten Teil der Collektion beschaffen, der soll ja noch ausgereifter sein.

Dr. Oberzohn Offline



Beiträge: 399

16.07.2020 18:20
#21 RE: Justice neatly executed: Campion (GB 1989-90) Zitat · Antworten

Albert Campion – Teil 2 (1990):


Süße Gefahr (Sweet Danger)

In der fünften Episode der Verfilmungen von Margery Allinghams Romanen hat man sich wieder eines frühen Krimis bedient, der ein bisschen Ähnlichkeit zum Serienstart Dame im Visier aufweist.
In dem kleinen (fiktiven) Balkanstaat Averno gibt es beträchtliche Ölvorkommen. Dieser kleine Flecken Land war vor Zeiten mal im Besitz der Familie Fitton, eines alten, aber verarmten Adelsgeschlechts. Somit im Prinzip auch britisches Staatsgebiet. Campion wird von höchster Stelle gebeten, Nachforschungen über die Rechtmäßigkeit der Ansprüche zu anzustellen, aber er tut es eher aus dem Grunde, dass er den Fittons helfen will, die in dem ländlichen Weiler Pontisbright leben und auf dem letzten Loch pfeifen. Diesmal hat er neben seinem Butler Lugg noch zwei Freunde mitgenommen, Guffy Randall und Eager-Wright. Die Dorfbewohner sind nicht die gastfreundlichsten, schließlich quartieren sie sich direkt bei den Fittons ein, wobei ihre Tarnung als Touristen schon bald auffliegt. Zu der Gastfamilie zählen auch zwei reizende Schwestern - Mary, für die Guffy sofort entflammt, und der rothaarige Wirbelwind Amanda. Der Campion-Kenner weiß, dass mit dem Auftritt dieser aparten jungen Lady der Grundstein für eine lebenslange Liebe gelegt wird, die sich allerdings erst nach einigen Umwegen manifestiert.
Die vermuteten Ansprüche der Fitton-Family gehen zurück in die Zeit des alten Metternich, dessen Unterschrift auf irgendeinem verschollenen Dokument prangen soll. Das Rätsel um die Vormundschaft über das Fürstentum Averno ist mal wieder in einem Reim verborgen, der seit Generationen überliefert ist. Dafür scheinen die Engländer ein echtes Faible zu haben. Eine Trommel, eine Glocke und eine Edelsteinraute sind die Fingerzeige auf Dokumente, Urkunden und eine Krone, die die Rechtmäßigkeit auf den Herrschertitel und das damit verbundene Geld für die mittellosen Landjunker in Pointisbridge belegen können. Auf zur fröhlichen Jagd ! Der getreue Lugg findet im Dorf einen guten Kumpel, allerdings auch eine Leiche im Moor, die später wieder verschwunden ist. Doch das verwirrt die Schatzjäger nur kurz, schwerwiegender ist allerdings, dass sie ernsthafte Konkurrenz bekommen.
Ein gewisser Brett Savanake, Geschäftemacher, Spekulant und Schlimmeres im großen Stil, versucht sich die Rechte ebenfalls unter den Nagel zu reißen. Gibt es anfangs noch eine Prügelei zwischen Lugg mit seinen Schergen, so versucht er später, sich des klugen Campion auf elegante Weise zu entledigen, indem er ihn als Agent nach Peru anheuert, um dort eine Revolution auszulösen. Campion verschwindet jetzt eine Weile von der Bildfläche, obwohl sich der Betrachter denken kann, dass die wildbewegte Historie des Andenlandes ohne den britischen Inkognitoschnüffler auskommen muss. Der Argwohn verstärkt sich, da jetzt eine vermummte Gestalt durch Pointisbridge schleicht, die den anderen bei der Hatz auf die mythischen Gegenstände immer eine Nasenlänge voraus ist.
Aber der gierige Savanake fährt jetzt schweres Geschütz auf, als Ausgräber eher schlecht als recht getarnt, machen sich seine Gangster in der Gegend breit. Alles mündet schließlich in einen Kampf auf Leben und Tod, der einen eher dunkel-ernsteren Abschluss in die ansonsten märchenhaft-sorglose Geschichte bringt.

Dieser Fall des sympathischen Amateurdetektivs ist wieder kein Whodunit, sondern mehr eine Abenteuergeschichte. Bis auf einen natürlich Verstorbenen, der keinen sonderlich tiefgreifenden Einfluss auf das Geschehen hat, gibt es lange Zeit nicht mal eine Leiche. Bedrohlich wird die Sache dann durch den verbrecherischen Savanake, der in seiner Darstellung, auch durch die Auswahl des Darstellers Ian Cuthbertson, richtig gelungen wirkt. Seine Handlanger, etwa der grobe Schläger im Dorf (den Lugg natürlich aus seinem früheren Leben kennt) oder der automatenhafte, schielende Mr. Parrott, so eine Art Leibdiener des Oberschurken, wirken gleichzeitig skurril und gefährlich. Savanakes Firmensitz samt Personal weckt leichte und sicher gewollte Assoziationen mit dem Hauptquartier eines Bond-Schurken. Später treten seine Schergen mit Maschinenpistolen bewaffnet und Ledermänteln bekleidet wie amerikanische Gangster auf, doch der dramatische Endkampf findet alleine zwischen Campion und Savanake statt, wobei sich wieder einmal zeigt, dass Alberts Stärke eher in seinen kleinen grauen Zellen und nicht in seinen Fäusten liegt. Aber eine morsche Brücke über den Mühlbach sorgt für seine und Amandas Rettung und für ein schlimmes Ende des Bösewichts.
Nebenher gibt es noch einen seltsamen altmodischen Dorfarzt, der offenkundig an Zauberei glaubt und sich zur Gefahr für die Fittons entwickelt und allerlei Schabernack mit Sendern und Sendemasten. Amandas Familie triumphiert nach all den Aufregungen über alle Hindernisse, und der unternehmungslustige Albert hat wohl für die fernere Zukunft eine Partnerin für Beruf und möglicherweise mehr in dem hübschen Mädchen mit den roten Haaren gefunden, deren farbliche Dominanz in der Familie Fitton auch ein Teil der Lösung des Rätsels um die gesuchte Krone ist.

Eine typische Allingham-Story, wer die eher ruhigeren Filme mag, wird auch hier nicht enttäuscht.

Dr. Oberzohn Offline



Beiträge: 399

23.07.2020 20:42
#22 RE: Justice neatly executed: Campion (GB 1989-90) Zitat · Antworten

Dancers in Mourning (Tänzer in Trauer)

Die sechste Episode basiert auf einem Kriminalroman aus dem Jahre 1937. Die Geschichte ist wieder detektivischer angelegt. Albert Campion wird von dem Manager "Sock" Petrie gebeten, dem bekannten Musicaltänzer und -sänger Jimmy Sutane aus einer dringlichen Verlegenheit zu helfen. Der exaltierte Künstler leidet unter dem gehäuften Auftreten recht grober Scherze gegen seine Person, die aus Farbanschlägen, Sachbeschädigungen und sogar leichten Körperverletzungen bestehen. Albert stellt seinen handfesten Butler Lugg als Aufpasser ins Theater ab, was sich erstmal auch zu bewähren scheint. Später werden sie von Sutane auf sein Anwesen auf dem Lande eingeladen, wo sich gerade eine illustre Gesellschaft befindet. Da ist die aufdringliche, wenngleich nicht mehr ganz taufrische Blondine Chloe Pye, die seit kurzem als Darstellerin in Sutanes Nummern arbeitet, weiterhin der junge und sehr neidische Ersatzdarsteller des großen Tänzers, Benny Konrad, der sehnsüchtig auf seinen eigenen Auftritt wartet. Weiter gibt es da noch Sutanes sehr nette Ehegattin Linda, deren Schwester Eve sowie eine auf ihren Chef sehr eifersüchtige Masseurin. Auch der Musiker und Komponist „Squire“ Mercer lebt mit im Haushalt.
Campion und Lugg haben es nicht ganz leicht unter den narzisstischen Künstlern und ihren Anhängseln, das ist der reizenden Linda Sutane wohl bewusst, als sie Albert trotzdem um seine fortdauernde Hilfe bittet. Der findet zunehmend und wohl auch etwas zu viel Gefallen an der leider schon verheirateten Frau. Derweil liegen die Nerven ihres Gatten blank, der auch mal darauf hinweist, dass von seinem Können eine Menge Leute abhängig sind. Doch da passiert es: Sutane überfährt in der Nacht mit seinem schnellen Wagen die unglückliche Cloe, welche kurz vorher von einer Brücke gestürzt war.
Der Doktor schließt eine Schuld von Sutane aus, doch Albert bemerkt, dass der Tod des Opfers schon einige Zeit vorher eingetreten sein muss. Später stellt man fest, dass sie wohl an einem großen Schrecken gestorben sein muss. Der Detektiv ermittelt noch einige interessante Dinge und meint sogar, den Urheber der Attacken auf Sutane gefunden zu haben, als es einen furchtbaren Bombenanschlag gibt, dem auch wieder jemand aus der nächsten Umgebung des Tänzers zum Opfer fällt. Hier ist wohl ein besonders rücksichtsloser Mörder am Werk. Ist am Ende gar der große Jimmy der Täter ? Campion kann nicht verhindern, dass weitergemordet wird, aber am Ende hat er der Gerechtigkeit wieder zum Durchbruch geholfen, obwohl alles einen sehr schalen Beigeschmack hat.

Der aktuelle Fall von Campion hat einige Besonderheiten. Diesmal ist der Held wohl wahrhaftig und unglücklich verliebt, seiner stets im Schatten ihres allseits angehimmelten Gatten stehenden Angebeteten geht es ähnlich, doch es obsiegt die Konvention. Die Kreis der handelnden Personen aus dem Theatermetier ist nicht nur für Albert, sondern auch für den Zuschauer nur mit einiger Toleranz zu verstehen, aber irgendwie waren Künstler zu dieser Zeit ein beliebtes Feld für Kriminalautoren. Demgegenüber wirkt der fast in ein Massaker ausgeartete Bombenanschlag in der Mitte der beiden Folgen fast deplaziert und mit den unbeteiligten Opfern reichlich tragisch. Die Sache ist „schmutzig“ geworden, Campion würde am liebsten aufhören, doch es geht weiter, und der Fall ist ein Beispiel dafür, wie eine Verkettung von unglücklichen Umständen am Ende wirklich in eine Tragödie ausartet. Leider ist auch einiges an Leerlauf zu verkraften, trotz des relativ hohen bodycounts verläuft die Handlung mitunter eher schleppend. Letztendlich kommt die ganze Clique, allen voran ihr großer Chef, moralisch nicht sehr gut weg.

Der Fall mit dem gar nicht so sehr trauernden Tänzer hinterlässt einen etwas zwiespältigen Eindruck. Manchmal wünscht man sich mehr Tempo, obwohl die Handlung an sich sehr dramatisch ist.

Dr. Oberzohn Offline



Beiträge: 399

12.10.2020 16:59
#23 RE: Justice neatly executed: Campion (GB 1989-90) Zitat · Antworten

Blumen für den Richter (Flowers for the Judge)

Im Buchverlag «Goldene Feder» rumort es. Die Geschäftsführer, allesamt Neffen des Verlagsgründers, sind sich über die weitere Ausrichtung des Geschäftes uneins. Besonders das «Heiligtum» des Hauses, ein bisher unveröffentlichtes Manuskript von William Congreve, artet zum Zankapfel zwischen Paul Brande und seinen Cousins aus. William Congreve ist übrigens ein tatsächlich mal existenter Dichter, der um das Jahr 1700 herum lebte und in England ziemlich bekannt sein muss.
Paul Brande, der eine schöne Frau hat, möchte die unbekannte Erzählung veröffentlichen, kann sich aber gegenüber den anderen nicht durchsetzen. Seine bezaubernde Gattin Gina wird indes von seinem Vetter Michael Barnabas angeschmachtet. Die beiden verbringen, in aller Unschuld, sogar öfter mal ihre Freizeit miteinander.
Der der Familie bekannte Albert Campion wird durch Zufall in diese Angelegenheiten verwickelt. Wenig später liegt der plötzlich verschwundene Paul tot in der Mitte der Stahlkammer, welche auch das Manuskript beherbergt und zu welcher es nur einen Schlüssel gibt bzw. geben soll. Es stellt sich schon bald heraus, dass Paul einem Mordanschlag mit Kohlenmonoxidgas zum Opfer fiel, das durch einen Lüftungsschlitz hereingeführt wurden sein muss. Am anderen Ende des Schlauches muss wohl der Auspuff eines Automobils gewesen sein. Nun geraten Gina und Michael in starken Verdacht, vor Gericht kommen weitere Einzelheiten ans Tageslicht, die Michael stark belasten. Hat er seinen Cousin aus Eifersucht auf dessen Frau getötet ?
Campion macht sich auf die Spur, es gibt auch noch andere Personen im Umkreis des Opfers. Der ältere John Barnabas etwa, quasi der Senior der Firma, konservativ, cholerisch und immer auf einen guten Ruf bedacht. Weiterhin Ritchie Barnabas, ein weiterer Vetter im Verlag, der jedoch nur Handlangerdienste leistet und stets ein wenig belächelt wird. Miss Curley, eine platinblonde junge Angestellte, scheint ebenso Geheimnisse zu haben wie die rabiate Miss Netley, alles andere als eine Männerbetörerin. Der ermordete Paul hatte sogar eine Geliebte, wie Albert schließlich herausfindet.
Doch der angeklagte Michael wird für schuldig befunden. Albert muss sich nun sputen, bei einer heimlichen nächtlichen Expedition an den Tatort trifft er im wahrsten Wortsinne mit dem schmierigen Riggett, einem weiteren Bediensteten des Verlages, zusammen. Nun endlich stellen sich manche Dinge in einem neuen Licht dar, ein anderer Mordverdächtiger beginnt sich herauszuformen. Das Ende kommt schnell daher, die Sache geht wieder mal gut aus, Campion und sein getreuer Diener Lugg waren im Dienste Justitias wieder erfolgreich unterwegs.

Albert Campions vorletzter Fall in dieser Serie ist ein Whodunit mit den Zügen eines locked-room-mysteries. Die Ausgangssituation ist ganz passabel und typisch für einen Vertreter dieser Art von Kriminalgarn. Doch leider hat die Inszenierung einige Schwächen. In Margery Allinghams Buchvorlage aus dem Jahre 1936 gab es einen weiteren Cousin in der Familie, der schon vor zwanzig Jahren spurlos mitten von der Straße verschwand. Anlass für etliche Theorien, wie er oder jemand anders das wohl bewerkstelligt haben könnte, selbst der berüchtigte Spring-heeled Jack, eine in Britannien ehemals sehr populäre viktorianische Schauergestalt, wurde als Erklärung herangezogen. In der Verfilmung ist von diesem Thema offenbar nichts geblieben. Ebenso wurde das Geheimnis des Congreve-Manuskriptes zwar gelüftet, aber doch nicht so recht zufriedenstellend; was es nun direkt mit dem Verbrechen zu tun hatte, blieb in der Luft hängen. Und das Ende der Geschichte, das nun direkt zwei markante Personen der Handlung betraf und in Beziehung setzte, musste ich mir zweimal ansehen, um den Plot hinlänglich zu begreifen. Leider wurde die Auflösung viel zu hastig in Angriff genommen, wirklich schlecht gemacht.
Vieles ist nun schon zur Gewohnheit geworden: ein Freund, dem Albert aus der Tinte helfen muss, eine Prügelei, bei der er viel einstecken muss (obwohl er diesmal die Oberhand behält), ebenso ein fies eingefädelter Mordanschlag, der fast wie ein Unfall aussah. Nebenher viel üblicher Streit mit Magersfountain Lugg. Dazu eine Auflösung, die solide ist, aber halt keine Christie’schen Dimensionen hat.
Eigentlich durchaus ordentlich, doch das unbefriedigend gefilmte Ende verdirbt die Sache ein bisschen.

Dr. Oberzohn Offline



Beiträge: 399

15.10.2020 19:32
#24 RE: Justice neatly executed: Campion (GB 1989-90) Zitat · Antworten

Gefährliches Landleben (Mystery Mile)

Auf einem Passagierdampfer auf der Rückfahrt von Amerika nach England befindet sich auch Albert Campion unter den Passagieren. Von einem Mitreisenden, dem Kunsthändler Alistair Barber, wird der Inkognito-Detektiv auf einen anderen der Passagiere aufmerksam gemacht. Es ist der amerikanische Richter Crowdy Lobbett, der schon vier Mordanschläge überstanden hat und in Gesellschaft seiner beiden mittlerweile erwachsenen Kinder fährt. Albert gelingt es durch seine wieder mal nur scheinbare Dümmlichkeit, dem unnachgiebigen Vertreter des Rechtes bei einer Zaubervorführung im Vergnügungssalon das Leben zu retten. Denn offenbar ist man dem Richter weiter auf den Fersen.
Daheim in London wird Campion von Lobbetts Sohn Marlowe als letzte Instanz um Hilfe gebeten. Ein zumindest in Kriminalistenkreisen legendärer Bösewicht namens „Simister“ trachtet dem alten Lobbett nach dem Leben, der auf einen Umstand gestoßen ist, der möglicherweise sogar zur Enttarnung des in seiner Person unbekannten Chefs einer weitverzweigten verbrecherischen Organisation führen könnte. Ein paar von dessen Chargen hatte Lobbett schon verurteilt.
Albert quartiert die Lobbetts, zu denen auch die junge Tochter Isopel gehört, bei seinen Bekannten, dem jungen Geschwisterpaar Giles und Biddy Patchett, ein. Die beiden wohnen in Ostengland auf dem Lande in einem Dorf namens „Mystery Mile“, in einer schönen, aber auch etwas unheimlichen Gegend mit Mooren und Treibsand am Strand. Mysteriös geht es indessen wahrlich weiter. Ein bedrohlich wirkender Wahrsager liest den Anwesenden einschließlich des zu Besuch weilenden Pfarrers Swithin Cush aus der Hand vor. Kurze Zeit später hat sich der Geistliche mit seinem Jagdgewehr erschossen.
Wenig später verschwindet Richter Lobbett in einem Irrgarten in der Nähe spurlos. Eine Suche, an der auch die Dorfbevölkerung, unter ihr der unangenehme Händler Kettle, teilnimmt, verläuft erfolglos.
Der Kunsthändler Barber taucht wieder auf, der bei den Patchetts einige Gemälde begutachten wollte, und geht den Anwesenden ziemlich auf die Nerven.
Nun wird auch noch Biddy entführt; durch einen zwielichtigen Unterwelt-Bekannten von Lugg kommt man den Kidnappern im Dienste Simisters auf die Schliche. Eine dramatische Befreiungsaktion steht an. Nach einiger weiterer Aufregung ist es irgendwann so weit: Albert steht dem geheimen Drahtzieher Auge in Auge gegenüber…

In der letzten Folge der Albert-Campion-Reihe hat man sich ausgerechnet einen der allerersten Romane (aus dem Jahre 1930) um den seltsamen Privatdetektiv mit dem unklaren, vielleicht sogar hocharistokratischen familiären background ausgesucht. Hier dominiert noch eindeutig die Turbulenz der Handlung vor dem sorgfältig zurechtgefeilten Krimi-Plot, alles wirkt etwas übertrieben, gewollt mysteriös, doch durchaus spannend, mit leicht gruseliger Atmosphäre. Das bringt der Film großteils auch so rüber. Simister, der kriminelle Mastermind, bleibt mit seiner kriminellen Präsenz lange Zeit eher im Hintergrund, dafür treten ungewöhnlich viele Helfer in seinen Diensten auf. Seine Identität sollte nun nicht übermäßig überraschen. Nachdem er Albert am Ende recht handfest das Lebenslicht ausblasen will, ereilt ihn ein grausiger Tod, den vor und nach ihm schon viele Phantasieschurken erlitten haben – für einen derartigen Mabuse-Verschnitt augenscheinlich die einzige lyrische Gerechtigkeit. Auch sein junger Herausforderer wird stark lädiert – außerdem hat der in Liebesdingen wieder mal das Nachsehen. Denn wenigstens eine Doppelhochzeit muss den Triumph über das Böse noch vervollkommnen, aber halt nicht für den guten Albert.
Die Erlebnisse in Mystery Mile sind wirklich mit deutlich mehr Action als in den Vorgängerfilmen, aber ebenso mit allerlei verschleierten Fingerzeigen auf die Lösung versehen, wie einer Schachfigur oder einem orientalischen Märchenbuch – allerdings vermag deren Entmystifizierung wenig zu überzeugen, durchaus eine Schwäche von Allinghams Literaturvorlage, die durch die Verfilmung nicht gerade verbessert wurde. Bemerkenswert ist bei diesem Fall, dass die Polizei, auf Wunsch aller Beteiligten, komplett außen vor bleibt. Die „Guten“ sind hier auch auf die tatkräftige Hilfe von eher fragwürdigen Gestalten angewiesen. Dafür beweisen Campion und sein Faktotum Lugg einander diesmal eine ungewöhnliche Anhänglichkeit, obwohl es auch an den üblichen gegenseitigen „Nettigkeiten“ nicht mangelt. Ein gelungener Serienabschluss.

Damit wurden die meisten der vor dem zweiten Weltkrieg in Romanlänge verfassten Erlebnisse des Amateurdetektivs wohl auch sehr vorlagengetreu verfilmt. Im Prinzip die etwas älteren „Jugendstreiche“ von Albert Campion, der später dann heiraten und untypischerweise auch altern sollte und von seiner Schöpferin und nach deren Tod sogar noch von ihren Ehemann über vier Jahrzehnte bis Ende der Sechziger Jahre am literarischen Leben gehalten wurde.

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