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 Giallo Forum
Gubanov ( gelöscht )
Beiträge:

01.04.2013 15:05
The Frightened Woman (1969) Zitat · Antworten



The Frightened Woman (Femina ridens)

Erotikthriller, IT 1969. Regie: Piero Schivazappa. Drehbuch: Paolo Levi, Piero Schivazappa, Giuseppe Zaccariello. Mit: Philippe Leroy (Dr. Sayer), Dagmar Lassander (Maria), Lorenza Guerrieri (Gida), Varo Soleri (Verwalter), Maria Cumani Quasimodo (Sayers Sekretärin), Mirella Pamphili (Fußgänger) u.a. Uraufführung (Italien): 4. Dezember 1969.

Zitat von The Frightened Woman
Dr. Sayer verbringt seine Wochenenden auf eine eher außergewöhnliche Weise. Nachdem er sich eine Frau zum eigenen Vergnügen entführt und gefügig gemacht hat, bringt er diese während des Liebesakts um. Dieses Schicksal soll auch die Journalistin Maria ereilen – doch sie schafft es, den Sadisten umzupolen. Wie wird der Sonntag ausgehen?


Man muss Koch Media immerhin einen gewissen Mut zugestehen, „Femina Ridens“ unter dem Giallo-Banner zu vermarkten, denn mit diesem Genre hat der Film ebenso wenig am Hut wie mit den Erwartungen, die er selbst im Zuschauer aufbaut. Selbst ich, der ich den Begriff Giallo recht weit fasse und feine Unterschiede, die etwa zwischen den gelben Krimis und Poliziotteschi bestehen, geflissentlich übersehe, kann nicht ignorieren, dass es in diesem Film trotz Entführung und Mord wirklich keinen ansatzweise entwickelten Krimiplot gibt. In seiner ersten Hälfte handelt es sich um einen über weite Strecken sehr langatmigen Erotikfilm mit SM-Anleihen, während sich die zweite Hälfte, die wesentlich interessanter daherkommt und mehr als Fleisch- und Machtgelüste männlicher Zuschauer bedient, eher einer Mischung aus Thriller und Komödie mit romantischen Momenten zuschreiben lässt.

Philippe Leroy und Dagmar Lassander dürfen in dem Film mehrere Facetten zeigen, was im Bereich des italienischen Sex-and-Crime-Kinos ja auch nicht als vorausgesetzt gelten kann. Leroy gefällt sich in Teil 1 als durchgestylter Machtprotz, der seine Komplexe hinter einer übersteigerten Männlichkeit, wie er sie sich vorstellt, versteckt. Er ist in der Lage, sowohl die Rolle des Narzissten als auch die später ersichtlich werdende äußerste Beunruhigung überzeugend darzustellen. Für Lassander, eine deutsche Schauspielerin mit dem weniger beeindruckenden bürgerlichen Namen Dagmar Regine Hader, war „Femina ridens“ so ziemlich die erste internationale Produktion, die sie natürlich vor allem mit ihren Schauwerten meistert (und das mit Bravour; ihre Natürlichkeit übertrifft Giallo-Püppchen wie Edwige Fenech um Welten), der sie aber auch überzeugend Kampfeswille und Augenzwinkern verleiht.



Andere nennenswerte Rollen gibt es im Grunde gar nicht, denn der Film spielt über weite Strecken sozusagen unter sechs Augen. Die zwei des Zuschauers werden auch gehörig strapaziert, denn Piero Schivazappa machte mit „Femina ridens“ von Anfang an klar, dass es ihm weniger um stringente inhaltliche Schilderungen ging (in einem solchen Film? Gott bewahre!), sondern um das Einfangen optischer Leckerbissen in jeder einzelnen Kameraeinstellung. Damit sind weniger die eher dezenten Körperlichkeiten gemeint als vielmehr die gnadenlos durchkonzipierte Architektur- und Landschaftsinszenierung. Hält man sich vor Augen, dass Schivazappa zuvor nur TV-Filme gedreht hatte, ist das Ergebnis einfach unglaublich. Man stelle sich vor, was die typischen deutschen TV-Regisseure auf der Kinoleinwand angestellt hätten – mit absoluter Sicherheit wäre kein dermaßen stilvoller Film dabei herausgekommen.

Was mich am meisten für „Femina ridens“ eingenommen hat, war die Filmmusik von Stelvio Cipriani. Der Regisseur bezeichnet sie als leichtherzig und auflockernd, während sie zugleich eine triumphale Note besitzt. Das trifft die außergewöhnlichen Kompositionen vortrefflich – mein Favorit findet sich bei der Querfeldeinjagd, bei der Maria Dr. Sayer völlig außer Atem bringt.

Künstlerisch ambitioniertes Filmprojekt mit deutlichen Längen: „style over substance“, damit brachte es ein User bei Dirty Pictures gut auf den Punkt. Schauspieler, Musik und Setting sind hervorragend gewählt, Dramaturgie und Vermarktung aber durchaus verbesserungswürdig. 3 von 5 Punkten.



Die DVD von Koch Media beeindruckt sowohl durch ein gutes Bild mit natürlichen, kräftigen Farben als auch durch das Ereignis der Veröffentlichung an sich. Sie kam für viele Genrefreunde wohl recht unerwartet, weil für diesen Film keine deutsche Synchronisation vorliegt und OmU-Releases relativ selten sind. Koch Media hat jedoch die sinnvolle Gelegenheit, einen OmU-Titel (enthalten sind italienischer und englischer Ton, begleitet von deutschen und englischen Untertiteln) in der Giallo-Collection zu verstecken, genutzt, ohne davon übermäßigen wirtschaftlichen Schaden zu tragen. Den Film begleitet eine Interviewfeaturette mit Regisseur Schivazappa, die über eine halbe Stunde läuft und dabei ausschließlich und detailliert auf den Film eingeht. Erweiterte Szenen, die nur auf Englisch und in VHS-Qualität vorliegen, bieten einen Blick auf geschnittene Zensurauflagen, sind aber wegen der Konsistenz nicht in den Film eingegliedert worden. Da es nur ca. 3 Minuten und einzelne Kameraeinstellungen betrifft, war die Entscheidung wohl auch richtig – der Film funktioniert auch so. Ein englischer Trailer, eine kleine Bildergalerie und ein Posterartwork mit rückseitiger Filmanalyse von Christian Kessler bieten weitere nette Beigaben.

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