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Dieses Thema hat 8 Antworten
und wurde 2.167 mal aufgerufen
 Film- und Fernsehklassiker national
Matze K. Offline



Beiträge: 1.009

24.01.2012 20:08
Der Vorgang (1973, Horst Frank) Zitat · antworten

Der Vorgang (1973, Horst Frank)

Ist auf der Straßenfegerbox 24 drauf, welche ich zu Weihnachten bekommen hab .

OK ich versprach mir nicht wirklich viel von einem Farbfilm der siebzieger Jahre - aber ich wurde auf das äußerst positivste überrascht. Es ein sehr gut gemachter Psycho-Thriller - nicht unbedingt ein Krimi, da viel subtiler. Man zweigt eine Aufstrebenden Wissenschaftler, welcher in eine Leitungsposition einer Firma kommt. Dessen Leben und wie man ihn langsam zum Wahnsinn bringt. Verfolgungswahn durch nächtlichen Telefonterror, eine Frau die vielleicht ein falsches Spiel treibt und ihn wohlmöglich verlassen will. Ein Ex-Mann der Frau, der vielleicht Ihn zum Verrückten abstempeln will. Er difizil das Ganze... Das Ende ist offen.

Bewertung - 4 von 5 Punkte

Posting bearbeitet, Auflösungshinweis entfernt. (Admin)

Grabert Offline



Beiträge: 247

26.01.2012 18:03
#2 RE: Der Vorgang (1973, Horst Frank) Zitat · antworten

Ich kann Matze nur vorbehaltlos zustimmen. Die Straßenfegeredition ist mit einem außergewöhnlichen Film bereichert worden. Fritz Umgelter hat mit "Der Vorgang" einen psychologisch höchst interessanten und gleichzeitig spannenden Kriminalfilm inszeniert, der beweist, dass gute Krimis auch auf Action und Klamauk verzichten können. Klaus Schwarzkopf spielt brilliant den Psychiater, Horst Frank zeigt mal wieder, dass er nicht nur den "Bösewicht" überzeugend darstsellen kann. Die innerlich gebrochene Persönlichkeit wird spoürbar. Die feinsinnige Geschichte von Ladislav Mnacko wird durch das Drehbuch von Helmut Pigge und die Regie sehr subtil und gekonnt umgesetzt. "Die Spannung entsteht und hält sich auf ungewöhnliche Art", heißt es denn auch auf Georgs Krimihomepage. Empfehlen kann ich dazu noch das Interview mit Rolf Becker, das im Bonusmaterial enthalten ist und interessante Informationen zum Film liefert.

Mark Paxton Offline




Beiträge: 341

26.02.2013 18:23
#3 RE: Der Vorgang (1973, Horst Frank) Zitat · antworten

Heute morgen gesehen. Toller Film, tolle Darsteller, eiskalte Atmosphäre. Umgelter war schon ein unglaublicher Regisseur. Frank und Schwarzkopf ergänzen sich prima. Erste Sahne. Und die Nebenrollen. Der wunderbare Kurt Jaggberg und auch Rolf Schimpf ist mit dabei. Und auch Umgelter-Liebling Heinz Weiss ...

Zitat
Empfehlen kann ich dazu noch das Interview mit Rolf Becker, das im Bonusmaterial enthalten ist und interessante Informationen zum Film liefert.

... und das zum Verständnis wohl notwendig ist. Ich gehöre zu jenen, die nach Sicht des Films nicht verstanden haben, wer der Mörder war. Beim ZDF war das wohl ähnlich, Herr Becker erzählt im Interview doch, dass da die Telefone klingelten. Er irrt sich aber, wenn er behauptet, es sei der erste TV-Auftritt Rolf Schimpfs gewesen.
Autor Ladislav Mnacko scheint damals sehr bekannt gewesen zu sein, hat jemand die anderen Filme, die von ihm stammen gesehen? "Flucht" ist ja auch in einer Straßenfeger-Box, aber es gibt laut Krimihomepage noch "Die Rache" und "Das einsame Haus" von 1974. Kennt die wer? Würde mich interessieren.

Havi17 Offline




Beiträge: 2.946

27.02.2013 12:32
#4 RE: Der Vorgang (1973, Horst Frank) Zitat · antworten

Gruss
Havi17

Gubanov Offline




Beiträge: 14.778

13.03.2013 22:00
#5 RE: Der Vorgang (1973, Horst Frank) Zitat · antworten



Der Vorgang
TV-Psychokrimi, BRD 1973. Regie: Fritz Umgelter. Drehbuch: Helmut Pigge (Buchvorlage: Ladislav Mňačko). Mit: Horst Frank (Viktor), Andrea Dahmen (Helena), Rolf Becker (Alfred), Klaus Schwarzkopf (Klöss), Ivan Desny (Boss), Guido Wieland (Murr), Karl-Heinz Staudenmayer (Kirchhoff), Edd Stavjanik (Guttaler), Kurt Jaggberg (Dunker) sowie Marlies Schoenau, Wilfried Klaus, Lebrecht Honig, Heinz Weiss, Harry Kalenberg, Peter Capell, Alexander Hegarth, Herbert Tiede, Erich Ude, Sky Dumont, Rolf Schimpf. Erstsendung: 7. März 1973, ZDF.

Zitat von Der Vorgang
Auf merkwürdige, aber anständige Weise ist Viktor sowohl zum Posten des Firmenchefs eines großen Chemiekonzerns als auch zur Frau seines besten Freundes Alfred gekommen. Beides fällt ihm nun auf die Füße: Die schöne Helena möchte sich scheiden lassen und geschäftliche Verantwortung und Vermögen sorgen dafür, dass in Viktor ein immer stärkerer Verfolgungswahn aufkeimt. Er wendet sich an einen altbekannten Psychiater, der ihm aber auch nicht helfen kann. Ein Ausweg führt auf eine einsame Insel ...


Bevor Percy Lister und ich diesen TV-Film einlegten, hatten wir zwei Dinge nicht erwartet. Einmal die subtil spannende Thriller-Atmosphäre, die Cast und Produktionsjahr kaum hätten vermuten lassen, und andererseits die Laufzeit von kaum weniger als zwei geschlagenen Stunden. Ersteres verhilft dem „Vorgang“ gerade in seiner ersten Hälfte, in der die Geschichte auf komplexen Handlungsebenen eingeführt und zwischen Personen und „Zeitkapseln“ hin- und hergesprungen wird, zu einer erfreulichen Tiefe und einer latenten, recht exquisiten Spannung. Die Tatsache jedoch, dass der Roman nicht in normaler Spielfilmlänge umgesetzt wurde, sorgt – je weiter der Plot voranschreitet – für eine Großzahl an Längen und ein Verwischen des anfangs gut aufgebauten Suspense. Spätestens ab dem Augenblick, in dem sich Helenas und Viktors Wege wieder trennen, mäandert der Film nur noch lustlos von Szene zu Szene, was sowohl Fritz Umgelters trockener Regie als auch der typischen Vorliebe der Siebziger, Krimistoffe möglichst umfangreich auszuwalzen (siehe auch Plüsch-Krimis: Stil vor Tempo u.ä.), angekreidet werden darf.
Dabei spielt „Der Vorgang“, was seine Ausstattung angeht, auf einem hohen Niveau, das durch gute Kulissen, eine solide Kameraführung und eine durchgestylte Ausstrahlung manifestiert wird. Die Aufnahmen der ungenannten Stadt, in der die Geschichte spielt, ließen uns die Drehorte im Süden – etwa in Italien oder Jugoslawien – vermuten, sodass es mich wundert, nun zu lesen, dass offenbar „nur“ in Burghaußen, Regensburg und Passau gefilmt wurde. In anderer Hinsicht sind die Zitate, die Georgs Krimihomepage bietet, doch sehr aufschlussreich („einer, der im Geschwätz ertrinkt“) – nämlich gerade in Bezug auf die utopische Länge des Films, die bei radikalerem Ansatz eines mutigeren Drehbuchautoren gut um ein weiteres Drittel bis die Hälfte hätte gekürzt werden können.
Aus dem Cast überzeugt vor allem Klaus Schwarzkopf, der wieder einmal das Glück hatte, durch seinen guten Namen eine ausgefeilte und stimmige Rolle zu erhalten. Auch Ivan Desny und Rolf Becker lieferten erwartungsgemäß ab – wohingegen der kleine Auftritt des Super-Charmeurs Sky Dumont bei uns naturgemäß für einige unfreiwillige Erheiterung sorgte. Die Hauptrolle übernahm jedoch Horst Frank. Als Gangster am Rande der Ereignisse geht dieser in vielen Filmen als eine Art Idealbesetzung durch, als tragischer Held in „Der Vorgang“ versäumt er trotz eines glaubwüridgen Spiels jedoch, die Sympathien des Zuschauers einzufangen. Frank setzt immer dann Akzente, wenn Wut und Angst aus ihm ausbrechen; in stilleren Momenten und luxuriöser Umgebung machte er zumindest auf mich einen etwas fehlplatzierten Eindruck.

Die hohen Produktionswerte verbergen nicht, dass nicht alles, was gut gemeint ist, auch gut gemacht wird. Während Optik und Darsteller sehr überzeugen, bleibt nach einer unerwarteten Marathonsichtung doch ein flaues Gefühl, man hätte die Geschichte nicht nur deutlich griffiger erzählen können, sondern auch müssen. 3 bis 3,5 von 5 Punkten.

PS: Schade ist, dass sowohl die Inhaltsangabe auf der DVD-Verpackung als auch die erste Besprechung in diesem Thread den Verdacht des geneigten Zuschauers von Anfang an auf den Mörder lenken. Vielleicht lag es auch daran, dass der Spannungsbogen nicht funktioniert hat? Aus dem Film auf die Identität des Verbrechers zu schließen, fiel uns im Übrigen nicht schwierig. Nicht immer muss alles explizit erklärt werden – genau aufpassen hilft auch.

Matze K. Offline



Beiträge: 1.009

13.03.2013 22:24
#6 RE: Der Vorgang (1973, Horst Frank) Zitat · antworten

Zitat von Gubanov im Beitrag #5

Vielleicht lag es auch daran, dass der Spannungsbogen nicht funktioniert hat? Aus dem Film auf die Identität des Verbrechers zu schließen, fiel uns im Übrigen nicht schwierig. Nicht immer muss alles explizit erklärt werden – genau aufpassen hilft auch.


Wenn ich dir den Spaß verdorben habe, tut es mir leid...

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Immer wenn du lügst, muss Jesus Blut weinen.
(Todd Flanders)

Gubanov Offline




Beiträge: 14.778

13.03.2013 22:28
#7 RE: Der Vorgang (1973, Horst Frank) Zitat · antworten

Keine Sorge! In den Fußspuren des Psychiaters wandelnd, würde ich eher analysieren: Der DVD-Text hat mir den Spaß verdorben und dir, unabhängig davon, eine Idee für den Bericht geliefert.
Aber da fällt mir doch glatt noch ein Erklärungsversuch ein: Eine etwas hervorstechendere Musik hätte den Film auch noch einmal unterhaltsamer gemacht.

Ray Offline



Beiträge: 727

23.12.2015 19:12
#8 RE: Der Vorgang (1973, Horst Frank) Zitat · antworten

Der Vorgang (BRD 1973)

Regie: Fritz Umgelter

Darsteller: Horst Frank, Klaus Schwarzkopf, Rolf Becker, Andrea Dahmen, Ivan Desny, Kurt Jaggberg, Sky Dumont u.a.



Dr. Brandner (Horst Frank) sucht seinen alten Schulkameraden Klöss (Schwarzkopf) auf, der inzwischen Psychiater ist. Der Grund: er glaubt, dass ihm jemand nach dem Leben trachtet. Doch wer ist der Unbekannte? Sein Ex-Chef (Ivan Desny), der einst über einen Skandal stolperte und für Brandner weichen musste? Sein Freund Alfred (Becker), dem er die Frau ausspannte? Oder gar seine Frau selbst, mit der es mehr und mehr zu Problemen kommt?

"Der Vorgang" ist ein außergewöhnlicher, sehr ambitionierter TV-Krimi Fritz Umgelters. Das beginnt schon bei der Art der Erzählung. Teils in Rückblenden, teils in der Gegenwart, schildert der Film eine Tour de Force des Hauptdarstellers Horst Frank, der im Laufe des Films privat wie beruflich an den Abgrund gerät. Die wunderbaren Außenaufnahmen in Passau und Regensburg sowie die kargen Bilder auf dem Areal des Chemiekonzerns, welche die beklemmende Atmosphäre, die durch die Schilderungen der Hauptfigur geschaffen wird, illustrieren und verstärken, bleiben im Gedächtnis des Zuschauers haften.

Horst Frank, im Kino der 1960er-Jahre auf Ganovenrollen gebucht, immer ein wenig im Schatten von Klaus Kinski, mit dem er jedoch auch mehrfach gemeinsam vor der Kamera stand (etwa "Das Geheimnis der chinesischen Nelke"), ist ein stets gern gesehener Gast. Eines der ganz großen Mysterien in der Wallace-Geschichte ist und bleibt, warum er nie in einem "echten" Wallace-Film Film auf der Besettzungsliste stand - seine beiden Auftritte in den BEW-Gialli Anfang der 1970er einmal außen vor. Seine Darbietung in diesem TV-Film ist phänomenal. Es gelingt ihm, durch präzises, emotionales - gleichwohl nie überzogenes - Spiel der gebrochenen Figur des Dr. Brandner Leben einzuhauchen und sie über die fast zwei Stunden interessant zu halten.

Womit man zu dem Kritikpunkt des Films gekommen wäre. Der durchschnittliche deutsche Kriminalfilm geht nun einmal 90 Minuten und wenn man von dieser Norm abweicht, bedarf es überzeugender Argumente, welcher der Film jedoch ermangelt. Spätestens bei der Episode Brandners auf der einsamen Insel bricht der Film nicht nur aus seiner beklemmenden und dichten Erzählung, sondern auch aus jedwedem Realismus aus. Im Übrigen bringt sie den Film kein Stück weiter. Doch aufgepasst, wer den Film jetzt abschreibt, begeht einen Fehler, denn nach Brandners Rückkehr überschlagen sich die Ereignisse. Demjenigen, der in den folgenden Minuten nicht mehr die nötige Aufmerksamkeit aufbringt, geht es möglicherweise am Ende so wie anno 1973 vielen Fernsehzuschauern, die nach dem Ende des Films zigfach beim Sender anriefen: er wird sich fragen, wer der Täter ist! Denn in Worten wird dieser nicht entlarvt, doch machmal sprechen Bilder eben mehr als tausend Worte...


"Der Vorgang" ist ein Ausnahmefilm mit Ecken, Kanten und Schwächen. Psychothriller aus deutschen Landen sieht man selten. Welche mit solch überzeugenden Darstellern noch seltener. Daher 4 von 5 Punkten für ein außergewöhnliches, atmosphärisches und beklemmendes Filmerlebnis.

DanielL Offline




Beiträge: 3.697

26.02.2017 00:30
#9 RE: Der Vorgang (1973, Horst Frank) Zitat · antworten

Zu lang geratener Vorstoß des ZDF im Bereich des Psychothrillers. Wer die Geduld aufbringt, rund eine Stunde darauf zu warten, dass sich die träge ansteigende Spannungskurve zuspitzt, bekommt Horst Frank und Klaus Schwarzkopf in starken Szenen geboten, die erkennen lassen, was vielleicht noch möglich gewesen wäre. Gerade was damals wohl einige Fernsehzuschauer verärgert haben mag, stimmt mich am Ende versöhnlich: Umgelter deutet auf des Rätsels Lösung, ohne plakativ zu werden. Auch die anachronistische Erzählweise weiß zu gefallen, kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es letztlich zu einer nicht besonders logischen Verquickung von Ereignissen kommt. Neben den offenkundigen Längen hätte ich mir darüber hinaus auch von einem '73er-Thriller audiovisuell mehr versprochen. Zwar drehte man in aufwändigen Kulissen, aber weder Musik noch Kamera machen sich von der eher starren Inszenierungstradition des Fernsehkrimis frei.

Psychothriller, der seine starken Momente hat, diese aber auf zu viele Minuten verteilt und mich insgesamt nicht restlos überzeugt. Allein die Tatsache, dass sich das ZDF dem Subgenre mit durchaus genießbaren, interessanten Ansätzen näherte, will ich nicht durch hohe Punktzahlen überbewerten: 3/5!

Auch ich möchte noch mal die tlw. unglücklichen Inhaltsangaben anmerken. Das betrifft nicht nur Hinweise auf die Auflösung, sondern auch die Frage, wer im Film (nicht) überlebt - das wird bsp. auf der Krimihomepage vorweggenommen. Mich hats nicht getroffen, da ich die Inhaltsangaben und Bewertungen alle erst hinterher gelesen habe, würde aber eine Bearbeitung anregen.

Nachtrag: Posting hier im Thread wurde bearbeitet, Auflösungshinweis entfernt.

Gruß,
Daniel

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