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Dieses Thema hat 15 Antworten
und wurde 1.618 mal aufgerufen
 Giallo Forum
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Enrico Rosseni Offline




Beiträge: 124

24.04.2008 13:42
The Psychic / Die sieben schwarzen Noten (1977) Zitat · antworten

Nachdem die DVD ja schon etwas länger von Severin erhältlich ist, habe ich mir diese nun auch gestern endlich ansehen können. Nach einigen Bemerkungen, die ich bislang gelesen hatte, bin ich eher ohne große Erwartungen rangegangen. Vor allem wurde er oft als recht behäbig und sehr ruhig beschrieben, was ich für mich aber nicht so erkannt habe.

Im Film geht es um eine junge Frau, die von einer Vision geplagt wird, die allerdings nur aus einzelnen Bildern besteht, die erst mal keinen Zusammenhang ergeben. Allerdings erkennt sie kurze Zeit später eine Wand aus ihrer Vision wieder, hinter der sie in einem zugemauerterten, kleinen Loch ein menschliches Skelett findet. Nun wird ihr Lebensgefährte von der Polizei verhaftet, weil man ihn als Täter beschuldigt. Die junge Frau versucht nun ihrerseits, dessen Unschuld zu beweisen und sucht nach dem wahren Mörder und kommt dabei auch immer mehr hinter das Geheimnis ihrer Vision.

Der Aufbau der Geschichte ist für einen italienischen Film aus den 70ern eher gradlinig und schlüssig ausgerichtet. Es gibt eigentlich kaum nennenswerte Sprünge im Plot und die Aktionen sind weitestgehend nachvollziehbar. Die Beweise, die von der Polizei herangezogen werden, um die Verhaftung zu rechtfertigen, sind zwar reichlich albern, und das ein oder andere kleinere Detail hinterlässt auch leichte Zweifel, was aber nicht sonderlich ins Gewicht fällt. Dafür gibt es immer wieder kleinere Wendungen im Plot und das langsame Entschlüsseln der einzelne Sequenzen der Vision sorgt durchweg für reichlich Spannung. Das Finale geht fast über eine halbe Stunde und ist bis zur Endsequenz packend. Nicht ganz offensichtlich war für mich, wie es dann tatsächlich endete, da ich eigentlich zwei Möglichkeiten sehe, aber hierüber zu philosophieren, würde einen Major-Spoiler bedeuten, durch den ich hier aber niemandem den Spaß und die Spannung verderben möchte.

Von der Inszenierung und Stimmung erinnerte mich der Film deutlich an "Lizard in a Woman's Skin", der ebenfalls von Fulci ist. Beide Filme sind vom Plot und der Inszenierung sehr ähnlich aufgebaut, lediglich der Sleaze-Faktor, den "Lizard ..." noch zu bieten hatte, fehlt hier vollkommen, was aber kein Nachteil ist. In meinem persönlichen Ranking stehen beide Filme auf einer Stufe - ganz knapp hinter "Don't Torture a Duckling". Für mich eindeutig eines von Fulcis Meisterwerken.

kaeuflin Offline




Beiträge: 1.259

24.04.2008 14:00
#2 RE: The Psychic / Die sieben schwarzen Noten (1977) Zitat · antworten

Na, dann bin ich mal gespannt - habe den Film trotz einiger negativer Komentare bei Sazuma bestellt. Nur wie bei Sazuma üblich wartet man darauf immer etwas länger (besonders wenn man mehrere Artikel bestellt hat). Was du schreibst, klingt auf jedenfall gut.

Peter

Happiness IS the road! (Marillion)

Enrico Rosseni Offline




Beiträge: 124

24.04.2008 14:30
#3 RE: The Psychic / Die sieben schwarzen Noten (1977) Zitat · antworten

Bei Sazuma hatte ich einmal etwas bestellt - ist aber schon länger her - und auf die DVDs fast 5 Wochen warten müssen. Das war dann auch das letzte Mal, dass ich dort bestellt habe. Als ideal für US-DVDs hat sich für mich zwischenzeitlich der Marketplace bei Amazon.co.uk herausgestellt. Ich bin schon so was wie Stammkunden bei dem Händler "caiman__usa". Die haben klasse Preise und die DVDs sind immer so ca. nach 2 Wochen bei mir gewesen. Für "The Psychic" hatte ich irgendwas unter 14 Euro inkl. Versand gezahlt. Bislang gab es auch noch nie Probleme mit denen und es gab auch immer einwandfreie OVP-Neuware.

Was mich bei "The Psychic" ein wenig störte, war die teils sehr undeutlich Aussprache. Einige der Darsteller hatte ganz große Probleme mit dem Englischen, weswegen man teilweise doch sehr genau hinhören muss, um wirklich alles verstehen zu können.

eastmancolor Offline



Beiträge: 2.381

24.04.2008 15:13
#4 RE: The Psychic / Die sieben schwarzen Noten (1977) Zitat · antworten

Man liest über den Film leider nur sehr wenig. Aufgrund Deiner Einschätzung, @Enrico Rosseni, werde ich auch mal bestellen.

Gubanov Offline




Beiträge: 15.455

29.05.2011 20:15
#5 RE: The Psychic / Die sieben schwarzen Noten (1977) Zitat · antworten



The Psychic (Seven Notes in Black / Sette note in nero)

Kriminalfilm, IT 1977. Regie: Lucio Fulci. Drehbuch: Lucio Fulci, Roberto Gianviti, Dardano Sacchetti. Mit: Jennifer O’Neill (Virginia Ducci), Gabriele Ferzetti (Emilio Rospini), Marc Porel (Luca Fattori), Gianni Garko (Francesco Ducci), Ida Galli (Gloria Ducci), Jenny Tamburi (Bruna), Fabrizio Jovine (Commissioner D’Elia), Riccardo Parisio Perrotti (Melli), Loredana Savelli (Giovanna Rospini), Bruno Corazzari (Canevari) u.a. Uraufführung (Italien): 10. August 1977.

Zitat von Seven Notes in Black
Auf einer Autofahrt ereilt die frisch verheiratete Virginia die Vision eines Mordes. Sie ist geschockt, als sie später im Haus ihres Mannes das Zimmer aus ihrer Sehung erkennt, und greift zur Spitzhacke. Tatsächlich: Hinter der Wand findet sie ein Skelett. Schritt für Schritt macht sie sich mit der Hilfe des Psychologen Fattori daran, die Hintergründe der Tat mithilfe ihrer persönlichen Gefühle aufzuarbeiten. Dabei gerät Virginia selbst in Lebensgefahr...


Im Gegensatz zu den strikt rationalen frühen Gialli wie denen der Dario-Argento-Tier-Trilogie oder der Wallace-Spätphase appelliert „Seven Notes in Black“ an den Zuschauer, die Visionen Virginias als das zu akzeptieren, was sie sind: unerklärte und unerklärliche Phänomene einer außergewöhnlichen Persönlichkeit. Der Film macht sich nicht die Mühe, das Übernatürliche zu rechtfertigen oder nach Gründen für die „Fähigkeiten“ der jungen Frau zu suchen, sondern verwebt seine mystischen Momente mit einem Kriminalfall, der klassische Kombinationen und das Verfolgen verschiedener Fährten erfordert. Obwohl ich meine größten Filmvergnügen bisher immer in der realen Welt verortet habe, konnte ich den ebenfalls als „The Psychic“ (Das Medium) vermarkteten Krimi doch ungemein genießen, schließlich bietet die Handlung für Fans von Wallace, Christie und Konsorten Qualitäten, die die eines herkömmlichen Giallo weit überbieten.

Jennifer O’Neill erscheint in ihrer Titelrolle zugleich verletzlich und offenkundig von einer Gefahr überschattet als auch eigenständig und anpackend. Classic-Horror-Rezensentin Lindsey Churosh schreibt über sie:

Zitat von „The Psychic“ auf Classic-Horror.com
While Jennifer O’Neill is the definition of a beautiful woman, her Virginia is not the typical giallo helpless-victim-of-circumstance. Sure, she has a vulnerable side, but she is bright, intelligent, and fully aware that she is treading in dangerous waters; she also turns amateur detective with more gusto than some other giallo protagonists – twenty minutes into the film, we find her hacking away at a wall with a pickaxe, searching for a body that she is convinced is buried there.


Was „Seven Notes in Black“ auf Darstellerseite ebenfalls auszeichnet, ist die Tatsache, dass der Film auf Englisch aufgenommen wurde. Während Jennifer O’Neill in breitem amerikanischen Akzent spricht und sich damit ein Alleinstellungsmerkmal sichert, das sie für die englischsprachigen Zuschauer des Films in besonderem Maße zur Identifikationsfigur werden lässt, parlieren die italienischen Darsteller mit deutlichem muttersprachlichen Einschlag. Die Atmosphäre, die durch diese Diskrepanz entsteht, sorgt für Glaubwürdigkeit und gleichmäßige Verteilung von Verdacht, Misstrauen und Angst gegenüber allen Charakteren außer der Protagonistin.



„Sette note in nero“ beginnt mit der Art Bilder, die man von Lucio Fulci, dem Regisseur von „Don’t Torture a Duckling“ oder „The New York Ripper“ erwarten würde: Der Sturz einer Frau von den Klippen der englischen Südküste wird in allen blutigen Details gezeigt. Danach spielt der Film aber nicht nur ausschließlich in Italien, sondern beschränkt sich auch auf harmlosere, aber nicht weniger wirkungsvolle Effekte. Fulci zeigt sich von einer ganz anderen Seite, indem er Schocks und Schauermomente eher durch die Unsicherheit über die Bedeutung der Vision und ihrer Bruchstücke kreiert als durch Gewalt; der Film ist mithin eher ein Vergnügen fürs Köpfchen denn für die Lust nach Blut und in Leder gewandeten Killergestalten. Selbst die Pretitelsequenz ist in ihrer drastischen Form auch inhaltlich überaus zuträglich – der augenscheinliche Fehler der gleichen und doch nicht gleichen Uhrzeiten in Florenz und England (für beide Orte wird 11.45 Uhr im Bild eingeblendet) erweist sich in Hinsicht auf eine zentrale Wendung des Films als durchaus vielsagend.

Die Spannung zieht kontinuierlich an und wird mit jeder der in kluger Kamera- und Schnitttechnik umgesetzten Szenen aus Virginias „Parallelwelt“ gesteigert. Damit verbindet die Handlung einen ungeklärten Mord in der Vergangenheit, Gefahren in der Gegenwart und Verderben in der Zukunft – mehr als diese Attribute kann man von einem gelungenen und fesselnden Thriller gar nicht erwarten.

Angereichert wird die einzigartige Mixtur durch die Musik des Komponistentrios Fabio Frizzi, Franco Bixio und Vince Tempera. Wenn „The Psychic“ (ungerechtfertigt) bei Kinoauswertung auch keinen großen Erfolg erzielen konnte, so erlangte immerhin der Score im Nachhinein große Würdigung, als Quentin Tarrantino ihn als Unterlegung für seinen Film „Kill Bill Vol. 1“ wählte. Das eindringliche Motiv aus sieben Tönen stand Pate für den Titel „Sette note in nero“ und spielt auch gen Ende dieses makellosen Psychothrillers eine nicht unwesentliche und an beste Edgar-Allan-Poe-Zeiten erinnernde Rolle.

Die Vorstellung, lebendig eingemauert zu werden, erweckt in jedem Menschen eine ureigene Angst. In Fulcis ungewöhnlichem Meisterwerk wird sie als Ausgangssituation für eine vielseitige und in dichten, oft düsteren Szenen erzählte Geschichte um eine Frau mit dem zweiten Gesicht verwandt. 5 von 5 Punkten.

Zur Einstimmung für diejenigen, die den Film noch nicht kennen, hier ein Stück aus dem mitreißenden Soundtrack von Bixio-Frizzi-Tempera. Das brillante Vokalstück „With You“ (gesungen von Linda Lee), das als Titellied dient, ist leider nicht mehr als Online-Video abrufbar.




Die DVD von Severin Films: Vom Genrelabel Severin Film wurde „Seven Notes in Black“ unter dem Titel „The Psychic“ in einer ungeschnittenen Fassung in guter Bild- und Tonqualität veröffentlicht. Der Transfer im Bildformat 1.85:1 ist anamorph codiert; die natürliche, nicht überzogene Farbgebung passt zur zeitweise kühlen Ausstrahlung des Films. Angeboten wird im Gegensatz zu europäischen Veröffentlichungen die englische Tonspur. Als Bonusmaterial sind ein englischsprachiger Trailer (auch bei Youtube einzusehen, aber Achtung – teilweise Spoiler) sowie eine halbstündige Dokumentation zur Entstehung des Films aufgespielt. Die Featurette besteht aus Telefoninterviews mit Beteiligten, die entsprechend auf Italienisch gegeben wurden. Für diese und die italienischen Einblendungen im Film, nicht aber für die gesamte Laufzeit von „Seven Notes in Black“ kann man englische Untertitel mitlesen.

Georg Offline




Beiträge: 2.943

09.10.2011 11:42
#6 RE: The Psychic / Die sieben schwarzen Noten (1977) Zitat · antworten

Sette note in nero
Italien 1977

Jennifer Ducci hat immer wieder Visionen, in denen sie einen Mord beobachtet. Als sie das Landhaus ihres Mannes betritt, gleicht ein Zimmer jenem Raum, den sie gesehen hat. Sie schlägt ein Loch in die Wand und findet dahinter ein Skelett. Das ist der Beginn eines unheimlichen Alptraums, der mit einem unerwarteten Ende aufwartet ...

Auch ich kann mich uneingeschränkt der absolut positiven Kritik anschließen. Wie Gubanov richtig sagt, muss man einfach akzeptieren, dass die Hauptfigur Visionen hat. Was Regisseur Fulci damit macht, ist aber genial. Hochpräzise fügt er die einzelnen Teile und Bilder von Virginia zu einem Gesamtbild zusammen, das am Ende 100% stimmt und stimmig ist. Dass er anfangs alle - inklusive die Hauptfiguren - in die falsche Richtung, nämlich anstatt in die Zukunft in die Vergangenheit ermittlen lässt, ist ein genialer dramaturgischer Clou. Sehr lobenswert ist auch, dass Fulci auf Blut so gut wie verzichtet, einzig die Selbstmordsequenz mit Virginias Mutter, die sich von der Klippe stürzt, erinnert an die Schlusssequenz in Non si sevizia un paperino. Die Bildgestaltung ist überaus interessant, die Verwendung verschiedener Weichfilter lässt das ganze noch etwas mysteriöser erscheinen.

Schließlich sind auch die Schauplätze gut gewählt. Allerdings spielt der Film nicht in Florenz (nur die Titelsequenz auf der Piazzale Michelangiolo mit einem Blick über die toskanische Hauptstadt ist dort gedreht), sondern in Siena. In einer Einstellung spaziert Jennifer über die Piazza del Campo, auf der zweimal im Jahr das berühmte Pferderennen stattfindet und vom Fenster des Polizeibüros aus sieht man auch den darauf befindlichen Campanile (von dem man übrigens einen herrlichen Blick über die toskanische Hügellandschaft hat!).

Die Schauspieler sind alle sehr gut ausgewählt, natürlich ist auch wieder Evelyn Stewart mit an Bord, die in so gut wie jedem Giallo dabei war.
Insgesamt ein überaus spannender und gelungener Film mit einer hervorragenden Dramaturgie. Für "Puzzleteil"-Liebhaber aber auch für Fans klassischer Kriminalstoffe bestens geeignet!

Zitat von Gubanov im Beitrag #5
Was „Seven Notes in Black“ auf Darstellerseite ebenfalls auszeichnet, ist die Tatsache, dass der Film auf Englisch aufgenommen wurde. Während Jennifer O’Neill in breitem amerikanischen Akzent spricht und sich damit ein Alleinstellungsmerkmal sichert, das sie für die englischsprachigen Zuschauer des Films in besonderem Maße zur Identifikationsfigur werden lässt, parlieren die italienischen Darsteller mit deutlichem muttersprachlichen Einschlag.

Das ist allerdings interessant! In der italienischen Version spricht Jennifer akzentfreies Italienisch - wie auch alle anderen. Wäre doch interessant gewesen, sie im Italienischen mit englischem Akzent sprechen zu lassen.

Regie: Lucio Fulci, Buch und Idee: Lucio Fulci, Roberto Gianviti, Dardano Sacchetti, Kamera: Sergio Salvati, Musik: Franco Bixio, Fabio Frizzi, Vince Tempera, Produzent: Franco Cuccu, Mit Jennifer O'Neill, Gabriele Ferzetti, Marc Porel, Gianni Garko, Evelyn Stewart (= Ida Galli), Jenny Tamburi u.v.a.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.533

14.10.2012 20:27
#7 RE: The Psychic / Die sieben schwarzen Noten (1977) Zitat · antworten



BEWERTET: The Psychic (Sette note in nero) (Italien 1977)
Mit: Jennifer O'Neill, Marc Porel, Gianni Garko, Evelyn Stewart, Gabriele Ferzetti, Jenny Tamburi, Fabrizio Jovine u.a. | Regie: Lucio Fulci

Oktober 1959: Eine Klosterschule in Florenz. Die Schülerin Virginia nimmt den Selbstmord ihrer Mutter an einer Küste Südenglands wahr. Die Frau fährt in ihrem Wagen bis zu den Klippen und stürzt sich hinunter. Achtzehn Jahre später ist Virginia, mittlerweile Innenarchitektin, verheiratet und auf dem Weg in ihr neues Zuhause. Ihr Ehemann Francesco Ducci will nach Jahren der Abwesenheit in sein Haus zurückkehren und es von seiner Frau neu dekorieren lassen. Unterwegs muss Virginia mehrere Tunnel durchfahren und hat in einem davon eine Vision: Sie sieht ein Mordopfer und eine Frau, die in einer Zimmerwand eingemauert wird. Umso erschrockener ist sie, als sie feststellt, dass das Zimmer, das sie in ihrer Vision gesehen hat, ein Raum in ihrem neuen Heim ist. Sofort macht sie sich mit der Spitzhacke daran, die vermutete Leiche freizulegen. Tatsächlich findet Virginia das Skelett einer circa fünfundzwanzig Jahre alten Frau, einer früheren Geliebten ihres Ehemanns ...



Diese Besprechung enthält Spoiler.
Wie in den meisten italienischen Gialli trägt auch dieser Film einen sprechenden Titel. Im Englischen wird er mit dem übersinnlichen, parapsychologischen Gehalt seines Inhalts assoziiert, "The Psychic" bedeutet 'medial, hellseherisch veranlagte Person' und weist auf die Visionen der Hauptdarstellerin, die den Film dominiert und den Zuseher führt, hin. "Die sieben schwarzen Noten" geben den Schlüssel zu einer entscheidenden Szene des Films und zudem im Finale ein wenig Hoffnung.

Jennifer O'Neill prägt das Geschehen mit ihrer unverblümten Offenheit und Natürlichkeit. Die im Jahr 1948 geborene Schauspielerin weckt durch ihre Unabhängigkeit und den Wunsch nach Wahrheitsfindung die Sympathien des Zuschauers und drückt dies nicht nur in ihrer Kleidung, sondern auch in ihrem Bewegungsdrang (die leidenschaftliche Reiterin ist in einer Szene hoch zu Pferd zu sehen) aus. Sie ist eine Heldin, wie man sie sich im Giallo wünscht: stark, tapfer, mutig und auf faszinierende Weise schön. Dezent wird ein klassisches Dreieck gezeichnet, dessen Bedeutung sich in den letzten Minuten des Films im Kampf um das Leben einer Frau offenbart. Der Seelenverwandte, dessen platonische Zuneigung für Halt sorgt, und der offizielle Partner als Instanz, die in Frage gestellt wird - sowohl in Bezug auf seine Lauterkeit (er wird wegen dringenden Mordverdachts verhaftet), als auch in Hinblick auf sein eigennützes Verhalten. Das Ehepaar ist erst seit sechs Monaten verheiratet, doch die Vergangenheit wirft bereits ihre Schatten auf die Beziehung. Mit ihrem Psychotherapeuten hat Virginia ein Vertrauensverhältnis aufgebaut, das ihr bei ihren Nachforschungen eine Stütze ist, da sie im Grunde allein ist. Der angetraute Gatte verschwindet bald hinter Gittern und die junge Frau verbringt ihre Tage mit dem Kontaktieren von Zeugen vergangener Tage, Menschen, die Agnese - das Mordopfer - zuletzt gesehen haben. Immer mehr Elemente aus Virginias Vision erlangen Realität und ebnen den Weg zur Erkenntnis, dass die furchtbaren Bilder zum größten Teil Ereignisse zeigen, die in der Zukunft liegen und sie selbst betreffen.



Lucio Fulci verwendet vor allem gedeckte Farben, erdige Töne (braun, rost und grau) um der opulenten Einrichtung der alten Familiensitze und den Auftritten seiner Schauspieler Authentizität und Nachhaltigkeit zu verleihen. Einzig die blutrote Lampe im Mordzimmer und die Verletzungen der alten Frau werden in grellem Ton gezeigt.

Schwere Hölzer, dunkle Treppenhäuser und finstere Parks kontrastieren mit offenen Plätzen und sanften Wiesen, wo Virginia jeweils kurze Szenen des Glücks und der Freiheit erlebt. Die Recherchen, die sie und ihr Arzt anstellen, sorgen für die gleichbleibende Spannung des Films, wobei aufgezeigt wird, dass sich Zeugen irren und Aussagen abgeändert werden können. Das Lied "With you" hallt im Hinterkopf nach, während die Sorge um die Heldin wächst und in einem (halb)offenen Ende kulminiert. Hier greife ich wieder auf den Filmtitel zurück, der den Mörder überführt und dem Opfer Rettung ermöglicht. Die Überbringerin der schwarzen Armbanduhr ist ausgerechnet die Schwester des Täters, die von Ida Galli (auch: Evelyn Stewart) mit tadelloser Damenhaftigkeit gespielt wird. Sachverhalte widerlegen die Vorurteile des Publikums und enthüllen ein Verbrechen aus Habgier und nicht aus Leidenschaft, wie zu Beginn erwartet. Kein Triebtäter, sondern ein kühl kalkulierender "normaler" Mann ist am Werk und negiert somit die Klischees, die dem Giallo allgemein anhaften. Der klug aufgebaute Film unterhält somit auf höchstem Niveau und erzählt eine Geschichte, die sich tatsächlich ereignet haben könnte.

Josh Offline




Beiträge: 7.899

17.10.2014 18:56
#8 RE: The Psychic / Die sieben schwarzen Noten (1977) Zitat · antworten

Der Film erscheint am 1. Dezember 2014 vom Label 84-Entertainment in einer deutschen Synchronfassung, natürlich im Mediabook.
World of Movies: Die sieben schwarzen Noten

Da ich mir den Import bis heute nicht geholt habe, werde ich da zuschlagen. Ich schaue Filme auch lieber auf Deutsch.

Gubanov Offline




Beiträge: 15.455

17.10.2014 19:24
#9 RE: The Psychic / Die sieben schwarzen Noten (1977) Zitat · antworten

Leider wird es sich um eine typische Direct-to-DVD-Synchro in der üblichen davon zu erwartenden Qualität handeln. Wer auf glaubwürdige Stimmen Wert legt, sollte lieber den englischen oder italienischen Ton wählen. Schade, dass "The Psychic" nicht zur Produktionszeit deutsch synchronisiert wurde. Damals wäre noch eine handwerklich gute Vertonung dabei herausgekommen.

Josh Offline




Beiträge: 7.899

17.10.2014 19:55
#10 RE: The Psychic / Die sieben schwarzen Noten (1977) Zitat · antworten

Also ich finde die Synchro im Trailer okay, klingt nicht nach Porno.

Gubanov Offline




Beiträge: 15.455

17.10.2014 20:00
#11 RE: The Psychic / Die sieben schwarzen Noten (1977) Zitat · antworten

Ich hatte mir deine verlinkte Seite angeschaut und mich schon gewundert, weil die DVD-News dort erst heute gepostet wurde. Aber der verlinkte Trailer steht ja schon seit fünf Monaten bei Youtube. Daher war mir dann wohl der Ein"blick" in die Synchro bereits bekannt. Die Männerstimmen gehen in Ordnung; aber wer entschieden hat, diese pubertäre Näselstimme auf Jennifer O'Neill zu legen, hat mir glatt 25 Euro - oder wie viel das Release auch immer kosten soll - erspart. Sicher bin ich bei "The Psychic" gerade deshalb auch so anspruchsvoll, weil es sich in meinen Augen um einen der besten Gialli überhaupt handelt (setze ich ja zusammen mit Sentas Gedächtnis und Darios Handschuhen in meine persönliche Top-3).

Edith ermahnt mich: Ist ja so eine eklige DVD-Blu-ray-Kombo, wäre also eh nix für mich gewesen.

Josh Offline




Beiträge: 7.899

17.10.2014 20:05
#12 RE: The Psychic / Die sieben schwarzen Noten (1977) Zitat · antworten

Ist ja schon lange bekannt, dass der Film kommt, daher auch der alte Trailer. Aber seit heute gibt es einen VÖ-Termin. Ich finde die Stimmen jetzt auch nicht perfekt, aber ich habe schon viel Schlimmeres gehört. Aber die wichtigste Frage ist eigentlich: Was zum Henker hat Sentas Gedächtnis in deinen Top-3 zu suchen? Der Wiener Killer soll sie holen.

Josh Offline




Beiträge: 7.899

17.10.2014 20:08
#13 RE: The Psychic / Die sieben schwarzen Noten (1977) Zitat · antworten

Zitat von Gubanov im Beitrag #11
Edith ermahnt mich: Ist ja so eine eklige DVD-Blu-ray-Kombo, wäre also eh nix für mich gewesen.

Der wird danach noch in mindestens 5 großen und 5 kleinen Hartboxen, wahlweise mit DVD oder BR, vermarktet werden. Alles andere wäre nicht 84.

Josh Offline




Beiträge: 7.899

15.12.2014 19:35
#14 RE: The Psychic / Die sieben schwarzen Noten (1977) Zitat · antworten

Am Wochenende habe ich mir "The Psychic" zum ersten Mal angeguckt. Aufgrund der positiven Meinungen war meine Erwartungshaltung sehr hoch, und ich wurde enttäuscht. Ich hatte einen packenden Giallo erwartet, gesehen habe ich einen langweiligen Krimi, der mich nicht gefesselt hat. Die ständigen Visionen von Virginia gingen mir irgendwann auf den Geist, ich habe mich dabei ertappt, dass ich mehrere Male nachgeschaut habe, wie lange der noch geht. Auch braucht der Film ziemlich lange, bis mal was passiert. Die Blu-Ray von 84 hat ein anständiges, wenn auch nicht perfektes Bild, aber das hat wohl auch niemand erwartet. Die Synchro ist in meinen Augen vollkommen gelungen, sie wirkt nicht billig. Sehr positiv ist auch der Soundtrack.

Fulci hat definitiv bessere Filme abgeliefert, seine Zombiesaga und den "Duckling", der ja auch noch bei 84 erscheinen wird.

Gubanov Offline




Beiträge: 15.455

15.12.2014 22:23
#15 RE: The Psychic / Die sieben schwarzen Noten (1977) Zitat · antworten

Tja, ist halt kein Blankes-Leder- / Blanke-Messer- / Blanke-Brüste-Film, sondern ein richtiger plotbasierter Krimi, wenn auch mit übernatürlichen Elementen. (Nicht dass ich unterstellen wöllte, dir gefiele nur ersteres ... ) Ich bleibe dabei, dass ich den Plot super spannend aufgezogen finde und damit auch deine Langeweile nicht wirklich nachvollziehen kann. Muss aber einschränken, dass dieses ungewisse Herumstochern in der Vergangenheit so eine Sache ist, die mir prinzipiell sehr zusagt (vgl. z.B. Agatha Christie). Und "The Psychic" schlägt für mich perfekt den Bogen zwischen den verschiedenen Storyebenen in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Über die Veröffentlichung von 84 habe ich eher Unschönes gelesen / gesehen. Das Bild ist im Vergleich zur Severin zu dunkel und kontrastmäßig aufgedreht, sodass Nuancen in dunkleren Bildbereichen verloren gehen*. Hinzu kommt, dass man offenbar der Meinung ist, dem unbedarften Filmfreund digital hinzugefügtes Fake Grain für echte Filmkörnung vormachen zu können. Hinzu kommen feste Untertitel bei der englischen Sprachfassung und momentan noch der Zwang, das überteuerte Komplettpaket kaufen zu müssen. Ich rate weiterhin zur Severin.

*) Bildvergleich von Dirty Pictures: Severin-DVD vs. 84-Bluray (Man beachte die Haare links über dem Gesicht.)

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