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Dieses Thema hat 3 Antworten
und wurde 368 mal aufgerufen
 Giallo Forum
Georg Offline




Beiträge: 2.769

02.11.2011 18:48
A Lizard in a Woman's Skin (1971) Zitat · antworten

Una lucertola con la pelle di donna
wörtlich: Eine Eidechse in der Haut einer Frau
Italien / Frankreich / Spanien 1971

Die Tochter eines renommiertem Londoner Anwalts - Carol Hammond - wird von Alpträumen geplagt, in denen sie ihre Nachbarin ersticht. Sie wendet sich an einen Psychiater. Wenig später ist die Nachbarin tatsächlich tot, alle Indizien deuten auf Carol ...

Lucio Fulcis Film hat als großen Pluspunkt die Musik von Ennio Morricone und die Besetzung mit Jean Sorel (Malastrana) und Leo Genn in den männlichen Hauptrollen. Die Geschichte und die Auflösung mag seine Fans erfreuen, die erotisch-bizarren Traumszenen sind sicherlich gut und ästhetisch-grausam inszeniert, aber dennoch finde ich, dass dem Film ein gewisses Tempo fehlt. Das macht die Auflösung - zu der der Titel (der übrigens von Fulci nicht gewollt war) passt - wieder gut. Fulci wollte als Filmtitel La gabbia (dt.: Der Käfig), Produktion und Verleih optierten dann aber im Fahrwasser von Argentos Die neunschwänzige Katze für ein Tier im Titel. Berühmtheit erlangte ebenfalls die Szene mit den sezierten Hunden, die Fulci (wieder mal) eine Klage von Tierschützern einbrachte. Er gewann vor Gericht, da er beweisen konnte, dass es nachgebaute und keine echten Tiere waren.

Insgesamt: ein bizarrer Film, der mich nicht zufrieden stimmt, auch wenn die Fulci-Fans gleich wieder losschreien werden ;-) (wohlgemerkt: handwerklich, bildgestaltungsmäßig und von der Geschichte her ist der Film ok, mir hat er trotzdem nicht so zu gesagt).

P.S.: Ist euch eigentlich aufgefallen, dass Fulci bei all seinen Filmen den gleichen Font für Vor- und Abspann verwendet?

Regie: Lucio Fulci, Buch: Lucio Fulci, Roberto Gianviti, José Luis Martinez Molla, André Tranché nach einer Idee von Lucio Fulci und Roberto Gianviti, Kamera: Luigi Kuveiller, Musik: Ennio Morricone, Produzent: Edmondo Amati, Mit Florinda Bolkan, Stanley Baker, Jean Sorel, Silvia Monti, Anita Strindberg, Alberto de Mendoza, Leo Genn

Cora Ann Milton Offline




Beiträge: 5.110

02.11.2011 18:53
#2 RE: A Lizard in a Woman's Skin (1971) Zitat · antworten

Da ich Leo Genn sehr gerne sehe, kannst du bitte ein paar Angaben zu der Rolle machen, die er in diesem Film spielt?

Georg Offline




Beiträge: 2.769

02.11.2011 18:57
#3 RE: A Lizard in a Woman's Skin (1971) Zitat · antworten

Leo Genn spielt den Vater der Hauptfigur, ...

... einen reichen Anwalt, der um seine Tochter zu schützen, später Selbstmord begeht. So wird es jedenfalls dargestellt.

Gubanov Offline




Beiträge: 14.747

14.06.2017 16:00
#4 RE: A Lizard in a Woman's Skin (1971) Zitat · antworten



A Lizard in a Woman’s Skin / Schizoid (Una lucertola con la pelle di donna)

Kriminalfilm, IT / FR / ES 1971. Regie: Lucio Fulci. Drehbuch: Lucio Fulci, Roberto Gianviti, José Luis Martínez Mollá, André Tranché. Mit: Florinda Bolkan (Carol Hammond), Jean Sorel (Frank Hammond), Leo Genn (Edmond Brighton), Stanley Baker (Inspektor Corvin), Alberto de Mendoza (Sergeant Brandon), Edy Gall (d.i. Ely Galleani) (Joan Hammond), Penny Brown (Jenny, Hippiemädchen), Mike Kennedy (Hubert, rothaariger Hippie), George Rigaud (Dr. Kerr), Anita Strindberg (Julia Dürer) u.a. Uraufführung (Italien): 18. Februar 1971.

Zitat von A Lizard in a Woman’s Skin
Jede Nacht geht Carol Hammond durch die gleiche Hölle: Ihrem Psychiater berichtet sie von wiederholten Alpträumen, in denen sie eine Affäre zu ihrer Nachbarin Julia Dürer unterhält. Doch auf einmal geht der Traum weiter und sie ermordet die Dürer in Gedanken. Nur in Gedanken? Am kommenden Morgen wimmelt es in der Nachbarwohnung von Polizei und Carol Hammond findet heraus, dass Julia Dürer auf genau die gleiche Weise gestorben ist, wie ihr Traum es prophezeite. Obwohl Carol zur Hauptverdächtigen wird, scheint es eine andere Person nun auch auf ihr Leben abgesehen zu haben ...


Den herkömmlichen Lucio-Fulci-Fan, der mit dem Namen des Regisseurs die Blut- und Gewaltexzesse seines späteren Schaffens verbindet, wird „A Lizard in a Woman’s Skin“ durchaus überraschen: Konzipiert als klassisches Krimidrama im Whodunit-Stil mit traumdeuterischen Elementen, wie sie schon Alfred Hitchcock hätte auf die Leinwand bringen können, ist der Fall eines fast perfekten Mordes in der klassisch hochgeschlossenen Londoner upper class angesiedelt, unter deren Oberfläche Ängste und Gelüste für Fulci-Verhältnisse eher zurückhaltend brodeln. Als avantgardistische Zeugnisse einer nervösen Vorstellungskraft präsentiert der Regisseur die eingangs gezeigten lesbischen Liebesszenen, die sich Nacht für Nacht in Carol Hammonds Kopf abspielen und deren Verbildlichung dann auch wiederum an die Vorstellungskraft der Zuschauer appelliert. Erst mit dem Einzug tödlicher Fantasien in Carols Traumwelt legt Fulci den erwarteten handfesten Zunder nach, lässt aber den eigentlichen Mord, nachdem man ihn bereits als Vision erblickt hat, aus naheliegenden Gründen off-screen verüben.

Das führt leider dazu, dass man der gern gesehenen Anita Strindberg nur in Traumsequenzen und Rückblenden begegnet, was insofern bedauernswert ist, als Florinda Bolkan, die die Hauptrolle der Carol spielt, nur ein leidlicher Ersatz und mithin auch eine eher mittelmäßige Identifikationsfigur ist. Bolkan stellte zwar, wenn man ihre total verschiedenen Auftritte in Fulcis „Lizard in a Woman’s Skin“ und „Don’t Torture a Duckling“ vergleicht, eine große Wandlungsfähigkeit zur Schau – darüber ging ihr allerdings ein nachhaltiger Wiedererkennungswert abhanden. Sie wirkt vergleichsweise distanziert und man kann sich weder bei High-Society-Stiefmutter Carol noch bei Dorfhexe Maciara des Eindrucks erwehren, auf dem Bildschirm nur eine Schauspielerin zu sehen, die eine Rolle spielt.



Dieser Umstand hebt leider die Temposchwierigkeiten von „Lizard in a Woman’s Skin“ besonders deutlich hervor. Zwar operiert Fulci hier weit über dem noch zwei Jahre vorher demonstrierten, eher amateurhaften Niveau von „Nackt über Leichen“; den Höhepunkt seiner Kunstfertigkeit hat er aber noch nicht erreicht (ein paar Slow-Motion-Windmaschinen-Träume reichen dazu auch nicht wirklich aus). Man erkennt seine inszenatorische Unsicherheit zum Beispiel in der Verfolgungsszene im Alexandra Palace, die – zunächst spannend – auf eine strapaziöse Länge ausgewalzt wird, die den Zuschauer eher ermüdet als mitreißt, zumal der Ausgang der Sequenz formelhaft und vorhersehbar erscheint. Auch der Einsatz dreier für die Handlung nicht relevanter, deplatziert erscheinender Tierhorror-Momente beißt sich mit dem eigentlich eher eleganten Grusel und legt Zeugnis darüber ab, dass Fulci das Gesamtkonzept des Films noch nicht so stimmig abgesteckt hatte wie in „Don’t Torture a Duckling“ oder „The Psychic“.

Durchweg gute Leistungen sind in den Nebenrollen zu verbuchen. Auch wenn der Auftritt Leo Genns in einem Giallo etwas gewöhnungsbedürftig anmutet, gerät gerade seine Rolle ausgesprochen überzeugend; die Zwiegespräche, die Genn mit Sorel führt, zählen zu den interessantesten „Nebenschauplätzen“ des Films und verleihen ihm internationales Flair. Überhaupt wirkt „Lizard in a Woman’s Skin“ recht aufwendig und teuer produziert und spielt – zumindest in Giallo-Relationen – offenkundig in der A-Liga, wozu die gelungene Kameraarbeit (Luigi Küveiller, „Deep Red“) allerdings mehr beiträgt als der vergleichsweise anonyme Morricone-Score.

Zur Titelfrage muss festgestellt werden, dass „A Lizard in a Woman’s Skin“ zwar alle Merkmale eines klangvollen, mysteriösen Giallo-Titels in sich vereint, letztlich in Bezug auf die Handlung jedoch keinen Sinn ergibt und erst gegen Ende bemüht in Form einer zusammenhanglosen Anmerkung eines unter Drogen stehenden Hippies auftaucht. Fulcis Idee, den Film „Der Käfig“ zu nennen, hätte dem Krimi eine ironische Schlagseite verliehen und die Identifikation mit Carol Hammond vielleicht gestärkt, deren Träume aus der Enge sozialer und familiärer Konventionen herzurühren scheinen und deren Umfeld fast ausschließlich aus Mordverdächtigen besteht. Dass diese Metapher den Weg nicht auf die Kinoplakate schaffte, ist symptomatisch für einen im Kern guten Film, der sich jedoch noch einige grobe Schnitzer in der Form der Präsentation leistet und folglich – zumindest nach der Erstsichtung – weder im Giallo- noch im Fulci-Universum ganz oben mitspielt.

Zurückhaltend elegantes Familiendrama mit interessantem Whodunit und internationalem Cast. Der Film hätte vollends überzeugen können, wenn Lucio Fulci eine interessantere Hauptdarstellerin verpflichtet und sich stärker auf die gehobene Atmosphäre des Streifens konzentriert hätte, anstatt willkürlich und lückenhaft Ekelmomente einzubauen, die (im Gegensatz zu „Duckling“) nicht zum großen Ganzen des Films passen. 3,5 von 5 Punkten.



Die DVD von Optimum / Studio Canal (UK-Import): Die qualitativ hochwertigste DVD-Fassung des Films erschien in Großbritannien bei den im Giallo-Bereich sonst nicht besonders umtriebigen Großlabels Optimum und Studio Canal. Fulcis Frühwerk liegt auf dieser Veröffentlichung ungekürzt und in besten Farb- und Schärfewerten vor. Im Gegensatz zu ihrem üblichen Vorgehen bei Backkatalog-Titeln spendierten Optimum und Studio Canal dem Film sogar optionale englische Untertitel, die sich als nützlich erweisen, falls der Zuschauer auf den mitgelieferten italienischen Originalton zurückgreifen möchte, der die englische Synchronisation ergänzt. Der große Minuspunkt der Auswertung besteht in ihrem Mangel an Bonusmaterial – lediglich ein (sehenswerter!) amerikanischer Trailer wird den Käufern angeboten, während amerikanische Veröffentlichungen über Einführungen und Featurettes verfügen, dafür aber bei der Bildqualität nicht so gut abschneiden. Hier muss der Interessent leider noch zwischen zwei nicht ganz idealen Angeboten abwägen, anstatt ein Rundum-sorglos-Paket geschnürt zu bekommen.

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