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Dieses Thema hat 17 Antworten
und wurde 2.408 mal aufgerufen
 Giallo Forum
Seiten 1 | 2
Gubanov ( gelöscht )
Beiträge:

14.09.2013 01:50
#16 RE: Torso – Die Säge des Teufels (1973) Zitat · Antworten

„Torso – Die Säge des Teufels“ belegt mit 62,86 von 70 Punkten Platz 12 von 35 im Giallo-Grandprix 2013. Der Film wurde also mit durchschnittlich 4,49 Punkten pro Person bewertet. Unter zwölf Teilnehmern erhielt er drei Top-Ten-Nominierungen.

Anzahl der abgegebenen Bewertungen: 7
mit 65,00 Punkten auf Platz 03 in der Kategorie Stil (Inszenierung und Bild)
mit 65,00 Punkten auf Platz 02 in der Kategorie Schock und Provokation
mit 62,00 Punkten auf Platz 04 in der Kategorie Plot und Spannung
mit 60,00 Punkten auf Platz 09 in der Kategorie Darsteller
mit 61,00 Punkten auf Platz 10 in der Kategorie Musik
mit 65,00 Punkten auf Platz 05 in der Kategorie Giallo-Faktor
mit 62,00 Punkten auf Platz 05 in der Kategorie Freie Wertung
Gehe zum IMDb-Eintrag / OFDb-Eintrag

Gubanov ( gelöscht )
Beiträge:

20.07.2014 21:10
#17 RE: Torso – Die Säge des Teufels (1973) Zitat · Antworten



Torso – Die Säge des Teufels (I corpi presentano tracce di violenza carnale)

Kriminalfilm, IT 1973. Regie: Sergio Martino. Drehbuch: Ernesto Gastaldi, Sergio Martino. Mit: Suzy Kendall (Jane), Tina Aumont (Daniela), Luc Merenda (Roberto), John Richardson (Franz), Roberto Bisacco (Stefano Vanzi), Ernesto Colli (Gianni Tomasso, Schalverkäufer), Angela Covello (Katia), Carla Brait (Ursula), Cristina Airoldi (Carol Peterson), Patrizia Adiutori (Florence Heineken) u.a. Uraufführung (Italien): 4. Januar 1973.

Zitat von Torso – Die Säge des Teufels
Eine Gruppe von Kunststudentinnen wird nach und nach dezimiert. Nachdem mehrere Mädchen einem Killer mit einem schwarz-roten Halstuch zum Opfer gefallen sind, setzt sich eine Vierergruppe in ein einsames Landhaus ab, um so der blutigen Spur zu entkommen. Doch weit gefehlt! Der geheimnisvolle Mörder verfolgt die Studentinnen – schon bald sind drei von ihnen tot. Und die vierte muss mit ansehen, wie ihre Freundinnen mit einer Säge in handliche Portionen zerkleinert werden ...


Giallo trifft auf das simpelste Horrorfilm-Rezept, das man sich vorstellen kann. Eine Gruppe von Mädchen in einer einsamen Unterkunft und ein Killer auf der Jagd nach seinen nächsten Opfern. Tausendfach gesehen, aber dennoch besitzt „Torso“ einen herausragenden Ruf. Es muss also etwas dran sein an diesem Film (verschiedene Körperteile aber auch ab, versteht sich ). Kann man dem Plot von „Torso“ schon keine besondere Raffinesse unterstellen, so hat er doch immerhin das Glück, erfahrene und für Qualität bürgende Verantwortliche abbekommen zu haben: Ernesto Gastaldi sorgt dafür, dass sich die Story nicht ins Lächerliche bewegt und dass die Vorhersehbarkeit der Handlung gerade auf einem Niveau bleibt, das Nervenkitzel über Berechenbarkeit siegen lässt. Sergio Martino indes ist es zu verdanken, dass der Film spannungstechnisch zu wahren Hochformen aufläuft. Die Hinführungen zu den Mordszenen sind enorm gelungen, während bei den eigentlichen Taten sowie bei der nachträglichen Entsorgung (Agnes Windeck würde sagen: „Man müsste sie mit einer kleinen Laubsäge ...“) viel der Fantasie des Zuschauers überlassen bleibt. So bleibt „Torso“ trotz seines hohen Gewaltpotenzials problemlos anschaubar und artet nicht, wie zunächst befürchtet, zu sehr in einen oberflächlichen Wachspuppenslasher aus.



Obwohl es in der Mitte des Films einen Bruch zwischen dem städtischen und dem ländlichen Teil der Handlung kommt, der dazu führt, dass verschiedene Vorurteile über die Landbevölkerung ebenso ungeniert auf den Tisch gepackt werden wie Beine und Brüste, bildet „Torso“ auf erstaunlich gelungene Weise eine stringente Einheit. Man hat das Gefühl, der Film sei mehr als eine bloße Aneinanderreihung von Mordszenen. Das liegt daran, dass zwei der Mädchen – Suzy Kendalls Jane und Tina Aumonts Dani – sehr charismatische Leistungen auch überhalb der Gürtellinie abliefern. Suzy Kendall stellte schon in „Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe“ unter Beweis, wie gut sie die Rolle der verfolgten Unschuld im Giallo darzustellen in der Lage ist. Ihr Auftritt in „Torso“ steht dem in nichts nach: Die Angst, die auf ihrem Gesicht geschrieben steht, rettet das superspannende, aber deutlich zu lange Finale fast im Alleingang. Bei der Besetzung muss ich jedoch aussetzen, dass mir John Richardson und Roberto Bisacco einander zu sehr ähneln und es deshalb zu Verwechslungen zwischen ihren Rollen kommen kann. Dagegen geben Luc Merenda, Ernesto Colli und Enrico di Marco unterhaltsame kleine (= zu kleine) Rollen als Retter in der Not bzw. Knallchargen vom Dienst zum Besten.

Während die Optik des Films nicht enttäuscht, ließ mich die musikalische Seite kalt. Der Score von Guido und Maurizio de Angelis untermalt die Szenen unauffällig, was üblicherweise als große Kunst der Filmmusik bezeichnet wird, bei Gialli aber zeigt, dass noch Luft nach oben ist. In diesem Genre soll Musik nicht allein Begleiter des Geschehens, sondern Triebfeder und Entlastung sein, gespickt mit in diesem Fall leider vermissten Ohrwurmqualitäten. Doch letztlich fällt das nicht allzu schwer ins Gewicht, weil zwar keine Melodie, dafür aber so viel anderes aus „Torso“ in Erinnerung bleibt.

„Torso“ ist ein Film, der die Nerven auf eine Zerreißprobe stellt und trotzdem keinen allzu unangenehmen Nachgeschmack hinterlässt. Alle Grausamkeiten wiegt er entweder mit einer gehörigen Portion Schönheit (darstellerischer, drehorttechnischer und fotografischer Natur) wieder auf oder hält nicht erst auf pervers abgestumpfte Art und Weise auf die wacklig begründeten Gewalttaten drauf. Dass natürlich trotzdem ein Schuss Plakativität übrigbleibt, würzt die einfach strukturierte Handlung gehörig mit Pfeffer. Vorerst 4 von 5 Punkten.



Die DVD von X-Rated: Diesmal geht die Auswertung von X-Rated in Ordnung, auch wenn es sicher zu viel des Lobes wäre, große Professionalität zu unterstellen. „Torso“ hat das Glück im Unglück, in 1,66:1 aufgenommen worden zu sein, sodass es an den Rändern nicht viel wegzuschneiden gibt, andererseits verleitet dieses Bildformat X-Rated dazu, den Film nicht anamorph zu präsentieren. Anfänglich sieht die Qualität auch eher fragwürdig aus, aber das beschränkt sich auf den Vorspann (mit einer unschön eingebauten unprofessionellen Titeltafel). Danach bessert sich das Bild und präsentiert sich zufriedenstellend und mit natürlichen, kräftigen Farben. Die Schärfe ist auch immer auf gutem Niveau. X-Rated verleitet den Zuschauer, sich „Torso“ mit deutscher Tonspur anzusehen, weil die einzigen auf der DVD enthaltenen Untertitel die der Fehlstellen in der deutschen Synchro sind (den Unterschied zwischen „sie“ und „Sie“ schien der Autor der UTs nicht zu kennen). Italienischer und englischer Ton sind trotzdem mit drauf, aber die deutsche Variante überzeugt durchaus mit gekonnter Stimmenwahl. Im Bonusmaterial befinden sich diverse „Torso“-Trailer und alternative Creditsequenzen sowie eine Bildergalerie.

Ray Offline



Beiträge: 1.833

08.04.2016 18:24
#18 RE: Torso – Die Säge des Teufels (1973) Zitat · Antworten

Torso - Die Säge des Teufels (I 1973)

Regie: Sergio Martino
Darsteller: Suzy Kendall, Tina Aumont, Luc Merenda u.a.


Ein Haufen schöner Studentinnen gerät ins Visier eines brutalen Mörders ...

Viel mehr muss man zur Story dieses Films eigentlich nicht sagen. „Säge des Teufels“ vereinigt vor und hinter der Kamera Namen, die in den besten Filmen des Genres vertreten waren. Regisseur Sergio Martino („Der Killer von Wien“, „Der Schwanz des Skorpions“), auf Seiten der Darsteller Suzy Kendall („Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe“), Luc Merenda („Der Mann ohne Gedächtnis“), Carla Brait („Das Geheimnis der blutigen Lilie“), um nur einige zu nennen.

Inhaltlich wie formal bestätigt sich, warum der Giallo oft als Vorläufer des italienischen Horrorfilms gesehen wird. Besonders deutlich wird dies in der hochatmosphärischen Ermordung im Wald. Handwerklich ist das, was Martino abliefert, von allererster Güte und dürfte noch heute als Vorlage für Slasherfilme dienen, auch wenn man den Effekten mitunter das Erscheinungsjahr allzu deutlich ansieht. Vorwerfen kann man dem Film mit dem Lexikon des Internationalen Films freilich, dass er sich laufend an spekulativen Momenten erfreut. So übertreibt es Martino – allerdings wohl ebenfalls weitgehend dem Erscheinungsjahr geschuldet – teilweise ein wenig mit dem Grad an Sex und Gewalt. In Sachen Gewalt sind da die Szenen zu nennen, in denen der Täter den Opfern mit der „Säge des Teufels“ Gliedmaßen absägt, in Sachen Sex hat man es auch mal wieder „gut gemeint“. Gleich die Eingangssequenz erweist sich als alles andere als prüde, im weiteren Verlauf darf der Zuschauer den Damen beim Nacktbaden, beim Sonnen im Eva-Kostüm und beim lesbischen Liebesspiel zuschauen. Sex & Crime in Vollendung.

Komischerweise entpuppt sich dieses Übermaß als längst nicht so störend wie etwa bei „Die Nacht der rollenden Köpfe“. „Säge des Teufels“ bleibt trotz allem ein leicht verdaulicher, bisweilen hochspannender Giallo, der den Slasherfilm vorwegnimmt und so für Kenner von amerikanischen Vertretern wie „Halloween“ von John Carpenter besonders interessant sein dürfte. Suzy Kendall nimmt die Funktion der weiblichen Unschuld ein, wie dies bei den amerikanischen Horrorfilmen später insbesondere bei Jamie Lee Curtis der Fall war. Dadurch, dass sie die lasterlose Gute ist, die sich an keinen der Eskapaden ihrer Freundinnen beteiligt, wird dem Zuschauer früh signalisiert, dass sie mit einem Schrecken davonkommen wird. Kendall, stets mit großem Gespür für Stil gekleidet, ist hingegen in Sachen Optik und Charisma einer Jamie Lee Curtis um Längen voraus. Sie ist keine „Langweilerin“, sondern schlicht ein zurückhaltenderes Wesen, das sich zum Ausgleich gelegentlich mit anders gepolten Menschen umgibt. Im etwas überlangen Showdown zeigt sie wie schon in „Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe“, dass sie eine Frau in Angst brillant darstellen kann.

Schließlich ergeben sich auch in Sachen musikalischer Untermalung Parallelen zu den späteren amerikanischen Horrorfilmen. Der minimalistische und gerade deshalb ungemein elektrisierende Soundtrack erinnert sicher nicht von ungefähr an die Melodie von „Halloween“.

„Torso“ kann sich auf seinen handwerklich hochversierten Regisseur Martino verlassen, der diesen Film stylisch und packend zu inszenieren weiß. In der Hauptrolle brilliert die heimliche Giallo-Queen Suzy Kendall. Da verzeiht man gerne, dass der Film mitunter in Sachen „Sex & Crime“ übers Ziel hinausschießt. 4,5/5 Punkten.

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