Sie sind vermutlich noch nicht im Forum angemeldet - Klicken Sie hier um sich kostenlos anzumelden Impressum 
Forum Edgar Wallace ,...



Sie können sich hier anmelden
Dieses Thema hat 53 Antworten
und wurde 4.971 mal aufgerufen
 Filmbewertungen
Seiten 1 | 2 | 3 | 4
teddy Offline



Beiträge: 1.001

01.12.2007 19:59
#16 RE: Bewertet: L. Weinert-Wilton - "Das Geheimnis der schwarzen Witwe" (3) Zitat · antworten

Ich muss gestehen, als ich den Film das erste mal gesehen habe, war mein 1. Gedanke, "was will der Fischer da"?

Alles erinnerte mich mehr an seine Rolle als "Peter Voss".

Beim 2. reinschauen war`s dann anders, durchaus gelungen und um Längen besser als "Die chinesische Nelke";
plötzlich war auch Fischer sympatisch.

Joachim Kramp Offline




Beiträge: 4.901

17.05.2009 23:43
#17 RE: Bewertet: L. Weinert-Wilton - "Das Geheimnis der schwarzen Witwe" (3) Zitat · antworten

Nun habe ich mir heute auch mal wieder diesen Film angesehen. Von den insgesamt vier Weinert-Wilton-Filmen ist diese für mich die gelungenste Verfilmung. Atmosphärisch hat Regisseur Gottlieb einen rundherum gelungenen Film gestaltet, der vor allem von der Geschichte her spannender ist als die übrigen drei Filme. O.W. Fischer ist eine positive Überraschung in einem Kriminalfilm und sein Zusammenspiel mit den anderen Akteuren ist äußerst glaubwürdig. Karin Dor spielt zum dritten Mal in einer Weinert-Wilton-Verfilmung ebenfalls überzeugend. Kinski auf der Seite der Guten ist nach seiner Gasthaus-Rolle entsprechend überzeugend. Werner Peters und Claude Farell runden von deutscher Seite aus die Geschichte ab - und auch Eddi Arent präsentiert sich von seiner allerbesten komödiantischen Seite. Bliebe noch zu erwähnen, dass die Musik von Martin Böttcher gut platziert wurde. Insgesamt für mich der beste Kriminalfilm den Franz-Joseph Gottlieb inszeniert hat.

Joachim.

Edgar007 Offline




Beiträge: 2.279

18.05.2009 14:21
#18 RE: Bewertet: L. Weinert-Wilton - "Das Geheimnis der schwarzen Witwe" (3) Zitat · antworten

Zitat von Joachim Kramp
Insgesamt für mich der beste Kriminalfilm den Franz-Joseph Gottlieb inszeniert hat.

...neben dem SCHWARZEN ABT

Havi17 Offline




Beiträge: 2.959

18.05.2009 15:40
#19 RE: Bewertet: L. Weinert-Wilton - "Das Geheimnis der schwarzen Witwe" (3) Zitat · antworten

In der Tat !

Gruss
Havi17

HorstFrank Offline



Beiträge: 697

18.05.2009 16:25
#20 RE: Bewertet: L. Weinert-Wilton - "Das Geheimnis der schwarzen Witwe" (3) Zitat · antworten
Ein sehr gut gemachter und äußerst gelungener Kriminalfilm in bester Wallace-Manier!
O.W. Fischer als "versoffener" Reporter im Zusammenspiel mit Karin Dor ist brillant.
Werner Peters spielt eine für ihn typische Rolle - und das wie immer hervorragend.
Klaus Kinskis Darstellung ist absolut glaubhaft und eine gelungene Abwechslung,
ich finde, einer der besten Kinski-Krimi-Rollen. Auch Eddi Arent überzeugt an
den passenden Stellen mit seinem unnachahmlichen Humor, was besonders herrlich im
Zusammenspiel mit O.W. Fischer rüberkommt.
Böttchers Musik ist ebenfalls gelungen, genauso wie das von Belina gesungene Lied,
was etwa Elisabeth Flickenschildts "Besonders in der Nacht" in nichts nachsteht.

5/5 Punkten


Drei Freunde brauchst du im Leben: Verstand, Glück und 'n Kaugummi!
(Horst Frank in "Das Geheimnis der chinesischen Nelke")

Joachim Kramp Offline




Beiträge: 4.901

22.05.2009 17:57
#21 RE: Bewertet: L. Weinert-Wilton - "Das Geheimnis der schwarzen Witwe" (3) Zitat · antworten

Zitat von Edgar007
Zitat von Joachim Kramp
Insgesamt für mich der beste Kriminalfilm den Franz-Joseph Gottlieb inszeniert hat.

...neben dem SCHWARZEN ABT


...hier stimme ich Dir uneingeschränkt zu!

Joachim.

Count Villain Online



Beiträge: 3.858

22.07.2010 16:17
#22 RE: Bewertet: L. Weinert-Wilton - "Das Geheimnis der schwarzen Witwe" (3) Zitat · antworten

Ich zitiere mal meinen Beitrag aus dem Anschau-Thread.

Zitat von Count Villain
Für mich sowohl einer der besten Epigonen als auch einer von Gottliebs besseren Filmen. Auch hier hängt es manchmal ein wenig durch, aber das Spiel von O. W. Fischer entschädigt dafür, Arent ist wohltuend unklamaukig und die Geschichte bleibt die ganze Zeit logisch.

Joachim Kramp Offline




Beiträge: 4.901

22.07.2010 16:19
#23 RE: Bewertet: L. Weinert-Wilton - "Das Geheimnis der schwarzen Witwe" (3) Zitat · antworten

100%ige Übereinstimmung...

Joachim.

Gubanov Offline




Beiträge: 14.920

26.03.2011 15:38
#24 RE: Bewertet: L. Weinert-Wilton - "Das Geheimnis der schwarzen Witwe" (3) Zitat · antworten



Das Geheimnis der schwarzen Witwe (La araña negra)
Kriminalfilm nach Louis Weinert-Wilton, BRD / ES 1963. Regie: Franz Josef Gottlieb. Drehbuch: Rolf Becker, Alexandra Becker, Franz Josef Gottlieb. Mit: O.W. Fischer (Welby), Karin Dor (Clarisse Avery), Werner Peters (William Osbourne), Doris Kirchner (Helen Osbourne), Eddi Arent (Fish), Klaus Kinski (Boyd), Claude Farell (Miss Dyke), Felix Dafauce (Inspektor Terry), Gabriel Lopart (Selwood), Belina (Sängerin) u.a. Uraufführung: 28. November 1963.

Zitat von Das Geheimnis der schwarzen Witwe
Fünfzehn Jahre ist jene verhängnisvolle Expedition nach Mexiko nun her, auf der Alfons Avery sein Leben verlor. Unter den übrigen Expeditionsmitgliedern, die eine große Londoner Tageszeitung gegründet haben, geht plötzlich Angst um: Einer nach dem anderen erhält mysteriöse Botschaften und stirbt kurz darauf durch ein Giftgeschoss. Der Reporter Welby sieht in diesem Fall seine große Chance und macht sich – ungewöhnlich gut rasiert – auf die Spur der „schwarzen Witwe“.


Über Franz Josef Gottliebs Krimianläufe kann man ganz unterschiedlicher Meinung sein: „Der schwarze Abt“ wird von vielen als verwirrend und wenig unheimlich kritisiert, während er auf der anderen Seite stets als einer der großen Serienklassiker Erwähnung findet, „Der Fluch der gelben Schlange“ stellt gewöhnungsbedürftig Thematik und Stilistik ins Zeichen des gefahrvollen Ostens und „Die Gruft mit dem Rätselschloss“ hat allen Unkenrufen zum Trotz doch einige geschickte und innovative Momente. Was auch immer über Gottlieb gesagt wird – übereinstimmend nennen viele seine fruchtbare Zusammenarbeit mit guten Kameramännern und die entsprechende Ästhetik seiner Filme. Ähnlich, obschon nicht in Kollaboration mit Richard Angst entstanden, liegt der Fall bei „Das Geheimnis der schwarzen Witwe“ ähnlich. Abseits von Auflagen und Regelungen der Constantin Film konnte Gottlieb ein durchaus spannendes und stringentes Produkt mit reizvollen Low-Angle-Shots, Nahaufnahmen und Blicken durch Hindernisse abliefern, die, hätte man sich im Folgejahr nicht in die Hände von Wolf C. Hartwig begeben, zu einem Markenzeichen der kommenden Weinert-Wilton-Verfilmungen hätten werden können.
Die größte Möglichkeit des Films, Gottlieb im fernen Spanien freie Hand und Inspiration zuzusichern, stellt sich aber zugleich auch als einzige Schwäche der ansonsten logischen, mit interessanten Vergangenheitsbezügen ausgestatteten Weinert-Wilton-Adaption heraus: Dank der tatkräftigen Mithilfe der erprobten Krimi- und Hörspielautoren Rolf und Alexandra Becker („Gestatten, mein Name ist Cox“, „Dick Dickie Dickins“) wäre der Film nach „Die weiße Spinne“ beinah zu einem weiteren Leuchtturm der Epigonenkunst geworden, wäre da nicht der ständige, offensichtlich unbritische spanische Einfluss zu spüren: Spanische Darsteller und spanische Drehorte haben einen ähnlich tödlichen Einfluss auf die Atmosphäre des Films wie die „schwarze Witwe“ auf die Osbourne-Bande. Ansonsten wären alle Voraussetzungen vorhanden, wie Dr. Norbert Menzel bei einer Analyse der Weinert-Wilton-Romane feststellt:

Zitat von Die vergessenen Morde des Louis Weinert-Wilton, in „Schwarze Beute – Thriller-Magazin 2“, Rowohlt 1987, S. 62
Warum wurde Weinert-Wilton vergessen? Sicher liegt dies vor allem an dem Hauptcharakteristikum seiner Romane: Er machte sich von Anfang an zu einem Edgar-Wallace-Epigonen. Und er versuchte sich mit allen Mitteln an den Welterfolg von Wallace anzuhängen.


Dem „Retter“ verleiht O.W. Fischer in einer gänzlich untypischen Art ein einmaliges Gesicht. Mag sein Stern zur Zeit der Verfilmung schon langsam in Sinken begriffen gewesen sein, so bildete er dennoch den namhaften Auftakt zu einer erneut ansprechenden deutschen Besetzung: Karin Dor absolvierte ihren dritten WW-Auftritt in drei Filmen und mutierte damit, frisch und selbstbestimmt wie eh und je, zum Maskottchen der Reihe. Werner Peters ging es genauso – dieses Mal sieht er sich als Zeitungschef allerdings nicht auf der Seite der ruchlosen Verbrecher, sondern der Gejagten mit düsterer Vergangenheit. Spannend ist es, wie auch im „Fluch der gelben Schlange“, Doris Kirchner, die Ehefrau Gottliebs in einer größeren Rolle zu sehen. Was dem Film aber am allerbesten tut, ist, dass es sich bei ihm um den einzigen Epigonen mit Eddi Arent und Klaus Kinski in wallace-typischen Rollen handelt. Gerade Mr. Fish kann nur als unglaublich unterhaltsamer Bursche bezeichnet werden und kontrastiert (glücklicherweise) stark mit Gottliebs Arent’schem Überfluss in „Die Gruft mit dem Rätselschloss“.

„Es gibt eine Frau, die im Dunkel der Stadt einen Pakt mit dem Tode geschlossen hat.“ Martin Böttchers Score und eine flotte Handlung bereichern den Charakterkrimi, an dem außer der ablenkenden spanischen Komponente nichts auszusetzen ist. 4,5 von 5 Punkten.

Prisma Offline




Beiträge: 7.468

05.04.2011 01:12
#25 RE: Bewertet: L. Weinert-Wilton - "Das Geheimnis der schwarzen Witwe" (3) Zitat · antworten

Wie bei vielen Filmen, gibt es auch zu "Das Geheimnis der schwarzen Witwe" eine kleine Anekdote zu erzählen. Den Film hat mir damals jemand aufgenommen und ihn mir mit zur Schule gebracht. Ja, und an diesem Morgen hat einfach alles gepasst: Freistunde und der Luxus eines fest installierten Fernsehgerätes mit Videorecorder in der Klasse. Sehr nachlässig!
Ich habe ihn also kurzerhand eingelegt, zunächst alleine angeschaut, und nach und nach haben sich immer mehr Leute beim Ansehen beteiligt. Im Verlauf entstand eine heiße Diskussion darüber, wer die schwarze Witwe denn nun sein könnte. Naja, wir hatten nur eine gute Stunde inklusive der Pause Zeit und vermutlich bin ich der einzige geblieben, der das Geheimnis um die schwarze Witwe lösen konnte...
Aber letztlich hat es einigen doch ganz gut gefallen, sich auf einen "alten Film" einzulassen.

Den Film an sich finde ich heute wie damals beeindruckend und hier spielt nicht nur die Besetzung eine große Rolle. O.W.Fischer trifft in dieser Produktion absolut meinen Geschmack, obwohl ich ehrlich zugeben muss, dass ich ihn generell nicht so gerne sehe, und damit tue ich diesem großartigen Schauspieler sicherlich unrecht. Wahrscheinlich ist es meine persönliche Assoziation mit einem/seinem bestimmten Rollenfach. Seine Darbietung macht ihn zu einem Exoten neben den Fuchsbergers und Draches, spielt aber wirklich auf Augenhöhe und hinterlässt einen nachhaltigen Eindruck. Abgesehen vom Altersunterschied passt er recht gut zu Karin Dor, die hier mal wieder eine sehr ansprechende Leistung absolviert. Werner Peters übertrifft sich in jeder Szene selbst, Klaus Kinski zeigt sich wie so oft eher undurchsichtig, aber diesmal als richtiger Gentleman und Eddi Arent lockert das Ganze gekonnt auf, ohne dabei aufdringlich zu wirken. Mit "Schwester Adela" Claude Farell und den spanischen Darstellern bietet der Film ein hochmotiviertes und glaubwürdiges Ensemble.
Nicht zu vergessen ist die stellenweise unheimlich wirkende Doris Kirchner in einer Rolle, die wie für sie gemacht scheint. Mit ihr erlebt man eine Gratwanderung zwischen Sympathie und Misstrauen, sie agiert mal wieder so herrlich emotionslos und unantastbar. Belina gibt das Chanson "Die schwarze Witwe" zum besten, welches Karin Dor im Film "geschmacklos" findet, aber mein persönlicher Favourit in genretypischen Produktionen ist. "Und niemand weiß, wie das geschah, weil keiner mehr lebt, der sie einmal sah...", schon beachtlich!

Insgesamt liefert Gottlieb einen sehr sehenswerten Film, der eine gute Dosierung an Spannung und Humor beweist, die Geschichte um die schwarze Witwe wird aus dem exotischen Milieu nach London importiert und wirkt deswegen auch etwas ausgefallen, aber ansprechend und keineswegs uninteressant. So punktet der Film durch wenige Durchhänger, die Geschichte wirkt recht schlüssig und hat einen klaren Aufbau, die beteiligten Personen werden geschickt in das Szenario eingefügt, verdächtig ist fast jeder. Die Musik ist durchweg gelungen und mir persönlich fiel die experimentierfreudige Kameraarbeit auf, wovon ich ja wirklich nicht viel verstehe. Also mag das schon etwas heißen.

Zurück bleibt eine äußerst starke Konkurrenz für echte Edgar Wallace Filme und mein spezieller Liebling im Rahmen der "Nebenbuhler", sodass ich ganz dekadent 5/5 Punkten geben möchte.

athurmilton Offline



Beiträge: 1.077

11.04.2011 00:06
#26 RE: Bewertet: L. Weinert-Wilton - "Das Geheimnis der schwarzen Witwe" (3) Zitat · antworten

Spannender, kurzweiliger Film mit vielen großartigen Darstellern, vielen Wallace-Film-Elementen und genug eigenständigen Ideen (O.W. Fischer ist genial gegen den tapferen Draufgänger Fuchberger und den biederen Heinz Drache gesetzt hier, und ich bin nicht generell ein Fan seines Stils).

An die gespenstische Eröffnungssequenz in ihrer Reduktion kommt nur annähernd die Überfall-Szene aus Die Toten Augen Von London heran. Die Täterin wird in einer großen Intensität gespielt und bis auf Eddie Arent spielen die meisten Darsteller wohldosierter als in manchen anderen ihrer Filme mit ähnlichen Rollen.

Für mich platziert sich der Film knapp hinter Die Weiße Spinne (5 Punkte) mit 4,5 Punkten.

Georg Offline




Beiträge: 2.784

30.10.2011 13:13
#27 RE: Bewertet: L. Weinert-Wilton - "Das Geheimnis der schwarzen Witwe" (3) Zitat · antworten

Das Geheimnis der schwarzen Witwe
(Span. Titel: La araña negra (wörtlich: Die schwarze Spinne)
BR Deutschland/ Spanien 1963

Dieser Film unterscheidet sich in Nichts von gängigen Filmen der Edgar-Wallace-Serie. Mit 95 Minuten hat er auch ausgiebig Gelegenheit, die Handlungsstränge zu entwickeln. Die Besetzung ist - mit einer Ausnahme, darauf komme ich gleich zu sprechen - sehr gut und die Inszenierung einfallsreich. Die spanischen Schauplätze (z. B. das Gebäude der Zeitung) ersetzen die originalen britischen sehr gut und die Bild- und Lichtgestaltung von Godofredo Pacheco, der schon bei Der Teppich des Grauens hinter der Kamera stand, finde ich erneut recht innovativ.
Für die Musik gibt der dt. Vorspann Martin Böttcher und Antonio Pérez Olea (als Anton P. Olea) an. Wer die soften Böttcher-Klänge kennt, erkennt jedoch sofort, dass nur der Song und das daraus abgeleitete - in meinen Augen - etwas schwache Titelthema aus seiner Feder stammt, der restliche (und somit beinahe der gesamte) Soundtrack dürfte daher aus der Feder des spanischen Komponisten stammen.
In meiner Uralt-Kabel1-Aufzeichnung fehlt außerdem die Angabe über die Drehbuchautoren und Louis Weinert-Wilton. Ist das bei anderen Ausstrahlungen auch so der Fall gewesen? Zudem vermute ich, dass der Originalvorspann in Farbe war? Kann jemand dazu etwas sagen?
Im Gegensatz zu vielen hier finde ich O. W. Fischer nicht unbedingt als Bereicherung. Seine schnoddrige Art nervt mich vor allem die ersten 45 Minuten, den Alkoholiker spielt er ziemlich unglaubwürdig und beim Bart sieht man, dass er aufgeklebt ist.
Neben einem Whodunit besitzt der Film außerdem ein weiteres Rätsel, nämlich wer der mysteriöse Geheimagent X13 ist. Im Gegensatz zu Der Teppich des Grauens muss ich allerdings feststellen, dass man sehr schnell durchschaut, wer sich hinter dieser Abkürzung verbirgt. Carl Lange spielt im Teppich des Grauens diesbezüglich - wie bereits von anderen hier erwähnt - viel undurchsichtiger! Klaus Kinski in dieser Rolle zu sehen ist zwar mal eine nette Abwechslung, aber der große Aha-Effekt bleibt leider aus.
Insgesamt ein guter Krimi, der sicherlich einige Wallace-Filme aussticht (im Übrigen mag ich die Behauptung "alle 32 Rialto-Filme sind besser als alles andere, was in den 60ern produziert wurde" nicht, weil sie nach Sichtung aller Krimis jener Zeit einfach nicht zu halten ist. Schließlich ist nicht die Produktionsfirma dafür ausschlaggebend, ob ein Krimi gut ist oder nicht, sondern lediglich das Buch, die Inszenierung und die Darsteller. Und hier gab es jede Menge gute Sachen außerhalb der Rialto-Reihe).

Regie: Franz Josef Gottlieb, Drehbuch: Rolf und Alexandra Becker, Franz Josef Gottlieb nach einem Roman von Louis-Weinert Wilton, Kamera: Godofredo Pacheco, Musik: Martin Böttcher, Antonio Pérez Olea, Produzent: Alfonso Carcasona
Mit O. W. Fischer, Karin Dor, Werner Peters, Doris Kirchner, Eddi Arent, Klaus Kinski, Claude Farell, Gabriel Llopar, Fernando Sancho, José María Caffarel, Antonio Casas u. a.


Joe Walker Offline




Beiträge: 738

21.05.2013 11:15
#28 RE: Bewertet: L. Weinert-Wilton - "Das Geheimnis der schwarzen Witwe" (3) Zitat · antworten

Zitat von Havi17 im Beitrag RE: DVD-Veröffentlichungen von Fernsehjuwelen
Ich habe mir den Film gerade nochmal angesehen. Ich kann O.W. Fischer leider in dieser
Rolle überhaupt nichts abgewinnen. Er ist absolut deplatziert. Ich mag ihn sehr z.B. in der
Kaviar-Simmel-Verfilmung. Doch ich kann seiner Art zu spielen nichts ernsthaftes, sondern
nur Überhebliches abgewinnen. Das passt zu Kaviar doch hier absolut nicht zu seiner Rolle.
Und für die komischen Momente ist Eddie Arendt genug. Auch harmonieren Karin Dor und er überhaupt
nicht und man merkt es Karin Dor auch an, daß Sie zurecht so überhaupt keinen Draht zu Fischers
Art hat. Schade, daß auch die Prügeleinen so stümperhaft gedreht wurden.

Nachdem ich kürzlich den Film nach Jahren mal wieder gesehen habe - und dank der DVD erstmals im Originalbildformat - halte ich Ihn immer noch für einen guten Epigonen. Die Gottlieb-Krimis haben irgendwie alle eines gemeinsam: sie sind nicht so temporeich wie Reinl-/Vohrer-Elaborate und hängen spannungsmäßig öfter durch, verbreiten aber schöne Gruselatmosphäre und sind allesamt ausgezeichnet fotografiert.

An O. W. Fischer haben sich die Geister immer schon geschieden, ich liebe seine Darstellung und sie hilft hier manche Durchhänger zu überspielen. Es gibt von ihm bessere schauspielerische Leistungen, aber seine Mitwirkung in "Das Geheimnis der schwarzen Witwe" gefällt mir heute noch. Gleiches gilt für die Herren Peters und Kinski - die allein durch Ihre Präsens und das schauspielerische Talent aus den größten Chargenparts noch was rausgeholt haben - und die Damen Dor und Kirchner, die ihre Rollen ebenfalls hervorragend meistern. Was mich heute etwas stört sind die spanischen Schauspieler, zu denen ich - wie schon in "Der Teppich des Grauens" - keine rechte 'Zuschauerbeziehung' aufbauen kann - aber dass wird den spanischen Kinozuschauern mit O. W. Fischer und Karin Dor auch nicht anders gegangen sein.

Im Ganzen gefällt mir zwar "Die weisse Spinne" noch einen Hauch besser - vor allem dank Regisseur Reinl und Komponist Thomas - und ich ordne ihn als besten Weinert-Wilton ein, wenn vllt. auch die alleinige Romanadaption bei "Das Geheimnis der schwarzen Witwe" gelungener ist.

Gruß
Joe Walker

Mamba91 Offline



Beiträge: 745

23.06.2013 14:58
#29 RE: Bewertet: L. Weinert-Wilton - "Das Geheimnis der schwarzen Witwe" (3) Zitat · antworten

Nun zum ersten Mal gesehen.

Nach der Sichtung des Films fällt es mir schwer zu glauben, das dies Franz Josef Gottliebs bester Krimi sein soll. Natürlich bietet der Film einige schöne Kameraeinstellungen. Aber was ist mit dem Rest? Wo ist der Spannungsbogen und wo ist die Atmosphäre? In meinen Augen ist DAS GEHEIMNIS DER SCHWARZEN WITWE ein solider 08/15-Krimi. Das Gottlieb im Booklet als Routinier bezeichnet wird, trifft hier die Faust aufs Auge.
Der Plot ist dünn und bleibt farblos. Teilweise wirkt es so als wenn der Handlung Zusammenhang fehlt. Das Tatmotiv ist das Einfalls- und Humorloseste was mir je in einer Krimi präsentiert wurde. Auch die Darsteller bleiben blass. Besonders traurig ist das bei Karin Dor, Klaus Kinski und Eddi Arent. Kinskis Charakter soll mysteriös sein. Aber das ist er keinesfalls, eher langweilig. Einzig O.W. Fischer sticht hervor. Bei so einer Rolle ist das aber auch kein Wunder. Größtenteils strengt sein Spiel an, bietet jedoch im Bereich Mimik kleine Highlights.


Fazit: Die alte Floskel. Es gibt schlechte Filme, aber auch weitaus bessere. Der Chanson "Die schwarze Witwe" bleibt allerdings im Ohr hängen. Ansonsten nichts Besonderes.
2,5 von 5 Punkten.


Zur DVD:
Die DVD kommt mit einem Schuber daher- für so eine Veröffentlichung ungewöhnlich. Dazu gibt es dann noch ein Booklet mit Hintergrundinformationen zum Film und Kurzbiografien der Darsteller.
Technisch stört mich am Film nur der zu starke Schwarzwert und das das Bild vor allen in dunklen Partien leicht "schmiert". Aber wie schon besprochen ist die Qualität der DVD und der Restaurierung vorbildlich, wenn auch nicht auf dem Niveau der Wallace-DVDs.

Mr Keeney Offline




Beiträge: 1.326

18.11.2013 11:47
#30 RE: Bewertet: L. Weinert-Wilton - "Das Geheimnis der schwarzen Witwe" (3) Zitat · antworten

Dank der begrüßenswerten Veröffentlichungsinitiative von Filmjuwelen können die Gottlieb-Festspiele fortgesetzt werden. Ich habe die DVD gleich zweifach geordert und mir so schon ein Weihnachtspräsent für meine Schwester gesichert.

Dieser Film stellt wohl die ausgeglichenste wenn auch sicher nicht interessanteste oder spannendste Arbeit Gottliebs im Krimifach dar.
Machart und Ausstrahlung des Films mit seiner opulenten Palette an unterschiedlichen Schauplätzen, Darstellerriege, verhältnismäßigen Überlänge (dürfte neben den toten Augen wohl einer der längsten 60er-Jahre Krimis überhaupt sein!?) und ohrenschmeichelnden Gesangsnummer mit herrlich düsterschwülem Text (eine Art laszivere und coolere Variante der Flickenschildt-Nummer im Gasthaus) erinnern schon an die ganz großen Wallace-Würfe. Wieder einmal gelingt Gottlieb eine spannende Eröffnungssequenz und ich wüsste kaum einen Epigonen (sowohl Dr. Mabuse- als auch Bryan Edgar Wallace-Filme beispielsweise haben eine eigene, „härtere“ Atmosphäre), der eine so charmante kleine Wallace-Welt erschafft, ob das nun der Zeitungsausrufer ist, die Recherchen im Archiv oder das Hausboot, in dem der Reporter haust.

Eine große Überraschung des Filmes war für mich O.W. Fischer, der mit einer ganz individuellen und eigenwilligen Interpretation die archetypischen deutschen Krimihelden auf die Schippe nimmt und gleichzeitig sich selber als Marlowe&Konsorten Aufguss zum Glück spürbar selbst nicht zu ernst nimmt und so mit seinen herrlich hingenuschelten Sprüche den Film auflockert und unterhält und sich dabei auch als ein ganz anderer Ermittlertyp für die Wallace-Reihe empfohlen hätte. Insbesondere bei seinen Szenen mit Klaus Kinski hat man das Gefühl, dass die beiden Herren sich voller Spielfreude die Bälle nur so zuwerfen und insgeheim ein breites Grinsen unterdrücken müssen. Interessant ist, dass ich Herrn Fischer vorher in eher undeutlich-durchwachsener Erinnerung hatte (diese aber gleichzeitig das Einzige war, was mir von diesem Film noch vage verblieben war), diesmal war ich wohl endlich reif für seine Darbietung.

Dass der Film meiner Meinung nach dennoch nicht ganz zu der Speerspitze forenrelevanter Krimis gezählt werden kann, liegt daran, dass beim Zuschauer zuwenig Empathie und Mitfiebern bei der Krimi-Story selbst erzeugt wird. Man genießt die schwelgend die schönen Bilder, den Humor und nicht zuletzt auch den tollen Song (der wirklich beeindruckend ist, ein Geniestreich von Böttcher, am Text hat Gottlieb mitgeschrieben), schert sich aber zuwenig um das Schicksal der potentiellen Opfer der Witwe und um die Frage nach deren Identität, was gerade bei der ausgedehnten Laufzeit des Filmes doch einen zunehmend zwiespältigen Eindruck hinterlässt und den bitteren Nachgeschmack, dass bei einem ganz feinen mehrgängigen Menü, welches auch komplett mit allen Raffinessen angerichtet war, ausgerechnet der Hauptgang nur lauwarm serviert und damit verschenkt wurde. Was wohl nicht zuletzt daran liegt, dass die anderen Opfer der Witwe recht blass wirken, wenig individuelle Aufmerksamkeit erregen können und neben Werner Peters, der hier ordentlich Entfaltungsmöglichkeit bekommt und diese auch aufs Vortrefflichste nutzt, nicht wirklich zur Geltung kommen, zumal größere Teile der Spielzeit Fischers zwar sehr amüsant aber auch nicht wirklich storydienlich eingesetzt wurden.

Fazit: Der Film bleibt ein vielschichtiges Erlebnis mit ganz vielen einzelnen markanten und variationsreichen Sequenzen an vielerlei Schauplätzen, der mit nichts geizt und vielleicht gerade im Zuge dieses Überschwanges ein paar kleinere bis größere Fehler macht, die man ihm aber gerne verzeiht. Das Geheimnis der schwarzen Witwe besteht wohl vor allem in ihrer überbordenden Fülle. Ultrascope, ihr versteht. 4,0 von 5,0 Punkten.

Seiten 1 | 2 | 3 | 4
 Sprung  
Xobor Einfach ein eigenes Forum erstellen