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Dieses Thema hat 9 Antworten
und wurde 866 mal aufgerufen
 Film- und Fernsehklassiker international
Benny Offline




Beiträge: 2.451

21.01.2005 16:26
Die lebenden Leichen des Dr. Mabuse (1970) Zitat · antworten

Heute Nacht läuft um 2.45 Uhr auf Kabel 1 dieser britische Mabuse-Film (unter dem Titel "Die lebenden Leichen des Dr. X"). Wie ist der Film so?

Gez.:
H.

Reinhard Offline



Beiträge: 1.373

24.01.2005 22:19
#2 RE: Die lebenden Leichen des Dr. Mabuse (1970) Zitat · antworten

Hallo Benny,

mich hat der Film auch interessiert und ich bin extra nachts aufgestanden, um ihn mir anzuschauen.

Meiner Meinung nach hieß Dr. X in der britischen Originalfassung bstimmt nicht Dr. Mabuse (vermutlich ein PR-Schachzug des deutschen Verleihs), aber den Film fand ich wirklich gut. Der Soundtrack hat mich sehr an die Wallace-Vertonungen von Peter Thomas erinnert, es waren sogar zwei Wallace-Darsteller dabei (Uta Levka und Christopher Lee) und der Film hatte auch etwas von einem Krimi an sich (rätselhafter, grauenhafter Mädchenmord). Er erinnert einerseits an die Hammer-Produktionen, ist aber auch ein Produkt seiner Zeit (Kostüme, Kulissen, Auftritt der Band "Amen Corner").

Falls du den Film nicht gesehen hast, hier der Inhalt:

Das Hausmädchen des rennomierten Wissenschaftlers Dr. Mabuse (Vincent Price) wird ermordert aufgefunden - erdrosselt, erschlagen und mit durchschnittener Kehle. Seltsamerweise ist neben der Leiche kein Blut zu finden. Ein Gespräch mit Mabuse hilt dem Inspektor auch nicht weiter, da dieser völlig ahnungslos scheint. Die Polizei verfolgt die Spur des Täters in eine Bar, wo dieser seine Opfer sucht und anschließend auf eine Spazierfahrt mitnimmt. Um ihn zu fassen, wird eine weibliche Polizistin als Lockvogel ausgelegt. Durch sie erwischt man den Täter, einen sehr großen jungen Mann in flagranti, wie er die junge Frau um ihr Blut erleichtert. Doch mit übermenschlicher Kraft gelingt es ihm, sich zu befreien. Eine wilde Verfolgung beginnt, die in einem Steinbruch endet, wo es endlich gelingt, den Mann mit Handschellen zu fesseln. Doch dieser entwischt erneut: Er beißt sich die gefesselte Hand einfach ab - und verspürt scheinbar keinen Schmerz. Die Jagd findet ihr Ende auf dem Anwesen von Dr. Mabuse, wo sich der Täter in ein Säurebecken stürzt. Nunmehr bleibt nur sein Arm zur Analyse. Der Arzt macht eine unheimliche Entdeckung: Das Organ enthält Blut, scheint aber insgesamt aus einem unbekannten, synthetischen Stoff zu bestehen ...

Soviel zum Inhalt. Ein sehr sehenswerter Film, allerdings nicht unbedingt Horror als vielmehr einfacher Grusel. Der entfallene Schlaf hat sich auf jeden Fall gelohnt.

Viele Grüße,
Christoph

Peitschenmönch Offline




Beiträge: 534

24.01.2005 22:29
#3 RE: Die lebenden Leichen des Dr. Mabuse (1970) Zitat · antworten

Vincent Price heißt im Original Dr. Browning. Nix Mabuse.

War ein ordentlicher Schock-Grusler, der die komplette Palette zwischen Spät-60er bzw. 70er-Krimi und Filmen wie "Die Nacht der lebenden Toten" drauf hatte. Nicht übel. Was ich nicht so ganz verstehe ist, warum der Film manchmal als "Die lebenden Leichen des Dr. X" angekündigt wird. Kabel 1 hatte den auch als "X" angekündigt, nach den Werbepausen war aber immer "Die lebenden Leichen des Dr. Mabuse" eingeblendet. Kurios ist das deswegen, weil Dr. X auch eine Horrorfigur ist. Diese entstand in den 30er Jahren und es gibt, soviel ich weiß, zwei Filme. Im ersten Teil spielte Lionel Atwill die Hauptrolle, der in vielen Grusel- und Horrorfilmen der 30er und 40er zu sehen war.

Benny Offline




Beiträge: 2.451

25.01.2005 08:20
#4 RE: Die lebenden Leichen des Dr. Mabuse (1970) Zitat · antworten

Ich lese mir den Inhalt lieber nicht durch - habe den Film aufgenommen und noch nicht gesehen.

Gez.:
H.

Benny Offline




Beiträge: 2.451

26.01.2005 00:06
#5 RE: Die lebenden Leichen des Dr. Mabuse (1970) Zitat · antworten

Also ich kann mich der positiven Meinung über den Film nicht anschließen. Sicher: Er hatte ein paar Wallace-Elemente, aber der Film wirkt z.T. langatmig und vor allem unzusammenhängend. Da entschädigt das einigermaßen spannende Finale auch nicht viel. Der mit Menschen experimentierende Doktor ist auch wirklich das einzige, was man in direkten Zusammenhang mit Mabuse bringen kann.

Gez.:
H.

Christopher Offline



Beiträge: 236

26.01.2005 13:51
#6 RE: Die lebenden Leichen des Dr. Mabuse (1970) Zitat · antworten

Habe nicht den ganzen Film gesehen, aber das, was ich mitbekommen habe, konnte sich sehen lassen. Fand den ungemein spannend. Womit ich vorher nicht gerechnet habe: Mit den Mabuse-Filmen und dem, was ich mir darunter vorgestellt habe, hat er für mich nichts zu tun. Immer solche Verleihtitel "Die lebenden Leichen des Dr. Mabuse", dass man direkt davon ausgehen muss, er gehöre in die Reihe ...

Peitschenmönch Offline




Beiträge: 534

26.01.2005 16:16
#7 RE: Die lebenden Leichen des Dr. Mabuse (1970) Zitat · antworten

ACHTUNG, leichte SPOILER:

Bei dem Film wurde ja letztendlich nicht nur mit "Mabuse" vorgezeigt, sondern auch mit Cushing, Lee und Price, obwohl Cushing nur eine einzige etwa 2-3 Minuten lange Szene hat (zumindest in der deutschen Fassung; ob das in anderen Fassungen anders ist, weiß ich nicht, bezweifle es aber) und Lee auch wesentlich weniger präsent ist als diverse andere Darsteller. Die Verfolgungsjagd war jedenfalls cool, wobei gerade dadurch natürlich viel Zeit ohne Cushing, Lee und Price ins Land strich. Der Hauptdarsteller war letztlich eigentlich Alfred Marks, bis zu dem Moment, wo er den Abgang machte, was den Film dramaturgisch sehr interessant macht, da derjenige, der Price letztlich gegenüber tritt über den ganzen Film hinweg erst so langsam an die Spitze der "Mabuse"- bzw. Browning-Jäger vorrückt. So einen Vorzeige-Bösewicht-Jäger a.k.a. "Helden" wie die meisten Horror-Schurken-Filme hat dieser Film nämlich nicht.

Falk Ahnert Offline



Beiträge: 682

28.01.2005 16:43
#8 RE: Die lebenden Leichen des Dr. Mabuse (1970) Zitat · antworten

Hallo,

ich hatte mir den Film extra aufgenommen und ihn mir am nächten Tag angesehen. Der hat mir aber keineswegs gefallen!

MfG
Falk

Reinhard Offline



Beiträge: 1.373

31.01.2005 22:55
#9 RE: Die lebenden Leichen des Dr. Mabuse (1970) Zitat · antworten

Ich dachte es mir schon während des Films: echte Geschmackssache!

Gubanov Offline




Beiträge: 14.427

20.12.2016 21:45
#10 RE: Die lebenden Leichen des Dr. Mabuse (1970) Zitat · antworten



Die lebenden Leichen des Dr. Mabuse (Scream and Scream Again)

Horrorfilm, GB 1970. Regie: Gordon Hessler. Drehbuch: Christopher Wicking (Buchvorlage „The Disorientated Man“, 1966: Peter Saxon). Mit: Vincent Price (Dr. Mabuse / Dr. Browning), Alfred Marks (Superintendent Bellavel), Christopher Matthews (Dr. David Sorel), Marshall Jones (Konratz), Uta Levka (Krankenschwester Jane), Christopher Lee (Fremont), Michael Gothard (Keith), Judi Bloom (Helen Bradford), Peter Cushing (Benedek), Judy Huxtable (Sylvia) u.a. Uraufführung (GB): Januar 1970. Uraufführung (BRD): 23. April 1971. Eine Produktion von Tigon Films für Anglo-Amalgamated Film Distributors.

Zitat von Die lebenden Leichen des Dr. Mabuse
Ein Mädchenmörder, der seinen Opfern das Blut aussaugt, hat auch das Hausmädchen des Mediziners Dr. Mabuse getötet. Die Polizei findet ihn zwar verdächtig, doch eine Undercover-Aktion bringt die Ermittler auf die Spur des bullenstarken Keith, der für die Taten verantwortlich ist. Sie versuchen vergeblich, Keith festzunehmen, der sich wiederholt befreien kann, auf Dr. Mabuses Landsitz flieht und dort sein endgültiges Ende in einer Säuregrube findet. War Keith Dr. Mabuses Instrument? Und welche Pläne verfolgt der Forscher in seinem abgelegenen Labor?


Dass Vincent Price, der ehemalige Star des Hollywood-Grusels, in den Sechziger- und Siebzigerjahren sich gern auch bis zum hohen Haaransatz in Untiefen der Europloitation hineinwagte, wenn Geld und Publikumserfolg mit tradierten Schockeffekten winkten, ist wohlbekannt – sein gemeinsamer Auftritt mit den ähnlich gelagerten Hammer-Legenden Christopher Lee und Peter Cushing in „Scream and Scream Again“ hat es aber besonders in sich. Der Film versucht sich an einer kruden Mischung aus plakativen Morden, science-fiction-artiger Horror-Backstory und kruden politischen Untertönen und mischt alle diese Zutaten zu einer abseitigen, gerade deshalb unterhaltsamen, aber keineswegs leicht verdaulichen Speise zusammen. Man scheute sich ebenso wenig vor einer kaum verhüllten „Hommage“ an die Nazis wie vor dem Klischee des Gott spielenden Arztes, der – irgendwie sowohl für die gute als auch für die böse Seite – Menschenmaschinen in Superlativen erschafft.

Nur die deutsche Filmfassung bewirbt dieses verrückte Erlebnis, das allerdings gegenüber der Romanvorlage, in der Außerirdische ihre Hand mit im Spiel haben, wenigstens ein Stückweit rationalisiert wurde, unter dem Mabuse-Banner, was in Anbetracht der Tatsache, dass seit den „Todeskrallen“ zum Zeitpunkt der hiesigen Kinoauswertung des Gordon-Hessler-Films bereits sieben Jahre verstrichen waren und das Endprodukt nur wenige Assoziationen mit den Klassikern der Sechzigerjahre zulässt, einigermaßen verwunderlich wirkt. Ein Werbeeffekt konnte zwar erzielt werden – allerdings nur um den Preis offenkundigen Etikettenschwindels, zumal die Einführung der sonst so mysteriösen Figur von Norbert Jacques in der Synchronfassung eher ungeschickt herüberkommt. Jedenfalls lässt sich der Inspektor gleich zu Beginn mir nichts, dir nichts bei Dr. Mabuse anmelden, befragt ihn zum Leichenfund und scheint von der Erfahrung seiner deutschen Kollegen mit Medizinern dieses Namens nicht die geringste Kenntnis zu besitzen. Wie sollte er auch anders reagieren, da in der Originalfassung Vincent Price’ Figur den Allerweltsnamen Browning trägt?



Obwohl der Film mit Price, Lee und Cushing wirbt, bekommt man die großen Stars gar nicht so häufig zu Gesicht. Price wird immerhin das eindrucksvolle Finale zugestanden, doch Lee und vor allem Cushing, der mit einem dreiminütigen Einszenenauftritt abgespeist wird, waren leicht unterbeschäftigt. Die Ermittler Alfred Marks und Christopher Matthews sowie die Bösewichte Marshall Jones und Michael Gothard nehmen vergleichsweise größere Rollen ein und füllen diese ansprechend aus, auch wenn die Verfolgungsjagd auf den übermenschlich starken Keith nach einer gewissen Weile ermüdend wirkt. Fürs Wiederaufwecken sorgt Uta Levka, die mit steinernem Blick und kalter Bosheit als Krankenschwester agiert, von der ihre Patienten – wie sie schnell merken – wenig Hilfe zu erwarten haben.

Wenig überzeugend wirkt die Einbindung der hanebüchenen politischen Komponente, die mit den Ereignissen auf dem Anwesen von Dr. Mabuse nur mit viel Mühe in Einklang gebracht werden kann. Immerhin sorgt die Parallelhandlung für einen hohen Bodycount – ein Merkmal, auf das der Film offenkundig stolz ist, da er gleich mit mehreren aufeinanderfolgenden Todes- bzw. Verstümmelungsszenen beginnt. Man kann Gordon Hessler keine Pingeligkeit attestieren, doch die Glaubwürdigkeit diverser Zusammenhänge und Wendungen sollte man besser nicht allzu genau hinterleuchten (bzw. es gerade doch tun, denn dann treten so amüsante Widersprüche zu Tage wie etwa in dieser IMDb-Diskussion). Überliefert ist in diesem Zusammenhang auch Price’ Eingeständnis, er habe nicht den blassesten Schimmer, worum es in „Scream and Scream Again“ überhaupt gehe.

Makel im Inhaltlichen macht die auf schmalem Budget gedrehte Produktion durch ihre engagierten Mitarbeiter und das kernig-unsensible Zeitgefühl der Jahrzehntenwende wett. Ein ausgezeichneter, manchmal sogar etwas übereifriger Soundtrack schadet dem bunten, lauten und überkandidelten Vergnügen auch nicht; allerdings kann man es partout nicht ernst nehmen. Wenn man sich dann überlegt, dass eigentlich gerade in der Mabuse-Tradition die Idee eines substanzielleren, gesellschaftsbewussteren Krimis mitschwingt, ist das Schindluder, das man hierzulande mit dem Namen im Nachhinein trieb, nicht unbedingt vorteilhaft.

Trashiger Fernverwandter der CCC-Reihe, der erst in seiner Eindeutschung dem Mabuse-Kosmos beitrat. Als reiner Horrorfilm taugt „Scream and Scream Again“ nur zu Mittelmaß, sodass die Konnotationen, die der Name Mabuse mitbringt, für diese zweitklassige Produktion nur profitabel sein können. Die groß beworbenen Horrorstars muss man teilweise mit der Lupe suchen; dafür werden Leichen, nackte Frauen und Verstöße gegen die political correctness groß geschrieben. Als Kuriosum sehenswert mit Abstrichen. 2,5 von 5 Punkten.

[ Eine weitere Besprechung des Films findet sich in diesem Thread. ]

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