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Dieses Thema hat 38 Antworten
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 Film- und Fernsehklassiker national
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Percy Lister Offline



Beiträge: 3.306

01.09.2013 20:12
#16 RE: Slim Callaghan greift ein (ZDF 1964) mit Viktor de Kowa Zitat · antworten

Nach den bisherigen Informationen über die Serie, stelle ich mir diese Produktion als eine Mischung aus "Inspektor Hornleigh greift ein" und "Die Karte mit dem Luchskopf" vor. Lobenswert sind der Zeichentrickvorspann und die eleganten Titeleinblendungen. Für die Besprechung der einzelnen Folgen böte es sich deshalb an, ein wenig Zeitkolorit in die Berichte einzubauen. Ich werde sehen, was sich machen lässt.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.306

05.01.2014 12:50
#17 RE: Slim Callaghan greift ein (ZDF 1964) mit Viktor de Kowa Zitat · antworten

BEWERTET: "Slim Callaghan greift ein" (Deutschland 1964)

Episode 1 | 'Tanz um Mitternacht' | mit: Victor de Kowa, Eva Pflug, Karin Kernke, Ulrich Beiger, Maria Landrock, Jan Hendriks und Otto Brüggemann | Drehbuch: Edward Maria Solger und Ernest Borneman | Regie: Karl Anton




Der Pförtner eines Lagerhauses, das wertvolle Pelze aufbewahrt, wird mit einer List dazu gebracht, das Tor zu öffnen. Statt seiner Frau, die ihm einen heißen Tee bringen wollte, steht jedoch plötzlich ein Räuber vor ihm. Da sich der Nachtwächter zur Wehr setzt, tötet ihn der Gangster kurzentschlossen. Die Versicherungsgesellschaft, bei der der Inhalt des Lagerhauses versichert war, bittet Slim Callaghan um Mithilfe bei der Aufklärung. Dieser verfolgt eine Spur, die ihn zu den Taxigirls des Tanzlokals "Große Freiheit" führt....

Zitat von Unsere besten Jahre 50er und 60er, Bucher Verlag 2011
Das magische Jahrzehnt: Das Lebensgefühl war optimistisch, Konsumwünsche und - träume waren erfüllbar geworden. Die Mehrheit nahm an dem seit dem Ende der 50er-Jahre anhaltenden Wirtschaftswunder teil - jeder nach seinen Möglichkeiten. Viele sahen die Zukunft rosig. Doch auch erste Wolken zeichneten sich am Horizont ab... Für die Deutschen war es darüber hinaus ein Jahrzehnt der Internationalisierung, das aufregendste, bunteste und lauteste der Nachkriegszeit, auch wenn der Kalte Krieg immer noch den Frieden in Europa bedrohte und eine Mauer durch Berlin gebaut wurde.


Der Gedanke an eine Vorabendserie, in der Victor de Kowa als Detektiv und Eva Pflug als seine Sekretärin mitwirken, löst ein freudiges Kribbeln aus und schraubt die Erwartungen sehr hoch. Bereits der Vorspann sorgt für wohlwollendes Nicken, verwendet er doch als Markenzeichen das schnittige Profil des Hauptdarstellers - in Form einer Karikatur. Dazu eine schwungvolle Schreibschrift und die Musik von Hermann Thieme und es kann losgehen. Im allgemeinen vermutet man hinter einer Reihe, die ihre Geschichten in 25 Minuten verpackt, keine bemerkenswerten Kapitalverbrechen, doch gleich in der ersten Folge passiert ein Mord. Bald zeichnet sich ab, dass man die Serie ganz auf den Charme und das Image des Schauspielers zugeschnitten hat. Selbstredend steht er im Wettkampf mit der Polizei und geht seinen eigenen, unkonventionellen Weg. Dabei scheint es ihm weniger um die hehre Gerechtigkeit, sondern mehr um sein Ansehen und schlichte pekuniäre Überlegungen zu gehen. Er erinnert an seinen Kollegen Paul Cox, der sich im Umgang mit Damen durch Formen und Etikette auszeichnet, bei männlichen Verdächtigen aber auch gern seine Fäuste einsetzt. Victor de Kowa war sechzig Jahre alt, als er die Rolle des Meisterschnüfflers übernahm. Geboren wurde er im Jahr 1904 in Hohkirch (heute Przesieczany in Polen, ganz in der Nähe der östlichsten deutschen Stadt Görlitz). Der naturalisierte Berliner hat für seine Wahlheimat viel getan, wie Friederike Mat zu berichten weiß:

Zitat von Unsere Filmlieblinge - Ein Bilderbuch, Verlag Bernhard Reiff, 2. Auflage 1956
Wenn das Theaterleben in der Trümmerstadt Berlin bald nach Kriegsende wieder in Schwung kam, war es das Verdienst de Kowas. Er sammelte einige Darsteller - darunter auch Hildegard Knef - um sich, gab ihnen Quartier, trieb irgendwo das Nötigste an Lebensmitteln auf und begann kurzerhand zu spielen: mit selbstgeschriebenen Programmen, Hunger im Magen, unvorstellbaren Schwierigkeiten, aber ungebrochenen Mutes.


Der erste Fall bringt gleich eine Handvoll Edgar-Wallace-Darsteller zusammen, so den gerissenen Ulrich Beiger, den undurchsichtigen Jan Hendriks und die herbe Karin Kernke, die als Taxitänzerin eine Schlüsselrolle spielt. Die Schauplätze sorgen mit den verschneiten Straßen für ein angenehmes Flair, dem aber eine kurze Vertiefung der Materie, sprich: der Einsatz der Tänzerinnnen auf dem Parkett eine flotte Note verliehen hätte. Eva Pflug kommt in der ersten Folge noch ein wenig zu kurz, zeigt aber augenzwinkernd, dass mit ihr zu rechnen ist.

Die Einstiegsfolge präsentiert einen Ermittler, der seinen Fall besonnen und mit Witz angeht und sich dabei auf seinen Einfallsreichtum verlässt. Das prominente Ensemble agiert in Rollen, die ihnen auf den Leib geschrieben wurden, wobei der titelgebende Tanz leider unter den Teppich gekehrt wurde. 4 von 5 Punkten

BONUS: Zu jeder Folge werde ich kulinarische Empfehlungen abgeben, die dem Helden unserer Serie gut zu Gesicht stehen würden. Dabei bediene ich mich eines Buches, das aus den "Goldenen Sechziger Jahren" stammt und damals ein wichtiger Ratgeber der Hausfrau sein wollte.

"Tanz um Mitternacht": Victor de Kowa bestellt zwar für sich und Karin Kernke je eine Tasse Espresso, doch er lässt sein Heißgetränk stehen. Kaum verwunderlich bei einem Genießer wie ihm: Espresso ist zwar stark, wird dafür aber aus billigen Kaffeesorten hergestellt. Lieber greift Slim zu einem KAFFEELIKÖR (Kaffee, Zucker, Wasser, Weingeist und Vanille). Dazu verspeist er ein Stück vom ENGLISCHEN KUCHEN (Butter, Zucker, Eier, Zitrone, Mehl, Backpulver, Rosinen, Mandeln, Zitronat, Milch und Salz).

Gubanov Offline




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05.01.2014 12:56
#18 RE: Slim Callaghan greift ein (ZDF 1964) mit Viktor de Kowa Zitat · antworten




Episode 1 der TV-Kriminalserie, BRD 1964. Regie: Karl Anton. Drehbuch: Edward Maria Solger, Ernest Borneman. In den Hauptrollen: Viktor de Kowa (Slim Callaghan), Eva Pflug (Steffie). Gastdarsteller: Maria Landrock, Karin Kernke, Jan Hendriks, Ulrich Beiger, Otto Brüggemann u.a. Erstsendung: 6. Juli 1964, ZDF.

Zitat von Slim Callaghan greift ein (1): Tanz um Mitternacht
Ein Nachtwärter wird erschossen, als er einen Einbrecher stellen will. Slim Callaghan schaltet sich ein und verfolgt die Spur des Mörders in ein Tanzlokal. Dieses soll für den Täter als Alibi dienen, verfügt aber über einen bequemen Fensterausstieg in Richtung Tatort. Auch dem Animiermädchen Rita glaubt Slim keine Sekunde ...


Die Krimibegeisterung schlug 1964 in Deutschland hohe Wellen und das junge ZDF – gegründet im Jahr zuvor – wollte nach Ausstrahlung der ersten „Kriminalmuseum“-Folgen auch im Vorabendprogramm ein Stück vom zeitgenössischen Kuchen abbekommen. „Slim Callaghan greift ein“ zeugt in vielen Punkten davon, dass dem Sender an einem hochwertigen Anlauf gelegen war. So entschloss man sich, Buchvorlagen des Autors Peter Cheyney zu adaptieren, wobei dieser Name im Vorspann nirgends mehr auftaucht. Stattdessen werden Edward Maria Solger und Ernest Borneman kreditiert, deren Namen nur mit wenigen anderen Produktionen verbunden werden können.
Hauptdarsteller und Regisseur sind dagegen umso bekannter. Vor allem Viktor de Kowa sorgt für das Gelingen der ersten Episode, indem er seinen Slim Callaghan zwar mit humoristischen Obertönen mimt, aber nicht zur Karrikatur verkommen lässt – eine Schattierung, die man nicht häufig findet, obwohl sie sehr unterhaltsam ausfällt. Man spürt sofort, dass man es nicht mit einem x-beliebigen Fernsehsternchen zu tun hat, sondern mit dem in großen Produktionen und auf der Theaterbühne geschulten de Kowa, dessen Spiel absolute Selbstsicherheit und schauspielerische Professionalität verrät.
Wie bereits von Percy Lister angemerkt, fällt die Wallace-Prominenz in der Cast-Liste für ein Vorabendprogramm frappierend hoch aus. Dieser Faktor sollte sich zwar in den späteren Episoden ein klein wenig absenken, aber dennoch kann man hier einmal ohne Flunkerei von einer mit A-Namen besetzten Serie sprechen. Dabei fällt naturgemäß das typische 25-Minüter-Phänomen der eindimensionalen Charaktere auf, die jedoch prägnant und den Stereotypen ihrer jeweiligen Schauspieler entsprechend (Beiger = halbseidener Geschäftsmann, Hendriks = schwerer Junge etc.) umgesetzt wurden.

Slim Callaghan erhält in seiner Verkörperung durch Viktor de Kowa ausgesprochene Serienheldenqualitäten. Durch den raschen Mord zu Beginn der Episode und die darauffolgenden Kombinationen wird außerdem sofort Anspruch auf ein weniger seichtes Niveau als in anderen vergleichbaren Reihen erhoben. 4,5 von 5 Punkten.

Gubanov Offline




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05.01.2014 22:48
#19 RE: Slim Callaghan greift ein (ZDF 1964) mit Viktor de Kowa Zitat · antworten




Episode 2 der TV-Kriminalserie, BRD 1964. Regie: Karl Anton. Drehbuch: Edward Maria Solger, Ernest Borneman. In den Hauptrollen: Viktor de Kowa (Slim Callaghan), Eva Pflug (Steffie). Gastdarsteller: Dieter Eppler, Alexander Golling, Helli Wildenhain, Gilgi Hauser, Philo Hauser, Paul Bös u.a. Erstsendung: 27. Juli 1964, ZDF.

Zitat von Slim Callaghan greift ein (2): Die Falle
Ein Fall aus der Vergangenheit wird von Slim Callaghan wieder aufgenommen: Der für einen Einbruch verhaftete Kleinganove „der schielende Emil“ ist unschuldig ins Gefängnis gewandert, wie Slim von einem Komplizen erfährt. Wird es ihm gelingen, die wahren Täter und die Beute ausfindig zu machen?


Nachdem „Tanz um Mitternacht“ als Einstand in die neue Serie mit einem Paukenschlag begann, lässt es die zweite Folge ruhiger angehen. Von Toten ist nun nicht mehr die Rede – die Autoren verlegten sich auf das deutlich harmlosere Einbrechergewerbe, in dem Slim eine gute Figur macht, weil er später im Verlauf der Serie selbst mehrmals ungebeten in anderer Leute Wohnungen einsteigt (natürlich immer mit guten Absichten).
Einen amüsanten Scherz erlaubte sich die Produktion damit, dem „schielenden Emil“ einen breiten sächsischen Dialekt zu verpassen. Dies kann nicht zuletzt als Anspielung auf de Kowas Herkunft verstanden werden, denn auch wenn seine Geburtsregion um Görlitz herum von sprachlichen Auswüchsen, wie sie weiter westlich in Sachsen herrschen, verschont geblieben ist, so wuchs er doch in einem Gebiet auf, in dem er in seiner Jugend fraglos zum Sächseln erzogen wurde:

Zitat von Viktor de Kowa auf Wikipedia.de
Der Sohn eines Landwirts und Ingenieurs wuchs in Dresden und von 1908 bis 1913 in Seifersdorf bei Dippoldiswalde in der Villa „1900 am Walde“ auf, wo er auch eingeschult wurde. Später wohnte er mit seiner Familie in Chemnitz. Nach der Kadettenschule besuchte er die Kunstakademie in Dresden und wurde zunächst Plakatzeichner. Dann nahm de Kowa Schauspielunterricht bei Erich Ponto, der ihm 1922 sein erstes Engagement am Dresdner Staatstheater vermittelte.


Auffällig professionell gestaltet sich wiederum nicht nur die klare und bestechende Schwarzweißfotografie, die in einigen Szenen beinahe an den Film Noir erinnert, sondern auch der Umstand, dass man es der Folge wie auch ihrem Vorgänger nicht anmerkt, dass sie eigentlich in einfachen Milieus spielt. Die Inszenierung Karl Antons, der sich auch im „Rächer“ auf ein elegantes Flair festlegte, macht aus den Settings und Personen das Bestmögliche und kann als großer Glücksgriff für die Serie bezeichnet werden.

Weniger aufsehenerregend, aber nicht viel weniger spannend als in der ersten Episode geht es in „Die Falle“ um einen Clou, den Slim galant mit einem Gegentrick auffliegen lässt. Als zentrales Merkmal des Ermittlers kristallisiert sich neben seinen schnippischen Sprüchen die Verwendung ausgefallener Methoden und „Notlügen“ heraus. Dieter Eppler erfreut trotz seiner eher kleinen Rolle. 4 von 5 Punkten.

Percy Lister Offline



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06.01.2014 14:34
#20 RE: Slim Callaghan greift ein (ZDF 1964) mit Viktor de Kowa Zitat · antworten

Episode 2 | 'Die Falle' | mit: Victor de Kowa, Eva Pflug, Dieter Eppler, Alexander Golling, Helli Wildenhain, Gilgi Hauser, Philo Hauser und Paul Bös | Drehbuch: Edward Maria Solger und Ernest Borneman | Regie: Karl Anton




Slim Callaghan wird ins Krankenhaus gerufen. Ein Patient will ihm Auskünfte über einen Juwelendiebstahl geben, bei dem ein Unschuldiger verurteilt wurde. Im Auftrag der Versicherung macht sich Callaghan daran, einem Erzgauner eine Falle zu stellen. Doch wo ist der geraubte Schmuck? Und wer besteht auf dem nächtlichen Treffpunkt im Lagerhaus?

Slim Callaghan bleibt authentisch, selbst in ungewohnter Umgebung. Er raucht im Krankenzimmer (übrigens auf ausdrücklichen Wunsch des Patienten!) und setzt sich in der Schenke "Blaue Laterne" zu einem Verdächtigen an den Tisch, um "einen zu lüpfen", wie er sich in dieser Folge mehrmals ausdrückt. Beides waren Markenzeichen eines "Mannes von Welt", der souverän über den Dingen steht, wie die Werbung für die Zigarettenmarke 'Peter Stuyvesant' auf einem Plakat aus den 6oern verheißt:

Zitat von Warenwelt - Die Konsumgesellschaft, Abb. aus 'Unsere besten Jahre 50er und 60er', Bucher Verlag 2011, Seite 83
Einer bringt die süße Glut des Südens, der andere den herben Geschmack des Nordens. Einer bringt witzig großstädtischen Geist und der nächste urwüchsige Stimmung aus den Bergen. Wir können sie alle unbefangen schätzen, weil unser Weltbild und unser Gefühl weit aufgegangen sind.


Als 'schweren Jungen' sieht man Dieter Eppler, der solche Rollen aus dem linken Ärmel schüttelt und bei dem es darauf ankommt, Misstrauen zu säen, um ihn zu einem Fehler zu verleiten. Ansonsten wimmelt es in der Episode von Dialekten, was in diesem Fall andeuten soll, dass es sich bei den Verbrechern um Angehörige der Unterschicht handelt. Dementsprechend wenig Kombinationsgabe, dafür umsomehr Anpassung wird von Slim Callaghan verlangt. Die unsympathischen Charaktere sorgen dafür, dass man dem Detektiv einen schnellen Abschluss seines Auftrags wünscht, damit er endlich mit seiner Sekretärin "einen lüpfen" kann.

Die Geschichte um die versteckten Klunker kommt relativ wortreich daher und kann nicht so recht zünden, was auch an der wenig prominenten Darstellerriege liegt. Ein Eppler allein macht noch keinen Krimi. 3 von 5 Punkten

BONUS: Die kulinarische Empfehlung ist wieder dem Buch "Der neuzeitliche Haushalt" von Erna Horn, Verlag Albert Pröpster, 1967 entnommen.

"Die Falle": Alexander Golling bestellt sich ein Sülzekotelett (Schweinskotelett mit Sülze). Unser Meisterdetektiv lehnt dankend ab und begibt sich nach gelöstem Fall mit Büroperle Steffie in eine Bar, wo er für sich einen SHERRY-FLIP (Sherry, Eidotter, Zucker, Eis und Muskatnuss) und für die Dame einen GOLDEN FIZZ (Eiswürfel, Staubzucker, Zitrone, Gin, Eidotter, Grenadine und Sodawasser) bestellt.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.306

12.01.2014 14:09
#21 RE: Slim Callaghan greift ein (ZDF 1964) mit Viktor de Kowa Zitat · antworten

Episode 3 | 'Die Erbschaft' | mit: Victor de Kowa, Eva Pflug, Tatjana Sais, Grit Böttcher und Thomas Braut | Drehbuch: Edward Maria Solger und Ernest Borneman | Regie: Karl Anton




Hermine Geibler wendet sich vertrauensvoll an Slim Callaghan. Ihre Nichte Renate ist entführt worden. Um sie lebend wiederzusehen, soll sie 100.000 DM zahlen und Callaghan soll in diesem Fall die Rolle des Geldboten übernehmen. In der Zwischenzeit stellt Sekretärin Steffie einen Kontakt mit Eugen Dannert, dem Freund von Renate her, um zu hören, welche Rolle er in dieser Angelegenheit spielt....

Slim Callaghan genießt den Ruf, diskret zu sein und keine Bitte abzuschlagen, wenn sie mit Takt und der Aussicht auf eine Belohnung vorgetragen wird. Deshalb bittet man ihn besonders gern um seine Hilfe, wenn es sich um verschwundene Juwelen oder junge Erbinnen handelt. Er ist bekannt dafür, direkt auf die Dinge zuzugehen und sich mit Kleinganoven ebenso effektiv zu unterhalten wie mit exaltierten Damen der Gesellschaft oder Snobs der Halbwelt. In Folge 3 agiert er als Mittelsmann bei der Ausführung der Lösegeldübergabe und delegiert die Recherchen deshalb an seine Sekretärin, die sich mit Elan an die Arbeit macht. Erneut zeigt sich das lockere Arbeitsverhältnis in der Detektei Callaghan, das auf einem ironischen Umgangston fußt, der jedoch auf Vertrauen und Verlässlichkeit basiert. Die "rasante Mambofigur" von Steffie wird ebenso schalkhaft betont wie Slims Neigung, sie zu erschrecken. Durch den Ausflug in ein nächtliches Waldgebiet (in dem sich nicht nur ein Frosch ohne Maske lautstark bemerkbar macht) erhält die Episode Frischluft, die auch durch den Schauplatzwechsel angenehm ist. Ihr komödiantisches Talent zeigt Grit Böttcher als naturalisierte Schwedin, die zwar sehr hübsch, aber sonst ein wenig begriffsstutzig ist. Thomas Braut als Verlobter in spe bleibt in Gegenwart der forschen Steffie handzahm. Schade, dass es die Sendezeit nicht erlaubte, länger im Wohnzimmer zu verweilen, wenn er Steffie seine Plattensammlung zeigt.

Die kurzweilige Episode beinhaltet alles, was man sich von einer Krimigeschichte erwartet, die mit leichter Muse geschrieben und gespielt wurde. Eva Pflug und Victor de Kowa harmonieren bestens miteinander; Grit Böttcher zeigt ihre Bereitschaft, klischeehafte Figuren darzustellen - wie sie es später neben Harald Juhnke in "Ein verrücktes Paar" so meisterhaft verstand. 5 von 5 Punkten

BONUS: Unter dem Kapitel "Leckeres für kalte Platten" finden wir diesmal das passende Schmankerl für den Abschluss unseres Falles.

"Die Erbschaft": Um Renate zu zeigen, dass nicht alle Männer 'Sweinigel' sind, lädt Slim sie zu einer SCHWEDENPLATTE ein, die mit feinen Fisch-Delikatessen bestückt und mit Tomaten und Radieschen garniert wird. Dazu trinkt man am besten SELTERS.

Gubanov Offline




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12.01.2014 14:11
#22 RE: Slim Callaghan greift ein (ZDF 1964) mit Viktor de Kowa Zitat · antworten




Episode 3 der TV-Kriminalserie, BRD 1964. Regie: Karl Anton. Drehbuch: Edward Maria Solger, Ernest Borneman. In den Hauptrollen: Viktor de Kowa (Slim Callaghan), Eva Pflug (Steffie). Gastdarsteller: Tatjana Sais, Grit Böttcher, Thomas Braut u.a. Erstsendung: 3. August 1964, ZDF.

Zitat von Slim Callaghan greift ein (3): Die Erbschaft
Renate Geibler wurde entführt. Die Erpresser fordern von ihrer Tante, die gleichzeitig ihr Vormund ist, 100‘000 Mark Lösegeld. Slim Callaghan, diskret mit dem Fall beauftragt, überbringt das Geld und sichert so die Freilassung Renates. Im Nachhinein hat er aber einige unangenehme Überraschungen parat …


Häufig sind es Frauen, die sich an Slim Callaghan wenden. In diesen Fällen ist der Detektiv stets besonders zuvorkommend, weil er entweder eine schmucke Person oder eine Frau, die über die finanziellen Mittel ihres Gatten verfügt, erwartet. Auch im Fall Geibler spielt das Geld scheinbar nur für den Ermittler eine Rolle, denn die Forderung, das Lösegeld für ihre Nichte Renate zu bezahlen, will die Erpresste unter allen Umständen erfüllen.
Bei ihrer Befragung des verdächtigen Thomas Braut schlägt nun endlich auch Eva Pflugs Stunde: Die pfiffige, aber bislang wenig involvierte Sekretärin Steffie avanciert zum Hilfsdetektiv und gibt sich als Meinungsforscherin aus. Im Vergleich zur etwa zur gleichen Zeit ausgestrahlten Reihe „Die Karte mit dem Luchskopf“ war man bei „Slim Callaghan“ vorsichtiger, weibliche Initiative zu porträtieren. Dieser Umstand wird dadurch ausgeglichen, dass der „Luchskopf“ deutlich weniger brisante Fälle bot, weshalb die dort gezeigten Vorstöße ebenfalls als eher zurückhaltend angesehen werden können.
Auch das Verbrechen findet sich dieses Mal auf der Seite der Frauen wieder. Grit Böttcher ist als die entführte Renate zu sehen – und würde man sagen, dass sie ein wenig überspielt, so würde man gehörig untertreiben. Ihr Auftritt in den Schlussminuten entlockt so manchen Schmunzler, steht aber in krassem Gegensatz zu den teilweise richtiggehend unheimlichen Aufnahmen, die bei der Lösegeldübergabe im Wald entstanden. So zeigt sich erneut, dass „Slim Callaghan“ unter verschiedenen Vorzeichen seine Prüfungen besteht ...

Abwechslungsreiche, aber harmlose Serienfolge, die nicht das Potenzial eines herausragenden Highlights aufweist, aber solide unterhält und einen verhältnismäßig deutlichen, verspielten Humor bedient. 4 von 5 Punkten.

Gubanov Offline




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19.01.2014 11:31
#23 RE: Slim Callaghan greift ein (ZDF 1964) mit Viktor de Kowa Zitat · antworten




Episode 4 der TV-Kriminalserie, BRD 1964. Regie: Karl Anton. Drehbuch: Edward Maria Solger, Ernest Borneman. In den Hauptrollen: Viktor de Kowa (Slim Callaghan), Eva Pflug (Steffie). Gastdarsteller: Ursula Herking, Rosemarie Fendel, Hellmut Lange, Otto Stern, Helmuth Rudolph u.a. Erstsendung: 10. August 1964, ZDF.

Zitat von Slim Callaghan greift ein (4): Einladung zum Mord
Auf mehreren Lieferungen einer Spedition fallen Pakete in die Hände unbekannter Autospringer. Die Versicherung will das nicht länger hinnehmen und beauftragt Slim Callaghan, sich die Firma genauer anzusehen. Und der Detektiv tut recht daran, denn er findet in Hans Weinert und Otto Sachs gleich zwei Verdächtige ...


Gespannt durfte man auf „Einladung zum Mord“ gerade deshalb sein, weil hier mit Hellmut Lange ein wichtiger Gastdarsteller vor die Kamera tritt. Interessanterweise versuchte die Produktion, bei Lange an den Unsicherheitsfaktor anzuknüpfen, der seine Darstellung in „Der Fälscher von London“ dominiert. Obwohl sich der Schauspieler dort als unschuldiger Strahlemann entpuppte und auch sonst gern in dieser Richtung besetzt wurde (etwa in seinen Auftritten als „Stahlnetz“-Ermittler, z.B. in „Strandkorb 421“ nur drei Monate nach „Einladung zum Mord“), meinte die für die Produktion verantwortliche Telestar-Gesellschaft wohl, ihn glaubhaft zum potenziellen Schurken aufbauen zu können. Otto Sterns Besetzung erinnert derweil an die Serie „Kommissar Brahm“ mit Paul Klinger, in der er allerdings nicht als Verdächtiger, sondern als Polizist agierte. Man muss – genau umgekehrt wie bei Lange – sagen, dass Stern, der sich auch bei Wallace in halbseidenen Rollen profilierte, besser als undurchsichtiger Zeitgenosse funktioniert.
Es liegt aber auch an keinem der letztlich ansprechend ausgewählten Schauspieler, dass „Einladung zum Mord“ nur mäßig zu begeistern weiß, sondern daran, dass es sich bei dieser Geschichte um den uninteressantesten der Slim’schen Ausflüge handelt. Auch Ursula Herking vermag es nicht, der drögen Story Leben einzuhauchen – das Setzen effektiver Spannungsmomente verfehlte Karl Anton leider ebenfalls.
Zum ersten Mal ist Helmuth Rudolph in der Rolle des Inspektors Dallmüller zu sehen. Besonders gen Ende der Reihe wird er zum regelmäßigen Gast avancieren. Der aus „Francis Durbridge: Der Andere“ bekannte Schauspieler taugt als unauffällige Ergänzung, kann (und soll) dem ausgefallenen Slim Callaghan, der sich hier betont freundlich bis zur Grenze debiler Anbiederung gibt, aber keinerlei Konkurrenz machen.

Die besten Darsteller kommen nicht gegen das Drehbuch an, das ihnen im Fall dieser „Slim Callaghan“-Episode einen Strich durch die Rechnung machte. 3,5 von 5 Punkten. Das Mittelmaß soll sich aber bereits bei der kommenden Folge in Luft auflösen. Darauf kann man einen lüpfen ...!

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.306

19.01.2014 13:43
#24 RE: Slim Callaghan greift ein (ZDF 1964) mit Viktor de Kowa Zitat · antworten

Episode 4 | 'Einladung zum Mord' | mit: Victor de Kowa, Eva Pflug, Hellmut Lange, Otto Stern, Ursula Herking, Helmuth Rudolph und Rosemarie Fendel | Drehbuch: Edward Maria Solger und Ernest Borneman | Regie: Karl Anton




Die Autospringer haben wieder einmal zugeschlagen und Uhren im Wert von 80.000 DM erbeutet. Die Firma Weinert und Sachs, welche den Transport durchführte, zeigt sich nur insofern kooperativ, als ein Geschäftspartner den anderen bei Slim anschwärzt. Dieser ist bereit, zu einem nächtlichen Treffen ins Lagerhaus zu kommen, ahnt aber bereits, dass man ihm eine Falle stellen will....

Die beiden Edgar-Wallace-Darsteller Hellmut Lange und Otto Stern geben sich reichlich Mühe, wie ausgebuffte Ganoven zu wirken, wobei dies für Otto Stern eine größere Routine bedeutet, hat er doch schon ähnliche Auftritte u.a. in "Die seltsamen Methoden des Franz Josef Wanninger" absolviert. Hellmut Lange wirkt in seiner Rolle verschenkt und der Zuseher ertappt sich dabei, dass er mehr über die angebliche private Abneigung zwischen Lange und de Kowa nachdenkt, als sich auf die maue Handlung zu konzentrieren. Irgendwie scheint sich Slim diesmal nicht recht in den Fall einzufinden, zu sehr schwelgt er noch in Erinnerungen an den Skatabend am Vortag. Die Geschichte beginnt im dokumentarischen Stil, indem der Ablauf des Verbrechens und die anschließende Routinearbeit von Presse und Polizei gezeigt werden, verwirrt sich aber, sobald sie in die Geschäftsräume der Fa. Weinert und Sachs Einzug erhält. Callaghan überspielt seine Ratlosigkeit mit scherzhaften Reminiszenzen und selbst der Auftritt von Ursula Herking kann nicht den nötigen Suspense in die Handlung bringen, obwohl sie doch bei der Konkurrenz ("Die Karte mit dem Luchskopf") die Trumpfass war. Der Showdown auf der Tragfläche des LKWs gerät unfreiwillig komisch und man wünscht dem guten Slim, dass er bald einen lüpfen oder einen Grand gewinnen möge.

Ein glänzend aufgelegter Detektiv richtet gegen ein schwaches Drehbuch wenig aus, da helfen auch prominente Gäste wenig. 3,5 von 5 Punkten

BONUS: Erna Horns Buch muss diesmal für eine zünftige Brotzeit sorgen.

"Einladung zum Mord": Die Fahrer des Lastwagens legen unterwegs eine Pause ein. Sie stärken sich mit einer Thermoskanne TEE und verzehren einen GEFÜLLTEN TOAST (Weißbrot, Wurst oder Fleisch, Käse, Tomaten, Kräuter, Butter, Gewürze, Champignon- oder Spargelsoße). Nach der Rangelei im Finale braucht auch Slim Callaghan eine Stärkung: Er zieht sich jedoch in sein Büro zurück und verspeist GEFÜLLTE PFANNKUCHEN (Mehl, Milch, Eier, Salz, Zucker, Marmelade, Rumfrüchte, gezuckerte Beeren oder Gelee) und trinkt dazu einen WIENER FIAKER (starker Kaffee, Zucker und Asbach-Uralt).

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.306

19.01.2014 14:19
#25 RE: Slim Callaghan greift ein (ZDF 1964) mit Viktor de Kowa Zitat · antworten

Episode 5 | 'Liebelei in Moll' | mit: Victor de Kowa, Eva Pflug, Hanne Wieder, Peter Carsten und Heinrich Göbel | Drehbuch: Edward Maria Solger und Ernest Borneman | Regie: Karl Anton




Slim Callaghan erhält Besuch von Beate Wilhelmi, der Frau eines vermögenden Industriellen. Dessen Mitarbeiter Jochen Lange soll ein wertvolles Brillantencollier entwendet haben und nun seine Abreise ins Ausland planen. Um dies zu verhindern und einen Skandal zu vermeiden, bittet Frau Wilhelmi den Detektiv, den Schmuck aus Langes Tresor zurückzustehlen. Zum diesem Zweck soll Callaghan die Abwesenheit des Mannes ausnutzen und den Safe in dessen Wohnzimmer knacken....

Hanne Wieder ist der Gaststar der Reihe und erfüllt die Erwartungen, die man an sie stellt, vollkommen. Mondän, geheimnisvoll und auf Diskretion bedacht betritt sie die Detektei, um eine delikate Angelegenheit vorzubringen. Wie sich herausstellt, geht es aber nicht um eine köstliche, weil verbotene affaire de coeur, sondern um eine weitaus kühlere Thematik: die Aneignung eines Schmuckstücks durch einen Mann, der mit der Frau seines Chefs durchbrennen wollte. Die Klaviatur der Gefühle, auf der Hanne Wieder vor Victor de Kowa spielt, lassen diesen zum ergebenen Zuhörer werden, was ihm ein Unbehagen verursacht, das er nur durch die Einnahme von Tabletten übertünchen kann. Der ungewöhnliche Vorschlag seiner Klientin lässt ihn zur Höchstform auflaufen und reizt seine Abenteuerlust. Das Prickeln, das die Vorbereitungen bei ihm verursachen; die Spannung die sich aus der Durchführung des Einbruchs ergibt und die überraschende Wende, die diesen Fall erstmals nicht deduzierbar macht, sorgen für anhaltene Aufmerksamkeit beim Zuseher und machen diese Episode zu einem besonderen Vergnügen. Die Sorgfalt, die auf Schauplätze, Beleuchtung und Schnittfolgen gelegt wurde, macht sich bezahlt: Der Fall wirkt hochwertig und abgerundet. Bonmots wie der Hinweis auf den 'unbedeutenden Sherlock Holmes' betonen nur die heimliche Aneignung seiner Methoden durch den Kollegen mit der Nelke im Knopfloch.

Stilvoll und präzise inszenierter Rätselkrimi um eine Frau, die gekommen ist mit dem Vorsatz der Täuschung und dabei nicht bedacht hat, dass Slim Callaghan an alle Möglichkeiten denkt, wenn er sich auf einen heiklen Auftrag einlässt. 5 von 5 Punkten

BONUS: Erfrischungsgetränke für heiße Tage finden sich in dem Buch "Der neuzeitliche Haushalt" (Verlag A. Pröpster, 1967).

"Liebelei in Moll": Wenn ihr Mann Geschäftsfreunde einlädt, schlürft Frau Wilhelmi für gewöhnlich einen durststillenden ROSENSEKT(Rosenblüten, Zucker, Weinessig, Wasser, Zitronen). Nach der Konsultation bei Detektiv Callaghan und seinen mahnenden Worten braucht sie jedoch einen SCHNAPS und eine ZIGARETTE.

Gubanov Offline




Beiträge: 14.061

19.01.2014 20:18
#26 RE: Slim Callaghan greift ein (ZDF 1964) mit Viktor de Kowa Zitat · antworten




Episode 5 der TV-Kriminalserie, BRD 1964. Regie: Karl Anton. Drehbuch: Edward Maria Solger, Ernest Borneman. In den Hauptrollen: Viktor de Kowa (Slim Callaghan), Eva Pflug (Steffie). Gastdarsteller: Hanne Wieder, Peter Carsten, Heini Göbel u.a. Erstsendung: 17. August 1964, ZDF.

Zitat von Slim Callaghan greift ein (5): Liebelei in Moll
Der Unternehmergattin Beate Wilhelmi ist ein wertvolles Collier abhanden gekommen. Die resolute Dame weiß, wo Slim Callaghan danach suchen soll: Im Tresor ihres verschmähten Liebhabers Jochen Lange. Slim verschafft sich Zugang zum Geldschrank und findet das Schmuckstück, doch die Nacht birgt noch weitere Wendungen ...


Ein Slim Callaghan ist kein Sherlock Holmes? Umgekehrt wird ein Schuh daraus, befindet der selbstsichere Privatdetektiv mit Hang zum Eigenlob. Wer ist schon der Baker-Street-Bewohner gegen einen Schlaukopf, der ein Rätsel wie das der Beate Wilhelmi lösen kann? In dieser Rolle trumpft Hanne Wieder ganz groß auf. Ihre mondänen Gesten, die direkt dem Theater entliehen zu sein scheinen, verfügen bereits auf den ersten Blick über eine gestellte Künstlichkeit, die später raffiniert erklärt wird. Somit avanciert Wieder zum unangefochtenen Zentrum dieser Episode, sodass eine Erwähnung in einem Kreuzworträtsel auch für diesen Auftritt, in dem sie Slim zunächst galant um den Finger wickelt, nur um dann wie ein heißes Eisen von ihm fallengelassen zu werden, eigentlich das Mindeste sein müsste. Wenigstens befand der Spiegel über die markante Schauspielerin:

Zitat von Der Spiegel (21/1990), Gestorben: Hanne Wieder, 21.5.1990
Wenn sie mit maliziösem Timbre und Mitternachtsblick ein Chanson vortrug, schwang noch im banalsten Vers ein frivoler Unterton mit. [...] In Kinofilmen, Musicals und Fernsehproduktionen spielte sie [...] sämtliche Rollen von der Nonne bis zur Nutte, überzeugend vor allem als schlagfertige Komödiantin mit einer Reibeisenstimme weit jenseits der Altlage.


Das Reibeisen der Wieder bietet den bestmöglichen Anlass für eine anrüchige Gesetzesübertretung: Der Einstieg Slims in die nächtliche Wohnung ist raffiniert gefilmt und untermauert erneut die optischen Qualitäten der Serie. Dies setzt sich unvermindert in der Sequenz im düsteren Treppenhaus fort, die – auch wenn sie natürlich bei Weitem nicht so schauerlich ist – Erinnerungen an das Chiaroscuro der „toten Augen von London“ wachruft. Der Auftritt Peter Carstens, der Viktor de Kowa auf frischer Tat ertappt, sorgt immerhin für Nervenkitzel, weil die Reaktionen der oftmals windigen Charaktere, die der gebürtige Bayer spielte, schwer vorherzusehen sind.
„Liebelei in Moll“ erweist sich als romantisierender, aber letztlich doch trefflicher Titel einer Geschichte, deren stärkste Antriebsfeder verschmähte und enttäuschte Liebe ist, die jedoch zu keiner Gelegenheit zu einer billigen Schmonzette verkommt.

Bei vielen anderen Detektiven hätte Beate Wilhelmi Glück gehabt, die Spürnase des nach München übergesiedelten Kanadiers Slim Callaghan kann sie mit ihren Avancen aber nicht verstopfen. Das Spiel der zwei großartigen Schauspieler de Kowa und Wieder liegt weit über Fernseh-Durchschnitt und fesselt durch elegante Doppelbödigkeit. 5 von 5 Punkten.

Gubanov Offline




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26.01.2014 11:44
#27 RE: Slim Callaghan greift ein (ZDF 1964) mit Viktor de Kowa Zitat · antworten




Episode 6 der TV-Kriminalserie, BRD 1964. Regie: Karl Anton. Drehbuch: Edward Maria Solger, Ernest Borneman. In den Hauptrollen: Viktor de Kowa (Slim Callaghan), Eva Pflug (Steffie). Gastdarsteller: Ellen Frank, Sylvia Lydi, Karl Schönböck, Lukas Ammann u.a. Erstsendung: 24. August 1964, ZDF.

Zitat von Slim Callaghan greift ein (6): Unter Mordverdacht
Zum einjährigen Todestag ihres Mannes, der von einem Einbrecher an der Riviera erschlagen wurde, wendet sich Brigitte Dierksen an Slim Callaghan. Die Polizei habe genug Zeit zur Aufklärung des Verbrechens gehabt – nun übernimmt der fähige Detektiv den Fall. Er widmet sich den alten Verdächtigen, holt aber neue Aussagen aus ihnen heraus ...


Vielleicht ist es einfach ein schlechtes Omen, dass in dieser Episode eine „Dame“ mit dem Namen Lieschen Müller vorkommt. Ebenso unscheinbar wie dieser Name fällt leider auch die ganze Episode „Unter Mordverdacht“ aus, die nicht wie Maß-, sondern wie Fließbandarbeit wirkt und sich einige vergebene Chancen ankreiden lassen muss. Vor allem der Besuch Slims mit Steffie in einem Nachtlokal, in dem der gewiefte Ermittler seine Begleitung kurzerhand in den Adelsstand erhebt, um Eindruck zu schinden, obwohl Steffie eigentlich genau über dem Lokal wohnt, fällt enttäuschend aus. Erwartet man sich einen glanzvollen Abend mit Tanz- und Gesangseinlagen à la Lolita-Bar, so wartet der Abstecher leider nur mit einer eher schlechten als rechten Geburtstagsfeier auf.
Außerdem hatte ich mich auf die Gastrolle Karl Schönböcks gefreut, den ich seit seinem Auftritt als diabolischer Theaterbesitzer Scarletti in „Das schwarze Schaf“ ausnehmend gern sehe. Zu dumm, dass Solger und Borneman für den österreichischen Mimen nur eine Rolle mit dem IQ eines verzweifelten Wadenbeißers bereithielten – die Hintergründigkeit, die Schönböcks Spiel sonst bestimmt, ging auf diese Weise komplett verloren (man hätte den Part auch mit einer Schlägertype à la Benno Hoffmann besetzen können).
Davon abgesehen lässt sich „Unter Mordverdacht“ als solide bezeichnen, wenngleich die großen Highlights der Reihe woanders zu suchen sind. Zu den interessanten Szenen zählt vor allem eine Besprechung de Kowas mit Lukas Ammann im Bahnhofsrestaurant, wo deutlich unter Beweis gestellt wird, dass diese Serie in München spielt. Ansonsten versteckte man zwar den Handlungsort nicht, rückte ihn aber auch nicht omnipräsent in den Mittelpunkt, wie es z.B. manchmal in „Das Kriminalmuseum“, in „Franz Josef Wanninger“ oder später in „Der Kommissar“ der Fall war.

Lässt der Titel „Unter Mordverdacht“ auf eine spannende Zwangslage hoffen, so bekommt der Zuschauer hier eine Geschichte aufgetischt, die bereits zu großen Teilen vorüber ist, als Slim Callaghan die Bildfläche betritt. Mit einer ausgegoreneren Rolle für Karl Schönböck hätte man über dieses Manko leichter hinwegtäuschen können. 3,5 von 5 Punkten.

Percy Lister Offline



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26.01.2014 13:45
#28 RE: Slim Callaghan greift ein (ZDF 1964) mit Viktor de Kowa Zitat · antworten

Episode 6 | 'Unter Mordverdacht' | mit: Victor de Kowa, Eva Pflug, Karl Schönböck, Sylvia Lydi, Lukas Ammann und Ellen Frank | Drehbuch: Edward Maria Solger und Ernest Borneman | Regie: Karl Anton




Frau Dierksen, die Witwe eines Mannes, der vor einem Jahr bei einem Einbruch erschlagen wurde, wendet sich an Slim Callaghan. Sie stellt ihm ein Erfolgshonorar von DM 10.000 in Aussicht, wenn er den Fall klären und den Täter überführen kann. Der Detektiv soll da ansetzen, wo die Polizei gescheitert ist. Callaghan mischt sich daraufhin in den Dunstkreis von 'Plüschauge', einem Kleinkriminellen, der bald aus dem Gefängnis entlassen wird und damit seine ehemaligen Komplizen in Verlegenheit bringen könnte....

Wieder einmal zeigt sich die gute Interaktion zwischen de Kowa und Pflug. Sie nehmen das Leben von seiner heiteren Seite, schätzen die Annehmlichkeiten, die Geld bieten kann und zeichnen sich durch eine Neugier aus, die es ihnen ermöglicht, alles Relevante für ihren Gebrauch zu erfahren. So ist es für den Detektiv selbstverständlich, dass er seine Sekretärin bittet, ihn in den "Schwarzen Kater" zu begleiten, ein Lokal, in dem er die Schuldigen vermutet. Die Geschichte mit dem Gangsterliebchen, das die Seiten wechselt, ist nicht neu und so konzentriert sich die Handlung auf den Augenblick, in dem die an dem Einbruch mit tödlichem Ausgang Beteiligten wieder aufeinandertreffen. Karl Schönböck mimt den zwielichtigen Ganoven, der aus der Abwesenheit seines Komplizen Nutzen zieht, kann aber trotz seines ihm eigenen Snobismus nicht überzeugen. Dem Österreicher liegen kühle Aristokraten und präzise kalkulierende Angehörige der Oberschicht mehr, wie er als John Jacob Astor in "Titanic" (1943) unter Beweis stellen konnte. Ein Mann wie er sollte sich nicht mit Fingerübungen abgeben, auch wenn es in "Unter Mordverdacht" um die Aufklärung eines Kapitalverbrechens geht. Um der Geschichte Tiefe zu verleihen, hätte der Mord gezeigt werden müssen oder wenigstens der aufgebrochene Tresor mit der Leiche. Wenn es sich um ein Tötungsdelikt handelt, müssen auch die nötigen Konsequenzen daraus gezogen und der Ernst der Handlung für einen Spannungsaufbau genutzt werden. Im Ergebnis wirkt die Folge jedoch, als habe man von Anfang an nur eines im Sinn gehabt: mit Slim Callaghan einen zu lüpfen.
Lukas Ammann gibt sich bescheiden und vorsichtig, während Syvia Lydi vom Regisseur gegenteilige Anweisungen erhielt. Leider hat die Auftraggeberin Ellen Frank nur einen kurzen Auftritt, hier hätte sich die Gelegenheit für eine Recherche im Mordhaus geboten.

Slim Callaghan zeigt, dass er neben seiner Fähigkeit, galant und zuvorkommend zu sein, auch einen Hang zur Schadenfreude hat. So sehr man sich an seiner Figur erfreut, so wichtig wäre es dennoch gewesen, neben dem augenzwinkernden Humor auch kriminalistischen Suspense ins Drehbuch zu schreiben. 3,5 von 5 Punkten

BONUS: "Unter Mordverdacht": Slim holt Plüschauge in einer hübschen Bahnhofsszene am Ausgang ab und geht mit ihm einen lüpfen. Dabei werden Bier und Korn konsumiert. Noch besser steht dem Detektiv allerdings ein gepflegtes Glas WEISSWEIN zu Gesicht, wobei "die Flasche schon etwa eine Stunde vor dem Servieren entkorkt wird, damit sich die Blume des Weines entwickeln kann", wie Erna Horn in "Der neuzeitliche Haushalt" empfiehlt. Slim Callaghan entscheidet sich für einen spritzigen MOSELWEIN, von dem sicher auch Steffie ein oder zwei Gläser mittrinkt.

Percy Lister Offline



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29.01.2014 20:04
#29 RE: Slim Callaghan greift ein (ZDF 1964) mit Viktor de Kowa Zitat · antworten

Episode 7 | 'Halsband der Kaiserin' | mit: Victor de Kowa, Eva Pflug, Gundel Thormann, Walter Janssen und Helmuth Rudolph | Drehbuch: Ernest Borneman und Edward Maria Solger | Regie: Karl Anton




Wolfgang Otto Vandenberg wendet sich mit einem delikaten Problem an Slim Callaghan. Er vermisst ein wertolles Perlenhalsband, das einst der französischen Kaiserin Eugénie gehört hatte. Der Tat verdächtig: Vandenbergs Frau Olivia. Trotz Konversationsstunden, Reitunterricht und Klavierübungen ist aus der aus einfachen Verhältnissen stammenden Frau keine Dame geworden. Als der Detektiv die Blondine aufsucht, gelingt es ihm, die Perlen zurückzubekommen. Doch die Sache hat einen Haken: Vandenberg ist nicht der, wofür er sich ausgibt....

Im Jahr 1887 wurden die französischen Kronjuwelen vom Staat versteigert und der amerikanische Schmuckhersteller Tiffany erwarb den größten Teil von Eugénies eleganten Pretiosen. Slim Callaghan, dem die modische Vorreiterolle der gebürtigen Spanierin sicher bekannt ist, bekommt es in diesem Fall mit einer 'Dame' zu tun, die weit davon entfernt ist, Perlen zu tragen, die einer Kaiserin würdig sind. Die Aufmerksamkeit, mit der er scheinbar nebensächliche Dinge zur Kenntnis nimmt, signalisiert ihm frühzeitig, dass die Geschichte so, wie man sie ihm erzählt hat, nicht stimmen kann. Er lässt sich zum Schein auf die Plaudertasche Olivia ein und nimmt einmal mehr die Gelegenheit wahr, einen zu lüpfen. Karl Anton muss der Darstellerin Thormann geraten haben, ihrem Spieltrieb freien Lauf zu lassen: Sie turnt auf dem Liegesofa herum, dass es - je nach Art der Betrachtung - eine Freude oder ein Graus ist. Callaghan, der großmütig über die laute Stimme und die Unbildung der Frau hinwegsieht, kombiniert diesmal gleich doppelt; nicht nur zweifelt er an den Worten der Beschuldigten, sondern auch an der Glaubwürdigkeit seines Auftraggebers. Der Schauplatz München wird diesmal in Wort und Bild betont. In Kanada wisse man vermutlich gar nicht, wo die bayerische Landeshauptstadt liege, konstatiert Steffie, während der Flughafen mit seiner Eleganz des elitären Reisens (die in den Sechziger Jahren noch gegeben war) aufwarten darf. Die Episode macht durchwegs Spaß und zeigt wiederum, wie Callaghan einen Fall aufrollt, indem er Aussagen misstraut und seine eigene Theorie verfolgt. Inspektor Dallmüller begleitet die Auflösung wohlwollend; anerkennend, dass es Fälle gibt, bei denen die Methoden des Detektivs effizienter sind als die Polizeiarbeit.

Wenngleich Slim Callaghan den Schalk im Nacken trägt, bewahrt er doch immer Haltung und unterscheidet sich von kernigen Münchnern und Münchnerinnen durch die Wahrung seiner Neutralität, die sich aus seiner kanadischen Staatszugehörigkeit ergibt. Wie wichtig es ist, alten Tageszeitungen und vollen Milchflaschen Beachtung zu schenken, zeigt diese Episode. 4 von 5 Punkten

BONUS: "Halsband der Kaiserin": Die Lektüre eines spannenden Kriminalromans versüßt sich Olivia mit dem Griff in die Bonbonniere. Auch Slim darf von den Kirsch- und Cognacpralinen naschen. Noch lieber greift er jedoch zu einem ORANGENLIKÖR (Orangen, Weingeist, Zucker, Wasser) und liest in seiner Sportzeitung - wenn er nicht zu einem neuen Klienten gerufen wird.

Gubanov Offline




Beiträge: 14.061

30.01.2014 14:00
#30 RE: Slim Callaghan greift ein (ZDF 1964) mit Viktor de Kowa Zitat · antworten




Episode 7 der TV-Kriminalserie, BRD 1964. Regie: Karl Anton. Drehbuch: Edward Maria Solger, Ernest Borneman. In den Hauptrollen: Viktor de Kowa (Slim Callaghan), Eva Pflug (Steffie). Gastdarsteller: Gundel Thormann, Walter Janssen, Helmuth Rudolph u.a. Erstsendung: 31. August 1964, ZDF.

Zitat von Slim Callaghan greift ein (7): Halsband der Kaiserin
Das Halsband der Kaiserin Eugénie befindet sich nicht mehr im Besitz Herrn Vandenbergs. Seine Frau hat es mitgehen lassen – ohnehin ist sie eine sehr fragwürdige Person, die sich endgültig aus dem noblen Familiensitz verabschiedet hat. Sie will ihre Scheidung mit einer Stange Geld versüßen, für die sie das Halsband wieder herausgibt ...


Sechzigerjahrekrimis haben ihre lieben Probleme mit der Charakterisierung blonder Frauen, die häufig nur als missglückte Witznummern eingesetzt werden, um das Klischee vom dummen Blondchen zu bedienen. Gundel Thormann tut ihr Bestes, um diese Legende fortzuschreiben. In einer widerlich aufdringlichen Manier gestaltet sie die Gespräche mit dem überrumpelten Slim Callaghan, mit dem man zum ersten Mal so etwas wie Mitleid empfinden muss, während er von ihrer lauten Sägeblattstimme und ihren merkwürdigen Andeutungen malträtiert wird.
Das ist ausgesprochen schade, denn sowohl der Titel als auch der Beginn der Handlung versprechen eine angenehme Unterhaltung. Der Landsitz, auf den Slim bestellt wird, der Kamin, der dort im Hintergrund knistert, die Andeutung des verschwundenen Schmuckstücks, die sofort Assoziationen zu dem sehr gelungenen Callaghan-Krimi „Liebelei in Moll“ erweckt, – alle diese Umstände sprechen zunächst eigentlich für Folge 7 der kurzlebigen Serie. Selbst das Ende auf dem Flughafen ist ein Punkt, der zur Versöhnung anregen würde, wenn dort nicht schon wieder Gundel Thormann im Mittelpunkt stehen würde. Die Anzahl und Effektivität der Außenaufnahmen, z.B. bei der Verhaftung auf dem Rollfeld, erweist sich wieder einmal als äußerst ansprechend.
Verwirrung stiftete bei mir die Personalie Walter Janssen, der mir bisher als Darsteller nicht weiter untergekommen war und dessen Namen ich mit dem deutlich jüngeren und sehr anders aussehenden Wolfgang Jansen verwechselte, der bereits in Episode 4 einen unkreditierten Miniauftritt als Zeitungsverkäufer hatte. Janssen spielt den angeblichen Herrn Vandenberg mit genug Unbeholfenheit, um beim Zuschauer Rückschlüsse über seine falsche Identität zu hinterlassen, was jedoch leider auch der Szene in der Vandenberg’schen Villa ihre Atmosphäre der Hochherrschaftlichkeit nimmt.

Falsche Erwartungen, kombiniert mit einem desaströsen Gastauftritt Gundel Thormanns, die es schaffte, innerhalb von nur 20 Minuten alle nur irgendmöglichen Nerven zu strapazieren, stellen die guten Ansätze der Produktion in den Schatten. Viktor de Kowa muss nach Hanne Wieders Auftritt zum zweiten Mal das Zepter des Hauptdarstellers an eine Gastrolle überreichen, was hier jedoch ebenso spektakulär scheitert, wie es in „Liebelei in Moll“ gelingt. Die 3 von 5 Punkten werden durch das verbleibende angenehme Flair der Reihe – ein echter Lichtblick unter den Vorabendserien – gerettet.

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