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Dieses Thema hat 2 Antworten
und wurde 168 mal aufgerufen
 Film- und Fernsehklassiker national
Ray Offline



Beiträge: 1.841

31.05.2020 22:21
Schwarz Rot Gold (TV, 1982-1996) Zitat · Antworten

Habe mir über die letzten Monate verteilt nach und nach die Folgen der Serie "Schwarz Rot Gold" angesehen. Uwe Friedrichsen spielt den Zollamtsmann "Zalu" Zaluskowski. Wie man der Berufsbezeichnung entnehmen kann, geht es anders als im TV-Krimi üblich nicht um Mord, Totschlag, Raub oder Erpressung, sondern um Wirtschaftsdelikte. Der Betrachter erhält in jeder Episode Einblick in eine bestimmte Branche samt ihren Vertriebswegen- ob Kaffee, Zigaretten oder Videokassetten. Zaluskowski und sein Team erhalten zu Anfang jeder Episode auf unterschiedlichen Wegen erste Hinweise zu dem bevorstehenden Fall. Im Anschluss werden akribisch Beweise herbei geschafft und mit Staatsanwaltschaft und Ermittlungsrichtern um notwendige Erlaubnisse gerungen. Am Whodunit-Element fehlt es. Schnell ist für Publikum und/oder Ermittler klar, wer sich eines Vergehens schuldig gemacht hat. Die Frage ist dann, ob und vor allem wie man die Täter überführen kann. Am Ende der Episode steht anders als bei "Derrick" & Co selten ein uneingeschränkter Erfolg. Mal reichen die Beweise nicht und es kommt zum Freispruch, mal fällt die Strafe für die Ermittler zu niedrig aus, mal erwischt man nur die "kleinen Fische" und Mittelsmänner.

Die Ermittlungen führen Zaluskowski und Kollegen mitunter auch ins Ausland (z.B. Hongkong), wo jeweils an Originalschauplätzen gedreht wurde. Gerade in den ersten Folgen gibt es zudem ein Wiedersehen mit vielen bekannten Darstellern der Zeit bzw. aus vergangenen Zeiten. Mit dabei sind u.a. Peter Pasetti, Barbara Rütting, Christiane Krüger, Hannelore Elsner, Ingmar Zeisberg, Dieter Eppler, Susanne Uhlen, Til Erwig, Günter Strack, Thekla Carola Wied u.v.a.

Man muss sich an die ungewohnte Thematik zunächst gewöhnen, auch sind nicht wenige Episoden zu lang geraten, vor allem diejenigen, bei denen die Laufzeit von 90 Minuten überschritten wird. Mit der Zeit lernt man die Reihe um den sympathisch-hemdsärmeligen Uwe Friedrichsen und seine Kollegen, von denen vor allem der charismatische George Meyer-Goll heraussticht, zu schätzen. Besonders gut haben mir zwei Folgen gefallen, die eher der Spätphase zuzurechnen sind: In "Der Rubel rollt" leisten Zaluskowski und Kollegen Amtshilfe in der ehemaligen DDR. Die Einblicke in die damaligen (bürokratischen) Zustände sind ausgesprochen interessant. Da die Telefonleitungen in den Büros schlecht sind, muss Zalu für dienstliche Telefonate auch mal zur Telefonzelle am Brandenburger Tor laufen, vor der sich bereits eine lange Schlange gebildet hat. Heute undenkbar. Ebenfalls schon herrlich nostalgisch mutet die Episode "Mission in Hongkong" an, in der es um aus Asien importierte Videokassetten geht, auf die kurze Werbefilme aufgespielt wurden, um die sog. "Leerkassettenabgabe" zu sparen. Eben jene Episode führt Zalu nach Hongkong. Der Kulturclash sorgt für manche besonders amüsante Szene.

Wer bereit ist, sich auf eine inhaltlich etwas untypische Krimi-Reihe einzulassen, wird mit "Schwarz Rot Gold" also gut bedient. Die Geschichten sind sorgfältig recherchiert, Hauptdarsteller Friedrichsen vermag die Serie zu tragen, Gaststars und mancher Auslandsscchauplatz sorgen für zusätzliche Sehanreize. Für die Regie waren übrigens Dieter Wedel, Theo Mezger, Marco Serafini und Pete Ariel verantwortlich.

Die Serie ist letztes Jahr nochmal in einer Komplettbox auf DVD erschienen. Als Bonus gibt es einen Portraitfilm über Uwe Friedrichsen sowie ein Interview mit dem Hauptdarsteller. Beides sehr sehenswert.

Jan Offline




Beiträge: 1.693

02.06.2020 20:26
#2 RE: Schwarz Rot Gold (TV, 1982-1996) Zitat · Antworten

Tatsächlich verstehen viele "SRG-Episoden" zu fesseln. Angesichts der spröden Ermittler-Charaktere und des zunächst häufig dröge anmutenden Sujets ist das durchaus beachtlich. Viel Anteil daran hat sicher das Duo Dieter Meichsner und Theo Mezger, auf deren gemeinsames Konto die weitaus meisten Episoden gehen. Beide fanden zumeist den richtigen Spagat zwischen komplexen Wirtschaftsgeflechten und interessanten Geschichten drumherum. Nicht selten sind es die Verfolgten, die gegenüber den Verfolgern die Sympathiepunkte einheimsen. Die Geschäftemacher, denen Zalu und Kollegen mal mehr und mal weniger auf die Schliche kommen, sind häufig smarte Lebemänner, die einen gewollten Kontrapunkt zum Grau-in-Grau der Amtsstube bilden sollen. Der Zuschauer wird von Meichsner dabei zunächst recht geschickt zum Komplizen der Ganoven, weil es sich leichter mit ihnen identifizieren lässt als mit den gewollten Durchschnittsbeamten vom Zoll. Zalu wird zudem häufig als reichlich aufbrausend und zu Beginn der Reihe auch nicht immer als über die Maßen kollegial gezeigt. Später ist Zalu der alleinige Chef, indes immer noch eine regelrechte Heißdüse - engagiert, aber auch angesichts der ihm zur Verfügung gestellten Mittel häufig frustriert. Die ungleichen Mittel, mit denen das Gesetz dem Verbrechen gegenüber steht, sind häufig Thema der Serie. Zalus Langzeitkollege Siggi ist an sich eine penetrante Nervensäge, Max achtet auf das Einhalten der ordnungsgemäßen Dienstzeiten und Grosser ist ein Freizeitcasanova. Kurzum - SRG bietet einen guten Schnitt durch die Amtsstuben des Landes. Alles in allem ist das aber tatsächlich, und da stimme ich Ray vollauf zu, sehr sehenswert. Dass einige Episoden zu lang geraten und dann leicht geschwätzig sind, sehe ich ebenfalls wie Ray. Möglicherweise liegt dies auch daran, dass eine neue Episode SRG in den 1990er Jahren - daran kann ich mich noch gut "live" erinnern - ein kleines Event war; nicht zuletzt auch aufgrund der teils exotischen Schauplätze. Da war die 90-Minuten-Vorgabe dann nur noch Makulatur.

Gruß
Jan

Tarzan Offline



Beiträge: 1.001

02.06.2020 20:39
#3 RE: Schwarz Rot Gold (TV, 1982-1996) Zitat · Antworten

Danke für die Infos. Habe die ersten Jahre der Serie in guter Erinnerung und wusste gar nichts von der Veröffentlichung auf DVD. Da werde ich mal schauen...

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