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Dieses Thema hat 2 Antworten
und wurde 177 mal aufgerufen
 Film- und Fernsehklassiker national
Ray Offline



Beiträge: 1.493

07.09.2018 21:55
Wir Wunderkinder (1958) Zitat · Antworten

Wir Wunderkinder (BRD 1958)

Regie: Kurt Hoffmann

Darsteller: Johanna von Koczian, Hansjörg Felmy, Robert Graf, Wera Frydtberg, Jürgen Goslar, Elisabeth Flickenschildt, Pinkas Braun, Wolfgang Neuss, Wolfgang müller, Ingrid van Bergen, Horst Tappert, Karl Lieffen, Ralf Wolter, Rainer Penkert u.a.



"Wir Wunderkinder", von Kurt Hoffmann nach dem gleichnamigen Roman von Hugo Hartung inszeniert, zeichnet den Lebensweg zweier Männer von der Kaiser- bis zur Wirtschaftswunderzeit nach. Der eine, Hans Boeckel, gespielt von Hansjörg Felmy, ist ein unnachgiebiger Idealist. Nach seinem mit Promotion abgeschlossenen Philosophie-Studium wird er Redakteur bei einer Münchener Zeitung. Der andere, von Robert Graf dargestellte Mann namens Bruno Tiches besucht Boeckel überraschend eines Abends Mitte der 1920er-Jahre in seiner Bude und entlarvt sich sogleich als Opportunist: hatte er einst für einen jüdischen Bankier gearbeitet, so erklärt er nun unaufgefordert, man müsse es nun mit den Völkischen halten. Die Wege der beiden werden sich bis zur Wirtschaftswunderzeit noch einige mal kreuzen, ändern werden sie sich trotz der zahlreichen gesellschaftlichen Umbrüche nicht.

Regisseur Hoffmann ist mit "Wir Wunderkinder" anders als zur Zeit seiner Premiere verbreitet angenommen wurde, ein ganz großer Wurf gelungen. Und dass obwohl die Gefahr, sich an Hartungs Roman zu verheben, durchaus groß war. Schließlich galt es, in knapp 110 Minuten vier ereignisreiche Jahrzehnte abzubilden und dabei die Figurenzeichnung nicht aus dem Auge zu verlieren. Dies ist bravourös gelungen. Im Gewand einer kabarettistischen Aufführung, in dessen Rahmen Wolfgang Neuss und Wolfgang Müller mal erzählend, mal Chansons singend, aber stets pointiert durch die Handlung führen, nimmt der Regisseur das Publikum mit auf eine aufregende Zeitreise. Robert Graf brilliert in der Rolle des Opportunisten. Wie er, sich keiner Schuld bewusst und auf der Suche nach der nächsten Welle Felmy nach dem Kriege gegenübertritt, macht den Zuschauer fassungslos. Hansjörg Felmy schafft es, obgleich seine Rolle naturgemäß weniger Bewährungsproben bereithält als die für sein Gegenüber, sich zu behaupten und die Sympathie des Publikums an sich zu reißen. Nicht ganz unschuldig daran ist auch die wunderbare Johanna von Koczian, die besonders erfrischend und unverbraucht daherkommt. Wera Frydtberg in der Rolle von Boeckels erster großer Liebe bleibt dagegen blass. Generell treibt es einem die Freudentränen in die Augen, wenn man einen Blick auf die Besetzungsliste wirft. Bis in die Kleinstrollen finden sich bekannte Namen. Einen starken Auftritt als Grafs Anhängsel legt dabei Jürgen Goslar hin. Pinkas Braun gibt einen Schulfreund Boeckels mit jüdischem Glauben, wobei sich (beabsichtigte) Freundschaftsdienste erfreulicherweise im Laufe der Handlung ausgleichen. Horst Tappert hat einen kleinen, aber feinen Part als Lehrer der beiden Hauptfiguren. Anfangs sieht man einen erstaunlich jungen Tappert zur Kaiserzeit, am Ende des Films gibt er überzeugend den um rund 40 Jahre gealterten Studienrat. "Wir Wunderkinder" ist ambitioniert erzählt, souverän inszeniert und hervorragend gespielt. Tragische und (tragi-)komische Momente wechseln sich in schöner Regelmäßigkeit ab. Uneingeschränkt zu empfehlen.

Die Blu-Ray von Filmjuwelen präsentiert den Film dank Restauration in einem sehr guten Bild. Dazu gibt es eine interessante, rund 50-minütige Dokumentation über Regisseur Kurt Hoffmann aus dem Jahre 1985, in der u.a. Heinz Rühmann, Lieselotte Pulver und die kürzlich verstorbene Eva-Maria Meineke zu Wort kommen. Dazu gibt es wie üblich ein Booklet mit zeitgenössischen Kritiken, Hintergrundinformationen und Biografien.


"Wir Wunderkinder" verbreitet seine Kritik an der Wirtschaftswunder-Zeit auf eine angenehme Weise ohne erhobenen Zeigefinger. Zur souveränen Inszenierung Kurt Hoffmanns gesellt sich ein bemerkenswerter Cast. Zu Recht preisgekrönt. 5 von 5 Punkten.

Siegfried Lowitz Offline




Beiträge: 46

08.09.2018 09:48
#2 RE: Wir Wunderkinder (1958) Zitat · Antworten

Gute Beschreibung genau so sehe ich den Film auch mein einziges bedauern ist das Ralf Wolter und Horst Tappert nur so kurz vorkommen.
Der Film gehört wahrscheinlich wegen dem Guten Drehbuch zu meinen Lieblingsfilmen und der guten Besetzung.
Der Film ist Fantastisch und sollte jeder Filmliebhaber zumindest einmal gesehen haben alleine schon um Horst Tappert in Jung zu sehen
Am besten hat mir an diesen Film die grandiose Besetzung gefallen in denen fast jeder Schauspieler Unaustauschbar war.
Vorrallen aber hat mir Wolfgang Neuss gefallen (den Vaterlandsverräter) der mit seiner sympathischen Art es Schaft den Film etwas aufzuheitern.
Fantastisch waren natürlich auch Hansjörg Felmy und Johanna von Koczian eine bessere Besetzung hätte man wirklich nicht wähle können allein wegen den alles sagenden blick den diese beiden Schauspieler besitzen.
Robert Graf war natürlich auch ganz gut nur hätte ich an seiner stelle lieber Siegfried Lowitz gesehen aber dass ist natürlich Geschmack Sache.

Ray Offline



Beiträge: 1.493

08.09.2018 18:35
#3 RE: Wir Wunderkinder (1958) Zitat · Antworten

Danke für die Rückmeldung. Lowitz hätte von seiner schauspielerischen Klasse her die Rolle sicher gut gestemmt, nur sollen Boeckel und Tiches ja Schulkameraden sein. Graf und Felmy liegen schon knapp sieben Jahre auseinander, bei Lowitz und Felmy wären es schon 16 Jahre gewesen. Insofern hätte es vor dem Hintergrund nicht so gut gepasst. Außerdem lässt Graf schon nicht viel Luft nach oben, weshalb es in meinen Augen selbst für einen Lowitz schwer geworden wäre, das noch zu toppen.

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