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Dieses Thema hat 5 Antworten
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 Romane
Dr. Oberzohn Offline



Beiträge: 48

01.03.2018 20:00
Der Banknotenfälscher (1927) Zitat · antworten

Der Banknotenfälscher

Originaltitel: The Forger
Erscheinungsjahr: 1927

Hauptpersonen:

Peter Clifton - Millionenerbe mit Geheimnissen
Jane Leigh - seine nicht ganz freiwillige Braut
John Leigh - Kunstmaler und Vater von Jane
Basil Hale - verschwenderischer Verehrer von Jane
Donald Wells - Arzt mit dunkler Vergangenheit
Marjorie Wells - seine Ehefrau
Chefinspektor Bourke - Freund von Peter und hochrangiger Beamter von Scotland Yard
Inspektor Rouper - eher zweifelhafter Kriminalist
Mrs. Untersohn - schrille Dame mit dubiosen Erbansprüchen
Mr. Radlow - Rechtsanwalt


Handlung:

Der Millionenerbe Peter Clifton heiratet die junge Jane Leigh, die Tochter eines älteren Kunstmalers. Von ihrer Seite ist es keine Liebesheirat, sie wurde vielmehr von ihren Bekannten und nicht zuletzt von ihrem Vater dazu gedrängt. Peter sieht nicht schlecht aus und ist, natürlich, sehr vermögend, aber im Verhalten sehr unsicher. Außerdem quält ihn ein dunkles Familiengeheimnis, das er mit seinem Arzt und guten Bekannten, Dr. Donald Wells, teilt. Ein anderer Bekannter, der Lebemann Basil Hale, ergeht sich vor der frischgebackenen Jane Clifton, auf die er schon lange ein Auge geworfen hat, in nebulösen Andeutungen. Liegt etwa Wahnsinn in Peters Familie ? Ist er selber vielleicht verrückt ?
Die Flitterwochen des frisch vermählten Paars auf dem düsteren Landsitz Longford Manor beginnen nicht sehr vielversprechend. Peter macht sich durch sein Gebaren immer wieder verdächtig. Ist er am Ende gar der "Gerissene" (oder, je nach Übersetzung, der "Fuchs" oder der "Clevere"), ein meisterhafter Geldfälscher im ganz großen Stil ? So vermutet es jedenfalls Inspektor Rouper, ein Beamter von Scotland Yard, der dem Fälschergenie schon lange auf der Spur ist. Und wer ist die groteske Mrs. Untersohn, die Peter allerlei Vergehen bezichtigt ? Was weiß der kauzige Rechtsanwalt Radlow, der Familienanwalt der Cliftons ?
Auch der Besuch von Dr. Wells und seiner etwas boshaften Ehefrau Marjorie heitert die Stimmung nicht auf. Es kommt zum Streit mit Janes Verehrer Basil Hale, und eines Morgens liegt dieser erschlagen im Schloßpark. Peter wird von seiner Frau blutverschmiert und bewusstlos im Bett gefunden. Doch statt ihn anzuzeigen, beseitigt sie alle Spuren und versucht ihm zu helfen. Und dann hat Peter da noch seinen guten Freund, Chefinspektor Bourke, der sich für ihn einsetzt... Ist Peter nun ein Verbrecher, oder steckt etwas anderes dahinter ?


Bewertung:

Der "Banknotenfälscher" ist ein Roman, der im Schatten anderer Werke des bekannten Krimi-Autors steht. Zu Unrecht, wie ich persönlich meine, hat er doch ein paar Qualitäten aufzuweisen, die vielen Geschichten von Wallace abgehen. Das Ganze braucht ein bisschen zu lange Zeit, um in Schwung zu kommen, das kann man nicht abstreiten. Das Geschehen verläuft jedoch weitgehend logisch und ist viel weniger von Zufällen abhängig als sonst. Die eigentliche Handlung, ein Komplott um ein Millionenvermögen, wäre im Prinzip auch ohne die "Übergeschichte" des obskuren Meisterfälschers ausgekommen, aber ein derartiger Handlungsaufbau ist ja bei Edgar Wallace häufig anzutreffen. Die Figuren in diesem Spiel sind sehr sorgfältig gezeichnet, die Liebesgeschichte zwischen Peter und Jane ist nicht "aufgepfropft", sondern beginnt sich im Verlaufe der Handlung glaubwürdig zu entwickeln, ist diesmal für den Ausgang des Geschehens sogar notwendig. Obwohl sie ihn nicht sonderlich mag, hilft die Gattin ihrem Mann aus Pflichtbewusstsein heraus, als er hilflos und in Bedrängnis ist. Dabei verliebt sie sich in ihn - so etwas soll schon vorgekommen sein. Dabei hat Peter neben seiner Selbstunsicherheit auch durchaus männliche Züge aufzuweisen, aber er zweifelt selber an seinem Verstand bereut manchmal, die Ehe eingegangen zu sein.
Seine Bekannten, allen voran der Dr. Wells, scheinen auch nicht ganz das zu sein, was sie vorgeben. Aber das gilt eigentlich für fast alle Personen in diesem Roman. Letztlich sind sie alle nur mehr oder weniger freiweillige Marionetten, an deren Fäden der geheimnisvolle große Unbekannte zieht. Ausgenommen nur Peters Freund, der erfahrene Chefinspektor Bourke, welcher allerdings bei seinen Ermittlungen mehr als einmal die Dienstvorschriften umgeht. Ansonsten sieht es für Peter Clifton nicht rosig aus, außer Bourke hält nur noch seine Frau zu ihm, sogar als er bei einem erneuten Verbrechen wieder in verdächtigen Umständen aufgefunden wird.
Im Grunde ist es eine klassische englische Kriminalstory: Millionenerbe, versteckte Testamentsformulierungen, Ärzte, Anwälte, falsche Freunde, Familiengeheimnisse, mysteriöse Morde, ... Und es ist einer der wenigen Stellen im Werk des Autors, wo der Kriminalist tatsächlich mal Spuren sichert und auswertet (hier z.B. der Inhalt eines Staubsaugerbeutels). Daneben gibt es auch wieder die Wallace-typische Verbrecherorganisation mit einem Meisterschurken an der Spitze, der neben Gewinnen aus Falschgeldherstellung und Geldverleih auch ein kleines Zubrot auf anderem Wege nicht verschmäht. Sehr schön die Stellen im Roman, wo der große Unbekannte in einem geheimen Raum hinter einem Drahtverschlag sitzt und seine Anweisungen gibt. Gruselig gruselig ...
Mit der Zeit fallen von allen Beteiligten die Masken, es wird für alle, Peter und Jane eingeschlossen, recht schmerzlich. Jane Clifton ist eine tatkräftige Frau, die von Männern schon mal drastisch unterschätzt wird. Keinesfalls die Dame, die immer gerettet werden muss, im Gegenteil. Doch wer ist nun der "Gerissene", und ist Peter tatsächlich wahnsinnig? Wer hat die Morde begangen ?
Das Ende des Buches ist für den Gerechtigkeitsfanatiker sicher unbefriedigend, der Autor geht mit seinen Bösewichtern recht nachsichtig um, sei es ein korrupter Polizist, der mit einem blauen Auge davonkommt, sei es der Hauptschurke des Romans, dessen Schicksal recht ungewöhnlich ist. Doch dass der Mörder seine Strafe bekommt, dafür hat Wallace schon gesorgt.

"Der Banknotenfälscher" ist ein Roman, der auf dem Programm eines jeden Freundes für klassische Krimis stehen sollte. Hat man sich durch den etwas zähen Anfangsteil gearbeitet, belohnt einen der Rest des Buches mit einer durchaus spannenden und abwechslungsreichen Geschichte.

Buch:

Gelesen habe ich die DDR-Ausgabe unter dem Titel "Der Fälscher", zuerst im Doppelband mit dem Roman "Der Feuerrote Kreis", dann in der Kompass-Taschenbuchausgabe. Diese ist sogar recht ansprechend illustriert, die Übersetzung ist ansprechend und, so weit ich das beurteilen kann, auch vollständig. War übrigens mein allererstes Buch von Edgar Wallace... :-)


Verfilmung:

"Der Fälscher von London" ist vielleicht mit Ausnahme des "Rächers" derjenige deutsche Edgar-Wallace-Film, der sich am engsten an die literarische Vorlage hält. Es gibt ein paar kleine Änderungen (z.B. John Leigh ist Janes Onkel statt Vater), Weglassungen (z.B. wurde die Geschichte der Beziehung von Dr. Wells zu seiner Ehefrau etwas gekürzt) und Ergänzungen (wie etwa der in jeder Hinsicht mysteriöse Organist), aber ansonsten erkennt man stets die Romanhandlung. Für die Rolle des Peter Clifton wurde der damals recht unbekannte Helmut Lange ausgewählt, seine Frau Jane durfte die schöne Karin Dor spielen. Chefinspektor Bourke wird wie immer hintergründig von Siegfried Lowitz verkörpert. Ansonsten mimen Walter Rilla den Onkel von Jane, Victor de Kowa den zweifelhaften Arzt Donald Wells, Robert Graf den lebenslustigen Basil Hale und der unnachahmliche Ulrich Beiger den unsympathischen Inspektor Rouper. Eddie Arendt hat diesmal eine nur kleine Rolle bekommen, allerdings gibt es die Person auch im Buch in einer kurzen Szene. Daneben spielen noch eine Reihe anderer Schauspieler und -innen aus dem Wallace-Kanon mit. Nur die Rolle des Organisten ist immer noch ein Geheimnis, ob es tatsächlich ein verkleideter Eddie war ... ? :-)
Auch der Film braucht eine Weile, um in Gang zu kommen. Das erste Drittel ist etwas langatmig. Dann schließt sich eine gutgebaute Krimihandlung an, die letzte Viertelstunde verspricht so richtig schönen Wallace-Grusel. Über der ganzen Szenerie liegt immer etwas verhalten Gruseliges, daran hat zum großen Teil die schöne Filmmusik von Martin Böttcher ihren Einfluss, welche für mich persönlich die beste der ganzen Wallace-Serie ist. Auch die Kamera arbeitet viel mit Licht- und Schatteneffekten und ist sehr stimmig. Da gibt es eine musterhafte Schießerei im sogenannten "Spiegelzimmer", viel Nebel und düstere Gestalten, die umherschleichen.
Das Ende ist natürlich anders als im Buch, da der Schurke halt immer bestraft werden muss.
So ist der "Fälscher von London" kein Reißer wie andere derartige Verfilmungen, sondern mehr ein "Whodonit"-artiger Kriminalfilm mit durchaus auch Wallace-haften Stereotypen und einer einprägsamen musikalischen Untermalung - immer wieder gern gesehen.

schwarzseher Offline



Beiträge: 376

02.03.2018 19:19
#2 RE: Der Banknotenfälscher (1927) Zitat · antworten

Vorab muss ich zugeben das ich längst nicht alle Romane von EW gelesen habe.Und bei den meisten ist es sehr lange her.Durch die neuen Besprechungen ist mein Interesse aber wieder erwacht. Der Fälscher von London war von jeher einer meiner Lieblingsfilme (und ich fand ihn oft sehr unterschätzt hier unter den Fans )und jetzt werde ich mir das Buch auch vornehmen.
Der Vergleich zwischen Buch und Film ( evtl. auch Hörspiel)finde ich schon sehr interessant.
Irgendwie bin ich früher mal ins stocken gekommen ?( zB. den Hexer fand ich schon irgendwie langweilig )da hatte der Film eindeutig die Nase vorn.
Na ,mal sehen..........

Dr. Oberzohn Offline



Beiträge: 48

10.03.2018 18:59
#3 RE: Der Banknotenfälscher (1927) Zitat · antworten

Ja, von den Filmen auf die Romane zu schließen, kann daneben gehen. Ich fand den Hexer, bis auf den Schluss, auch ziemlich langweilig, ebenso den Zinker, ein grottenlangweiliger Roman ! Und das sind ja Wallace' berühmteste Bücher !
Hängt sicher mit den Erfolgen als Theaterstücke zusammen, aber was auf der Bühne sicherlich sehr gut funktionieren kann, das muss als Buch nicht gut sein. Deswegen wurden ja beide Stücke in den Verfilmungen weitgehend umgeschrieben, wobei mir der Zinker da einiges besser als der Hexer gefällt.
Meist ist es aber doch so, dass die Romane besser als ihre Verfilmungen sind. Oft sind in den Filmen die Charaktere und Handlung sehr verflacht, viele Erzählstränge wurden weggelassen oder durch hinzu gedichtete Handlungselemente ersetzt - nicht immer zum Vorteil ! Wenn bei den meisten S/W-Filmen immerhin noch ein Zusammenhang zur literarischen Vorlage besteht, so fällt der bei den Farbfilmen völlig weg. Es ist eigentlich so, als wären diese Romane überhaupt nicht verfilmt worden. Dabei gibt es hier auch viele spannende Titel zum Schmökern...

Gubanov Offline




Beiträge: 15.291

10.03.2018 19:15
#4 RE: Der Banknotenfälscher (1927) Zitat · antworten

Gegen "Hexer" und "Zinker" könnte ich kein Wort sagen, aber den "Fälscher" habe ich als eher schleppende Lektüre im Vergleich zu spannenderen Wallace-Romanen in Erinnerung. Ich hatte damals ebenfalls die DDR-Übersetzung gelesen. Insgesamt ähneln sich "Fälscher" und "Zinker" wegen ihrer sehr prominenten Romanzen-Thematik (Heirat aus Pflichtgefühl) allerdings doch ein Stückweit.

schwarzseher Offline



Beiträge: 376

11.03.2018 11:03
#5 RE: Der Banknotenfälscher (1927) Zitat · antworten

Es gibt natürlich auch Gegenbeispiele,wenn man die Verfilmungen von E. Georges Inspector Lynley betrachtet und dann oder vorher die Bücher oder Hörspiele vergleicht.......Fazit : die Filme /Darsteller haben schon was....gut gemacht.Dagegen die Bücher alle 300 Seiten zu viel langweiliges Geschreibsel ( mit jedem Buch noch mehr überflüssiges/Nebensächliges /uninteressantes Füllmaterial/Nebenstränge die ins Nichts führen und nie was mit der eigentlichen (Krimi-)Handlung zu tun hatten)Bei den Hörspielen habe ich nach zwei aufgegeben ,noch nie bei Hörspielen so unsäglich gelangweilt.
Dagegen ist der Hexer ein Reißer mit unerträglicher Spannung.
Was ich sagen will....Buch /Film da kommt es auf den Autor / Story/Handlungen aber auch auf die "Filmemacher " an das richtige Mitteln zu finden was in den Film sollte/muss und was nicht.

Dr. Oberzohn Offline



Beiträge: 48

24.03.2018 19:30
#6 RE: Der Banknotenfälscher (1927) Zitat · antworten

Tatsächlich ist das Thema "Konzentration auf die Krimihandlung" einer der Hauptgründe, warum ich viel lieber beim Lesen (und auch als Film) auf Krimi-Klassiker zurückgreife. Helden, die ständig jammervoll am Zustand der Welt verzweifeln und mit privaten Problemen überfrachtet sind, brauch ich mir zur Entspannung nicht anzutun. Angefangen hat alles wohl mit den "Schwedenkrimis" von Walhöö/Sjöwall, obwohl die privaten Probleme der Akteure und die gesellschaftlichen Kritiken bei den ersten dieser Bücher durchaus noch Interesse wecken konnten. Da war es noch nicht so dick aufgetragen wie in den späteren Büchern, von den heutigen Schweden-Erzeugnissen mal ganz zu schweigen.

Ich habe z.B. neulich mal die etwa 70 Jahre alte Kriminalgeschichte "Die heisere Schwalbe" von Erle Stanley Gardener gelesen. Was der Schriftsteller da alles an überraschenden Wendungen und Handlungsvielfalt in die recht kurze Story hineingepackt hat, das würden heutige Autoren wohl nicht mal in zwei dickbändigen Romanen schaffen. (Gardener war wie Wallace ein ungeheuer schöpferischer Autor, benutzte auch ein Diktaphon und hatte einen Stab von Sekretärinnen, die die seine Werke abtippten. Seine Plots waren wesentlich raffinierter als bei Wallace, allerdings die Handlung meist auch viel konventioneller. Sein Aufstieg begann etwa zur Zeit von Wallace`Tod).

Wenn man Edgar Wallace immer wieder vorgeworfen hat, seine Figuren seien zu zweidimensional (was häufig ungerecht ist), so hat er seinen Lesern wohl eher einen Gefallen damit getan. Das ist bestimmt auch ein Grund, weshalb prominente und alles andere als dumme Menschen zu seinen Büchern gegriffen haben - es zählte allein die Phantasie und nicht die raue Wirklichkeit.

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