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Dieses Thema hat 21 Antworten
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 Romane
Seiten 1 | 2
Dr. Oberzohn Offline



Beiträge: 545

01.03.2018 20:00
Der Banknotenfälscher (1927) Zitat · Antworten

Der Banknotenfälscher

Originaltitel: The Forger
Erscheinungsjahr: 1927

Hauptpersonen:

Peter Clifton - Millionenerbe mit Geheimnissen
Jane Leigh - seine nicht ganz freiwillige Braut
John Leigh - Kunstmaler und Vater von Jane
Basil Hale - verschwenderischer Verehrer von Jane
Donald Wells - Arzt mit dunkler Vergangenheit
Marjorie Wells - seine Ehefrau
Chefinspektor Bourke - Freund von Peter und hochrangiger Beamter von Scotland Yard
Inspektor Rouper - eher zweifelhafter Kriminalist
Mrs. Untersohn - schrille Dame mit dubiosen Erbansprüchen
Mr. Radlow - Rechtsanwalt


Handlung:

Der Millionenerbe Peter Clifton heiratet die junge Jane Leigh, die Tochter eines älteren Kunstmalers. Von ihrer Seite ist es keine Liebesheirat, sie wurde vielmehr von ihren Bekannten und nicht zuletzt von ihrem Vater dazu gedrängt. Peter sieht nicht schlecht aus und ist, natürlich, sehr vermögend, aber im Verhalten sehr unsicher. Außerdem quält ihn ein dunkles Familiengeheimnis, das er mit seinem Arzt und guten Bekannten, Dr. Donald Wells, teilt. Ein anderer Bekannter, der Lebemann Basil Hale, ergeht sich vor der frischgebackenen Jane Clifton, auf die er schon lange ein Auge geworfen hat, in nebulösen Andeutungen. Liegt etwa Wahnsinn in Peters Familie ? Ist er selber vielleicht verrückt ?
Die Flitterwochen des frisch vermählten Paars auf dem düsteren Landsitz Longford Manor beginnen nicht sehr vielversprechend. Peter macht sich durch sein Gebaren immer wieder verdächtig. Ist er am Ende gar der "Gerissene" (oder, je nach Übersetzung, der "Fuchs" oder der "Clevere"), ein meisterhafter Geldfälscher im ganz großen Stil ? So vermutet es jedenfalls Inspektor Rouper, ein Beamter von Scotland Yard, der dem Fälschergenie schon lange auf der Spur ist. Und wer ist die groteske Mrs. Untersohn, die Peter allerlei Vergehen bezichtigt ? Was weiß der kauzige Rechtsanwalt Radlow, der Familienanwalt der Cliftons ?
Auch der Besuch von Dr. Wells und seiner etwas boshaften Ehefrau Marjorie heitert die Stimmung nicht auf. Es kommt zum Streit mit Janes Verehrer Basil Hale, und eines Morgens liegt dieser erschlagen im Schloßpark. Peter wird von seiner Frau blutverschmiert und bewusstlos im Bett gefunden. Doch statt ihn anzuzeigen, beseitigt sie alle Spuren und versucht ihm zu helfen. Und dann hat Peter da noch seinen guten Freund, Chefinspektor Bourke, der sich für ihn einsetzt... Ist Peter nun ein Verbrecher, oder steckt etwas anderes dahinter ?


Bewertung:

Der "Banknotenfälscher" ist ein Roman, der im Schatten anderer Werke des bekannten Krimi-Autors steht. Zu Unrecht, wie ich persönlich meine, hat er doch ein paar Qualitäten aufzuweisen, die vielen Geschichten von Wallace abgehen. Das Ganze braucht ein bisschen zu lange Zeit, um in Schwung zu kommen, das kann man nicht abstreiten. Das Geschehen verläuft jedoch weitgehend logisch und ist viel weniger von Zufällen abhängig als sonst. Die eigentliche Handlung, ein Komplott um ein Millionenvermögen, wäre im Prinzip auch ohne die "Übergeschichte" des obskuren Meisterfälschers ausgekommen, aber ein derartiger Handlungsaufbau ist ja bei Edgar Wallace häufig anzutreffen. Die Figuren in diesem Spiel sind sehr sorgfältig gezeichnet, die Liebesgeschichte zwischen Peter und Jane ist nicht "aufgepfropft", sondern beginnt sich im Verlaufe der Handlung glaubwürdig zu entwickeln, ist diesmal für den Ausgang des Geschehens sogar notwendig. Obwohl sie ihn nicht sonderlich mag, hilft die Gattin ihrem Mann aus Pflichtbewusstsein heraus, als er hilflos und in Bedrängnis ist. Dabei verliebt sie sich in ihn - so etwas soll schon vorgekommen sein. Dabei hat Peter neben seiner Selbstunsicherheit auch durchaus männliche Züge aufzuweisen, aber er zweifelt selber an seinem Verstand bereut manchmal, die Ehe eingegangen zu sein.
Seine Bekannten, allen voran der Dr. Wells, scheinen auch nicht ganz das zu sein, was sie vorgeben. Aber das gilt eigentlich für fast alle Personen in diesem Roman. Letztlich sind sie alle nur mehr oder weniger freiweillige Marionetten, an deren Fäden der geheimnisvolle große Unbekannte zieht. Ausgenommen nur Peters Freund, der erfahrene Chefinspektor Bourke, welcher allerdings bei seinen Ermittlungen mehr als einmal die Dienstvorschriften umgeht. Ansonsten sieht es für Peter Clifton nicht rosig aus, außer Bourke hält nur noch seine Frau zu ihm, sogar als er bei einem erneuten Verbrechen wieder in verdächtigen Umständen aufgefunden wird.
Im Grunde ist es eine klassische englische Kriminalstory: Millionenerbe, versteckte Testamentsformulierungen, Ärzte, Anwälte, falsche Freunde, Familiengeheimnisse, mysteriöse Morde, ... Und es ist einer der wenigen Stellen im Werk des Autors, wo der Kriminalist tatsächlich mal Spuren sichert und auswertet (hier z.B. der Inhalt eines Staubsaugerbeutels). Daneben gibt es auch wieder die Wallace-typische Verbrecherorganisation mit einem Meisterschurken an der Spitze, der neben Gewinnen aus Falschgeldherstellung und Geldverleih auch ein kleines Zubrot auf anderem Wege nicht verschmäht. Sehr schön die Stellen im Roman, wo der große Unbekannte in einem geheimen Raum hinter einem Drahtverschlag sitzt und seine Anweisungen gibt. Gruselig gruselig ...
Mit der Zeit fallen von allen Beteiligten die Masken, es wird für alle, Peter und Jane eingeschlossen, recht schmerzlich. Jane Clifton ist eine tatkräftige Frau, die von Männern schon mal drastisch unterschätzt wird. Keinesfalls die Dame, die immer gerettet werden muss, im Gegenteil. Doch wer ist nun der "Gerissene", und ist Peter tatsächlich wahnsinnig? Wer hat die Morde begangen ?
Das Ende des Buches ist für den Gerechtigkeitsfanatiker sicher unbefriedigend, der Autor geht mit seinen Bösewichtern recht nachsichtig um, sei es ein korrupter Polizist, der mit einem blauen Auge davonkommt, sei es der Hauptschurke des Romans, dessen Schicksal recht ungewöhnlich ist. Doch dass der Mörder seine Strafe bekommt, dafür hat Wallace schon gesorgt.

"Der Banknotenfälscher" ist ein Roman, der auf dem Programm eines jeden Freundes für klassische Krimis stehen sollte. Hat man sich durch den etwas zähen Anfangsteil gearbeitet, belohnt einen der Rest des Buches mit einer durchaus spannenden und abwechslungsreichen Geschichte.

Buch:

Gelesen habe ich die DDR-Ausgabe unter dem Titel "Der Fälscher", zuerst im Doppelband mit dem Roman "Der Feuerrote Kreis", dann in der Kompass-Taschenbuchausgabe. Diese ist sogar recht ansprechend illustriert, die Übersetzung ist ansprechend und, so weit ich das beurteilen kann, auch vollständig. War übrigens mein allererstes Buch von Edgar Wallace... :-)


Verfilmung:

"Der Fälscher von London" ist vielleicht mit Ausnahme des "Rächers" derjenige deutsche Edgar-Wallace-Film, der sich am engsten an die literarische Vorlage hält. Es gibt ein paar kleine Änderungen (z.B. John Leigh ist Janes Onkel statt Vater), Weglassungen (z.B. wurde die Geschichte der Beziehung von Dr. Wells zu seiner Ehefrau etwas gekürzt) und Ergänzungen (wie etwa der in jeder Hinsicht mysteriöse Organist), aber ansonsten erkennt man stets die Romanhandlung. Für die Rolle des Peter Clifton wurde der damals recht unbekannte Helmut Lange ausgewählt, seine Frau Jane durfte die schöne Karin Dor spielen. Chefinspektor Bourke wird wie immer hintergründig von Siegfried Lowitz verkörpert. Ansonsten mimen Walter Rilla den Onkel von Jane, Victor de Kowa den zweifelhaften Arzt Donald Wells, Robert Graf den lebenslustigen Basil Hale und der unnachahmliche Ulrich Beiger den unsympathischen Inspektor Rouper. Eddie Arendt hat diesmal eine nur kleine Rolle bekommen, allerdings gibt es die Person auch im Buch in einer kurzen Szene. Daneben spielen noch eine Reihe anderer Schauspieler und -innen aus dem Wallace-Kanon mit. Nur die Rolle des Organisten ist immer noch ein Geheimnis, ob es tatsächlich ein verkleideter Eddie war ... ? :-)
Auch der Film braucht eine Weile, um in Gang zu kommen. Das erste Drittel ist etwas langatmig. Dann schließt sich eine gutgebaute Krimihandlung an, die letzte Viertelstunde verspricht so richtig schönen Wallace-Grusel. Über der ganzen Szenerie liegt immer etwas verhalten Gruseliges, daran hat zum großen Teil die schöne Filmmusik von Martin Böttcher ihren Einfluss, welche für mich persönlich die beste der ganzen Wallace-Serie ist. Auch die Kamera arbeitet viel mit Licht- und Schatteneffekten und ist sehr stimmig. Da gibt es eine musterhafte Schießerei im sogenannten "Spiegelzimmer", viel Nebel und düstere Gestalten, die umherschleichen.
Das Ende ist natürlich anders als im Buch, da der Schurke halt immer bestraft werden muss.
So ist der "Fälscher von London" kein Reißer wie andere derartige Verfilmungen, sondern mehr ein "Whodonit"-artiger Kriminalfilm mit durchaus auch Wallace-haften Stereotypen und einer einprägsamen musikalischen Untermalung - immer wieder gern gesehen.

schwarzseher Offline



Beiträge: 626

02.03.2018 19:19
#2 RE: Der Banknotenfälscher (1927) Zitat · Antworten

Vorab muss ich zugeben das ich längst nicht alle Romane von EW gelesen habe.Und bei den meisten ist es sehr lange her.Durch die neuen Besprechungen ist mein Interesse aber wieder erwacht. Der Fälscher von London war von jeher einer meiner Lieblingsfilme (und ich fand ihn oft sehr unterschätzt hier unter den Fans )und jetzt werde ich mir das Buch auch vornehmen.
Der Vergleich zwischen Buch und Film ( evtl. auch Hörspiel)finde ich schon sehr interessant.
Irgendwie bin ich früher mal ins stocken gekommen ?( zB. den Hexer fand ich schon irgendwie langweilig )da hatte der Film eindeutig die Nase vorn.
Na ,mal sehen..........

Dr. Oberzohn Offline



Beiträge: 545

10.03.2018 18:59
#3 RE: Der Banknotenfälscher (1927) Zitat · Antworten

Ja, von den Filmen auf die Romane zu schließen, kann daneben gehen. Ich fand den Hexer, bis auf den Schluss, auch ziemlich langweilig, ebenso den Zinker, ein grottenlangweiliger Roman ! Und das sind ja Wallace' berühmteste Bücher !
Hängt sicher mit den Erfolgen als Theaterstücke zusammen, aber was auf der Bühne sicherlich sehr gut funktionieren kann, das muss als Buch nicht gut sein. Deswegen wurden ja beide Stücke in den Verfilmungen weitgehend umgeschrieben, wobei mir der Zinker da einiges besser als der Hexer gefällt.
Meist ist es aber doch so, dass die Romane besser als ihre Verfilmungen sind. Oft sind in den Filmen die Charaktere und Handlung sehr verflacht, viele Erzählstränge wurden weggelassen oder durch hinzu gedichtete Handlungselemente ersetzt - nicht immer zum Vorteil ! Wenn bei den meisten S/W-Filmen immerhin noch ein Zusammenhang zur literarischen Vorlage besteht, so fällt der bei den Farbfilmen völlig weg. Es ist eigentlich so, als wären diese Romane überhaupt nicht verfilmt worden. Dabei gibt es hier auch viele spannende Titel zum Schmökern...

Gubanov ( gelöscht )
Beiträge:

10.03.2018 19:15
#4 RE: Der Banknotenfälscher (1927) Zitat · Antworten

Gegen "Hexer" und "Zinker" könnte ich kein Wort sagen, aber den "Fälscher" habe ich als eher schleppende Lektüre im Vergleich zu spannenderen Wallace-Romanen in Erinnerung. Ich hatte damals ebenfalls die DDR-Übersetzung gelesen. Insgesamt ähneln sich "Fälscher" und "Zinker" wegen ihrer sehr prominenten Romanzen-Thematik (Heirat aus Pflichtgefühl) allerdings doch ein Stückweit.

schwarzseher Offline



Beiträge: 626

11.03.2018 11:03
#5 RE: Der Banknotenfälscher (1927) Zitat · Antworten

Es gibt natürlich auch Gegenbeispiele,wenn man die Verfilmungen von E. Georges Inspector Lynley betrachtet und dann oder vorher die Bücher oder Hörspiele vergleicht.......Fazit : die Filme /Darsteller haben schon was....gut gemacht.Dagegen die Bücher alle 300 Seiten zu viel langweiliges Geschreibsel ( mit jedem Buch noch mehr überflüssiges/Nebensächliges /uninteressantes Füllmaterial/Nebenstränge die ins Nichts führen und nie was mit der eigentlichen (Krimi-)Handlung zu tun hatten)Bei den Hörspielen habe ich nach zwei aufgegeben ,noch nie bei Hörspielen so unsäglich gelangweilt.
Dagegen ist der Hexer ein Reißer mit unerträglicher Spannung.
Was ich sagen will....Buch /Film da kommt es auf den Autor / Story/Handlungen aber auch auf die "Filmemacher " an das richtige Mitteln zu finden was in den Film sollte/muss und was nicht.

Dr. Oberzohn Offline



Beiträge: 545

24.03.2018 19:30
#6 RE: Der Banknotenfälscher (1927) Zitat · Antworten

Tatsächlich ist das Thema "Konzentration auf die Krimihandlung" einer der Hauptgründe, warum ich viel lieber beim Lesen (und auch als Film) auf Krimi-Klassiker zurückgreife. Helden, die ständig jammervoll am Zustand der Welt verzweifeln und mit privaten Problemen überfrachtet sind, brauch ich mir zur Entspannung nicht anzutun. Angefangen hat alles wohl mit den "Schwedenkrimis" von Walhöö/Sjöwall, obwohl die privaten Probleme der Akteure und die gesellschaftlichen Kritiken bei den ersten dieser Bücher durchaus noch Interesse wecken konnten. Da war es noch nicht so dick aufgetragen wie in den späteren Büchern, von den heutigen Schweden-Erzeugnissen mal ganz zu schweigen.

Ich habe z.B. neulich mal die etwa 70 Jahre alte Kriminalgeschichte "Die heisere Schwalbe" von Erle Stanley Gardener gelesen. Was der Schriftsteller da alles an überraschenden Wendungen und Handlungsvielfalt in die recht kurze Story hineingepackt hat, das würden heutige Autoren wohl nicht mal in zwei dickbändigen Romanen schaffen. (Gardener war wie Wallace ein ungeheuer schöpferischer Autor, benutzte auch ein Diktaphon und hatte einen Stab von Sekretärinnen, die die seine Werke abtippten. Seine Plots waren wesentlich raffinierter als bei Wallace, allerdings die Handlung meist auch viel konventioneller. Sein Aufstieg begann etwa zur Zeit von Wallace`Tod).

Wenn man Edgar Wallace immer wieder vorgeworfen hat, seine Figuren seien zu zweidimensional (was häufig ungerecht ist), so hat er seinen Lesern wohl eher einen Gefallen damit getan. Das ist bestimmt auch ein Grund, weshalb prominente und alles andere als dumme Menschen zu seinen Büchern gegriffen haben - es zählte allein die Phantasie und nicht die raue Wirklichkeit.

schwarzseher Offline



Beiträge: 626

05.07.2020 10:21
#7 RE: Der Banknotenfälscher (1927) Zitat · Antworten

Beim Fälscher "ertappt" man sich dabei das man mit den Hauptakteuren mitfiebert.....für mich ist der Roman recht kurzweilig ( und wenn ich dann noch den von mir sehr geschätzten Film dabei vor mir sehe ist es ein doppeltes Vergnügen ) Also Gesamtpaket von Roman und werkgetreuem Film wohl mit das Beste was man als Wallace Fan erwarten Kann.
Beachtenswerter Weise sind scheinbar viele unterschätzte Filme ( zB. Fälscher /Rächer/Gräfin ) eigentlich von der Story/Roman /Verfilmung um vieles besser als die doch in manchen bereichen sehr abfallenden Aushängeschilder (zB. Hexer ..Film top ,weil aufgepeppt gegenüber der Vorlage - Roman zum einschlafen )

Savini Offline



Beiträge: 308

15.06.2021 16:21
#8 RE: Der Banknotenfälscher (1927) Zitat · Antworten

Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #1
Letztlich sind sie alle nur mehr oder weniger freiweillige Marionetten, an deren Fäden der geheimnisvolle große Unbekannte zieht.
(...) Sehr schön die Stellen im Roman, wo der große Unbekannte in einem geheimen Raum hinter einem Drahtverschlag sitzt und seine Anweisungen gibt. Gruselig gruselig ...
(...)
Das Ende des Buches ist für den Gerechtigkeitsfanatiker sicher unbefriedigend, der Autor geht mit seinen Bösewichtern recht nachsichtig um, sei es ein korrupter Polizist, der mit einem blauen Auge davonkommt, sei es der Hauptschurke des Romans, dessen Schicksal recht ungewöhnlich ist. Doch dass der Mörder seine Strafe bekommt, dafür hat Wallace schon gesorgt.

Ehrlich gesagt, hat mir früher die Frage, wer im Roman nun der Haupttäter ist, Kopfzerbrechen bereitet; der Einfachheit halber werden die Namen genannt: Einerseits heißt es am Ende, dass John Leith der Fälscher war, andererseits hat Dr. Wells die beiden Morde begangen (Bourke traut ihm noch weitere zu) und liegt am Ende tot in Blonbergs Büro. Außerdem gibt es zwei Szenen, in denen Leith und der Arzt sich konspirativ treffen, dabei über den Chef sprechen, als sei es eine ihnen beiden unbekannte Person und sogar Wells´ Gedanken beschrieben werden, wobei es heißt, dass er den Maler nur für ein nicht sehr wichtiges Mitglied der Organisation halte.
Im Film schien es besser gelöst zu sein, da dort Blonberg und der "Gerissene" tatsächlich eine Person sind und dieser Dr. Wells am Telefon auffordert, sich Mrs. Untersohn gegenüber als er auszugeben (wobei dessen Ermordung einkalkuliert ist).
Erst beim erneuten Lesen fiel mir eine Stelle auf, in der es heißt, dass Dr. Wells einen Schlüssel zugeschickt bekomme, dem ein Brief beigelegt sei, der nach der Lektüre verbrannt wird. Den Inhalt erfährt der Leser nicht, aber es ist naheliegend, dass Blonberg ihm eine ähnliche Anweisung wie im Film erteilt hat.
Dass Peter Clifton seinem Schwiegervater zur Flucht verhilft, erscheint auf den ersten Blick noch verzeihlich, da dieser ja "nur" ein Fälscher ist, während die beiden Morden Eigenmächtigkeiten von Dr. Wells waren. Auch dass er den Arzt durch die Anweisungen (und einen provozierenden Brief an Mrs. Untersohn) in den Tod schickte, ließe sich noch dadurch erklären, dass Wallace mit Selbstjustiz oder Rache (soweit diese Verbrecher traf) wenig Probleme hatte.
Allerdings wurde Peter Clifton dadurch, dass man ihm suggerierte, er sei ein wahnsinniger Mörder, erheblichem psychischem Druck ausgesetzt, und der Pan sah vor, dass er sich freiwillig in eine Anstalt einweisen lassen würde. Alles andere als leicht verzeihlich.
Auch ist die Auflösung streng genommen alles andere als überraschend: Einmal wird im Laufe des Romans etwas zu sehr auf der Sache mit der verliehenen Druckplatte herumgeritten; daneben kommt streng genommen unter den Personen eigentlich niemand mehr in Frage, zumal wenn man bedenkt, dass der "Gerissene" ja zum engeren Umfeld der Cliftons gehören muss (was Rouper ausschließen würde).

Dass die Geschichte zu Beginn relativ lange bracuht, um spannend zu werden, ist sicher richtig; interessanterweise wird sie ab dem zweiten Kapitel lange Zeit aus Janes Perspektive erzählt, was sich erst nach dem Zusammenstoß von Peter Clifton und Basil Hale im Schlosspark ändert. Im späteren Verlauf wird die Erzählweise dann breit gefächert.

Savini Offline



Beiträge: 308

15.06.2021 16:22
#9 RE: Der Banknotenfälscher (1927) Zitat · Antworten

Zitat von Gast im Beitrag #4
Insgesamt ähneln sich "Fälscher" und "Zinker" wegen ihrer sehr prominenten Romanzen-Thematik (Heirat aus Pflichtgefühl) allerdings doch ein Stückweit.

Wobei ich persönlich bei diesem Buch weit stärkere Übereinstimmungen mit den "unheimlichen Briefen" sehe (siehe meinen Beitrag im Thread über den Roman).

Dr. Oberzohn Offline



Beiträge: 545

06.07.2021 15:43
#10 RE: Der Banknotenfälscher (1927) Zitat · Antworten

Zitat von Savini im Beitrag #8
Ehrlich gesagt, hat mir früher die Frage, wer im Roman nun der Haupttäter ist, Kopfzerbrechen bereitet; der Einfachheit halber werden die Namen genannt: Einerseits heißt es am Ende, dass John Leith der Fälscher war, andererseits hat Dr. Wells die beiden Morde begangen (Bourke traut ihm noch weitere zu) und liegt am Ende tot in Blonbergs Büro. Außerdem gibt es zwei Szenen, in denen Leith und der Arzt sich konspirativ treffen, dabei über den Chef sprechen, als sei es eine ihnen beiden unbekannte Person und sogar Wells´ Gedanken beschrieben werden, wobei es heißt, dass er den Maler nur für ein nicht sehr wichtiges Mitglied der Organisation halte.
Im Film schien es besser gelöst zu sein, da dort Blonberg und der "Gerissene" tatsächlich eine Person sind und dieser Dr. Wells am Telefon auffordert, sich Mrs. Untersohn gegenüber als er auszugeben (wobei dessen Ermordung einkalkuliert ist).


Der Haupttäter ist sicher ganz klar "Der Fälscher von London", John Leith. Schließlich steht er auch hinter Dr. Wells. Ob Wells die Morde nur aus eigenem Antrieb begangen hat, geht (so weit ich mich erinnere) im Buch nicht so ganz hervor, anders als im Film, wo "Der Gerissene" jede Schuld an Gewalttaten von sich weist. Im Buch droht Wells seiner vom ihm zur Disziplinierung eingesperrten widerspenstigen Frau sogar mit dem großen Unbekannten hinter dem Drahtverschlag. Was, wenn der ihm nun in gewohnt kaltblütiger Weise den Befehl zur Beseitigung seiner gefährlich werdenden Ehefrau geben würde? Das setzt ja schon ein Einverständnis und Wissen des "Chefs" für brutale Maßnahmen voraus.

Dass Leith mittendrin im Buch als relativ hochrangiges Mitglied der großen Fälscherorganisation eingeführt wird, er ist da der "Abteilungsleiter" für Spionage, nimmt sicher etwas die Spannung zur Täterauflösung weg, andererseits wird er von Dr. Wells ja stets eher mitleidig betrachtet, ein Untertan, der vom großen Boss mit Verachtung gestraft wird, weil er sogar dessen Tochter in die schmutzigen Pläne einspannt. Denkt jedenfalls Wells, der mit der Verschlagenheit von Leith nicht gerechnet hat. Das ist im Film auch so übernommen, gleichwohl hätte man da für das schönere Whodunit-Gefühl auf die Episode verzichten können, wo sich der Onkel als Teil der Verschwörer zu erkennen gibt.

Übrigens sind sowohl in Film und Buch die Blonbergs in ihrem Büro nur Strohmänner für den eigentlichen Hintermann. Ich kann da jetzt nicht so den großen Unterschied entdecken, der eigentliche Blonberg ist natürlich der gerissene Oberfälscher.
Natürlich ist Peter Clifton sehr nachsichtig mit seinem abwegigen Schwiegervater, doch er tut es ja auch aus Liebe zu seiner Frau, die ja bekanntlich oft auch mal den Verstand ausschaltet...

Savini Offline



Beiträge: 308

06.07.2021 16:24
#11 RE: Der Banknotenfälscher (1927) Zitat · Antworten

Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #10
Der Haupttäter ist sicher ganz klar "Der Fälscher von London", John Leith. Schließlich steht er auch hinter Dr. Wells.

Mittlerweile sehe ich das auch so; aber lange war ich verwirrt, weil ich dachte, der Blonberg im Schattenkabinett sei durchgehend Dr. Wells.
Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #10
Ob Wells die Morde nur aus eigenem Antrieb begangen hat, geht (so weit ich mich erinnere) im Buch nicht so ganz hervor, anders als im Film, wo "Der Gerissene" jede Schuld an Gewalttaten von sich weist.

Ich meine, dass es beim Gespräch zwischen Leith und Wells eine ähnliche Stelle gibt, müsste aber nochmal nachschlagen (was wohl in ein paar Stunden sein wird).

Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #10
Dass Leith mittendrin im Buch als relativ hochrangiges Mitglied der großen Fälscherorganisation eingeführt wird, er ist da der "Abteilungsleiter" für Spionage, nimmt sicher etwas die Spannung zur Täterauflösung weg, andererseits wird er von Dr. Wells ja stets eher mitleidig betrachtet, ein Untertan, der vom großen Boss mit Verachtung gestraft wird, weil er sogar dessen Tochter in die schmutzigen Pläne einspannt. Denkt jedenfalls Wells, der mit der Verschlagenheit von Leith nicht gerechnet hat.

Auch das hat mich früher verwirrt (siehe oben).
Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #10
Das ist im Film auch so übernommen, gleichwohl hätte man da für das schönere Whodunit-Gefühl auf die Episode verzichten können, wo sich der Onkel als Teil der Verschwörer zu erkennen gibt.

Allerdings wird durch die Szene im Film 1. mitgeteilt, was die verrückte Mrs. Untersohn vorhat, 2., wie Leith/Blonberg das für seine Pläne einspannt (aber subtil und ohne ihn als Drahtzieher zu entlarven - ähnlich wie im Buch, wo er diese Information mit Schadenfreude erhält) und 3. wird durch das Telefonat mit Wells knapp der Plan enthüllt - alles, ohne den "großen Unbekannten" völlig zu entlarven.
Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #10
Übrigens sind sowohl in Film und Buch die Blonbergs in ihrem Büro nur Strohmänner für den eigentlichen Hintermann. Ich kann da jetzt nicht so den großen Unterschied entdecken, der eigentliche Blonberg ist natürlich der gerissene Oberfälscher.

Sehe ich auch soi; meine Unsicherheit bezog sich allein auf die Rollenverteilung zwischen Leith und Wells.

Savini Offline



Beiträge: 308

06.07.2021 18:29
#12 RE: Der Banknotenfälscher (1927) Zitat · Antworten

Hier wäre das Zitat aus dem Buch (S. 441f., Welt): "´(John Leith) O Gott, welch ein elender Kerl bin ich doch! Ich dachte, alles würde sich rasch und ohne Schwierigkeiten arrangieren lassen. Daß Basil ermordet werden könnte, habe ich mir niemals träumen lassen. Das ist gräßlich. Geplant war doch nur, daß er verschwinden sollte und Sie einen Mord vortäuschten.´ Er sah den anderen scharf an. ´Bei diesem Mord, Donald, gibt es für meinen Geschmack zuviele Zufälle.´ ´Er wurde von Wilderern getötet, sage ich Ihnen´, bemerkte Donald ruhig. ´Rouper ist derselben Meinung. Basil muß im Garten herumgeschlichen sein, und da hat ihn jemand niedergeschlagen. Es haben dort Wilderer Kaninchenfallen aufgestellt.´ John Leith starrte sein Gegenüber eine Zeitlang schweigend an. ´Wurde Radlow auch von Wilderern getötet?´ fragte er dann. ´Warum wurde er ermordet, Donald? Ich bin entsetzt - entsetzt! Die Sache ist zu weit gegangen, zu weit in die falsche Richtung. Radlows Tod macht mich ganz irre ...´ ´Ausgezeichnet!´rief der andere ironisch. ´Sie gehören also auch zu den Erstaunten wie ich. Nein, lieber Freund, ich weiß nicht mehr über Radlows Tod als über den Tod Basil Hales.´"

In der mir zuvor bekannten Übersetzung von Mercedes Hilgenfeld ist diese Stelle dem Sinn nach völlig und dem Wortlaut nach fast identisch.

Dr. Oberzohn Offline



Beiträge: 545

06.07.2021 21:40
#13 RE: Der Banknotenfälscher (1927) Zitat · Antworten

Das ist sicherlich richtig. Aber Leith hat es ja in seiner Eigenschaft als scheinbar unterwürfiger Untergebener dem großen Chef gegenüber gesagt. In seiner wirklichen Rolle als Boss der Organisation hat er vielleicht doch Wells zu den Untaten angestiftet.

Natürlich ist der kriminelle Doktor schon eine Person mit viel Eigeninitiative und Machtstreben, der, so wird es angedeutet, durchaus auch weitergehende Ambitionen innerhalb der Verbrecherbande hat. Ein guter Grund für den manipulativen Chef, Wells seiner unfreiwilligen Vollstreckerin auszuliefern, die im Buch ja überlebt.
Letzten Endes bleibt es schlicht offen, was genau Dr. Wells zu den Morden trieb. Kaum vorstellbar, dass er ohne Absegnung durch seinen skrupellosen Chef handelte.

Savini Offline



Beiträge: 308

07.07.2021 08:13
#14 RE: Der Banknotenfälscher (1927) Zitat · Antworten

Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #13
Das ist sicherlich richtig. Aber Leith hat es ja in seiner Eigenschaft als scheinbar unterwürfiger Untergebener dem großen Chef gegenüber gesagt.

Das ist natürlich ein Argument.
Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #13
In seiner wirklichen Rolle als Boss der Organisation hat er vielleicht doch Wells zu den Untaten angestiftet.(...) Letzten Endes bleibt es schlicht offen, was genau Dr. Wells zu den Morden trieb. Kaum vorstellbar, dass er ohne Absegnung durch seinen skrupellosen Chef handelte.

Was den Mord an Radlow anging, so könnte dieser tatsächlich eigenmächtig gewesen sein; als Bourke dieses Verbrechen am Ende rekonstruiert, sagt er ja, dass Radlow in Longford Manor anrief und glaubte, mit Peter Clifton zu sprechen, als in Wirklichkeit Dr. Wells am Apparat war. Erst dieser Anruf scheint den Ausschlag für die Tat gegeben zu haben.
Im Falle von Basil Hale wäre es sicher schwierig gewesen, ohne vorliegende Leiche einen Mordfall zu konstruieren; wobei ein spurloses Verschwinden und Indizien wie ein Hammer und blutige Kleidung vielleicht nicht für eine Verurteilung ausgereicht hätten, aber für einen drohenden Skandal allemal.
Wenn er aber den Tod von Hale eingeplant hatte, hätte Leith nach den Gesetzen des Wallace-Kosmos eigentlich eine Bestrafung verdient, da es sich hier weder um "gerechtfertigte" Rache noch um Selbstjustiz handelte.
Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #13
Natürlich ist der kriminelle Doktor schon eine Person mit viel Eigeninitiative und Machtstreben, der, so wird es angedeutet, durchaus auch weitergehende Ambitionen innerhalb der Verbrecherbande hat. Ein guter Grund für den manipulativen Chef, Wells seiner unfreiwilligen Vollstreckerin auszuliefern, die im Buch ja überlebt.

Ein weiterer Grund war sicher, dass Bourke Wells offen verdächtigte und Leith fürchten musste, im Falle einer Verhaftung zwar nicht als Blonberg, aber zumindest als Mitglied der Organisation entlarvt zu werden.
Ob der Fall so zu den Akten gelegt wird, dass der Doktor nicht nur der Mörder, sondern auch der Gerissene war? Das könnte man annehmen, und es wäre auch ganz im Sinne Leiths.

Lord Peter Offline




Beiträge: 581

07.07.2021 08:34
#15 RE: Der Banknotenfälscher (1927) Zitat · Antworten

Zumindest der Film läßt (beim Telefonat Wells/Blonberg) bzgl. Wells' Täterschaft bei den Morden keine Zweifel. Da sagt der große Boss schließlich:

"SIE sollten Hales Tod doch nur vortäuschen. Und SIE hatten auch KEINE Anweisung, Radlow zu töten."

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