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Dieses Thema hat 2 Antworten
und wurde 47 mal aufgerufen
 Romane
horatio Offline




Beiträge: 577

30.06.2011 21:54
#1 Der Safe mit dem Rätselschloss (1908) Zitat · Antworten

Nun, nach meiner letzten Wallace-Enttäuschung hoffe ich, jetzt habe ich was besseres:

DER VERTEUFELTE HERR ENGEL

... von 1928 in altdeutscher Schrift. Dauert jetzt zwar länger mit dem Lesen, aber naja ...

@Joachim Kramp: Kann ich davon ausgehen, einen fast originalen Edgar Wallace zu lesen?

horatio
"Irgendeiner muß es ja gewesen sein!"

Der schwarze Abt Offline



Beiträge: 3.879

10.07.2013 00:15
#2 RE: Der Safe mit dem Rätselschloss (1908) Zitat · Antworten

Der Safe mit dem Rätselschloss

Auch dieser Roman hat mich gut unterhalten. Es macht Spaß sich den Kopf um Reales ausgeklügelte Rätsel zu zerbrechen, deren Lösung genauso faszinierend und ausgefallen wie auch plausibel ist. Ansonsten ist der Roman mit seiner interessanten Handlung auch recht spannend und unterhaltsam geschrieben, obwohl man ihn nicht gerade zu den allerbesten zählen kann. Dennoch reicht es für den sehr guten Bereich.



Gigantisch:
Der Zinker (The Squeaker)
Zimmer 13 (Room Thirteen)

Sehr gut:
Der Frosch mit der Maske (The Fellowship of the Frog)
Der grüne Bogenschütze (The Green Archer)
Die toten Augen von London (The Dark Eyes of London)
Der Hexer (The Ringer)
Bei den drei Eichen (The Three Oak Mystery)
Das indische Tuch (The Frightened Lady)
Der unheimliche Mönch (The Terror)
Der rote Kreis (The Crimson Circle)
Neues vom Hexer (Again the Ringer)
Die Bande des Schreckens (The Terrible People)
Die Tür mit den sieben Schlössern (The Door With Seven Locks)
Der Banknotenfälscher (The Forger)
Gangster in London (When the Gangs Came to London)
Der Rächer (The Avenger)
Der Safe mit dem Rätselschloß (Angel Esquire)

Guter Durchschnitt:
Der schwarze Abt (The Black Abbot)
Die blaue Hand (The Blue Hand)
Das Geheimnis der gelben Narzissen (The Daffodil Mystery)
Die gelbe Schlange (The Yellow Snake)
Der Engel des Schreckens (The Angel of Terror)
Der Klub der Vier (The Big Four)

Unterdurchschnittlich:
Das Gasthaus an der Themse (The India Rubber Men)
Die seltsame Gräfin (The Strange Countess)

Misslungen:
-

Mr. Igle Offline




Beiträge: 96

06.05.2015 10:40
#3 RE: Der Safe mit dem Rätselschloss (1908) Zitat · Antworten

Meine Besprechung kommt verspätet, aber dafür deutlich ausführlicher ...

DER SAFE MIT DEM RÄTSELSCHLOSS, Original: Angel Esquire, 1908, dt. Übersetzung Der Safe mit dem Rätselschloss von Hella von Spies für den Scherz Verlag, 2. Auflage 1987.

Inhalt:

Jahrelang hat der Spielhöllenbesitzer Reale mithilfe manipulierter Roulettetische ahnungslose Kunden in aller Welt ausgenommen. Nun hat sich der alte, kranke Mann in London in seine bunkerartige Villa zurückgezogen. Sein ergaunertes Vermögen verwahrt er sicher in einem modernen, mächtigen Stahlsafe. Doch eines Tages wird Reale ermordet in seiner Villa aufgefunden. Testamentarisch hatte er verfügt, dass neben seinen kriminellen Kumpanen Connor, Massey und Jimmy auch die junge Kathleen Kent, Tochter eines von Reale komplett ruinierten Opfers, Anspruch auf die Riesensumme von zwei Millionen Pfund hat. Nur derjenige, der Reales mysteriöses Versrätsel löst und das Codewort in das mit Drehscheiben versehene Rätselschloss eingibt, hat alleinigen Anspruch auf die gewaltigen Reichtümer hinter den Stahlkammern. Alsbald wird Kathleen Kent in düstere Intrigen verwickelt, denn die Gier nach dem immensen Vermögen treibt die Beteiligten zum Äußersten. Und auch Reales Anwalt William Spedding spielt nicht mit offenen Karten. Doch Kathleen Kent erhält Unterstützung von dem Scotland Yard-Beamten Christopher Angel. "Angel Esquire", wie viele ihn nennen, wird aufgrund seines Scharfsinns von der Londoner Unterwelt gefürchtet ...

Besprechung:

Die Geschichte gehört sicherlich zu den originelleren Ideen von Wallace und so bleibt es am Ende auch nicht aus, dass man als geneigter Leser den Eindruck gewinnt, der Autor hätte aus dem Stoff noch mehr herausholen können. Doch das ist Optimierungsdenken. Fairerweise muss man auch konstatieren, dass es ja erst der zweite Kriminalroman von Edgar Wallace war. Das bringt Vor- und Nachteile mit sich. Die Vorteile sind, dass die Handlung und die Charaktere sich eigenständiger und weniger schablonenhaft präsentieren, weil Wallace 1908 eben noch nicht der intensiven literarischen Fließbandarbeit wie in den Zwanzigern frönte, wohingegen sich die Nachteile, infolge fehlender Schreibroutine, in einem etwas nachlässigem Spannungsaufbau bemerkbar machen.

Insgesamt ist Angel seinen Gegnern etwas zu häufig einen Schritt voraus. Nur einmal geraten die Helden in eine wirklich ausweglose Lage. Mehr solcher temposteigernder Passagen hätten den Roman noch besser gemacht. Ein wenig schade ist auch, dass das Intrigenspiel ein wenig zu früh aufgelöst wird und es bei der finalen Tresoröffnung zu keiner großen Wendung mehr kommt. Ansonsten ist das Werk recht flüssig geschrieben und kann mit einigen sehr schönen Dialogen glänzen. Auch die zwischenzeitliche Schilderung von Randfiguren und dem damaligen London ist mir bei diesem Roman sehr positiv ausgefallen.

Die Charaktere sind vielseitiger angelegt als in den meisten späteren Wallace-Büchern. Hier kommen natürlich besonders die Hauptfiguren zur Geltung. Besonders auffallend ist der kluge und gewitzte Yard-Mann Angel, der ein wenig wie ein junger Vorläufer von Wallace` späterem Serienermittler J. G. Reeder wirkt. Sehr gut hat mir auch der zwielichtige und innerlich zerrissene Jimmy gefallen, da er aufgrund seiner Vergangenheit differenzierter gezeichnet ist als viele seiner Nachfolger. Herausragend gut ist auch der verschlagene Rechtsanwalt Spedding, der mit seiner skrupellosen Doppelgesichtigkeit zu den besseren Antagonisten aus Feder des Altmeisters gehört. Neben diesen starken Männerfiguren bleibt Kathleen Kent ein wenig auf der Strecke. Schon von der knappen Charakterzeichnung her ein typische "Wallace-Heldin", bleibt sie zudem, bei genauerer Betrachtung, doch mehr am Rande des Geschehens als viele andere Protagonistinnen. Das liegt aber wohl auch am zentralen Motiv des Rätselschlosses und seines Codeworts. Immerhin ist die Liebesgeschichte glaubhafter ausgestaltet als bei manch anderen amourösen Verbindungen im Gesamtwerk von Wallace.

Abschließend bleibt noch ein Vergleich mit der Rialto-Verfilmung Die Gruft mit dem Rätselschloss von 1964. Insgesamt sind trotz der Aktualisierung doch erstaunlich viele Handlungsstränge und Figuren erhalten geblieben. Besonders die Mühle hat man als Drehort sehr geschickt ausgebaut. Dennoch hätte ich mir eine deutlich bessere Verfilmung vorstellen können. Zur bekannten Umdeutung der Jimmy-Rolle kann man stehen, wie man will. Fakt ist: Sie ist und bleibt ein Bruch mit dem Original-Wallace, auch wenn die späte Wandlung damals sicher eine große Überraschung für den Zuschauer war. Außerdem fällt dem Romanleser auf, wie überflüssig die Rolle von Eddi Arent eigentlich ist. Vielleicht hätte man ihn besser zu einem Assistenten von Angel gemacht. Schön ausgebaut hat man dagegen die Figur des Connor.

Dennoch macht der Film drei große Fehler. Einmal wird das Element von Villa, Safe und Rätselschloss weder von der Ausstattung, noch von der Dramaturgie her sonderlich gut genutzt. Im Roman wirkt das alles sehr plastisch und imposant, im Film eher banal und platt. Zweitens hat man den tollen Fiesling Spedding zur Nebenfigur degradiert, was angesichts der treffsicheren Besetzung mit Werner Peters besonders schmerzt. Und drittens hat man die Figur des Angel komplett verschenkt. Zwar macht Harry Meyen seine Sache nicht optimal, trifft die Figur mit seinem Spiel per se aber gar nicht so schlecht. Die Tatsache, dass er und Jimmy nicht auf Augenhöhe agieren, wie im Roman, ist vor allem dem durschnittlichen Drehbuch von Robert Adolf Stemmle und Franz Josef Gottlieb anzulasten. Vielleicht wäre eine Verfilmung zu einem früheren Zeitpunkt innerhalb der Reihe günstiger gewesen. Etwa 1960/1961 unter der zielgerichteten und weniger effektheischenden Regie von Jürgen Roland und vielleicht den Darstellern Klausjürgen Wussow (Jimmy), Heinz Weiss (Angel), Ina Duscha (Kathleen Kent), Werner Peters (Spedding), Fritz Rasp (Reale) und Carl Lange (Connor). Aber auch das ist Optimierungsdenken.

Fazit:

Ein sehr guter Wallace-Roman, dem es insgesamt vielleicht etwas an "Reife" fehlt. Trotz seiner frühen Entstehung ist das Werk keineswegs angestaubter als die späteren Thriller des Altmeisters, sondern kann – im Gegenteil – mit frischen Handlungselementen und einem sehr eigenwilligen Figurenensemble aufwarten. Da kann man guten Gewissens verschmerzen, dass die Möglichkeiten für mehr Nervenkitzel und Temposteigerung bedauerlicherweise nicht voll ausgeschöpft werden. Ansonsten würde Der Safe mit dem Rätselschloss wohl zu den absoluten Toptiteln von Edgar Wallace zählen.

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