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Dieses Thema hat 2 Antworten
und wurde 476 mal aufgerufen
 Romane
Dr. Oberzohn Offline



Beiträge: 733

28.10.2019 18:34
Der leuchtende Schlüssel (1930) Zitat · Antworten

Der leuchtende Schlüssel (1930)


Originaltitel: The Clue Of The Silver Key
Erstveröffentlichung: 1930


Hauptpersonen:

Surefoot Smith - Chefinspektor von Scotland Yard
Dick Allenby - junger Mann mit erfinderischen Ambitionen
Mary Lane - junge Schauspielerin am Theater
Hervey Lyne - geiziger Geldverleiher
Binny - sein Hausdiener
Leo Moran - Bankangestellter
Jerry Dornford - zweifelhafter Gentleman
Mike Hennessey - Theaterbesitzer in Geldnöten
Arthur Jules - südamerikanischer Diplomat
Horace Tickler - Kleinganove
Washington Wirth - geheimnisvoller Theatermäzen


Handlung:

In London gibt es einen merkwürdigen Mann namens Washington Wirth, der gerne Gesellschaftsabende für zweitklassige Künstler und Künstlerinnen vom Theater gibt. Geld spielt dabei offenbar keine Rolle. Im Theater des netten, aber unzuverlässigen Mike Hennessey sponsert er schon länger das unmögliche Stück "Klippen des Schicksals", in welchem auch die junge Schauspielerin Mary Lane mitspielt. Die ist das Mündel des unsympathischen Geldverleihers Hervey Lyne und mit dessem Neffen Dick Allenby verlobt. Allenby ist Erfinder von technischen Geräten und mag seinen Onkel nicht. Er ist dagegen gut befreundet mit Chefinspektor Surefoot Smith, der gerade in der Nähe einer von Wirth' Parties dienstlich unterwegs ist.
Smith und Allenby machen in der Nacht eine grausige Entdeckung: In einem einzeln geparkten Auto liegt die mitten ins Gesicht geschossene Leiche eines kleinen Ganoven, Horace Tom Tickler. Der hatte kurz zuvor noch von viel Geld geträumt, nachdem er irgend etwas in Zusammenhang mit den Theaterabenden des seltsamen Mr. Wirth gesehen hatte. Wer ist dieser Mann in Wirklichkeit ? Surefoot Smith findet das Zimmer, in welchem sich der mysteriöse Mensch immer in den generösen Theatermäzen "verwandelte", doch dabei bleibt es erst mal.
Eine Spur führt den Chefinspektor zu dem Bankier Leo Moran. Der Bankmann behauptet, nichts von der ganzen Sache zu wissen. Er ist mit vielen Leuten bekannt, außerdem verwaltet er auch Hervey Lynes Vermögen. Der hat sich durch seine Tätigkeit eine Menge Geld zusammengerafft, zu seinen "Opfern" zählt auch ein gewisser Jerry Dornford, ein sehr anrüchiger "Gentleman", der Lyne eine Menge Penunzen schuldet. Um sich das fehlende Geld zu beschaffen, wird er von dem sehr zwielichtigen Diplomaten Arthur Jules dazu angestiftet, die neueste Erfindung von Dick Allenby, eine patentierte Luftpistole, zu stehlen. Doch da findet man den alten Lyne erschossen in einem Park in seinem Rollstuhl vor, während sein Faktotum Binny gerade noch aus der Zeitung vorgelesen hat. Seiner Ansicht nach muss Lyne noch kurz vorher gelebt haben. Sowohl Leo Moran als auch Jerry Dornford waren in der Nähe des Tatortes, beide sind auch plötzlich verschwunden. Beide hatten ein Motiv, besonders Moran muss wohl große Unterschlagungen an Lynes Konto begangen haben. Wollte er damit seine Parties finanzieren ? Oder hängt sein Untertauchen mit einer plötzlichen Aktienhausse zusammen ? Später findet sich plötzlich zumindest von Jerry Dornford wieder eine, recht makabre, Spur.
Die Ermittlungen von Surefoot Smith gehen weiter, doch der immer noch unbekannte Mörder schlägt wieder zu, er ist und bleibt gefährlich. Jetzt beteiligt sich auch die clevere Mary Lane an den Untersuchungen, sehr zum Missfallen von Dick Allenby, welcher befürchtet, dass sich seine Angebetete in Lebensgefahr begibt. Nicht zu Unrecht, weil der Killer es nun auch auf sie abgesehen hat, denn mit ihrem Verdacht ist sie der Wahrheit viel zu nahe gekommen... Doch selbst nach der Enttarnung des Verbrechers durch Chefinspektor Smith ist der Schurke noch lange nicht gefangen und sinnt auf Rache, so dass es zum Schluss noch einmal auf Leben und Tod geht. Selbstverständlicherweise siegt aber auch hier wieder einmal die Gerechtigkeit über das Böse.


Bewertung:

Ein Buch aus dem Spätwerk von Edgar Wallace. Die Charaktere sind ziemlich schablonenhaft, tatsächlich hat man solche Personen alle schon mal im Wallace-Universum vorgeführt bekommen. Hervey Lyne ist ein geiziger Erbsenzähler, sein Butler Binny ein geduldiger und etwas einfältiger Bursche, Jerry Dornford ein dünkelhafter Mann ohne Moral, Arthur Jules des schmierige Südländer, der dann offenbar vergessen wird, etc. Dafür ist die Kriminalhandlung relativ verschachtelt aufgebaut, es werden verschiedene Verdächtige eingeführt, die Entlarvung des Killers ist relativ überraschend, wenngleich man natürlich kritisieren kann, dass es zu weit vor dem Ende passiert, doch das findet man ja öfter bei diesem Autor. Hier ist wieder ein Einzeltäter am blutigen Handwerk. Auch dieses Buch ist von Wallace' Amerikareise beeinflusst, der Mörder wendet Methoden der amerikanischen Gangster an, ist tatsächlich in den USA schon aktenkundig. Interessant zu erfahren, dass es damals schon Methoden gab, Fotos bzw. Bilder technisch über große Entfernungen zu übermitteln.
Diesmal ist die Liebesgeschichte nur Staffage, es wurde sich mehr auf den Kriminalplot konzentriert (das hätte der Schriftsteller öfter machen sollen) und die junge Herzensdame entwickelt einige Energie, dem Täter auf die Schliche zu kommen. Ihr Verehrer Dick Allenby ist da eher hinderlich, der Vertreter von Gesetz und Ordnung, Surefoot Smith, lässt sie am langen Gängelband weitermachen. Er ist eher so der väterliche Polizistentyp, sein Charakteristikum ist der recht hohe Konsum von Bier, besonders das von anderen Leuten. Es macht ihm auch gar nichts aus, während der Sperrstunde in einem Lokal heimlich Alkohol zu trinken, solche kleinen Verfehlungen übersieht er auch bei sich selber mal.
Und der namensgebende "leuchtende Schlüssel", das ist ein "Artefakt", das Chefinspektor Smith als Bindeglied zu Washington Wirth, dem offensichtlich verkleideten Täter, in die Hände fällt. Die dazu passende Tür findet die Heldin des Stückes bei ihren Recherchen, für die Leuchtfarbe gibt der Polizeiinspektor dann die Erklärung, die sich allerdings etwas seltsam und schlecht überzeugend ausnimmt. Auch der Antrieb des doppelidentischen Mr. Wirth für seine Finanzierung von kleineren Theaterdarstellern und seine Begeisterung für diese Unterhaltungsart ist wohl für heutige Menschen eher schwer nachvollziehbar, doch letzten Endes war Theaterkunst damals noch viel populärer als heute und letztlich auch Wallace' große und nicht ganz unkomplizierte Leidenschaft. Der Bösewicht des Buches träumte auch den Traum des kleinen Mannes, mal berühmt zu sein, wobei er sehr rabiat vorging.
Beim Mord an Lyne fällt auf, dass die Kriminaltechnik zumindest bei Wallace hier noch in den Kinderschuhen steckte. Die Art der abgefeuerten Waffe sowie Entfernung und Winkel des Schützen hätte man doch damals durchaus schon angeben können müssen. Und auch nach der Entdeckung von Wirth geheimer Umkleidekammer hätten doch dort Fingerabdrücke feststellbar sein sollen, die man mit denen der Verdächtigen hätte abgleichen können. Aber das ist natürlich schon wieder Logikklauberei...
Auch in diesem Buch wieder einmal verblüffend, wie einfach es früher doch war, sich unter irgendeinem Namen irgendwo anzumelden und ein Leben inkognito zu führen. So lange man sich an Recht und Gesetz hielt, hat es offenbar niemanden interessiert.
Der Whodunit-Anteil ist beim Fall des leuchtenden Schlüssels recht ausgeprägt, auch der Thriller-Faktor kommt nicht zu kurz. Durchaus ein Beispiel für ein gelungenes Spätwerk von Edgar Wallace. Er hatte sein Pulver noch lange nicht verschossen, wäre er nicht so früh gestorben, wer weiß, was er noch aus dem Ärmel geschüttelt hätte.
Der besprochene Roman ist nach einem etwas verwirrenden Einstieg schnell auf einer routinierten, spannenden Schiene. Klare Leseempfehlung.


Buch:

Hier habe ich leider nur die Goldmann-Sonderausgabe von 160 Seiten aus dem Jahre 1990. Ein Vergleich mit der Taschenbuchausgabe dreißig Jahre früher zeigt einen Schwund von über 20 Seiten an, mit Sicherheit wieder die üblichen Kürzungen. Manche Dinge waren tatsächlich etwas abgehackt und aus dem Zusammenhang gerissen. Also besser eine ältere Ausgabe lesen, wenn möglich. Es scheint aber nur Goldmann überhaupt als Herausgeber tätig gewesen zu sein.


Film:

Eine deutsche Verfilmung gibt es hierzu nicht. Hätte ohne größere Änderungen auch schlecht in das Serienrezept gepasst, obwohl es immer noch näher am Original verfilmbar gewesen wäre als etwa Der Zinker. Ob der Anfangsmord an Lord Curtain im Rollstuhl am Anfang von Neues vom Hexer wohl irgendwie eine Referenz an das Buch Der leuchtende Schlüssel war, wo der ähnlich tyrannische Hervey Lyne das gleiche Schicksal teilte ? Das würde ein tiefergehendes Wallace-Wissen der Drehbuchschreiber voraussetzen.

schwarzseher Offline



Beiträge: 626

06.04.2020 19:30
#2 RE: Der leuchtende Schlüssel (1930) Zitat · Antworten

Für mich ist dieser Roman bisher einer der besten von EW .Spannend ,Morde zum richtigen Zeitpunkt,Whodunit,falsche Fährten usw. kein Vergleich zum Langweiler Hexer und einigen doch recht hoch gehandelten anderer Romane.

Savini Offline



Beiträge: 1.049

11.08.2025 12:17
#3 RE: Der leuchtende Schlüssel (1930) Zitat · Antworten

Nun bin ich endlich dazu gekommen, dieses Buch zu lesen - es hat sich gelohnt!

Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #1
Dafür ist die Kriminalhandlung relativ verschachtelt aufgebaut, es werden verschiedene Verdächtige eingeführt

Das fand ich wirklich sehr gelungen, da drei etwa gleich verdächtige Kandidaten präsentiert werden (und ein vierter zumindest indirekt) - bei einem einzigen könnte man zu schnell misstrauisch werden.
Daneben wurden einige Hinweise sehr geschickt präsentiert, so dass man beim ersten Sehen nicht unbedingt darauf kam, was diese genau mit dem Fall zu tun hatten (etwa die eingeschlagene Fensterscheibe in der Nacht vor einem Mord). Auch dass Hervey Lyne sowohl an den Rollstuhl gefesselt ist als auch schwache Augen hat, ist dramaturgisch wichtig.
Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #1
Diesmal ist die Liebesgeschichte nur Staffage, es wurde sich mehr auf den Kriminalplot konzentriert (das hätte der Schriftsteller öfter machen sollen)

Hier war es wirklich eine gute Variante, dass Mary Lane und Dick Allenby sich nicht nur schon länger kennen, sondern zu Beginn der Handlung sogar bereits verlobt sind.
Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #1
und die junge Herzensdame entwickelt einige Energie, dem Täter auf die Schliche zu kommen

Sie scheint wirklich detektivisch sehr begabt zu sein, da sie schon früh auf den Täter kommt und Indizien gegen diesen sammelt; Surefoot Smith kommt allerdings unabhängig von ihr auch auf die richtige Spur. Als sie in Lebensgefahr gerät, fällt sie (anders als viele andere Wallace-Heroinen) nur zum Schein in Ohnmacht, danach kommt ihr ein sehr gewitzter Einfall, um den Mörder auszutricksen. Dass sie den Inspektor so lange nicht einweiht, muss man natürlich schlucken; aber er ermittelt parallel ja auf eigene Faust erfolgreich und lässt sie zusätzlich überwachen, ohne dass sie es merkt.
Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #1
Ihr Verehrer Dick Allenby ist da eher hinderlich

Eigentlich ist er für die Handlung überflüssig und wirkt fast so, als habe Wallace ihn nur hineingeschrieben, damit die mutige und kluge Heldin am Ende mit einem Mann an ihrer Seite "belohnt" wird. Im "roten Kreis" hatte Jack Beardmore ja eigentlich auch nur diese Funktion.
Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #1
Surefoot Smith (...) ist eher so der väterliche Polizistentyp, sein Charakteristikum ist der recht hohe Konsum von Bier, besonders das von anderen Leuten. Es macht ihm auch gar nichts aus, während der Sperrstunde in einem Lokal heimlich Alkohol zu trinken, solche kleinen Verfehlungen übersieht er auch bei sich selber mal.

Daneben wird er während seiner Ermittlungen auch ohne moralische Bedenken zum Einbrecher. Die Hinweise auf seinen Bierkonsum ziehen sich durch das ganze Buch und entpuppen sich am Ende als Vorbereitung für einen schön schwarzhumorigen Schlussgag.
Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #1
Und der namensgebende "leuchtende Schlüssel", das ist ein "Artefakt", das Chefinspektor Smith als Bindeglied zu Washington Wirth, dem offensichtlich verkleideten Täter, in die Hände fällt. Die dazu passende Tür findet die Heldin des Stückes bei ihren Recherchen, für die Leuchtfarbe gibt der Polizeiinspektor dann die Erklärung, die sich allerdings etwas seltsam und schlecht überzeugend ausnimmt.

Das fand ich nicht: Hier hat sich der Autor für das skurril wirkende Detail eines mit Leuchtfarben angemalten Schlüssels eine Erklärung einfallen lassen, die überraschend bodenständig ausfällt (so wie für die titelgebende "blaue Hand").
Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #1
Auch der Antrieb des doppelidentischen Mr. Wirth für seine Finanzierung von kleineren Theaterdarstellern und seine Begeisterung für diese Unterhaltungsart ist wohl für heutige Menschen eher schwer nachvollziehbar, doch letzten Endes war Theaterkunst damals noch viel populärer als heute und letztlich auch Wallace' große und nicht ganz unkomplizierte Leidenschaft.

Vor der Lektüre hatte ich befürchtet, hier könnte ein ähnlich abstruses Motiv wie bei den Haupttätern in den "toten Augen" vorliegen, die einen großen Teil des ergaunerten Geldes in ein Theater investieren, dass die grottenschlechten Stücke eines der beiden aufführt - obwohl diese regelmäßig durchfallen. Ganz so absurd ist es hier zum Glück nicht, da der Mörder in diesem Fall damit durchaus einen rationalen Plan verfolgt (was für einen, wird natürlich nicht verraten).
Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #1
Beim Mord an Lyne fällt auf, dass die Kriminaltechnik zumindest bei Wallace hier noch in den Kinderschuhen steckte. Die Art der abgefeuerten Waffe sowie Entfernung und Winkel des Schützen hätte man doch damals durchaus schon angeben können müssen.

Ein Vorteil war natürlich, dass die Kugel zunächst nicht gefunden wurde. Aber der Einschusskanal hätte bei einer Obduktion sicher etwas verraten müssen. Übrigens beeindruckend, was für eine Durchschlagkraft diese Waffe gehbat haben muss, um mit einer einzige Kugel sowohl die Lehne eines Rollstuhls als auch den Körper eines Mannes durchschlagen und aus letzterem wieder austreten zu können!
Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #1
Auch in diesem Buch wieder einmal verblüffend, wie einfach es früher doch war, sich unter irgendeinem Namen irgendwo anzumelden und ein Leben inkognito zu führen. So lange man sich an Recht und Gesetz hielt, hat es offenbar niemanden interessiert.

Mich beeindruckt vor allem, dass der Mörder ein Genie in Sachen Verkleidung und Verstellen der Stimme sein muss, da die sonst so clevere Mary Lane ihn nicht durchschaut, obwohl sie ihn sowohl in seiner Maske als Washington Wirth als auch in seiner "alltäglichen" Rollen oft genug gesehen und mit ihm gesprochen haben dürfte. Im Buch funktionieren solche Sachen gerade nicht; im Film oder Hörspiel wird es schnell kritisch oder lächerlich.
Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #1
Der Whodunit-Anteil ist beim Fall des leuchtenden Schlüssels recht ausgeprägt, auch der Thriller-Faktor kommt nicht zu kurz.

Besonmders die letzten zehn Seiten waren nicht ohne, bei denen ich ordentlich ins Schwitzen kam. Dass eine positive Figur in die Gewalt des Bösewichts gerät, kennt man von diesem Autor (oder anderen) natürlich zur Genüge; hier wurde allerdings weder die weibliche Hauptfigur noch ihr Liebhaber bedroht, sondern der nicht mehr junge und eher "gesetzte" Surefoot Smith; auch eine nette und originell Variante! Zunächst versucht er, seinen Kopf durch einen bluff zu riskieren, was er leider durch eine unvorsichtige Bemerkung ruiniert. Danach muss er sich im Kampf Mann gegen Mann seiner Haut erwehren, was buchstäblich erst auf der letzten Seite entschieden wird und zu dem erwähnten Schlussgag führt.
Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #1
Durchaus ein Beispiel für ein gelungenes Spätwerk von Edgar Wallace. Er hatte sein Pulver noch lange nicht verschossen, wäre er nicht so früh gestorben, wer weiß, was er noch aus dem Ärmel geschüttelt hätte.
Der besprochene Roman ist nach einem etwas verwirrenden Einstieg schnell auf einer routinierten, spannenden Schiene. Klare Leseempfehlung.

Im Prinzip würde ich hier zustimmen, mit kleinen Einschränkungen: Der Mord an dem kleinen Gauner Tickler zu Beginn ist eigentlich unnötig und wirkt fast so, als habe der Autor ihn eingebaut, weil auf den ersten 50 Seiten ansonsten wenig passiert - abgesehen vom Diebstahl einer Luftpistole. Auch als erste Anzeichen für einen dritten Mord auftreten, kann sich der erfahrene Leser sehr schnell denken, wen es erwischt hat, lange bevor die Leiche dann entdeckt wird. Bei einem anderen Toten ist die Rede von einem "Unfall", aber die Beschreibung der Umstände deutet klar auf einen Mord hin, was aber soäter nicht mehr aufgegriffen wird. Auch das einer der Verdächtigen relativ plötzlich aus der Geschichte verschwindet und danach nicht mehr erwähnt wird, wirkt etwas unbefriedigend.
Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #1
Hier habe ich leider nur die Goldmann-Sonderausgabe von 160 Seiten aus dem Jahre 1990. Ein Vergleich mit der Taschenbuchausgabe dreißig Jahre früher zeigt einen Schwund von über 20 Seiten an, mit Sicherheit wieder die üblichen Kürzungen. Manche Dinge waren tatsächlich etwas abgehackt und aus dem Zusammenhang gerissen. Also besser eine ältere Ausgabe lesen, wenn möglich. Es scheint aber nur Goldmann überhaupt als Herausgeber tätig gewesen zu sein.

Wirklich schade, dass sich dadurch nicht so leicht überprüfen lässt, ob die erwähnten Ungereimtheiten eventuell auf nachträgliche Kürzungen oder den Übersetzer zurückgehen (bei der "seltsamen Gräfin" nahm er ja auch gegen Ende einen erheblichen Eingriff vor)!
Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #1
Eine deutsche Verfilmung gibt es hierzu nicht. Hätte ohne größere Änderungen auch schlecht in das Serienrezept gepasst, obwohl es immer noch näher am Original verfilmbar gewesen wäre als etwa Der Zinker.

Ein zntraler Mord wäre wirklich etwas wenig gewesen. Trotzdem ertappte ich mich beim Lesen damit, gewisse Rollen gedanklich zu besetzen: Der tyrannische und geizige Mr. Lyne schrie geradezu nach Fritz Rasp, der gemütliche, aber gewitzte und es mit den Vorschriften nicht immer so genau nehmende Chefinspektor nach Siegfried Lowitz; alternativ hätte man auch Paul Klinger nehmen können, der ähnliche Rollen ja im Bereich der Epigonen verkörperte. Wenn Jerry Dornfeld nicht gleich weggelassen worden wäre, hätte man hier Harry Wüstenhagen nehmen können, bei Arthur Jules böten sich Pinkas Braun oder vielleicht sogar Klaus Kinski an, bei Leo Moran dachte ich an Ulrich Beiger und bei Mike Hennessy an Werner Peters.
Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #1
Ob der Anfangsmord an Lord Curtain im Rollstuhl am Anfang von Neues vom Hexer wohl irgendwie eine Referenz an das Buch Der leuchtende Schlüssel war, wo der ähnlich tyrannische Hervey Lyne das gleiche Schicksal teilte ? Das würde ein tiefergehendes Wallace-Wissen der Drehbuchschreiber voraussetzen.

Es kann auch schlicht Zufall sein, da sowohl der tyrannische Charakter als auch das Sitzen im Rollstuhl in beiden Fällen aus jeweils unterschiedlichen Gründen dramaturgisch notwendig sind.

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