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Dieses Thema hat 9 Antworten
und wurde 150 mal aufgerufen
 Romane
horatio Offline




Beiträge: 577

21.06.2011 12:01
#1 Das Gasthaus an der Themse (1929) Zitat · antworten

DAS GASTHAUS AN DER THEMSE

Leider liegt mir nur die gekürzte Ausgabe (roter Krimi von Goldmann), übersetzt von Gregor Müller, vor.

Inhalt: Nachforschungen über einen Bankeinbruch und der Mord an einem Unbekannten führen Inspektor John Wade zu dem berüchtigten "Gasthaus an der Themse". Die junge Lila Smith warnt den Inspektor vor der Falle und ist dann plötzlich verschwunden. Wade geht verbissen den wenigen Spuren nach und macht eine ebenso grausige wie überraschende Entdeckung ...

Parallel dazu hab ich mir auch den Film angesehen, den ich seit Jahren im Regal "übersehe".

Was ich schade fand, war, dass es keine Rolle für Inspektor Elk im Film gab. Seinetwegen habe ich das Buch extra gelesen, wobei seine Rolle sehr klein ausfällt. Sonst steht es eher im unteren Bereich meiner Lieblingsbücher - zu langatmig für meinen Geschmack.

horatio
"Irgendeiner muß es ja gewesen sein!"

Joachim Kramp Offline




Beiträge: 4.901

21.06.2011 14:11
#2 RE: Das Gasthaus an der Themse (1929) Zitat · antworten

Zitat von horatio im Beitrag #1
DAS GASTHAUS AN DER THEMSE

Leider liegt mir nur die gekürzte Ausgabe (roter Krimi von Goldmann), übersetzt von Gregor Müller, vor.

Sonst steht es eher im unteren Bereich meiner Lieblingsbücher - zu langatmig für meinen Geschmack.

... das kann ich bei dieser "verhunzten Version" voll verstehen!

Joachim.
*Filme und Bücher werden niemals alt!*

Wallacefreund Offline




Beiträge: 175

26.09.2013 23:46
#3 RE: Das Gasthaus an der Themse (1929) Zitat · antworten

Ich bin überrascht, dass der Roman "Das Gasthaus an der Themse" bei den Bewertungen und Rankings doch relativ schlecht wegkommt.

Wenn ich mich nicht irre, müsste der Film sich in dieser Phase ja noch ziemlich nah an die Romanvorlage gehalten haben. Da der Film eigentlich fast durchgehend gut bewertet wurde und auch für mich einer der besten Filme der Reihe ist, würde mich mal interessieren, woran das liegt. Habe den Roman noch nicht gelesen, aber diese Diskrepanz finde ich eben erstaunlich.

Count Villain Offline



Beiträge: 3.934

27.09.2013 01:54
#4 RE: Das Gasthaus an der Themse (1929) Zitat · antworten

Du irrst. Allein, dass es schon in Buch und Film verschiedene Haupttäter gibt, zeigt, dass für die Kinoversion einiges dramatisiert und hinzugedichtet wurde. Vor allem, um den Stoff moderner und thrilliger zu machen.

Wallacefreund Offline




Beiträge: 175

27.09.2013 02:38
#5 RE: Das Gasthaus an der Themse (1929) Zitat · antworten

Meinst du damit, dass man sich bei der filmischen Umsetzung nicht wirkkich an die Romanvorlage gehalten hat? Wie schneidet denn der Roman gegenüber dem Film für dich ab?

Count Villain Offline



Beiträge: 3.934

27.09.2013 15:44
#6 RE: Das Gasthaus an der Themse (1929) Zitat · antworten

In weiten Teilen hat man sich schon an den Roman gehalten, z.B. was den Handlungsort und den Hintergrund um die vertauschte Pattinson-Erbin angeht. Allerdings hat man mehr verändert als in den früheren Filmen. Der Hauptschurke im Buch hat im Film nur eine Nebenrolle und ein neuer Täter wird präsentiert. Es gibt keinen einzelnen "Hai", der unerkannt von seinen Untergebenen die Strippen zieht und die Verbrechen begeht, sondern eine eher klassische Bande. Gubanow und Barnaby sind Zugaben des Drehbuchs, während der Charakter des Lord Siniford umgekehrt fehlt. Auch ein Anschlag auf Wade und eine Todesfalle in einem überfluteten Keller haben es nicht in den Film geschaft, dafür wird man eben Zeuge der Eskapaden des Hais. Auch das Finale ist komplett anders.

Direkt vergleichen kann man Film und Roman trotz gemeinsamer Plot-Basis meiner Meinung nach nicht mehr, da sie in ganz andere Richtungen gehen. Das eine ist ein Kriminalstück im Themsemilieu, das andere ist ein Whodunnit-Thriller. Aber beide sind auf ihre Art spannend und gut. Wenn man den Film kennt, sollte man nur nicht den Fehler machen, mit einer falschen Erwartungshaltung an das Buch heranzugehen. Dann kann man eigentlich nur enttäuscht werden, weil der Film ein Klassiker der Reihe ist, das Buch im Gesamtwerk hingegen nur "ordentlich" ausfällt.

Wallacefreund Offline




Beiträge: 175

27.09.2013 17:07
#7 RE: Das Gasthaus an der Themse (1929) Zitat · antworten

Danke dir für deine ausführlichen Informationen. Das ist wirklich sehr interessant und war mir bis eben neu, da ich davon ausgegangen war, dass man sich 1962 noch näher an die Romanvorlage gehalten hat als in späteren Werken. Jetzt hast du mich richtig neugierig gemacht und ich denke, ich werde, wenn ich "Bei den drei Eichen" zu Ende gelesen habe, mir mal das Gasthaus an der Themse vornehmen.

Elford Offline




Beiträge: 1.009

27.09.2013 17:32
#8 RE: Das Gasthaus an der Themse (1929) Zitat · antworten

Zitat von Count Villain im Beitrag #6
Der Hauptschurke im Buch hat im Film nur eine Nebenrolle und ein neuer Täter wird präsentiert.

Habe ich den Roman nicht mehr richtig in Erinnerung? Der Haupttäter im Buch kommt doch im Film gar nicht vor.

Count Villain Offline



Beiträge: 3.934

27.09.2013 19:51
#9 RE: Das Gasthaus an der Themse (1929) Zitat · antworten

Nein, nicht direkt. Aber ich schätze mal, dass die Figur Willy auf Golly basiert.

Dr. Oberzohn Offline



Beiträge: 73

22.02.2018 21:28
#10 RE: Das Gasthaus an der Themse (1929) Zitat · antworten

Da der Roman in den bisherigen Bewertungen eher schlecht weg kommt, möchte ich mal eine Lanze für das "Gasthaus an der Themse" brechen. Man kann dem Buch sicher alles Mögliche vorwerfen, aber Zähigkeit und Langeweile ? Hm, eher würde ich kritisieren, dass es zu actionlastig ist. Bei all den Schießereien, Diebstählen, Entführungen usw. geht die etwas sanftere Handlung um die obligate Millionenerbin fast ein wenig unter. Zumal sie diesmal wesentlich glaubwürdiger in das Geschehen verwoben ist als in anderen Werken von Wallace. Sicher ist der Roman sehr routiniert in Szene gesetzt (genauso wie der Film aus den Sechzigern), aber das muss ja nicht schlecht sein.
Der Inspektor von der Flusspolizei, John Wade, ist wirklich ein sympathischer Bursche, und die bedrohte Schönheit des Romans, Lila Smith, entwickelt sich im Verlaufe der Handlung vom verängstigten Mädchen zur tatkräftig für ihre Befreiung kämpfende Frau. Auch Inspektor Elk tritt wieder auf, aber sein Part steht diesmal weit hinter dem jungen Hauptermittler zurück, anders als beim "Frosch", wo er noch gleichberechtigt neben Dick Gordon agierte.
Die Gegenspieler der Helden sind durchaus glaubhaft gezeichnete Gestalten, die herrische Wirtin und Hehlerin Mrs. Oaks, ihr scheinbar unterdrückter, aber undurchsichtiger Gatte Golly Oakes, der finstere Kapitän Aikness, der verkommene Adlige Lord Winiford, der lebemännische Raggit Lane... Dazu jede Menge anderes dunkles Volk und gar eine Menge Chinesen, diesmal nicht die stillen Helfer des Helden, sondern die der Gangster. Denn es sind richtige brutale Gangster, eben die "Gummibrüder" oder "Gummimänner", wie ja der Original-Romantitel lautet. Diese überfallen mit Vorliebe Juweliergeschäfte oder ähnlich wertvolle Sachen beherbergende Häuser, wobei auch Maschinenpistolen zum Einsatz kommen. Geschossen wird eigentlich ziemlich viel, aber es passt mehr in das Geschehen als bei den "Gangstern in London", die doch eine sehr dünne und durchsichtige Story haben.
Der junge Inspektor Wade ist wirklich ständig von der Rache der Verbrecher bedroht und dürfte neben dem "Wetter" Long aus der "Schreckensbande" und Larry Holt von den "Toten Augen" derjenige Kriminalbeamte sein, der die meisten Mordanschläge in einem Wallace-Krimi überlebt.
Die Geschichte der Lila Smith, die unter der Knute ihrer herrschsüchtigen Tante in dem Gasthaus an der Themse aufwächst, wo letztendlich die Fäden zusammenlaufen und sich das ganze üble Gesocks trifft, ist für mich anrührender als bei anderen Damen der Wallace-Welt - ist sie doch auch ein Teil dieser unschönen Umgebung, aus der sie sich schließlich mit eigener Kraft ablösen muss. Dass da im Hintergrund noch ein Vermögen steht, das geerbt werden will, ist diesmal weniger Zufall als vielmehr ein langgehegter Plan der Bösewichte im Dunkeln.
Auch, dass der Haupttäter etwa schon in der Mitte des Buches entlarvt wird, schmälert den Lesegenuss recht wenig. Denn die Polizei hat ihn noch lange nicht, und die Dialoge des Schurken mit seinen Untergeben, die Pläne, Drohungen und Intrigen, die da gesponnen werden und deren man teilhaftig werden kann, habe ich mit besonders großem Vergnügen gelesen. Tatsächlich war der Kerl schon ein kleines Genie auf seine Art.
Zum Schluss kam der Autor noch mal auf eines seiner Lieblingsthemen, nämlich Schiffsentführungen, zurück und schickte die Unholde mit großer Knallerei in die ewigen Jagdgründe, wobei der Hauptschurke überlebte und man sein Ende am Galgenstrick miterleben darf - auch ein gewisses Faible von Wallace.
Alles in allem ein Krimi voller einprägsamer Schurken, netter Helden (und -innen), einiges an organisierter Kriminalität, viel Schiesserei, düstere Komplotte, einige Morde, dazu Geheimgänge und Schlupfwinkel, die gute alte Themse als einer der Hauptschauplätze und natürlich auch die Millionenerbin, die der Inspektor zum Schluss nach einer nicht ausufernden Liebesgeschichte in die Arme schließen darf. Eigentlich Wallace pur - für mich ein Roman unter den Top Five. !!!
Aber auch hier wieder: unbedingt die Weltbild-Ausgabe oder wenigstens die Heyne-Übersetzung lesen. Zwar sind in der Goldmann-Nachkriegsfassung die Kürzungen und Umdichtungen nicht ganz so schlimm wie bei anderen Büchern, aber gerade gewisse entfallene "Entschärfungen" in den Originalübersetzungen machen noch einen größeren Reiz des Buches aus.

Und was die Verfilmung angeht - sicher hat es hier zum Roman hin größere Änderungen gegeben, z.B. was den Hauptschurken angeht, der ja hier auch eher als Einzeltäter auftritt und nur ein paar Gehilfen bzw. Hehler für das Verkaufen seiner Beute braucht. Aber viele Elemente und Figuren aus dem Buch hat man doch übernommen, und auch die Geschichte mit der Erbschaft findet genug Würdigung. Statt einer groß aufgezogenen Verbrecherbande findet man eben hier als Abwandlung einen Froschmann mit einer Harpune als Mordwaffe. Das scheint in den Sechzigern mal chic gewesen zu sein, siehe auch "James Bond - Feuerball" oder den herrlichen Trash-Film "Heiße Katzen". Ich finde immerhin, dass die literarische Vorlage vom "Gasthaus" im Rahmen der deutschen Edgar-Wallace-Serie doch eine würdige Verfilmung bekommen hat.

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