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Dieses Thema hat 17 Antworten
und wurde 1.238 mal aufgerufen
 Romane
Seiten 1 | 2
horatio Offline




Beiträge: 577

21.06.2011 12:01
#1 Das Gasthaus an der Themse (1929) Zitat · Antworten

DAS GASTHAUS AN DER THEMSE

Leider liegt mir nur die gekürzte Ausgabe (roter Krimi von Goldmann), übersetzt von Gregor Müller, vor.

Inhalt: Nachforschungen über einen Bankeinbruch und der Mord an einem Unbekannten führen Inspektor John Wade zu dem berüchtigten "Gasthaus an der Themse". Die junge Lila Smith warnt den Inspektor vor der Falle und ist dann plötzlich verschwunden. Wade geht verbissen den wenigen Spuren nach und macht eine ebenso grausige wie überraschende Entdeckung ...

Parallel dazu hab ich mir auch den Film angesehen, den ich seit Jahren im Regal "übersehe".

Was ich schade fand, war, dass es keine Rolle für Inspektor Elk im Film gab. Seinetwegen habe ich das Buch extra gelesen, wobei seine Rolle sehr klein ausfällt. Sonst steht es eher im unteren Bereich meiner Lieblingsbücher - zu langatmig für meinen Geschmack.

horatio
"Irgendeiner muß es ja gewesen sein!"

Joachim Kramp Offline




Beiträge: 4.901

21.06.2011 14:11
#2 RE: Das Gasthaus an der Themse (1929) Zitat · Antworten

Zitat von horatio im Beitrag #1
DAS GASTHAUS AN DER THEMSE

Leider liegt mir nur die gekürzte Ausgabe (roter Krimi von Goldmann), übersetzt von Gregor Müller, vor.

Sonst steht es eher im unteren Bereich meiner Lieblingsbücher - zu langatmig für meinen Geschmack.

... das kann ich bei dieser "verhunzten Version" voll verstehen!

Joachim.
*Filme und Bücher werden niemals alt!*

Wallacefreund Offline




Beiträge: 241

26.09.2013 23:46
#3 RE: Das Gasthaus an der Themse (1929) Zitat · Antworten

Ich bin überrascht, dass der Roman "Das Gasthaus an der Themse" bei den Bewertungen und Rankings doch relativ schlecht wegkommt.

Wenn ich mich nicht irre, müsste der Film sich in dieser Phase ja noch ziemlich nah an die Romanvorlage gehalten haben. Da der Film eigentlich fast durchgehend gut bewertet wurde und auch für mich einer der besten Filme der Reihe ist, würde mich mal interessieren, woran das liegt. Habe den Roman noch nicht gelesen, aber diese Diskrepanz finde ich eben erstaunlich.

Count Villain Offline




Beiträge: 4.610

27.09.2013 01:54
#4 RE: Das Gasthaus an der Themse (1929) Zitat · Antworten

Du irrst. Allein, dass es schon in Buch und Film verschiedene Haupttäter gibt, zeigt, dass für die Kinoversion einiges dramatisiert und hinzugedichtet wurde. Vor allem, um den Stoff moderner und thrilliger zu machen.

Wallacefreund Offline




Beiträge: 241

27.09.2013 02:38
#5 RE: Das Gasthaus an der Themse (1929) Zitat · Antworten

Meinst du damit, dass man sich bei der filmischen Umsetzung nicht wirkkich an die Romanvorlage gehalten hat? Wie schneidet denn der Roman gegenüber dem Film für dich ab?

Count Villain Offline




Beiträge: 4.610

27.09.2013 15:44
#6 RE: Das Gasthaus an der Themse (1929) Zitat · Antworten

In weiten Teilen hat man sich schon an den Roman gehalten, z.B. was den Handlungsort und den Hintergrund um die vertauschte Pattinson-Erbin angeht. Allerdings hat man mehr verändert als in den früheren Filmen. Der Hauptschurke im Buch hat im Film nur eine Nebenrolle und ein neuer Täter wird präsentiert. Es gibt keinen einzelnen "Hai", der unerkannt von seinen Untergebenen die Strippen zieht und die Verbrechen begeht, sondern eine eher klassische Bande. Gubanow und Barnaby sind Zugaben des Drehbuchs, während der Charakter des Lord Siniford umgekehrt fehlt. Auch ein Anschlag auf Wade und eine Todesfalle in einem überfluteten Keller haben es nicht in den Film geschaft, dafür wird man eben Zeuge der Eskapaden des Hais. Auch das Finale ist komplett anders.

Direkt vergleichen kann man Film und Roman trotz gemeinsamer Plot-Basis meiner Meinung nach nicht mehr, da sie in ganz andere Richtungen gehen. Das eine ist ein Kriminalstück im Themsemilieu, das andere ist ein Whodunnit-Thriller. Aber beide sind auf ihre Art spannend und gut. Wenn man den Film kennt, sollte man nur nicht den Fehler machen, mit einer falschen Erwartungshaltung an das Buch heranzugehen. Dann kann man eigentlich nur enttäuscht werden, weil der Film ein Klassiker der Reihe ist, das Buch im Gesamtwerk hingegen nur "ordentlich" ausfällt.

Wallacefreund Offline




Beiträge: 241

27.09.2013 17:07
#7 RE: Das Gasthaus an der Themse (1929) Zitat · Antworten

Danke dir für deine ausführlichen Informationen. Das ist wirklich sehr interessant und war mir bis eben neu, da ich davon ausgegangen war, dass man sich 1962 noch näher an die Romanvorlage gehalten hat als in späteren Werken. Jetzt hast du mich richtig neugierig gemacht und ich denke, ich werde, wenn ich "Bei den drei Eichen" zu Ende gelesen habe, mir mal das Gasthaus an der Themse vornehmen.

Elford Offline




Beiträge: 1.031

27.09.2013 17:32
#8 RE: Das Gasthaus an der Themse (1929) Zitat · Antworten

Zitat von Count Villain im Beitrag #6
Der Hauptschurke im Buch hat im Film nur eine Nebenrolle und ein neuer Täter wird präsentiert.

Habe ich den Roman nicht mehr richtig in Erinnerung? Der Haupttäter im Buch kommt doch im Film gar nicht vor.

Count Villain Offline




Beiträge: 4.610

27.09.2013 19:51
#9 RE: Das Gasthaus an der Themse (1929) Zitat · Antworten

Nein, nicht direkt. Aber ich schätze mal, dass die Figur Willy auf Golly basiert.

Dr. Oberzohn Offline



Beiträge: 642

22.02.2018 21:28
#10 RE: Das Gasthaus an der Themse (1929) Zitat · Antworten

Da der Roman in den bisherigen Bewertungen eher schlecht weg kommt, möchte ich mal eine Lanze für das "Gasthaus an der Themse" brechen. Man kann dem Buch sicher alles Mögliche vorwerfen, aber Zähigkeit und Langeweile ? Hm, eher würde ich kritisieren, dass es zu actionlastig ist. Bei all den Schießereien, Diebstählen, Entführungen usw. geht die etwas sanftere Handlung um die obligate Millionenerbin fast ein wenig unter. Zumal sie diesmal wesentlich glaubwürdiger in das Geschehen verwoben ist als in anderen Werken von Wallace. Sicher ist der Roman sehr routiniert in Szene gesetzt (genauso wie der Film aus den Sechzigern), aber das muss ja nicht schlecht sein.
Der Inspektor von der Flusspolizei, John Wade, ist wirklich ein sympathischer Bursche, und die bedrohte Schönheit des Romans, Lila Smith, entwickelt sich im Verlaufe der Handlung vom verängstigten Mädchen zur tatkräftig für ihre Befreiung kämpfende Frau. Auch Inspektor Elk tritt wieder auf, aber sein Part steht diesmal weit hinter dem jungen Hauptermittler zurück, anders als beim "Frosch", wo er noch gleichberechtigt neben Dick Gordon agierte.
Die Gegenspieler der Helden sind durchaus glaubhaft gezeichnete Gestalten, die herrische Wirtin und Hehlerin Mrs. Oaks, ihr scheinbar unterdrückter, aber undurchsichtiger Gatte Golly Oakes, der finstere Kapitän Aikness, der verkommene Adlige Lord Winiford, der lebemännische Raggit Lane... Dazu jede Menge anderes dunkles Volk und gar eine Menge Chinesen, diesmal nicht die stillen Helfer des Helden, sondern die der Gangster. Denn es sind richtige brutale Gangster, eben die "Gummibrüder" oder "Gummimänner", wie ja der Original-Romantitel lautet. Diese überfallen mit Vorliebe Juweliergeschäfte oder ähnlich wertvolle Sachen beherbergende Häuser, wobei auch Maschinenpistolen zum Einsatz kommen. Geschossen wird eigentlich ziemlich viel, aber es passt mehr in das Geschehen als bei den "Gangstern in London", die doch eine sehr dünne und durchsichtige Story haben.
Der junge Inspektor Wade ist wirklich ständig von der Rache der Verbrecher bedroht und dürfte neben dem "Wetter" Long aus der "Schreckensbande" und Larry Holt von den "Toten Augen" derjenige Kriminalbeamte sein, der die meisten Mordanschläge in einem Wallace-Krimi überlebt.
Die Geschichte der Lila Smith, die unter der Knute ihrer herrschsüchtigen Tante in dem Gasthaus an der Themse aufwächst, wo letztendlich die Fäden zusammenlaufen und sich das ganze üble Gesocks trifft, ist für mich anrührender als bei anderen Damen der Wallace-Welt - ist sie doch auch ein Teil dieser unschönen Umgebung, aus der sie sich schließlich mit eigener Kraft ablösen muss. Dass da im Hintergrund noch ein Vermögen steht, das geerbt werden will, ist diesmal weniger Zufall als vielmehr ein langgehegter Plan der Bösewichte im Dunkeln.
Auch, dass der Haupttäter etwa schon in der Mitte des Buches entlarvt wird, schmälert den Lesegenuss recht wenig. Denn die Polizei hat ihn noch lange nicht, und die Dialoge des Schurken mit seinen Untergeben, die Pläne, Drohungen und Intrigen, die da gesponnen werden und deren man teilhaftig werden kann, habe ich mit besonders großem Vergnügen gelesen. Tatsächlich war der Kerl schon ein kleines Genie auf seine Art.
Zum Schluss kam der Autor noch mal auf eines seiner Lieblingsthemen, nämlich Schiffsentführungen, zurück und schickte die Unholde mit großer Knallerei in die ewigen Jagdgründe, wobei der Hauptschurke überlebte und man sein Ende am Galgenstrick miterleben darf - auch ein gewisses Faible von Wallace.
Alles in allem ein Krimi voller einprägsamer Schurken, netter Helden (und -innen), einiges an organisierter Kriminalität, viel Schiesserei, düstere Komplotte, einige Morde, dazu Geheimgänge und Schlupfwinkel, die gute alte Themse als einer der Hauptschauplätze und natürlich auch die Millionenerbin, die der Inspektor zum Schluss nach einer nicht ausufernden Liebesgeschichte in die Arme schließen darf. Eigentlich Wallace pur - für mich ein Roman unter den Top Five. !!!
Aber auch hier wieder: unbedingt die Weltbild-Ausgabe oder wenigstens die Heyne-Übersetzung lesen. Zwar sind in der Goldmann-Nachkriegsfassung die Kürzungen und Umdichtungen nicht ganz so schlimm wie bei anderen Büchern, aber gerade gewisse entfallene "Entschärfungen" in den Originalübersetzungen machen noch einen größeren Reiz des Buches aus.

Und was die Verfilmung angeht - sicher hat es hier zum Roman hin größere Änderungen gegeben, z.B. was den Hauptschurken angeht, der ja hier auch eher als Einzeltäter auftritt und nur ein paar Gehilfen bzw. Hehler für das Verkaufen seiner Beute braucht. Aber viele Elemente und Figuren aus dem Buch hat man doch übernommen, und auch die Geschichte mit der Erbschaft findet genug Würdigung. Statt einer groß aufgezogenen Verbrecherbande findet man eben hier als Abwandlung einen Froschmann mit einer Harpune als Mordwaffe. Das scheint in den Sechzigern mal chic gewesen zu sein, siehe auch "James Bond - Feuerball" oder den herrlichen Trash-Film "Heiße Katzen". Ich finde immerhin, dass die literarische Vorlage vom "Gasthaus" im Rahmen der deutschen Edgar-Wallace-Serie doch eine würdige Verfilmung bekommen hat.

schwarzseher Offline



Beiträge: 626

31.07.2020 20:43
#11 RE: Das Gasthaus an der Themse (1929) Zitat · Antworten

Auch mir war nicht bewusst das der Roman so stark von der Grundidee des Films abweicht ( Hauptfigur Hai ) Wenn man sich davon trennt und die Nebenrolle des Films als Oberschurken akzeptiert passt auch der Roman für sich.
Ich finde den Roman recht kurzweilig. Wie so oft bei Wallace kommt die Polizei eigentlich oft sehr schlecht weg .Bei Schießereien kommen gefühlt nur die Polizisten zu Schaden und machen den Eindruck als wenn sie oft nur mit bloßen Händen gegen die schießwütigen Killer antreten. Na....am Schluß gewinnen sie ja doch.
J. Wade ist sympatisch und nimmt einen sofort für sich ein und man fiebert bis zum Schluß mit ihm mit.

Fazit : Roman und Film jeweils für sich im oberen Bereich des Wallace Universums .

Savini Offline



Beiträge: 755

16.11.2021 16:19
#12 RE: Das Gasthaus an der Themse (1929) Zitat · Antworten

Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #10
Der Inspektor von der Flusspolizei, John Wade, ist wirklich ein sympathischer Bursche, und die bedrohte Schönheit des Romans, Lila Smith, entwickelt sich im Verlaufe der Handlung vom verängstigten Mädchen zur tatkräftig für ihre Befreiung kämpfende Frau.

Was die beiden positiven Hauptfiguren angeht, so sind mir beim erneuten Lesen einige Details aufgefallen: Inspektor Wade wird vom Autor öfter nur bei seinem Vornamen genannt, was mir bei einer männlichen Hauptperson in einem Wallace-Roman eher ungewöhnlich erscheint. Zwei Drittel des Buches (bis zu der Stelle, als ihm klar wird, wer der Chef der Bande ist) sind aus seiner Sicht erzählt, es gibt nur kurze Einschübe, in denen die Gedanken anderer Figuren (Lila oder der Kapitän und Lane) beschrieben werden, die sich auf Wade beziehen. Danach erst gibt es eine Erweiterung, bei der auch oft die Gedanken des Bosses und seiner Untergegebenen eine Rolle spielen.
Was lila angeht, so ist es interessant, dass sie im letzten Akt nicht nur die Initiative ergreift, sondern sich im Grunde sogar selbst rettet; der Inspektor ist zwar am Ende zur Stelle, um sie in seine Arme zu schließen, hat zu ihrer Rettung aber nichts mehr beigetragen. Auch als im zweiten Finale die Verbrecher gestellt werden und (bis auf den Drahtzieher) umkommen, spielt Wade keine Rolle. Man könnte sogar sagen, dass er im letzten Drittel fast zu einer Nebenfigur wird.
Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #10
Auch, dass der Haupttäter etwa schon in der Mitte des Buches entlarvt wird, schmälert den Lesegenuss recht wenig. Denn die Polizei hat ihn noch lange nicht, und die Dialoge des Schurken mit seinen Untergeben, die Pläne, Drohungen und Intrigen, die da gesponnen werden und deren man teilhaftig werden kann, habe ich mit besonders großem Vergnügen gelesen. Tatsächlich war der Kerl schon ein kleines Genie auf seine Art.

Bei mir war es früher so, dass ich die Kapitel, in denen der Haupttäter enttarnt wird, Lila gegenüber Eindruck schindet und sich mit seinem Untergebenen bespricht, der dabei vor ihm kriecht, öfter isoliert vom Rest gelesen habe, ähnliche die Passagen in der "Bande des Schreckens", die aus Cravels Sicht erzählt sind.

Zitat von Dr. Oberzohn im Beitrag #10
Aber auch hier wieder: unbedingt die Weltbild-Ausgabe oder wenigstens die Heyne-Übersetzung lesen. Zwar sind in der Goldmann-Nachkriegsfassung die Kürzungen und Umdichtungen nicht ganz so schlimm wie bei anderen Büchern, aber gerade gewisse entfallene "Entschärfungen" in den Originalübersetzungen machen noch einen größeren Reiz des Buches aus.

Interessant wäre natürlich, ob die Kürzungen und Veränderungen in diesem Fall sehr gravierend waren; beim Lesen der Weltbild-Ausgabe sind mir solche jedenfalls nicht aufgefallen. Aber die Überprüfung wäre sicher eine ziemlich mühselige Angelegenheit, anders als bei den "toten Augen", dem "Bogenschützen" oder der "blauen Hand".
Alternativ zu dieser oder der Heyne-Ausgabe würde ich auch die von Scherz empfehlen, die allerdings auch nur noch antiquarisch zu bekommen ist.

Mr. Igle Offline




Beiträge: 127

29.12.2022 21:54
#13 RE: Das Gasthaus an der Themse (1929) Zitat · Antworten

DAS GASTHAUS AN DER THEMSE, Original: The India-Rubber-Men, 1929, dt. Übersetzung Das Gasthaus an der Themse von Edith Walter für den Scherz Verlag, 2. Auflage 1987.

Inhalt:

Schon seit langem halten die "Gummimänner", eine Bande eiskalter und skrupelloser Gangster, ganz London mit ihren Einbrüchen und Morden in Atem. Inspektor John Wade von der Flusspolizei glaubt, dass die Verbrecher häufig bei Nacht und Nebel über die Themse fliehen. Seine Vorgesetzten winken ab. Die "Gummimänner" sind Landratten und können mit dem Auto viel schneller über die Straßen der Hauptstadt entkommen. Wade weiß aber, dass man ohne Positionslampen auf dem nächtlichen Fluss nicht nur leichter untertauchen, sondern zeitgleich auch seine Beute verstecken kann. Wades Verdacht richtet sich gegen das "Mekka" und dessen gewiefte Kaschemmen-Wirtin Annabell Oaks. Die biestige Besitzerin ist jedoch zu gerissen, um Schmuggelware in ihrem Gasthaus an der Themse zu lagern und Gefahr zu laufen, dass es von Scotland Yard entdeckt wird. Wades Verdacht erhärtet sich jedoch, als Anna Smith, die sich auf der Suche nach Lila, dem jungen Mündel von Mrs. Oaks, befindet, plötzlich spurlos verschwindet. Wade findet unter Annas Sachen einen markanten Siegelring. Doch mehrere maskierte "Gummimänner" dringen kurz darauf unter hohem Risiko in die Dienststelle der Flusspolizei ein, bedrohen Wade und seine Kollegen mit ihren schallgedämpften Pistolen und fliehen mit dem Beweisstück. Dennoch beginnt der Inspektor allmählich, das Spiel zu durchschauen. Auf dem Ring war das alte "Siegel von Troja" eingraviert und ein Schiff gleichen Namens wurde häufig in den Nächten, in denen die Bande ihre Raubzüge verübte, auf der Themse gesichtet…

Besprechung:

Das Gasthaus an der Themse ist sicherlich ein Roman, der ein wenig darunter leidet, dass man ihn stets mit der übermächtigen Rialto-Verfilmung Alfred Vohrers von 1962 vergleicht. Bei einer solchen Gegenüberstellung kann die Vorlage nur den Kürzeren ziehen, da der Kino-Beitrag nicht nur zu den gelungensten und temporeichsten Titeln der Serie gehört, sondern auch die Schauwerte der Geschichte inhaltlich und visuell konsequent steigert. Trotzdem staunt man bisweilen, wie umfassend die spätere Umsetzung der frühen 1960er Jahre sich bis in kleinste Details an der Originalgeschichte orientiert. Den Bruch, den Joachim Kramp zwischen diesem Film und Der Zinker postulierte, erscheint mir ebenfalls unverkennbar, wenn man den Rückgriff auf das Ausgangsmaterial bei gleichzeitigem Einsatz zeitgenössischer Stil-Elemente im direkten Schärfe-Verhältnis gegenüberstellt. Gleichwohl hat man natürlich bereits hier einige zentrale Änderungen vorgenommen, die der kinematographischen Umsetzung zugutekommen. Der Roman als solcher kann vielleicht nicht mit den besten Werken des King of Thrillers mithalten, zählt aber gewiss zu den sorgfältiger konzipierten Geschichten, die Atmosphäre und Detailverliebtheit über stereotype Pastiche-Charaktere und stromlinienförmige Handlungsbögen stellen.

Zentrale Figuren bilden natürlich wieder ein Liebespaar, das sich aus dem hartgesottenen Flussinspektor John Wade und der unterdrückten Barmädchen Lila Smith zusammensetzt. Wade ist einerseits ein typischer Wallace-Protagonist, darf zugleich aber seine emotionale Involvierung in den Fall nicht verbergen, die ihm im Laufe der Ermittlungen sichtbar im Wege steht. Dagegen kann ich nicht nachvollziehen, wieso sich Lila Smith – nach der Meinung mancher Rezensenten – irgendwie von sonstigen bedrohten Schönheiten mit hohem Erbvermögen im Nacken abheben soll. Gut, sie entdeckt irgendwann ihre Wirkung auf das starke Geschlecht, bleibt aber ansonsten – von ihrem Ausbruch abgesehen – bis zuletzt passiv und reagiert auf die immer neuen Enthüllungen mit konstant bleibender Naivität. Mit von der Partie ist mit Inspektor Elk ein alter Bekannter, der aber im Geschehen wenig eigene Akzente zu setzen vermag. Lord Siniford, Anna Smith und Mrs. Oaks sind sehr individuell gezeichnete Charaktere, die die Handlung enorm bereichern. Besonders im Falle der letztgenannten Dame staunt man jedoch als Kenner der Verfilmung über den begrenzten Spielraum dieser Figur im Handlungsgerüst. Trefflich hat der Altmeister auch das Schurken-Trio rund um Kapitän William Aikness, Golly Oaks und Raggit Lane entworfen, die alle individuell ihrer gerechten Strafe zugeführt werden.

Da es im Roman natürlich keinen "Hai" gibt, der bekanntlich aus der Feder des versierten Egon Eis stammt, erwartet man tendenziell weniger Grusel. Die "Gummimänner" sind jedoch ein adäquater Schrecken und lassen mit ihrem unheimlichen Auftreten und ihrem unbarmherzigen Schusswaffengebrauch die Inspiration für den späteren Harpunen-Taucher erahnen. Die einzige Schwäche des Werks stellt seine Struktur dar. Wimmelt das Buch in der ersten Hälfte nur so von Schießereien, detektivischen Rätseln und Spannungsmomenten, verliert es auf den letzten siebzig Seiten, nachdem die Fronten sowie alle Geheimnisse geklärt sind und sich die Gangster auf der Flucht befinden, doch erheblich an Thrill. Zwar erhöht Lanes letzter Attentatsversuch noch einmal kurzzeitig die Schlagzahl, aber das Finale kommt nach langer Exposition unverhältnismäßig schnell und überhastet. Das Ende des "Gummimanns" erscheint – angesichts seiner, dem "Hai" kaum nachstehenden, effektheischenden Skurrilität – dann aber gerecht und folgerichtig. Das Gasthaus an der Themse ist ein unterhaltsamer Wallace-Roman, den man besonders genießen kann, wenn man die Vohrer-Adaption von vorneherein ausblendet und sich dann von amüsanten Déjà-vu-Momenten überraschen lässt.

Fazit: Ein Exemplar aus dem Spätwerk des Altmeisters, das eine spannende Handlung mit plastisch gezeichneten Personen und einer eiskalten Atmosphäre verbindet. Trotz Schwächen im letzten Drittel hat man einen Wallace-Thriller vorliegen, der seinem großen Titel vollauf gerecht wird.

Meine Wertung: SEHR GUT

"Entspannen Sie sich, durch Hochspannung!"

Savini Offline



Beiträge: 755

30.12.2022 08:49
#14 RE: Das Gasthaus an der Themse (1929) Zitat · Antworten

Danke, dass noch jemand sich die Mühe gemacht hat, etwas mehr über diesen Roman zu schreiben! Interessant, dass diesmal zur Abwechslung nicht die Weltbild-, sondern eine der (von Joachim Kramp bekanntlich wenig geschätzten) Scherz-Ausgaben als Grundlage diente.

Zitat von Mr. Igle im Beitrag #13
Dagegen kann ich nicht nachvollziehen, wieso sich Lila Smith – nach der Meinung mancher Rezensenten – irgendwie von sonstigen bedrohten Schönheiten mit hohem Erbvermögen im Nacken abheben soll. Gut, sie entdeckt irgendwann ihre Wirkung auf das starke Geschlecht, bleibt aber ansonsten – von ihrem Ausbruch abgesehen – bis zuletzt passiv und reagiert auf die immer neuen Enthüllungen mit konstant bleibender Naivität.

Hier muss man allerdings bedenken, dass sie lange Zeit keine Ahnung von ihrer wahren Herkunft hat, was ihre Naivität durchaus erklärt. Und die Passivität ist erst ihrer scheinbar aussichtslosen Situation und dann ihrer Gefangennahme geschuldet. Immerhin befreit sie sich aus eigener Initiative, wozu der formale Held der Geschichte nichts beiträgt, was immerhin eine originelle Abwechslung ist.
Zitat von Mr. Igle im Beitrag #13
Trefflich hat der Altmeister auch das Schurken-Trio rund um Kapitän William Aikness, Golly Oaks und Raggit Lane entworfen, die alle individuell ihrer gerechten Strafe zugeführt werden.

Wie schon früher geschrieben, finde ich besonders die gemeinsamen Szenen von Oaks und Aikness im letzten Dritte des Romans sehr gelungen - nicht nur wegen der Dialoge, sondern auch wegen der Beschreibung der Gedanken, die beide dabei hegen.
Zitat von Mr. Igle im Beitrag #13
Trotz Schwächen im letzten Drittel

Persönlich sehe ich hier keine Schwäche, aber durchaus einen Bruch in der Erzählperspektive. Auch wenn du es nicht geschrieben hast: Ist dir auch aufgefallen, dass die ersten zwei Drittel fast durchgehend aus Wades Sicht erzählt werden, was sich erst ändert, als klar wird, wer der Drahtzieher ist? Und kommt es dir auch so vor, dass der Inspektor gegen Ende praktisch zur Nebenfigur wird?

Lord Peter Offline




Beiträge: 620

30.12.2022 10:04
#15 RE: Das Gasthaus an der Themse (1929) Zitat · Antworten

BTW - die Organisation der "Gummibrüder" hat im Buch doch einige Änlichkeit mit der "Froschbande". Nicht von ungefähr wurde der Roman in den 30ern mal als Fortsetzung vom "Frosch mit der Maske" adaptiert.

https://en.wikipedia.org/wiki/The_Return_of_the_Frog

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