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Dieses Thema hat 1 Antworten
und wurde 97 mal aufgerufen
 Romane
horatio Offline




Beiträge: 577

25.09.2010 10:43
#1 Der Diamantenfluss (1913) Zitat · Antworten

Die letzten Wochen war mal wieder Wallace pur angesagt:

Der Diamantenfluss

Monate vergingen, die Expedition blieb verschollen. Francis Sutton war, wie zuvor sein Vater, in Afrika verschwunden - auf der Suche nach Diamanten. In London versucht seine Schwester Cynthia, das Geheimnis aufzuklären. Ein gewisser Amber hilft ihr dabei. Er ist ein zwielichtiger Mann, der Gefängnisse nicht nur von außen kennt. Da taucht plötzlich die genaue Karte des Diamantenflusses auf.

Ganz nett zu lesen, aber leider zu vorhersehbar ...

horatio
"Irgendeiner muß es ja gewesen sein!"

Dr. Oberzohn Offline



Beiträge: 413

30.07.2020 21:24
#2 RE: Der Diamantenfluss (1913) Zitat · Antworten

Der Diamantenfluss


Originaltitel: The River of Stars
Erscheinungsjahr: 1913


Hauptpersonen:

Ambrose „Amber“ Grey – netter junger Mann mit zweifelhaftem Hintergrund
Cynthia Sutton – hübsche junge Frau mit eigenem Kopf
Francis Sutton – ihr charakterschwacher Bruder
Sutton – ihr Vater, begeisterter Forscher
Alphonse Lambaire – verbrecherischer Unternehmer
George Whitey – sein Komplize
Peter Musk – liebenswerter Fan von „Schundliteratur“
Mr. Grene – der beflissene Sekretär
Coals - Kleinganove
Amtmann Sanders – Regierungsbeamter in Afrika


Handlung:

In Afrika macht sich eine Expedition auf die Suche nach einem vermuteten Diamantenfeld, mitten hinein ins berüchtigte Alebi-Land. Angeführt wird sie von einem gewissen Sutton. Die Monate vergehen, die Abenteurer sind verschollen, der für das Kolonialgebiet zuständige Bezirksamtmann Sanders kommt durch eine Verquickung von Umständen in den Besitz einer Karte, die von Sutton angefertigt wurde und die die Position der angeblichen Diamantenmine verzeichnet. Das Dokument wird Miss Cynthia Sutton, dem ältesten der beiden in London lebenden Kinder des Forschers, zugestellt. Bald schon machen sich der schwergewichtige Alphonse Lambaire sowie dessen Kumpel George Whitey an den jungen Francis Sutton, den etwas wankelmütigen und verführbaren Bruder der charakterfesten Cynthia, heran. Lambaire war der sehr zwielichtige Geldgeber der Expedition ihres Vaters, hatte sich aber sonst nicht mehr um die beiden gekümmert. Als die Ganoven den betrunkenen Francis in den schlecht beleumundeten Whistlers Club schleppen, wendet sich seine Schwester in ihrer Verzweiflung an einen in der Nähe stehenden Passanten. Tatsächlich gelingt es dem gutaussehenden beherzten Burschen, unter vollem Körpereinsatz den Jüngling wieder aus der Lasterhöhle herauszuholen und seiner dankbaren Schwester zurückzuerstatten. Der Retter in der Not, Mr. Ambrose Grey, eigentlich überall nur Amber genannt, war selber eben erst aus dem Gefängnis entlassen, welches er nicht das erste Mal von innen gesehen hatte. Trotz dieses Vorlebens scheint er ein ehrsamer und geradliniger Bursche zu sein. Er hat sich bei seinem Freund, dem verträumten Leser von Wildwest-Schmökern Peter Musk, in dessen kleiner Wohnung einquartiert. Immer wieder kreuzt er jetzt den Weg der beschriebenen Personen, wobei er sich voll auf die Seite der schönen Cynthia schlägt. Aber Lambaire und Whitey bemühen sich sehr, ihn in einem schlechten Licht erscheinen zu lassen. Dabei sind die beiden, die in einem seltsamen Abhängigkeitsverhältnis zueinander stehen, alles andere als Engel. Neben vielen dunklen Tätigkeiten kann man ihnen auch Falschgeldherstellung und -verbreitung in großem Stil vorwerfen, wobei sich Amber gezielt dieses Delikt zum Ziel seines Angriffs macht.
Die Handlung des Romans wogt so beträchtliche Zeit hin und her, Entscheidendes passiert nicht, aber nach längerer Zeit sind die Beteiligten auf dem Weg nach Afrika. Der verschlagene Lambaire hatte dem alten Sutton einen getürkten Kompass mitgegeben, mit dem man sämtliche Positionsdaten der Expedition verfälschen, aber auch seine eigene Sicherheit aufs Spiel setzen musste. In Verbindung mit der Karte und dem naiven Francis Sutton als Faustpfand versuchen die Verbrecher, die Diamantenmine zu finden, was aber in einem opferreichen Unternehmen misslingt. Auf dem Rückweg lässt man den kranken Francis zurück. Da tritt nun wieder der listige Amber in Aktion. Der hat in der Zwischenzeit eine Korrektur seiner zweifelhaften Vita erfahren und sich näher mit der attraktiven Cynthia befasst, was diese durchaus zu schätzen wusste. Amber macht auf den Spuren der Ganoven in Afrika eine verblüffende Entdeckung…
Wieder zuhause in England, versuchen Lambaire und Whitey ihre schlüpfrigen Geschäfte weiter zu führen und schrecken auch vor Gewalt nicht mehr zurück. Doch es ist natürlich zu spät, das Gute siegt mit Liebesglück und Reichtum, während den Ganoven ein unangenehmeres Schicksal beschieden ist.


Bewertung:


Mit diesem Buch wollte Wallace wohl einen Zwitter zwischen Abenteuer- und Kriminalroman schreiben. Es ist sowohl als Krimi als auch als Afrikabuch herausgegeben wurden, was nichts daran ändert, dass es, grob formuliert, zu beidem recht wenig taugt. Ist einfach zu viel Gerede und zu wenig Handlung. Sicher ist das Ziel erkennbar, die Figuren psychologisch tiefer als üblich auszuleuchten. Doch das entschädigt nur wenig. Die als Superverbrecher eingeführten Lambaire und Whitey gehen sehr zögerlich voran, ihre handgreifliche Aktion am Ende kann nun auch nicht mehr viel an Spannung retten. Da ist das Pulver dann sprichwörtlich schon verschossen. Am besten sind noch die Episoden in Afrika geraten, wo der Autor auch auf seine sich gerade etablierende Lieblingsfigur Sanders zurückgreift, welcher aber gar nicht mal so viel zum Gelingen für die Sache des Guten beiträgt. Der Gegensatz zwischen dem Geschehen auf dem schwarzen Kontinent, wo der Tod allgegenwärtig ist, und dem geregelten Leben im zivilisierten London, ist schon recht augenfällig. Kämpfe, Folter und Krankheiten sind auf den Expeditionen die ständigen Begleiter. Die Ränke um die geheimnisvolle Karte samt des „gefakten“ Kompasses sind einigermaßen originell, aber letztlich auch etwas wirr umgesetzt worden. Doch ist der exotische Teil des Buches wenig umfangreich geraten.
Der männliche Held Amber, eine Figur mit anrüchigem Leumund, die aber auf der Seite der positiven Mitspieler steht, ist von Edgar Wallace später ja noch recht oft eingesetzt worden. Ebenso die hübsche und selbstbewusste junge Frau, wie sie Cynthia darstellt, sowie der noch jüngere Bruder, der in die Fänge der dunklen Mächte gerät, aber zum Manne gereift aus der Affäre hervorgeht (man denke nur an den Frosch).
Auch bei diesem frühen Roman sind schon die Stereotype vorhanden, und seien es nur Nebenfiguren wie der undurchsichtige Sekretär Grene (der wallace-typisch dann vollkommen vergessen wird) oder der notorische Kleinkriminelle Coats, der zu Handlangerdiensten angeheuert wird. Fehlen darf auch nicht der verschrobene und liebenswürdige Helfer der Helden, hier Peter Musk, so eine Art Karl-May-Leser auf britisch.
Der ewige Traum vom Reichtum, diesmal durch einen Diamantenschatz, ist wie bei vielen Werken des später noch sehr produktiven Schriftstellers zu finden.
Aber, wie gesagt, es hapert wirklich an Spannung, und da es auch kein Rätselraten um einen vermummten Mörder gibt, war das Treiben um den Besitz der ominösen Diamantenmine für mich eher enttäuschend.


Leseexemplar:

Es gibt da die Jubiläumsedition von Goldmann aus den frühen Neunzigern, aber auch eine Doppelausgabe von Hesse & Becker zusammen mit Bones in London, Band 5 der Afrika-Erzählungen. Angaben zum Übersetzer und ähnliches fehlen dort völlig. Ist möglicherweise sogar die Goldmann-Übertragung. Der Roman hat gut 180 Seiten.


Verfilmung:

Der Diamantenfluss wurde schon sehr früh in England verfilmt, aber nie in Deutschland.

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