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Dieses Thema hat 3 Antworten
und wurde 93 mal aufgerufen
 Romane
horatio Offline




Beiträge: 577

12.06.2010 21:50
#1 A.S. der Unsichtbare (1922) Zitat · antworten

Einer meiner Lieblingsromane bei Edgar Wallace ist

A.S. der Unsichtbare

Kurzbeschreibung: Fast jede Nacht verließ der reiche Mr. Merrivan heimlich sein Haus. Wohin er ging, interessierte niemanden - bis er getötet wurde. Man fand seine Leiche im Arbeitszimmer. Die Pulverspuren auf seiner weißen Weste verrieten, dass er aus nächster Nähe erschossen wurde. Seltsamerweise trug Mr. Merrivan zum Abendanzug unförmige, lehmverkrustete Stiefel ...

Auch wenn die unvermeidliche Liebesstory wieder vorhanden ist, war es doch spannend zu lesen, allem voran der Beruf des ehrenwerten Mr. Wilmot, der es zu verheimlichen wusste, waren es den Spaß, das Buch zu lesen, wert.

Während des Lesens hab ich mir Gedanken gemacht, ob dieses Buch nicht auch eine tolle Filmvorlage gegeben hätte ...

Mein Besetzungsvorschlag:

Andrew Macleod: Joachim Fuchsberger
Stella Nelson: Karin Dor
Kenneth Nelson: Dieter Borsche
"Vier-Augen-Scottie": Pinkas Braun
Mr.Merrivan. Werner Peters
Mr.Artur Wilmot: Dieter Eppler
Sweeny: Klaus Kinski
Mrs.Crafton-Bonsor: Mady Rahl
Hausmeister Johnston: Friedrich Joloff

Das wär ein Spaß geworden!

horatio
"Irgendeiner muß es ja gewesen sein!"

Mr. Igle Offline




Beiträge: 79

21.09.2015 19:13
#2 RE: A.S. der Unsichtbare (1922) Zitat · antworten

A. S. DER UNSICHTBARE, Original: The Valley of Ghosts, 1922, dt. Übersetzung A. S. der Unsichtbare von Jürgen Abel für den Scherz Verlag, 1. Auflage 1983.

Inhalt:

Ermittler Andrew McLeod kommt in das verschlafene Örtchen Beverly Green, um den dort untergetauchten Kleinganoven Scottie festzunehmen. Kurz vor seinem Abtransport macht der erfahrene Langfinger merkwürdige Andeutungen über bevorstehendes Unheil. Manch einer hätte die Hinweise des Verbrechers als plumpes Geschwätz abgetan, aber McLeod kennt Scottie zu lange, um eine solche Warnung auf die leichte Schulter zu nehmen. Auch er selbst verspürt rasch ein Klima der diffusen Bedrohung in Beverly Green. Dabei bekommt es der hartgesottene Polizeiarzt ansonsten nicht so schnell mit der Angst zutun. Aber McLeod wittert eine tödliche Gefahr und quartiert sich mehrere Tage vor Ort ein. Verdächtige gibt es mehr als genug: Boyd Salter verlässt wegen einer mysteriösen Krankheit nie das Haus. Darius Merrivan, der Mäzen der Siedlung, hat viele Geheimnisse. Sein Neffe Arthur Wilmot ist nicht minder verschwiegen, weis doch keiner der Einwohner welcher Tätigkeit der umtriebige Junggeselle in Wahrheit nachgeht. Ferner wecken der dubiose Sweeny, der verschrobene Maler Kenneth Nelson und seine verschlagene Tochter Stella das Misstrauen McLeods. Und dann gibt es da noch den mysteriösen Abraham Selim, den bisher nie ein Mensch gesehen hat, aber nahezu jeder fürchtet. Wer in die Fänge von "A. S. dem Unsichtbaren" gerät, den richtet er mit Erpressung und Grausamkeit zugrunde. Und tatsächlich braucht McLeod nicht lange zu warten. Eines Nachts wird Merrivan brutal ermordet. Dem Ermittler stellen sich mehrere Fragen: Wer hatte den steinreichen Wohltäter noch spät am Abend besucht, wer versteckt sich hinter den Initialen A. S. und wieso trug der Ermordete grobschlächtige, lehmverkrustete Stiefel? McLeod kommt kaum zum Nachdenken, denn alsbald meldet man ihm die Entdeckung einer weiteren Leiche ...

Besprechung:

Auf diesen Roman war ich besonders gespannt, da er von den Wallace-Lesern so konsequent gegensätzlich bewertet wird, wie kaum ein anderes Werk des Autors. Die Einschätzungen schwanken von "schlecht" bis "sehr gut". Nach der Lektüre des Romans kann ich diese unterschiedlichen Meinungen sehr gut nachvollziehen, bietet das Werk doch viele Aspekte, die man sowohl positiv, als auch negativ werten kann. Ich persönlich war etwas irritiert, dass der Aspekt des Transzendentalen, den der Originaltitel ja bewusst impliziert, erst sehr spät im Roman und dann auch nur recht beiläufig eine Rolle spielt. Wie nicht selten bei Edgar Wallace fügen sich am Ende alle Hinweise und Spuren sehr glaubhaft und mit detaillierter Raffinesse zu einem großen Ganzen zusammen. Das Problem liegt meines Erachtens in der Verworrenheit des Stoffes. Er wird im ersten Drittel von einer starken Spannung getragen, die jedoch bis zum Ende hin immer mehr abflacht. Einige Nebenaspekte der Geschichte ziehen sich in ihrer Schilderung sichtlich dahin und bremsen somit den Storyfluss. Außerdem gibt es einige Brüche in der Handlung. Kurzum: Die vielen durchaus interessanten Fragen und Rätsel halten den Leser in den zwei folgenden Dritteln des Buchs nur leidlich bei der Stange, da bis zur Auflösung kaum mehr etwas Nervenaufreibendes geschieht.

Auch die Lösung bietet letztlich keine große Aktion oder Spannung. Sie kommt bei gewissen Aspekten zwar überraschend daher, kann aber in einem zentralen Punkt den Leser auch nachhaltig verprellen. Und das ist wohl auch der Grund, weshalb manche Rezensenten der Geschichte eher wenig abgewinnen können. Dennoch ist der Roman in den Details durchaus überzeugend und besonders das Rätsel um den mysteriösen und unheimlichen Abraham Selim und die merkwürdigen Geheimnisse der Vergangenheit wissen zu gefallen. Die vielseitigen Figuren tun ihr Übriges dazu. Ich persönlich würde den Roman, was die Qualität im Gesamtwerk angeht, irgendwo in der Mitte platzieren. Es ist weder ein schwaches, noch ein überdurschnittlich gelungenes Buch. Gepflegter Wallace-Standard; das trifft es wohl am besten.

Die Charaktere dieses Werks fallen insgesamt individueller als gewöhnlich bei Wallace aus. Die beiden Hauptfiguren Andrew McLeod und Stella Nelson sind sehr plastisch und vielseitig beschrieben. Die obligatorische Liebesgeschichte darf natürlich nicht fehlen, aber sie hält sich angenehm dezent im Hintergrund, ohne den Fall zu sehr zu beeinflussen. McLeod ist als Polizeiarzt nicht nur vom Berufsstand, sondern auch von der Personenzeichnung her eine gute Abwechslung von den sonstigen Inspektor-, Detektiv-, Anwalts- und Reporter-Typen. Die weibliche Hauptfigur Stella Nelson ist insgesamt auch eine Bereicherung. In der Summe ist sie zwar keine starke Frau, hebt sich aber doch sichtlich von so manchen naiven Erbinnen und Töchterchen aus anderen Werken ab. Aufgrund der Vorgeschichte geht sie auch ihre eigenen Wege und hat teilweise ihre ganz eigenen Kämpfe auszutragen. Die Verdächtigen sind auch sehr schön beschrieben, wobei man einige kleinere Charaktere noch hätte aufwerten können, um den Verdächtigenkreis zusätzlich zu verstärken. Die Nebenfiguren des Sensationsreporters Downer und des Kleinganoven Scottie sind dem Altmeister besonders gut gelungen.

Fazit:

Der Roman gehört zu den eher unbekannteren Büchern von Wallace und dass keineswegs zu unrecht. Es ist kein großer Wallace-Roman und für einen echten Geheimtipp sind die Schwachpunkte des Werks doch einen Tick zu deutlich ausgeprägt. Dennoch kann A. S. der Unsichtbare mit verworrenen Ereignissen, unheimlichen Vorgängen und der rätselumwobenen Titelfigur eine gute Spannung erzeugen. Unterm Strich ein ordentlicher Wallace-Roman, der in der zweiten Hälfte jedoch fast durchweg Geradlinigkeit und Thrill vermissen lässt.

Meine Wertung: GUTER DURSCHNITT

"Entspannen Sie sich, durch Hochspannung!"

Dr. Oberzohn Offline



Beiträge: 80

10.08.2018 20:34
#3 RE: A.S. der Unsichtbare (1922) Zitat · antworten

@Mr. Igle:
Nach langer Zeit habe ich, inspiriert durch diese Besprechung, mal wieder A.S der Unsichtbare gelesen. Ich hatte die Geschichte als ziemlich schnulzig und langweilig in Erinnerung, aber so schlimm war es denn doch nicht.
Im Großen und Ganzen muss ich Dir Recht geben. Die Figurenzeichnung ist wirklich generell sorgfältiger als bei vielen anderen Romanen von Wallace, etwa der im gleichen Jahr entstandene "Rote Kreis". Allerdings hat dieser Roman wesentlich mehr Handlung und ist auch viel logischer als A.S der Unsichtbare. Bei beiden Büchern geht es um Erpresser, allerdings ist A.S. , Abraham Selim, ein Geldverleiher, den niemand kennt und der nur Geld an Personen ausleiht, deren Geheimnisse er kennt und von denen er Wucherzinsen verlangen kann.
Abraham Selim ? Andy Macleod fragt denn auch in aller Unschuld, ob er denn mit diesem Namen jüdische oder arabische Wurzeln habe. Das war für die deutsche Nachkriegsleserschaft offenbar nicht vertretbar, so dass diese Textpassage in der Taschenkrimiausgabe selbstverständlich gelöscht und der Name des Wucherers sicherheitshalber in "Albert" Selim umbenannt wurde - auch wieder mal ein Beispiel für Verfälschungen in Wallace-Romanen.
Andy Macleod, der verliebte Polizeiarzt, Stella Nelson, die verzweifelte junge Frau, Kenneth Nelson, der Alkoholiker, Scottie, der liebenswerte Einbrecher, Mr. Downer, der recht kaltherzige Reporter, usw. ..., diese Figuren sind vom Autoren wirklich plastisch und glaubhaft geschildert. Leider kann man das von der verworrenen Handlung nicht behaupten. Es gibt wieder eine Menge Zufälle: eine Millionärin, die sich als das gesuchte verschollene Dienstmädchen herausstellt, ein zufälliges Treffen von Mr. Downer mit Stella Nelson in einem geheimen Haus in London und als Zugabe ist im gegenüberliegenden Haus zufällig auch noch eine Filiale von Mr. Wilmots Hutgeschäft... uijuijui !
Macleod, der Kriminalist, stellt irgendwann einen Kerzenstummel sicher, den der Täter eventuell mal angefasst haben könnte, und ist mächtig stolz auf seinen Einfall. Als aber die gepflegte Hand des Mörders hinter dem Vorhang herauskommt und das Licht ausdreht, da vergisst er seltsamerweise, Fingerabdrücke vom Lichtschalter zu nehmen, was ja nun das Naheliegendste wäre... Nein, ein Ausbund an logischer Polizeiarbeit ist der Roman wirklich nicht, das Ende ist zwar eigentlich recht verblüffend, aber genaugenommen auch nur zufällig. So richtig Spannung kommt wirklich selten auf.
Ich würde den Roman denn auch im Mittelfeld einordnen.
Was mich immer bei den Wallace-Büchern und auch speziell bei diesem nachdenklich macht, ist die Leichtigkeit, mit der damals jemand unter irgendeinem Namen leben konnte. Solange er seine Steuern ans Finanzamt entrichtet hat und sonst nicht irgendwie auffiel, war es den Behörden offenbar vollkommen egal, wie er sich nannte und was er trieb und wo er sein Geld liegen hatte. Wenn man das mit heute vergleicht, wo wirklich jeder A.... auf irgendeinem Amt in den privatesten Dingen und auf jedem Konto herumschnüffeln kann und der normale dumme Steuerzahler ja schon in Allem unter Generalverdacht steht, da fragt man sich wirklich, ob es damals zu Zeit von Edgar Wallace nicht doch richtiggehend die berühmten bürgerlichen Freiheiten gegeben hat, von denen heute immer geschwätzt wird, die aber immer mehr verschwinden. Das war da mit Sicherheit besser, obwohl einem ja nur immer das Bild vermittelt wird, es hätte nur Ausbeutung und Unterdrückung zu dieser Zeit gegeben. Ist aber nur eine Seite der Medaille !
In diesem Fall kann die Lektüre dieser Krimis wirklich auch ein realistischeres Bild der Epoche vor dem zweiten Weltkrieg geben.

Gubanov Offline




Beiträge: 15.570

10.08.2018 20:52
#4 RE: A.S. der Unsichtbare (1922) Zitat · antworten

Interessante Gedanken, die über den Roman hinausgehen. Wir bewegen uns hier wohl auf dem altbekannten Grat zwischen Freiheit und suggierter Sicherheit. Zum Buch: "A.S. der Unsichtbare" war der erste Wallace-Roman, den ich in der Weltbild-Edition gelesen habe; das muss so um 2002/03 herum gewesen sein. Ich habe deshalb leider absolut nicht mehr die geringste Erinnerung an die Qualität oder gar Details der Story, habe das Buch aber in der tendenziell eher positiven Ecke abgespeichert.

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