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Dieses Thema hat 2 Antworten
und wurde 27 mal aufgerufen
 Film- und Fernsehklassiker national
Gubanov Offline




Beiträge: 15.570

03.11.2015 20:15
#1 Diesel (1942) Zitat · antworten



Gerhard Lamprechts Diesel

Filmbiografie, D 1942. Regie: Gerhard Lamprecht. Drehbuch: Frank Thieß, Gerhard Lamprecht, Richard Riedel (Buchvorlage „Diesel: Der Mensch, das Werk, das Schicksal“: Eugen Diesel). Mit: Willy Birgel (Rudolf Diesel), Hilde Weißner (Martha Diesel), Paul Wegener (Direktor Buz), Josef Sieber (Martin), Arthur Schröder (Lucian Vogel), Hilde von Stolz (Frau von Lorenz), Erich Ponto (Theodor Diesel), Werner Pledath (Professor Linde), Herbert Gernot (Krumper), Walter Janssen (Professor Barnickel) u.a. Uraufführung: 13. November 1942. Eine Produktion der Ufa-Filmkunst GmbH.

Zitat von Diesel
Das Kompressionsfeuerzeug, das ihm sein Pflegevater in Kinderjahren schenkte, inspiriert Rudolf Diesel zur Erfindung eines Motors, der als erster nicht auf dem Prinzip der Dampfmaschine basiert und damit deutlich mehr Kraft aus dem eingesetzten Treibstoff herausholen kann. Bevor „dem Diesel sein Motor“ jedoch funktionstüchtig und serienreif ist, bedarf es einiger Überzeugungsarbeit bei konservativen Professoren und Wirtschaftsvertretern sowie Tüfteleien, die die Gesundheit des Erfinders stark strapazieren. Selbst nach der Perfektionierung des Konstrukts müssen einige Neider besiegt werden ...

Zitat von Diesel (1942). Wikipedia.org, 14. April 2015
Der Film steht in der Tradition diverser anderer Großproduktion des Dritten Reichs, mit denen vor allem zwischen 1939 und 1943 überlebensgroßer Persönlichkeiten der deutschen bzw. mitteleuropäischen Geschichte aus Politik, Kunst und Wissenschaft gehuldigt werden sollte. Darunter fallen Robert Koch, der Bekämpfer des Todes, Friedrich Schiller – Der Triumph eines Genies, Bismarck, Der große König, Ohm Krüger, Rembrandt, Andreas Schlüter und Paracelsus. Die Intention hinter diesen in der Regel sehr teuer und aufwendig produzierten und hochkarätig besetzten Filmbiografien war durchgehend eine politische: Es galt, eine Analogie zu Adolf Hitler und dessen von der NS-Propaganda behauptetem „Genie“ herzustellen.


Eine staatspolitische Absicht muss der wesentliche Grund für die Herstellung des Films „Diesel“ gewesen sein, stellt er sich doch abseits der von den drei Drehbuchautoren eher künstlich bemühten Dramatik als ein eher lapidares Werk dar, das für jeden, der kein gezieltes Interesse an Motorenkunde besitzt oder genereller Liebhaber biografischer Skizzen ist, eher schwer verdaulich ist. Trotz starker Darsteller – allen voran Willy Birgel, aber auch Paul Wegener, Erich Ponto und Walter Janssen – bleibt die Geschichte, die nur von der Verbissenheit des Erfinders vorangetrieben wird, spannungsarm und vorhersehbar, die ideologische Schlagseite plump, wenngleich recht effektiv.



Der Zuschauer bekommt in unverhohlener Deutlichkeit vorgeführt, wie ein Mann „für die Sache“ Gesundheit und Familienglück aufs Spiel setzt. Die Schlussworte des als weiser Mann gezeichneten Maschinenfabrikanten Buz – „Das ist das Los aller Großen. So will es ein dunkles Gesetz. Das Samenkorn muss sterben, damit die Frucht lebe. Und der Mensch muss verbrennen an seinem Werk, damit es lebe und siege für kommende Geschlechter.“ – lassen sich eher auf den Zweiten Weltkrieg als auf Diesels Lebensleistung projizieren, gerade nachdem sich im Kriegsverlauf des Jahres 1942 einige Abweichungen von den Plänen der Heeresführer ergeben hatten und dem Volk zusätzliches Durchhaltevermögen abgefordert werden musste (man denke nur an die zum Uraufführungszeitpunkt gerade in vollem Gange befindliche Schlacht um Stalingrad). Vor diesem Hintergrund ist auch klar, dass der Film mit einem deutlichen, aber entbehrungsreichen Triumph endet. Für Realitätstreue bleibt da kein Spielraum: Diesels mysteriöses Verschwinden – eventuell Selbstmord – an Bord eines Kanaldampfers auf der Überfahrt nach England im Jahr 1917 wird beispielsweise mit keinem Wort erwähnt, weil es nicht in das Konzept des Heldenportäts hineinpasst.

Georg Krauses Kamera ergötzt sich an dem Kontrast zwischen den schwarzen, ratternden Stahlungetümen und der repräsentablen Luftigkeit der Pariser Weltausstellung von 1900. Hilde Weißner spielt die Ehefrau Diesels, die hier und da einen neuen Hut tragen oder an die Gefühle ihres Ehemannes appellieren darf, der sonst aber eine sehr untergeordnete Position im Verlauf der Handlung zukommt. Ebenso wie das Schlachtfeld wird das Erfindertum als Männerdomäne angesehen, für das es weiblichen Wesen an Verständnis, Mut und der Kraft, visionäre Ideen hervorzubringen, fehlt. Wo immer es für Rudolf Diesel um Kopf und Kragen geht, sitzt Martha Diesel außerhalb der Szene und bangt passiv um das Wohlergehen ihres Gatten. So z.B. auch in einer Szene, die das Berliner Patentamt mit dem gegenüberliegenden Lokal „Am Patentamt“ zeigen soll (= Café Hildebrandt in „Im Stahlnetz des Dr. Mabuse“), in der man die alte, urige Eckkneipe aus Gründen der Vorzeigbarkeit allerdings gegen ein großes, elegantes Kaffeehaus eintauschte.

Den Sinn einer Biografie, das Leben der beschriebenen Person so darzustellen, wie es war, erfüllt der Film „Diesel“ mit seiner mangelhaften historischen Akkuratesse und der deutlichen nationalsozialistischen Verbrämung nur in unzureichem Maße. Der Beschriebene muss stattdessen ohne seine Einwilligung als Propagandainstrument herhalten. Selbst gute Darstellerleistungen können über diesen Konflikt des Films, der von einer eher lustlosen, stellenweise ins Boulevardistische tendierenden Regieführung noch betont wird, nicht hinwegtäuschen. 2 von 5 Punkten.

c.n.-tonfilm Offline




Beiträge: 133

04.11.2015 20:15
#2 RE: Diesel (1942) Zitat · antworten

Wie lang ist denn "Diesel" auf der DVD? Die Originallänge beträgt 2995 Meter = 105'05 (25 B/S). Die Wiederaufführungsfassung 1951 wurde auf 2369 Meter = 83'07 (25 B/S) gekürzt. Die alte VHS von Toppic lief gar nur noch 2296 Meter = 80'34 (25 B/S). Außerdem erhielt die Nachkriegsfassung einen neuen Schluß, in dem ein moderner Hochleistungszug anno 1954 gezeigt wird. Dieser Schluß war auch auf der Toppic-VHS. Endet die DVD auch so?

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Filme im falschen Bildformat sind wie ein Gemälde, aus dem ein Dieb den Teil herausgeschnitten hat, der ihm am wichtigsten erschien, weil das Bild als Ganzes nicht durchs Fenster passte.

Alte Kinofilme nach Jahrzehnten nachträglich neu zu synchronisieren ist wie Süßstoff in einen guten alten Wein kippen: ungenießbar-pappige "Spätlese".

Was wären Jack Lemmon, Danny Kaye, Peter Sellers, Bob Hope und Red Skelton im deutschsprachigen Raum ohne die Stimme von Georg Thomalla ?

Gubanov Offline




Beiträge: 15.570

04.11.2015 21:44
#3 RE: Diesel (1942) Zitat · antworten

Die Laufzeit von "Diesel" beträgt auf der DVD 1:29:08 (gemessen mit CyberLink Power DVD). In dieser Spielzeit enthalten ist eine anfängliche achtsekündige Einblendung der FWM-Stiftung- und Transit-Film-Logos.

Zur Frage nach der Schlussszene habe ich dir eine PM geschickt.

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