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Dieses Thema hat 4 Antworten
und wurde 219 mal aufgerufen
 Film- und Fernsehklassiker national
Gubanov Offline




Beiträge: 14.920

24.11.2017 19:15
Der Hammermörder (1990, TV) Zitat · antworten

Bereits im April dieses Jahres veröffentlichte Studio Hamburg in Kooperation mit ZDF Enterprises das Fernsehkriminalspiel „Der Hammermörder“ von 1990 auf DVD. Der mit mehreren Preisen ausgezeichnete Krimi wurde von Artur Brauner produziert und basiert auf einem realen Fall. Die DVD kommt, wie von Studio Hamburg gewohnt, leider absolut barebones daher und wartet auch lediglich mit „zufriedenstellender“ Bildqualität auf. Der ungewöhnlich dramatische Fall lohnt aber dennoch einen Kauf, wenn man ihn noch nicht als Privataufnahme besitzt.

Gubanov Offline




Beiträge: 14.920

02.12.2017 21:45
#2 RE: Der Hammermörder (1990, TV) Zitat · antworten



Der Hammermörder

TV-Kriminaldrama, BRD 1990. Regie: Bernd Schadewald. Drehbuch: Fred Breinersdorfer (Romanvorlage: Fred Breinersdorfer). Mit: Christian Redl (Erich Rohloff), Ulrike Kriener (Christa Rohloff), Silvan Oesterle (Steffen), Timmy Vetter (Andy), Ulrich Pleitgen (Soko-Beamter), Oliver Stritzel (Kreditsachbearbeiter), Verena Plangger (Monika), Walter Kreye (Kurt), Christoph Hofrichter (Kostmann), Peter Rühring (Allgöver) u.a. Erstsendung: 3. September 1990, ZDF. Eine Produktion der CCC-Television GmbH Berlin für das Zweite Deutsche Fernsehen.

Zitat von Der Hammermörder
In Stuttgart und Umgebung werden kleine Bankfilialen von einem Maskierten überfallen, der mit einem Vorschlaghammer das Sicherheitsglas der Bankschalter zerschlägt und die Angestellten dann mit einer Pistole bedroht. Von den Tatorten flieht der Verbrecher mit gestohlenen Wagen, deren Besitzer er zuvor umbrachte. Die Spuren deuten darauf hin, dass der „Hammermörder“, wie er genannt wird, in Polizeikreisen zu suchen ist. Seine Kollegen würden aber nie darauf kommen, dass sich der von dauerhaften Geldsorgen geplagte Polizist Erich Rohloff unter der Maske verbirgt. Wann wird seine Frau ihm auf die Schliche kommen?


Weniger ein atemberaubender Krimireißer oder gar ein Polizei-Ermittlungs-Film, sondern ein ausgewachsenes Familiendrama ist die TV-Produktion „Der Hammermörder“, die ihre Hauptaufgabe darin sieht, die Taten des realen Vorbilds Norbert Poehlke, der sechs Menschen tötete, durch die Augen des Mörders zu rekapitulieren. Der TV-Film zeichnet dabei das Milieubild eines wutzerfressenen Kleinbürgers, der sich finanziell völlig übernommen hat und dessen verzweifelte Versuche, trotz chronischer Geldknappheit eine nach außen hin intakte Fassade zu wahren, in ihm brutale Skrupellosigkeit sowie die verzweifelte Bereitschaft, auch das Undenkbare zu tun, auslösen.

Auch wenn es nie explizit „verraten“ wird, so weiß der Zuschauer doch fast von Anfang an, dass sich unter der Sturmhaube des Hammermörders der Polizist und Familienvater Erich Rohloff verbirgt. Diesen haben nicht nur ein unüberlegter Hausbau sowie eine schöne, aber verantwortungslose Ehefrau in den Ruin getrieben; er ist auch vom Krebstod seiner jüngsten Tochter psychisch und finanziell belastet, sodass er seine beiden verbleibenden Söhne gluckenhaft umhegt und dem Rest der Welt soziopathische Kälte entgegenbringt. Diese spiegelt sich auch in seinen Taten wider, deren inherente Widersprüche (warum die übertriebene Gewalt, warum die vorsätzlich zurückgelassenen Spuren?) nur bruchstückhaft beleuchtet werden, sich teilweise aber auch aus dem psychologisch anspruchsvollen Zusammenspiel der Familienmitglieder und Arbeitskollegen ergeben.

Zitat von Rainer Tittelbach: Fernsehfilm „Der Hammermörder“, Tittelbach.TV, Quelle
Erklärungen für das Verhalten des Mörders, beispielsweise seine krankhafte Geltungssucht, werden nur angedeutet. In der Gewalt finden die unterdrückten Gefühle ein Ventil. Und so tötet der Hammermörder für ein Auto, mit dem er einen Überfall durchzieht, bei dem er gerade mal 5000 Mark erbeutet. Dieser Mann steckt voller Wut und verdrängter Emotionen – auch gegenüber seiner Frau. Erst kurz vor dem tragischen Ende zeigt dieser Erich Rohloff ganz viel von seinem wahren Gesicht [...]. Mit psychologischem Realismus ist diesem kranken Charakter nicht beizukommen. Und so lässt Breinersdorfers Stilisierung der Sprache Rohloffs diesen rigiden Psychopathen wie einen vom Über-Ich fremd gesteuerten Menschen erscheinen.




Das „Lexikon des Internationalen Films“ lobt den „Hammermörder“ für seine intensive, verstörende Atmosphäre:

Zitat von „Der Hammermörder“, Lexikon des Internationalen Films, Quelle
Ein kammerspielartiger Kriminalfilm nach einem authentischen Fall, der sich ohne aufregende Effekte auf die Entwicklung einer kleinbürgerlichen Katastrophe konzentriert und durch seine guten Hauptdarsteller Intensität und Dichte erzielt.


In diese lobenden Töne kann auch ich nur einstimmen, gelingt es doch vor allem Christian Redl, die Tragik seiner Rolle eines gescheiterten Mannes voll zum Ausdruck zu bringen. Engstirnigkeit, unterdrückte Gefühle und dauerhaft schwelende Konflikte machen ihn zu einer tickenden Zeitbombe, was Redl ohne übertriebene Melodramatik, aber mit zunehmener Entfesselung auf dem Bildschirm ersichtlich macht. Auch Ulrike Kriener als seine Filmehefrau muss positiv hervorgehoben werden, denn sie meistert einen schwierigen Part zwischen unterdrückter Opferfrau und lasterhaft-fauler Zimtzicke. Alles in allem ist Regisseur Bernd Schadewald ein dickes Lob für die hervorragende Schauspielerführung auszusprechen, das um eines für Fred Breinersdorfers natürliche Dialoge und eines für Ingo Hamers rastlose, aber nicht unruhige Kameraarbeit ergänzt werden sollte.

Auch wenn die Szenen im Hause der Rohloffs den größten Raum einnehmen, so kommt es immer wieder zu Ausblicken darüber hinaus, die z.B. das Berufsleben des Polizisten, die schwierigen Kontakte der Eheleute mit der Bank sowie kleine Momente idyllischen Glücks (im Zoo oder im Reisebüro) umfassen. Letztere werden jedoch immer gleich wieder von Ernüchterungen einkassiert; nicht selten folgt auf neu geäußerte Wünsche die Notwendigkeit eines weiteren Bankraubs. Diese werden kurz und sachlich, aber spannungsfördernd eingebunden; wirklich zum Nägelkauen wird der Zuschauer aber eher durch das in seiner Offenheit absolut schockierende Ende gebracht werden. „Der Hammermörder“ schließt mit Szenen, die ein Schlag in die Magengrube und aus dem sonst von Superermittlern vom Schlage eines Tappert oder Lowitz dominierten deutschen Fernsehkrimi umso krasser herausragen.

Als „Psychogramm eines [...] Gefühlskrüppel[s]“ bezeichnet Fernsehkritiker Rainer Tittelbach den „Hammermörder“. Dieser Krimi bietet mehr als Durchschnittskost und ist damit auch ein Stückweit schwerer zu verdauen. Das mitreißende Spiel von Redl und Kriener sichert der Produktion einen dramatischen Höhepunkt nach dem anderen. Daher eine mit 4,5 von 5 Punkten verbundene ausdrückliche Empfehlung, auch wenn polizeiliche Aspekte des Originalfalls in Ermangelung eines Einblicks in die Sonderkommission der Kripo praktisch nicht vorkommen.

Jan Offline




Beiträge: 1.230

02.12.2017 23:42
#3 RE: Der Hammermörder (1990, TV) Zitat · antworten

Ich habe den Film vor Jahren das letzte Mal gesehen und habe auch sehr gute Erinnerungen daran. Dass der Film tatsächlich von der CCC produziert wurde, war mir interessanterweise nie bewusst. Ich werde da bald auch einmal wieder einen Blick riskieren!

Gruß
Jan

greaves Offline




Beiträge: 315

04.12.2017 20:23
#4 RE: Der Hammermörder (1990, TV) Zitat · antworten

Gerade gestern geschaut

Gubanov Offline




Beiträge: 14.920

04.12.2017 22:15
#5 RE: Der Hammermörder (1990, TV) Zitat · antworten

Aus dem entnehme ich, dass es dir gefallen hat.

PS: Die Stuttgarter Zeitung veröffentlichte einen umfangreichen Bericht über die Taten des echten Hammermörders, als diese sich im Oktober 2015 zum 30. Mal jährten.

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