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Dieses Thema hat 29 Antworten
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 Film- und Fernsehklassiker national
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Percy Lister Offline



Beiträge: 3.352

10.07.2016 14:17
Meine Frau Susanne (1963, TV) Zitat · antworten

BEWERTET: "Meine Frau Susanne" (Deutschland 1963)
mit: Heidelinde Weis und Claus Biederstaedt - Regie: Erik Ode

Der Ehe-Alltag des Paares Susanne und Martin Koldewey steht im Mittelpunkt dieser erfrischenden Serie, die dem heutigen Publikum anschauliche Lektionen über das Leben in den Fünfziger bzw. Sechziger Jahren gibt. Unter diesem Gesichtspunkt werde ich meine kurzen Abhandlungen aufbauen, die von den verschiedenen Aspekten erzählen, die prägend für jene Jahre sind.

1. Das Ehe-ABC
als Gäste: Edith Hancke, Hans Schwarz jr., Gert Günter Hoffmann, Kurt Weitkamp, Dietmar Schönherr



Susanne und Martin kommen nach den Flitterwochen in die gemietete Wohnung in einem Berliner Neubau. Sie machen die Bekanntschaft des Hausmeisters und ihrer Nachbarn und stellen fest, dass man sich auf feste Zusagen von Handwerkern nicht immer verlassen kann. Ihre Geduld wird durch das anfängliche Chaos in den neuen Räumen auf die Probe gestellt und es dauert ein Weilchen, bis alles nach ihren Vorstellungen eingerichtet ist.

"Die Anordnung der Möbel" - Selbst mit modernen Möbeln kann man altmodisch wohnen, wenn man sie nach einem steifen Schema aufstellt und nicht versteht, sich die Möbel in ihren einzelnen Funktionen untertan zu machen. Die Möblierung muss je nach der Form der Räume, nach dem Lichteinfall, nach der Heizung und nach der Lage der Zimmer zueinander erfolgen, und man muss vielleicht sogar einige Male Umstellungen vornehmen, um die beste, also eine harmonische Raumgestaltung zu erreichen. (1)
Martin Koldewey arbeitet als Vertreter für Kosmetik, seine Frau Susanne führt den Haushalt. Ihre Aufgabe ist es, ein behagliches Heim zu schaffen, was durch ihren Übereifer und ihren Hang zur Schusseligkeit nicht so vorbildlich abläuft, wie es zeitgenössische Ratgeber von den nicht berufstätigen Ehefrauen einfordern. Die klassische Rollenverteilung in der Serie spiegelt den Alltag der meisten Ehepaare jener Zeit wider und sorgt immer wieder für kleine häusliche Katastrophen, wenn die Erwartungen des Mannes oder der Frau enttäuscht werden. Während Susanne sich gern verzettelt und über vieles mit Humor hinweggeht, legt Martin großen Wert auf sein "privates Rückzugsrefugium, abgeschottet von der rauen Außenwelt am Arbeitsplatz". (2) Die demokratische Übereinkunft, alle wichtigen Entscheidungen gemeinsam zu treffen, wird noch oft auf die Probe gestellt und führt zu größeren und kleineren Heimlichkeiten.

(1) Erna Horn: Der neuzeitliche Haushalt, Verlag Albert Pröpster Kempten/Allgäu, 1967
(2) Rüdiger Dingemann, Renate Lüdde: Unsere besten Jahre - 50er und 60er, Bucher Verlag, 2011

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.352

10.07.2016 20:37
#2 RE: Meine Frau Susanne Zitat · antworten

2. Zwischen zwei Feuern
als Gäste: Lia Eibenschütz, Sybil Werden, Corny Collins



Susannes Kochkunst beschränkt sich auf einige wenige Gerichte, die sie in ihrer jungen Ehe schon mehrmals zubereitet hat. Um Martin zu beweisen, dass sie eine vorzügliche Hausfrau ist, kommt ihr der Gedanke, das tägliche Mittagessen in einem nahe gelegenen Restaurant zu bestellen. Kurz bevor ihr Mann von der Arbeit nach Hause kommt, bringt ein Serviermädchen das Tablett mit den Speisen und holt es später diskret wieder ab. Dieses Arrangement geht eine Weile gut, bis sich das Mädchen verspätet und Martin im Fahrstuhl begegnet....

"Die Kochkunst als Hauptmittel zur Gesundheitspflege" - Zwei Dinge sind's, die den Menschen vorwärts drängen: Der Hunger und die Liebe, und beide sind wieder eng einander verwandt, sind beinahe untrennbar, denn durch gute Küche erwirbt und erhält sich die Frau die Liebe des Mannes; der Mann wiederum trachtet, dank der Liebe, gutes Essen schaffen zu können. (1) Diese Weisheit der eisernen Erna Horn, die in ihrem in hunderttausendfacher Auflage erschienenen Buch junge Frauen zur strengen Befolgung ihrer Lebensphilosophie anhalten will, scheint auch auf die Koldeweys zu passen. Susanne glaubt, nur mit List und Tücke (und eines überteuerten Restaurant-Abonnements) in der Küche voranzukommen, während Martin sich in blindem Vertrauen darauf verlässt, dass seine Frau alle Tätigkeiten beherrscht, die in einem Haushalt anfallen. Wieder einmal zeigt sich, dass die beiden einander geheiratet haben, ohne die Fähigkeiten des anderen zu kennen und Dinge als gegeben voraussetzen, die sie nie geprüft oder hinterfragt haben. Zum Glück gibt es die patente Schwiegermutter, die so gar nicht dem Klischee entspricht und ihre Hilfe anbietet, um das "Feuer am Dach" zu löschen und den häuslichen Frieden wieder herzustellen.

(1) Erna Horn: Der neuzeitliche Haushalt, Verlag Albert Pröpster Kempten/Allgäu, 1967

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.352

16.07.2016 16:35
#3 RE: Meine Frau Susanne Zitat · antworten

3. Der Fernsehapparat
als Gäste: Edith Hancke, Hans Schwarz jr., Agnes Windeck, Sybil Werden, Joachim Mock, Else Ehser, Hildegard Grethe



Susanne und Martin Koldewey haben sich etwas ganz Besonderes geleistet: ein Fernsehgerät auf Ratenzahlung. Sie freuen sich auf den Moment, in dem die große Welt Einzug in ihr Wohnzimmer halten wird, aber es sind nur ihre Nachbarn, die vom Kauf des Fernsehers Wind bekommen haben und nun Einlass in die gute Stube begehren. Nach und nach ist das halbe Haus bei den Koldeweys versammelt und Martin und Susannes Traum von einem gemütlichen Abend zerplatzt....

"Fernsehen ist Luxus." - Zum Programmstart 1952 sind 4000 TV-Geräte angemeldet, ein Großteil in Gaststätten. Fernsehen ist Luxus, ein Apparat kostet 1000 bis 4000 Mark - ein Vermögen, denn 80 Prozent der Deutschen verdienen weniger als 400 Mark im Monat. (...) Der Fernsehvirus breitet sich immer schneller aus. Ende 1954 sind bereits 61.500 Teilnehmer angemeldet, 1957 ist die Millionenmarke überschritten, 1960 sind es schon vier Millionen Teilnehmer. (3)

Das Ehepaar Koldewey weiß natürlich, was sich gehört, wenn es an der Tür klingelt und sich liebe Freunde oder Nachbarn einfinden: Zum Fernsehen geladene Gäste finden bequeme Stühle schon zurechtgerückt und zwischen je zwei Stühlen jeweils die Imbissteller auf einem Tischchen oder Hocker mit angerichteten Snacks, eine Serviette und Trinkbares. Diskrete, halb abgedunkelte Beleuchtung im Hintergrund lässt die Genießer ihre Verpflegung finden. (1) Eigentlich wollten Susanne und Martin unter sich bleiben, um das neue Gerät exklusiv zu genießen, aber ihre Höflichkeit und ihr Takt verbieten ihnen wieder einmal, auch nur anzudeuten, dass die unangemeldeten Besucher ungelegen kommen. Diese scheinen ebenfalls das Standardwerk von Erna Horn zu kennen und erwarten neben der televisionären Unterhaltung Empfohlenes wie ... einen Mokka oder einen Irish coffé, eine pikante Gulasch- oder Knödelsuppe oder einen interessanten Cocktail.

(1) Erna Horn: Der neuzeitliche Haushalt, Verlag Albert Pröpster Kempten/Allgäu, 1967
(3) GONG Ausgabe 42/2008 Das große Jubiläumsheft

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.352

16.07.2016 20:32
#4 RE: Meine Frau Susanne Zitat · antworten

4. Die Ananasbowle
als Gäste: Ruth Scheerbarth, Otto Czarzki



Susanne und Martin Koldewey erwarten zum ersten Mal Martins Chef und dessen Gattin in ihrer Wohnung. Herr Stein hatte seinen Besuch angekündigt, nachdem Martin um Gehaltserhöhung gebeten hatte. Er möchte sich gern ein Bild von Susanne machen und gleichzeitig das Haushaltsbuch unter die Lupe nehmen. Martin hatte damit geprahlt, wie gewissenhaft seine Frau alle Ausgaben in ein Büchlein eintrage. Leider ist Susanne beim Eintreffen der Gäste so beschwipst, dass er vortäuschen muss, sie wäre krank, was zu weiteren Komplikationen führt....

Susanne Koldewey hätte sich lieber den Rat von Frau Horn zu Herzen genommen: "Die Bereitung einer Bowle will verstanden sein, denn sonst wird aus dem Genuss am andern Tag Missbehagen und Kopfschmerz, also ein Kater. (1)" Die Aufforderung, als gute Hausfrau vor Martins Chef zu glänzen, stachelt Susannes Trotz an und lässt sie ihre Albernheit auf die Spitze treiben. Während Martin ein fingiertes Haushaltsbuch anfertigt, schüttet sie flaschenweise Sekt und Weißwein in die Schüssel, in der die Ananasscheiben höchstens Alibifunktion haben. Martin bemüht sich unterdessen, seine Gäste bei Laune zu halten. Wie sich herausstellt, ist sein Vorgesetzter kräftigen Getränken nicht abgeneigt und bewilligt seinem Angestellten letztendlich die Gehaltsaufbesserung. Erna Horn hätte hierüber nur den Kopf geschüttelt und Susanne Koldeweys Hang zur Geldverschwendung getadelt: "Es gibt keinen besseren Kontrolleur als gerade das Wirtschaftsbuch. Am Schluss des Monats steht sicher manches im Buch, das gespart hätte werden können, hier unnötige Bonbons und dort ein anderer kleiner Luxus. (1)"

(1) Erna Horn: Der neuzeitliche Haushalt, Verlag Albert Pröpster Kempten/Allgäu, 1967

Percy Lister Offline



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17.07.2016 14:44
#5 RE: Meine Frau Susanne Zitat · antworten

5. Ein Bein in Gips
als Gäste: Christian Wolff, Maria Körber, Heinz Spitzner, Lia Eibenschütz, Werner Stock



Martin Koldewey kommt mit einem Gipsbein nach Hause und fällt somit als Vertreter für mehrere Wochen aus. Da er auf seine Verkaufsprovisionen angewiesen ist und fürchtet, dass ihm ein Kollege seinen Kundenstamm abwerben könnte, schlägt Susanne vor, dass sie von Geschäft zu Geschäft gehen und seine Kunden betreuen will. Zunächst ist Martin von dieser Idee nicht erfreut, aber bald darauf hat seine Frau bereits lukrative Aufträge in der Tasche. Das passt ihm nun erst recht nicht und er überlegt, was Susanne anders macht als er, bis eines Nachmittags ein begeisterter Kunde vor seiner Haustür steht....

Die Serie wurde 1960 gedreht und Martin Koldewey vertritt ebenso wie der Gesetzgeber die Meinung, dass verheiratete Frauen in erster Linie für das Wohl der Familie sorgen sollten. "Anders als in der DDR galten berufstätige Frauen in der Bundesrepublik als unerwünschte Ausnahme, erst recht, wenn sie verheiratet waren. Man warf ihnen gerne vor, nur aus "Geltungsdrang" oder "Luxusbedürfnis" erwerbstätig zu sein und deshalb ihre eigentliche Aufgabe für die Familie zu vernachlässigen. Um das zu verhindern, musste der Ehemann als "Familienoberhaupt" erst die Genehmigung erteilen, damit seine Frau einer Berufstätigkeit nachgehen konnte. Er hatte sogar das Recht, ihren Arbeitsvertrag eigenmächtig zu kündigen, wenn Haushalt und Familie "vernachlässigt" wurden. (4)" Das neue Eherecht, das besagt, dass Frauen berufstätig sein dürfen, trat erst am 1. Juli 1977 in Kraft.

Susanne geht in ihrer neuen Arbeit auf und bemüht sich, mit Charme und Tatkraft Bestellungen einzuholen, was ihr aufgrund der Vorurteile der Kundschaft zunächst misslingt. Der Rat ihrer Schwiegermutter geht nach hinten los, denn Susanne spielt die Mitleidskarte aus und schwindelt, sie müsste arbeiten, weil ihr Mann sie misshandelt. Die Tatsache, dass sich die Verkäuferin in der Drogerie Schminke und Parfüm lieber von einem Mann vorführen lässt, spielt auf das weibliche Konkurrenzdenken an und führt den Vorsprung, den die weibliche Angestellte in Bezug auf die Materie zu haben glaubt, ad absurdum, da sie gleichzeitig ihrer Geschlechtsgenossin alles Wissen um die Schönheitspflege abspricht. Einen kleinen, aber feinen Auftritt hat Christian Wolff, der ein Parfüm für eine Dame (oder auch nicht?) sucht und sich für keine Duftnote entscheiden kann.

(4) "G/Geschichte" Ausgabe 4/2012 "Die 50er und 60er"

Percy Lister Offline



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17.07.2016 20:45
#6 RE: Meine Frau Susanne Zitat · antworten

6. Die Dauerwelle
als Gäste: Edith Schultze-Westrum, Kurt Weitkamp, Eva-Maria Brock, Otto Matthies



Während Martin seinen Wochenbericht schreibt, nervt ihn Susanne mit ihrem Wunsch nach einer Dauerwelle. Die beiden geraten sich in die Haare und im Eifer des Gefechts wirft Martin einen 20-Mark-Schein aus dem Fenster, um seiner Frau zu beweisen, dass er durchaus kein geiziger Spießer ist. Natürlich bedauert er diesen Leichtsinn bald und so macht sich das Ehepaar - jeder für sich - bald auf die Suche nach dem Geldschein, der zunächst nicht auffindbar ist....

Das liebe Geld ist ein häufig diskutiertes Thema zwischen den Eheleuten, was verständlich ist, da nur ein Teil verdient und der andere laufend neue Wünsche äußert. Susanne benimmt sich wieder einmal wie ein trotziges Kind und muss anschließend sehen, wie sie ihren Willen - sprich: die weggeworfene Banknote - wiedererlangt. Sie bedient sich dabei der modernen Haushaltstechnik. "Ein Staubsauger steht auf dem Wunschzettel vieler Hausfrauen. Fürsorgliche Männer werden diesen Wunsch mit einem MIELE erfüllen, um der viel geplagten Gattin die Hausarbeit zu erleichtern. (2)" Das Modell, das Susanne benutzt, um den Geldschein aus dem Blumenkasten vom unteren Balkon zu saugen, sieht der "Mielette Standard" recht ähnlich, ist aber nicht verchromt und hat daher sicher nicht die in der Werbeannonce gelisteten DM 144 gekostet. Es erweist sich letztendlich aber als erfolgreich - wenigstens so lange sich nicht die resolute Edith Schultze-Westrum als Witwe eines Juristen einschaltet, um den Frevel in ihrem Blumenbeet zu rächen.

Die Aufnahmen vor dem Wohnblock der Koldweys sind übrigens sehr atmosphärisch und man spürt förmlich, wie den Personen der Wind um die Ohren bläst.

(2) Rüdiger Dingemann, Renate Lüdde: Unsere besten Jahre - 50er und 60er, Bucher Verlag, 2011

Percy Lister Offline



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23.07.2016 20:10
#7 RE: Meine Frau Susanne Zitat · antworten

7. Das Fotomodell
als Gäste: Grit Boettcher, Klaus Herm, Walo Lüönd



Um Werbeaufnahmen für einen neuen Duft machen zu können, wird eine durchschnittliche Zweizimmerwohnung gesucht. Martin Kolldewey stellt sein Zuhause zur Verfügung, allerdings ohne vorher darüber mit seiner Frau zu sprechen. Die Aussicht auf eine attraktive Frau, die in ihrem Schlafzimmer für Fotografen posiert, behagt Susanne gar nicht und sie hat Mühe, ihren Unmut zu unterdrücken. Bald schon ergibt sich die Gelegenheit, dass sie dem ungebetenen Gast einen üblen Streich spielen kann....

Kaum hat Susanne einen Tagesplan für die häuslichen Arbeiten erstellt, bringt Martin durch seine vorzeitige Rückkehr alles durcheinander. Zudem kündigt er den Besuch eines Fotomodells und zweier Fotografen an. Susanne springt förmlich im Dreieck und beobachtet mit Argwohn, wie Martin mit der anspruchsvollen Frau flirtet. Doch als sie glaubt, ihre Rivalin ausgeschaltet zu haben, bezahlt sie selbst den Preis für ihre Rache. Zweifellos ist Heidelinde Weis mindestens so fotogen wie ihre Kollegin Grit Boettcher und die ansprechenden Porträts, die im Laufe der Handlung von ihr gemacht werden, belegen dies.

Als Martin Susanne bittet, schnell aufzuräumen, bevor seine Gäste eintreffen, stülpt sie ihm einen Petticoat über den Kopf. Ein solcher war ein wichtiger Bestandteil der damaligen Damengarderobe. "Der Petticoat, mit Rüschen und Spitzen versehen, war unter weiten, schwingenden Röcken nicht wegzudenken. Die neuen Kunststoffe der Textilindustrie wie Nylon und Perlon machten ihn zum Modehit. Er war in verschiedenen Farben, meistens in Pastelltönen, zu haben. (2)" In den zeitgenössischen Werbeanzeigen wurden die bauschigen Halbröcke in poetischen Worten gepriesen: "Hervorragend geschnitten ist dieses Unterkleid aus undurchsichtigem Perlon-Charmeuse. Haltbare Stickerei-Spitze und Spitzenträger, Permanentplissee-Volant. In den Farben Weiß und Lachs. (2)" Wenn man sieht wie Grit Boettcher zurechtgemacht ist und welche Katastrophe bereits ein wenig Orangensaft an den Händen auslöst, beneidet man die hübsch verpackten und verschnürten Damen nicht....

PS: Mit den Namen der Darsteller im Abspann tut sich die Serie schwer: Nachdem bereits Lia Eibenschütz ständig als Lia Eibenschnitz bezeichnet wird, lesen wir diesmal Gritt Böttcher und Walo Lüond.

(2) Rüdiger Dingemann, Renate Lüdde: Unsere besten Jahre - 50er und 60er, Bucher Verlag, 2011

Percy Lister Offline



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24.07.2016 20:39
#8 RE: Meine Frau Susanne Zitat · antworten

8. Das Hauskonzert
als Gäste: Herta Kravina, Horst Keitel, Agnes Windeck, Edith Hancke, Hans Schwarz jr.



Susanne erhält Besuch von Frau Meyers, die in der Wohnung unter ihr wohnt. Sie beklagt sich über das Oboe-Spiel ihres Nachbarn Herrn Schmidt und sammelt Unterschriften für eine Klage bei der Hausverwaltung. Susanne ziert sich, da sie sich nicht in fremde Angelegenheiten mischen will. Als Martin eines Abends nach Hause kommt, üben Herr Schmidt und zwei seiner Freunde im Wohnzimmer und die Klagen gehen erneut los: diesmal von ihren unmittelbaren Nachbarn....

Die Tonleitern, die Frau Meyers den Nerv töten, sind nichts gegen die Musik, die sonst in den Sechziger Jahren über den Äther in heimische Haushalte drang. So erscheint uns die Klage über Martin Kolldewey, der keine Hausschuhe trägt (wie sich das in einer anständigen Wohnung gehört) kleinkariert, aber die dünnen Wände der Neubauten verlangten von den Mietern eben gegenseitige Rücksicht. Der Musikgeschmack war vielfältig und für jeden war etwas dabei: "Das Publikum wollte aber nicht nur englische, sondern auch französische, italienische und skandinavische Interpreten hören. So sang Peggy March 1965 davon, dass man mit 17 noch Träume hat und von Memories of Heidelberg, Esther Ofarim von Cinderella Rockefella und Gus Backus von einem alten Häuptling der Indianer. Billy Mo kaufte sich lieber einen Tirolerhut und der Jazzsänger Bill Ramsey wusste, dass die Mimi ohne Krimi nie ins Bett ging. Salvatore Adamo schickte eine Träne auf Reisen und Rita Pavone fragte sich, was wohl wäre, wenn sie ein Junge wär: Connie Francis sah in der Liebe ein seltsames Spiel und Siw Malmkvist wusste, dass sich Liebeskummer nicht lohnt. (2)"

Für humorige Momente sorgt wieder einmal die unverwüstliche Agnes Windeck, die selbst die trockenen Bemerkungen der schlagfertigen Edith Hancke an die Wand spielt. Susanne sieht sich wieder einmal als Gefangene ihrer eigenen Pläne, die sie doch nur zum Wohl der anderen Hausbewohner ersonnen hatte. Sie meint es gut und trifft es schlecht, aber am Ende ergibt sich doch noch eine Versöhnung der Streitparteien.

(2) Rüdiger Dingemann, Renate Lüdde: Unsere besten Jahre - 50er und 60er, Bucher Verlag, 2011

Percy Lister Offline



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31.07.2016 21:21
#9 RE: Meine Frau Susanne Zitat · antworten

9. Der Führerschein
als Gäste: Erik Ode, Linda Geiser und Joachim Röcker



Susanne trifft sich mit einer Freundin, die schon lange plant, den Führerschein zu machen. Ihr Ehemann traut ihr jedoch nicht zu, ein Kraftfahrzeug zu steuern, weshalb die beiden Frauen einen Plan aushecken, wie sie doch noch zu ihrem Ziel kommen können....

Erik Ode spielt in dieser Episode den Inhaber der Fahrschule Lorenz, die Susanne heimlich besucht. Er sprüht dabei vor Elan und stellt seine Schüler mehrfach auf die Probe, wobei die Hälfte aus Männern und die Hälfte aus Frauen besteht. Einige Herren glauben, die (graue) Theorie vernachlässigen zu können und werden deshalb von der fleißig büffelnden Susanne überholt. Währenddessen trifft sich Martin mit dem Ehemann von Susannes Freundin und überlegt, ob er seine Frau nicht doch in der Fahrschule anmelden soll. Doch da steht diese bereits kurz vor der Prüfung....

Frauen am Steuer waren in den Fünfziger bzw. frühen Sechziger Jahren noch nicht so selbstverständlich wie heute. Die Kosten für den Erwerb eines Führerscheins waren hoch und einen Zweitwagen konnte sich kaum eine Familie leisten. Zudem war das Thema der mobilen Unabhängigkeit manchem Mann ein Dorn im Auge, konnte die Frau damit doch ebenso schnell von A nach B kommen wie er selbst. Martin und Susanne streiten sich deshalb über einen geraumen Zeitpunkt über das Thema, wobei der Mann Susanne das technische Verständnis abspricht und keine Notwendigkeit sieht, dass sie ebenfalls in der Lage sein soll, den Wagen zu fahren.

"Wer sich schon etwas mehr leisten konnte, fuhr - mit oder ohne Zwischengas - einen robusten VW-Käfer, einen DKW oder Ford Taunus. Zu den Nobelmarken zählten Mercedes, Borgward, BMW oder der Opel Kapitän. Im Arbeiter- und Bauernstaat fuhr man, wenn man nach langjähriger Wartezeit einen zugeteilt bekam, einen Kleinwagen P 70, später einen Trabant. Hohe Kader fuhren IFA F 8 oder Wartburg 311. (2)"

(2) Rüdiger Dingemann, Renate Lüdde: Unsere besten Jahre - 50er und 60er, Bucher Verlag, 2011

Percy Lister Offline



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07.08.2016 15:06
#10 RE: Meine Frau Susanne Zitat · antworten

10. Fräulein Lotte
als Gäste: Sybil Werden, Harald Juhnke, Kurt Jaggberg, Lia Eibenschütz



Als Martin von der Arbeit nach Hause kommt, staunt er nicht schlecht, als er im Wohnzimmer einen zotteligen schwarzen Hund vorfindet. Seine Frau Susanne hat ihn einfach mitgenommen, da sie glaubte, er wäre herrenlos. Martin erstattet telefonisch Meldung bei der Polizei und vereinbart, den Hund nur so lange zu behalten, bis ihn der rechtmäßige Besitzer abholt. Susanne hat jedoch einen Narren an dem Tier gefressen, das sie "Fräulein Lotte" tauft. Bald schon meldet sich ein Mann, der den Hund für sich reklamiert....

So albern und bockig wie in dieser Episode hat man Susanne Koldewey selten gesehen. Sie verliert das letzte Fünkchen Verstand, sobald es sich um den Hund als neuen Mitbewohner handelt. Gegen Martins Willen beharrt sie darauf, das Tier zu behalten und streitet sich mit fremden Männern, die Ansprüche darauf erheben. Sie zeigt sich selbst über das Geschlecht des Tiers unbelehrbar und trauert tagelang, als der Hund endlich von seinem Herrchen abgeholt wird. Solcher Starrsinn wird im allgemeinen und in den Fünfziger/Sechziger Jahren im besonderen nicht gutgeheißen, weshalb Erna Horn zur Besonnenheit rät: "Von außerordentlicher Wichtigkeit sind die täglich eingelegten Ruhepausen, die lang genug sein müssen, um alle körperlichen und geistigen Kräfte wieder zu sammeln, damit sich der Organismus nicht allzu stark verausgabt." (1)

Die Werbung hingegen preist ein braunes Fläschchen an, welches gereizten und lustlos gewordenen Frauen neuen Schwung geben soll. Es wird nicht näher erklärt, worum es sich handelt, aber vermutlich ist es eine Flüssigkeit im Stil eines "Klosterfrau Melissengeist" - vermutlich alkoholfrei. "Frauengold sichert dir Jugendfrische und Vitalität und schafft dir neuen Lebensmut. Frauengold gibt neue Kraft und Lebensfreude. Durch eine Kur mit Frauengold wirst du glücklich gemacht und wirst glücklich machen. Frauengold schafft Wohlbehagen - wohlgemerkt: an allen Tagen!" (5)



(1) Erna Horn: Der neuzeitliche Haushalt, Verlag Albert Pröpster Kempten/Allgäu, 1967
(5) Rendezvous unterm Nierentisch - Die Wirtschaftswunderrolle - DVD (Tacker Film)

Percy Lister Offline



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14.08.2016 13:16
#11 RE: Meine Frau Susanne Zitat · antworten

11. Jeden Donnerstag
als Gäste: Peter Schiff, Jürgen Pangritz, Herta Kravina, Hans Schwarz jr.



Susanne ist schon lange der Ansicht, dass Martin mehr für seine Fitness tun und nicht in jeder freien Minute mit einem Kriminalschmöker auf dem Sofa liegen sollte. Als er für den Weg zum 100 Meter entfernten Zigarettenautomaten das Auto benutzen möchte, wird sie böse: Sie drängt ihren Mann dazu, sich bei einem Sportverein anzumelden. Doch anstatt jeden Donnerstagabend zu trainieren, trifft sich Martin mit seinen Freunden zum Skatspielen im "Hackepeter". Der Schwindel geht eine Weile gut, bis Martin seinen Sportbeutel zu Hause vergisst....

Die Bewegung, die Susanne Martin verschaffen möchte, tut der Episode gut: Sie sorgt für Tempo und Solidarität mit dem geplagten Mann, der doch nur in Ruhe lesen, statt zehnmal um den Block laufen möchte. Die List, die er ersinnt, um dem Bild des körperbewussten Mannes zu entsprechen, amüsiert, lässt aber auch ahnen, dass Susannes Rache furchtbar sein wird, sobald sie ihn durchschaut hat. Winterliche Aufnahmen aus der Vogelperspektive vom Wohnblock, in dem die Koldeweys wohnen, ergänzen sich mit häuslicher Gemütlichkeit (soweit man bei den Turbulenzen in der Ehe der beiden davon sprechen kann).

Die Frage nach der Körperertüchtigung der Frau lässt auch Erna Horn nicht unbeantwortet: "Der heutige Mensch bedarf für seine erschwerten Daseinsbedingungen bestimmter Hilfen in Form von Körperkultur. Viele Frauen wissen zwar, dass Gymnastik dem Körper hilft und ihm Elastizität verleiht, und betreiben sie, und doch werden manche dem Ziel kaum näher gekommen sein und bemerken, dass gewisse Körperschwächen sich nicht vermindern, wie etwa Herzbeschwerden, Krampfadern, Senkfüße oder sonstige, oft heftig plagende Kleinigkeiten." (1) Sie gibt Tipps, wie man richtig steht, geht, sitzt, sich bückt oder Lasten hebt. Dinge, die heute amüsant anmuten, aber bei näherer Betrachtung durchaus Sinn machen. Wie der Mann in Form bleiben soll, verrät sie leider nicht. Vermutlich reicht ein regelmäßiges Heben von Bierkästen oder Stemmen von Maßkrügen aber ebensowenig wie der Gang zur Garage und zurück.

(1) Erna Horn: Der neuzeitliche Haushalt, Verlag Albert Pröpster Kempten/Allgäu, 1967

Percy Lister Offline



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15.08.2016 13:23
#12 RE: Meine Frau Susanne Zitat · antworten

12. Scherben bringen Glück
als Gäste: Brigitte Mira, Edith Hancke, Horst Keitel, Kurt Weitkamp



Martins reiche Tante Lilli hat ihren Besuch angekündigt und Susanne berät sich mit ihrem Mann, wie sie sich in das Herz (sprich: in die Brieftasche) der alten Dame einschleichen kann. Vor allem soll Tante Lillis Hochzeitsgeschenk, eine Obstschale aus Kristall, auf dem Wohnzimmertisch thronen. Doch leider macht Susanne beim Telefonieren eine ungeschickte Bewegung und das gute Stück geht in die Brüche....

Brigitte Miras resoluter Geist schwebt bereits über der Folge, als sie noch gar nicht die Szenerie betreten hat. Die Gute soll zwar nur für zwei Stunden zum Kaffeetrinken vorbeikommen, doch Susanne ist sehr nervös und darauf bedacht, bei der reichen Dame einen guten Eindruck zu machen. Statt sich jedoch damit zu begnügen, eine behagliche Atmosphäre zu schaffen, versteifen sich Martin und Susanne darauf, die Kristallschale der Tante zu kleben bzw. neu zu kaufen und verzetteln sich deshalb komplett. Hätten sie doch nur bei Erna Horn nachgefragt: "Noch etwas ist zu erwähnen: man trenne sich ohne falsche Sentimentalität von allen sogenannten "Erinnerungswerten", also Dingen, die man nicht braucht und die weder schön noch wertvoll sind, die man aber immer wieder aufbewahrt, weil sie die letzte Erinnerung an die verstorbene Großtante oder dergleichen sind. Endlich einmal weg damit!" (1)

Die Rubensfigur der Tante verlangt nach weiteren kleinen Köstlichkeiten, die nach dem Aufkehren der Scherben im Wohnzimmer kredenzt werden können: "Zum Nachmittagskaffee: Kaffee und Kaffee Hag mit warmer Milch bzw. kaltem Rahm - trockener Kuchen, auch Cremetorten, aber keine Obsttorten oder dergleichen - Schlagrahm - Schnäpse, Weinbrand - nach Belieben später noch Eis, Creme oder Obstsalat" (1)

(1) Erna Horn: Der neuzeitliche Haushalt, Verlag Albert Pröpster Kempten/Allgäu, 1967

Percy Lister Offline



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15.08.2016 20:36
#13 RE: Meine Frau Susanne Zitat · antworten

13. Susannes Finanzen
als Gäste: Hans Krull, Hans Schwarz, Agnes Windeck, Else Ehser, Edith Hancke



Sechs Tage vor Ultimo ist Martin blank und benötigt dringend ein paar Mark. Susanne hat zu seinem Erstaunen noch zwanzig Mark im Portemonnaie und kann ihm aushelfen. Was er nicht weiß: Seine Frau hat nur deshalb am Monatsende Rücklagen, weil sie Martins Briefmarkensammlung im Pfandhaus beleihen lässt. Als er eines Abends zwei Tauschfreunde mit nach Hause bringt, um ihnen seine wertvolle Marke "Baseler Täubchen" zu zeigen, ist das Album verschwunden. Susanne, die den fälligen Geldbetrag zur Auslöse des Briefmarkenalbums nicht verfügbar hat, kommt nun in Erklärungsnot ....

"Das Leben ist teuer, der Monat lang." (6)

Susanne ist eine Meisterin im Jonglieren mit Ausreden und Notlügen und recht kreativ, wenn es darum geht, ausweglose Situationen zu retten. So ist sie nicht verlegen, sich Martins Leidenschaft für die Philatelie für pekuniäre Zwecke zunutze zu machen. Durch das vorgestreckte Geld aus der Leihanstalt ist sie in der Lage, stolz einen Monatsüberschuss zu präsentieren und ihre Tüchtigkeit im Sparen zu untermauern. Wie wichtig das Thema Geld auch im Bereich der Werbung ist, unterstreicht die Vielzahl an Werbefilmen, die ab den Zwanziger Jahren gedreht wurden. Zunächst wurde für Kriegsanleihen geworben, während des Zweiten Weltkriegs galt gar die Parole "Gib Dein Geld dem Volk!", um zu verhindern, dass zuhause größere Summen gehortet wurden. In den Fünfziger Jahren wurden die Botschaften in spielerische und komödiantische Kurzfilme verpackt oder eine Unterweisung im richtigen Sparen erteilt. "Ein Haushalt kostet Geld; täglich heißt es: planen, einteilen und für alle Fälle vorsorgen. (Auf nebeneinander aufgereihten Dosen stehen die Namen der Posten, für die man Auslagen hat: Miete, Lebensmittel, Strom, Heizung, Kleidung, Fahrgeld und Sparen. Anmerkung d. V.) Die Höhe unseres Gehalts ist eine von den unumstößlichen Tatsachen - so viel und keinen Pfennig mehr." (6)

(6) Taler, Taler.... Das liebe Geld im Werbefilm - Edition Werbeklassiker DVD (Tacker Film)

Percy Lister Offline



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21.08.2016 20:40
#14 RE: Meine Frau Susanne Zitat · antworten

14. Die Urlaubsreise
als Gäste: Edith Hancke, Hans Schwarz jr., Agnes Windeck, Franz Rudnik, Else Ehser, Hildegard Grethe, Peter Schiff, Kurt Weitkamp



Susanne und Martin Koldewey stehen vor ihrer Abreise nach Italien. Das Ehepaar will zunächst vierzehn Tage lang in den Ampezzaner Dolomiten Schilaufen und dann noch zwei Wochen an die Adria. Die Koffer sind bereits im Wagen verstaut, als dieser plötzlich den Geist aufgibt. Der herbeigerufene Mechaniker stellt einen Schaden von DM 400 und eine Reparaturdauer von einer Woche fest, womit Urlaubsbudget und Reisevehikel im Eimer wären. Um sich vor ihren Nachbarn keine Blöße zu geben, schleichen sich Susanne und Martin nach Einbruch der Dunkelheit heimlich in ihre Wohnung zurück und beschließen, am nächsten Tag mit dem Zug nach Kleinseehausen zu fahren. In dem nahe gelegenen Dorf wollen sie einen günstigen Urlaub in schlichter Unterkunft verbringen. Doch ihre nächtliche Rückkehr bleibt von den Nachbarn nicht unentdeckt....

Wie Millionen andere Deutsche wollen auch die Koldeweys ins Sehnsuchtsland Italien und zeigen damit sich und ihren Nachbarn, dass sie es zu etwas gebracht haben. Sie reisen im eigenen Wagen und nutzen den bezahlten Urlaub, der 1963 eingeführt wurde. Der betrug allerdings nur maximal zwanzig Tage - wie Susanne und Martin es auf vier Wochen bringen, ist deshalb ein Rätsel. Geht es ihnen finanziell bereits so gut, dass sie sich eine unbezahlte Auszeit leisten können? Als ihr Auto in die Binsen geht, machen sie es wie Tausende andere Urlauber auch: sie reisen mit der Bahn. "Der Kilometer bei der Deutschen Bundesbahn kostete 1953 in der preiswertesten der drei "Komfortklassen" ca. 7 Pfennige. Im Verhältnis zum durchschnittlichen Einkommen war eine Bahnreise teurer als heute. Der "Touropa-Fernexpress" - der elegante Ferienzug mit Liegebett für jeden Gast - bot verbilligte Ferienreisen im In- und Ausland an. Die 1948 gegründete Reisebürogemeinschaft verfügte 1956 über 80 Liegebettwagen der Deutschen Bundesbahn und wurde von über 350 Reisebüros vertreten." (2)

Die Schande, zuzugeben, den Urlaub in den eigenen vier Wänden verbringen zu müssen, macht Susanne erfinderisch. Sie schlägt den Ort Kleinseehausen vor, der mit seinen 156 Metern über dem Meeresspiegel zwar jeden Alpenbewohner schmunzeln lässt, für Berliner jedoch schon einen ordentlichen Hügel zum Langlaufen bietet. Wie Hellmuth Karasek in seinem Artikel "Sehnsucht nach dem Happy End" schreibt: "Idylle, die man sich an die Pinnwand des Gemüts heften konnte - wie einen Kalender mit Bergen und Seen in eine graue Neubausiedlung in einem Industriegebiet bei Essen, Rüsselsheim oder Wanne-Eickel." (7) Selbst das Feriendomizil von Susanne und Martin, wo der Ofen ständig raucht und Eiszapfen im Waschraum hängen, entspricht dem Gefühl von Romantik: "In diesen Spießerhöhlen weicher Gemütlichkeit gab es röhrende Hirsche und Kuckucksuhren, Seestücke und Alpenlandschaften mit cremig-weißen Berggipfeln, eine Nivea-Welt der Berge und Firne." (7) Nicht gerechnet haben die Koldeweys jedoch mit Agnes Windecks Gespür für Verdächtiges. Wie die personifizierte Miss Marple schleicht sie durch das nächtliche Stiegenhaus, um die angeblichen Einbrecher zu stellen....

(2) Rüdiger Dingemann, Renate Lüdde: Unsere besten Jahre - 50er und 60er, Bucher Verlag, 2011
(7) SPIEGEL Special - Die 50er Jahre - Vom Trümmerland zum Wirtschaftswunder, Ausgabe 1/2006

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.352

30.08.2016 16:02
#15 RE: Meine Frau Susanne Zitat · antworten

15. Der erste Hochzeitstag
als Gäste: Edith Hancke, Hans Schwarz, Hans Finohr



Susanne und Martin feiern in wenigen Tagen ihren ersten Hochzeitstag. Beide überlegen sich, womit sie dem anderen eine Freude machen können. Während Susanne mit einem Gemälde - einer Venezianer Ansicht, die sie an ihre Hochzeitsreise erinnert - liebäugelt, hat sich Martin für eine elegante Handtasche entschieden. Wegen Martins Geheimniskrämerei und Susannes hartnäckigen Fragen kommt es zum Krach....

"Die Neugier ist der Katze Tod" lautet ein englisches Sprichwort und auch die Liebe zwischen Susanne und Martin droht zu erlöschen, da Susanne sich mit bohrenden Fragen nach dem Geschenk von Martin einfach nicht zurückhalten kann. Statt sich überraschen zu lassen, quält sie ihren Mann zu nachtschlafender Zeit mit Mutmaßungen zur Beschaffenheit des Präsentes. Da jeder aus Trotz anschließend eigene Pläne schmiedet, tritt das Gegenteil von dem auf, was der Gesetzgeber mit der am 1. Juli 1958 in Kraft getretenen Regelung des Familienrechts vorsah: "Die eheliche Gemeinschaft setzt ein gemeinsames Handeln der Ehegatten in allen Lebenslagen voraus. Die Eheleute müssen aus der Verpflichtung zur ehelichen Lebensgemeinschaft bei allen Maßnahmen und Entscheidungen das gemeinsame Interesse persönlichen Wünschen und Neigungen voranstellen und dabei vor allem auch die Belange der Kinder berücksichtigen. Bei Meinungsverschiedenheiten hat derjenige Recht, dessen Meinung dem Wohle der Familie am besten dient." (1) Erna Horn würde über die unnütze Geldverschwendung, die am Ende als Resultat der Missachtung der gemeinsamen Entscheidungsfindung entsteht, die Hände über dem Kopf zusammenschlagen.

Der Zuschauer erfährt in dieser Folge zum ersten Mal, wo genau die Koldeweys in Berlin wohnen: in der Gotha-Allee 26. Es handelt sich dabei um eine Straße in Neu-Westend, circa einen Kilometer Luftlinie vom Olympiastadion entfernt. Martin gibt die Adresse dem Kunsthändler, der das Bild an Susanne schicken soll.

(1) Erna Horn: Der neuzeitliche Haushalt, Verlag Albert Pröpster Kempten/Allgäu, 1967

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