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Dieses Thema hat 1 Antworten
und wurde 162 mal aufgerufen
 Film- und Fernsehklassiker national
Gubanov Offline




Beiträge: 14.606

24.04.2017 14:30
Das Fräulein von Scuderi (1955) Zitat · antworten



Das Fräulein von Scuderi (Die Schätze des Teufels / Der Unheimliche von Paris)

Historienkrimi, DDR / SE 1955. Regie: Eugen York. Drehbuch: Joachim Barckhausen, Alexander Graf Stenbock-Fermor (Buchvorlage, 1819: E.T.A. Hoffmann). Mit: Henny Porten (Fräulein von Scuderi), Willy A. Kleinau (Goldschmied Cardillac), Anne Vernon (Madelon), Roland Alexandre (Olivier), Angelika Hauff (Comtesse St. Croix), Richard Häußler (Graf Miossens), Mathieu Ahlersmeyer (Louis XIV.), Alexander Engel (Gerichtspräsident la Regnie), Dorothea Wieck (Frau von Maintenon), Gerd Frickhöffer (Marquis de la Fare) u.a. Uraufführung (DDR): 29. Juli 1955. Uraufführung (BRD): 24. November 1955. Eine Produktion des DEFA Studios für Spielfilme Potsdam und der A.B. Pandora-Film Stockholm im Progress-Filmverleih Berlin.

Zitat von Das Fräulein von Scuderi
Bis zum Hofe des Sonnenkönig Ludwigs des XIV. dringen die Nachrichten von den Morden und Schmuckdiebstählen, die ein vermummter Unbekannter regelmäßig im nächtlichen Paris verübt. Gestohlen werden stets die Arbeiten des besten Goldschmieds der Stadt, des Meisters Cardillac. Während der machtgierige Gerichtspräsident la Regnie die Situation zum Ausbau der Polizeikontrolle über den Adel auszunutzen gedenkt, stolpert der Goldschmiedgeselle Olivier aus Zufall über die Lösung der Verbrechensserie. Doch er ist wegen seiner großen Liebe zum Schweigen verurteilt und gerät obendrein noch selbst unter dringenden Tatverdacht. Nun kann nur noch das hochangesehene Fräulein von Scuderi helfen!


Ein schwarzgewandeter Kapuzenträger ist der Geheimnisträger der ersten Hälfte von „Das Fräulein von Scuderi“, einer ambitionierten Literaturverfilmung, die wie auch Spielbank-Affäre / Parkplatz zur großen Sehnsucht (1957) als ostdeutsch-schwedische Koproduktion zwischen der DEFA und der Stockholmer Pandora-Film entstand. In das Frankreich des späten 17. Jahrhunderts passt die Schauergestalt mit Kutte, Geheimgang und Lust auf kostbare Schmuckstücke hervorragend und wirkt in den verwinkelten Gassen der alten Stadt angebrachter als als Schurke (halb-)moderner Wallace-Krimis. Zuschauer, die die Hoffmann’sche Vorlage nicht kennen, sollten jedoch kein anderthalbstündiges Ratespiel um die Identität des Mörders und Juwelendiebs erwarten, denn die Enthüllung seiner Identität, die im Übrigen nicht schwer zu enttarnen ist, findet bereits recht zeitig statt. Es schließt sich eine dramatische zweite Hälfte an, in der ein Unschuldiger fälschlich der Verbrechen bezichtigt wird, sodass seine Liebste, der König und das titelgebende Fräulein von Scuderi den schrecklichen Verdacht widerlegen müssen. Der Vorlage ist ihr Alter dabei durchaus anzumerken – wer aber mit historischen Kriminalfällen etwas anfangen kann, sollte aufgrund der wertigen Machart des Films auf jeden Fall einen Blick riskieren.



Der Filmtrailer wirbt mit der internationalen Besetzung des Streifens, in dem das Liebhaberpärchen sehr überzeugend von den französischen Schauspielern Roland Alexandre und Anne Vernon verkörpert wird. Es gelang Regie, Kostüm und Maske gut, die beiden jungen Leute auf halbem Wege zwischen historisierendem Barockauftreten und für die Zuschauer greifbarerer Aktualität anzusiedeln, ohne sie gegenüber den historisch korrekter anmutenden Nebenrollen zu sehr aus dem Rahmen fallen zu lassen. So fiebert man unwillkürlich mit Olivier und Madelon mit – mehr jedenfalls als mit der sehr zurückhaltend spielenden Henny Porten, die sich in altmodischer Zurückhaltung und dem dezenten Zurschaustellen von Güte und Milde in einer Zeit der Künstelei und Übertreibungen übt. Dementsprechend gibt es am Hof des Sonnenkönigs für andere Akteure mehr als genug Möglichkeiten, eitel und intrigant aufzuspielen. In dieser Hinsicht bleiben vor allem die Kabinettstückchen in Erinnerung, die Richard Häußler (als Adliger mit langen Haaren), Angelika Hauff (als Vamp der damaligen Zeit) und Alexander Engel (als selbstgefälliger Polizeioberer) liefern. Überaus interessant und stellenweise zum Schmunzeln auch die liebenswürdige Interpretation des Königs durch Mathieu Ahlersmeyer, der sonst leider so gut wie nie in Spielfilmen auftrat.

Aufwendige Lockenperücken, ausladende Reifkleider und edle Tanzsäle markieren im Louvre das Gegenstück zu der düsteren Wohnung und Arbeitsstube des Goldschmieds Cardillac, der seine Kunden im flackernden Kerzenschein empfängt und im Obergeschoss seine demente Mutter versteckt. Schein und Sein stehen also in „Das Fräulein von Scuderi“ so nahe beieinander, wie man es von einer Romantiknovellenverfilmung getrost erwarten darf – das Fingerspitzengefühl und nicht zuletzt das offenkundig beträchtliche Budget, das in die Koproduktion geflossen ist, empfehlen die Adaption, für die man sich aber ruhig einen „barockeren“, weniger sachlichen Regisseur als Eugen York hätte verpflichten dürfen.

Was sich als Schauerkrimi ankündigt, entwickelt sich zum Polizeiirrtum, der im letzten Moment verhindert werden muss. Hoffmanns Novelle bietet zwar nicht unbedingt kriminalistischen Feinsinn, wie man ihn von moderneren Autoren her kennt, wartet dafür aber mit ungewohntem Zeitkolorit auf, das „Das Fräulein von Scuderi“ zu einem etwas gestelzten, aber hochwertigen und insgesamt doch sehenswerten Kostümfilm macht. 3,5 von 5 Punkten.

Georg Online




Beiträge: 2.764

27.04.2017 17:15
#2 RE: Das Fräulein von Scuderi (1955) Zitat · antworten

Interessant! Der Film war mir entgangen. Dazu gibt es übrigens auch eine stimmige TV-Verfilmung im Stile der Plüschkrimis.

Das Fräulein von Scuderi von 1976
http://krimiserien.heimat.eu/fernsehspie...nvonscuderi.htm
Regie führt Lutz Büscher, es spielen Angela Salloker, Hannes Messemer, Iris Berben, Richard Lauffen, Alfons Höckmann, Peter Bongartz u. a.

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