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Dieses Thema hat 5 Antworten
und wurde 889 mal aufgerufen
 Film- und Fernsehklassiker national
Percy Lister Offline



Beiträge: 3.589

28.03.2016 14:28
Verbrechen nach Schulschluss (1959) Zitat · Antworten

BEWERTET: "Verbrechen nach Schulschluss" (Deutschland 1959)
mit: Christian Wolff, Corny Collins, Heidi Brühl, Erica Beer, Richard Münch, Alice Treff, Walter Clemens, Peter van Eyck, Hans Nielsen, Claus Wilcke, Wolfgang Koch, Jörg Holmer, Günther Jerschke, Bum Krüger, Joseph Offenbach, Helmut Peine, Ingrid van Bergen u.a. | Drehbuch: H.G. Petersson nach dem Tatsachenroman von Walter Ebert | Regie: Alfred Vohrer

Fabian König wird von der Schule verwiesen, da er dabei erwischt worden ist, wie er einen vernachlässigten Schäferhund befreien wollte. Den Auftrag dazu hatte er von einem Lehrer erhalten, der nun alles abstreitet. Fabians Vater wünscht, dass sein Sohn eine militärische Laufbahn ergreift, doch dieser gründet aus Zorn und Übermut eine Bande mit seinen Schulfreunden. Nach anfänglichen Kleindiebstählen wagt sich die Gruppe bald an größere Sachen heran und verkauft die Ware an den Hehler Bregulla. Als Fabian die Waise Ulla kennenlernt, will er ihr helfen und gerät dabei in eine Situation, die ihn vor das Schwurgericht bringt....



Christian Wolff als zorniger junger Mann trägt den Film fast im Alleingang. Der einundzwanzigjährige Berliner verkörpert einen Sohn aus gutem Haus, der die Lebensanschauung seines Vaters - eines Obersten a. D. - nicht teilt. Er akzeptiert eine Autorität nicht um ihrer selbst Willen, sondern nur, wenn sie seiner Auffassung von Gerechtigkeit und Weisheit entspricht. Die Prinzipien seines Vaters (Drill, Disziplin und Gehorsam) verachtet er, weil sie zu einem Weltenbrand führten. Bezeichnenderweise ist es dann der Kriegsversehrte Dr. Knittel, der Zugang zu dem Jungen findet und ihm wieder Hoffnung gibt. Durch die Figur des Gefängnisarztes glaubt man den Regisseur sprechen zu hören, der ebenfalls im Krieg schwer verwundet wurde.

Corny Collins und Heidi Brühl spielen die zwei Frauen im Leben des Bandenanführers. Sie entsprechen den zwei Seiten seiner Persönlichkeit und stehen für die unterschiedlichen Charakterzüge, die er vereint. Viola von Eikelberg ist kess, schlagfertig und wagemutig und teilt Fabians Wunsch nach Auflehnung und Abenteuern. Die Brünette reflektiert seine unangepasste und eigensinnige Seite und ist sowohl Geliebte als auch Komplizin. Ihre Herrschaft ist die des Augenblicks. Sie fungiert als Vehikel für Frust und Experimentierfreude. Die blonde Ulla Reimann ist adrett, freundlich und nachdenklich und stellt das Beziehungsmodell dar, das Fabian trotz seines Aufbegehrens gegen die Elterngeneration anstrebt: eine anständige Frau, die ihn unterstützt und die bessere Hälfte seiner Selbst ist.

Die Erwachsenen werden fast ausnahmslos von egoistischen Motiven getrieben und sind den Jugendlichen weder Vorbild noch Stütze. Die Gerichtsobrigkeit, das Lehrerkollegium und die Zimmervermieterin denken nur an ihr eigenes Ansehen und ihren Vorteil. Wohlmeinende Personen werden parallel als schwach gezeichnet, sie haben - wie Fabians Mutter oder die alten Leuchtturmwärter auf Sylt - keine Macht. Sie spenden Trost und stille Anteilnahme, zum aktiven Handeln fehlt ihnen die Kraft. Die Fünfziger Jahre, so scheint es, werden von Menschen, die in stiller Resignation oder Angepasstheit leben, bevölkert und sehen sich immer noch dem patriarchalischen Geist konfrontiert, der ihr Leben reguliert. Wenige Ausnahmen, wie der kritische Dr. Knittel, stellen bereits durch ihre Stellung (Angestellter einer Haftanstalt) Außenseiter dar und können sich dadurch eine eigene Meinung erlauben.

Mit über hundert Minuten Spielzeit kostet der Kolportagefilm die Aktionen der Jugendlichen weidlich aus, gewinnt jedoch in der zweiten Hälfte an Stringenz und Spannung. Empfehlenswerter Einblick in "die gute alte Zeit", die Sehnsuchtsjahre der Deutschen zwischen bürgerlicher Enge und Revolution. 4 von 5 Punkten

Jan Offline




Beiträge: 1.719

28.03.2016 20:15
#2 RE: Verbrechen nach Schulschluss (1959) Zitat · Antworten

Des Regisseurs erklärter Lieblingsfilm. Einen ersten Anlauf, erneut einen Film unter identischem Titel zu drehen, unternahm Vohrer 1967/68 nach einem Drehbuch von Herbert Reinecker. Produzieren sollte Josef Wolf. Das Vorhaben verzögerte sich allerdings Jahr um Jahr und zerschlug sich dann ganz. Bekanntermaßen kam es erst 1975 zu einem weiteren Film unter diesem Titel. Es ist anzunehmen, dass Werner Zibaso darin zumindest Fragmente Reineckers 67er Drehbuchfassung verarbeitete. Mit der 59er Version hatte Reineckers Drehbuch jedoch nichts zu tun, da der Film nicht als Sequel angelegt war. Vielmehr spekulierte man darauf, die Welle der zum Ende der 60er Jahre publikumswirksamen Lümmel-Filme zu nutzen, um einen eher ernsthaft angelegten Schüler-Stoff zu verwirklichen.

Gruß
Jan

Gubanov ( gelöscht )
Beiträge:

10.04.2016 15:00
#3 RE: Verbrechen nach Schulschluss (1959) Zitat · Antworten

Zitat von Jan im Beitrag #2
Des Regisseurs erklärter Lieblingsfilm.

Unglaublich! Vohrers Werk umfasst so viele erstklassige Arbeiten, gegen die dieser langatmige „Trendfilm“, der Kleingeistigkeiten zum großen Drama aufzubauschen versucht, in keiner Weise bestehen kann. Ich schließe mich Percy Listers Empfehlung folglich nicht an:



Verbrechen nach Schulschluss

Gesellschaftsdrama, BRD 1959. Regie: Alfred Vohrer. Drehbuch: Harald G. Petersson (Buchvorlage: Walter Ebert). Mit: Christian Wolff (Fabian König), Corny Collins (Viola von Eikelberg), Heidi Brühl (Ulla Anders), Eric Beer (Erna Kallies), Peter van Eyck (Dr. Knittel), Hans Nielsen (Landgerichtsdirektor Dr. Senftenberg), Claus Wilcke (Günther „Bimbo“ Steppe), Walter Clemens (Horst Bregulla), Richard Münch (Oberst Dr. König), Alice Treff (Frau König) u.a. Uraufführung: 24. Juni 1959. Eine Produktion der Ultra-Film GmbH.

Zitat von Verbrechen nach Schulschluss
Nachdem er unfair der Schule verwiesen wurde, gerät der aus begütertem Hause kommende Fabian König auf die schiefe Bahn. Als Anführer einer Halbstarkenbande geht er auf Raubzüge und schließt Bekanntschaft mit dem Hehler Bregulla, um das Diebesgut zu verhökern. Über Bregulla lernt Fabian auch die hübsche Ulla kennen, deren Freundschaft ihn in einen Konflikt mit seiner bisherigen Freundin Viola bringt. Ulla ist indirekt dann auch der Grund, weshalb Fabian ins Gefängnis geht: Er soll Bregulla erschlagen haben, als dieser sich über das Mädchen hermachte ...


Sinkenden Publikumszahlen und zunehmendem Druck durch Import-Konkurrenz stellte sich die deutsche Filmbranche in der zweiten Hälfte der Fünfzigerjahre gern mit Skandalfilmen entgegen, die unter pseudokritischem Mäntelchen scheinbare Gesellschaftsentwicklungen sezierten. Als einer der späten Vertreter dieser Halbstarken-Welle inszenierte Alfred Vohrer 1959 mit „Verbrechen nach Schulschluss“ ein nur leidlich stringentes Teen-Drama, in dem der zugunsten einer überraschenden Dramatik recht konturenlose Ex-Schüler Fabian auf seinem Weg in den Abgrund und wieder heraus begleitet wird. Christian Wolff stellt Fabian König als eigenschaftslose Leinwand dar, die dem Drehbuch jede beliebige Wendung erlaubt. Ob die Handlungen des Jugendlichen, der in einer Art progressiver Antiheldenstellung als Märtyrer gegen seinen nazistischen Vater porträtiert wird, motiviert oder sinnvoll erscheinen, kümmerte Petersson und Vohrer weniger. Lieber vermischten sie aufrührerische Raubzüge, die von Langeweile künden, mit polemischen Randbemerkungen über die Pfeiler der Nachkriegsgesellschaft und einer Prise naivem Sex.

Gerade in der ersten Hälfte des Films wird den Jugendlichen ausgiebig Raum geboten, ihre moralische Überlegenheit über die noch verkommenere Väter- und Lehrergeneration mit ausgiebigen Bandenszenen inklusive Prügeleien, dummen Mutproben und Eifersüchteleien in Zweifel zu ziehen, was „Verbrechen nach Schulschluss“ zu einer langatmigen und tristen Angelegenheit macht. Wer mit dem Mord, der Gerichtsverhandlung und dem Gefängnisaufenthalt Fabian Königs jedoch Besserung einziehen zu sehen glaubt, wird von einer kruden Whodunit-Konstruktion im zweiten Teil überwältigt, die König in einem ungeahnten Stimmungswechsel plötzlich zum unschuldig Verurteilten stilisiert (man bedenke: nachdem der Film mehr als eine Dreiviertelstunde damit zubrachte, seine Kriminalisierung zu zeigen!). An diesem Versuch, dem Image Wolffs als Strahlemann und jugendlicher Liebhaber allen Vorzeichen zum Trotz doch noch zum Sieg zu verhelfen (um nicht nur die Enttäuschten, sondern auch die Romantiker von einem Kinobesuch zu überzeugen), zerbricht „Verbrechen“ schlussendlich in zwei miteinander unvereinbare und unglaubwürdige Teile, die jeder für sich auf Effekthascherei bedacht sind, sich in den intendierten Effekten aber geradezu grandios verfehlen.

In der Natur des Jugenddramas liegt, dass die erwachsene Generation einen Schritt zurücktritt. Im hier vorliegenden Film kommt der groß beworbene Peter van Eyck nur als Randerscheinung, als deus ex machina zur Wiederherstellung einer zweifelhaften Gerechtigkeit, zum Einsatz; auch Hans Nielsen gibt in der erprobten Rolle des Richters nur einen kurzen und wenig umsichtigen Auftritt. Die eigentlichen Stars der Besetzungsliste kommen deshalb nicht zum Zug, weil sie gezwungen sind, ihre Auftritte auf „die Einflussfaktoren auf Fabian König“ zu reduzieren. Damit bleiben vor allem Richard Münch und Erica Beer klischeehafte Funktionsfiguren, deren Existenz nicht von inherenter Bedeutung ist, sondern die nur existieren, um den Hauptcharakter in verschiedenen Stadien seines Entwicklungsprozesses gut aussehen zu lassen. Eine solche Formelhaftigkeit und Berechnung merkt man dem Endprodukt nur zu deutlich an: Ebenso wie die Schauspieler trotz Überlänge wenig Raum zur Entfaltung erhalten, hat man es hier inhaltlich mit einem Film zu tun, der eifrig Problemfragen aufwirft, ohne sich ernsthaft und ursächlich auf auch nur eine einzige von ihnen zu konzentrieren. Vohrer zeigte z.B. mit „Ein Alibi zerbricht“, wie die Vermischung kritischer zeithistorischer Aufarbeitung mit den Möglichkeiten eines spannenden Kriminalfilms um Meilen besser funktionieren kann.

Dass man dem versierten Alfred Vohrer Langeweile unterstellen muss, kommt höchstselten vor – „Verbrechen nach Schulschluss“ ist deshalb ein umso erstaunlicherer Aussetzer, in dem sich Vohrers Bestreben, sein Publikum mit Effekten zu bespaßen, mit der ohnehin schon inkonsistenten Handlung beißt. Unpassend besetzte bzw. in das Korsett eines Problemfilms eingezwängte Schauspieler lassen selbst die bis in kleine Rollen prominente Besetzungsliste nicht zur Rettung eines zweifelhaften Film-„Vergnügens“ werden. 1,5 von 5 Punkten.

Jan Offline




Beiträge: 1.719

12.04.2016 12:41
#4 RE: Verbrechen nach Schulschluss (1959) Zitat · Antworten

Zitat von Gubanov im Beitrag #3
Zitat von Jan im Beitrag #2
Des Regisseurs erklärter Lieblingsfilm.

Unglaublich! Vohrers Werk umfasst so viele erstklassige Arbeiten, gegen die dieser langatmige „Trendfilm“, der Kleingeistigkeiten zum großen Drama aufzubauschen versucht, in keiner Weise bestehen kann.

Zur "Ehrenrettung" sei gesagt, dass er das 1964 mitgeteilt hat. Wobei ich auch bis dahin eine Menge Vohrer-Filme nennen kann, die ich vor "Verbrechen nach Schulschluss" setzen würde. Die z.T. grotesken Kameraeinstellungen hingegen nehmen einiges vorweg, was später noch folgen sollte. Von Vohrers Filmen der 1950er Jahre (inkl. "Bis dass das Geld euch scheidet") dürfte "Verbrechen nach Schulschluss" jedoch der mit Abstand erfolgreichste gewesen sein. "Meine 99 Bräute", eine völlig vergurkte Sigi-Sommer-Verfilmung, ist allerdings (für mich) deutlich uninteressanter als "Verbrechen nach Schulschluss".

Gruß
Jan

Giacco Offline



Beiträge: 2.271

12.04.2016 14:02
#5 RE: Verbrechen nach Schulschluss (1959) Zitat · Antworten

Zitat von Jan im Beitrag #4
Von Vohrers Filmen der 1950er Jahre (inkl. "Bis dass das Geld euch scheidet") dürfte "Verbrechen nach Schulschluss" jedoch der mit Abstand erfolgreichste gewesen sein.


"Schmutziger Engel" - Vohrers Debütfilm - war ein ebenso großer Publikumserfolg.

Die entsprechenden Film-Echo-Noten:
Schmutziger Engel: 2,9 (67)
Verbrechen nach Schulschluss: 2,8 (65)

"Mit 17 weint man nicht " und "Bis dass das Geld euch scheidet" waren gute Mittelgeschäfte, die immerhin noch überdurchschnittliche Einspielergebnisse brachten, während diese bei "Meine 99 Bräute" nicht zufriedenstellend waren.

"Verbrechen nach Schulschluß" konnte beim Start in Paris unter dem Titel "La Rage de Vivre" in 5 Kinos in der ersten Woche mehr als 20.000 Besucher verzeichnen.

Jan Offline




Beiträge: 1.719

12.04.2016 18:25
#6 RE: Verbrechen nach Schulschluss (1959) Zitat · Antworten

Zitat von Giacco im Beitrag #5
Zitat von Jan im Beitrag #4
Von Vohrers Filmen der 1950er Jahre (inkl. "Bis dass das Geld euch scheidet") dürfte "Verbrechen nach Schulschluss" jedoch der mit Abstand erfolgreichste gewesen sein.


"Schmutziger Engel" - Vohrers Debütfilm - war ein ebenso großer Publikumserfolg.

Die entsprechenden Film-Echo-Noten:
Schmutziger Engel: 2,9 (67)
Verbrechen nach Schulschluss: 2,8 (65)

"Mit 17 weint man nicht " und "Bis dass das Geld euch scheidet" waren gute Mittelgeschäfte, die immerhin noch überdurchschnittliche Einspielergebnisse brachten, während diese bei "Meine 99 Bräute" nicht zufriedenstellend waren.

"Verbrechen nach Schulschluß" konnte beim Start in Paris unter dem Titel "La Rage de Vivre" in 5 Kinos in der ersten Woche mehr als 20.000 Besucher verzeichnen.


Danke für die Informationen. Wir driften zwar etwas ab, jedoch interessiert's evtl.: Es mag sein, dass Alfred Vohrer die genauen finanziellen Ergebnisse 1964 nicht mehr parat hatte. Zu "Bis dass das Geld euch scheidet" erinnerte er sich weniger gut diesbezüglich. Gegenüber dem Filmjournalisten Hans Höhne sagte er 1964 hierzu: "So eine Geschichte will das Publikum leider nicht sehen!" Artur Brauner hingegen war aber ganz zufrieden mit dem Endprodukt und hätte Vohrer gerne weiter beschäftigt, scheute jedoch den Konflikt mit Horst Wendlandt in späteren Jahren.

Gruß
Jan

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