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Dieses Thema hat 2 Antworten
und wurde 212 mal aufgerufen
 Giallo Forum
Ray Offline



Beiträge: 1.833

11.03.2016 19:48
Opera (1987) Zitat · Antworten

Opera (Terror in der Oper; Im Zeichen des Raben) (I 1987)

Regie : Dario Argento

Darsteller: Cristina Marsillach, Ian Charleson, Urbano Barberini, Daria Nicolodi




Die Hauptbesetzung für die Lady Macbeth wird bei einem Unfall verletzt, für sie kommt die Zweitbesetzung, die junge Betty, zum Zuge. Ihr erster Auftritt wird zum Triumph, doch bald mehren sich Zweifel, ob an dem angeblichen Fluch, der auf der Oper "Macbeth" lastet, nicht doch etwas dran ist: ein vermummter Killer tötet an der Oper Beteiligte - und zwingt Betty zuzusehen. Doch warum hat er es auf Betty abgesehen?

Da ich keinen entsprechenden Thread gefunden habe, eröffne ich hiermit einen. Auch wenn er tendenziell eher als Horror-Film eingeordnet wird, meine ich - mit meinen bescheidenen Giallo-Kenntnissen - genug Merkmale des Genres erkannt zu haben, um ihn mit Recht (auch) dem Giallo zuordnen zu können:

-ein mit Handschuhen ausstaffierter Killer
-subjektive Kamera
-Täter hat es auf eine schöne junge Frau abgesehen
-Polizeiermittlungen spielen kaum eine Rolle
-u.a. sexuell motivierte Morde
-z.T. typische Musik

Als Parallele zur "Tier-Trilogie" sei noch genannt, dass auch in diesem Film (im deutschen Alternativtitel angedeutet) Tiere, genauer gesagt Raben, eine nicht unwesentliche Rolle spielen. In diesem Film tragen sie gar entscheidend zur Lösung bei. Müßig zu erwähnen, das auch hier "Stil über Substanz" geht.

"Opera" ist ein Film, den man "erleben" muss. Er geht sofort in medias res. Aus (vermeintlich) subjektiver Kamera folgt der Zuschauer der entnervten Operngröße, wie sie die Oper fluchtartig verlässt und vor einem Auto landet. "Vermeintlich subjektiv", weil die Kamera - jedenfalls z.T. - scheinbar im Hinterkopf der Sängerin zu stecken scheint.

Es folgt die großartige Opern-Inszenierung, in der Betty zu großer Form aufläuft und sich die erleuchtete Oper in ihrer ganzen Pracht zeigt. Ein Augen- und Ohrenschmaus.

Was die Spannungsszenen anbelangt, so bleiben natürlich vor allem all jene in Erinnerung, in denen Betty bei den Morden zum Zusehen verdammt ist. Diese ziehen an den Nerven und sind auch recht deftig ausgefallen. Das eigentliche Highlight aus Spannungsgesichtpunkten ist aber eine Szene im zweiten Drittel, in der Argento großartig mit Suspense-Momenten á la Hitchcock arbeitet. Welcher ist der zum Schutz abgestellte Polizist: der, der im Nebenzimmer sitzt und von Betty kurz zuvor hineingelassen wurde oder der, der vor der Tür steht und sich als eben jener ausgibt? Nicht minder gelungen der "Rabenflug" im vorgezogenen Finale, bei dem die entfesselte Kamera durch die Oper zu fliegen scheint. Allein diese Einstellung soll seinerzeit eine Million Dollar verschlungen haben.

Abgesehen von den aller letzten Minuten, in denen Argento aus der Szenerie ausbricht, bietet "Opera" eine bedrückend dichte Atmosphäre, die einerseits durch die glänzende Kameraarbeit, andererseits durch die stimmige Musik, die zwischen Opern und Hardrock-Instrumentarien wechselt, vermittelt wird.

Cristina Marsillach erweist sich als echter Glücksgriff. Unverbraucht, natürlich schön und hochsympathisch mimt sie die unschuldige Sängerin. Das Mitfühlen fällt ungleich leichter als etwa bei Signora Wardh... Aber auch bei Argentos Filmen gab es schon nicht ideal besetzte Hauptrollen, umso mehr fällt der Umstand, dass es hier nicht so ist, als Plus ins Gewicht.

Das Tätermotiv ist dermaßen hanebüchen, dass man trotz all der Grausamkeiten nicht allzu bedrückt zurück gelassen wird. Es sei denn, man lässt sich von dem ein wenig zweideutigen Ende verwirren. Haben die Geschehnisse tiefere Spuren bei Betty hinterlassen? Die Antwort muss wohl lauten: nein.


Der Film wurde im November von KochMedia in einer üblichen Blu-Ray/DVD-Kombo in einem schicken Mediabook veröffentlicht. Das Bild ist gut, kleinere Schwächen sind aber nicht zu übersehen. Auch der deutsche Ton scheint an wenigen Stellen "abzusaufen", wird er doch manchmal auf einmal etwas leiser. In Sachen Extras gibt es wie üblich eine hervorragnde Filmanalyse, ein Interview mit Argento und weitere Specials. Alles in allem trotz des nicht ganz billigen Preises eine klare Empfehlung, da sich Mehrfachsichtungen definitiv lohnen.


"Opera" ist eine wahrhafte "Horror-Oper". Wunderbare Impressionen aus der Oper wechseln sich mit einigen Grausamkeuten ab, letzten Endes entsteht eine (gerade noch) gut verdauliche Achterbahnfahrt ohne Längen. Diesen Film sollte man erlebt haben. 5/5 Punkten.

Georg Offline




Beiträge: 3.211

11.03.2016 20:06
#2 RE: Opera (1987) Zitat · Antworten

Den Film habe ich vor vielen Jahren (ich glaube es war 2002) in Italien im Kino gesehen - vieles habe ich vergessen, im Gedächtnis geblieben ist mir der Mord durch die Tür und vor allem das völlig überzogene, unglaubwürdige und übertriebene Ende. Argento war da schon sehr weit weg von seinen wirklichen Meisterwerken.

Ray Offline



Beiträge: 1.833

12.03.2016 09:17
#3 RE: Opera (1987) Zitat · Antworten

Im Kino stelle ich mir insbesondere den "Rabenflug" äußerst beeindruckend vor. Das Finale kann man durchaus als "überzogen" bezeichnen, zum Tätermotiv habe ich ja schon was gesagt. Dennoch meine ich, dass dies durch andere Punkte hinreichend ausgeglichen wird.

Zitat von Georg im Beitrag #2
Argento war da schon sehr weit weg von seinen wirklichen Meisterwerken.


Im Mainstream scheint der Film einen exzellenten Ruf zu genießen, so urteilt etwa die TV Spielfilm:

"Dario Argento, der größte Stilist des Italo-Horrorthrillers (auch "giallo" genannt), hat mit "Terror in der Oper" (Alternativtitel) sein Meisterwerk gedreht. Unterlegt mit harter Rockmusik, kommt das Grauen mit eleganter, entfesselter Kamera dahergeflogen. Nur die Handlung wird da zur Nebensache.

Fazit: Minimale Story, maximaler Stil: edel!"

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