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Dieses Thema hat 6 Antworten
und wurde 576 mal aufgerufen
 Giallo Forum
Blap Offline




Beiträge: 1.128

16.03.2010 13:59
Death Walks on High Heels (1971) Zitat · Antworten

Death walks on High Heels (Italien, Spanien 1971, Originaltitel: La morte cammina con i tacchi alti)

Nicole (Nieves Navarro) verdient ihr Geld mit freizügigen Auftritten den Nachtclubs von Paris. Sie ernährt nebenbei auch noch ihren Stecher Michel (Simón Andreu), der leider ein wenig zu oft und zu tief ins Glas schaut. Die junge Dame wird von einem seltsamen Anrufer belästigt, der von ihr genaueres über den Verbleib gestohlener Diamanten wissen will. Nicoles Vater hatte die Edelsteine bei einem Einbruch erbeutet, doch der gute Mann wurde inzwischen ermordet. Tatächlich taucht bald ein maskierter Bursche in der Wohnung der Stripperin auf und bedroht sie mit Nachdruck. Nicole findet wenig später in Michels Wohnung einen eindeutigen Hinweis darauf, dass ihr Freund der brutale Besucher ist. Da kommt der charmante Engländer Dr. Matthews (Frank Wolff) gerade recht, er ist ein Verehrer der sinnlichen Dame und nimmt sie kurzerhand mit auf die britische Insel. Weil Matthews (unglücklich) verheiratet ist, quartiert er seine Liebschaft in seinem schicken Landhaus ein, taucht ab und zwecks eindringlichen Unterhaltungen auf. Doch der Sadist aus Paris hat die Fährte der Stripperin längst wieder aufgenommen, es kommt zu schrecklichen Ereignissen...

Luciano Ercoli erfreute 1970 mit dem schönen Giallo "The forbidden Photos of a Lady above Suspicion" ( Le foto proibite di una signora per bene). Ein Jahr später legte er mit "Death walks on High Heels" (La morte cammina con i tacchi alti), einen nicht minder faszinierenden Beitrag zum Genre nach. Seine Lebensgefährtin Nieves Navarro darf nun die erste Geige innerhalb weiblichen Besetzung spielen, die aus Andalusien stammende Schönheit zieht hier nahezu alle Register ihrer Verführungskunst. Die weniger bekannte Claudie Lange ist in der Rolle der hintergangenen Ehefrau zu sehen, ihre Ähnlichkeit mit Nieves Navorro fällt erstaunlich aus. Beide Damen liefern eine gute Vorstellung ab, wobei die Rolle von Frau Navarro einiges mehr zu bieten hat. Die männlichen Kollegen waren in "Forbidden Photos" eher Eckpfeiler der Handlung, nun stehen sie weitaus stärker im Zentrum, treiben den Film voran. Der in "Forbidden Photos" ebenfalls mitwirkende Simón Andreu darf dieses Mal richtig aufdrehen, während Frank Wolff sehr überzeugend den ruhenden Gegenpol gibt. Ekelfratze Luciano Rossi kommt als erwartungsgemäß schräger Vogel daher, ihn umgibt immer eine leicht widerwärtige Aura, der Mann ist eine sichere Bank für abstossende Nebenfiguren. George Rigaud gibt als ältlicher Captain ebenfalls Rätsel auf, hinter der sauberen Fassade blüht die Verdorbenheit in aller Pracht. Carlo Gentili bringt als verschrobener Polizist ein wenig Humor ins Geschehen ein, sein Spiel nimmt die steife Art der Briten liebevoll und ansprechend aufs Korn. Bei der Besetzung ist also alles im grünen Bereich, doch auch in den anderen Disziplinen zeigt sich Ercolis Werk in bester Verfasung. Die Handlung scheint zunächst recht durchschaubar, ich war mir ziemlich früh sicher die Vorgänge entschlüsselt zu haben, doch dann kam alles ganz anders. Der Film verlangt nach einem aufmerksamen Zuschauer, der mit einer gelungenen Auflösung belohnt wird. Wie schon bei "Forbidden Photos" geht es auch in "Death walks on High Heels" recht ruhig zu, die Handlung schreitet in angenehm gemäßigtem Tempo vorwärts. Zwar verbrät der Film gleich zu Beginn einen extrem gialloesken Mord, doch man sollte nun keine wüste Orgie erwarten, den schwarzen Handschuhen und dem Messer zum Trotz. Lediglich ein weiterer Mord ist recht drastisch in Szene gesetzt, passt aber glücklicherweise trotzdem gut ins Gesamtbild. Schauwerte bietet Ercoli eher in Form von Sex an, Frau Navarro darf sich recht freizügig präsentieren. Allzu ausufernd wird es aber auch hier nicht, zumindest drängt sich erneut der Verdacht auf, dass Ercoli eine besonders Vorliebe für Füsse hegt.

Der sehr schöne Score von Stelvio Cipriani soll an dieser Stelle nicht unterschlagen werden. Damit wären wir auch bei den Anmerkungen zur DVD-Auswertung von "Death walks on High Heels" angekommen, denn das "Luciano Ercoli Death Box Set" enthält als Bonus eine CD mit Kompositionen von Cipriani. Neben dieser CD und der DVD zu "Death walks on High Heels", enthält das Set den dritten Ercoli Film "Death walks at Midnight" (La morte accarezza a mezzanotte, 1972), in dem sich erneut Nieves Navarro, Simón Andreu und Claudie Lange die Ehre geben, selbst Luciano Rossi fehlt nicht. Auf den zweiten Film des Sets werde ich zu gegebener Zeit eingehen, ich freue mich bereits auf die Sichtung. "Death walks on High Heels" liegt in sehr schöner Qualität vor, hier wurde wirklich sehr gute Arbeit geleistet. Ferner enthält das Box-Set ein Booklet, sowie zwei Postkarten mit Motiven italienischer Lobbycards. Leider ist diese tolle Veröffentlichung seit einiger Zeit OOP, glücklicherweise aber noch zu zivilen Preisen (um 40$) zu bekommen! In Deutschland wurde der Film bisher noch nicht veröffentlicht, es deutet sich auch keinerlei Verbesserung dieser Situation an. Daher rate ich zum baldigen Kauf der Box, es lohnt sich! Der englischen Tonspur kann man gut folgen, also nur Mut!

Mir hat der erste "Death walks..." Film sehr gut gefallen. Oft wird er höher als "Forbidden Photos..." bewertet, doch für mich befinden sich die Werke auf Augenhöhe. "Death walks on High Heels" mag den ausgeklügelteren Plot bieten, ohne Zweifel sind die Kulissen prachtvoller, doch mich spricht auch die fast kammerspielartige Atmosphäre von "Forbidden Photos..." sehr an. Für den zweiten Ercoli Giallo setzt es daher ebenfalls dicke 8/10, allerdings mit steigender Tendenz. Für jeden Giallo Freund eine klare Pflichtveranstaltung!

Lieblingszitat:

"If you don't talk, i'll kill you!"

***

Vom Ursprung her verdorben

Janek Offline




Beiträge: 1.852

01.02.2011 16:32
Death Walks on High Heels (1971) Zitat · Antworten

Habe diesen Film gerade durch einen Trailer entdeckt.


Sah auf den ersten Blick sehr slashig aus. Weiß jemand mehr über diesen Film? Ist er gut, spannnend etc.? Würde mich über Anworten freuen.

MfG
Janek

Editiert von Gubanov am 02.02.2011, 00.20 Uhr - Beiträge ab hier in bestehendes Thema integriert

Sir Oliver Offline




Beiträge: 2.008

01.02.2011 17:34
#3 RE: Death Walks on High Heels (1971) Zitat · Antworten

Laut Trailer soll er auf jeden Fall gut sein. Gibt's nur meines Wissens nach leider nicht in deutscher Fassung ...

Janek Offline




Beiträge: 1.852

01.02.2011 17:38
#4 RE: Death Walks on High Heels (1971) Zitat · Antworten

Der Killer sah dieses Mal sehr interesssant aus. Auch die Schauspieler gefielen mir sehr gut.

MfG
Janek

Blap Offline




Beiträge: 1.128

02.02.2011 00:23
#5 RE: Death Walks on High Heels (1971) Zitat · Antworten

Pflichtfilm für jeden Giallo-Fan!

***

Vom Ursprung her verdorben

Peitschenmönch Offline




Beiträge: 536

02.12.2011 15:23
#6 RE: Death Walks on High Heels (1971) Zitat · Antworten

In meinen Augen ein von A bis Z fantastischer Giallo, so trashig wie feinfühlig, so kunstvoll wie cool. Spitzen-Finale, starke Schauspieler, interessante Location. Und ein grandioser Score von lasziven Frauengesängen bis hin zu knalliger Percussion. 5 von 5 bzw. 10 von 10 Punkten.

Lustig fand ich übrigens, dass hier offenbar bewusst mit farbigen Kontaktlinsen gearbeitet wurde, um das Täterrätsel spannend zu halten, da die blauen Augen des Täters oft in Großaufnahme zu sehen sind. Mehr als einer hat hier ne andere Augenfarbe als sonst.

Spannend bei Ercoli ist auch seine Schauspieler-Kontinuität. Nieves Navarro war in seinen ersten vier Filmen immer dabei, Andreu in seinen ersten dreien ...

Ray Offline



Beiträge: 1.833

01.04.2016 22:13
#7 RE: Death Walks on High Heels (1971) Zitat · Antworten

Death Walks On High Heels (I/ESP 1971)

Regie: Luciano Ercoli
Darsteller: Frank Wolff, Nieves Navarro, Simón Andreu u.a.


Nicole Richards Vater wird ermordet. Diese erhält anonyme Androhungen per Telefon und sogar unfreiwillig Besuch von einem maskierten Unbekannten. Der Mörder ihres Vaters will Diamanten, die er einst durch einen Coup erlangt hat. Doch wer ist der geheimnisvolle Unbekannte? Ihr Liebhaber Michel, der die gleichen Kontaktlinsen zu haben scheint wie der Unbekannte? Oder Robert Matthews, der begeistert von Nicoles Auftritten als Striptease-Tänzerin persönliches Interesse an ihr zeigt? Oder ist es jemand ganz anderes?

Der Film beginnt furios – nach wenigen Minuten der erste Mord. Kurz darauf erklärt sich auch die Verbindung zur Hauptfigur. Im weiteren Verlauf bekommt Navarro genug Gelegenheit, ihren (zugegebenermaßen) makellosen Körper zur Schau zur stellen. Der Schauplatzwechsel nach etwa zwanzig Minuten verspricht ein weiterhin hohes Tempo – doch weit gefehlt. In der Folgezeit trudelt das Geschehen so vor sich hin. Wenn der Zuschauer sich nach zirka vierzig Minuten fragt, wie der Film noch auf eine Laufzeit von über 100 Minuten kommen will, bedient sich die Geschichte eines Kniffs, welcher überrascht, dem Film allerdings nicht sonderlich guttut. Er führt in gewisser Weise dazu, dass das Interesse am Film und seinem Ausgang nachlässt. So folgt man den weiteren Ermittlungen mit überschaubarem Interesse und wird im Gegenzug mit einem überzeugenden, wenngleich auch nicht sonderlich überraschenden Showdown belohnt.

Was also bietet der Film letztlich? Eine Hauptdarstellerin, die sehr gut aussieht und ihre Sache solide macht, obwohl man es mit der Zurschaustellung ihrer Reize in Sachen Quantität ein wenig übertreibt. Frank Wolff, bekannt aus „Leichen pflastern seinen Weg“, liefert kurz vor seinem Tode ebenfalls eine souveräne Vorstellung ab. Nicht ganz überzeugt hat mich Simón Andreu als französischer Liebhaber Navarros, er wirkt bisweilen etwas gestelzt. Davon abgesehen offeriert der Film erlesene Schauplätze und einen guten Soundtrack. Handwerklich ist der Film schließlich auf gutem Niveau, zwar mehr Martino denn Argento, d.h. konventionell ausgefallen, aber absolut zufriedenstellend.

Demgegenüber steht ein uninspiriertes Skript, das die Geduld des Zuschauers hier und da strapaziert. Möglicherweise geht es ausländischen Zuschauern bei der Begutachtung deutscher Edgar Wallace-Filme ähnlich, aber irgendwie nimmt man den Darstellern, welche die Polizisten verkörpern, ihre Rolle nicht ab. Das Ganze wirkt arg auf „very British“ getrimmt. Auch in Sachen Logik und Dialoge sollte man nicht allzu viel erwarten. Beispiel: Inspektor spricht einen Verdächtigen darauf an, dass die Tote nur ein transparentes Kleid getragen habe. Was entgegnet der Zeuge? Dies sei nicht ungewöhnlich, sie sei schließlich Stripperin gewesen. Na klar, Stripperinnen tragen „natürlich“ auch privat nur transparent ...

Die „Giallo-Basics“ sind soweit vorhanden, dennoch krankt „Death Walks on High Heels“ an einem uninspirierten Skript und dramaturgischen Schwächen. 3/5 Punkten.

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