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Dieses Thema hat 5 Antworten
und wurde 668 mal aufgerufen
 Giallo Forum
kaeuflin Offline




Beiträge: 1.259

10.10.2008 22:00
Five Dolls for an August Moon (1970) Zitat · Antworten

"Cinque bambole per la luna d'agosto" - Bavas von ihm ungelieber Giallo mit 10-kleine-Negerlein-Anleihen ...

Five Dolls for an August Moon

Originaltitel:    Cinque bambole per la luna d'agosto
Alternativtitel: Moon and Dolls, Island of Terror
Herstellungsland: Italien
Erscheinungsjahr: 1970
Drehbuch: Mario di Nardo
Kamera: Antonio Rinaldi
Schnitt: Mario Bava
Musik: Piero Umiliani
Länge: ca. 88 Minuten
Regie: Mario Bava
Cast: William Berger, Ira von Fürstenberg, Edwige Fenech,
Howard Ross, Helena Ronee, Teodoro Corrà,
Ely Galleani, Edith Meloni, Mauro Bosco, Maurice Poli


Der Industrielle George Stark lädt Geschäftspartner und einen Wissenschaftler (von dem er gerne eine Formel kaufen möchte) in seine Villa auf eine einsamen Insel ein. Der Chemiker Gerry Farrell weigert sich aber, seine Erfindung zu verkaufen. Ihm geht es nicht um Geld, sondern darum, den Menschen zu helfen. Ein Angestellter Georges wird ermordet am Strand aufgefunden. Und das Motorboot, die einzige Verbindung zum Festland, ist verschwunden. Unter den Bewohnern der Insel bricht Panik aus, als Farrell das nächste Opfer des Killers wird - nur verschwindet seine Leiche ebenso wie ein Scheck über 1 Million Dollar. Der Killer ist aber noch nicht am Ziel und so sterben weitere Menschen ...

Der Film bemüht sich, die Spannung bis zum Schluss zu halten, doch die Drehbuchkonstruktion ist doch etwas dünn und die Lösung wird einem recht bald klar ... Die (auch wenn in anderen Reviews das Gegenteil behauptet wird) starke Bestzung und das gute Zusammenspiel der Darsteller retten einiges - ähnlich wie in "Bay of Blood" versucht jeder, den Anderen zu betrügen, was zwar die Mordgeschichte nicht besser macht, aber doch durchaus sehenswert ist. Optisch ist der Film einfach nur genial: Kammeraeinstellungen und -fahrten, perfekt eingesetzte Schauplätze, tolle Stimmungen und ein paar makabre Ideen - einfach Bava! Auch die Musik ist optimal eingesetzt - der Score ist wirklich stark und geht gut ins Ohr.

Gesehen habe ich den Film von einer russischen DVD von Film Prestige, die auch eine engliche Tonspur bietet. Das Bild hat sehr schöne Farben, an manchen Stellen pulsiert es allerdings etwas (nicht wiklich stöhrend). Die Tonspur knackt und rauscht etwas, ist aber gut verständlich.

Mit einem besseren Drehbuch wäre ein Meisterwerk daraus geworden, so ist es ein optisch toller Giallo - für Bava-Fans Pflicht!

Peter

Happiness IS the road! (Marillion)

StefanK Offline



Beiträge: 936

11.10.2008 12:32
#2 RE: Five Dolls for an August Moon (1970) Zitat · Antworten

Der Film zeigt auch sehr schön, wie Bava selbst unter chaotischen Umständen gute Filme abliefern konnte. Bava wurde mehr als kurzfristig verpflichtet. An einem Samstag wurde der Vertrag unterschrieben und am Montag starteten die Dreharbeiten. Somit hatte er natürlich auch fast keinen Einfluss auf die Schauspieler- bzw. Crewauswahl. Immerhin konnte er mit seinem "Standardkameramann" Antonio Rinaldi arbeiten. Bava selbst gefiel der Film wohl auch nicht so besonders, ich finde ihn eigentlich ganz gelungen. Die Optik ist super und auch der teils recht schwarze Humor sowie die Auflösung passen für mich.

Die erhältlichen DVDs sollen wohl alle ein ähnlich gutes aber nicht überragendes Bild bieten. Ich habe die alte US-DVD von Image Entertainment, auf der immerhin auch ein paar Songs des Soundtracks in den Menüs "versteckt" sind.

kaeuflin Offline




Beiträge: 1.259

11.10.2008 14:03
#3 RE: Five Dolls for an August Moon (1970) Zitat · Antworten

Ich habe halt das Problem, dass ich mich durch das Menü raten muss - alles auf Russisch. Kyrillische Schriftzeichen zu lesen, bin zumindest ich nicht in der Lage - war aber die einzige DVD, die momentan für einen vernünftigen Preis aufzutreiben ist.

Bavas schwarzer Humor liegt mir sehr - allerdings gibt es einige Leute, die damit enorme Prbleme haben. Ist in diesem Film allerdings auch nicht so ausgeprägt wie in "Hatchet for the Honeymoon" oder "Bay of Blood" ...

Peter

Happiness IS the road! (Marillion)

StefanK Offline



Beiträge: 936

11.10.2008 18:38
#4 RE: Five Dolls for an August Moon (1970) Zitat · Antworten

Das Problem kenne ich: Ich hatte mal eine Jackie-Chan-DVD aus Taiwan oder Hong Kong. Jedenfalls war da auch Raten angesagt. Aber was tut man nicht alles für die Sammlung ...

"Hatchet for the Honeymoon" und "Bay of Blood" sind sicherlich eher Filme für "Fortgeschrittene", was Bava und seinen Sinn für Humor angeht. Bava-Neueinsteigern würde ich diese Filme oder auch "Rabid Dogs" (den aber aus anderen Gründen) auch nicht empfehlen. Wobei ich im direkten Vergleich eher "Hatchet for the Honeymoon" bevorzugen würde.

Gubanov ( gelöscht )
Beiträge:

09.03.2016 21:15
#5 RE: Five Dolls for an August Moon (1970) Zitat · Antworten



Five Dolls for an August Moon (Cinque bambole per la luna d’agosto)

Thriller, IT 1969/70. Regie: Mario Bava. Drehbuch: Mario di Nardo. Mit: Ira von Fürstenberg (Trudy Farrell), William Berger (Professor Gerry Farrell), Maurice Poli (Nick Chaney), Edwige Fenech (Marie Chaney), Howard Ross (Jack Davidson), Teodoro Corrà (George Stark), Ely Galleani (Isabel), Edith Meloni (Jill Stark), Helena Ronée (Peggy Davidson), Mauro Bosco (Charles) u.a. Uraufführung (IT): 14. Februar 1970. Eine Produktion von P.A.C. Produzioni Atlas Consorziate.

Zitat von Five Dolls for an August Moon
Als Professor Farrell die Einladung des Geschäftsmanns George Stark akzeptierte, ein Wochenende in dessen Villa auf einer einsamen Insel zu verbringen, wusste er nicht, dass dies nur ein Trick war, um an eine von ihm entwickelte Formel zu gelangen. Gleich drei Männer bieten jeweils eine Million Dollar für die Formel, doch Farrell will nicht verkaufen. Da sterben auf einmal zwei Menschen auf der Insel – und schließlich trifft auch den Professor eine Kugel. Doch die Morde hören damit noch lang nicht auf ...


Diese eher freie Variation der Agatha-Christie-Kinderreimmorde wird von der von Regisseur Mario Bava höchstselbst verbreiteten Legende umgeben, ein unter chaotischen Umständen rasch und billig produzierter Film gewesen zu sein. Das mag im Kern der Wahrheit entsprechen, jedoch lassen sowohl die sorgfältige Ausstattung als auch das mit Bava nicht gerade unvertraute Team darauf schließen, dass der Vorlauf unter der Ägide des Kultregisseurs etwas länger als die angeblichen bloßen zwei Tage gewesen sein dürfte. Eventuell haben wir es hier mit einer Schutzbehauptung zu tun, weil Bava mit dem Endergebnis – aus durchaus nachvollziehbaren Gründen – trotz des aufgebotenen Farb- und Technikfeuerwerks unzufrieden war.

Die Kernproblematik des Films ist nicht unbedingt die weitgehende Abwesenheit von Logik, die in einem italienischen Genrefilm dieser Periode bei entsprechend ästhetischer Maskierung problemlos verschmerzt werden kann. Viel schwerer wiegt, dass Bava den unausgeglichenen Erzählfluss des holprigen Drehbuchs nicht ausgleichen kann. An einer Stelle des Films sagt Hauptdarstellerin Ira von Fürstenberg „Everyone seems to be waiting for something that’s not happening“ und scheint damit die Essenz der ersten Hälfte des Streifens einzufangen, in der nach einer überhetzten (bzw. nicht vorhandenen) Einführung der Charaktere die Handlung kaum Geschwindigkeit aufnehmen kann und schwächer noch als das umliegende Meer an den Strand der Insel plätschert. Demgegenüber besteht die zweite Hälfte aus einer losen und unmotivierten Aneinanderreihung der einzelnen Morde, wobei eine Leiche und ein lebendiger Charakter ohne jede Erklärung für weite Strecken einfach von der Bildfläche verschwinden.

Der Filmkritiker Tim Lucas dechiffriert in seinem hörenswerten Audiokommentar die Äußerung Fürstenbergs: „What Trudy says stands as an ethos of sorts for this film as it persists in denying its thriller audience their thrills.“ Er weist damit auch auf den Schwachpunkt hin, dass der Film in seiner Eigenschaft als Prä-Giallo extrem harmlos und unaufgeregt daherkommt. Die von einem Plot wie dem vorliegenden zu erwartenden Schockmomente fehlen völlig; die Ansammlung der Leichen dient Bava stattdessen als Quelle bissigen Humors, indem er die toten Körper – fein säuberlich in Plastik gehüllt – im villa-eigenen Kühlhaus zwischen Fleisch- und Gemüsevorräten aufhängen lässt; das Ganze untermalt von einer leierkastenhaften Musik, die weit von der Spannungsmache der zukünftigen Morricone-, Ortolani- oder Ciprani-Scores entfernt ist.

Man kommt natürlich nicht umhin, trotz dieser offenkundigen Schwachstellen „Five Dolls for an August Moon“ für seine atmosphärische Dichte, das hochgradig stylishe Set-Design, die solide Kameraarbeit und die vielsagenden Schnitte zu loben. Auch die Besetzung erweist sich als erstaunlich solide: Ira von Fürstenberg gelingt es überzeugend, ihre anfängliche Position als Moralwächterin aufzugeben und sich mehr und mehr in das Konglomerat korrupter und geldgieriger Überlebenshungriger einzugliedern. Selbst Edwige Fenechs Auftritt gerät nicht so nervtötend wie in jenen Gialli, in denen sie später Hauptrollen zu übernehmen hatte. Als ungleiches Duo auf männlicher Seite sind William Berger und Maurice Poli hervorzuheben, wobei vor allem Polis Rolle als Inbegriff des willensstarken, präpotenten und misogynen Seventies-Machos aus Genresicht viel hergibt.

Eher langweilige und oberflächliche Herangehensweise an die „Zehn kleine Negerlein“-Struktur, die auch vom Giallo-Faktor her deutlich härter und stringenter hätte ausgereizt werden können. Bavas Inszenierung kaschiert einige Fehler des Films und fügt dem Streifen eine leicht verdauliche soziale Botschaft hinzu, kann aber schlussendlich nicht die Schwächen eines sorglos dahingeschlampten Drehbuchs ausmerzen. 2,5 von 5 Punkten.

Gubanov ( gelöscht )
Beiträge:

09.03.2016 23:10
#6 RE: Five Dolls for an August Moon (1970) Zitat · Antworten

Empfehlen kann ich die amerikanische Neuauflage von „Five Dolls“, die sowohl als DVD als auch als Blu-ray erschienen ist. Kino Classics und International Media Films haben das Material neu abgetastet und bieten im Vergleich zur alten DVD von Image Entertainment ein deutlich verbessertes Bild. Einen vielsagenden Vergleich hat der DVD-Beaver auf Lager. Einziger Wermutstropfen der Neuveröffentlichung ist, dass auf ihr sowohl der italienische Ton als auch die englischen Untertitel der Erstauflage fehlen. Man bekommt nur englischen Ton ohne UTs. Dafür hat man, wie bereits in der Besprechung erwähnt, Tim Lucas einen sehr gelungenen Audiokommentar einsprechen lassen, dem es gelingt, auch dem skeptischen Betrachter des Films einige Aspekte näherzubringen.

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