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Dieses Thema hat 5 Antworten
und wurde 745 mal aufgerufen
 Film- und Fernsehklassiker national
Georg Online




Beiträge: 2.784

19.02.2016 20:01
Endstation Rote Laterne / Blonde Mädchen für Havanna (1959/60) Zitat · antworten

ENDSTATION "ROTE LATERNE" - BLONDE MÄDCHEN FÜR HAVANNA
Kriminalfilm, BRD 1959/60, 85'

Mit Joachim Fuchsberger, Klausjürgen Wussow, Eva Anthes, Werner Peters, Wolfgang Büttner, Christine Görner, Gudrun Schmidt, Ernst Konstantin, Herbert Weicker

Buch: Normand Roland & Franz Marischka
Musik: Willy Mattes
Kamera: Georg Krause
Schnitt: Herbert Taschner
Produktionsleitung: Ludwig Spitaler
Produzent: Wolf C. Hartwig (eine Produktion der Rapid-Film München)
Regie: Rudolf Jugert

Die "Rote Laterne" ist ein Nachtclub in Havanna. Dort arbeiten Mädchen, die aus Amsterdam per Schiff in die Kubanische Hauptstadt verfrachtet werden - und zwar nicht ganz freiwillig. Kommissar Stelling von der Kriminalpolizei ist den skrupellosen Mädchenhändlern auf der Spur. Besonders interessiert er sich für Dr. Jan Fabrizius (Wussow), der in Amsterdam eine dubiose Nachtbar betreibt, die die geheime Zentrale der Gangster zu sein scheint. Unterdessen interessiert sich auch die junge Journalisten Verena Linkmann für den Fall. Sie lässt sich auf die Gangsterbande ein und begibt sich in höchste Gefahr ...

Dem Produzenten Wolf C. Hartwig verdankt der deutsche Krimi der 60er einige schöne Kinostreifen: die Exotikkrimis à la Zwischen Hamburg und St. Pauli, Das Todesauge von Ceylon, Weiße Fracht für Hongkong, Die Diamantenhölle vom Mekong, Der Fluch des schwarzen Rubin, Fünf vor zwölf in Caracas ebenso, wie Filme wie Treibjagd auf ein Leben. Für Endstation "Rote Laterne" (der im Vorspann auch gleich den Untertitel Blonde Mädchen für Havanna trägt) standen der Rapid-Film die beiden Hauptdarsteller aus den ersten beiden Wallace-Filmen zur Verfügung: Fuchsberger und Wussow, dazu noch Eva Anthes - das musste doch die Leute ins Kino locken! Dazu noch Werner Peters und Wolfgang Büttner, eine erstklassige Besetzung - und die schöne Ohrwurmmusik von Willy Mattes. Dem Film fehlt es an nichts - außer an Spannung! Die Autoren und der Regisseur erzählen eine 08/15-Geschichte, die in keinem Moment für Aufregung sorgt. Laut IMDB soll die Story gar auf Mabuse-Autor Norbert Jacques beruhen (dieser wird jedoch nirgendwo sonst erwähnt, auch nicht im Vorspann). Blacky kämpft auf der guten Seite - wie gewohnt, während Wussow den Bad Guy spielt und von Anfang an als Bösewicht bekannt ist. Es kommt nicht mal zu aufregenden Konfrontationen zwischen Gut und Böse. Die beste Rolle hat vielleicht noch Wolfgang Büttner, der als dubioser Kellner der Typ fürs Grobe ist und wohl einen der "originellsten" Morde des 60er-Krimis begeht (mehr sei hier nicht verraten).

Insgesamt ist dieser Film eher eine Enttäuschung. Die Story ist absolut vorhersehbar und wurde so oder so ähnlich noch mehrfach auch in deutschen 60er-Produktionen erzählt, spontan fallen mir Blonde Fracht für Sansibar (1964, mit Hildegard Knef) und Schwarzer Markt der Liebe (1966, mit Uta Levka) ein. Beide Produktionen fand ich aufregender. Für Nostalgiefans ist in Endstation "Rote Laterne" allenfalls das gemeinsame Auftreten der Wallace-Stars der ersten Stunde(n) von Interesse. Keine zweite Sichtung wert.

Tarzan Offline



Beiträge: 863

20.02.2016 07:25
#2 RE: Endstation Rote Laterne / Blonde Mädchen für Havanna (1959/60) Zitat · antworten

In dem Film hat Nana Osten einen ordentlichen Auftritt, was hier erwähnt werden muss. Sie spielt ganz anders als noch zuvor, als sie den Engel, der seine Harfe versetzte, gab. Ansonsten eine typische Rapid-Produktion, die man sich durchaus auch zweimal anschauen kann!

Giacco Offline



Beiträge: 1.471

20.02.2016 15:32
#3 RE: Endstation Rote Laterne / Blonde Mädchen für Havanna (1959/60) Zitat · antworten

Mir war dieser Film schon mehrere Sichtungen wert, in erster Linie natürlich wegen der Besetzung (wobei ich Christine Görner ausklammern möchte, zumal sie meiner Meinung nach auch nicht so richtig mit Fuchsberger harmoniert).

Nachstehend eine zeitgenössische Kritik aus dem Film-Echo:

"Wie leben die Herren Star-Reporter doch gefährlich. Und ihre Kolleginnen erst. Was die durchmachen müssen, wenn sie sich an sogenannte heiße Eisen wagen, wird uns hier allzu deutlich am Beispiel der charmanten Christine Görner vorexerziert, die sich unter "blonde Mädchen für Havanna" mischt. Zunächst fischt sie den vollkommen k.o.-geschlagenen Kriminalisten Joachim Fuchsberger gerade noch rechtzeitig aus dem Hafenbecken, in das ihn die bösen, aber sonst recht begriffsstutzigen Spitzbuben von der Mädchenhändlerzunft geworfen haben. Dann muss sie zusehen, wie das reumütige Gangsterliebchen Gudrun Schmidt abgemurkst wird, bevor es auspacken kann und schließlich peitscht ihr ein Artist die Textilien bis an die Grenze des Schicklichen Stück für Stück vom Leibe.

Rudolf Jugert macht in Sadismus: Hilflos gefesselte Frauen in den Händen von menschlichen Bestien oder ein Schuft von Vater (Werner Peters), der die unschuldig-zarte Tochter (Eva Anthes) fast erwürgt, sind nur einige Kostproben. Wenn sich dann die Akteure auch noch gegenseitig mit Fäusten, Schießeisen und Messern malträtieren, die Autoreifen in den Kurven quietschen und zum Schluß Handschellen um die Gelenke einiger ehrenwerten Senores klicken, glaubt man, genug für den Nervenkitzel anspruchsloser Gemüter getan zu haben. Von der im Inserat versprochenen "Sensation" und "prickelnder Aktualität" ist jedenfalls nichts zu spüren. Die schauspielerischen Leistungen sind immerhin gut."


Die Film-Echo-Note 3,2 und eine durchaus noch gute Platzierung in der Erfolgsrangliste zeigen, dass das der Film damals beim Publikum ankam.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.410

19.11.2016 15:07
#4 RE: Endstation Rote Laterne / Blonde Mädchen für Havanna (1959/60) Zitat · antworten

BEWERTET: "Endstation 'Rote Laterne'" (Blonde Mädchen für Havanna) (Deutschland 1960)
mit: Joachim Fuchsberger, Christine Görner, Klausjürgen Wussow, Eva Anthes, Werner Peters, Gudrun Schmidt, Wolfgang Büttner, Nana Osten, Otto Storr, Annemarie Holtz, Ernst Konstantin, Paul Bös u.a. | Drehbuch: Norman Roland und Franz Marischka | Regie: Rudolf Jugert

Kommissar Stelling aus Köln bearbeitet mehrere Fälle, in denen es um verschwundene Mädchen geht. Die Spur führt nach Amsterdam und von dort nach Südamerika. Mit der Aussicht, eine Stelle als Tänzerin im Nachtlokal "Casino Rio" antreten zu können, werden die jungen Frauen angeworben und später unter dem Vorwand einer Tournee an ein Bordell auf Kuba verschachert. Abkassiert wird in Amsterdam; Profiteure des schmutzigen Geschäfts sind der Biedermann und Familiendespot Van Laan und der ehemalige Frauenarzt Dr. Jan Fabrizius. Die Journalistin Verena Linkmann will der Sache ebenso auf den Grund gehen wie der Polizeiermittler und begibt sich dabei in tödliche Gefahr. Währenddessen erschleicht sich Dr. Fabrizius das Vertrauen der Van Laan-Tochter Irene und setzt sie auf die Passagierliste für den nächsten Südamerika-Transport....



Die Grundelemente des Films lehnen sich an die parallel laufende neue Edgar-Wallace-Reihe der Rialto an. Dennoch gibt es gravierende Unterschiede, die den Film im Vergleich zu den Frühwerken der Erfolgsserie abschmieren lassen. Erstens: Es gibt keine Berührungspunkte zwischen den populären Stars aus den beiden ersten Edgar-Wallace-Filmen. So wartet man vergebens auf gemeinsame Szenen von Fuchsberger und Anthes oder Fuchsberger und Wussow. Die Tatsache, dass die von Fuchsberger verkörperte Figur sich ausschließlich Christine Görner widmet, enttäuscht. Selbst am Ende, als die Damen in Sicherheit gebracht werden, wurde tunlichst darauf geachtet, dass sich die Wege von Anthes und Fuchsberger nicht kreuzen. Zweitens: Franz Marischka zeichnet zur Hälfte für das Drehbuch verantwortlich, was deutlich in den pseudo-folkloristischen Szenen zu sehen ist und der Produktion die gleiche exotische Note verleiht wie dem im gleichen Jahr entstandenen Musikkrimi "Das Rätsel der grünen Spinne". Drittens: Blacky Fuchsberger agiert als "Gast-Kommissar", da er weder in Amsterdam, noch in Havanna leitender Ermittler ist. Vor allem die Konfrontation mit dem Schlendrian im kubanischen Polizeirevier ist ungewöhnlich für den zupackenden Mann. Er vermisst sein Dezernat, in dem er alle Befugnisse und den gesamten Polizeiapparat hinter sich hat.

Die Besetzung der weiblichen Hauptrolle mit Christiane Görner ist ungewöhnlich und ihre Darstellung kann zwar als solide (Kommentar über ihre Erscheinung im "Casino Rio") bezeichnet werden, schafft es aber nicht, den Zuschauer emotional für sich zu gewinnen. Ihre Undercover-Recherche koppelt sie von den anderen ab, weswegen sie relativ isoliert ist und Kommissar Stelling im Prinzip nur als Informationsquelle benötigt. Sie gibt eine saubere Leistung ab, allerdings hätte man ihr ersparen sollen, als "love interest" von Blacky zwangsverpflichtet zu werden. Die Ablieferung des Berichts aus erster Hand in ihrer Redaktion wäre ein passenderer Abschluss für sie gewesen. Eva Anthes ist wie geschaffen dafür, den Beschützerinstinkt im Zuschauer zu wecken. Wenn sie mit ihrem duftigen, ausgestellten Abendkleid daher schwebt, glaubt man, Romy Schneider zu sehen, die geradewegs aus dem Wiener Atelier am Rosenhügel kommt. Der finstere Klausjürgen Wussow, der Böses im Schilde führt, rennt bei seiner jungen Kollegin offene Türen ein, lebt sie doch in einem restriktiven Elternhaus, dem Werner Peters vorsteht, als wäre das Tausendjährige Reich nicht bereits vor fünfzehn Jahren untergegangen. Seine Szenen mit Wussow sind von einer packenden Brillanz und der finale Kampf zwischen den Männern könnte glatt aus einem Dr.-Mabuse-Film stammen.

Leider können solche Glanzleistungen nicht darüber hinwegtäuschen, dass es im Gebälk bedenklich knistert. Vor allem die Szenen im Nachtlokal und in den Pappkulissen der Villa Estella wirken von minderer Qualität. Geheimnisvoll in ihrer Mischung aus Unnahbarkeit und Verzweiflung ist die elegante Gudrun Schmidt, deren Spiel gefällt und deren Anwesenheit der Oberflächlichkeit des Vergnügungs-Etablissements eine gewisse Würde verleiht. Wolfgang Büttner, als steif und trocken bekannt, zeigt sich wendig und roh und ist als Mann fürs Grobe von eiskalter Präzision. Die Handlung lässt keine Fragen offen, denn die Charaktere und ihre Absichten sind von Beginn an klar gezeichnet, was den Film leider jeglichen Rätselfaktors beraubt. Die strikte Trennung der beiden Erzählstränge "Rache des Dr. Fabrizius" und "Nachforschungen von Stelling und Linkmann" nimmt dem Film die Möglichkeit, vom Charme einer Begegnung der Wallace-Stars zu profitieren. Wie gelungen das sein kann, zeigt sich in den Szenen mit der naiven, begeisterungsfähigen Irene und dem abgebrühten, listigen Dr. Fabrizius. Sie zählen zu den besten Momenten des Films. An dem unschuldigen Mädchen wird die ganze Tragik des Stoffes ersichtlich, was der Produktion eine Tiefe verleiht, die sie anderweitig wieder verschenkt.

Mit allen Voraussetzungen eines Erfolgskrimis ausgestattet, zeigt sich, dass es nicht nur auf die Zutaten ankommt, sondern auch darauf, wie man sie mischt. Drehbuchschwächen und plumpe Nebendarsteller reduzieren den Film immer wieder auf Mittelmaß, was angesichts der guten Wallace-Schauspieler schade ist. 3,5 von 5 Punkten.

Ray Offline



Beiträge: 818

13.08.2017 17:42
#5 RE: Endstation Rote Laterne / Blonde Mädchen für Havanna (1959/60) Zitat · antworten

Durch die Nominierungen beim Epigonen-Grand-Prix mal wieder drauf gestoßen. Noch so ein Film, der eigentlich schon längst durch Pidax oder Filmjuwelen hätte veröffentlicht werden müssen. Hat hier jemand eine Ahnung, warum das noch nicht passiert ist? Der Film ließe sich doch allein wegen Fuchsberger in der Sparte wunderbar vermarkten.

Gubanov Offline




Beiträge: 14.920

12.09.2017 06:00
#6 RE: Endstation Rote Laterne / Blonde Mädchen für Havanna (1959/60) Zitat · antworten

„Endstation rote Laterne“ belegt im Edgar-Wallace-Epigonen-Grandprix 2017 Platz 38 von 48. Der Film erhielt von den Teilnehmern im Durchschnitt eine Bewertung von 3,25 von 5 Punkten.

zugrundeliegende Wertungen: 5 von 17 (4x „gut bekannt“, 1x „länger her“)
Top-10-Tipps: 0 von 8
Auswahlrunde: Platz 26 von 28 (4,9 Punkte)


mit 3,89 Pkt. Platz 28 in der Kategorie Schauspieler (+ 10)
mit 3,22 Pkt. Platz 34 in der Kategorie Inszenierung / Spannung (+ 4)
mit 3,17 Pkt. Platz 35 in der Kategorie Drehbuch / Logik (+ 3)
mit 3,22 Pkt. Platz 38 in der Kategorie Ausstattung / Wertigkeit (~ 0)
mit 3,00 Pkt. Platz 44 in der Kategorie Musik (– 6)
mit 3,00 Pkt. Platz 39 in der Kategorie Epigonenfaktor (– 1)
mit 3,22 Pkt. Platz 33 in der Kategorie freie Wertung (+ 5)

Edgar-Wallace-Epigonen-Grandprix 2017: Ergebnisse (#171) (12)

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