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Dieses Thema hat 8 Antworten
und wurde 4.103 mal aufgerufen
 Film- und Fernsehklassiker national
florian Offline




Beiträge: 366

30.06.2010 21:33
Die Frau am dunklen Fenster (1960) Zitat · Antworten

Es dürfte gut 20 Jahre her sein, dass ich diesen Film im TV sah. Die Darsteller machten mich neugierig: Marianne Koch, Heinz Drache, Robert Graf, Franz Schafheitlin, Hans Paetsch, Alice Treff und Christiane Nielsen. Meines Wissens nach spielt Marianne Koch in diesem Krimi eine gehbehinderte Fernsehansagerin, die nach dem Selbstmord ihres Geliebten Vergeltung an ihrer Rivalin (Christiane Nielsen) übt.

Leider ist über diesen Film nicht viel zu erfahren. Die Musik soll von Martin Böttcher stammen. Auch wundert es mich, dass es hier im Forum kaum Eintragungen gibt. Wie gesagt, es ist ewig her, dass ich den Film sah. Mit der Zeit lässt leider auch die Erinnerung daran mächtig nach, glaube jedoch, den Streifen als spannend empfunden zu haben.

Wer kennt diesen Franz-Peter Wirth-Film?

Florian

Joachim Kramp Offline




Beiträge: 4.901

30.06.2010 22:18
#2 RE: Die Frau am dunklen Fenster (1960) Zitat · Antworten

Ich habe in meinen Unterlagen nachgesehen und musste feststellen, dass "Die Frau am dunklen Fenster" noch nicht einmal bei der Bio-plus aller Wirth-Filme im TV-Lexikon aufgeführt ist. Hatte er vielleicht einen anderen Titel?

Joachim

Elford Offline




Beiträge: 1.026

30.06.2010 22:31
#3 RE: Die Frau am dunklen Fenster (1960) Zitat · Antworten

Florian hat recht: Der Film lief zuletzt vor ca. 20 bis 25 Jahren im dritten Programm des NDR. Der Titel ist korrekt. Ich habe eine Video-Aufnahme von dem Film. Ich habe ihn auch länger nicht gesehen, werde aber versuchen, ihn mir in den nächsten Wochen wieder einmal anzusehen.

Joachim Kramp Offline




Beiträge: 4.901

01.07.2010 15:03
#4 RE: Die Frau am dunklen Fenster (1960) Zitat · Antworten

Manchmal muss man nur etwas länger suchen um Informationen zu finden - nun wurde ich fündig:

DIE FRAU AM DUNKLEN FENSTER

Produktion: Real Film. Produzent: Walter Koppel. Regie: Franz Wirth. Drehbuch: Jochen Huth nach einer Erzählung von Hugo M. Kritz. Kamera: Günther Senftleben. Musik: Martin Böttcher. Verleih: Europa. Schwarzweiß / Breitwand, 2698 m. FSK: ab 18 Jahren. Premiere: 17. März 1960, Weltspiele Hannover.

Inhalt:
Der Kaufmann Thomas Melchior (Robert Graf) ist der neue Untermieter bei Frau Konradin (Alice Treff) und ihrer Tochter Luise (Marianne Koch). Immer wieder warnt die Mutter Luise vor Thomas, der sicher eine gesunde Frau suche, während Luise noch an den Folgen einer Kinderlähmung leidet. Aber Luise, die in einem Fernsehstudio arbeitet, trifft sich mit Thomas in einer von ihr gemieteten Wohnung. Hier lernt sie Karin Becker (Christiane Nielsen) kennen. Karin verschafft Thomas durch ihren Freund Hermann Brasch (Erwin Linder) eine gute Position. Aber schon bald zieht Karin in die Wohnung. Und später heiraten Thomas und Karin. Aber schnell geht es bergab. Brasch hat betrogen und will mit Karin ins Ausland fliehen. Thomas hingegen entschließt sich zu bleiben. Karin weigert sich, ihm finanziell zu helfen. Bei der Verfassung seines Abschiedsbriefes an Luise erscheint Karin und fordert Geld für ihre Flucht. Dabei fällt ihr die Pistole in die Hand, mit der Thomas seinem Leben ein Ende bereiten will. Sie beschwört ihn, keinen Selbstmord zu begehen. Als er versucht, ihr die Waffe zu entreißen, löst sich der verhängnisvolle Schuß, der ihn tödlich trifft. Karin flieht mit Brasch bis zur Grenze und trennt sich von ihm. Später wird sie verhaftet. Luise machte, dass Karin ihre moralische Schuld sühnen soll. Sie verschweigt dem Staatsanwalt Wegner (Heinz Drache) den in ihrem Besitz befindlichen Abschiedsbrief von Thomas. Als Gefangene nimmt Karin an der Beisetzung teil. Am Grabe kommt es zum offenen Streit zwischen den Rivalinnen. Es kommt zur Vernehmung und endlich gesteht Luise, den Abschiedsbrief vernichtet zu haben. Erlöst von ihrer inneren Qual und befreit von neuer Schuld lächelt sie dem ihr gewogenen jungen Staatsanwalt zu.

Diese Inhaltsangabe weist eher dahin, dass es sich bei diesem Film um ein Drama handelt – vielleicht sogar um ein Psycho-Drama. Der geschäftliche Zuspruch war nur unterer Durchschnitt, sodass der Film – sogar bis heute – in der Versenkung verschwand.

Joachim

Tarzan Offline



Beiträge: 1.004

01.07.2010 19:53
#5 RE: Die Frau am dunklen Fenster (1960) Zitat · Antworten

Ein typisches Produkt der Zeit.

Böttchers Titel "Charleston Lady" ist aber ein Ohrwurm.

Tarzan Offline



Beiträge: 1.004

26.07.2010 22:31
#6 RE: Die Frau am dunklen Fenster (1960) Zitat · Antworten

Robert Graf spielt einen windigen Herzensbrecher. Heinz Drache den ermittelnden Staatsanwalt, (fast schon) so wie später bei Edgar Wallace. Marianne Koch ist die bemitleidenswerte Frau, die "gehörnt" wird. Christiane Nielsen das "Biest", das sich den Mann holt, ihn aber später fallen lässt. Hans Paetsch gibt den soliden Anwalt.

Ein vorhersehbares Drama. Deutsche Hausmannskost aus den Sixties. Zum Psycho-Drama fehlt der Tiefgang. Ob Regisseur Franz Peter Wirth dazu die Klasse hatte? (Kenne zu wenig von ihm.) Die Streitszene der beiden Damen am Grab des Geliebten etwa ist einfach zu simpel gestrickt. Die besten Szenen hat der Film, wenn Robert Graf und Christiane Nielsen unter Böttchers Klängen tanzen und sich näher kommen. Oder wenn generell Böttchers Klänge erklingen. Natürlich ist es auch interessant, "die Fingerübungen" von Drache zu verfolgen.

Grabert Offline



Beiträge: 257

29.04.2011 18:40
#7 RE: Die Frau am dunklen Fenster (1960) Zitat · Antworten

Zitat von Joachim Kramp im Beitrag #4
Diese Inhaltsangabe weist eher dahin, dass es sich bei diesem Film um ein Drama handelt – vielleicht sogar um ein Psycho-Drama. Der geschäftliche Zuspruch war nur unterer Durchschnitt, sodass der Film – sogar bis heute – in der Versenkung verschwand.

Der Film ist zwar nicht so schlecht, um ganz in der Versenkung zu verschwinden, aber fraglos nicht stilverwandt mit den Edgar Wallace Produktionen. Es ist ein Psychodrama mit Marianne Koch, Christiane Nielsen und Robert Graf in einem Dreiecksverhältnis mit Todesfolgen. An Edgar Wallace Filme erinnert lediglich Heinz Drache als lässiger Ermittler. Selbst die Musik von Martin Böttcher lässt kaum Krimianklänge zu.

Georg Offline




Beiträge: 3.221

21.04.2012 15:24
#8 RE: Die Frau am dunklen Fenster (1960) Zitat · Antworten

Eben wieder mal gesehen: Die Frau am dunklen Fenster (BRD 1960).

Eine tragische Dreiecksgeschichte, in der vorwiegend in Rückblenden die unglückliche Liebesgeschichte einer gehbehinderten Fernsehmoderatorin (Marianne Koch) erzählt wird, die von ihrem Ex (Robert Graf) und dessen neuer Geliebter (Christiane Nielsen) gedemütigt wird. Nach einem Todesfall hat die Moderatorin es in der Hand, ihre Rivalin in den Knast zu bringen. Der Staatsanwalt (Heinz Drache) ermittelt und verliebt sich in die Moderatorin.

Mit Wallace oder seinen Epigonen hat die Produktion - trotz hochkarätiger Schauspieler - nichts zu tun. Insgesamt durchschnittliche Ware, die dank Marianne Koch, Heinz Drache, Robert Graf, Erwin Linder, Christiane Nielsen doch sehenswert ist! Aber kein Krimi. Ein Psychodrama mit kriminalistischem Hauch.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.589

25.04.2016 13:40
#9 RE: Die Frau am dunklen Fenster (1960) Zitat · Antworten



BEWERTET: "Die Frau am dunklen Fenster" (Deutschland 1960)
mit: Marianne Koch, Christiane Nielsen, Robert Graf, Heinz Drache, Alice Treff, Hans Paetsch, Fritz Schröder-Jahn, Werner Hessenland, Erwin Linder, Marga Maasberg, Bruno Vahl-Berg, Reinhold Nietschmann u.a. | Drehbuch: Jochen Huth nach einer Erzählung von Hugo M. Kritz | Regie: Franz Peter Wirth

Luise Konradin ist Fernsehansagerin und lebt sehr zurückgezogen bei ihrer Mutter. Ihre Verlobung mit Thomas Melchior ging in die Brüche, als dieser die fröhliche Karin kennenlernte und heiratete. Mittlerweile bereut er seinen Entschluss, da ihn seine Frau in Finanzgeschäfte hineinzog, die zu seinem Ruin führten. Er beschließt, seinem Leben ein Ende zu machen, doch als Karin die Waffe findet, kommt es zu einem Streit, in dessen Verlauf ein Schuss fällt. Luise beobachtet den Unfall von ihrem Fenster aus, verschweigt gegenüber der Polizei jedoch, wie es war. Sie sinnt auf Rache und wünscht ihrer Rivalin eine lebenslange Haftstrafe....

Robert Graf mimt den unsteten Mann, der sich beruflich und finanziell eine Existenz aufbauen will, der jedoch anfangs Pech hat und sein Vertrauen leichtfertig verschenkt. Marianne Koch als gehbehinderte Frau ist sehr diszipliniert und kaschiert ihre sensible Seite im Umgang mit ihrer Mutter, die von Alice Treff als besorgte und kritische Beobachterin gespielt wird. Christiane Nielsen versprüht Temperament und es ist ihr ein Leichtes, die problembelastete Beziehung aufzusprengen und den Mann für sich zu gewinnen. Luise versucht ihre Kränkung so gut es geht zu verbergen, doch die Niederlage macht ihr auch insofern zu schaffen, als sich die warnenden Worte ihrer Mutter bestätigt haben. Nach Thomas' Tod sieht sie sich als Verteidigerin seiner Ehre und Vollstreckerin der Gerechtigkeit. In Rückblenden werden entscheidende Momentaufnahmen aus den verschiedenen Stadien ihrer Bekanntschaft gezeigt und Luise reflektiert über die Möglichkeit, sich als moralische Siegerin zu profilieren. Es ist, als würde die verlorene Liebe auf diese Weise konserviert werden und Luise Selbstvertrauen und Stärke zurückgewinnen.



Die Gefühle von Luise Konradin und ihre Versuche, durch das Vertuschen von Beweismitteln und Informationen wieder Boden unter den Füßen zu erlangen, dominieren die Handlung, wobei Thomas keineswegs der ideale Partner ist, wie ihn sich Luise erträumt hatte. Seine Labilität und Unzuverlässigkeit dringen von Anfang an zum Zuschauer durch und lassen erahnen, dass Luise Gefahr läuft, enttäuscht zu werden. Die Ermittlungen werden durch den Staatsanwalt Wegner vorangetrieben, der von Heinz Drache erstaunlich einfühlsam gespielt wird. Wirkt er sonst oft arrogant und pflegt einen gönnerhaft-herablassenden Umgangston mit Frauen, so zeigt er hier im Zusammenspiel mit Marianne Koch Empathie und Verständnis. Der Zwiespalt, in dem sich seine Figur durch die emotionale Befangenheit befindet, wird von ihm glaubhaft herausgearbeitet. Hans Paetsch obliegt als Verteidiger von Christiane Nielsen die schwere Aufgabe, die Gefühlsausbrüche seiner Mandantin zu bändigen und sie zu sachlicher Beherrschtheit anzuleiten. Trotz der Sympathie, die man für Luise empfindet, wünscht sich der Zuschauer einen Freispruch, da ein Unrecht nicht mit einem zweiten vergolten werden kann.

Feinsinnig gespieltes Drama "aus dem Leben gegriffen", dessen Krimielemente sich zwar in Grenzen halten, das durch die Gerichtsverhandlung und die Frage nach moralischer Schuld aber unterhaltsam und weitgehend spannend erscheint. Marianne Koch leidet mit ihrer Figur und macht sie dadurch lebendig, was ihre Überzeugungskraft steigert und den Zuschauer auf eine Reise in ihr Inneres mitnimmt. 4,5 von 5 Punkten

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