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Dieses Thema hat 13 Antworten
und wurde 527 mal aufgerufen
 Film- und Fernsehklassiker international
Gubanov Offline




Beiträge: 14.470

05.09.2015 22:18
Kein altes Eisen: Hetty Wainthropp Investigates (1996-98, TV) Zitat · antworten



»Hetty Wainthropp Investigates«

Gestatten, hier gibt sich eine ganz und gar unwahrscheinliche Detektivin die Ehre! An ihrem 60. Geburtstag stellt Hetty Wainthropp fest, dass sie den Rest ihres Lebens nicht einfach als Hausfrau und Seniorin an der Seite ihres Mannes „verschwenden“ will. Kurzerhand nimmt sie eine Stelle auf dem Postamt in ihrem nordenglischen Heimatstädtchen an, wo sie nicht nur den jugendlichen Langfinger Geoffrey kennenlernt, sondern auch auf die Spur einer schwerer wiegenden Unterschlagung kommt. Von ihrem Erfolg beim Aufdecken einer Straftat und einer Zeitungsschlagzeile angespornt, die ihre Spürhund-Veranlagung lobt, beschließt sie, ihre eigene Detektivagentur zu gründen, auch wenn sich ihr Mann an solch eine ungewöhnliche Initiative erst gewöhnen muss. Fortan als „Watson“ an ihrer Seite: ausgerechnet der geläuterte Teenager Geoffrey!

Die schrullig-amüsante Hetty Wainthropp ermittelte für die BBC in vier Staffeln und 27 Folgen aus den Jahren 1996 bis 1998. Zudem existiert ein Pilotfilm, der allerdings bereits im Jahr 1990 entstand. Von einer deutschen Synchronisation der Reihe wäre mir nichts bekannt – gut fürs englische Flair beim Schauen, schlecht wahrscheinlich für das Interesse hier im Forum ... Eine Übersicht über die Folgen und Ausstrahlungsdaten sowie eine detaillierte Charakterisierung der Heldin hält die Thrilling-Detective-Website bereit.

Gubanov Offline




Beiträge: 14.470

06.09.2015 14:20
#2 RE: Kein altes Eisen: Hetty Wainthropp Investigates (1996-98, TV) Zitat · antworten

Bevor ich in die Besprechung der einzelnen Episoden einsteige, möchte ich auf die besonders anheimelnde Titelmusik zur Serie hinweisen, die mich überhaupt erst auf „Hetty Wainthropp“ aufmerksam gemacht hat. Sie wurde vom bekannten Fernsehkomponisten Nigel Hess geschrieben. Ähnlich der Hickson’schen „Miss Marple“-Melodie haben wir es nicht mit lauten, aufpeitschenden Krimifanfaren zu tun, sondern mit gesitteten, süßlichen und leicht antiquierten Harmonien, die hervorragend zur Hauptdarstellerin und dem gemütlichen Flair der ländlichen Schauplätze passen. Aufgrund des hohen Wiedererkennungswerts ist auch eine Vielzahl an Variationen für die Begleitung einzelner Szenen möglich.

Hier eine Hörprobe mit der Originalfassung, die auf dem Serienvorspann zu hören ist. Aber Achtung: Hat man das Stück zwei-, dreimal gehört, möchte die plätschernde Melodieführung fürs Erste nicht mehr aus dem Ohr verschwinden!

Gubanov Offline




Beiträge: 14.470

09.09.2015 21:32
#3 RE: Kein altes Eisen: Hetty Wainthropp Investigates (1996-98, TV) Zitat · antworten

Erste Staffel



Hetty Wainthropp Investigates: »The Bearded Lady«

Episode 1 der TV-Kriminalserie, GB 1996. Regie: John Glenister. Drehbuch: John Bowen, David Cook. Mit: Patricia Routledge (Hetty Wainthropp), Derek Benfield (Robert Wainthropp), Dominic Monaghan (Geoffrey Shawcross), John Graham-Davies (DCI Adams). In den Gastrollen: Norman Mills, Carol Noakes, Damian Myerscough, Shirley Vaughan, Andrew Readman, James Greene, Sarah Thurstan, Irene Skillington u.a. Erstsendung: 3. Januar 1996. Eine Produktion der British Broadcasting Corporation.

Zitat von Hetty Wainthropp Investigates (1): The Bearded Lady
Der Tod einer Obdachlosen ist für die Polizei nicht weiter von Interesse. Natürliche Todesursache, behauptet sie steif und fest: Die Frau sei die Treppe heruntergefallen. Hetty Wainthropp ist mit dieser Erklärung nicht zufrieden und beschließt, auf eigene Faust Ermittlungen anzustellen, die sich bald als ziemlich gefährlich erweisen. Als sie die Identität der Frau erknobelt hat, stößt sie auf einen weiteren Todesfall und auf die Involvierung höchster Kreise ...


Schon die erste Folge der Serie verdeutlicht klar das Erfolgsrezept, das „Hetty Wainthropp“ bei ihren Fans so beliebt macht: Es handelt sich um eine raffinierte Mischung aus Leichtherzigkeit und Spannung. Die Serie hinterfragt gewisse Stereotypen von Detektiverzählungen, ohne sich explizit über sie lustig zu machen, und streut dezent britischen Humor ein, ohne eine Komödie zu sein. Hettys Ermittlerfigur ist zwar ähnlich unrealistisch wie die von Jessica B. Fletcher in „Mord ist ihr Hobby“, doch Patricia Routledge überzeugt durch Tatendrang, Durchsetzungskraft und Rechtschaffenheit. Einerseits wirkt sie harmlos, weil man sich von ihr als frischgebackener Seniorin keine großen Sprünge erwartet, andererseits schaut man ihr immer wieder anerkennend zu, weil sie gerade jene Aussichten, die ihr höfliche Zurückhaltung oder gar Zerstreutheit unterstellen, ganz und gar nicht bedient. Wie sie den 17-jährigen Geoffrey, der daraufhin zu ihrem Verbündeten wird, wegen eines Ladendiebstahls zur Rede stellt, in der Ehe mit ihrem Mann die Hosen an hat und sich mit einem flotten Spruch auf den Lippen in ungewohnte Gefahren begibt, ringt dem Zuschauer ganz unwillkürlich großen Respekt ab.

Trotz ihrer humorvollen Erzählweise lässt die Pilotfolge (die im Übrigen weder etwas mit Conchita Wurst noch mit einem Zirkus zu tun hat) auch den zweiten Eckpfeiler des Krimis nicht außer Acht: Gefährliche Aktionen bei Nacht und Nebel, unheimliche Einstellungen aus der Sicht des Verbrechers und eine ständig präsente Bedrohung, die auf das neue, abenteuerliche Leben der Hetty Wainthropp einstimmt, sorgen für den nötigen Nervenkitzel.

Ich bin sehr angetan vom zeittypischen Flair der späten 1990er Jahre und dem leicht angealterten Look der Serie. In „The Bearded Lady“ wirft man zwar viele Blicke auf zeitlose Landschaften und beschauliche Vorort- und Dorfstraßen, aber auch vor der spröderen Ausstrahlung leerstehender Fabrikgebäude oder Alltäglichkeiten wie einer zeitgenössischen Supermarktfiliale scheut sich die Kamera nicht. Die Story, die in Bezug auf Hetty sozusagen aus zwei Teilen besteht (erstens ihrem harmlosen Erfolg, der ihr Appetit auf mehr macht; zweitens ihrer größeren Ermittlung im Team mit Geoffrey), bewegt sich rasch vorwärts und verknüpft Parts 1 und 2 mit handwerklichem Geschick zu einer vielleicht nicht unbedingt glaubhaften, aber doch wunderbar rätselhaften Krimihandlung.

chris2005 Offline



Beiträge: 102

10.09.2015 06:50
#4 RE: Kein altes Eisen: Hetty Wainthropp Investigates (1996-98, TV) Zitat · antworten

Danke für diesen tollen Serien-Tipp!

Patricia Routledge kannte ich bisher nur aus der genialen Serie "Keeping up Appareances".

Da werde ich sicher zugreifen!

Georg Offline




Beiträge: 2.750

10.09.2015 12:19
#5 RE: Kein altes Eisen: Hetty Wainthropp Investigates (1996-98, TV) Zitat · antworten

Die Serie ist ja vollständig bei Youtube und ich habe mir (obwohl ich kein Youtube-Seher bin) die erste Episode angesehen: sehr nett! Danke für den Tipp! Sehr schönes, britisches Flair, die Darsteller sind sympathisch und auch die Figurenkonstellation. Etwas Humor, etwas Spannung. Großartige Hauptdarstellerin. Schade, dass das nie synchronisiert wurde.

Gubanov Offline




Beiträge: 14.470

12.09.2015 11:00
#6 RE: Kein altes Eisen: Hetty Wainthropp Investigates (1996-98, TV) Zitat · antworten

Wie schön, dass ich gleich mehrere Interessenten gewinnen konnte. Dann folgt sogleich ein Blick auf Folge 2:



Hetty Wainthropp Investigates: »Eye Witness«

Episode 2 der TV-Kriminalserie, GB 1996. Regie: John Glenister. Drehbuch: John Bowen, David Cook. Mit: Patricia Routledge (Hetty Wainthropp), Derek Benfield (Robert Wainthropp), Dominic Monaghan (Geoffrey Shawcross), John Graham-Davies (DCI Adams). In den Gastrollen: David Bower, Ray Ashcroft, Alan Rothwell, Valerie Lilley, David Hargreaves, Philippa Howell, Surendra Kochar, David Fleeshman u.a. Erstsendung: 10. Januar 1996. Eine Produktion der British Broadcasting Corporation.

Zitat von Hetty Wainthropp Investigates (2): Eye Witness
Der taubstumme Malcolm Stone fährt regelmäßig zur Vogelbeobachtung an die Steilküste. An diesem Tag hätte er besser umdisponiert: Außer den gefiederten Freunden beobachtet er auch, wie ein Mann eine leblose Frau in deren Auto über die Klippen stößt. Dummerweise kann sich Malcolm nicht rechtzeitig verstecken und wird entdeckt. Schon wenige Stunden später machen sich Malcolms Eltern große Sorgen, weil ihr Junge nicht nach Hause kommt. Hetty Wainthropp soll herausfinden, wo er steckt, und stößt bald auf die Zusammenhänge zwischen dem Verbrechen an den Klippen und Malcolms Verschwinden ...


Erneut ein sehr schöner Kontrast aus Humor und Spannung. Auf der einen Seite geht es Malcolm schon vor dem Vorspann aufgrund seiner Beobachtung an den Kragen, sodass man gleich mit dem exzentrischen jungen Mann mitfiebert. Andererseits erfahren sowohl Zuschauer als auch Verbrecher erst deutlich später, dass Malcolm taubstumm ist, wodurch sich einige Marotten, über die man zunächst schmunzeln möchte, plötzlich wie von selbst erklären. Stilvoll und ohne falsche political correctness wird hier eine Behinderung so dargestellt, wie man ihr auch im Alltag begegnen könnte, anstatt Sachverhalte zu beschönigen. Auch die etwas schrullige Darstellung der Mutter Stone wirkt deshalb im Nachhinein sehr passend.

Die Konstellation mit einem kriminellen Polizisten gerät wie üblich recht interessant, allerdings werden die vielfältigen Möglichkeiten, die sich aus Steve Lennox’ „Doppelleben“ aus privaten Geheimnissen und dienstlicher Rechtschaffenheit ergeben, nicht optimal ausgenutzt. Ray Ashcroft erscheint sehr dominant in der Rolle, weshalb die milde Strafe, die ihn am Ende erwartet, ein wenig halbherzig anmutet. Aber vielleicht ist es für ihn ja gerade das Schlimmste, nicht mehr „zur Truppe“ gehören zu dürfen und auf seiner hochnäsigen Ehefrau sitzenzubleiben. Auch das Finale, das der Enthüllung vorausgeht, ist sozusagen „brandheiß“.

Hettys Ermittlungen umfassen einige kluge Kombinationen (Zirkel und Landkarte erinnern an eine entsprechende Szene aus „Die Tür mit den 7 Schlössern“), verlassen sich teilweise aber auch auf unglaubwürdige Zufälle: Wer glaubt zum Beispiel, die Spurensicherung hätte 100 Meter vom Tatort des vermeintlichen Mordes entfernt Malcolms Kamera im Gebüsch übersehen? Doch gerade in einem Fall, in dem sich die frischgebackene und aufgrund ihrer ausufernden Unkosten noch leicht angespannte Hetty sogar gegen die Integrität der Polizei auflehnen muss, verzeiht man den Autoren diesen kleinen Fehltritt gern.

Georg Offline




Beiträge: 2.750

13.09.2015 07:58
#7 RE: Kein altes Eisen: Hetty Wainthropp Investigates (1996-98, TV) Zitat · antworten

Mir hat die zweite Folge auch sehr gut gefallen. Danke nochmals für den tollen Tipp, @Gubanov! Ich denke, ich werde da dranbleiben. Diese etwas kalt-herbstliche Atmosphäre ohne viel Sonne passt auch sehr gut zur Geschichte. Einzig das Ende und die Strafe für Lennox habe ich etwas schwach empfunden. Und der Titel "Augen-Zeuge" bekommt ja umso mehr Bedeutung, wenn man erfährt, dass der Zeuge taubstumm ist. Ein toller Clou, dass man das von Anfang an gar nicht weiß.

Georg Offline




Beiträge: 2.750

13.09.2015 20:23
#8 RE: Kein altes Eisen: Hetty Wainthropp Investigates (1996-98, TV) Zitat · antworten

Auch Folge 3 hat mir gut gefallen, auch weil einer meiner Lieblings-Brit-TV-Regisseure, Robert Tronson ("Triller", "Armchair Thriller"), Regie geführt hat.

Eine Privatdetektivin hat den Vorteil, dass Fälle nicht unbedingt in der jeweiligen Stadt spielen müssen und auch mal im Ausland angesiedelt sein können. Trotzdem wurde von der Episode wohl nichts - außer dem Zwischenschnitt auf den schiefen Turm von Pisa - in Italien gedreht. Was mich als "Italiener" besonders stört, ist, dass keiner der Darsteller, die Italiener spielen, wirkliche Italiener sind bzw. Italienisch falsch und mit hörbarem Akzent sprechen. Höhepunkt: die Szene am Beginn, in der der Vater des verschwundenen Gianni statt mit italienisch "grazie!" mit portugiesisch "obrigado!" antwortet, als er sich bedankt. Auch die Mafia-Drohung auf dem Foto ist falsch geschrieben.

Abseits dieser Lappalien ist die Episode aber wie gewohnt spannend und humorvoll und bietet einige überraschende Twists! Hetty, ihr Mann und der junge Mann sind ein wirklich originelles Team.

Gubanov Offline




Beiträge: 14.470

13.09.2015 20:27
#9 RE: Kein altes Eisen: Hetty Wainthropp Investigates (1996-98, TV) Zitat · antworten

Für meine Begriffe geht es in Folge 3 etwas abwärts mit der Qualität, aber nur zwischenzeitlich.



Hetty Wainthropp Investigates: »Fingers«

Episode 3 der TV-Kriminalserie, GB 1996. Regie: Robert Tronson. Drehbuch: John Bowen, David Cook. Mit: Patricia Routledge (Hetty Wainthropp), Derek Benfield (Robert Wainthropp), Dominic Monaghan (Geoffrey Shawcross), John Graham-Davies (DCI Adams). In den Gastrollen: Joe Peluso, Carmela Marner, Raoul Bolognini, Avril Clark, Joseph Long, Peter Kelly, Tony Barton, Miranda Bell u.a. Erstsendung: 17. Januar 1996. Eine Produktion der British Broadcasting Corporation.

Zitat von Hetty Wainthropp Investigates (3): Fingers
Eine italienische Familie erhält den abgetrennten Finger ihres Sohnes per Post. Der junge Mann studiert im fernen England, hat aber mehr Flausen als Bücher im Kopf und ist nun offenbar an die falschen Leute, an die Mafia geraten! Man verlangt viel Geld für das Leben des Studenten. Hetty, die gerade einen Italienurlaub beendet, soll helfen. Doch kann sie es mit einem Don und seinen Hintermännern aufnehmen? Die Spur führt in ein Bestattungsinstitut ...


Ausnahmsweise nicht in Lancashire, sondern unter dem schiefen Turm von Pisa begegnen wir Hetty und ihrem Mann, die bald in einen länderübergreifenden Kriminalfall verwickelt werden. Freilich: Wann immer in einem Krimi von der Mafia die Rede ist, darf deren reale Existenz bald bezweifelt werden, dient sie doch häufig als Deckmantel für eigene, ganz private Missetaten. So auch in diesem Fall, der ein bisschen zu konstruiert erscheint, um ganz für voll genommen zu werden, und der in seiner Charakterisierung der italienischen Charaktere allzu deutlich übertreibt.

Typisch für die Serie ist das Vermischen angenehmer Altdamenkriminalistik mit einer etwas härteren Krimi-Gangart bzw. recht ordentlichen Schockeffekten. Insofern passen die abgetrennten Finger gut ins Bild, bewahren die Folge – was „Hetty Wainthropp Investigates“ bisher recht gut vermeiden konnte – letztlich aber auch nicht mehr vor dem Abrutschen ins hauptsächlich komödiantische Fach. Dezenter als die italienischen Stereotype gelingt die Einbindung des bereits in den vorherigen Episoden kultivierten Running Gags mit den Visitenkarten. Nachdem Hetty zunächst Absatzprobleme hatte, ihre 500 bestellten Exemplare unters Volk zu bringen, bittet sie nun zum ersten Mal einen Klienten, die Karte wieder zurückzugeben, weil sie bis zum Nachdruck knapp bei Papier wäre.

Mit einem actionreichen Last-Minute-Finale endet „Fingers“ versöhnlich. Auch anderweitig zeigt die Folge Respekt vor großen Rollenvorbildern: Genau wie einst Hercule Poirot bezieht sich Hetty bei den Ermittlungen auf ihre „little grey cells“. Na, dann muss es ja klappen mit der Verbrechensbekämpfung!

Gubanov Offline




Beiträge: 14.470

24.09.2015 11:36
#10 RE: Kein altes Eisen: Hetty Wainthropp Investigates (1996-98, TV) Zitat · antworten



Hetty Wainthropp Investigates: »Widdershins«

Episode 4 der TV-Kriminalserie, GB 1996. Regie: Robert Tronson. Drehbuch: John Bowen, David Cook. Mit: Patricia Routledge (Hetty Wainthropp), Derek Benfield (Robert Wainthropp), Dominic Monaghan (Geoffrey Shawcross). In den Gastrollen: Gwenllian Davies, Gwyneth Powell, Eamon Boland, Diana Bishop, Rebecca Callard, Nigel Pivaro, Gillian Kerrod, Sally Ann Matthews u.a. Erstsendung: 24. Januar 1996. Eine Produktion der British Broadcasting Corporation.

Zitat von Hetty Wainthropp Investigates (4): Widdershins
Robert Wainthropps Onkel hat Selbstmord begangen. Unmöglich, meint Robert energisch. Die Wainthropps fahren ins Dörfchen Readsby, in dem es an jeder Ecke nach Tod und Verderben riecht. Sie machen die Bekanntschaft der verrückten Lottie, eines völlig desinteressierten Polizisten und einer Gruppe von Teufelsanbetern, die sich zur Walpurgisnacht versammeln, um dem Fürst der Finsternis ein Opfer darzubringen. Was geht in Readsby vor sich?


Die eindeutig morbideste aller bisherigen „Hetty Wainthropp“-Folgen schießt schon in der Prätitelsequenz mit Kanonen auf Spatzen. Ein niedliches, kleines Dörfchen im Nirgendwo ist Readsby – und doch scheinbar der Nabel alles Bösen auf der Welt. Unannehmlichkeiten und Tod sind in einer Collage des Dorflebens allgegenwärtig, münden im kaum aus der Stimmung fallenden Fund der Leiche. Wo sonst geschäftige Aufregung in Krimidörfern umgeht, wenn es zu einem Todesfall inmitten der kleinen Gemeinschaft kommt, hat sich die Atmosphäre in Readsby durch Onkel Alberts Tod kaum geändert. Besessen vom Jenseitigen sind die Dorfbewohner, die einen Hang zu satanistischen Ritualen haben, ohnehin.

Was als Parodie auf böses, brodelndes Dorfleben wie etwa in Agatha Christies Geschichten verstanden werden kann, funktioniert aber auch bestens, wenn man das Geschehen bierernst nimmt. Ähnlich wie in der „Thriller“-Episode „A Place to Die“ lacht man nicht über die exzentrische Idee der Hexen von Readsby; man fühlt sich durch Robert Tronsons Regie vielmehr voll in ihren Bann gezogen. Dazu passt, wie Hettys Mann um seinen gefallenen Kindheitshelden trauert und seine Gattin damit zu nachdenklichen Äußerungen übers Altern und Sterben animiert.

In der Durchsetzung ihres Willens zeigt sich Hetty bisweilen sehr burschikos; Patricia Routledges Führungsstärke beweist ihre Eignung zur selbstbestimmten Serienheldin und schlägt gegenüber den sich selbstherrlich aufspielenden Dörflern manchmal gar in blanken Zorn um. Eine düstere Auflösung und die Abwesenheit vertrauter Umgebung passen dabei gut ins Bild – ebenso wie der reduzierte Einsatz des lebhaften Geoffrey.

Gubanov Offline




Beiträge: 14.470

22.10.2015 13:45
#11 RE: Kein altes Eisen: Hetty Wainthropp Investigates (1996-98, TV) Zitat · antworten



Hetty Wainthropp Investigates: »A High Profile«

Episode 5 der TV-Kriminalserie, GB 1996. Regie: John Glenister. Drehbuch: John Bowen, David Cook. Mit: Patricia Routledge (Hetty Wainthropp), Derek Benfield (Robert Wainthropp), Dominic Monaghan (Geoffrey Shawcross). In den Gastrollen: Conor Ryan, Anne Reid, Lloyd McGuire, Roger Morlidge, Ann Rye, Johnny Maxfield, Jane Cox, Amanda Loy-Ellis u.a. Erstsendung: 31. Januar 1996. Eine Produktion der British Broadcasting Corporation.

Zitat von Hetty Wainthropp Investigates (5): A High Profile
Michael Townsends gesundheitliche Schwierigkeiten begannen während seines Studiums. Mittlerweile hängt die Diagnose wie ein Damoklesschwert über ihm: Schizophrenie. Michael wohnt nicht mehr bei seiner Mutter, sondern in einer kleinen Einliegerwohnung und holt sich regelmäßig Medikamente vom Community Centre. Dann bleibt er dort für längere Zeit aus. Michaels verzweifelte Mutter bittet Hetty, ihren Sohn zu finden, bevor er an der fehlenden Behandlung zugrunde geht. Einen wichtigen Hinweis liefern zwei Gedichte, die Michael verfasst hatte ...


Die Arbeit eines Detektivs beschränkt sich nicht nur auf kriminelle Delikte. Auch ein Fall, wie er in „A High Profile“ erzählt wird, hat seinen eigenen Reiz, vor allem weil Hettys Ermittlungen für die Mutter des kranken Mannes eine emotionale Achterbahnfahrt darstellen. Ähnlich wie in der Folge „Eye Witness“ gelingt den Machern der Serie ein Umgang mit einer schweren körperlichen Einschränkung mit viel Fingerspitzengefühl: Auch bei Michael fragt man sich zunächst, weshalb sich der junge Mann so sonderbar verhält, bis man die Gründe für sein Auftreten kennenlernt. Hetty muss sich dafür zunächst mit einem sturen Mitarbeiter des Community Centre herumzanken, besinnt sich dann aber darauf, dass eigentlich alle – mit den ihnen zur Verfügung stehenden Kompetenzen – nur das Beste für Michael wollen. Später wird man als Zuschauer selbst in Michaels Wahnvorstellungen entführt, hört Stimmen und sieht tanzende Skelette.

Der dramatische Höhepunkt der Folge entschädigt für die diesmal eher plumpe Detektivarbeit. Hetty hätte eigentlich deutlich schneller auf die Lösung kommen können – abgesehen davon, dass die Folge dann eben schon nach 25 statt nach 50 Minuten zu Ende gewesen wäre. Die Analyse der von Michael verfassten Gedichte stellt eine psychologisch sicher interessante Abwechslung dar, wäre aber auch nicht unbedingt nötig gewesen, um Michael am Lieblingsplatz seiner Kindheit aufzuspüren.

Aufgrund der Thematik der Folge wird der Humor etwas zurückgeschraubt; eine der wenigen amüsanten Szenen zeigt Hetty und Geoffrey zu Beginn in der Fußgängerzone, wie sie mit einer Glocke und zwei Tafeln zum Umhängen Werbung für ihre Detektivagentur machen. Wie Geoffrey marktschreierisch die ganze Straße wissen lässt, dass Diskretion bei Hetty Wainthropp groß geschrieben wird, ist schon einen kleinen Lacher wert.

Gubanov Offline




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25.10.2015 21:30
#12 RE: Kein altes Eisen: Hetty Wainthropp Investigates (1996-98, TV) Zitat · antworten



Hetty Wainthropp Investigates: »Safe as Houses«

Episode 6 der TV-Kriminalserie, GB 1996. Regie: Robert Tronson. Drehbuch: John Bowen, David Cook. Mit: Patricia Routledge (Hetty Wainthropp), Derek Benfield (Robert Wainthropp), Dominic Monaghan (Geoffrey Shawcross), John Graham-Davies (DCI Adams). In den Gastrollen: Jane Lowe, Emma Cunniffe, Alan Partington, Amanda Walker, Charlie Dickinson, Tom Higgins, Paul Gibbon, Bobby Knutt u.a. Erstsendung: 7. Februar 1996. Eine Produktion der British Broadcasting Corporation.

Zitat von Hetty Wainthropp Investigates (6): Safe as Houses
Ein Feuerteufel treibt in Lancashire sein Unwesen. Zur gleichen Zeit verschwindet die Pflegetochter Chrissie von Hettys alter Freundin. Hat die junge Frau etwas mit den Brandanschlägen zu tun? Hetty ist hin- und hergerissen zwischen Gerechtigkeitssinn, Loyalität gegenüber einer guten Bekannten und einer von der Versicherung ausgesetzten Belohnung für Hinweise auf den Täter. 15’000 Pfund könnten die Wainthropps ganz gut gebrauchen ...

Zitat von Rudyard Kennedy: Hetty Wainthropp at The Thrilling Detective Web Site, Quelle
Hetty has always been quite clear about why she works as a detective – it’s for the money, honey. Hetty and Robert live fairly precariously in a realistically bleak suburban English environment, so Hetty’s no dilettante playing at detection merely for amusement. P.I. work is what pays the bills.


Die Frage der Finanzen zog sich wie ein roter Faden durch die erste Staffel von „Hetty Wainthropp Investigates“. Manchmal scheitert Geoffreys Teilnahme an den Ermittlungen schon an den Kosten für den Überlandbus. Überhaupt ist es amüsant, zu zeigen, wie Detektive einmal weder mit Kutsche noch mit Limousine unterwegs sind, sondern sich fortbewegen, wie sich Rentner und Heranwachsende eben fortbewegen – da ist der größte Luxus noch ein Moped, das Geoffrey sich manchmal ausleiht und für das er so einige Macken der Besitzerin Mrs. Apthwaite in Kauf nimmt ... Welch eine nette Idee für das Staffelfinale, in Bezug auf die Geldfrage für Season Two entspanntere Tage in Aussicht zu stellen!

Ähnlich wie die Vorgängerfolge „A High Profile“ setzt sich „Safe as Houses“ mit häuslichen Problemen und vertrackten Familiensituationen auseinander. Hettys alte Freundin wird dabei nicht von einer gewissen Kratzbürstigkeit, ja gar Ungerechtigkeit freigesprochen. Doch vor allem Emma Cunniffe ist es, die in der Rolle der jungen Problemmutter Chrissie überzeugt. Auch Geoffrey (Dominic Monaghan) setzt im Finale einen sowohl humorvollen als auch dramatischen Akzent, als diesmal ihm die Aufgabe zukommt, den Täter mit seiner Entdeckung zu konfrontieren. Wieder ein Fall, den Hettys Detektivagentur erfolgreich abgeschlossen hat.

Georg Offline




Beiträge: 2.750

26.10.2015 11:34
#13 RE: Kein altes Eisen: Hetty Wainthropp Investigates (1996-98, TV) Zitat · antworten

Ich fand die Folgen der ersten Staffel allesamt ganz unterhaltsam und nett, vor allem auch wegen des schönen britischen Flairs. Staffel 2 liegt bereit und wird sicher auch bald mal gesichtet. Danke nochmals für den Tipp.

Gubanov Offline




Beiträge: 14.470

26.10.2015 20:12
#14 RE: Kein altes Eisen: Hetty Wainthropp Investigates (1996-98, TV) Zitat · antworten

Diesem Fazit kann ich mich nur anschließen. Nach der Sichtung aller sechs Folgen der ersten Staffel sieht meine persönliche Rangliste wie folgt aus:

Platz 01 (5,0 / 5 Punkten): Folge 04 – »Widdershins«
Platz 02 (5,0 / 5 Punkten): Folge 01 – »The Bearded Lady«

Platz 03 (4,0 / 5 Punkten): Folge 06 – »Safe as Houses«
Platz 04 (4,0 / 5 Punkten): Folge 02 – »Eye Witness«

Platz 05 (3,5 / 5 Punkten): Folge 05 – »A High Profile«

Platz 06 (3,0 / 5 Punkten): Folge 03 – »Fingers«

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