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Dieses Thema hat 37 Antworten
und wurde 5.120 mal aufgerufen
 Film- und Fernsehklassiker national
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Joachim Kramp Offline




Beiträge: 4.901

05.04.2010 15:08
Bewertung – Rolf Olsen-Filme Zitat · antworten

Bewertung – Rolf Olsen-Filme:

Wunschgemäß hier den Extra-Rolf-Olsen-Thread. Zunächsteinmal die Aufstellung seiner Kino-Filme:

- Ein Kaktus ist kein Lutschbonbon (1981)
- Unsere Tante ist das Letzte (1973)
- Blutiger Freitag (1972)*
- Die Kompanie der Knallköppe (1971)
- Käpt’n Rauhbein aus St. Pauli (1971)
- Das kann doch unsren Willi nicht erschüttern (1970)
- Der Pfarrer von St. Pauli (1970)
- Das Stundenhotel von St. Pauli (1970)
- Auf der Reeperbahn nachts um halb eins (1969)
- Das Go-Go-Firl von Blow Up (1968)
- Der Arzt von St. Pauli (1968) GOLDENE LEINWAND
- Paradies der flotten Sünder (1968)
- Heubodengeflüster (1967)
- Wenn es Nacht wird auf der Reeperbahn (1967)
- Das Rasthaus der grausamen Puppen (1967)*
- In Frankfurt sind die Nächte heiß (1966)
- Das Spukschloß im Salzkammergut (1966)
- Heiß weht der Wind (1964)
- Der letzte Ritt nach Santa Cruz (1964)
- Unsere tollen Tanten in der Südsee (1963)
- Verrückt und zugenäht (1963)
- Die türkischen Gurken (1962)
- Unsere tollen Nichten (1962)
- Unsere tollen Tanten (1961)

Demnächst mehr zu einzelnen Filmen und ihrer Entstehung.

Joachim.
*Filme bleiben ewig jung!*

*Über die beiden Filme "Das Rasthaus der grausamen Puppen" & "Blutiger Freitag" könnt Ihr im Off-Topic unter "Rasthaus der grausamen Puppen" bereits einige Infos zu beiden Filmen nachlesen.

Tarzan Offline



Beiträge: 891

05.04.2010 16:00
#2 RE: Bewertung – Rolf Olsen-Filme Zitat · antworten

Gibt es HEUBODENGEFLÜSTER schon als Blu-Ray-DVD?

Joachim Kramp Offline




Beiträge: 4.901

07.04.2010 18:52
#3 RE: Bewertung – Rolf Olsen-Filme Zitat · antworten

Bewertung „Das Stundenhotel von St. Pauli“

Curd Jürgens in
DAS STUNDENHOTEL VON ST.PAULI
mit Andrea Rau, Konrad Georg, Corny Collins, Rudolf Schündler, Brigitte Mira, Walter Buschoff, Michael Maien, Monika Hielscher, Gine Magnol, Heinrich Giess, Paul-Albert Krumm, Robert Wolfgang Schnell, Marlis Petersen, Friedrich Siemers, Ilse Peternell, Klaus-Hagen Latwesen, Thomas Fischer, Manfred Tümmler, Manfred Spiess, Dieter Wagner, Laurence Bien, Yvonne ten Hoff, Gerhard Frickhöffer, Angelika Ott u.v.a. Kamera: Heinz Hölscher. Bauten: Ernst H. Albrecht. Schnitt: Renate Willeg. Regie-Assistenz: Lucie Berndsen. Produktions-Assistenz: Lilo Pleimes. Aufnahmeleitung: Hans-Joachim Bracht und Lutz Winter. Gesamtleitung: Heinz Willeg. Buch und Regie: Rolf Olsen. Eine Farbfilm-Produktion der Terra Filmkunst GmbH, Berlin und Parnass Film GmbH, München. Technische Ausstattung: Allianz Film GmbH, Berlin. Verleih: Constantin Film München. FSK: ab 18 Jahren.

Inhalt: Nach einem 18-Stunden Tag freut sich der Witwer Kriminalkommissar Georg Canisius (Curd Jürgens) auf den Feierabend. Bereits zu Hause gibt es den ersten Ärger, denn sein Sohn Peter (Manfred Tümmler) will an einer verbotenen Demonstration teilnehmen. Der Junge geht und nimmt Vaters Auto mit. Zur gleichen Zeit bricht der Drogenabhängige Sigi Krulich (Paul Albert Krumm) in einer Apotheke ein, wird aber von einem Polizisten überrascht den er sofort erschiesst und flüchtet. Der diensthabende Kommissar Schmoll verfolgt Sigi Krulich hat aber einen Autounfall. Polizeirat Dr. Marschall (Konrad Georg) ruft nun Canisius in den Dienst zurück, Da er aber keinen Wagen hat nimmt er ein Taxi. Da erfährt er dass es bei der Demonstration eine Schlägerei gegeben hat. In der Dienststelle erfährt er zudem dass sein Sohn bei dieser Schlägerei schwer verletzt wurde und am Herzen notoperiert werden muß. Zwischenzeitlich ist Siggi Krulich in das Hotel Ostend geflüchtet. Das Hotel Ostend ist ein Stundenhotel. Dort tummeln sich an diesem Abend darüber hinaus jede Menge zwielichtiger Gestalten. Plötzlich findet das ältere Zimmermädchen Rose Schuh (Brigitte Mira) mit einem ausgebeutetenden Gast in einem Zimmer eine Leiche. Nun wird die Polizei unter dem Polizeirat Dr. Marschall eingeschaltet. Auch Canisius mit seinem Assistenten Kretschmann (Manfred Spiess) muss an den Ort des Geschehen. Nach eingehenden Ermittlungen kann der Täter überführt werden. Mit einer Hotelbesucherin als Geisel kann der Täter fliehen, wird aber schließlich von Canisius gestellt.

Nach den beiden sensationellen Erfolgen von „Der Arzt von St. Pauli“ (1968) und dem Remake von „Auf der Reeperbahn nachts um halb eins“ (1969) kündigte Constantin Film im Verleihprogramm 1970 zwei weitere Curd-Jürgens-St.Pauli-Filme an: „Das Stundenhotel von St. Pauli“ und „Der Pfarrer von St. Pauli“. Für Regisseur Rolf Olsen sollte es filmisch das beste Jahr werden, denn im kommenden Constantin Programm 1/1971, das im Herbst 1970 erschien kündigte Constantin für Ende November 1970 einen weiteren unterhaltsamen Rolf-Olsen-Film an: „Das kann unsren Willi nicht erschüttern“. Nach diesem Jahr sollte Rolf Olsen nie wieder so gut und unterhaltsam gleichzeitig sein.

Bei „Das Stundenhotel von St. Pauli“ handelt es sich jedoch um ein älteres Projekt, das bereits 1968 im Nora-Verleihprogramm unter dem Titel „Stundenhotel“ angekündigt wurde. Damals sollte Theo Maria Werner mit seiner Parnass Film den Film produzieren. Als Darsteller unter der Regie von Rolf Olsen sollten spielen Helga Anders, Christiane Rücker, Almuth Berg, Erik Schumann, Jürgen Dreager, Fritz Wepper. Da Theo Maria Werner bei Constantin wegen der letzten Kommissar-X-Filme „in der Kreide stand“ überzeugte Olsen ihn das Projekt nun in die Curd-Jürgens-St.Pauli-Filme zu integrieren. Unter der technischen Ausstattung der Allianz-Film produziert Constantin’s Tochter-Firma Terra-Filmkunst gemeinsam mit der Parnass-Film. Allianz-Film übernahm die technische Ausrüstung und Allianz-Film-Chef Heinz Willeg hat daher hier – wie bereits bei „Der Arzt von St.Pauli“ nur die Gesamtleitung und ist nicht Produzent. Gedreht wurde von Mitte Dezember 1969 bis Februar 1970 in Hamburg und Berlin. Vor allem das Hotel „Ostend“ steht in Berlin (nähe Anhalter Bahnhof) – und wer genau hinschaut wird feststellen dass es das gleiche Hotel ist wie ein Jahr später bei dem Edgar-Wallace-Film „Die Tote aus der Themse“.

Die Darsteller sind perfekt in ihren Rollen, alle äußerst glaubwürdig. Ohne sich selber bzw. Hans Albers zu kopieren überzeugt Curd Jürgens in der Rolle des Kommissar Canisius dermaßen, dass man es bedauert, dass seine Rollen ab 1971 im Wesentlichen immer dünner wurden. Zudem wären für ihre überzeugenden Darstellungen insbesondere Paul-Albert Krumm, Walter Buschoff, Brigitte Mira und Konrad Georg noch zu nennen. Nennenswert ist auch die überzeugende Musik von Erwin Halletz.

Gekonnt sind die Geschichten (Drogenabhängiger bricht in Apotheke ein, tötet Apotheker und flüchtet in das Stundenhotel Ostend, der Polizeiwagen hat dadurch einen Unfall und der diensthabende Beamte ist schwer verletzt/ Mord im Hotel Ostend/ Kommissar Canisius, der eigentlich frei hat aber für seinen verletzten Kollegen einspringen muß, bearbeitet den Fall und fürchtet um das Leben seines Sohnes, der bei einer Schlägerei schwer verletzt wurde) miteinander verknüpft. Auch das Integrieren der Op-Szene ist bestens gelungen. Später haben viele Regisseure Geschichten im engsten Zeitraum inszeniert – Rolf Olsen hat mit diesem Film bewiesen, dass es bereits 1970 überzeugend möglich war, dass Geschichten im kleinsten Zeitraum funktionieren. (Natürlich gab es vor 1970 bereits solche Art von Filmen – nur ist mir kein Fall bekannt der geschäftlich ein Erfolg war. Weder „12 Uhr mittags“ noch „Die 12 Geschworenen“ waren Geschäfte!)

Interessant ist noch die Tatsache, dass scheinbar kurzfristig – aus aktuellem Anlaß – das Drehbuch verändert wurde. Sollte Canisius Sohn Peter mit dem Auto seines Vaters einen Unfall mit dem Polizeiwagen haben, der den flüchtigen Sigi Krulich verfolgt, so wurde eine Demonstration eingebaut und Peter Canisisus wird dort von Polizisten lebensgefährlich niedergeschlagen. Auch der Tot des Mörders war ursprünglich anders gedacht: Er stürzt in ein tiefes Loch und sollte im Schlamm versinken – wird aber gerettet und abtransportiert. Wer den Film bereits kennt weiß dass er etwas anders ausgeht.

Am 9. April fand die Welturaufführung statt und ab 10. April 1970 startete der Film bundesweit. Der Erfolg bewies wieder einmal dass auch solche Filme nicht nur ein breites Publikum finden sondern auch ankommen. Getrost konnte man direkt an Drehstart des nächsten Curd-Jürgens-Films „Der Pfarrer von St. Pauli“ gehen. Insgesamt hatte der Film auch eine kleine Auswirkung: er sollte – gemeinsam mit dem anderen Hamburg-Film „Perrak“ am 17. April an den Start gehen. Klugerweise hat man die Starttermine auseinander gelegt. „Das Stundenhotel von St. Pauli“ wurde vorverlegt und „Perrak“ wurde auf den 24. April verlegt. Dennoch zog „Perrak“ geschäftlich den Kürzeren. Für mich persönlich sind beide Filme ebenbürdig.

Joachim.
*Filme bleiben ewig jung!*

Joe Walker Offline




Beiträge: 742

08.04.2010 07:15
#4 RE: Bewertung – Rolf Olsen-Filme Zitat · antworten

Sehr informativer Bericht, Joachim. In deiner Bewertung vom "Stundenhotel" geh ich absolut konform, ein echter Hingucker der Film und wirklich toll inszeniert.

Zitat von Joachim Kramp
Vor allem das Hotel „Ostend“ steht in Berlin (nähe Anhalter Bahnhof) – und wer genau hinschaut wird feststellen dass es das gleiche Hotel ist wie ein Jahr später bei dem Edgar-Wallace-Film „Die Tote aus der Themse“.

Das Hotel habe ich natürlich auch in "Die Tote aus der Themse" wieder erkannt, meine mich zu erinnern, dass die Szenen mit Siegfried Schürenberg und Susann Korda (relativ zu Beginn) aus "Der Teufel kam aus Akasava" auch dort gedreht wurden.

Gruß
Joe Walker

waberl Offline




Beiträge: 234

09.04.2010 10:15
#5 RE: Bewertung – Rolf Olsen-Filme Zitat · antworten

Zitat von Tarzan
Gibt es HEUBODENGEFLÜSTER schon als Blu-Ray-DVD?



*lol* der war gut...

Vlad Tepes Offline



Beiträge: 13

09.04.2010 23:15
#6 RE: Bewertung – Rolf Olsen-Filme Zitat · antworten

Stimmt schon, das "Stundenhotel" ist ein unterhaltsamer Film. Allerdings bin ich der Meinung, dass man ihm deutlich ansieht, dass nicht das Budget von früheren Produktionen zur Verfügung stand. Die Olsen-typischen spekulativen Inhalte sind reichlich vorhanden und machen diesen Film für mich zum trashigsten der mir bekannten Olsen-Werke ("Blutiger Freitag" mal ausgenommen, der ist noch eine Klasse für sich ). Die Aufnahmen der Herzoperation wirken ziemlich beliebig reingeschnippelt; immerhin wurde hiermit sogar auf dem Kinoplakat geworben. Mein Favorit ist "Wenn es Nacht wird auf der Reeperbahn", denn dieser ist m.E. neben einem echten Olsen-Kracher auch noch ein richtig guter Krimi. Auch den Soundtrack von Erwin Halletz finde ich hier ganz besonders gelungen. Für den "Pfarrer von St. Pauli" konnte ich mich weniger begeistern, da dort für mich nach dem Abgang von Curd Jürgens auf die Insel nur noch gepflegte Langeweile herrschte. Den "Arzt von St. Pauli" und die "Reeperbahn nachts um halb eins" würde ich beide im gehobenen Mittelfeld einordnen, ebenso wie "In Frankfurt sind die Nächte heiß".

Joachim Kramp Offline




Beiträge: 4.901

10.04.2010 08:35
#7 RE: Bewertung – Rolf Olsen-Filme Zitat · antworten

Zitat von Vlad Tepes
Stimmt schon, das "Stundenhotel" ist ein unterhaltsamer Film. Allerdings bin ich der Meinung, dass man ihm deutlich ansieht, dass nicht das Budget von früheren Produktionen zur Verfügung stand.



Verstehe nicht was Du damit meinst?? Constantin stellte für solche Produktionen ca. 1,1 Millionen DM zur Verfügung. Bei "Wenn es Nacht wird auf der Reeperbahn" waren es z.B. nur rd. DM 800.000,00.

Joachim.
*Filme bleiben ewig jung!*

Joachim Kramp Offline




Beiträge: 4.901

10.04.2010 16:30
#8 RE: Bewertung – Rolf Olsen-Filme Zitat · antworten

Zitat von Joe Walker
... meine mich zu erinnern, dass die Szenen mit Siegfried Schürenberg und Susann Korda (relativ zu Beginn) aus "Der Teufel kam aus Akasava" auch dort gedreht wurden.

Gruß
Joe Walker



Hier hast Du recht, habe mir nun mal wieder den Film angesehen. Aber nur die Innenaufnahmen. Bis auf die Tower-Bridge und ein paar weiteren Sehenswürdigkeiten dürften sowieso alle London-Außenaufnahmen in Madrid entstanden sein.

Joachim.
*Filme bleiben ewig jung!*

Vlad Tepes Offline



Beiträge: 13

10.04.2010 18:01
#9 RE: Bewertung – Rolf Olsen-Filme Zitat · antworten

So kann man sich irren. Ich hätte drauf gewettet, dass es umgekehrt wäre. Wenn man ihn aber mal mit dem ebenfalls angesprochenen Perrak vergleicht (weniger Inhalt sondern Sets, Ausstattung etc.) finde ich schon, dass er da deutlich zurückbleibt. Nichts desto trotz sehe ich ihn mir häufiger an und kann ihm durchaus einiges abgewinnen.

wallace-fan Offline




Beiträge: 895

05.07.2011 10:14
#10 RE: Bewertung – Rolf Olsen-Filme Zitat · antworten

Hallo!

Hat jemand von Euch die offizielle DVD von "Das Rasthaus der grausamen Puppe", und kann mir das Genre nennen, dass auf der Rückseite der DVD-Hülle unter "Genre" aufgedruckt ist?

MfG,
wallace-fan

Prisma Offline




Beiträge: 7.541

05.07.2011 10:54
#11 RE: Bewertung – Rolf Olsen-Filme Zitat · antworten

Auf der Hülle steht als Genrebezeichnung "Krimi". Ich würde sagen, dass "Das Rasthaus der grausamen Puppen" zwar viele Krimielemente bietet, aber trotzdem ein Mischmasch aus mehreren Genres ist. Ein Rolf Olsen Film eben
Ich persönlich sehe den immer, immer wieder gerne, nicht zuletzt wegen der halb-spektakulären Besetzung.

wallace-fan Offline




Beiträge: 895

05.07.2011 11:08
#12 RE: Bewertung – Rolf Olsen-Filme Zitat · antworten

Danke Prisma!

Georg Offline




Beiträge: 2.959

02.09.2011 12:12
#13 Bewertet: "Wenn es Nacht wird auf der Reeperbahn" (BRD 1967) Zitat · antworten

Wenn es Nacht wird auf der Reeperbahn

Ein Mann überfährt nachts ein Mädchen, das LSD genommen hat und begeht Fahrerflucht. Ein Journalist schreibt einen Zeitungsartikel über die LSD-Bande. Eine junge Männergruppe vermittelt junge Mädchen an ältere Herren. Ein kleiner Ganove namens Uwe findet eine Brieftasche.
Das sind vier Handlungsstränge, die nach und nach in einer Handlung zusammenlaufen. Im Mittelpunkt des Films steht eine Gruppe junger Männer, die junge Mädchen mit LSD "versorgen", um sie gefügig zu machen. Zwei Mädchen starben schon, zwei weitere werden im Laufe des Films von einem Mann mit schwarzem Mantel, Handschuhen und Schlapphut erschossen. Einer der jungen Männer ist ein reicher Millionärssohn, der sich in eines der Mädchen verliebt und sie aus allem raus halten will. Gerade das gelingt aber nicht, denn er überrascht seinen eigenen Vater mit ihr im Bett. Das Mädchen bringt sich daraufhin um. Der Journalist hingegen legt sich mit der LSD-Bande an, der kleine Ganove namens Uwe "erpresst" auf liebenswürdige Art und Weise den fahrerflüchtigen Mann und der Kommissar jagt samt Assistenten einen unbekannten Mörder, die LSD-Bande und einen Fahrerflüchtigen ...

Ich weiß nicht ganz recht, was ich von diesem Film halten soll. Bewusst pseudodokumentarisch angelegt (im Vorspann steht, die Handlung basiere auf wahren Ereignissen), ist diese Heinz-Willig-Produktion eine Mischung aus "Polizeirevier Davidswache", "Die Halbstarken" und "Schulmädchenreport". Ach ja ... und "Kommissar Freytag" trifft "Polizeifunk ruft ...". Als besonders positiven Punkt möchte ich dies als erstes hervorheben: Konrad Georg spielt den Kommissar so, dass man ständig das Gefühl hat, es mit einer Episode seiner erfolgreichen Serie "Kommissar Freytag" zu tun zu haben. Nicht zufällig wurde der Schauspieler für die Rolle auserkoren. Ihm als Assistent wurde Günter Lüdke beigestellt, der im Jahr zuvor in 13 Folgen den flippigen Kriminalassistenten Bollmann in der Fernsehserie "Polizeifunk ruft" gegeben hatte und auch in "Wenn es Nacht wird..." trotz anderem Rollennamen nichts Anderes zu spielen scheint.
Erik Schumann gibt einen Journalisten, der aus dem Off die Handlung mit Datum und Uhrzeit als "Allwissender Erzähler" kommentiert und in einigen Szenen auf Charles Bronson getrimmt wurde, der es mit sieben bewaffneten Männern aufnimmt und sich durch sie durchprügelt. Natürlich wartet jeder einzelne, bis er dran ist, so dass Schumann nicht wie jeder andere vernünftige Mensch ob der Überzahl an Gangstern abhaut, sondern einen nach den anderen versohlt. Ja, genau ....!
Herbert Tiede als Millionär und fürsorglicher Vater, der sich nachts mit seinen Freunden an willenlos gemachten Mädchen vergeht, ist hier in einer ungewohnten Rolle zu sehen und auch Fritz Wepper dürfte hier einen seiner ersten großen Kinoauftritte gehabt haben, der im Gedächtnis der Zuschauer (und Produzenten) blieb. Ach ja, und eine Nebenrolle spielt der sympathische Willi Rose, den man leider viel zu selten sah und der dennoch als "Kapitän" in der charmanten Serie "Jedermannstraße 11", als Kommissar Ketterle in "Der dritte Handschuh" und als Gauner in dem zweiteiligen Ashley-TV-Krimi "Das Millionending" einen bleibenden Eindruck hinterließ.
Die Kameraarbeit von Franz Xaver Lederle ist passabel, vor allem die Szenen der LSD-Träume sind originell mit Filtern fotografiert.
Rolf Olsen, der selbst in einer Rolle als Pathologe zu sehen ist, inszeniert allerdings gewohnt klischeehaft und zeigt "primitiv" die Halbwelt, übertreibt sicherlich in vielen Szenen so, dass man nicht mehr ganz genau weiß, inwieweit hier ein "echter" Kriminalfall aufgearbeitet wurde oder zu wieviel Prozent die Geschichte mit dem tatsächlichen geschehen zu tun hat. Insgesamt akzeptable Unterhaltung samt "Whodunit", auch wenn dieses stark in den Hintergrund tritt.

Regie und Drehbuch: Rolf Olsen, Kamera: Franz Xaver Lederle, Musik: Erwin Halletz, Produzent: Heinz Willeg,
Mit Erik Schumann, Fritz Wepper, Konrad Georg, Günter Lüdke, Herbert Tiede, Karl Lieffen, Heinz Reincke, Rudolf Schündler, Willi Rose, Friedrich Schütter und Jürgen Draeger u.v.a.


Prisma Offline




Beiträge: 7.541

13.02.2012 21:56
#14 RE: Bewertet: "DAS RASTHAUS DER GRAUSAMEN PUPPEN" Zitat · antworten

DAS RASTHAUS DER GRAUSAMEN PUPPEN (1967)




DARSTELLER:

ESSY PERSSON
KARIN FIELD
HELGA ANDERS
DOMINIQUE BOSCHERO
GABRIELLA GIORGELLI

und
ERIK SCHUMANN
ELLEN SCHWIERS
MARGOT TROOGER
JANE TILDEN
BALDUIN BAAS
JOACHIM TEEGE


Bob Fishman (Erik Schumann) und seine Geliebte Betty Williams (Essy Persson) überflallen gemeinsam ein Juweliergeschäft, doch der Coup läuft schief und ein Polizist kommt dabei zu Tode. Betty, die den Namen ihres Komplizen verschweigt, wird wegen Raub mit Todesfolge zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt. Im Gefängnis herrscht ein hartes und brutales Regiment, Betty schmiedet einen Fluchtplan der auch gelingt und sie flieht mit vier weiteren Insassinnen. Ihr Ziel ist der Aufenthaltsort ihres Freundes, der mittlerweile in einem unscheinbaren Rasthaus unter falschem Namen arbeitet. Dort muss sie jedoch erfahren, dass Bob sie fast schon vergessen hatte. Da die Ausbrecherinnen für die weitere Flucht an Geld kommen müssen, werden weitere Pläne geschmiedet. Doch es kommt zu unvorhergesehenen Komplikationen in dieser ungleichen Fünfer-Konstellation und eine Kettenreaktion aus Aggressionen, Hass, Gewalt und Mord nimmt ihren blutigen Verlauf. Wie weit werden die grausamen Puppen noch gehen...?



Regisseur Rolf Olsen schickte mit "Das Rasthaus der grausamen Puppen" einen recht merkwürdigen aber auch seltenen Beitrag ins Rennen, der trashiger und unterhaltsamer nicht sein könnte. Für mich beinhaltet dieser Streifen wirklich alles, was das Herz begehrt. Der Titel des Films ist zwar äußerst diffus, zu Beginn wusste ich wirklich nicht, was mich dort eigentlich erwarten würde, aber die "Puppen" nehmen den Zuschauer schon auf eine ziemlich turbolente Reise mit. Die Atmosphäre zeigt sich hier in vielfältigen, eigenwilligen Gesichtern, ein wenig Gefängnisalltag, ein verkommenes Rasthaus, kuriose Gestalten und es wird ein gutes Tempo vorgelegt. Die vielen Gossentoneinlagen wirken aus heutiger Sicht wohl etwas unfreiwillig komisch, haben mich persönlich aber richtig amüsiert, ja und die Besetzung holt das Maximum aus dieser kleinen Trash-Perle heraus.

In der Hauptrolle und als Anführerin der grausamen Puppen sieht man die Schwedin Essy Persson, mit deren Filmografie es nicht gerade üppig aussieht. Als eher unbeschriebenes Blatt macht sie ihre Sache wirklich ansprechend und gut. Ihre Betty Williams ist keine pathologische Kriminelle, aus Liebe zu ihrem Freund Bob, mit dem sie sich ein besseres Leben erträumt, wird sie schließlich durch einen fatalen Zufall zur Verbrecherin, der Gefängnisalltag tut das Übrige dazu. Von einer Freundin erfährt sie, wo sich Bob aufhält und durch Erpressung zwingt Betty sie schließlich, bei ihrer Flucht behilflich zu sein. Dieser Weg führt über die Oberaufseherin Francis Nipple, die in der kurzen Dauer von Ellen Schwiers (synchronisiert von Eva Pflug) hervorragend interpretiert wird. Zu ihrem Repertoire gehört Züchtigung und Gewalt, bei den Inhaftierten ist sie gefürchtet für ihre Brutalität. Doch die Leiterin der Strafanstalt hat eine Schwäche, die ihr zum Verhängnis wird: sie hat ein Faible für die hübschesten Damen unter ihrem Dach, ihre Verführungskünste werden allerdings nur mit einigen Messerstichen quittiert. Betty kommt also in den Besitz des Generalschlüssels, muss bei ihrem Verschwinden jedoch vier weitere Gefangene mitnehmen, da diese sich sonst bemerkbar gemacht hätten. Hier wäre zunächst die gewaltbereite und ordinäre Jean zu nennen, die von der Österreicherin Karin Field ein bemerkenswertes Gesicht bekommt. Für alle die es erst jetzt merken, ich habe zur Zeit einen kleinen Karin Field-Run, die ich auch in diesem Szenario in glänzender Schauspiellaune sehe, und die ich grundsätzlich für eine wirklich gute Interpretin halte. Leider gaben das ihre Produktiönchen selten wieder. Ihre Zellengenossin Linda, die unschuldig einsitzt und mit diesem Pack nichts zu tun haben möchte, wird notgedrungen mitgenommen; gespielt wird sie von Helga Anders, die man in einer obligatorischen Rolle sieht. Die weiteren Puppen spielen Gabriella Giorgelli als Esther, und Dominique Boschero als Sylvia, die wegen Diebstahls einsitzen. Eine wirklich hochinteressante und reizende Fünfer-Konstellation. Erik Schumann spielt Bettys Geliebten Bob recht überzeugend, außerdem hatte er für eine derartige Rolle meines Empfindens nach die richtige Ausstrahlung. Für die Prise Klamauk zog man Balduin Baas und Jane Tilden heran.

Nicht zu vergessen ist die wie immer großartige Margot Trooger, die jede Rolle prägen konnte, wie keine Zweite. Ihre Mr. Oland ist eine psychisch verwirrte Frau, die den Tod ihres kleinen Jungen nie richtig verkraftet hat. Merkwürdige Momente Entstehen, wenn sie beispielsweise am Grab ihres Sohnes mit ihm spricht, als ob er vor ihr stehen würde. Eigentlich übertrug man Margot Trooger eine undankbare, mitleidige Rolle, die aber durch ihre schauspielerische Kompetenz und ihre unverwechselbare Erscheinung optimal gelöst wurde. Um an Geld zu kommen, beschließen Bob und die Puppen die wohlhabende Marylin Oland zu entführen und eine hohe Summe aus ihrem Gatten herauszupressen. Es kommt allerdings zu einem fatalen Denkfehler bei diesem Vorhaben, so dass man zu anderen Mitteln greifen muss.

Was die Haupthandlung nicht zuletzt so interessant macht, sind die vielen Auswüchse in ihren Parallelhandlungen. Die geschickte Verstrickung ineinander wirkt nicht überladen und hält den interessierten Zuschauer durchgehend bei der Stange. Auch dass den beteiligten Personen eigentlich kein Plan gelingt und dass es ausschließlich zu fatalen Komplikationen kommt, ist gar nicht so uninteressant inszeniert worden. Erotik durfte bei diesem Streifen natürlich auch nicht fehlen, die hier allerdings hochgezügelt dargestellt wird, der Versuch die Charaktere möglichst brutal zu zeichnen wirkt kaum glaubhaft und wird lediglich von Karin Field, die als klassische Kriminelle dargestellt wirt, transportiert. Der Soundtrack 'Dirty Angels' ist ein kleiner Ohrwurm-Knaller, passt aber nicht wirklich zu den grausamen Puppen. Beim genauen Hinsehen merkt man dieser Produktion ihre Sparsamkeit, ob in handwerklicher oder inhaltlicher Sicht, schon in vielen Bereichen an, aber die motivierte Darstellerriege wird hier für vieles entschädigen. Es ist sehr schade, dass es sich um eine gekürzte Fassung handelt, was insbesondere bei den Szenenfolgen der sich entkleidenden Ellen Schwiers auffällt, doch laut Lisa-Film handelt es sich um die längste, noch verfügbare Version des Films. Insgesamt ist "Das Rasthaus der grausamen Puppen" ungemein unterhaltsam und macht wirklich großen Spaß! Ob er denn wirklich gut ist oder Anspruch hat, sollte jeder für sich selbst entscheiden...

Prisma Offline




Beiträge: 7.541

13.02.2012 23:05
#15 RE: Bewertet: "DAS RASTHAUS DER GRAUSAMEN PUPPEN" Zitat · antworten

NACHTRAG ZU "DAS RASTHAUS DER GRAUSAMEN PUPPEN"

"Die Kamera schwelgt in Abartigkeiten: Auspeitschungen, gefesselte nackte Frauen unter der kochend heißen Dusche, lesbische Liebe - und immer wieder Morde, unterbrochen von Striptease und eindeutigen Intimszenen. Eine schmuddelige Atmosphäre, in die zu allem Überfluss auch noch "humorige" Töne gemischt werden, die wohl den ordinären, rüden und zynischen Gossenton neutralisieren sollen, der in den meisten Passagen vorherrscht" (A.P., FILMDIENST) [Quelle: Das neue Lexikon des Horrorfilms]

Habe eben nochmal nachgesehen. Die geschilderten "Abartigkeiten" sind in der gekürzten Version, die etwa 84 Minuten lang ist, (leider) nicht zu sehen. Die Originallänge wird mit gut zehn Minuten mehr angegeben. Vielleicht taucht ja doch irgendwann noch die Komplettsause auf, das würde diesem Film jedenfalls ein völlig anderes Gesicht geben. Ich fragte mich beim Lesen dieser Einschätzung jedenfalls, ob ich den gleichen Film gesehen habe...

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