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Dieses Thema hat 11 Antworten
und wurde 803 mal aufgerufen
 Edgar-Wallace-Forum
Georg Offline




Beiträge: 2.784

06.09.2014 14:39
Der Fall der verängstigten Lady (BBC 1983) Zitat · antworten

Oben genannter Fernsehfilm lief am 19.11.1987 im 2. Programm des DDR-Fernsehens und wurde im 1. Programm des (ehemaligen) DDR-Fernsehens, damals wieder DFF, am 02.06.1990 wiederholt. Kennt jemand diese BBC-Produktion mit Virginia McKenna und Warren Clarke unter der Regie von Chris Menaul nach einem Roman von Edgar Wallace ("The Case of the Frightened Lady")? Und wenn ja, hat irgendjemand eine Aufzeichnung?

Markus Offline



Beiträge: 608

09.09.2014 11:01
#2 RE: Der Fall der verängstigten Lady (BBC 1983) Zitat · antworten

Zitat von Georg im Beitrag #1
"The Case of the Frightened Lady"

Nur zur Ergänzung: Der Stoff ist bei uns als "Das indische Tuch" bekannt ...

Gruß
Markus

Georg Offline




Beiträge: 2.784

09.09.2014 19:55
#3 RE: Der Fall der verängstigten Lady (BBC 1983) Zitat · antworten

Richtig, wobei - auch das zur Ergänzung - die BBC-Produktion sich an den Roman hält - im Gegensatz zur Vohrer-Verfilmung von 1963.

Nochmal die Frage: Hat niemand eine deutsche Fassung des Films?

Georg Offline




Beiträge: 2.784

17.06.2015 12:17
#4 RE: Der Fall der verängstigten Lady (BBC 1983) Zitat · antworten

Ich krame diesen Thread nochmals hervor ... nach langem Hin und Her findet die BBC die deutsche Synchro nicht mehr. Eine DVD-VÖ hängt nun leider davon ab, ob das damals irgendwer vom DDR-Fernsehen aufgezeichnet hat und ob jemand heute eine Kopie davon in seiner Sammlung hat. Wenn dem so ist - bitte PM an mich!

c.n.-tonfilm Offline




Beiträge: 132

20.06.2015 16:00
#5 RE: Der Fall der verängstigten Lady (BBC 1983) Zitat · antworten

Die Sendebänder des DDR-Fernsehens sind beim Deutschen Rundfunkarchiv, zum Teil auch bei der ARD Degeto gelandet.

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Filme im falschen Bildformat sind wie ein Gemälde, aus dem ein Dieb den Teil herausgeschnitten hat, der ihm am wichtigsten erschien, weil das Bild als Ganzes nicht durchs Fenster passte.

Alte Kinofilme nach Jahrzehnten nachträglich neu zu synchronisieren ist wie Süßstoff in einen guten alten Wein kippen: ungenießbar-pappige "Spätlese".

Was wären Jack Lemmon, Danny Kaye, Peter Sellers, Bob Hope und Red Skelton im deutschsprachigen Raum ohne die Stimme von Georg Thomalla ?

Georg Offline




Beiträge: 2.784

20.06.2015 16:36
#6 RE: Der Fall der verängstigten Lady (BBC 1983) Zitat · antworten

In diesem Fall leider nicht. Aber danke.

Georg Offline




Beiträge: 2.784

16.08.2017 15:25
#7 RE: Der Fall der verängstigten Lady (BBC 1983) Zitat · antworten

Gute Nachricht: Die verschollenen Bänder wurden doch noch gefunden ... Am 24.11. erscheint der Film nun bei Pidax auf DVD.

http://www.pidax-film.de/Film-Klassiker/...Lady::1206.html

Matze K. Offline



Beiträge: 1.022

16.08.2017 17:10
#8 RE: Der Fall der verängstigten Lady (BBC 1983) Zitat · antworten

Cool!!! Hast du wieder toll ausgegraben!

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Immer wenn du lügst, muss Jesus Blut weinen.
(Todd Flanders)

Gubanov Offline




Beiträge: 14.942

16.08.2017 23:05
#9 RE: Der Fall der verängstigten Lady (BBC 1983) Zitat · antworten

Die einzige authentische neuere Wallace-Verfilmung, noch dazu bisher eine absolute Seltenheit - große Empfehlung meinerseits und ein Dankeschön an @Georg für die engagierte Recherche.

kaeuflin Offline




Beiträge: 1.259

17.08.2017 21:03
#10 RE: Der Fall der verängstigten Lady (BBC 1983) Zitat · antworten

Da freue ich mich drauf. So ab und zu tauchen doch noch Schätze auf.

Happiness IS the road! (Marillion)

Lord Peter Offline




Beiträge: 413

10.11.2017 19:08
#11 RE: Der Fall der verängstigten Lady (BBC 1983) Zitat · antworten

Sehr gelungene Adaption des hervorragenden Romans, höchstens (vorlagenbedingt) etwas bühnenhaft inszeniert. Die Schauspieler sind durch die Bank gut, und auch die glücklicherweise wieder aufgetauchte DEFA-Synchro ist sehr gelungen. "Inspektor Tanner" hat die Stimme von Werner "Dr. Watson" Ehrlicher (der war anscheinend auf Ermittler abonniert, so sprach er beispielsweise auch John Thaw als "Inspector Morse" und Tom Baker als Sherlock Holmes im "Hund von Baskerville").

Eine weitaus lohnendere Ausgrabung als "Der geheimnisvolle Mönch"!

Gubanov Offline




Beiträge: 14.942

16.12.2017 21:10
#12 RE: Der Fall der verängstigten Lady (BBC 1983) Zitat · antworten

Noch einmal vielen Dank an @Georg für das Aufspüren dieses Juwels und die Bereitstellung des Gewinnspiel-Exemplars zum diesjährigen Grandprix! Ich möchte mich mit einer ausdrücklichen Empfehlung für alle Interessenten bedanken.



Edgar Wallace: Der Fall der verängstigten Lady (The Case of the Frightened Lady)

TV-Kriminalfilm, GB 1983. Regie: Christopher Menaul. Drehbuch: Victor Pemberton (Vorlage, 1931: Edgar Wallace). Mit: Virginia McKenna (Lady Lebanon), Warren Clarke (Detective Chief Superintendent Tanner), Tim Woodward (Lord Willie Lebanon), Elizabeth Garvie (Aisla Crane), William Maxwell (Sergeant Totty), Jeffrey Hardy (Detective Sergeant Ferraby), Derek Francis (Kelver), James Berwick (Brooks), Edward Wiley (Gilder), Dean Harris (Briggs) u.a. Erstsendung (GB): 28. Dezember 1983. Erstsendung (DDR): 19. November 1987. Eine Produktion der British Broadcasting Corporation.

Zitat von Der Fall der verängstigten Lady
Im beschaulichen Dörfchen Marks Priory hat sich ein kurioser Mord zugetragen: Der Chauffeur der örtlichen Adelsfamilie Lebanon wurde auf dem Rückweg von einer Kostümfeier, zu der er sich als Inder verkleidet hatte, ermordet. Präziser: mit einem Tuch erdrosselt, das Scotland Yard ebenfalls nach Indien zurückverfolgt. Unter Verdacht stehen die Bewohner und anderen Angestellten des Lebanon-Landsitzes: die herrschsüchtige Mutter und ihr weichlicher Sohn, dessen schlafwandelnde Braut und zwei mysteriöse amerikanische Diener. Schließlich fällt auch der Familienarzt dem Mörder mit den indischen Tüchern zum Opfer ...


Die britischen Edgar-Wallace-Verfilmungen der 1930er Jahre können wohl als einigermaßen authentisch bezeichnet werden, denn auch wenn sie manche Aspekte ihrer Vorlagen abänderten, so spielen sie zumindest ungefähr zur gleichen Zeit wie ihre Romanvorbilder und entstanden teilweise sogar unter aktiver Mitwirkung von Edgar Wallace. Eine filmische Renaissance erlebten Wallace-Stoffe abseits der eher freien Reihen der Rialto in Deutschland und der Merton-Park in England aber im Gegensatz zu Stoffen von Christie, Doyle, Chesterton, Sayers und Co. danach aber nicht mehr, sodass diese BBC-Verfilmung (als einzige wirklich originalgetreue Umsetzung seiner Werke in neuerer Zeit) als umso wertvoller eingeschätzt werden muss. Wer sich für Wallace, den Autor, interessiert, sollte den „Fall der verängstigten Lady“ – vulgo „Das indische Tuch“ – unbedingt gesehen haben. Nicht nur kann man dabei feststellen, wie weit sich der Alfred-Vohrer-Film von 1963 von der Vorlage entfernt; auch ist hier ein seltenes Schnuppern in typische Wallace-Bühnenatmosphäre möglich. Nachdem Christopher Menauls TV-Film lange Zeit kaum bzw. nur in sehr schlechter Qualität zu bekommen war, ist er nun wieder zugänglich, was Wallace-Fans zu Jubelstürmen veranlassen müsste. Dass die Wahl damals ausgerechnet auf diese Story fiel, belegt die Kenntnis der BBC-Verantwortlichen, die damit einen ganz besonders typischen Krimi des King of Crime auserkoren und ihn – ausgehend von der Theatervorlage – sehr stimmungsvoll inszenieren.


Zitat von „The Case of the Frightened Lady“ in: Joachim Kramp / Jürgen Wehnert: Das Edgar-Wallace-Lexikon, Berlin: 2003, Schwarzkopf & Schwarzkopf, S. 78f
[„The Case of the Frightened Lady“ feierte] Uraufführung im August 1931 am Londoner Wyndham’s Theatre, wo es mit gutem Erfolg lief. Da Wallace’ letzter Bühnenerfolg („On the Spot“) über ein Jahr zurücklag und die folgenden vier Stücke („The Mouthpiece“, „Smoky Cell“, „Charles III“ und „The Old Man“) die Erwartungen nicht erfüllten, musste der Autor zum Grundsatz Qualität vor Quantität zurückkehren. So schuf er ein Stück, das bei Publikum und Kritik gut ankam. Die sorgfältig ausgearbeitete, spannende Handlung (der Mörder wird erst in der letzten Szene entlarvt) überzeugte ebenso wie die Charakterisierung der Personen. [...] Für Wallace selbst war es das letzte Stück, bei dessen Premiere er dabei sein konnte; er starb sechs Monate später, ohne die Erstaufführung des folgenden Stücks „The Green Pack“ noch miterleben zu können.


Was zu Wallace’ Theaterkrimi gesagt werden kann, trifft auch auf die BBC-Adaption zu. Insbesondere müssen die faszinierenden Charaktere hervorgehoben werden, die Marks Priory bevölkern und die deutlich markanter gezeichnet sind als ihre eher launig-scherenschnitthaften Pendants der 1963er-Version. Am Anfang mag ihr geballtes Auftauchen ein wenig nach Kuriositätenkabinett anmuten, doch mit jeder fortschreitenden Minute fühlt man sich mehr in die von Ehrgeiz bestimmte Ermittlertruppe sowie die von Angst und Misstrauen zerfressenen Bewohner des Schlosses ein. Insbesondere das ungleiche Mutter-Sohn-Gespann aus Virginia McKenna und Tim Woodward vermag auf eine Weise zu überzeugen, die direkt Wallace’ berüchtigtem Diktaphonband entnommen zu sein scheint und die eine gewisse Tragik nicht lange verbergen können.

Menaul lässt zwar den Theaterursprung der Vorlage erahnen, als Kammerspiel funktioniert die Geschichte aber ausnehmend gut. Er versteht es auch, die beschränkten Schauplätze (nach einem Auftakt an frischer Luft nur noch Scotland Yard und Marks Priory) effektiv zu nutzen und teilweise ziemlich unheimlich erscheinen zu lassen. Überblendungen von Szenen, bei denen man noch Dialoge aus der letzten hört, aber schon das Bild der nächsten sieht, sorgen ebenso wie die kurze Laufzeit und die gut umgesetzten Spannungshöhepunkte für ein flüssiges Fernsehvergnügen. Neben den Rollen von McKenna und Woodward ist es vor allem bemerkenswert, dass sich das Drehbuch nicht scheut, die komplexe Situation mit drei Ermittlern und drei Dienern ungekürzt umzusetzen und dabei nicht an die Wand zu fahren. Im Gegenteil: Gerade die Übermacht der mit gespaltener Zunge redenden Lakaien auf Marks Priory flößt dem Zuschauer Respekt vor dem Schloss ein, das bisweilen einem Gefängnis gleicht. Hinzu kommt, dass Menaul die Frage, was sich wohl hinter der verschlossenen Tür im ersten Stock verbirgt, absolut genüsslich auskostet. Einzig die absolute Einkürzung der Amersham-Rolle ist für Kenner des Romans sowie des 1963er-Films rückblickend ein wenig enttäuschend; im Rahmen der Handlung wird der diabolische Doktor aber nur unwesentlich vermisst.

Unterstützt von spannungsfördernder Musik und einer altehrwürdigen Kulisse, erweist sich „Der Fall der verängstigten Lady“ als überdurchschnitlicher Detektivkrimi alter Schule. Einer von Wallace’ stärksten Plots wird, weil sich der Regisseur ganz auf die Entfaltung seiner gut aufgelegten Schauspieler konzentriert, authentisch mit Leben erfüllt. 5 von 5 Punkten.

PS: Ich habe den Film wieder mit englischem Originalton gesehen, den die Pidax-DVD glücklicherweise anbietet. Bei Gelegenheit höre ich nochmal in die DEFA-Synchronisation herein, die ja hier schon gelobt wurde.

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