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Dieses Thema hat 1 Antworten
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 Giallo Forum
Gubanov Offline




Beiträge: 15.576

11.07.2014 17:20
Ein schwarzer Tag für den Widder (1971) Zitat · antworten

Mich wundert ja, dass es zu diesem Giallo noch keinen Thread gibt. „Ein schwarzer Tag für den Widder“ ist ein im Forumssinn durchaus klassischer Giallo aus der frühen Periode mit einem schwarzgewandeten Serienmörder, einem trinkenden Reporter und sehr ansprechenden cinematografischen Meriten.



Ein schwarzer Tag für den Widder (Giornata nera per l’ariete)

Kriminalfilm, IT 1971. Regie: Luigi Bazzoni. Drehbuch: Mario di Nardo, Mario Fenelli, Luigi Bazzoni (Buchvorlage „The Fifth Cord“: D.M. Devine). Mit: Franco Nero (Andrea Bild), Silvia Monti (Helene), Wolfgang Preiss (Polizeiinspektor), Ira von Fürstenberg (Isabel Lancia), Edmund Purdom (Edouard Vermont), Rossella Falk (Sophia Bini), Renato Romano (Dr. Richard Bini), Guido Alberti (Traversi), Maurizio Bonuglia (John Lubbock), Pamela Tiffin (Lu Auer) u.a. Uraufführung (Italien): 28. August 1971.

Zitat von Ein schwarzer Tag für den Widder
Auf dem Rückweg von einer mondänen Silvesterparty wird der Lehrer John Lubbock in einem Tunnel hinterrücks angegriffen. Nur weil es einen Zeugen gibt, überlebt Lubbock den Überfall. Ein Markenzeichen des unbekannten Täters verbindet dieses Verbrechen mit einer Reihe sich später ereignender Morde: An jedem Tatort wurde ein Handschuh zurückgelassen – pro Opfer mit einem Finger weniger. Offenbar will der Killer die Polizei wissen lassen, wie häufig er noch zuschlagen wird. Der Inspektor hat sich unterdessen auf einen Hauptverdächtigen eingeschossen: Der Sensationsjournalist Andrea Bild ist der einzige, der alle Opfer gut kannte ...


Das Giallo-Fieber kochte mit dem Erfolg des in Deutschland als Bryan-Edgar-Wallace-Film vermarkteten „Geheimnis der schwarzen Handschuhe“ mehr oder minder plötzlich in Italien hoch. Zwar hatte es schon vorher Filme in einem ähnlichen Stil gegeben, doch der Debütfilm Dario Argentos hatte jene bisherigen Bemühungen in den Schatten gestellt und den Giallo neu definiert. In seinem Zentrum stand neben Sex & Crime nun vor allem die Ästhetik des Gesehenen. Bei allem Schlimmen und Verbotenem, das der Giallo zeigte, präsentierte er sich von einer äußerst geschmackvollen und ansehnlichen Seite.

„Ein schwarzer Tag für den Widder“ ist genau in dieser Tradition gehalten. Die Kriminalhandlung auf die hinteren Plätze verbannend, definiert sich „Widder“ in erster Linie als schöner Film, als optischer Anreiz im Stil eines frühen Argento. Unschuldig daran dürfte weder sein, dass „Widder“ eine recht frühe Giallo-Produktion war, die zu einem Zeitpunkt entstand, zu dem Argento noch an seiner Tier-Trilogie arbeitete, noch dass sich der Regisseur Luigi Bazzoni den „Handschuhe“-Kameramann Vittorio Storraro auslieh. Storraros Gespür für Bildkompositionen, für perfekt komponierte Kameraeinstellungen, für das Wirkendmachen von Kulissen und Drehorten und für das Zusammenspiel von Bild und Ausleuchtung ist einfach atemberaubend. Von vorn bis hinten vermittelt „Ein schwarzer Tag für den Widder“ ein absolut hochwertiges A-Klasse-Feeling, einfach weil der Film so gut gedreht wurde. Bazzoni und Storraro gelang ein künstlerischer Streifen von hervorstechendem Wert, der auch davon profitiert, dass der Zuschauer die „kultigen“ Zutaten des Genres (Gewalt, Alkohol, nackte Haut) zwar wiederfindet, sie aber nicht selbstzweckhaft missbraucht werden, sondern an verhältnismäßig runden Charakteren ausgeübt werden. Das befreit den Film auch vom Vorwurf, dem Prinzip style over substance zu folgen. Denn von einem Fehlen von Substanz kann nicht wirklich die Rede sein.



Hauptfigur Andrea Bild ist ein bei einer fragwürdigen Zeitung hängen gebliebener Journalist, der sich als Trinker selbst sein Leben schwer macht, aber darüber nicht in selbstbemitleidende Lethargie verfällt, sondern umso größere Anstrengungen unternimmt, den Alltag etwas aufzupeppen. Dazu zählt nicht nur seine wankelmütige Freundin Lu, sondern auch die Mordserie, in die er hineingerät. Zwar dient er der Polizei als Verdächtiger und ermittelt daraufhin. Aber man bekommt nicht das Gefühl, dass er das nur aus Zwang vor möglicher Strafverfolgung tut, sondern eher weil er Gefallen an der gefährlichen Jagd findet, sie für ihn Ablenkung bietet und er die Möglichkeit bekommt, sich mit Personen aus seinem Umkreis noch einmal genauer als nur zwischen Tanzfläche und Bett auseinanderzusetzen.

Neben Bazzoni und Storraro bietet also Franco Nero in dieser interessanten und glaubwürdig verkörperten Rolle den dritten großen und überdauernden Aktivposten des Films. „Ein schwarzer Tag für den Widder“ präsentiert weiterhin bekannte Giallo-Mimen wie zum Beispiel die aus „Das Rätsel des silbernen Halbmonds“ bekannten Renato Romano und Rosella Falk, die hier als skurril unheimliches und unheimlich skurriles Ehepaar (er ein glitschiger Arzt, sie ein gelähmter Hausdrachen) zusammmen für pikante Akzente sorgen. Dem ersten Opfer John Lubbock verleiht Maurizio Bonuglia ein überzeugendes Gesicht. Doch sogar den deutschen Zuschauern, die erst spät in den Genuss des „Widders“ kamen, wird ein besonderes Geschenk gemacht: Wolfgang Preiss übernimmt die Rolle des Polizeiinspektors, der im giallotypisch nicht sonderlich polizeifreundlich ausgerichteten Geschehen einigermaßen blass bleibt, aber eben doch ähnlich wie in „Blutspur im Park“ eine recht schwergewichtige Rolle übernahm.

Was sich bisher nach einem uneingeschränkt empfehlenswerten Meisterwerk anhört, hat aber auch seine kleinen Schönheitsfehler: Der „Widder“ hat sein unbekanntes Dasein fraglos nicht verdient, verpasst es aber gleichermaßen leider auch, in die Riege der Top-Titel aufzusteigen. Um mit den Spitzengialli mithalten zu können, hätte der Film ein höheres Spannungsniveau und eine ausgereiftere Geschichte benötigt, denn zwischenzeitlich läuft sich der Plot doch ein wenig tot, bevor er am Ende wieder merklich an Fahrt aufnimmt. Wäre der ganze Streifen so atemberaubend inszeniert wie die Falle für den kleinen Tony (nachdem diesmal die obligatorische Katze dem Killer nicht zum Opfer fällt, gerät schließlich also ersatzweise ein Kind in Gefahr) und die anschließende ausführliche Verfolgungsjagd Andreas auf den Killer, so hätte „Widder“ das Potenzial, ein echter Lieblingsfilm zu werden, durchaus gehabt. – Die Musik stammt zwar von Genre-Meister Ennio Morricone, fällt aber flacher aus als seine meisten anderen Scores und taugt deshalb nicht für mehr als für die unbemerkte Unterlegung der Filmszenen (dort aber in Ordnung).

Wenig blutrünstig, dafür von interessanten Figuren bevölkert, überzeugt der Giallo „Ein schwarzer Tag für den Widder“ als handwerklich makellos in Szene gesetztes Sahnestück. Mit einer Portion mehr Pepp in der Mordserie und einer verstärkten Konzentration aufs Wesentliche hätte der Film die Möglichkeit gehabt, ganz weit oben zu landen. So erreicht er immerhin das obere Mittelfeld der Giallo-Tabelle und dürfte als Pflichtprogramm für die anspruchsvolleren Freunde des Genres durchgehen, denen weniger an Blut und Barbarei gelegen ist. 4 von 5 Punkten.



Die DVD von Blue Underground: Die us-amerikanische Auswertung bietet den „schwarzen Tag“ in gewohnt guter Blue-Underground-Qualität. Das Bild ist sehr ansehnlich, was für diesen Film eine wichtige Grundvoraussetzung darstellt. Der OFDb-Eintrag lässt sich sogar zur Bemerkung hinreißen: „Perfekte Bild- und Tonqualität“. Der ausschließlich englische Ton wird leider nicht von Untertiteln begleitet. Dafür gibt es eine (englisch untertitelte) italienischsprachige Interview-Featurette mit Hauptdarsteller Nero und Kameramann Storraro, die angenehme 16 Minuten läuft, sowie einen interessanten Seventies-Trailer zum Film. Die unter dem Romantitel „The Fifth Cord“ veröffentlichte DVD kann entweder einzeln oder günstig in der 3-Disc-Sammlung „Midnight Movies: Suspense Triple Feature“ gemeinsam mit dem sehr empfehlenswerten Erotikgiallo „The Forbidden Photos of a Lady Above Suspicion“ und „The Pyjama Girl Case“ erworben werden.

Außerdem wurde der Film Ende der 1980er Jahre offenbar in der DDR synchronisiert und ausgestrahlt. Eine erste gesamtdeutsche Aufführung ist fürs Jahr 1990 vermerkt. Noch 2005 und 2010 lief „Ein schwarzer Tag für den Widder“ auf Kinowelt.TV, sodass selbst die deutsche Fassung kaum besonders selten oder obskur sein dürfte.

Gubanov Offline




Beiträge: 15.576

14.12.2017 20:16
#2 RE: Ein schwarzer Tag für den Widder (1971) Zitat · antworten

Diesen Giallo, um den es hier ja sehr ruhig ist, bringt FilmArt Anfang 2018 im Rahmen ihrer Giallo-Edition auf DVD heraus. Bisher war der Film im deutschsprachigen Raum nicht erhältlich.

https://www.facebook.com/filmArt.homeent...96514883736429/

Sehr charismatische Besetzung, u.a. mit Franco Nero, Wolfgang Preiss, Rossella Falk und Renato Romano.

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