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 Giallo Forum
Prisma Offline




Beiträge: 7.571

10.02.2014 13:46
In The Folds Of The Flesh (1970) Zitat · Antworten



IN THE FOLDS OF THE FLESH / NELLE PIEGHE DELLA CARNE (1970)

mit Eleonora Rossi Drago und Anna Maria Pierangeli
Fernando Sancho, Alfredo Majo, Emilio Gutiérrez Caba sowie Maria Rosa Sclauzero
eine Gemeinschaftsproduktion der M.G.B. Cinematografica | Talia Films
ein Film von Sergio Bergonzelli





»Metempsychose braucht ihre Zeit!«


Die Polizei verfolgt den rücksichtslosen Mörder namens Pascale Gorriot (Fernando Sancho). Auf seiner Flucht sieht er im Garten eines großen Anwesens, wie eine junge Frau eine Leiche vergräbt. Er wird gefasst. Dreizehn Jahre sind vergangen bis er diesen Ort wieder aufsucht, um die Frau namens Lucille (Eleonora Rossi Drago), die immer noch dort lebt, und die er seinerzeit beobachtete, zu erpressen. Sie wohnt mit ihrem mittlerweile erwachsenen Sohn Colin (Emilio Gutiérrez Caba), und Falesse (Anna Maria Pierangeli), der Tochter ihres seit langem verschwundenen Mannes zusammen. Gorriot merkt zwar, dass die Bewohner noch seltsamer sind, als das Haus an sich, doch er verlangt $ 200000 für sein Schweigen. Wird sein Plan aufgehen? Er ahnt jedenfalls noch nicht, dass in dieser Gegend schon mehrere Menschen auf mysteriöse Art und Weise verschwunden sind, und nie wieder auftauchten...

Dieser recht unorthodoxe Beitrag von Sergio Bergonzelli versucht die hinlänglich bekannten Gesetzte der Welt des Giallo fahrlässig aufzuweichen, ohne sie dabei jedoch zu sprengen. Es sei gleich erwähnt, dass der Film aus vielerlei Gründen einen enorm hohen Reiz besitzt, der seine Qualitäten vor allem in der Bildsprache transportieren wird. Auf der anderen Seite stehen allerdings viel zu viele Irrungen und Wirrungen im Bereich der labilen Psyche, die aufgrund ihrer Vielfältigkeit nur schwer von der Regie geordnet werden, was sich unmittelbar auf den Zuschauer überträgt. Selten hat ein derartig unwahrscheinliches Verwirrspiel trotzdem so faszinierend gewirkt, weil die Geschichte über lange Strecken konfus wirkt, die aber im Finale eine mögliche Auflösung im Bereich des Unmöglichen erfährt, und alle, über lange Zeit sehr diffus herumfliegenden Mosaik-Steinchen, werden sorgsam und irgendwie beachtlich zusammengeführt. Ich mag derartige Filme die eine so offensive Egal-Haltung in Richtung der Zuschauer transportieren. Hin und wieder tauchen in der Geschichte Sequenzen auf, die zu dem Glauben verleiten, dass der Film langsam aber endgültig umkippen wird, doch das gute daran ist, dass diese nicht gerade unwichtigen Szenenfolgen zu fesseln wissen, und ein bejahendes Gefühl beim Zuschauer hervorrufen. "In the folds of the flesh" ist eigentlich nicht im klassischen Sinne spannend geworden, denn das Erzähltempo wirkt trotz unzähligen, provokanten Offensiven verlangsamt. Trotzdem stellt sich der Eindruck ein, dass man es mit etwas besonders Außergewöhnlichem zu tun hat, weil der Stoff einfach gut zu fesseln weiß.





Bergonzelli ebnete mit diesem Film die letzte große Bühne für eine äußerst gerne sesehene Größe des Filmgeschäfts: Eleonora Rossi Drago, die in ihrem letzten Film nochmal eine ausfüllende Hauptrolle bekam. Sie dominiert den Verlauf, und verwirrt den Zuschauer mit ihrer geheimnisvollen Aura. Nochmals gefällt sich die Kamera in Großeinstellungen ihres nach wie vor sehr faszinierenden Gesichts, und hebt die Sprache ihrer fixierenden Augen hervor, was sich im Verlauf noch als großartiges Stilmittel herausstellen wird. Mit Pier Angeli in der zweiten weiblichen Hauptrolle besetzte man ebenfalls einen Star des italienischen Kinos, und im Sinne von Kontrasten und Widerständen funktioniert dieses Zweier-Gespann erstaunlich gut. Man bekommt mit beiden Damen ein schönes Beispiel von aktiver und passiver Inszenierung geboten. Überhaupt hat man es bei der doch sehr übersichtlichen Anzahl an beteiligten Darstellern mit sehr präzisen Darbietungen zu tun, die im Spektrum der Emotionen und psychischen Verwirrungen einiges an Sehenswertem zu bieten haben. Unklarheiten entstehen immer wieder bei zeitlichen Distanzen. Wo örtlich gesehen keine Fragen wegen der Gebundenheit offen bleiben, kann die Regie manche Fragezeichen nicht ausreichend weg dividieren, was im Rahmen dieses Verwirrspiels allerdings nicht zu schwerwiegend sein wird. Insgesamt kommt einem "In the folds of the flesh" als Ganzes gesehen, wie die massive, vor allem aber kollektive Wahnvorstellung seiner Beteiligten vor, was nicht uninteressant ist. Wenn man sich auf die Geschichte, ausgeschmückt in herrlichen Farben und Bildern, einlassen kann, hat man durchaus seine Freude daran. Ein exotischer Giallo der mir trotz schreiender Unwahrscheinlichkeit sehr gut bekommen ist!

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