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Dieses Thema hat 1 Antworten
und wurde 258 mal aufgerufen
 Francis Durbridge
Georg Offline




Beiträge: 3.098

05.12.2013 16:22
TV-Mehrteiler: Geheimhaltung, Namensänderung und anderes Zitat · Antworten

Ich habe mich in der letzten Zeit etwas mit den italienischsprachigen Durbridge-Filmen und deren Entstehung beschäftigt und konnte dadurch - wie ich denke - einige interessante Rückschlüsse auf die Produktionsumstände der deutschen Produktionen schließen, die ich euch hier nicht vorenthalten will bzw. die ich gerne zur Diskussion stelle.

Zunächst ein paar Worte zur berühmten Geheimhaltung: bekanntlich war es oberstes Prinzip, den Täter bis zum Schluss geheim zu halten. Immer wieder liest man, dass später mehrere Enden gedreht wurden. Durch die Beschäftigung mit den italienischen Fassungen ist mir jetzt der Gedanke gekommen, dass es diesbezüglich in der BRD gleich abgelaufen sein könnte, wie in Italien. Dort hat man nämlich - um die Darsteller und Teammitglieder selbst so gut wie möglich zu verwirren - mehrere Enden gedreht, mit jedem Verdächtigen einmal. Diese wurden jedoch nicht zur Sendung vorbereitet bzw. waren dafür nicht gedacht, sondern dienten lediglich dem Zweck, dass kein Schauspieler und kein Stabmitglied etwas über den Täter berichten konnte. Selbst der eigentliche Darsteller, der den Drahtzieher spielte, wusste daher nicht, ob er der Bösewicht war oder nicht. Das ging soweit, dass man die letzte(n) Szene(n) so über den mehrwöchigen Drehplan verteilte, dass man sie in zig Teile splittete und Dialogfetzen zusammenhanglos - oft ohne Anwesenheit eines Gesprächspartners - aufzeichnete. Den Höhepunkt erreichte das in der italienischen Fassung von "Wie ein Blitz" ("Come un uragano"), in der nicht einmal der Regisseur wusste, welche Fassung letztlich ausgestrahlt werden sollte. Nur ein Mann von der RAI (italienisches Staatsfernsehen) war befugt, darüber zu entscheiden.
Nun könnte ich mir gut vorstellen, dass auch in der BRD die berühmten und oft zitierten mehrfachen Enden nur gedreht wurden, um die Darsteller und das Team zu verwirren, nicht aber um diese bei einem "Verrat" (der dadurch nicht möglich gewesen wäre), zu senden. Bei Filmen wie "Wie ein Blitz", "Die Kette" oder "Harry Brent" wäre eine vielfache Wiederholung der finalen Szenen auch viel zu zeitaufwendig und kostenintensiv gewesen. Daher hat man die Phantasie spielen lassen und andere Szenen dazu erfunden, in denen sich der eine oder andere Schauspieler auch als Bösewicht entpuppt. Einzig in "Das Messer", wo der Täter wirklich erst in den letzten zwei Minuten entpuppt wird, könnte ich mir vorstellen, dass man eine zusätzliche Variante mit der gleichen Szene gedreht hat. Auch bei frühen Durbridges, angefangen von "Tim Frazer" über "Die Schlüssel" bis hin zu "Melissa" wären solche zusätzlichen Mörderszenen sicherlich schnell abgedreht gewesen.

Lange hatte ich mir auch die Frage gestellt, warum Orte und Namen - und manchmal auch Verwandtschaftsbezeichnungen - in den deutschen und italienischen Fassungen anders sind, als in den Originaldrehbüchern. Zwar gab es damals noch kein Internet, aber Journalisten waren damals auch nicht blöd. Der eine oder andere kam darauf, mal in Großbritannien bei einem Kollegen anzurufen und zu fragen, wer denn der Täter im Durbridge-Krimi sei. Dort waren die Filme ja immer ca. ein bis zwei Jahre vorher gelaufen. Durch Änderung der Personen-, Orts-, Berufsbezeichnungen und verwandtschaftlichen Beziehungen umging man dies einfach. Deshalb wohl auch so "unenglische" Namen wie "Brother" oder Allerweltsnamen wie "Brown".
Letztlich bleibt die Frage, warum Durbridge in den deutschen Fassungen zu "Ein Mann namens Harry Brent" und "Das Messer" das Ende verändert hat. Im Original "A Man Called Harry Brent" stirbt der Protagonist nämlich. Nun kann es sein, dass dies geändert wurde, weil Joachim Fuchsberger zunächst für die Rolle vorgesehen war und dieser ja die Klausel im Vertrag hatte, im Film nicht sterben zu dürfen. Als später Günter Ungeheuer die Rolle übernahm, hat man es möglicherweise einfach so gelassen. Möglich ist aber auch, dass man in der BRD dem Publikum ganz einfach einen toten Protagonisten nicht zumuten wollte. In den französischen und italienischen Fassungen, die ich beide gesehen habe, stirbt der Held jedenfalls. In Italien bekam sein "Mörder", d.h. sein Darsteller, daher wochenlang Drohanrufe von enttäuschten Zusehern - so wird berichtet - sodass er die Telefonnummer wechseln musste (vielleicht ist das aber auch nur eine Legende). Worauf die Änderung des Täters und der Auflösung in "Das Messer" zurückzuführen ist, kann ich leider nicht nachvollziehen. Ich habe in einem anderen Thread jedoch schon mal über das originale Ende bei Francis Durbridge und den originalen Täter berichtet. Sicher ist jedenfalls, dass Durbridge dem WDR kein Tim-Frazer-Drehbuch ablieferte, sondern schon ein Skript mit dem Titel "The Knife" (in dem die Figuren allerdings alle anders hießen als in "Das Messer" und - soweit ich mich erinnere - in dem in der ersten Fassung der Täter nicht der des fertigen Films war).

Matze K. Offline



Beiträge: 1.060

16.12.2013 19:54
#2 RE: TV-Mehrteiler: Geheimhaltung, Namensänderung und anderes Zitat · Antworten

Allein die Kosten für die Geheimhaltung usw. könnte sich heutzutage gar keiner mehr leisten. Find ich soll so viel Intusiasmus

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Immer wenn du lügst, muss Jesus Blut weinen.
(Todd Flanders)

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