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 Film- und Fernsehklassiker national
Prisma Offline




Beiträge: 7.554

10.11.2013 14:26
Das verbotene Paradies (1958) Zitat · Antworten



DAS VERBOTENE PARADIES (1958)

mit Wolfgang Lukschy, Jan Hendriks, Ingeborg Schöner, Günter Pfitzmann, Lutz Moik, Walter Breuer
sowie Siegfried Schürenberg und als Erzähler Georg Thomalla
ein Alfa-Film im Atlantic Filmverleih
ein Film von Maximilian Meyer





»Hier handelt es sich um unreife, leicht zu beeinflussende Mädchen!«


In einer Ferienkolonie kommt es zu Streitigkeiten zwischen Campern und einigen Gästen des benachbarten Nobelhotels. Während sich die Jugend ausgelassen im Badesee amüsiert, unterstellt man ihnen von Seiten der Hotelgäste ein unmoralisches Präsentieren der Körper und eine zu freie Art im Umgang. Als sich einige der neugierigen Herrschaften dieses Treiben von einem Boot aus anschauen möchten, wird dieses kurzerhand von den aufgebrachten Jugendlichen umgekippt, und die Stadt hat einen waschechten Skandal, den die Klatschtanten der Umgebung zusätzlich anheizen. Die meisten Leute scheinen sich in ihrer Empörung also einig zu sein, bis Dr. Theo Krailing (Jan Hendriks) von einer Geschichte aus seiner Jugend berichtet, in der er von einen gewissen Professor Wetterstein (Wolfgang Lukschy) erzählt, und damit überraschend Partei für die Ferienkolonie ergreift...

Die Toppic-VHS von "Das verbotene Paradies" fiel mir seinerzeit in einer Gerümpel-Kiste in die Hände und per Zufall ist das Video in ebenso einer wieder aufgetaucht. Von daher war ich ganz angenehm überrascht, weil ich nicht mehr wusste, ob ich den Film überhaupt noch habe. Die Regie übernahm Maximilian Meyer (im Vorspann als Max Meier), der hier im Jahre 1955 seinen ersten und einzigen Film inszenierte. Dem Vernehmen nach lehnte die FSK eine Freigabe sage und schreibe vierzehn mal ab, bis er 1958 in die Kinos kommen, und sich einen Namen als sogenannter Skandalfilm machen sollte, was aus heutiger Sicht absolut unverständlich ist. Sicherlich sieht man hin und wieder einige Nuditäten von Laiendarstellern beim Schwimmen oder sportlichen Aktivitäten, aber wenn, dann immer nur recht kurz und aus weiterer Entfernung. Diese Bilder wurden in einen dokumentarischen Beginn des Films gepackt, den Georg Thomalla als Erzähler begleitet. Leider dauert das Ganze fast zehn Minuten und langweilt zu Tode! Dann wird man rasch mit der eigentlichen Geschichte konfrontiert, die ebenfalls nach kürzester Zeit ihr wahres Gesicht zeigt und eigentlich nicht gerade originell wirkt. Das Ziel des Films zu entrüsten, zum Denken anzuregen oder kritisch zu sein wird verfehlt, und deswegen klassifiziert man den einstigen Skandalfilm heute lieber als Komödie. Ja, das Vehikel ist schließlich alles andere geworden als außergewöhnlich, und man verspürt eher den Charme eines spießigen und konservativen Beitrags, bei dem man deutlich merkt, dass die Thematik nicht überzeugend angegangen wurde. Für eine seichte Unterhaltung reicht es im Endeffekt zwar, aber "Das verbotene Paradies" liefert doch eine eindeutige Definition von grundeigener Langeweile. Aber damals wurde wohl noch anders darüber gedacht.

Garniert ist das Ganze mit einer Reihe von namenhaften Darstellern, die den Verlauf positiv prägen können. Wolfgang Lukschy sieht man als Protagonisten der Rückblende (die beinahe den kompletten Verlauf ausmacht), in gewohnt überzeugender Manier, und seine progressiven Ansichten stoßen in einer Zeit vor dem Ersten Weltkrieg auf massive Widerstände. Jan Hendriks überzeugt ebenfalls in einer Hauptrolle, nur dass man ihn im aktuellen Zeitrahmen des Films auf alt trimmen musste, wirkt nicht sehr überzeugend, hauptsächlich optisch gesehen. Ingeborg Schöner ist wie immer nett anzusehen, Günter Pfitzmann sticht mit seiner agilen Interpretation deutlich hervor, genau wie Siegfried Schürenberg, der wie so oft mit weltmännischem Charme jongliert. Die ordentlichen schauspielerischen Aktivitäten verhelfen der Produktion, etwas Interesse hervorzurufen, welches sonst wohl so gut wie gar nicht vorhanden wäre. Die Abhandlung reißt Themen an wie zum Beispiel Vorurteile, konservative Ansichten, Freikörperkultur, Schein- und Doppelmoral; es will allerdings nicht so recht gelingen, dass diese Basis-Themen auch Durchschlagskraft entwickeln. So wirkt die Geschichte, die im Grunde genommen nicht gerade uninteressant ist, dennoch sehr bieder und es entsteht leider keine Dynamik. Die Regie inszenierte schließlich einfallslos, die Kamera empfiehlt sich äußerst konservativ, auch die Musik von Martin Böttcher kann nicht überzeugen, da sie die Bilder oftmals wenig charakteristisch untermalt und überhaupt zu repetitiv daherkommt. Ein paar Nackedeis und seichte Erotik-Einlagen wie eine vorsichtige Strip-Nummer in einem anstößigen Herren-Club, rechtfertigen den Status des Films in keiner Weise. Insgesamt gesehen kann man sich "Das verbotene Paradies" schon einmal angesehen haben wenn man sich für Filme dieser Art oder die Darsteller interessiert. Große Offenbarungen wird es hier allerdings kaum geben.

"Das verbotene Paradies" gilt ja als ziemlich seltener Film und ist weitgehend unbekannt.
Daher wird Pidax Anfang 2014 Abhilfe schaffen. Die Veröffentlichung ist für den 24. Januar angekündigt.

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