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Dieses Thema hat 6 Antworten
und wurde 1.504 mal aufgerufen
 Film- und Fernsehklassiker national
Georg Offline




Beiträge: 3.217

11.07.2013 10:58
Bitte recht freundlich, es wird geschossen (1969, TV) Zitat · Antworten

BITTE RECHT FREUNDLICH, ES WIRD GESCHOSSEN
Zweiteiliger TV-Krimi, BR Deutschland 1969

Buch: Peter Yeldham
Musik: Sam Spence
Regie: Rolf von Sydow

Mit Walter Wilz als Bill Page, Grit Böttcher als Irene Grant, Hubert Suschka, Klaus Schwarzkopf, Alexander Hegarth, Karl Walter Diess, Wolfried Lier, Kathrin Ackermann, Klaus Höhne sowie Rolf von Sydow als Butler Charles und Lil Dagover als Lady Hamilton



Inhalt: Lady Hamiltons Schmuck wurde vor drei Jahren gestohlen. Bis dato ist er unauffindbar. Mehrere Leute interessieren sich dafür: die Angestellten einer Versicherung ebenso wie mehrere Ganoven aus der Unterwelt. Für alle scheint klar: nur der erfahrene Safeknacker Joe Baxter kann das Ding gedreht haben, weshalb dieser alte sympathische Herr mehrfach Besuch erhält. Den letzten Besucher scheint er allerdings nicht zu überleben, denn er wird alsbald erhängt in seiner schäbigen Wohnung aufgefunden. Selbstmord scheidet bald aus, da man feststellt, dass der alte Herr schon vorher tot war. Bill Page, ein Modefotograf, schlittert in die Geschichte und versucht gemeinsam mit der Tochter des Ermordeten das Rätsel zu klären, zumal Joe Baxter für Ann, sein geliebtes Kind, eine mysteriöse Botschaft hinterlassen hat. Diese gilt es zunächst zu entziffern. Während das Rennen um die verschwundenen Juwelen weiter geht, schlägt der Mörder ein weiteres Mal zu ...

Besprechung: Rolf von Sydows erste Krimiregie hat es in sich. Flott, temporeich, spannend und humorvoll ist dieser zweiteilige Krimi, der für Wallace- und Durbridge-Fans allein von der Besetzung her ein Genuss ist: Walter Wilz ist in einer seiner wenigen Rollen zu sehen, Grit Böttcher spielt seine Freundin bravourös, Hubert Suschka brilliert als undurchsichtiger Grobian und Lil Dagover ist als Lady Hamilton ihrer adeligen Rolle als seltsame Gräfin treu geblieben. Die weiteren Rollen sind mit Alexander Hegarth als dubiosem Fitnesscenterbesitzer, Kathrin Ackermann als sympathischem leichten Mädchen und Klaus Höhne als Ganoven toll besetzt. Klaus Schwarzkopf ist ohnehin immer eine Bereicherung und auch Karl Walter Diess bleibt herrlich undurchschaubar. Alfred Schieske als Joe Baxter war eine sehr gute Wahl und Rolf von Sydows Entschluss, den Diener zu spielen (zwar aus Kostengründen) war nicht fehl am Platze. Ein herrliches Ensemble also. Die Geschichte von Peter Yeldham, der hier im Forum für seine Bücher zu Die Verdammten der blauen Berge, Marrakesch, In Beirut sind die Nächte lang oder Blonde Fracht für Sansibar bekannt ist, ist flott, modern, etwas undurchschaubar und so gänzlich mit Durbridge nicht zu vergleichen, an dessen angestammten Jänner-Sendeplatz der Film 1969 gesendet wurde. Günter Rohrbach vom WDR hatte damals nämlich entschieden, dass der englische Autor nur noch alle zwei Jahre die Straßen leer fegen sollte, damit der Ereignischarakter erhalten bliebe. Den gesamten Film über stellt man sich die Frage, wer ist wer und wer tut was warum, manchmal ist das etwas verwirrend, die zügige und flotte Regie von Regisseur von Sydow lässt aber darüber hinweg blicken. Ein weiteres Glück war die Verpflichtung von Sam Spence als Komponist, der mit seinem Ohrwurmsoundtrack enorm zum zügigen Tempo beiträgt. Die vielen, zahllosen Außenaufnahmen in England verleihen Bitte recht freundlich, es wird geschossen schließlich eine schöne britische Atmosphäre. Kein Wunder also, dass dieser Film für Rolf von Sydow die Eintrittskarte zum Durbridge-Universum war und man ihm daraufhin die Inszenierung von Wie ein Blitz übertrug (was für ein Glück für uns!). Die Präzision des Regisseurs, nichts dem Zufall zu überlassen, zeigt sich schließlich auch in den originellen Titelcredits, die wie so oft bei seinen Filmen dramaturgisch in die Handlung eingewoben werden. Schließlich bleibt für Freunde des Whodunits trotz der etwas anderen Geschichte immerhin die Frage, wer der Doppelmörder ist und die Auflösung verspricht eine gelungene Überraschung.

Fazit: Wer mit der Erwartung "Durbridge" in diesen Film geht, wird enttäuscht, wer sich an das zügige Tempo und die teilweise etwas verwirrende Handlung und unklaren Strukturen (die allerdings aufgedeckt werden) gewöhnt, kann sich vor allem im ersten Teil auf einen coolen End-60er-TV-Krimi mit skurrilen Figuren freuen. Ich persönlich ziehe die Langsamkeit von Durbridge vor, kann aber schon wegen der genialen Besetzung, der flotten Inszenierung und des coolen Soundtracks auch nicht wirklich viel gegen von Sydows erste Krimiarbeit einwenden. Ein Film, der auch wegen seiner teilweise humorvollen Einlage eher im Stil von Die Katze im Sack gehalten ist.

Abschließend noch eine damalige Kritik aus dem Hamburger Abendblatt (16.06.1969, Seite 12):

"Der zweiteilige Wochenendkrimi bot eine Geschichte beinah wie gehabt und doch mit genügend neuen Schlenkern versehen, so daß der Zuschauer schon bald das Puzzlespiel in Gang setzen konnte. Wer ist wer und was hat wer mit wem zu tun? Die Verschachtelung der Personen jedenfalls war perfekt, und Regisseur Rolf von Sydow hielt auch (besonders im ersten Teil) die ganze Geschichte gekonnt und ohne grobe Mittel zu verwenden hübsch undurchsichtig. Man beobachtete Beobachter, verfolgte Verfolger und genoß die Typen, großartig beispielsweise Katrin Ackermann als Liebesmaid, "Brüderchen" Lenny von Karl Walther Diess und die todsicheren Stars von morgen: Walter Wilz und Verena Buss. Die subtile Regie und die interessante Kamera gaben den Menschen, den Straßen und Zimmern Farbe, machten allerdings alles weniger rätselhaft als geheimnisreich. Freunde von harten Schockern kamen nicht einmal bei den Mordszenen dieses Edelkrimis auf ihre Kosten. Und kaum in den Schlagszenen. Ganz davon abgesehen, daß es im wahrsten Sinne des Wortes nicht immer ganz richtig hinhaute, hat unser gangsterfilmverwöhntes und -verdorbenes Auge leider kaum noch Sinn für eine gute alte Rangelei. Schade, denn das war unter anderem gerade das Feine an diesem Film."

Giacco Offline



Beiträge: 2.254

11.07.2013 14:57
#2 RE: Bitte recht freundlich, es wird geschossen (1969, TV) Zitat · Antworten

Zitat von Georg im Beitrag #1
Abschließend noch eine damalige Kritik aus dem Hamburger Abendblatt:

"... und die todsicheren Stars von morgen: Walter Wilz und Verena Buss."

Leider eine Fehleinschätzung. Bei Verena Buss lag es sicher daran, dass sie dem Theater sehr verbunden war und bei TV-Produktionen immer eine sehr sorgfältige Auswahl traf. Anders bei Walter Wilz. Er war damals schon 10 Jahre im Geschäft, hatte viele interessante Film- und TV-Rollen gespielt, aber nie wirklich den Durchbruch geschafft. Den brachte ihm auch dieser Krimi-Zweiteiler nicht, denn anschließend musste er sich mit kleineren Fernsehauftritten zufriedengeben. Auch ein letzter Kinofilm (Birdie, 1971) fand nur wenig Aufmerksamkeit.

Ansonsten vielen Dank für die Vorstellung von "Bitte recht freundlich ...". Klingt für mich sehr interessant und ich werde mir die DVD wohl zulegen (Erscheinungstermin: 6.9.2013).

schwarzseher Offline



Beiträge: 626

11.07.2013 17:04
#3 RE: Bitte recht freundlich, es wird geschossen (1969, TV) Zitat · Antworten

Danke auch von mir. Hört sich gut an und werde ich mir wohl besorgen. Dass man immer wieder auf neue (alte) Filme aufmerksam gemacht wird, ist eine der großen Stärken dieses Forums.

Mark Paxton Offline




Beiträge: 347

02.06.2014 16:41
#4 RE: Bitte recht freundlich, es wird geschossen (1969, TV) Zitat · Antworten

Die DVD gibt es im Moment günstig für 9,95 € (statt 19,95 €) im ARD-Video-Shop.

Ray Offline



Beiträge: 1.846

02.06.2016 17:36
#5 RE: Bitte recht freundlich, es wird geschossen (1969, TV) Zitat · Antworten

Bitte recht freundlich, es wird geschossen! (BRD 1969)

Regie: Rolf von Sydow

Darsteller: Walter Wilz, Grit Böttcher, Klaus Schwarzkopf, Lil Dagover u.a.



Nachdem ich bereits seit längerer Zeit ein gewisses Interesse an diesem Mehrteiler aus dem Jahre 1969 hatte, verdichtete sich dieses zu großer Neugier in Folge der Wiederentdeckung von "Wie ein Blitz" und "Das Messer", so dass ich um eine Anschaffung dieses - ebenso wie die genannten Durbridge-Beiträge von Rolf von Sydow inszenierten Streifens - inklusive zeitnaher Sichtung nicht herumgekommen bin.

Bereits im spielerischen Vorspann, der sehr gut in die Handlung integriert wurde und sogleich den Titel erklärt, erkennt man die Handschrift des Regisseurs. Die sich anschließende Autofahrt durch London von Hauptdarsteller Wilz und Grit Böttcher - untermalt von einer wunderbar beschwingten Melodie - versprüht eine gehörige Portion (End-)Sechziger Flair, die der Film in Hülle und Fülle aufweist, wobei sich die Endsechziger insbesondere an den Koteletten der Herren zeigen. Für das Jahr 1969 durchaus bemerkenswert ist, dass der Film im Vergleich zu Konkurrenzproduktionen wie "Hotel Royal" oder "11 Uhr 20" noch in Schwarzweiß entstand.

Die Geschichte ist nicht immer ganz durchschaubar, dennoch kommt nie so richtig Langeweile auf, weil von Sydow das Tempo für eine derartige Produktion recht hoch hält. Ein Beispiel für die Herangehensweise des Films und sein hohes produktionstechnisches Niveau sind die Szenen, in denen Wilz, der einen Fotografen spielt, an verschiedenen Außendrehorten in London seine Models in Szene setzt. Das Alles ist großartig gefilmt und geschnitten, fast eine Vorwegnahme eines Musikvideos, man kommt sich an dieser Stelle wie in einer internationalen Produktion vor. Trotzdem ist der Ausspruch "Fast wie James Bond..." weit hergeholt und es würde doch interessieren, woran das der betreffende Redakteur damals festmachen wollte, denn Wilz ist Privatmann, es geht um Verbrechen ohne grenzüberschreitenden Bezug und die "Action" ist im Vergleich zu Bond doch sehr überschaubar. Vielleicht dachte er an Walter Wilz selbst, der optisch eventuell als Bond durchgegangen wäre, denn George Lazenby war ihm nicht so unählich.

Wilz hatte mich bis dato noch nicht richtig überzeugen können, macht seine Sache hier aber ausgesprochen gut, so dass die Prophezeiung, aus ihm werde ein großer Star, vom damaligen Standpunkt gar nicht mal so kühn erscheint. Böttcher schlägt sich "wacker". Eine besondere Freude ist sicherlich die Besetzung Lil Dagovers, auch wenn ihr Part nicht allzu groß ist. Sie knüpft gekonnt an ihre Rolle als "seltsame Gräfin" an.

Inhaltlich setzt der Film sicher keine Referenzwerte, Cliffhanger gab es sicher auch bessere. Es ist eben kein Durbridge. Immerhin gibt es so eine Art "Whodunit", der im Übrigen recht überzeugend aufgelöst wird.

Nicht unerwähnt sei das vorzügliche Bild der DVD, hier wurde tolle Arbeit geleistet. Mir fällt spontan kein Mehrteiler ein, der in solch guter Qualität erschienen ist. Da der Film inzwischen für weniger als 10 Euro zu haben ist, kann ich den Artikel nur weiterempfehlen.


Leichtfüßiger Krimi von Rolf von Sydow, der dank des Drehs an Originalschauplätzen in London und eines bärenstarken Soundtracks beste (End-)Sixties-Atmosphäre versprüht. 4/5 Punkten.

Jan Offline




Beiträge: 1.703

03.06.2016 09:33
#6 RE: Bitte recht freundlich, es wird geschossen (1969, TV) Zitat · Antworten

Danke für das Erinnern an diesen Mehrteiler, den ich vor einiger Zeit bereits auf dem Radar hatte und unerklärlicherweise dann wieder vergaß. Die Zutaten (Regie: Rolf von Sydow, Außenaufnahmen in London, flotte Inszenierung, Klaus Schwarzkopf) sind so vielversprechend, dass ich gleich zugegriffen habe und in den kommenden Tagen sicher 185 Minuten am Stück verschlingen werde. Ich bin höchst gespannt!

Gruß
Jan

Ray Offline



Beiträge: 1.846

03.06.2016 12:28
#7 RE: Bitte recht freundlich, es wird geschossen (1969, TV) Zitat · Antworten

Sehr gerne. Bei mir war es ja wie gesagt ähnlich. Würde mich freuen, wenn du im Anschluss kurz deine Eindrücke von "Bitte recht freundlich ..." teilen würdest.

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