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Dieses Thema hat 19 Antworten
und wurde 1.376 mal aufgerufen
 Film- und Fernsehklassiker national
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brutus Offline




Beiträge: 12.897

20.09.2012 15:53
Das blaue Palais (1974-76, TV) Zitat · antworten

Die in den Siebzigern enstandene 5-teilige Serie wird nun endlich auch auf DVD veröffentlicht:

https://www.eurovideo.de/dvd-bluray,de,1...-kino-film.html

Viele Grüße
Brutus

Prisma Offline




Beiträge: 7.541

19.10.2012 21:07
#2 RE: Das blaue Palais (1974-76, TV) Zitat · antworten



DAS BLAUE PALAIS - DAS GENIE (Folge 1)

mit Rolf Henniger, Luomi Iacobesco, Peter Fricke, Silvano Tranquilli, Dieter Laser, Herbert Steinmetz, Lyne Chardonnet. u.a.


Hinter den Mauern des sogenannten "blauen Palais" verbirgt sich ein Forschungsinstitut, in dem fünf internationale Wissenschaftler in den Bereichen der Molekularbiologie und der Genetik forschen. Im Rahmen von Tierversuchen injiziert man Gehirnextrakt, welches sich positiv auf die Intelligenz von Ratten auswirken soll und eines Tages soll dieses Modellprojekt auch für den Menschen anwendbar sein. Bei einer wissenschaftlichen Arbeit wird Jeroen de Groot (Peter Fricke) auf einen Mann namens Felix van Reijn (Rolf Henniger) aufmerksam, der ein Klavierstück eines begnadeten Künstlers interpretiert, welcher vor Jahren plötzlich spurlos verschwand. Es stellt sich heraus, dass van Reijn ein wahrhaftes Genie sein muss. Er brilliert beispielsweise im Simultanschach und ist überaus polyglott, außerdem hat er ein beachtliches Fachwissen im Bereich der Molekularbiologie. Das Team des "blauen Palais" setzt ihre Kollegin Sibilla (Luomi Iacobesco) auf ihn an, um das Rätsel um ihn zu lösen. Ihre Reise geht nach Japan und später nach Italien, doch Sibilla meldet sich nicht mehr. Inzwischen stößt man auf eine ungeklärte Mordserie, bei welcher die Gehirne der Opfer entfernt wurden...

Folge 1 der fünfteiligen Serie befasst sich mit der Jagd nach dem perfekten Gehirn. Zunächst wird die Besatzung des "blauen Palais" etwas näher vorgestellt, man sieht die Wissenschaftler bei ihrer Arbeit und bekommt ihre Ambitionen näher gebracht. Schnell wird klar, dass man es mit Idealisten zu tun hat, die sich dennoch voneinander unterscheiden, und zwar im Bereich Gewissen. Der Menschheit einen großen Dienst zu tun steht absolut im Vordergrund, und die Wahl der Methoden gipfelt schließlich in außerordentlichen Handlungsweisen, die jedoch stets unter dem Deckmantel der gemeinnützigen Arbeit gerechtfertigt werden. Wer in dieser Folge in Spielfilmlänge schließlich Skrupel bekommen wird, ist sehr lange unklar und hält eine subtile Spannung allzeit bereit. Bemerkenswert erscheinen hier die Dialoge, man hört sehr genau heraus, dass es eine profunde wissenschaftliche Beratung gegeben hat, auch wenn die Vorhaben insgesamt (noch) zu abstrakt klingen. Die visionäre Forschung in Richtung Zukunft wird mit dem großen Traum eines jeden Palais-Wissenschaftlers jedenfalls gut dargestellt. Bemerkenswert ist, dass der Pilotfolge eine sehr aufwendige Inszenierung zu Teil wurde. Man drehte offenbar unter anderem in Kyoto und Venedig, und das "blaue Palais" steht nicht erdrückend im Vordergrund, Schauplätze und Ausstattung wirken hochwertig.

Schon lange stand "Das blaue Palais" auf meiner persönlichen Wunschliste, da in den bevorstehenden Episoden noch ein Besetzungsspektakel auf mich zukommen wird. Das Ensemble ist hier zwar bunt, dennoch glaubwürdig zusammengewürfelt worden. Besonders Rolf Henniger trägt diese Folge als Genie, über das der Tod keine Gewalt mehr haben soll. Felix van Reijn steht über den Dingen und über allen Personen um ihn herum, was er sie jederzeit spüren lässt. So rückt er nicht nur vollkommen in den Mittelpunkt von "Das Genie", sondern wird in vielerlei Hinsicht zum Objekt der Begierde. Die Biologin Sibilla wird von der aparten Luomi Iacobesco dargestellt, mir der man eine unberechenbare Reise erleben wird, da selbst ihre Emotionen wissenschaftlich angehaucht wirken. Und schließlich ist noch Peter Fricke zu nennen, der jede Produktion pauschal bereichern konnte, so auch hier. Die Geschichte wird sorgsam aufgebaut und weckt in kürzester Zeit die Neugierde. Da sich Folge 1 recht lange hinzieht, bleiben etliche schwunglose Passagen leider nicht aus, für einen Thriller haben sich insgesamt zu viele Anflüge der Langatmigkeit eingeschlichen, die allerdings mit einem gut konstruierten und beinahe nachdenklichen Finale weniger schwerwiegend erscheinen. Die Ausstattung des Labors wirkt glücklicherweise nicht sehr utopisch, selbst die Erklärungen bleiben (theoretisch) nachvollziehbar. Die Stärke liegt hier eindeutig im Gesamtkonzept. Der Zuschauer wird mit vielen Informationen versorgt, die teils völlig irrelevant erscheinen, aber Steinchen eines spät sichtbaren Mosaiks darstellen. Für mich ist dieser Einstieg der von Rainer Erler inszenierten Serie durchaus gelungen gewesen, und ich bin gespannt auf den weiteren Verlauf!

brutus Offline




Beiträge: 12.897

19.10.2012 21:23
#3 RE: Das blaue Palais (1974-76, TV) Zitat · antworten

Mal ne kurze Frage: Hast Du Dir die DVD geholt?

Viele Grüße
Brutus

Prisma Offline




Beiträge: 7.541

19.10.2012 21:27
#4 RE: Das blaue Palais (1974-76, TV) Zitat · antworten

Ja, habe ich. Ist die Tage bei mir angekommen und ich habe mich umgehend drauf gestürzt.

brutus Offline




Beiträge: 12.897

19.10.2012 21:34
#5 RE: Das blaue Palais (1974-76, TV) Zitat · antworten

Kann ich gut verstehen, steht bei mir auch schon seit Ewigkeiten auf der Wunschliste, meine (stein-)alten TV-Aufzeichnungen sind in einer Qualität, über die ich lieber den Mantel des Schweigens decke. DVD ist bestellt und kommt hoffentlich bald.

Viele Grüße
Brutus

Josh Offline




Beiträge: 7.903

19.10.2012 21:35
#6 RE: Das blaue Palais (1974-76, TV) Zitat · antworten

Wie ist denn die Bildqualität? Bei Amazon wird ja auf Euro-Video regelrecht eingeprügelt.

Prisma Offline




Beiträge: 7.541

19.10.2012 21:41
#7 RE: Das blaue Palais (1974-76, TV) Zitat · antworten

Ich kannte die Serie bislang noch nicht, freue mich aber schon riesig auf gewisse Teile der Besetzung. Ja, die Bild-Qualität ist sicherlich nicht die beste, mir persönlich ist das aber gleich, da es mir generell wichtiger ist, einen Film überhaupt zu sehen, als mich von irgendwelchen Mängeln abschrecken zu lassen. Für drei DVDs mit fünf Teilen à 90 Minuten sind die 17,99 € allemal gut angelegt.

brutus Offline




Beiträge: 12.897

19.10.2012 21:45
#8 RE: Das blaue Palais (1974-76, TV) Zitat · antworten

Wenn die gleiche Bildqualität erreicht wird wie bei der Pidax-DVD von Grenzfälle, ist das schon in Ordnung.

Viele Grüße
Brutus

Josh Offline




Beiträge: 7.903

19.10.2012 21:47
#9 RE: Das blaue Palais (1974-76, TV) Zitat · antworten

Solange es saubere VHS-Qualität ist, kann ich damit leben. Die werde ich mir mit Sicherheit in absehbarer Zeit zulegen, wenn die Großoffensive der anderen Labels etwas nachgelassen hat, also wahrscheinlich irgendwann nach Weihnachten.

Prisma Offline




Beiträge: 7.541

21.10.2012 18:12
#10 RE: Das blaue Palais (1974-76, TV) Zitat · antworten



DAS BLAUE PALAIS - DER VERRÄTER (Folge 2)

mit Werner Rundshagen, Luomi Iacobesco, Georg Marischka, Silvano Tranquilli, Dieter Laser, Peter Fricke, Herbert Steinmetz, u.a.


Im "blauen Palais" findet eine wissenschaftliche Erörterung durch den Laser-Spezialisten von Klöpfer (Werner Rundshagen) statt. Er will einen Laser entwickeln, der mit minimalem Aufwand eine neue Kunstdünger-Synthese bewirken kann. Der Antrag wird vom skeptischen Kollegium bewilligt, obwohl die Forschungskosten den Etat mit mehreren hunderttausend Mark sprengen. Von Klöpfer sondert sich ab und entwickelt das Gerät hinter verschlossenen Türen. Erste Zweifel kommen auf, da er seine Erfindung zur Herstellung von tödlichen Stickoxiden missbrauchen könnte. Professor Palm (Silvano Tranquilli) nimmt die Forschungsunterlagen an sich und erwartet die Rechtfertigung seines Kollegen. Dieser flieht jedoch mit der heißen Ware nach Hongkong und schließlich Kanada. Dort werden unterschiedliche Interessengemeinschaften auf ihn aufmerksam und eine gefährliche Jagd beginnt. Jeder möchte das Material in die Hände bekommen. Wieder einmal setzt man Sibilla (Luomi Iacobesco) auf den vermeintlichen Verräter an...

"Der Verräter" knüpft nahtlos an das Konzept der Reihe an. Ein neues Thema aus dem Spektrum der Wissenschaft ebnet den Weg zu einer spannenden Folge die mit zahlreichen Thriller-Elementen angereichert wurde. Der Einstieg in den Fall ist der selbe wie in der ersten Folge. Professor Palm steht zusammen mit deinem Team vor dem "blauen Palais" und erklärt dem Zuschauer, worum es dieses Mal gehen wird. Das Ende der Episode zeigt bereits eine Beerdigung, die man zum Finale erneut sehen wird, was der Spannung allerdings keinen Abbruch tut. Wieder fallen die sehr hochwertigen Dialoge auf, die mit versiertem Fachjargon ausstaffiert wurden. Die Thematik rund um den Prototypen des bahnbrechenden Lasers erinnert ein wenig an einen gewissen Herrn namens Dr. Mabuse, der es auch schon einmal versuchte. Allerdings lag es ja nicht gerade in seiner Absicht, Kunstdünger für die Länder der Dritten Welt herzustellen, so dass sie weitgehend autark existieren könnten. Auch hier wird eben die Frage nach nach der Gefahr aufgeworfen, falls solch eine Erfindung in falsche Hände geraten sollte, und die gegnerischen Interessengemeinschaften sind von Klöpfer schnellstens auf der Spur. Die Labors und die Apparaturen wirken sehr originell, es besteht kein Zweifel, dass an der Produktion nicht gespart wurde. So findet man sich nach einiger Zeit sogar in Hongkong und später Kanada wieder.

Die Besetzung ist in "Das blaue Palais" wieder die gleiche, zumindest was das Forscher-Team betrifft, doch jedes Mal bekommt man einen Gast-Darsteller zu sehen, der zum Protagonisten der jeweiligen Folge wird. Hier sieht man Werner Rundshagen, der dem verrückten Wissenschaftler ein überzeugendes Charisma gibt. Er lebt nur für seine Arbeit und seine Visionen. Dabei hat er nichts schlechtes im Sinn, ist aber auf der Suche nach alternativen Geldgebern dazu gezwungen, nicht lupenreine Kompromisse einzugehen. Sein Verlangen, sich ein Denkmal zu setzen ist größer als die Skrupel gegenüber seinen Geschäftspartnern, die seine Erfindung missbrauchen wollen. Dabei ist die Leistung von Werner Rundshagen ("Die unsterblichen Methoden des Franz Josef Wanninger") beachtlich. Die Rumänin Luomi Iacobesco trägt diese Episode wieder einmal entscheidend mit, Sibilla wird sehr geschätzt und soll das drohende Fiasko wieder in sichere Bahnen lenken. Dieter Laser und Herbert Steinmetz rücken ebenfalls etwas mehr in den Fokus, zusätzlich sieht man Georg Marischka als skrupellosen Geschäftsmann. Schon bevor die Jagd über einige Stationen der Polar-Route beginnt, steigt die Spannung bereits am Titel gebenden Ort. Die Kollegen errechnen, dass von Klöpfer sie mit falschen Informationen getäuscht haben muss und sie befürchten, dass sein Experiment unberechenbare Kräfte auslösen könnte. Eine wahrscheinliche Explosion steht im Raum, es gibt mehrmals einen Notalarm und ein Feuer bricht aus, grelle Dämpfe treten aus dem Labor, man bekommt ein straffes Tempo geboten. In Hongkong bekommt man weiteres geboten, wie eine Hetzjagd durch die unübersichtliche Stadt, Helikopter-Aufnahmen und die Flucht über unzählige Dschunken, die einem Irrgarten gleichen, und schließlich landet man auf einem riesigen, dunklen Friedhof. Dabei wirkt die ohnehin sehr gute Musik von Eugen Thomass noch treffsicherer. Eine insgesamt temporeiche, aber auch kritische Folge. Überzeugend!

Prisma Offline




Beiträge: 7.541

22.10.2012 20:03
#11 RE: Das blaue Palais (1974-76, TV) Zitat · antworten



DAS BLAUE PALAIS - DAS MEDIUM (Folge 3)

mit Angelika Bender, Luomi Iacobesco, Edward Meeks, Silvano Tranquilli, Henning Gissel, Peter Fricke, Günther Kaufmann, u.a.


Die 18-jährige Petra (Angelika Bender) besitzt eine erstaunliche Gabe. Sie kann Dinge und Situationen vorhersagen. So hat sie bereits durch das exakte Voraussagen der Zahlen zwei Lottogewinne einfahren können, die mehrere hunderttausend Mark einbrachten. Doch sie hat von dem Geld am wenigsten, weil die Motorrad-Gang mit der sie sich herumtreibt, den Profit daraus schlägt. Durch Zeitungsberichte wird der Quantenphysiker Dr. Cavington (Edward Meeks) auf das junge Mädchen aufmerksam, und macht sie gemeinsam mit einem Journalisten (Henning Gissel) ausfindig. Im "blauen Palais" beginnen für Petra harte Wochen, da sie einen stereotypen Test nach dem anderen absolvieren muss. Doktor Cavington verspricht sich bahnbrechende Erkenntnisse in den Bereichen der Psychokinese und der Präkognition, doch während der Testreihe kommt es zu nicht einkalkulierten Komplikationen...

Folge drei beschäftigt sich mit einem damals brandaktuellen Thema und zwar mit dem Ψ. Psi, der dreiundzwanzigste Buchstabe des griechischen Alphabets ist das Symbol der Psychologie. "Das Medium" erinnert teilweise stark an "Parapsycho - Spektrum der Angst", allerdings weniger von der Umsetzung her, als auf hypothetischer Basis durch die Behandlung ähnlicher Phänomene. Noch deutlicher kommt die Folge dann der Serie "Merkwürdige Geschichten" nahe. Es ist erstaunlich wie die Reihe ihrem Konzept treu bleibt, aber dennoch mit den unterschiedlichsten Themen für gehobene Unterhaltung sorgen kann. Geschildert wird eine Fähigkeit von der viele bestimmt schon öfter geträumt haben. Lottozahlen exakt vorhersagen, beim Pferderennen immer auf das richtige Tier setzen, oder Gefahren vorhersehen um sie umgehen können. Doch geschieht die Abhandlung in dieser Folge nicht so simpel, wie man zunächst vermuten könnte, da die unbarmherzige Kehrseite deutlich herausgearbeitet wird, und die junge Frau fast erdrückt. Mit allen Mitteln will man ihr Geheimnis erforschen, vor allem wie Petra ihre Informationen unter unzähligen anderen herausfiltern kann. Aber nutzt es, die Zukunft zu kennen, die Psi-Antenne im Gehirn zu lokalisieren? Am wenigsten Nutzen davon hat jedenfalls Petra, die sich bis zur Katastrophe selbst quält, und quälen lässt.

Petra wird sehr glaubwürdig dargestellt von Angelika Bender, darüber hinaus verleiht sie der Titelrolle einen doppelten Boden. Sie treibt sich mit einer zweifelhaften Motorrad-Clique herum, die insgesamt gewaltbereit, und dem Vandalismus nicht abgeneigt zu sein scheint. Jedoch sieht es auch so aus, als sei sie nur aufgrund ihrer außerordentlichen Fähigkeiten dort anerkannt. Beim Pferderennen sagt sie voraus, welches der Pferde gewinnen wird, hat aber Zweifel. Die jungen Männer setzen tausende von Mark, die sie übrigens ohne Petra gar nicht zur Verfügung hätten, der Tipp war richtig, doch das Rennpferd wird disqualifiziert. So setzt es auch schon mal eine deftige Ohrfeige von Günther Kaufmann, für das normalerweise Gewinn bringende Medium. Da die Clique daraufhin ausrastet, wird Petra von Dr. Cavington in Sicherheit gebracht. Im "blauen Palais" starten nun die Testreihen, die auch dem Zuschauer endlos vorkommen. Das Aufschlüsseln der Ergebnisse geschieht weniger flüssig, und es entstehen sonderbare Zusammenhänge. Was "Das blaue Palais" ausmacht, was es sehr glaubhaft erscheinen lässt, ist der hervorragend konstruierte Realitätstransfer, der immerhin im Bereich des Möglichen liegen könnte. Das Finale liefert eine überaus logische Erklärung, warum es "Das Medium" in der Praxis eigentlich nicht geben kann, und dabei geht die Regie durchaus kritisch vor. So ist die Folge sehr schlüssig, sie transportiert phasenweise sogar eine mysteriöse Spannung, hat aber genau so ihre nachdenklichen Komponenten, und insgesamt ist zu sagen, dass dieses Konzept mit jeder Folge besser wird.

Prisma Offline




Beiträge: 7.541

23.10.2012 18:34
#12 RE: Das blaue Palais (1974-76, TV) Zitat · antworten



DAS BLAUE PALAIS - UNSTERBLICHKEIT (Folge 4)

mit Evelyn Opela, Eva Renzi, Peter Fricke, Udo Vioff, Silvano Tranquilli, Dieter Laser, Helga Anders, Herbert Steinmetz, u.a.


Das Team des "blauen Palais" ist offensichtlich auf eine Sensation gestoßen. In einer Abhandlung des britischen Biologen Ian McKenzie (Udo Vioff) heißt es, er habe den Schlüssel zur Unsterblichkeit gefunden, durch Verkürzung der DNS bei ihrer Reproduktion. Die Biologen des Teams Sibilla Jacopescu (Evelyn Opela) und Jeroen de Groot (Peter Fricke) gehen der unglaublichen Behauptung nach und reisen zur University of Cambridge. Dort erfährt man, dass sich der Forscher zurückgezogen hat. Schließlich machen sie ihn in einem schottischen Schloss ausfindig, und sie finden einen unheilbar kranken Mann im Rollstuhl vor. Wieder im "blauen Palais" angekommen forschen sie an der Unsterblichkeit weiter. Ein Jahr vergeht ohne signifikante Erfolge verbuchen zu können, bis Schließlich die Frau von Ian McKenzie im Palais auftaucht. Eva (Eva Renzi) hat die wichtigsten Forschungsergebnisse ihres mittlerweile verstorbenen Mannes bei sich und liefert entscheidende Erkenntnisse. Der Weg zur Unsterblichkeit ist frei, man will nicht wie der Erfinder nur an Taufliegen experimentieren, sondern an Menschen. Doch die Situation gerät außer Kontrolle...

Zu "Unsterblichkeit" gibt es zunächst einige Bemerkungen hinsichtlich der Besetzung zu machen. Luomi Iacobesco wurde durch Evelyn Opela, und Lyne Chardonnet durch Helga Anders ersetzt, was Folge 4 sehr zu Gute kommt. Wieder einmal greifen die Wissenschaftler des "blauen Palais" ein spektakuläres Forschungsergebnis auf, welches durch die Schilderungen im Endeffekt theoretisch möglich erscheint. Unsterblich zu sein bedeutet in diesem Kontext also, dass der Alterungsprozess aufgehalten werden könnte, indem man die Zellteilung um ein vielfaches beschleunigt. Doch so erstrebenswert, wie das Ganze vielleicht klingen mag, wird es in dieser Folge gar nicht dargestellt. McKenzies Arbeit wurde angeprangert und eine Kommission will alle gewonnenen Erkenntnisse ungelesen zur Vernichtung freigeben. Die Forschungen und die Laborarbeit werden sehr eingängig demonstriert, vor allem aber bekommt man es mit vielen Zweifeln zu tun, mit moralischen Ehrbegriffen, die Frage über Fluch und Segen, Ursache und Wirkung reißt die Protagonisten und die Zuschauer hin und her. Dank Eva kann die Forschungsarbeit zu einem positiven Abschluss gebracht werden, um die Tauglichkeit zu testen, unterzieht sich Sibilla einem waghalsigen Selbstversuch. Alles gerät jedoch außer Kontrolle, da es verschiedene Interessengemeinschaften gibt. So kämpft die eine Seite schließlich gegen das feststehende Ende von Leben, die andere aber kämpft gegen die Unsterblichkeit.

Nichts gegen Luomi Iacobesco, die drei Folgen lang ihre Sibilla sehr gut darstellte, aber Evelyn Opela stellt ein ganz anderes Kaliber dar. Sie übernimmt die Rolle tatsächlich aus dem Stand und gestaltet sie wesentlich facettenreicher. Interessant ist es ebenfalls, dass Evelyn Opelas markante und charmante Originalstimme aufgrund ihres Akzents nicht wie so häufig synchronisiert werden musste, denn sie stellte ja schließlich eine rumänische Biologin dar. Nach dieser temperamentvollen Leistung wünscht man sich fast, sie hätte diese Rolle von Anfang an übernommen. Die sympathische Sibilla macht eine bemerkenswerte Metamorphose durch und mit ihr erlebt man den ultimativen Showdown der kompletten Serie. Auch Peter Fricke bekam glücklicherweise wieder eine exponiertere Rolle, ihn finde ich ja ohnehin immer überzeugend. Udo Vioff und besonders Helga Anders kommen kaum über Statistenrollen hinaus. Das große Highlight der Folge und der Serie ist selbstverständlich die unwiderstehliche Eva Renzi in einer tragenden Rolle. Ihr ernster und manchmal beinahe oppositionell wirkender Charakter kommen der Figur sehr zu Gute, sie transportiert eine hohe Präzision und Glaubwürdigkeit. Die vierte Folge überrascht mit hoher Spannung und raffiniertem Thrill, sie hätte durchaus als eigenständiger Spielfilm durchgehen können. Das Finale deutet schließlich eine latente Horrorvision an, sehr aussichtsreich, wenn 4 von 5 Lebewesen auf der Erde bereits ohnehin schon Insekten sind. "Unsterblichkeit" ist der bislang kritischste und nachdenklichste Beitrag im "blauen Palais" geworden. Ausgezeichnet! Ich schließe die Besprechung mit einer denkwürdigen Aussage der Folge: "Wir sind die Neandertaler von morgen ... nicht einmal als Irrtum perfekt."

Prisma Offline




Beiträge: 7.541

27.10.2012 22:22
#13 RE: Das blaue Palais (1974-76, TV) Zitat · antworten



DAS BLAUE PALAIS - DER GIGANT (Folge 5)

mit Dieter Laser, Jean Pierre Zola, Helga Anders, Ben Zeller, Silvano Tranquilli, Peter Fricke und Eva Renzi


Welcher Werkstoff ersetzt zukünftig Stahl? Enrico Polazzo (Dieter Laser), ebenfalls Forscher im "blauen Palais", beschäftigt sich eindringlich mit dieser Frage. Mit seiner Entwicklung eines synthetischen Stahls legt er den Grundstein für einen universellen Material-Ersatz, doch seine Möglichkeiten, dieses Produkt zu perfektionieren, sind vor Ort äußerst begrenzt. In schnellster Zeit wird ein multinationaler Mammutkonzern auf die Erfindung aufmerksam, und ködert den Wissenschaftler mit verlockenden Angeboten, so dass er in den USA weiterforschen kann. Nach erfolgreichem Abschluss der Arbeit, stellt sich jedoch heraus, dass der Wirtschaftsriese nur einer Moral verpflichtet ist, und zwar dem Profit...

Wie es in jeder Folge üblich ist, rückt auch hier eine andere Person in den Mittelpunkt. Da die Biologen-Fraktion sich bereits zu Genüge profilieren konnte, ist mit Enrico Polazzo nun ein Chemiker die Hauptperson des Geschehens. Die Entwicklung eines synthetischen Stahls klingt zunächst weniger spektakulär, jedoch wird "Der Gigant" noch einen angenehmen Facettenreichtum offenbaren. Die Aussage, beziehungsweise die Kritik dieser letzten Folge wirkt auch nach über 35 Jahren immer noch brandaktuell, vielleicht heute sogar noch mehr als zur Entstehungszeit, und das Leitmotiv könnte man vielleicht im Endeffekt sogar mit der hässlichen Umschreibung Wirtschaftsprostitution zusammen fassen. In jeder Minute bekommt man die Profitgier als Wurzel allen Übels vor Augen geführt, ein Großkonzern ohne Skrupel hat die unzähligen ausführenden Organe seines Willens wie Marionetten im Griff, Zahnräder, die plötzlich ermüden werden rücksichtslos ausgewechselt um das Funktionieren zu garantieren. Lobbyismus steht plötzlich im Raum und demonstriert allen Widersachern, dass sie dem Lauf der Dinge machtlos gegenüber stehen müssen. Idealisten scheitern an ihren ursprünglichen Maximen, dass alles und jeder seinen Preis hat muss schließlich zur schmerzlichsten Erfahrung werden. Der Dienst für die Allgemeinheit erweist sich somit als gefährlicher Bumerang. Die fünfte Folge transportiert daher eine ungemütliche, fast stumpfe Atmosphäre, oder sogar eine negative Grundhaltung als Vorbote für das Nichts als solches, und das nahende Ende der Serie.

Dieter Laser, der in "Das blaue Palais" von Anfang an mit dabei war, allerdings eher im Hintergrund agierte, bekam hier die große Bühne überlassen und er macht einen hervorragenden Eindruck im Alleingang. Enrico Polazzo macht eine bahnbrechende Erfindung, die für schnelles Interesse sorgt. So denkt der Zuschauer zunächst, er sei die Titel gebende Figur, doch der "Gigant" wird einen ganz anderen Namen bekommen. Der Großkonzern, der sich seine Erfindung gewinnbringend zu Nutze machen will, lockt ihn in einen profitablen Schraubstock. Er bietet alle Mittel zur Vollendung. Die verzweifelten Versuche sich zu befreien scheitern, und der "Gigant" demonstriert seine Macht auf einfache, wenn auch eindeutige Art und Weise. Er saugt aus, er manipuliert, er korrigiert und er zerstört. Im "blauen Palais" werden Gutachten erstellt, die die Produktion des neuen Werkstoffes als unberechenbares Risiko für die Umwelt entlarven, da hochgiftige Abfallstoffe entstehen. Doch die frisierten Gegendarstellungen der mächtigen Interessengemeinschaften ersticken das Aufbäumen im Handumdrehen, werden sogar von den obersten Instanzen abgesegnet. Dieter Laser spielt den engagierten Wissenschaftler, der seine eigene Erfindung lieber zum Wohle der Menschheit wieder vernichten würde, sehr überzeugend und präzise. Helga Anders als seine Freundin Yvonne (mit reizendem französischen Akzent), bekam in der letzten Folge ein bisschen mehr die Möglichkeit, sich zu entfalten, sie und Enrico lockern das hoffnungslose Geschehen sogar mit ihrer Hochzeit auf. Silvano Tranquilli und Peter Fricke bereichern das Szenario gekonnt und überzeugend, wenn auch nur noch sporadisch, genau wie die schöne Eva Renzi, die hier ausschließlich nur noch der Großaufnahme diente. Wie erwähnt, vermittelt die Folge eine sehr eigenwillige Atmosphäre, die aber ohnehin in jeder einzelnen Episode unterschiedlich war. Man bekommt wieder aufwendige Maßnahmen im Bereich der Schauplätze geboten, und "Der Gigant" punktet vor allem in Sachen Realitätsnähe. Eine ebenfalls ansprechende Folge, die den Kampf gegen Windmühlen stilsicher schildert. Sehr unterhaltend!

Prisma Offline




Beiträge: 7.541

01.11.2012 11:02
#14 RE: Das blaue Palais (1974-76, TV) Zitat · antworten

Zu Beginn der fünfteiligen Serie wusste ich nicht, was mit "Das blaue Palais" auf mich zukommen sollte. Da sich nach kürzester Zeit herausgestellt hat, dass es sich um einen Volltreffer handelt, ist umso schöner, denn in Folge 1 hatte ich doch lange das Gefühl von Uneinigkeit bezüglich der Handlung, außerdem war es nicht ganz klar, wohin die Reise gehen würde. Man kann sagen, dass alle Folgen überdurchschnittlich unterhaltend waren, doch besonders Folge 4 mit "Unsterblichkeit" spielte sich in allen Bereichen auf außergewöhnlich hohem Niveau ab, so dass diese Episode es spielend in meine persönliche Jahres-Top 10 geschafft hat. Zum Schluss möchte ich den Folgen noch folgende Punkte vergeben:

Folge 1 ("Das Genie"): 3,5/5 Punkten
Folge 2 ("Der Verräter"): 4,5/5 Punkten
Folge 3 ("Das Medium"): 4,5/5 Punkten
Folge 4 ("Unsterblichkeit"): 5/5 Punkten
Folge 5 ("Der Gigant"): 4/5 Punkten

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.546

06.01.2018 13:45
#15 RE: Das blaue Palais (1974-76, TV) Zitat · antworten

BEWERTET: "Das blaue Palais" - Folge 1 "Das Genie" (Deutschland 1974)
mit: Rolf Henniger, Luomi Iacobesco, Peter Fricke, Silvano Tranquilli, Werner Rundshagen, Andras Fricsay, Dieter Laser, Herbert Steinmetz, Lyne Chardonnet, Tsai Lien Wang, Kenzo Nishimura u.a. | Buch und Regie: Rainer Erler

Felix van Reijn, ein Genie aus dem Nichts, gibt dem Forscherteam um Professor Palm Rätsel auf: Exakte Wiedergabe von Klavierimprovisationen eines toten Künstlers, präzise gesetzte Züge auf dem Schachbrett einer Simultanveranstaltung und genaue Kenntnisse der Biochemie - woher hat der Mann, der bisher nicht an die Öffentlichkeit getreten war, dieses Wissen? Parallel zum Erfolg von Felix van Reijn geschehen mehrere Morde, die alle eines gemeinsam haben: den Leichen wurde das Gehirn entnommen. Zunächst wird ein schwedischer Weltklassepianist getötet, dann ein bulgarischer Schachmeister. Die Mitarbeiter des "blauen Palais" vermuten, dass van Reijn das in die Praxis umgesetzt hat, was sie bisher an Ratten erforscht haben: die Übertragung von Intelligenz und Fähigkeiten durch Injektionen von Gehirnflüssigkeit Hochbegabter....



Die Fälle, welche die internationalen Wissenschaftler untersuchen, nehmen Zukunftsentwicklungen vorweg, weil sie im Grenzgebiet verschiedener Zweige wie der Biochemie, Kybernetik, Parapsychologie oder der Genetik tätig sind. Ungewöhnliche Ereignisse und Menschen erregen ihre Aufmerksamkeit, weil sie immer wieder nach Bestätigung ihrer Arbeit suchen und die Theorie in der Praxis beweisen möchten. Der enigmatische Belgier van Reijn steht im Mittelpunkt der ersten Episode dieser Reihe, deren Laufzeit von neunzig Minuten pro Folge es gestattet, dass sich ein Thema entwickeln und zu einer komplexen Ausführung eines Sachgebiets reifen kann. Rolf Henniger ("Der Kommissar: Der Liebespaarmörder" [1974]) stattet seine Figur mit einer Gelassenheit aus, die teils aus Verschrobenheit, teils aus entrückter Überheblichkeit resultiert. Er philosophiert über die Grenzen der menschlichen Gehirnleistung und beweist durch Intuition, Geduld und Entschlossenheit, dass seine Gefährlichkeit im Streben nach Maximierung und Perfektionierung seiner Fähigkeiten liegt. Man nimmt Henniger den Mann ohne moralische Skrupel ab, weil er einen unbändigen Egoismus ausstrahlt, der jede Einschränkung durch das Gesetz oder dessen Vertreter überholt und kleinlich erscheinen lässt. Der Name Dr. Mabuse fällt bereits in den ersten Minuten und so erinnern die Isolation des Gehirns und die daraus erhofften Erkenntnisse frappierend an die Grundgeschichte in Werner Klinglers "Testament", wo das Gehirn des genialen Verbrechers in Formalin schwimmt. Die Konservierung des Gedankenguts erscheint dabei wichtiger zu sein als den Tod zu bezwingen, weil hier der Schlüssel zur Klärung der offenen Fragen liegt.

Die Darsteller um Rolf Henniger, besonders Luomi Iacobesco, agieren konzentriert und engagiert zugleich. Vor allem im Fall der rothaarigen Mimin kommt es zu vielen Momenten des Suspense, weil sie eine ähnliche Entwicklung durchläuft wie in Hitchcocks "Notorious", allerdings weiß man bei ihr nicht, wie weit ihre Verbindung von Solidarität, Sympathie oder wissenschaftlichem Interesse beeinflusst ist. Die Frage, ob sie unter dem unheilvollen Einfluss van Reijns steht, ihr Gefahr droht oder sie als Einzige die Lösung finden wird, verleiht der Handlung neben den opulenten Schauplätzen in Japan und Venedig eine nicht nur optisch reizvolle Komponente. Der Kontrast zwischen der Arbeit im "blauen Palais", das wegen der Fördergelder auch Öffentlichkeitsarbeit betreiben muss und seine Ergebnisse erläutern und hinterfragen muss und der Ruhe im abgeschiedenen Palast in Japan stellen eine Herausforderung an die Frau, die zunehmend mehr ins Zentrum rückt und als Symbol der Zerrissenheit nicht nur van Reijns Pläne durchkreuzt. Die Episode lässt Erinnerungen an die "Merkwürdigen Geschichten" und ihren Nachfolger "Unheimliche Geschichten" wach werden und entstand als Co-Produktion der Bavaria mit dem französischen ORTF. Schauspieler wie Peter Fricke und Silvano Tranquilli können in "Das Genie" bereits Akzente setzen und man ist gespannt, wie sich die weiteren Fälle gestalten werden. Die hochwertige Art der Inszenierung, gerade an den Schauplätzen Japan und Venedig, beweist, dass die Ambitionen, sich ernsthaft einem umstrittenen Thema zu widmen, hoch sind. Gespannt darf man die weiteren Fälle erwarten, die sicher ebenso zum Nach- und Mitdenken anregen wie die Auftaktfolge.

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