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Dieses Thema hat 4 Antworten
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 Film- und Fernsehklassiker national
Percy Lister Offline



Beiträge: 3.589

29.07.2012 13:32
BEWERTET: "Verhör am Nachmittag" (1965) Zitat · Antworten



BEWERTET: "Verhör am Nachmittag" (Westdeutscher Rundfunk Köln, 1965)
mit: Hans Nielsen (Kriminalrat Ücker), Anaid Iplicjian (Margot Dressler), Alexander Allerson (Kommissar Krempel), Vera Tschechowa (Barbara Winkler), Käthe Lindenberg (Lucie Ohlendorf), Carl Brückel (Opa Ohlendorf), Dagmar Bensiek (Renate Ohlendorf), Carmen Steinkrauss (Elsa), Heide Keller (Frl. Barsig), Margret van Munster (Frau Plörer), Karel Otto (Fritz Dressler), Kriminalbeamte: Robert Naegele, Peter Herkenrath, Karl Heinz Hess u.a. - Drehbuch: Wolfgang Menge, Regie: Walter Davy

Der Untermieter von Frau Ohlendorf, Herr Dressler, liegt tot in seinem Bett. Da er an Lungentuberkulose erkrankt war, wundert sich die Witwe nicht über die Blutflecken am Kopfkissen. Als die Männer vom Bestattungsunternehmen im Totenzimmer Ordnung machen, finden sie eine Revolverkugel und verständigen die Polizei. Wer könnte den Postangestellten ermordet haben? Wie war es um seine Ehe bestellt und wie ist der Täter in Dresslers Zimmer gekommen? Kriminalrat Ücker greift auf seine beträchtliche berufliche Erfahrung und die Beobachtungen seiner Mitarbeiter zurück, um den Fall schnellstens zu lösen....



Hans Nielsen (1911-1965) ist hier in einer seiner letzten Rollen zu sehen. Die unaufdringliche Präsenz, mit der er routiniert die Figur aufgreift, in der ihn das Publikum besonders gern sah - den Vertreter von Recht und Ordnung - adelt das Fernsehspiel, dessen altmodische Ausstrahlung mit der Zeit nicht Schritt halten kann.
In fataler Weise wurden die Fehler der Produktion "Bei Anruf....Mord" (1959) wiederholt, deren Wirkung nur auf die Schauspieler zielt und in theaterhafter Weise ein Drehbuch umsetzt, das in Ermangelung von Außenaufnahmen geradezu nach Überhöhung optischer Reize schreit. Wolfgang Menge, dessen Drehbücher für die zeitlose Serie "Stahlnetz" für fortlaufende Spannung sorgten, baute in "Verhör am Nachmittag" zwar Momente glockenhellen Humors ein, konnte aber nicht verhindern, dass die fast neunzig Minuten lange Geschichte zu dialoglastig geriet. Vera Tschechowa (geb.1940), deren Bild neben der finsteren Miene von Hans Nielsen als Aufmacher der DVD dient, tritt erst in der letzten Viertelstunde in Erscheinung. Die Enkelin der gefeierten Filmschauspielerin der Dreißiger und Vierziger Jahre Olga Tschechowa (1897-1980), "hinter deren kultivierter Erscheinung die Gefühle arbeiten - eine Dame, die nicht die Haltung verliert" (nachzulesen im Porträt "Eleganz aus Fleisch und Blut: Olga Tschechowa" in "Verrückt vor Begehren", Verlag Schwarzkopf & Schwarzkopf 1999), tritt mit vehementem Nachdruck auf, wobei ihre Rolle Widersprüche in sich birgt. Diese junge Frau soll die Geliebte des untersetzten Herrn Dressler gewesen sein? Und ihr Selbstbewusstsein zugunsten einer Verlobung mit einem Schläger erneut leichtfertig aufgeben? Die Phalanx junger Damen, die Kriminalrat Ücker zum Beweis der ehelichen Untreue des Toten aufbietet, sorgt für Kopfschütteln. Ein erster Blick auf die Leiche hat genügt. Die relativ ärmliche Ausstattung des Mietshauses überschattet das Bild, das man vom Mordopfer erhält, auch, wenn sich das Fernsehteam bemüht, dies durch spätere helle Aufnahmen des aufgeräumten Zimmers weichzuzeichnen. Die gerahmte Fotografie auf dem Sims erinnert an Gerd Brüdern (Kommissar in "Die Nadel" [Das Kriminalmuseum]).



Die Hoffnungsträgerin Anaid Iplicjian (geb. 1935) ähnelt in Putz und Auftreten ihrer Kollegin Eva Maria Meineke aus dem bereits genannten "Bei Anruf....Mord". Wo bleibt der Stolz der Frauen? Wo das erhabene Auftreten einer Vera Casparius (Meineke in "Drei Männer im Schnee") oder einer Renate Assenau (Iplicjian in "Der Alte: Erkältung im Sommer"). In beiden Rollen werden die Frauen abserviert, verlieren aber nie ihre Haltung. Der muffige Beigeschmack, der leider gar einigen Fernsehproduktionen dieser Zeit anhaftet, darf nicht mit Nostalgie verwechselt werden. Die Miniserie "Inspektor Hornleigh greift ein" versucht, es besser zu machen: Rasante Verfolgungsjagden im Polizeiwagen und Drehs an der frischen Luft lockern die Atmosphäre auf. Wie gerne hätte ich Frau Dressler in ihrem Gasthof in Bensberg (bei Bergisch-Gladbach) gesehen! Einen Blick in den Hof des Hauses geworfen, um den Block spaziert, Frl. Barsig aus ihrem Bürofenster sehen lassen etc. So klammert sich das Auge an den Strauch, der unter dem Fenster des Mordzimmers gedeiht.
Trotz all dieser Kritikpunkte gibt es auch einige positive Aspekte. Die Gestaltung der Titel und die begleitende Musik, die an die Durbridge-Straßenfeger erinnert; ebenso die Eröffnung aus der Perspektive der Sargträger, die durchaus ungewöhnlich ist. Dagmar Bensiek und Käthe Lindenberg zeichnen überzeugende Kleinbürger-Porträts und sorgen für frischen Humor. Dennoch vergebe ich nach der Erstsichtung nur 3 von 5 Punkten.

Prisma Offline




Beiträge: 7.567

29.07.2012 14:11
#2 RE: BEWERTET: "Verhör am Nachmittag" (1965) Zitat · Antworten



VERHÖR AM NACHMITTAG (1965)

mit Hans Nielsen, Anaid Iplicjian, Alexander Allerson, Vera Tschechowa, Margret van Munster, Heide Keller, Käthe Lindenberg, u.a.





Herr Dressler wird tot in seinem Bett gefunden, und man geht davon aus, dass er an seiner Tuberkulose-Erkrankung gestorben ist. Die Angestellten eines Bestattungsinstituts, die den Toten abholen wollen, entdecken jedoch etwas Erstaunliches. Auf dem Kopfkissen ist Blut zu sehen und man findet schließlich eine Revolverkugel. Herr Dressler wurde ermordet! Wenig später rückt die Mordkommission unter der Leitung von Kriminalrat Ücker (Hans Nielsen) an, und er nimmt zusammen mit Kommissar Krempel (Alexander Allerson) die Ermittlungen auf. Bei den Verhören versammeln sich in der Wohnung, in der sich das Verbrechen ereignet hat, einige Personen aus dem Umfeld des Herrn Dressler, doch das Motiv ist zunächst vollkommen unklar. Auch wie der Mörder unbehelligt in die Wohnung kommen, und diese wieder verlassen konnte gibt Rätsel auf. Die Befragungen mit der Frau des Ermordeten (Anaid Iplicjian) geben keinen Aufschluss. Kriminalrat Ücker und seine Crew haben die schwierige Aufgabe, ein Mosaik zusammenfügen zu müssen...

Unter der Regie von Walter Davy entstand ein Fernsehspiel ohne Allüren, aber was viel schwerer ins Gewicht fällt, auch ohne Mut, das insgesamt gesehen nicht überzeugen konnte. Zwar fängt die Geschichte sehr atmosphärisch an, die Mitarbeiter tragen einen Sarg in die Wohnung und plötzlich stellt sich heraus, dass es sich um einen Mord mit unklarem Motiv handelt, die Maschinerie kommt eigentlich sehr gut in Gang, die Befragungen wecken zunächst die Aufmerksamkeit des Zuschauers, aber das war auch schon fast alles. Es fehlt an Abwechslung und an zündenden, überzeugenden Einfällen, die hohe Konzentration auf die Dialoge beschert Eintönigkeit, bei mir sogar hin und wieder Unaufmerksamkeit. In dieser TV-Produktion haben sich allerdings glücklicherweise einige beliebte Darsteller versammelt, bei denen es (trotz aller Mängel in der Inszenierung) großen Spaß macht, zuzusehen. Hier ist im Besonderen ein bestimmter Herr zu nennen...

Hans Nielsen in einer seltenen Hauptrolle ist schon etwas Besonderes, und er prägt das Geschehen sehr angenehm, vielleicht könnte man sogar sagen, dass er es streckenweise dominiert. Das allerdings fällt bei seiner diskreten Zurückhaltung weniger auf. Er ist ein Zuhörer, seine Stärken sind Geduld und Menschenkenntnis, außerdem kommen ihm seine empathischen Fähigkeiten in jeder Situation zu Gute. Dass er hier wieder einmal den Ermittler interpretiert, sorgt also schon einmal für freudige Assoziationen, denn ich persönlich habe seine Rollen auf der Seite des Gesetzes immer sehr gerne gesehen. Kriminalrat Ücker zeigt viele Facetten und wirkt nicht wie eine programmierte Polizei-Maschine. Bei der Ermittlungsarbeit ist er sachlich und pragmatisch, kann aber natürlich auch flexibel umdenken. Im Kreise der Kollegen lässt er auch einmal gerne seinem Humor freien Lauf, so dass der Umgang sehr familiär wirkt. Es besteht kein Zweifel, dass ihm seine Erfahrung auch hier behilflich sein wird, dieser Herr ist ein Fuchs aus dem Bilderbuch. Das Pendant zu ihm liefert Alexander Allerson, der nicht gerade ein Musterknabe in Sachen Geduld und Kombinationsgabe zu sein scheint. In dieser biederen Szenerie wirken seine impulsiven Anflüge und sein eher aggressiver Stil, Verhöre zu führen, geradezu erfrischend. Ein interessantes Gespann gewährt hier Einblicke in die meistens leider konventionelle Arbeit.

Anaid Iplicjian als Witwe Dressler wirkt im Vergleich zu ihren berüchtigten Interpretationen von starken, selbstsicheren und resoluten Frauen so vollkommen anders und beinahe typfremd, dass ich den Gedanken der Fehlbesetzung zumindest häufiger in Erwägung gezogen habe. Doch ihre Fähigkeit, Rollen zu prägen und in diese überzugehen, macht das Zusehen doch sehr interessant. Frau Dressler wirkt gehemmt und zutiefst einsam, allerdings kennt sie ihre Pflichten. Sie ist von Natur her keine Person die resignieren würde, zumindest nicht in aller Öffentlichkeit. Deswegen wirkt sie trotz der Ermordung ihres älteren Gatten gefasst und völlig klar. Die Erscheinung, beziehungsweise das Styling von Anaid Iplicjian transportieren einen recht konservativen und biederen Eíndruck, der allerdings das Gesamtgeschehen untermalt. 15 Minuten vor Schluss taucht schließlich noch Vera Tschechowa auf, die wohl die Geliebte des Toten gewesen sein soll (was äußerst zweifelhaft erscheint!). Ihr Auftritt erinnert von der Erscheinungsdauer her an "Die Gruft mit dem Rätselschloss", hier spielt sie eine ziemlich gewöhnliche junge Frau, die unüberlegt und frech daher redet und einen äußerst einfältigen Eindruck hinterlässt. Eine gelungene Darbietung in aller Kürze! Persönlich erfreut hat mich der Auftritt von Margret van Munster, die jahrelang als Rosi Koch in der "Lindenstraße" ihr Unwesen trieb. Hier spielt sie einen ähnlichen Charakter. Geschwätzig, aufdringlich und mit dem ungezügelten Potential versehen, alle Personen zur Weißglut zu bringen.

Dieser TV-Produktion fehlt es leider durchgehend an Würze. Dass die Handlung ausschließlich in wenigen Räumen stattfindet, treibt den Verlauf in Richtung langweiliger Passagen. Oft hört man die Beteiligten von anderen Schauplätzen sprechen, und als Zuschauer wünscht man sich einen derartigen Standortwechsel sehnsüchtig herbei, da in dieser Wohnung ein eigenartiges Vakuum entsteht, das auch durch die wenig originelle Auflösung nicht beseitigt werden kann. Eine Befragung im Treppenhaus oder im Büro der Sekretärin (die das Fenster beobachtete und aussagte, dass niemand hätte von außen in das Zimmer des Ermordeten steigen können) hätte sich doch positiv ausgewirkt, oder um sich zu sammeln, ein vertrauliches Gespräch der Kollegen vor der Haustüre, auf der Straße, ein paar Schritte um den Block gehend (da die Wände am Tatort Ohren zu haben scheinen, und die neugierigen Klatschtanten wie die Hühner auf der Stange herumsitzen)... das hätte wenigstens zur Auflockerung beigetragen. Im Endeffekt ist die Inszenierung für das Produktionsjahr außerordentlich konservativ, altmodisch und spannungsarm verlaufen und kann kaum Überraschungsmomente präsentieren. Die Auflösung ist vorhersehbar und daher unbefriedigend, darüber hinaus auch noch gewöhnlich. Da helfen Bausteine wie gelungener Humor, aufmerksames und prägnantes Schauspiel und angenehme Musik, transparente Ermittlungen und Zusammentragen von Informationen, oder gar Wolfgang Menge als Drehbuchautor, nicht über einen unspektakulären TV-Langweiler in einer räumlichen Zwangsjacke hinweg.

Gubanov ( gelöscht )
Beiträge:

21.03.2014 16:08
#3 RE: BEWERTET: "Verhör am Nachmittag" (1965) Zitat · Antworten



Verhör am Nachmittag

TV-Kriminalfilm, BRD 1965. Regie: Walter Davy. Drehbuch: Wolfgang Menge. Mit: Hans Nielsen, Anaid Iplicjian, Alexander Allerson, Vera Tschechowa, Käthe Lindenberg, Carl Brückel, Dagmar Bensiek, Carmen Steinkrauß, Heide Keller, Margit von Munster u.a.

Zitat von Verhör am Nachmittag
Ist es nicht völlig natürlich, wenn ein Lungenkranker in seinem Bett stirbt? Zunächst erregt der Tod des Herrn Dressler jedenfalls kein Aufsehen – erst als die Bestatter eine Revolverkugel finden, stattet die Polizei der Wohnung, in der Herr Dressler zur Untermiete lebte, einen Besuch ab. Auch seine Frau ist anwesend – sie ist völlig erschüttert über das Ableben ihres Gatten. Innerhalb nur eines Nachmittags gelingt es der Polizei, das Verbrechen aufzuklären, das zunächst wie ein sowohl unnötiger als auch unmöglicher Mord aussieht ...


Auf den ersten Blick mag die Ausstrahlung der Kölner Mietswohnung recht trist aussehen, doch der sich in den Wänden der Vermieterin Ohlendorf abspielende Kriminalfall hat es in sich. Er demonstriert auf eine geschickte Weise, wie es der Polizei möglich ist, einem ausgebufften Verbrechen innerhalb kürzester Zeit auf die Schliche zu kommen, wenn nur die richtigen Fragen gestellt werden. Zwar werden einige Erkundigungen außerhalb eingezogen, doch der Zuschauer verlässt nach dem Eintreffen der Polizisten die Wohnung zu keinem Zeitpunkt, womit der Autor Wolfgang Menge (Edgar Wallace, „Stahlnetz“) eine alte Herausforderung an wirklich gute Ermittler wiederaufleben lässt: Man fühlt sich an Hercule Poirot erinnert, der mit Inspektor Japp wettete, dass er einen Fall lösen könne, ohne dafür das Haus zu verlassen – allein mit der Kraft seiner grauen Zellen und den Beinen eines vertrauenswürdigen Helfers.

In diesem Zusammenhang ist es nur folgerichtig, dass die Produktion ihren bekanntesten Namen für die Rolle des Kriminalrats Ücker aufstellte: Hans Nielsen verkörpert einen modernen Poirot, einen bestimmt auftretenden, aber nicht unbedingt prinzipienstrengen Mann, der hinter die Fassaden blickt und auch einem Späßchen nicht abgeneigt ist. Nielsen starb etwa acht Monate nach der Ausstrahlung von „Verhör am Nachmittag“ an Leukämie, was die deutsche Film- und Fernsehlandschaft um einen ihrer besten und verlässlichsten Stars beraubte. Neben Nielsen gestalten sich vor allem die Auftritte Alexander Allersons als ungezwungenem Kommissar Krempel, der vorlauten Stenotypistin und der frisch gebackenen Witwe erwähnenswert. Anaid Iplicjian verleiht Margot Dressler ein tragisches Gesicht, ohne dabei zu sehr auf die Mitleidstrommel zu schlagen.

Erstaunlich an „Verhör am Nachmittag“ ist, dass trotz der klaustrophobischen Atmosphäre nie ein muffiger oder veralteter Eindruck entsteht, was in erster Linie den erstaunlich natürlichen und aktuellen Dialogen aus der Feder Menges zugeschrieben werden muss. Die Texte wirken frisch und sorgen dafür, dass man der dialoglastigen Produktion ohne Probleme folgen kann. Auch wenn dieser Punkt zunächst nebensächlich erscheint, so ist er doch von größter Bedeutung, weil die kammerspielartige Atmosphäre lediglich einen Spannungsaufbau über das gesprochene Wort erlaubt. Manirierte Gesprächsformen à la Reinecker hätten zwangsläufig die Wirkkraft der Produktion eingedämmt.

Sicher mag „Verhör am Nachmittag“ unter Gesichtspunkten eines aufregenden Spektakels nicht wirklich funktionieren. Einen solchen Maßstab anzulegen, ist aber nicht realistisch, weil er auf Fernsehspiele aus den Sechzigerjahren generell nicht zutrifft und deshalb eine Erfüllung von „Verhör am Nachmittag“ realistischerweise nicht verlangt werden kann. Der Film ist als reiner Gedankensport ausgelegt und erfüllt als solcher die Kriterien einer gelungenen Produktion – von der Besetzung über den soliden Spannungsbogen mitsamt sinniger Auflösung bis hin zu technischen Aspekten wie Kameraführung und Bühnenbild. Lediglich die Musikuntermalung gerät etwas blutarm, was schade ist, wenn man bedenkt, dass sie viele Szenen noch einmal zusätzlich hätte aufwerten und dem Fall einen schmissigeren Rahmen verleihen können.

Wer einen Reißer sucht, ist mit „Verhör am Nachmittag“ schlecht bedient. Geht es aber um die Schilderung eines interessanten Mordfalles in einem authentischen Milieu, der allein durch Zeugenbefragungen und das Zusammensetzen vieler kleiner Puzzleteile geklärt werden kann, so liefert das „Verhör“ eine kurzweilige und in bescheidenem Maße auch spannende Vorlage. Die Schauspielerleistungen sind als überdurchschnittlich zu betrachten. 4,5 von 5 Punkten.

Gubanov ( gelöscht )
Beiträge:

21.03.2014 21:45
#4 RE: BEWERTET: "Verhör am Nachmittag" (1965) Zitat · Antworten

Wolfgang Menge, der bekannte Drehbuchautor, war ein echter Berliner. 1924 wurde er in der Spreestadt geboren und starb dort auch vor nicht allzu langer Zeit am 17. Oktober 2012. Menge ist der Forengemeinde in erster Linie durch seine Drehbücher zu den Edgar-Wallace-Filmen „Der rote Kreis“ und „Der grüne Bogenschütze“ sowie zu allen Folgen der Krimiserie „Stahlnetz“ bekannt. Er verfasste aber ebenfalls Geschichten wie die zu „Verhör am Nachmittag“ oder einige frühe „Tatorte“ (v.a. jene mit Zollfahnder Kressin). Sein „Polizeirevier Davidswache“ sollte auch auch außerhalb Hamburgs ein Begriff sein. In vielen der erwähnten Produktionen arbeitete er mit dem Regisseur Jürgen Roland zusammen.

Menge wurde nach seinem Tod im Alter von 88 Jahren auf dem Waldfriedhof Zehlendorf begraben. Dieser gilt als einer der Friedhöfe mit der höchsten „Prominentendichte“ in der Stadt. Sein Grab war noch gut für den Winter eingedeckt, als Percy Lister und ich vor einigen Tagen dort vorbeischauten und eine Kerze in Angedenken an die vielen Spannungsstunden anzündeten, mit denen Menge uns im Laufe seiner Karriere versorgte.



An Wolfgang Menge erinnert außerdem ein goldener Stern auf dem Berliner Boulevard der Stars am Potsdamer Platz direkt gegenüber des Filmmuseums. Er trägt die Unterschrift des Autors.

Percy Lister Offline



Beiträge: 3.589

23.03.2014 21:14
#5 RE: BEWERTET: "Verhör am Nachmittag" (1965) Zitat · Antworten

Ich muss zugeben, dass ich mein Urteil über "Verhör am Nachmittag" nach der mittlerweile dritten Sichtung abmildern kann. Unbestreitbar muss man sich darauf einstellen, ein wortreiches Kammerspiel zu sehen, das gerade zu Beginn erdrückend in seiner räumlichen Enge ist. Was sich jedoch positiv auswirkt, sind die guten Darstellerleistungen, allen voran jene von Hans Nielsen, der die Handlung von der ersten bis zur letzten Minute seines Auftritts positiv vorantreibt und eine Marschrichtung vorgibt, die es den Anwesenden nicht erlaubt, auszuscheren, ohne sich selbst in das Licht des Verdachts zu rücken. Er trägt alle Fakten akribisch zusammen und wertet sie aus. Dies erfolgt in Ermangelung von Actionszenen und Ortswechseln und setzt deshalb Geduld beim Zuseher voraus, dessen visuelle Erwartungen auf Sparflamme geschaltet werden und sich dem Tempo eines Denkers anpassen müssen.

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