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Dieses Thema hat 1 Antworten
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 Film- und Fernsehklassiker national
Gubanov ( gelöscht )
Beiträge:

06.03.2014 13:40
Zur Sache, Schätzchen! (1967/68) Zitat · Antworten

Zur Sache, Schätzchen!

Kultsatire, BRD 1967/68. Regie: May Spils. Drehbuch: May Spils, Rüdiger Leberecht, Werner Enke. Mit: Werner Enke (Martin), Uschi Glas (Barbara), Henry van Lyck (Henry van Busch), Rainer Basedow (Wachhabender), Inge Marschall (Anita), Helmut Brasch (Viktor Block), Joachim Schneider (Wachtmeister), Fritz Schuster (Bettler), Johannes Buzalski (Voyeur), Horst Pasderski (Filmproduzent) u.a. Uraufführung: 4. Januar 1968.

Zitat von Zur Sache, Schätzchen!
Ein Tag im Leben eines Bummlers: Aufstehen schon um 15 Uhr? Irgendwie muss man ja an sein Geld kommen. Meist schnorrt sich Martin bei seinen Freunden durch, manchmal schreibt er aber auch philosophische Liedtexte: „Zur Sache Schätzchen, mach keine Mätzchen, komm ins Bettchen, rauchen wir noch ein Zigarettchen.“ Ach ja, außerdem wird Martin von der Polizei gesucht und muss deshalb im Schwimmbad „untertauchen“, wo er der kessen Barbara begegnet ...


Ausgebrütet im Umfeld der „Münchner Gruppe“ und der speziellen Atmosphäre in den späten 1960er Jahren, wurde „Zur Sache, Schätzchen!“ zu einem Kultfilm der 68er-Bewegung und einem Beispiel dafür, dass der „Junge deutsche Film“ tatsächlich zu kommerziellen Erfolgen imstande sein konnte. May Spils, die Regisseurin, verband eine enge Freundschaft zu Hauptdarsteller Werner Enke – beiden merkt man direkt oder indirekt ihre Verstrickung in die Ideen und das Zeitgefühl der im Film überspitzt dargestellten Community an. Der Erfolg gründet sich wohl genau darauf, dass „Zur Sache, Schätzchen!“ eine Lebensart unverkrampft und authentisch, aber mit der lockeren Hand satirischer Überhöhung wiedergibt und auf diese Weise sowohl das sympathisierende Publikum begeistern, die Skeptiker überzeugen und sogar die Neugierigen nachfolgender Generationen, für die alle Dinge, die sie da sehen, böhmische Dörfer sind, abholen kann.

Zitat von Trailer zu „Zur Sache, Schätzchen!“
„Zur Sache, Schätzchen!“ ist ein Film über einen, der eine Reihe ausgeprägter Abneigungen hegt und pflegt: vor der Arbeit zum Beispiel, vor den normalen Dingen des Alltags oder ganz einfach vor einer Uniform. „Zur Sache, Schätzchen!“ ist die Geschichte eines verliebten Spiels, einer verspielten Liebe, einer Revolution in der Westentasche und einer kleinen Freiheit, die täglich gegen die Anschläge der feindlichen Umwelt verteidigt werden muss.


Die verrückte Zeit in Schwabing, dem jungen In-Viertel Münchens, schwappt mit Plakativität und Liebenswürdigkeit zugleich auf die Bildschirme. Während Enke und van Lyck fest mit dem Milieu verwachsen sind, betritt Uschi Glas als Tochter „aus gutem Hause“ bei ihrer Begegnung mit den zwei Hallodri Neuland, auf dem sie sich sowohl in ihrer Rolle als auch als Darstellerin erstaunlich gut beweist. Auch ihrer Prominenz verdankt „Zur Sache, Schätzchen!“ einen Teil der Aufmerksamkeit, die den Streifen über Jahre in der Erinnerung des Publikums gehalten hat. Treffend beschreibt ausgerechnet Gerhard Schröder die Erscheinung der Schauspielerin, die engagiert wurde, als man mit Peter Schamoni einen potenten Produzenten angeheuert hatte:

Zitat von Gerhard Schröder über „Zur Sache, Schätzchen!“ (Booklet zur DVD, S. 7)
Unvergessen ist natürlich die Szene auf dem Polizeirevier, wo Uschi Glas, die damals wie heute so gar nichts von einer linken Revoluzzerin hatte, plötzlich anfängt, die Kleider abzulegen, und Rainer Basedow als Polizist sich gar nicht mehr einkriegt vor dieser Majestätsbeleidigung.


Es zeigt sich, dass Glas, sozialisiert im Rahmen von „Papas Kino“ und später Gast in verlässlich konservativen Film- und Fernsehproduktionen, mit ihrem Auftritt in „Zur Sache, Schätzchen!“ durchaus ein Risiko einging, aufgrund ihrer natürlichen Art und der Tatsache, dass sie das Projekt offenbar als legitimen Spaß am Wegesrand betrachtete, die Rolle aber überzeugend zum Leben erweckte und deshalb als positiven Anschub für ihre weitere Karriere nutzbar machen konnte.
Über dem ganzen Film schwebt der Hauch eines kurzlebigen Sommerabenteuers. Sind die anfänglichen Szenen in Martins Zimmer noch von einer gewissen Stickigkeit geprägt, die für die progressive Art des Streifens sogar ein wenig kontraproduktiv ist, so gewinnt er mächtig an Fahrt, sobald die Ereignisse in die Außenwelt verlegt werden. Ob im Schwimmbad, im Zoo oder im offenen Auto – die Dynamik vieler Szenen stellt einen wunderbaren Kontrast zum Muff der Amtsstuben dar, wie er durch die langsamen und dummen Aktionen der Polizisten verdeutlicht wird. Der Film lebt von eben diesem Kontrast zwischen zwei Extremen und der klaren parteiischen Haltung, die er bezieht. Es ist vor diesem Hintergrund beinah schade, dass das ursprünglich geplante, konsequentere Ende mit Martin als Opfer sowohl der beamtlichen Rechtsauffassung als auch seiner selbst nicht verwirklicht werden konnte – nicht zuletzt weil es dafür einen traurigen Grund abseits filmischer Satire gab. Vielleicht hätte es aber auch den luftig-leichten Esprit dieses Experiments zu sehr gedämpft.

Eine Portion „unbeschwerter Heiterkeit“ bewarb Der Tagesspiegel, die FAZ sprach von „intelligenter Leichtigkeit“. „Zur Sache, Schätzchen!“ ist eine Satire auf unterschiedliche Lebensauffassungen, auf Recht und Unrecht und den Spaß am Leben. Dass sich der Junge deutsche Film nicht zu schade war, die Mischung in Reminiszenz an althergebrachte Rezepte mit einer Romanze und viel Humor aufzuwerten, bescherte May Spils und allen Beteiligten großen Respekt, gute Zuschauerzahlen, Filmpreise und einen Titel, von dem man heute noch spricht, wo doch sein eigentliches Anliegen seit Jahrzehnten ad acta liegt. 4 von 5 Punkten.



Die DVD von Ascot Elite HE: Im Internet kursieren Coverversionen, die darauf hindeuten, dass die Neuauflage von „Zur Sache, Schätzchen“, die im Sommer 2013 in den Handel kam, zunächst als Doppel-DVD geplant war. Daraus ist im Endeffekt nichts geworden, was aber nicht schlimm ist, denn die vorliegende DVD erfüllt alle wichtigen Qualitätsansprüche in einem zufriedenstellenden Maße. Die Bildqualität kann sich sehen lassen, auch wenn mich das Gefühl beschlich, dass der Kontrast zu stark aufgedreht wurde. Die DVD enthält zwei deutsche Tonspuren (angeblich einmal Mono, einmal Stereo, habe zur Mono-Fassung gegriffen und war zufrieden), aber dafür leider keine Untertitel. Im Bonusbereich finden sich der Trailer, zwei Kurzfilme von May Spils und ein Interviewschnipsel mit Werner Enke. Ein Mini-Booklet und ein Wendecover runden das für Klassikerveröffentlichungen überdurchschnittlich liebevolle Release ab. Für 8 bis 10 Euro kann man beruhigt zugreifen.

Trailer zum Film:

Clifton Morris Offline



Beiträge: 116

06.03.2014 20:31
#2 RE: Zur Sache, Schätzchen! (1967/68) Zitat · Antworten

Habe den Streifen zuletzt 2012 in einem (sehr gut besetzten) Programmkino gesehen, ebenfalls mit einem Vorfilm von May Spils. Köstlich das Wiedersehen mit Henry van Lyck. Leichte Längen hat der "Zeitgeist" für mich doch. Es bleibt nicht zuletzt der Titel als geflügeltes Wort. Mit dem Kultfilm wird es "nicht böse enden"...

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