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Dieses Thema hat 1 Antworten
und wurde 435 mal aufgerufen
 Francis Durbridge
Georg Offline




Beiträge: 3.049

14.02.2012 19:21
Bewertet Hörspiel: "Paul Temple and the Sullivan Mystery" (2006) Zitat · Antworten

Paul Temple and the Sullivan Mystery (2006)
(c) Francis Durbridge 1948.

Die BBC-Originalproduktion stammt aus dem Jahr 1948, gilt aber als verschollen. Daher hatte die BBC die schöne Idee, im Jahr 2006 den Achtteiler neu aufzunehmen. Ich muss sagen: überaus gelungen. Die gesamte Stimmung ist hervorragend, die Inszenierung, die Musik und die Stimmen passen vorzüglich.
Interessant finde ich auch, wie sehr der Eindruck oft täuschen kann. Als ich erstmals den wesentlich später entstandenen und auf "Sullivan" basierenden Roman "Die Brille" las, habe ich mich ziemlich gelangweilt und fand, dass die Geschichte eher einer der schwächeren Durbridge-Stoffe ist. Als Hörspiel hat sich der ganze Eindruck allerdings umgekehrt. Es ist wahnsinnig spannend zu erfahren, warum jeder ständig eine harmlose Brille an sich bringen will.
Durbridge hat übrigens auch die Schauplätze und die Personennamen im Roman verändert (dazu mehr auf der demnächst wieder online gehenden Durbridge-Homepage). Aus London, Plymouth, Augusta / Siracusa und Kairo wurden im Roman Paris, Nizza, Algier und Tunis.

Ein paar Sätze von mir zum Inhalt (genauere Inhaltsangaben dann später auf der Homepage, die Angaben hier entsprechen Teil 1 und Teil 2):
Die Journalistin Joyce Raymond sucht Paul Temple, der gerade dabei ist die Koffer für Kairo zu packen, in dessen Wohnung auf. Sie hat in Erfarhung gebracht, dass er nach Ägypten fliegt und bittet ihn, ihrem Cousin Richard Sullivan, der vor sechs Wochen in London auf Besuch war und für eine Ölgesellschaft arbeitet, dessen vergessene Brille zu überbringen. Temple kümmert sich gerne darum, doch schon bald gibt es Probleme. In Plymouth, von wo aus die Temples mit dem Flugzeug weiter reisen wollen, steigt der Kriminalschriftsteller in einem Hotel ab. Zunächst gibt es Probleme, weil das Zimmer der Temples mit jenem eines gewissen Louis Armstrong vertauscht worden sind. Dann taucht ein gewisser Inspektor Fowler auf, der mitteilt, dass Miss Raymond kurz nach dem Besuch bei den Temples ermordet wurde. Er bittet um die Brille, die polizeilich untersucht wird. Es kann jedoch nichts Ungewöhnliches festgestellt werden und so gibt Fowler die Brille zurück. Wenig später hört man seltsame Geräusche aus dem Nebenzimmer der Temples. Man sieht nach und findet die Leiche eines jungen Mädchens: es ist Miss Raymond, die Schwester. Im Zimmer riecht es nach Pfefferminz. Am Nachmittag des nächsten Tages wird im Hafen ein Anschlag auf die Temples verübt, ein gewisser Harold Darwin kann den beiden helfen. Endlich im Flugzeug angelangt, bietet eine Miss Frazer der ob ihres ersten Fluges etwas nervösen Steve Temple ein Pfefferminzplätzchen an ...
An Bord des Flugzeugs wird Paul Temple zum Stewart gebeten. Es handelt sich dabei um einen Portugiesen namens Constantin. Er erklärt, dass Miss Raymond zu viel wissen wollte und dass es keinen Richard Sullivan in Kairo gäbe. Er bittet um das "Dokument", das Temple von Miss Raymond ausgehändigt wurde. Als der Schriftsteller erklärt, dabei handle es sich um eine Brille, bietet Constantin 7000 Pfund für den Gegenstand. Temple lacht nur, aber Constantin erhöht auf 10000 Pfund. Auch hier steigt der renommierte Hobbydetektiv nicht auf das Angebot ein. Im Hotel in Augusta, Nahe der Stadt Siracusa, von dem aus am nächsten Tag die Reise nach Kairo weitergehen soll, steigen schließlich neben den Temples auch Miss Frazer und Harold Darwin ab. Constantin bittet um eine Unterredung mit Steve Temple und macht ihr klar, dass es für ihren Mann gefährlich werden könnte, wenn er die Brille nicht herausrückt. Wenig später klingelt das Telefon und es meldet sich Richard Sullivan. Er sagt, er will Temple in einer halben Stunde treffen. Als er nicht aufkreuzt, begibt sich Temple zur Villa Negara, die einem gewissen Colonel Arthur Marquard gehört, den Sullivan im Telefongespräch erwähnt hat. Ein Mann eilt aus der Villa und es fallen Schüsse. Der schwerverletzte Mann gibt zu, dass er Richard Sullivan am Telefon gespielt hat und fleht Temple im Todeskampf an, die Brille nach Kairo zu bringen ...

Gubanov Offline




Beiträge: 16.124

06.11.2014 14:40
#2 RE: Bewertet Hörspiel: "Paul Temple and the Sullivan Mystery" (2006) Zitat · Antworten

Paul Temple and the Sullivan Mystery

Achtteiliges Kriminalhörspiel, GB 2006. Regie: Patrick Rayner. Script: Francis Biber nach der Vorlage von Francis Durbridge. Mit: Crawford Logan (Paul Temple), Gerda Stevenson (Steve), Richard Greenwood (Harold Darwin), Michael Mackenzie (Colonel Marquand), Eliza Langland (Miss Fraser), Gareth Thomas (Sir Graham Forbes), Nick Underwood (Olaf Schreider), Wendy Seager (Sidney Jeans), Lucy Paterson (Joyce Raymond) u.a. Erstsendung: 7. August bis 2. Oktober 2006.

Zitat von Paul Temple and the Sullivan Mystery
Paul und Steve Temple werden vor ihrer Reise von einer entfernten Bekannten, Joyce Raymond, gebeten, ihrem Cousin dessen Brille nach Kairo mitzunehmen, weil er sie bei seinem letzten Besuch vergessen hatte. Sie ahnen noch nicht, in welche Situationen sie ihr zusätzliches Gepäckstück bringen wird: Das Hotelzimmer wird durchsucht, Paul Temple bekommt 10’000 Pfund für die Brille geboten und sogar über Leichen gehen die verschiedenen Parteien, die ein Interesse an dem scheinbar völlig harmlosen Gegenstand haben. Was steckt hinter der Jagd auf die Brille von Richard Sullivan?


Nach meiner Enttäuschung über das neue deutsche Paul-Temple-Hörspiel griff ich zur BBC-Neuinszenierung eines verlorenen Durbridge-Klassikers von 2006. Wie erwartet, leisteten die Briten bei der Wiederauferstehung des Durbridge-Krimis einen sauberen Job, ohne aktuelle Befindlichkeiten gegenüber klassischen Stoffen einzustreuen wie in der Pastewka-Version. Weil „The Sullivan Mystery“ offenbar auch den Zuspruch von Machern und Hörern fand, gingen bei der BBC in Folge weitere Hörspielneuvertonungen und auch Hörbuch-Lesungen nach Stoffen des Cliffhanger-Meisters in Produktion.

In der Geschichte um die Brille des Richard Sullivan wird das Publikum ebenso wie bei dem neuen Anlauf des WDR von der Erkennungsmelodie begrüßt, die aus der klassischen Vorbild-Serie bereits bekannt und vertraut ist – die britische Melodie klingt dabei deutlich lieblicher als die doch etwas harsche Untermalung von Hans Jönsson. Doch auch in allen anderen Belangen hielt sich das Team an die Erwartungen, die man mit dem typischen Durbridge-Hörgefühl verbindet, sodass mein Eindruck entsteht, es könne sich, wenn man’s nicht wüsste, genauso gut um ein altes Hörspiel handeln. Das bezieht sich einerseits auf die Handlung, in der ausgerechnet eine unscheinbare Brille zum „mysteriösen Gegenstand“ auserkoren wird, wie er in den Durbridge-Serials stets vorkam. Inwiefern Francis Biber, der als Bearbeiter des zugrunde liegenden Stoffes genannt wird, die originalen Durbridge-Dialoge umarbeitete oder eventuell gar Änderungen im Plot vornahm, ist mir nicht bekannt, stimmig ist das Ergebnis aber allemal. Ähnlich wie Georg empfand ich „The Sullivan Mystery“ als ein herausragend spannendes Hörspiel, was einerseits an den interessanten, starken Figuren, an der Qualität der Überraschungen und Cliffhanger sowie am doch ziemlich atemberaubenden Finale liegt, das sich über mehrere Szenen erstreckt und den Suspense-Höhepunkt damit ziemlich ideal auskostet.

Andererseits sind es auch die Stimmen, die aus „The Sullivan Mystery“ ein echtes Hörvergnügen machen. Crawford Logan und Gerda Stevenson eignen sich wunderbar als Paul und Steve Temple – sie riefen bei mir sofort eine authentische Atmosphäre ähnlich der 40er-Jahre-UK-Verfilmungen hervor, ohne zu irgendeinem Zeitpunkt daran zu erinnern, dass sie eigentlich im Jahr 2006 vor dem Mikrofon standen. Des Weiteren versammelt das Hörspiel Charaktere unterschiedlicher Nationalitäten, sodass vielen der übrigen Sprecher die Gelegenheit gegeben wird, sich an – teilweise durchaus amüsanten – Akzenten zu probieren. Man merkt ihren Stimmen an, dass sie an der Vertonung ihren Spaß hatten, auch hier und da vor einer Übertreibung nicht zurückschreckten und dass sie selbst manchmal über die etwas antiquierten Dialoge schmunzeln mussten. Aber das schwingt eben nur als unterschwelliges Vergnügen mit und stört den Handlungsfluss und die Atmosphäre kein bisschen. Erwähnenswert finde ich im Speziellen die Rolle der Miss Fraser (Eliza Langland), die zeigt, dass sich hinter Durbridge-Frauen manchmal doch mehr als Exzentrik und ein hübsches Gesicht verbirgt ...

„The Sullivan Mystery“ hat bei mir außerdem einen Stein im Brett, weil der Stoff von den Möglichkeiten eines Hörspiels gegenüber einer TV- oder Film-Inszenierung immer wieder Gebrauch macht. So schickt der Fall Paul und Steve auf eine Reise, die man sich im Kopf selbst mit mondäneren Bildern untermalen kann, als es etwa eine Fernsehadaption je vermöchte. Vor ein Rätsel stellt mich allerdings der Flug der Temples mit einem Flying Boat. Eine große Internet-Enzyklopädie bestätigt meine Vermutung, dass es sich hierbei um ein konventionelles Wasserflugzeug handelt, aber wo verbaut Durbridge denn in so einer Maschine ein Promenadendeck?

Mit „Paul Temple and the Sullivan Mystery“ gelang Francis Durbridge ein spannungsgeladener und vielleicht noch etwas stärker als andere Stoffe in Richtung Märchenkrimi tendierender Beitrag zur Paul-Temple-Reihe. Die Neuvertonung war bei der BBC in erwartbar guten Händen, doch was Patrick Rayner und sein Team dabei herausbrachten, ist wirklich noch einmal eines expliziten Lobes wert. Sehr ansprechende Unterhaltung mit Vorbildcharakter.

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