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Dieses Thema hat 6 Antworten
und wurde 868 mal aufgerufen
 Film- und Fernsehklassiker national
Georg Offline




Beiträge: 2.863

24.08.2011 23:03
Bewertet: "Zinksärge für die Goldjungen" (BRD/ I 1973) Zitat · antworten

Zinksärge für die Goldjungen (Il re della mala)

Otto Westermann (Fleischmann) kontrolliert die Hamburger Unterwelt. Eines Tages kommt in der Hansestadt auf einem Dampfer der Italiener Luca Messina (Henry Silva) an, der fortan das kriminelle Leben vor Ort kontrollieren und regieren will. Es kommt zum erbitterten Bandenkrieg, bei dem einer von Westermanns Söhnen stirbt. Otto schwört Rache und verübt Anschläge mit der Handschrift Messinas. Und da ist dann noch sein anderer Sohn (Horst Janson), der sich in die Tochter von Messina verliebt hat und mit ihr eine Beziehung führt. Wie werden da die beiden Väter reagieren, die sich abgrundtief hassen?

Ganz ernst zu nehmen ist dieses B-Movie von Produzent Hartwig nicht ganz. Der Actionkrimi von Jürgen Roland nimmt sich wohl selbst nicht ganz ernst und die Schauspieler haben sichtlich Spaß an der Sache. Prügelein, harte Actionszenen, grausame Morde an den gegnerischen Bandenmitgliedern (wie viele Leute sterben da eigentlich?), Autobomben und andere Explosionen, Verfolgunsjagden auf dem Lande und auf dem Wasser, ein bißchen Schulmädchenreport und eine Geschichte à la Romeo und Julia wurden in diesen Film, dem man die 3 Millionen DM Budget wahrlich ansieht, hineinverpackt. Wer Anhänger von Hartwigs Produktionen ist, kommt hier voll auf seine Kosten. Seltsam, dass sich Gyula Trebitsch an dieser absolut unrealistischen Produktion beteiligt hat, steht er doch sonst für realistischere Unterhaltung. Die weiblichen Darstellerinnen zeigen überwiegend kein Talent und werden von Jürgen Roland überwiegend nackt vorgeführt. Die Musik kommt aus der Reserve, die Titelmelodie wurde schon in "Perrak" verwendet. Hervorzuheben ist auch das schöne hanseatische Lokalkolorit. Wer guten Trash mag, dem wird der Film gefallen. (Ich muss diese Produktion allerdings kein zweites Mal sehen).

Regie: Jürgen Roland, Buch: Werner Jörg Lüddecke, August Rieger (uncredited), Kamera: Klaus Werner, Produzenten: Wolf C. Hartwig, Gyula Trebitsch
Mit Herbert Fleischmann, Henry Silva, Horst Janson, Patrizia Gori, Véronique Vendell, Raf Baldassare, Uwe Carstens, Dan van Husen u.v.a.


Blap Offline




Beiträge: 1.128

14.04.2012 00:10
#2 RE: Bewertet: "Zinksärge für die Goldjungen" (BRD/ I 1973) Zitat · antworten


#1 aus der "EDITION DEUTSCHE VITA" von FilmArt


Zinksärge für die Goldjungen (Deutschland, Italien 1973, Originaltitel: Zinksärge für die Goldjungen)

Bis zur bitteren Neige?

In Hamburg regieren Otto Westermann (Herbert Fleischmann) und seine "Kegelbrüder" über die Unterwelt. Die Geschäfte gehen gut, wer nicht nach Westermanns Pfeife tanzt bekommt Probleme. Otto hat die Stadt im Griff, doch aus den USA naht Unheil! Gangsterboss Luca Messina (Henry Silva) läuft an Bord der Queen Mary im Hamburger Hafen ein, er will die Stadt unter seine Knute zwingen, aus seiner Sicht sind die Tage Westermanns gezählt. Es kommt zu ersten Zwischenfällen, zunächst können die Italo-Amerikaner die alteingesessenen Gauner regelrecht überrumpeln. Freilich denkt Otto Westermann gar nicht daran seine Machtposition aufzugeben, flugs schüttelt er einen cleveren Plan zum Gegenschlag aus Ärmel. Abseits der Befindlichkeiten ihrer Väter lernen sich Silvia Messina (Patrizia Gori) und Erik Westermann (Horst Janson) kennen und lieben, deren Romanze von den Kampfhähnen zunächst unbemerkt bleibt. Schliesslich ist der Tag der Abrechnung gekommen, Otto Westermann und seine Mitarbeiter fallen in Luca Messinas Anwesen ein. Tatsächlich erwischen sie ihren Gegenspieler gewissermaßen schutzlos, Messina sorgt sich um seine lebensbedrohlich erkrankte Mutter (Ermelinda De Felice). Otto ist kein skrupelloser Killer, er lässt einen Arzt rufen, sieht zunächst von der Maßregelung seines Widersachers ab. Die Lage scheint sich zu entspannen, plötzlich flammt kurzzeitig fast so etwas wie gegenseitige Sympathie zwischen Otto Westermann und Luca Messina auf. Von diesem Gefühl beseelt ruft Luca seine Schläger zurück, die Burschen sollten Westermanns anderen Sohn Carl (Wolfgang Kuhlmann) ins Jenseits befördern. Tragischerweise haben die pflichtbewussten Herren den blutigen Job bereits erledigt...

Regisseur Jürgen Roland wurde vor allem durch die Edgar-Wallace-Filme "Der rote Kreis" (1960) und "Der grüne Bogenschütze" (1961) bekannt. In der späten Phase seiner Karriere Inszenierte er zahlreiche Fernsehproduktionen (z. B. "Tatort"), sein Name ist untrennbar mit der erfolgreichen Serie "Großstadtrevier" verbunden. In Form des großartigen "Zinksärge für die Goldjungen" schenkte uns Roland einen äusserst kurzweiligen und liebenswerten Gangsterstreifen, bekannte und geschätze Charakerköpfe liefern sich ein gnadenloses Duell. Auf der einen Seite der zwischen gemütlich und cholerisch pendelnde Otto Westermann, auf der anderen Seite der eiskalte und berechnende Italo-Amerikaner Luca Messina. In kleineren und grösseren Nebebrollen tummeln sich jede Menge -mehr oder weniger- bekannte Gesichter, im temporeichen Finale liefert der Hamburger Hafen die Bühne für eine atemlose Verfolgungsjagd auf Leben und Tod. Zwar sind die Einflüsse des italienischen Genrekinos klar erkennbar, doch Rolands prägnante Inszenierung und die stimmungsvollen Schauplätze, lassen den Film nie zu einem zweitklassigen Abklatsch des Gangsterfilms aus dem Stiefelland werden. Für meinen Geschmack ist die Nähe zum italienischen Genrekino sowieso die bestmögliche Art internationales Flair in eine vorwiegend deutsche Produktion zu bringen, zusätzlich ist Hamburg der ideale Schauplatz, die Saat geht ganz vortrefflich auf. Interessanterweise baut die Sause nicht auf das Klischee St. Pauli, ohne diesen Bereich völlig auszuklammern, sondern verlagert die Handlung vor allem in die Behausungen der Gangsterbosse und (wie bereits erwähnt) den Hamburger Hafen. Bevor es im Hafen zum endgültigen Zweikampf der Giganten kommt, wird rasant und wild ballernd per PKW durch Hamburg gehämmert, ist Jürgen Roland etwa mit Umberto Lenzi verwandt?

Ohne Hänger, ohne Leerlauf poltern die Goldjungen rund 83 Minuten durch Deutschlands einzige Weltstadt, darin eingebettet eine Liebesgeschichte mit Romeo-und-Julia-Schlagseite (die in eine andere Richtung als das "Original" kippt, lasst euch überraschen). Eine Romanze in einem kernigen Gaunerknüller, funktioniert das denn? Und wie das funktioniert! Dabei bietet die Geschichte von Silvia und Erik ganz sicher keine echte Tiefe, ohne Umschweife wird sich verliebt, egal welche Meinung die Alten zu diesem Thema haben. Das junge Paar wirkt trotzdem nicht wie ein Fremdkörper, denn die Darbietung von Patrizia Gori und Horst Janson ist äusserst putzig, man muss die Verliebten einfach mögen, sie sind hochgradig ansteckend! Darüber hinaus zeigen die Jungen den Alten einen besseren Weg auf, doch die Betonschädel lassen sich nicht erweichen. Stets verpasst einer der Bosse die rettende Ausfahrt, getrieben durch Mißverständnisse und Fehleinschätzungen rennt die ältere Generation in ihr sicheres Verderben!? Kernig und direkt die Dialoge, ich gebe nicht der Versuchung nach etliche Zitate einzubauen, möchte zum Entdecken auf eigene Faust ermutigen, mehr als das übliche Lieblingszitat gibt es auch diesmal nicht.

Gönnen wir uns einen Blick auf das Ensemble. Herbert Fleischmann geniesst bei mir immer Kredit, ich sehe den leider viel zu früh verstorbenen Schauspieler sehr gern. Fleischmann kommt als Otto Westermann auf den ersten Blick wie ein gutbürgerlicher Durchschnittstyp daher, Halbglatze und Bierbauch inklusive. Hinter der biederen Fassade lauert ein Raubtier, aber auch ein Mann mit gefestigten Prinzipien und Moralvorstellungen, ein Mann der bei Bedarf mit aller Härte zulangen kann. Fleischmanns Antagonist Silva bildet schon von der Erscheinung her einen harschen Kontrast, statt bierseliger Rundungen gibt es einen gelackten Eckschädel zu sehen, nur vor "Mama" hat der kantige Gangster Respekt. Zwei Welten prallen mit voller Wucht aufeinander, bei aller vordergründungen Unterschiedlichkeit sind die Herren letztlich auf der gleichen Schiene unterwegs, gefangen und geeint im brüllenden Wahn aus engstirniger Prinzipienreiterei, blutrünstigen Rachegelüsten und bedingungsloser Machtgier. Zwei Lieblinge in einem Film, die Konstellation Fleischmann vs. Silva ist ein rauschhafter Freundenspender! Bevor meine Schwämerei völlig ausser Kontrolle gerät, reisse ich das Steuer in Richtung der übrigen Mannschaft herum. Naja, Anlass zur Sachlichkeit sehe ich trotzdem nicht, doch ich will versuchen mich zu beherrschen. Horst Janson gibt den hübschen Sympathieträger, die ihm zur Seite gestellte Patrizia Gori ergänzt Janson passend, ein schönes und knuffiges Paar. Statt sich den Vorträgen ihrer Väter zu beugen ziehen sie ihr Ding durch, mahnen ihre Erzeuger zur Vernunft (das Liebespaar wurde sehr geschickt und spannend in einen Teil des langen Finales eingebunden, grandios!). Véronique Vendell spielt die Frau an Luca Messinas Seite, kein leichter Job ein Liebchen des Bosses zu sein, vor allem wenn dessen Frau Mutter sich wenig erbaut zeigt. Vendell hatte Auftritte in international erfolgreichen Produktionen, sie wirkte in "Barbarella" (1968) und "Cross of Iron" (Steiner - Das Eiserne Kreuz, 1977) mit. Selbstverständlich hat auch Otto Westermann ein "Betthäschen" am Start, Sonja Jeannine wurde dieser Part übertragen, sie darf ihre Auslage vorzeigen und dem Chef bei Bedarf die Zeit vertreiben. Ein gestresster Macher braucht ab und zu ein wenig Zerstreuung, nach Möglichkeit unverbindlich, eine weitere Parallele zwischen Westermann und Messina. Ermelinda De Felice verkörpert das Klischee der italienischen Mama perfekt, ihre Darbietung sorgt für manchen zusätzlichen Schenkelklopfer. Ich werde nun nicht alle Mitwirkenden aufzählen, lediglich ein paar Worte zu den einprägsamsten Gestalten seien mir noch gestattet. Raf Baldassarre war eine gefragte Charakterfratze in etlichen Italowestern, er ist als verräterischer Fiesling unterwegs, Dan van Husen gehört ebenfalls zur Riege des Herrn Silva, extrem kultig (an dieser Stelle passt das oft mißbrauchte Wort) ist der Auftritt von Denes Törzs. Später als Sprecher und Moderator des NDR jedem Norddeutschen bekannt, zieht der gelernte Schauspieler hier richtig feist vom Leder!

Wenn ich einen Blick auf die heutige Filmlandschaft Deutschlands werfe... Ja, dann schiessen mir fast Tränen des Mitleids in die Augen, unterschwellig macht sich ein flaues Gefühl samt Brechreiz in meinem Magen breit. Hat den keiner mehr die Eier in der Hose um mit einen flotten Genrefilm aus der Kiste zu kommen? Es muss doch mehr geben als kalauernde Komödien und verquaste Grütze? Klar, da meckert er wieder rum, der alte Isegrim. "Zinksärge für Goldjungen" ist ein rasanter Ritt durch die Metropole Norddeutschlands, voller Lust (und mit ein bißchen Wehmut) stürze ich mich in dieses Abenteuer, aale mich mit allem was ich habe im schönsten, wildesten und mutigsten Jahrzehnt der Filmgeschichte. Verklärte Spinnerei? Bekanntlich wollte man damals mit Genrefilmen vor allem Geld verdienen, blick den Tatsachen ins Auge, du Ochse. Na und? Wenn ein Film mich so packt, begeistert und in Jubelstimmung versetzt, dann negiere ich die Motive der Macher sehr gern. Liebe Skeptiker, rutscht mir bitte den fetten Buckel herunter! Hamburg brennt! Mein Herz auch!

Mit der #1 aus der Reihe "Editon Deutsche Vita" landet FilmArt einen Volltreffer! Neben der deutschen Kinofassung darf man die Version für den italienischen Markt bestaunen. Diese wurde gekürzt, die Handlung dadurch gestrafft (obwohl bereits die deutsche Fassung sehr temporeich inzeniert und geschnitten über den Bildschirm saust), geänderte Dialoge rücken die Charaktere teils in ein etwas anderes Licht. Mir gefällt die deutsche Version eindeutig besser, davon unbenommen ist die alternative Fassung eine sehr willkommende Ergänzung. Zusätzlich gibt es ein Interview mit Horst Janson, Auszüge aus einem Interview mit Henry Silva, ein längeres Audiointerview mit Jürgen Roland, den deutschen Kinotrailer und eine Bildergalerie, weitere Kleinigkeiten (u. a. einen Beitrag über den Hamburger Hafen). Das Material wurde auf zwei DVDs verteilt, die Scheiben sind in einem schicken Digipak samt Schuber untergebracht, obendrein liegt ein lesenswertes Booklet bei. Fazit: Diese Veröffentlichung ist ein Traum! Vielen Dank dafür!

Wer nicht ganz so tief in die Tasche greifen will (was sehr schade wäre), kann zur karg ausgestattenen "Kaufhausauflage" greifen. Ledigliche eine DVD im Amaray, keine Boni:



Meine Empfehlung könnte nicht eindeutiger ausfallen, kauft euch die besser ausgestattete und ansprechender aufgemachte Ausgabe! Es lohnt sich! Gern würde ich noch auf weitere Aspekte bezüglich "Zinksärge für die Goldjungen" eingehen. Doch dann müsste ich noch viele Stunden vor dem Rechner verbringen, ein Unding, ich will Filme schauen. Obwohl... Habe ich bereits den tollen Titeltrack erwähnt, der das wüste Treiben immer wieder stilsicher untermauert? Genug...

Sehr dicke 8,5/10 (sehr gut bis überragend!)

Lieblingszitat:

"Alles hat seinen Preis und wir alle müssen ihn bezahlen!"

***

Vom Ursprung her verdorben

Mark Paxton Offline




Beiträge: 347

06.11.2014 16:58
#3 RE: Bewertet: "Zinksärge für die Goldjungen" (BRD/ I 1973) Zitat · antworten

Neulich habe ich mir diesen Film auf DVD angesehen: Jürgen Roland muss ja der Teufel geritten haben, als er dieses Filmchen inszenierte. Ich habe mir angesichts des Titels zwar auch keinen Stahlnetz-Film erwartet, aber die Machart und die viele Action haben mich dann doch etwas gestört.
Einzig Herbert Fleischmann gefiel mir. Die Handlung an sich hätte auch in 30 Minuten erzählt werden können.

Jan Offline




Beiträge: 1.270

08.11.2014 11:54
#4 RE: Bewertet: "Zinksärge für die Goldjungen" (BRD/ I 1973) Zitat · antworten

Wie sagte doch Jürgen Roland inmitten seiner "Stahlnetz"-Arbeiten noch so schön (sinngemäß): Man müsse schon intimere Kenntnis der Polizeiarbeit haben, um einen Krimi richtig drehen zu können. Daran habe ich mich beim Ansehen dieses Streifens bisweilen leicht amüsiert erinnert.

Vorrangig gibt's Pyrotechnik von Karl Baumgartner anstatt eines eigenen Sounds (das wunderbare "Perrak"-Stück von Rolf Kühn passt allerdings auch hier tadellos), ungeniertes Product-Placement einer Sportbootschule anstatt penibler Polizeiarbeit. Dennoch mag ich den Film. Die Verfolgungsjagd auf der Elbe ist aller Ehren wert und rechtfertigt das mehrfache Einblenden der Sportbootschule, die dafür verantwortlich zeichnet durchaus. Auch die Suspense-Einlage mit der Bombe im Auto des jungen Liebespaares habe ich geglückt in Erinnerung. Der Rest ist eben ein typisches Kind der 70er Jahre: knallig, trashig, barbusig und grundsätzlich vollsynchronisiert. Ein echter Hartwig und ein eher überraschender Roland.

Nebenbei: Ich warte immer noch darauf, dass endlich Jürgen Rolands nicht minder gelungene Krautploitation-Granaten "Die Engel von St. Pauli" und "Jürgen Rolands St. Pauli Report" veröffentlicht werden. Letzterer lief vor Jahren bei Sat.1, als dort am Samstagabend noch die Schulmädchen-Reporte gezeigt wurden auf eben deren Sendeplatz!

Gruß
Jan

Joe Walker Offline




Beiträge: 738

08.11.2014 12:33
#5 RE: Bewertet: "Zinksärge für die Goldjungen" (BRD/ I 1973) Zitat · antworten

Nach langer Abstinenz mal wieder im Forum - hallo Jan!

Zitat von Jan im Beitrag #4
[...] Nebenbei: Ich warte immer noch darauf, dass endlich Jürgen Rolands nicht minder gelungene Krautploitation-Granaten "Die Engel von St. Pauli" und "Jürgen Rolands St. Pauli Report" veröffentlicht werden. [...]

"Die Engel von St. Pauli" sind für nächstes Jahr von Subkultur zur VÖ angekündigt, den "St. Pauli Report" gibt es in dieser auch sonst 'empfehlenswerten' Box: http://www.ofdb.de/view.php?page=fassung...8441&vid=212852.

Gruß
Joe Walker

Jan Offline




Beiträge: 1.270

08.11.2014 12:40
#6 RE: Bewertet: "Zinksärge für die Goldjungen" (BRD/ I 1973) Zitat · antworten

Zitat von Joe Walker im Beitrag #5

Nach langer Abstinenz mal wieder im Forum - hallo Jan!


Hi Joe, ja, ich war lange nicht schreibend anwesend. Hab nur sporadisch immer mal wieder reingeguckt. Ich bin guter Dinge, dass ich jetzt wieder mehr Zeit für Film, Funk und Fernsehen (und natürlich Forum) habe!

Zitat von Joe Walker im Beitrag #5

"Die Engel von St. Pauli" sind für nächstes Jahr von Subkultur zur VÖ angekündigt, den "St. Pauli Report" gibt es in dieser auch sonst 'empfehlenswerten' Box: http://www.ofdb.de/view.php?page=fassung...8441&vid=212852.


Ha, siehste! Da habe ich doch gleich wieder was zum Bestellen. Komischerweise gehört die Figur des Onkel Troll zu meinen prägensten Erinnerungen an Rudolf Schündler, obwohl er wahrhaft auch viel andere Sachen gemacht hat! Danke für den Tipp!

Gruß
Jan

Ray Offline



Beiträge: 934

15.04.2018 11:17
#7 RE: Bewertet: "Zinksärge für die Goldjungen" (BRD/ I 1973) Zitat · antworten

Zinksärge für die Goldjungen (BRD/I 1973)

Regie: Jürgen Roland

Darsteller: Herbert Fleischmann, Henry Silva, Horst Janson, Patrizia Gori, Véronique Vendell, Peter Lehmbrock, Sonja Jeannine u.a.



Otto Westermann führt in Hamburg unter dem Deckmantel eines Kegelclubs eine mafia-ähnliche Organisation und hat so die Kontrolle über Glücksspile und Prostitution in der Stadt inne. Eines Tages bekommt er unerwartete Konkurrenz durch den italo-amerikanischen Gangsterboss Messina, der sich aufgrund der lukrativen Gegebenheiten ebenfalls in Hamburg niederlassn möchte. Aus ersten Scharmützeln zwischen beiden und ihren Banden wird schnell handfeste Gewalt. Eine neue Dimension erreicht der Zwist, als sich Messinas Tochter und Westermanns Sohn ineinander verlieben...

Der Film beginnt ähnlich wie "Polizeirevier Davidswache" und "4 Schlüssel" mit einem Erzählerkommentar, dessen Aussagen bereits kurz darauf für starkes Schmunzeln sorgen. Das, was man da im Folgenden zu sehen bekomme, entspringe zwar der Fantasie, könne aber so ganz bald in jeder beliebigen Stadt in Deutschland Realität werden. Angesichts dessen, was man in der Folge von Regisseur Roland serviert bekommt, fragt man sich, ob diese Aussage tatsächlich ernst gemeint ist. Jedenfalls kann man im Jahre 2018 wohl Entwarnung geben: Wenn auch manches Besorgniserregendes in Deutschland vor sich geht, derartige Auseinandersetzungen zweier Gangster-Banden, wie man sie hier präsentiert bekommt, stehen hierzulande eher nicht auf der Tagesordnung. In rasendem Tempo werden hier Menschen erhängt, erschossen oder Explosionen zur Schau gestellt. Der Pseudo-dokumentarische Stil gepaart mit diesem atemlosen Mix aus "Sex & Crime", die Synchronisation und mancher Dialog geben dem Film einem dem Erscheinungsjahr entsprechend standesgemäßen Trash-Anstrich. Nicht unerwähnt soll in dieem Zusammenhang auch die nur bedingt zum Mitfühlen einladende Romanze zwischen den Kindern der zwei "Paten" einladen. Horst Janson, der im Übrigen nur zehn Jahre nach seinem Filmvater Herbert Fleischmann geboren ist, gibt den sich vom Casanova zum spießigen Heiratswilligen wandelnden nicht sonderlich überzeugend, wobei insoweit natürlich der genannte Altersunterschied zu Fleischmann und das Drehbuch ihr Übriges tun. Wer also eine moderne "Romeo und Julia"-Variante sehen will, sollte besser zu "Romeo Must Die" mit Aaliyah und Jet Li greifen. Erwartungsgemäß mit einer adäquaten Performance sieht man Herbert Fleischmann, der den Gangster-Boss mit einer guten Portion deutscher Spießigkeit mimt, welche einen feinen Kontrast zu dem "Weltmann" Messina, der analog dazu in einer wesentlich großzügigeren Villa residiert, bildet. Bemerkenswert angesichts der quantitativ vor sich gehenden Verbrechen und der Mitwirkung Rolands ist die Abstinenz von polizeilicher Ermittlungsarbeit. Aber vielleicht sollte der Kommentar am Anfang mit seinem heraufbeschworenem Schreckens-Szenario bereits konkludent zum Ausdruck bringen, dass die Polizei gegenüber solchen Mächten chancenlos ist.

Man muss sich auf diesen alles in allem reichlich flachen Film einlassen, um an ihm seine Freude haben zu könnnen. Wer das schafft, wird in den letzten Minuten zunächst mit einer deftigen Auto-Verfolgungsjagd zwischen Westermann und Messina belohnt, die in der Folge in eine recht spektakuläre Verfolgung auf Motorbooten übergeht und in einem explosiven Finale sein Ende findet. Der Film schließt wieder mit einer durch Erzählerkommentar unterlegten Sequenz, die den Betrachter ein wenig vor den Kopf stößt. Diese "Verbrechen lohnt sich nicht" oder "Die Geschichte wiederholt sich"-Message hätte man sich getrost sparen können.


Flacher, aber durchaus unterhaltsamer Exploitation-Film made in Germany. 3,5 von 5 Punkten.

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