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Dieses Thema hat 7 Antworten
und wurde 346 mal aufgerufen
 Giallo Forum
argento92 Offline



Beiträge: 80

12.06.2009 10:05
Aquarius – Theater des Todes (1987) Zitat · antworten

Mich würden eure Meinungen über diesen Giallo-Slasher brennend interessieren. Bewertet mal den Film.

Gruß
argento92

kaeuflin Offline




Beiträge: 1.259

12.06.2009 10:17
#2 RE: Aquarius – Theater des Todes (1987) Zitat · antworten

Schon länger nicht mehr gesehen. Habe den Fim als sehr starken End-80er-Slasher in Erinnerung - viel Slasher, wenig Giallo. Vielleicht vergleichbar mit "Night of the Intruder". Ein abgeschlossener Raum, ein Killer, eine Gruppe von Menschen und kreatives Töten ...

Wer Slasher mag, sollte sich "Aquarius" ansehen. Wer solche sehr einfach gestickten Filme nicht mag, lässt ihn besser aus!

Optisch ist das Ganze wirklich stark geworden - Soavi hat ja auch mit Argento zusammengearbeitet.

Slasher-Wertung: 4,5 von 5 Punkten von mir.

Peter

Happiness IS the road! (Marillion)

StefanK Offline



Beiträge: 899

12.06.2009 23:12
#3 RE: Aquarius – Theater des Todes (1987) Zitat · antworten

Der Film zeigt auf jeden Fall, dass Soavi einer DER italienischen Regisseure der "Neuzeit" war oder ist. Mit vermutlich geringem Budget von Aristide Massascesis (a.k.a. Joe D'Amatos) Filmfirma Filmirage produziert, legte er mit "Aquarius" einen spannenden, atmosphärischen Slasher vor. Auch seine anderen Filme wie z.B. "The Church" oder "Dellamorte Dellamore" finde ich sehr sehenswert. "The Sect" kenne ich bisher noch nicht. Auch seinen Thriller "Eiskalt - Arrivederci amore, ciao" (u.a. mit Michele Placido) aus dem Jahre 2006 (DVD von e-m-s) kann ich empfehlen.

Janek Offline




Beiträge: 1.852

12.12.2011 20:45
#4 RE: Aquarius – Theater des Todes (1987) Zitat · antworten

Vom Trödelmarkt am letzten Sonntag habe ich mir "Aquarius / StageFright" aus der Red-Edition (OVP für 1 €) mitgebracht. Bis ich die XT-Hartbox habe, reicht das erstmal.

MfG
Janek

Josh Offline




Beiträge: 7.908

12.12.2011 20:57
#5 RE: Aquarius – Theater des Todes (1987) Zitat · antworten

Den hätte ich auch gerne. Wird Zeit, dass XT den endlich mal veröffentlicht. Bis dahin ist die CMV erste Wahl.

Janek Offline




Beiträge: 1.852

12.12.2011 21:00
#6 RE: Aquarius – Theater des Todes (1987) Zitat · antworten

Ich liebe diesen Film. Er hat eine unbeschreibliche Atmosphäre. Die Morde sind recht blutig, es gibt tolle Kamerafahrten und die Eulenmaske ist auch super. Ich warte auf die XT-Hartboxen.

MfG
Janek

Josh Offline




Beiträge: 7.908

12.12.2011 21:13
#7 RE: Aquarius – Theater des Todes (1987) Zitat · antworten

Dann solltest du mal ein Mail an XT-Peter schreiben, ob er bereit ist, den Film in sein Programm aufzunehmen, denn der ist in keinster Weise von denen angekündigt.

Gubanov Offline




Beiträge: 15.576

10.06.2018 14:45
#8 RE: Aquarius – Theater des Todes (1987) Zitat · antworten



Aquarius – Theater des Todes (Stage Fright)

Thriller, IT 1987. Regie: Michele Soavi. Drehbuch: Lew Cooper (d.i. George Eastman (d.i. Luigi Montefiori)). Mit: Barbara Cupisti (Alicia), David Brandon (Peter), Mary Sellers (Laurel), Loredana Parrella (Corinne), Martin Philips (Mark), Giovanni Lombardo Radice (Brett), Jo Anne Smith (Sybil), Robert Gligorov (Danny), Piero Vida (Ferrari), Clain Parker (Irving Wallace) u.a. Uraufführung (IT): 21. August 1987. Uraufführung (BRD): Mai 1988.

Zitat von Aquarius – Theater des Todes
Ein Arzt ist ein Arzt, sagen sich die Schauspielerin Alicia und ihre Freundin Betty und lassen Alicias verstauchten Knöchel kurzerhand in einer psychiatrischen Klinik untersuchen. Dummerweise merken weder die beiden Frauen noch die Pfleger, dass der geisteskranke Mörder Irving Wallace diese Gelegenheit zur Flucht nutzt und sich in Bettys Auto versteckt. Weiterhin unbemerkt verschafft sich der brutale Killer, nachdem er Betty getötet hat, Zugang zu dem Theater, in dem Alicia und ihre Kollegen ein Musical proben. Doch anstatt Bühnengeschichte zu schreiben, wird das Ensemble, das in das Theater eingeschlossen und von der Außenwelt abgeschnitten ist, von Irving Wallace nach und nach aus schierer Mordlust dezimiert ...


Bevor Michele Soavi für „Aquarius“ zum ersten Mal selbst auf dem Regiestuhl Platz nahm, konnte er bereits bei den großen Namen des Genres Erfahrung sammeln – so etwa als Regieassistent bei Dario Argento („Tenebre“ und „Phenomena“) oder als Darsteller bei Lamberto Bava (in einer markanten Nebenrolle in „Das Haus mit dem dunklen Keller“). Die Lust beider Vorbilder am zeitgemäß genüsslichen Erschrecken und Schockieren des Publikums eignete sich Soavi selbst an und stellte in seinem Erstlingswerk gleich eine besondere Kunstfertigkeit unter Beweis, als es darum ging, unumwunden „zur Sache“ zu kommen. „Aquarius“ ist eine von Anfang an sehr atmosphärische und in stetig zunehmendem Maße auch blutige Angelegenheit, die sowohl die ausweglose Situation der Theaterleute als auch die Unmenschlichkeit des Killers mit kunstvollem Sadismus in Szene setzt. Soavi ging so deutlich zu Werke, dass viele Filmwissenschaftler seinen Schocker sogar eher dem Slasher- als dem Giallo-Bereich zuordnen:

Zitat von Mikel J. Koven: La Dolce Morte, Scarecrow Press, Lanham / Toronto / Oxford 2006, S. 162ff
Typical of the giallo, the events [...] take place over several nights, perhaps as much as a week in narrative time. The action of slasher films, on the other hand, tends to get compressed into a single night or a couple of nights at best. Extending the action across several days enables an investigation to occur, as opposed to how a slasher film is structured, where the only goal seems to be survival until the sun comes up. This is perhaps the main difference between the giallo and the slasher: while the former focuses on the investigation, the latter focuses on survival. [...] Soavi chose to make a slasher movie, rather than a straightfoward giallo.


Die von Koven festgelegten Unterscheidungsmerkmale sprechen eine eindeutige Sprache: „Aquarius“ spielt sich gewissermaßen in Echtzeit in einer einzigen fatalen Nacht ab, in der es innerhalb des eng abgesteckten Raumes zu keinen nennenswerten Ermittlungen kommt (die Polizei überwacht zwar das Theater – aber nur von außen, sodass die beiden Polizisten völlig ahnungslos sind, was drinnen vor sich geht) und in der die Eingeschlossenen um ihr blankes Überleben kämpfen. Dabei spielt Soavi in mehreren Szenen mit typischen Giallo-Merkmalen, um Brücken zu klassischen Filmen zu schlagen. Am deutlichsten fallen die Parallelen zu „Torso“ aus – nicht nur weil Sergio Martino 1974 ein ähnlich gewaltvolles Schauermärchen schuf, sondern weil gerade die späten Nachtszenen mit Barbara Cupisti teilweise 1:1-Zitate einiger Ausschnitte mit Suzy Kendall enthalten.



Die Spannung in „Aquarius“ rührt eindeutig nicht aus der Täterfrage her, denn dass der entflohene Geisteskranke für die Taten verantwortlich zeichnet, steht von Anfang an außer Frage. Dennoch macht sich Soavi den Spaß, das recht profane Gesicht des Irren hinter einer Theatermaske zu verbergen, um der Geschichte eine gemeine Doppelbödigkeit zu verleihen: Die Hauptfigur des ursprünglich beabsichtigten Musicals trägt eine überdimensionierte Eulenmaske, die der Mörder schnell zu seinem schauerhaften Markenzeichen umfunktioniert und damit den letzten Rest Menschlichkeit ablegt. Recht zu Beginn der Mordserie, als noch ernsthaft geprobt wird, gibt es sogar eine Szene, in der statt des Schauspielers unbemerkt der Killer die Bühne betritt und vom Regisseur Anweisungen erhält, seine Schauspielpartnerin zu töten. Nur zu gern führt Wallace dieses Missverständnis zu einem sehr eindeutigen Ende ...

Obwohl die Figuren des Films eigentlich nur zum effektvollen Sterben gemacht sind, gestalten sie sich doch recht schillernd. Kein Theaterklischee – vom flamboyanten Homo über die karrieregeile Zweitbesetzung und den despotischen Intendanten bis zur sympathischen, finanziell klammen Hauptdarstellerin – wird ausgelassen, sodass man sich in der todgeweihten Gruppe schnell zurechtfindet und die einzelnen Morde in unterschiedlich starkem Ausmaß bedauert. Dazu passt, dass die Taten in verschiedenen Härtegraden gezeigt werden und von vergleichsweise standardmäßigen Methoden (Erschießen, Sturz aus großer Höhe, Verbrennen) bis zu grafischeren Varianten (Spitzhacke, Bohrmaschine, Kettensäge, Beil) reichen. Soavi schreckt dabei auch nicht zurück, genüsslich draufhalten, wenn Körper durchbohrt oder durchtrennt werden, und verschiedenfarbiges Kunstblut zum Einsatz kommen zu lassen, sodass man den Film zartbesaiteten Gemütern nicht empfehlen kann. Ein „Wir raten ab“ sollte Eingeweihte aber erahnen lassen, dass es mit „Aquarius“ ein besonders Schmankerl zu entdecken gibt, zumal die Effekte nie billig wirken und überdurchschnittliche Fantasie verraten.

Das gilt auch für den Cameo-Auftritt, den sich Soavi in „Aquarius“ erlaubt: Als herrlich blauäugiger Polizist sitzt er bei strömendem Regen und Gewitter vor dem Theater im gemütlichen Polizeiwagen und spaßt mit seinem Kollegen unter anderem darüber, ob er nicht aussehe wie James Dean. Einsprengsel wie diese, die kuriose Idee mit der Behandlung des Knöchels in der Irrenanstalt oder die skurrile Schlussszene zeigen, dass die Herangehensweise an diesen Film trotz seiner Gewalttätigkeit und düsteren Wirkung nicht zuletzt von einer spielerischen Haltung geprägt war. Auch der Höhepunkt des Films spiegelt das wieder, als der Killer sich selbst auf der Bühne inmitten seiner entstellten Opfer mitsamt voller Scheinwerferbeleuchtung, kunstvollen Federregens und schwarzer Miezekatze in Szene setzt – ein geradezu poetischer Moment inmitten eines wilden, temporeichen Gemetzels.

In jeder Hinsicht lieferte Michele Soavi mit „Aquarius – Theater des Todes“ einen Farben- und Gefühlsrausch ab. Der unglaublich spannende Slasher bietet ein Höchstmaß an Unterhaltsam- und Schonungslosigkeit und trifft damit genau die Mischung, die man sich von italienischem Alptraumkino erwartet. Inhaltlich ist das zwar alles sehr simpel, aber umso mehr Fokus konnte Soavi auf eine technisch erstklassige Umsetzung legen. 5 von 5 Punkten.

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