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Dieses Thema hat 37 Antworten
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 Film- und Fernsehklassiker international
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Gubanov Offline




Beiträge: 14.587

04.08.2017 17:00
#31 RE: Monk (2002-09, TV) Zitat · antworten



Mr. Monk und der Zeitungsjunge (Mr. Monk and the Paperboy)

Episode 23 der TV-Kriminalserie, USA 2004. Regie: Michael Fresco. Drehbuch: David Breckman, Hy Conrad. In den Hauptrollen: AM, SF, LS, RD, BF, CK. Mit: Jarrad Paul (Kevin Dorfman), Nicole DeHuff (Vicki Salinas), Enrique Almeida (Nestor Alverez), Noel Guglielmi (Jose Alverez), Joseph Sikora (Boz Harrelson), Mark Totty (Malcolm Cowley), Endre Hules (Captain Dupres), Orlando Seale (Lieutenant Lafitte) u.a. Erstsendung (USA): 16. Januar 2004. Erstsendung (BRD): 23. Dezember 2004.

Zitat von Mr. Monk und der Zeitungsjunge (23)
Auf Mr. Monks Türschwelle wird ein Zeitungsausträger von einem Dieb überfallen und ermordet. Monk glaubt, dass etwas in der Zeitung stand, das er auf keinen Fall lesen sollte. Gemeinsam mit Sharona und den Polizisten Stottlemeyer und Disher durchkämmt er jeden Artikel und löst dabei nebenher gleich mehrere Fälle – nur nicht den eigentlichen nach dem Mörder des Zeitungsjungen. Dies gelingt erst, als ihm einleuchtet, dass es vielleicht nie darum ging, was er nicht lesen sollte. Eine ganz andere Person ist betroffen – und befindet sich nun in akuter Lebensgefahr ...


Nach den neun Folgen von „Schule“ bis „Geschworener“ ließ der „Monk“-Haussender USA Network fünf Monate verstreichen, bis er die restlichen sieben Folgen der zweiten Staffel ab Januar 2004 über die Bildschirme flimmern ließ – rein rechnerisch befindet sich ihre Ausstrahlung sogar näher an der der dritten Staffel, denn zwischen Folge #029 („Gefängnis“) und #030 („Manhattan“) liegen umgekehrt sogar nur drei Monate. Auch in den kommenden Staffeln behielt man diese Zweiteilung so bei, z.B. zwischen #038 und #039 und zwischen #053 und #054. Mit den mit 16 Folgen relativ langen „Monk“-Staffeln ließ sich eben sowohl ein Sommer- als auch ein Wintersendeplatz füllen.

Die Folge selbst weist einen für die Serie eher ungewöhnlichen episodenhaften Charakter auf, der durch den titelgebenden „Haupt-Mordfall“ eher leidlich zusammengehalten wird. Die einzelnen Neben-Fälle erscheinen eher lapidar und hätten wohl keines wirklichen Genies wie Mr. Monk bedurft – da hatten sowohl David Breckman als auch Hy Conrad schon zündendere Einfälle für Drehbücher. Auch die sonst oft reizvolle Idee, einen Lottogewinn als Motiv zu nutzen, überzeugt hier nicht vollends, weil sie gleich zu Beginn erwähnt und somit zu offensichtlich als Clou für die Auflösung vorbereitet wird.

Während Nicole DeHuff und Joseph Sikora gut spielen (die Erstgenannte starb bereits 2005 im Alter von nur 30 Jahren an einer Lungenentzündung), übertreibt Jarrad Paul seinen Part als einfältiger Computer-Nerd bis zur schlechten Karrikatur. Die Synchronisation, die ihn ständig „Ach du lieber Strohsack“ murmeln lässt, tut ihr Übriges dazu, um die Figur wie einen dummen Clown erscheinen zu lassen, den man am Ende nicht unbedingt hätte gerettet sehen wollen. Im Gegensatz zu anderen Drehbüchern, die diesbezüglich ein gutes Maß fanden, scheint „Mr. Monk und der Zeitungsjunge“ allzu aufgesetzt zu sein.

Gubanov Offline




Beiträge: 14.587

05.08.2017 01:30
#32 RE: Monk (2002-09, TV) Zitat · antworten



Mr. Monk, sein Bruder und drei Kuchen (Mr. Monk and the Three Pies)

Episode 24 der TV-Kriminalserie, USA 2004. Regie: Randall Zisk. Drehbuch: Tom Scharpling, Daniel Dratch. In den Hauptrollen: AM, SF, LS, RD. Mit: John Turturro (Ambrose Monk), Holt McCallany (Pat van Ranken), Marcia Ann Burrs (Mrs. Dohan), Leslie Jordan (Town offical), Connor Dylan Wyrn (First kid), Luke Baybak (Second kid), Jean Elliot Cambell (Entry booth lady), Ira Steck (Bingo caller) u.a. Erstsendung (USA): 23. Januar 2004. Erstsendung (BRD): 11. Januar 2005.

Zitat von Mr. Monk, sein Bruder und drei Kuchen (24)
Zur selben Zeit, zu der Stottlemeyer und Disher im Fall einer von einem Hijacker getöteten Volksfestbesucherin ermitteln, wird Adrian Monk von seinem Bruder Ambrose auf das Verschwinden von dessen Nachbarin Mrs. van Ranken aufmerksam gemacht. Ihr Mann soll wohl der Täter sein. Erstaunlicherweise hängen beide Fälle zusammen, denn Mr. van Ranken hält sich verdächtig oft auf Festveranstaltungen auf. Er versucht dort verzweifelt, drei Kuchen zu gewinnen, die von seiner Frau für Tombola-Veranstaltungen gestiftet wurden. Ist in den Kuchen etwas versteckt?


Hinter der Lieblingsfolge von Tony Shalhoub verbirgt sich eine bärenstarke Allegorie auf Sherlock Holmes und seinen Bruder Mycroft, denn so wie schon beim berühmten Doyle’schen Ermittler-Geschwisterpaar übertrifft der plötzlich auftauchende Bruder den eigentlichen Meisterdetektiv in puncto Spleenigkeit noch bei Weitem. Auf „Der griechische Dolmetscher“ wird explizit mit einer Szene Bezug genommen, in der Adrian und Ambrose am Fenster des gemeinsamen Elternhauses scharfsinnige Bemerkungen veranlassen, welche die normalbegabte Sharona wie einst Kompagnon John Watson in helles Erstaunen versetzen. Auch die Unlust, die gewohnten Bahnen eines eremitischen Lebens zu verlassen, ähneln sich bei Ambrose Monk und Mycroft Holmes.

Den Fall hingegen schauten sich Scharpling und Dratch bei „Die sechs Napoleons“ ab (die drei Kirschkuchen ersetzen die sechs Gipsbüsten des Originals), versahen das Geschehen aber mit einem interessanten Twist, einem hochwertigen Monk-Täter-Duell mit Holt McCallany und der vielschichtigen Verwandtschaftskiste, durch die man zahlreiche Details über Monks Kindheit und Elternhaus erfährt. Sogar Trudys Todestag wird ein Puzzlestück hinzugefügt. Während man fast vermuten könnte, man bekomme es bei dem eingangs gezeigten Mord wieder mit dem in Staffel 2 zunehmend durchschimmernden Muster „Hauptsache ungewöhnlich“ zu tun, erschließt sich bald darauf die zwingende Folgerichtigkeit der Episode, die „Mr. Monk, sein Bruder und drei Kuchen“ weit über den Staffeldurchschnitt hebt. Stellenweise Parallelen mögen außerdem zwischen Mr. van Ranken und Mr. Thorwald aus Alfred Hitchcocks „Das Fenster zum Hof“ gezogen werden.

Dadurch dass Shalhoub und Filmbruder Turturro so sehr im Mittelpunkt stehen, muss das übliche Serienteam etwas kürzer treten als gewohnt. Weder Sharona noch einer der beiden Polizisten bekommt diesmal eine Nebenhandlung zugestanden – während einige etwas stillere Momente mit Bitty Schram zu verzeichnen sind, nehmen sich Levine und Gray-Stanford angenehm zurück (eine kurze Abstinenz der beiden à la „Anstalt“ oder „Urlaub“ aus Season 1 könnte beizeiten aber auch ’mal nicht schaden).

Gubanov Offline




Beiträge: 14.587

05.08.2017 22:30
#33 RE: Monk (2002-09, TV) Zitat · antworten



Mr. Monk und der Fernsehstar (Mr. Monk and the T.V. Star)

Episode 25 der TV-Kriminalserie, USA 2004. Regie: Randall Zisk. Drehbuch: Tom Scharpling. In den Hauptrollen: AM, SF, LS, RD, BF, CK. Mit: Billy Burke (Brad Terry), Nicole Forester (Susan Malloy), Sarah Silverman (Marci Maven), Stacey Scowley (Laurie), Vic Chao (Lee), Ed Fusco (Sergeant Green), Charles Dougherty (TV director), Jeff Parise (Dustin, the bartender) u.a. Erstsendung (USA): 30. Januar 2004. Erstsendung (BRD): 18. Januar 2005.

Zitat von Mr. Monk und der Fernsehstar (25)
Krimiserienstar Brad Terry ist gerade dabei, einer Gruppe von Paparazzi ein spontanes Interview über seine kürzlichen Wutausbrüche zu geben, als aus dem Haus seiner Exfrau Susan Schreie ertönen. Er eilt hinein und findet sie ermordet auf. Ein Überfall – so lautet zumindest seine Version. Denn Monk glaubt (ganz im Gegensatz zu Sharona, die Terrys Serie liebt), dass der smarte Schauspieler lediglich versucht, die Wahrheit zu verschleiern. Erschwert werden die Ermittlungen von Terry-Fan Marci, die plötzlich gesteht, die Tat begangen zu haben ...


Die amüsanten Verflechtungen und Insider-Witze, die sich ergeben, wenn ein TV-Kommissar innerhalb seiner Serie gegen einen TV-Kommissar ermittelt, sind schon bei „Columbo“ mehrfach ausgekostet worden. Dieser und / oder seine Frau waren dann meist ausgesprochene Fans der Fernsehpersönlichkeit, z.B. von Ward Fowler alias Inspector Lucerne in „Mord im Bistro“, während Monk sich durch Nichtkenntnis der Brad-Terry-Serie auszeichnet und Szenen, die er im Laufe der Ermittlungen zu sehen bekommt, äußerst skeptisch aufnimmt. Der Spurensicherungs-Hokuspokus, den der Hauptverdächtige in seiner Rolle verantwortet, erinnert an die zum Drehzeitpunkt gerade hoch wogende „CSI“-Welle und ist damit ein ebenso liebenswerter Seitenhieb wie die mehrfachen Verweise darauf, wie verwerflich es doch sei, die Titelmelodie einer eigentlich schon perfekten Serie zu ändern. Ein Schelm, wer dabei an „Monk“ denkt – das Einspielen der alten Staffel-1-Musik während des Abspanns lässt aber wirklich schon ein bisschen Wehmut aufkommen.

Die Vorgehensweise des Täters und die Überführung erinnern dann auch wieder ganz klar an Columbo, dessen Mörder sich gern und vielfach mithilfe von Ton-, Videoband- oder Telefonmanipulationen hochtechnisierte Alibis verschafften (vgl. ebenfalls „Mord im Bistro“ oder auch „Geld, Macht und Muskeln“, „Playback“ oder „Todesschüsse auf dem Anrufbeantworter“). Das hat leider den Nachteil, dass die Folge sehr vorhersehbar wird und man eigentlich schon weiß, worauf alles hinauslaufen wird, bevor die Tat überhaupt begangen wird. Manche Hommage geht eben doch ein bisschen zu weit.

Billy Burke geht der große Star-Appeal von seinem Pendant William Shatner leider auch deutlich ab, sodass sich zwischen ihm und Monk kein wirklich beeindruckendes Duell entwickeln kann. Als am eingängigsten erweisen sich die Szenen mit Groupie Marci Maven, die von der Komikerin Sarah Silverman gespielt wird und am Ende – man ahnt den Fluch der guten Taten und weitere Folgeauftritte – von Brad Terry zu Adrian Monk überläuft, den sie von nun an als den besten Detektiv aller Zeiten preisen wird. Wer mag es ihr diesmal verdenken?

Gubanov Offline




Beiträge: 14.587

06.08.2017 11:55
#34 RE: Monk (2002-09, TV) Zitat · antworten



Mr. Monk und die entführte Großmutter (Mr. Monk and the Missing Granny)

Episode 26 der TV-Kriminalserie, USA 2004. Regie: Tony Bill. Drehbuch: Joe Toplyn. In den Hauptrollen: AM, SF, LS, RD. Mit: Rachel Dratch (Julie Parlo), Pat Crawford Brown (Ruth „Nana“ Parlo), Currie Graham (Harold Maloney), Eden Rountree (Carol Maloney), Michael Shalhoub (Ron Abrash), Larry Hankin (Bearded man), Scott Nankivel (Jeff Burton), Jenni Pulos (Sasha Gordon) u.a. Erstsendung (USA): 6. Februar 2004. Erstsendung (BRD): 1. Februar 2005.

Zitat von Mr. Monk und die entführte Großmutter (26)
Nichtsahnend joggt Julie Parlo zu ihrer Großmutter, als sie sieht, wie zwei vermummte Gestalten ihre Granny am helllichten Tage entführen. Die Polizei misst dem Verschwinden der alten Dame keine große Bedeutung bei und tatsächlich scheint sich alles als eher harmloser Streich einer linken Aktivistengruppe herauszustellen, die im Gegenzug für die Freilassung von Ruth Parlo ein Truthahnessen für Obdachlose fordert. Julie wendet sich allerdings an Mr. Monk, der vermutet, dass mehr hinter der Angelegenheit steckt. Und tatsächlich kommt er einem viel schwerwiegenderen Schwindel auf die Spur!


Zum ersten Mal in der Seriengeschichte bekommt es Mr. Monk hier nicht mit einem Mordfall zu tun. Sonst vom S.F.P.D. in besonders schwierigen Tötungsdelikten hinzugezogen, agiert er diesmal in einem Fall, den Stottlemeyer und Disher geringschätzen, auf Privatdetektiv-Basis. Die Szenen in denen Julie Parlo als Klientin zu ihm in die Wohnung kommt, erinnern beinah an vergleichbare Momente, die so oft Sherlock-Holmes-Geschichten eröffneten. Und auch das Fehlen eines Mordes gerät nicht zu einem Minuspunkt, sondern zu einer einmaligen Chance für die Folge. Durch die Ungewissheit, in welche Richtung sich die Ereignisse bewegen und wie schlimm es noch kommen wird, macht sich beinah ein höheres Spannungslevel als bei den nach der üblichen Formel hergestellten Folgen bemerkbar, was in einer geradezu unheimlichen Szene in der Unibibliothek kulminiert.

Die Idee, einen ziemlich belanglosen Vorfall als Ausgangslage zu wählen, rückt „Mr. Monk und die entführte Großmutter“ in die Nähe solch klassischer Doyle-Fälle wie „Der blaue Karfunkel“ (nicht zuletzt das festliche Geflügelmahl befördert diese Parallele) oder „Die Liga der rothaarigen Männer“. Kleine Hinweise sind es, die ersichtlich machen, dass sich mehr Unheil versteckt „hinter den Kulissen“ abspielt ...

Sowohl die Auflösung als auch die Seitenhandlung um Monks erneuten Versuch, in den regulären Polizeidienst zurückzukehren, halten den Zuschauer bei der Leine. Lediglich die Szene im Prüfungsraum erscheint etwas nutzlos in die Länge gezogen. Auf Seiten der Schauspieler ist eine sehr gute Leistung von Julie Dratch zu verbuchen, die die Schwester des regulären „Monk“-Drehbuchautors und -Produzenten Daniel Dratch ist. Auch Tony Shalhoub lud sich Verwandtschaft ein: Sein Bruder Michael ist in einer Szene als geläuterter Alt-68er-Rebell zu sehen.

Gubanov Offline




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07.08.2017 12:40
#35 RE: Monk (2002-09, TV) Zitat · antworten



Mr. Monk und die Frau des Captains (Mr. Monk and the Captain’s Wife)

Episode 27 der TV-Kriminalserie, USA 2004. Regie: Jerry Levine. Drehbuch: Andy Breckman (Story: Andy Breckman, Beth Landau). In den Hauptrollen: AM, SF, LS, RD, CK. Mit: Glenne Headly (Karen Stottlemeyer), Geoff Pierson (Harry Bolston), Paul Gutrecht (Frank Wicks), Daniel Goddard (Evan Coker), Jesse James (Jared Stottlemeyer), Connor Carmody (Max Stottlemeyer), Rick Ravanello (Detective), Rif Hutton (Dr. Malding) u.a. Erstsendung (USA): 13. Februar 2004. Erstsendung (BRD): 8. Februar 2005.

Zitat von Mr. Monk und die Frau des Captains (27)
Karen Stottlemeyer wird bei einem Autounfall, bei dem ein Heckenschütze den Fahrer eines Abschleppwagens erschießt, schwer verletzt. Captain Stottlemeyer ist am Boden zerstört und greift in seiner Verzweiflung die naheliegendste Spur auf, die eine Verbindung mit einem Streik der Abschlepper-Gewerkschaft nahelegt. Monk ist nicht davon überzeugt, dass der schmierige Streikführer Harry Bolston den Anschlag in Auftrag gegeben hat. Unter anderem beschäftigt ihn die Frage, warum sowohl der Schütze als auch sein Opfer keine Schuhe trugen ...


Erneut gelingt es Glenne Headly, den Zuschauer binnen weniger Augenblicke mit ihrer schrecklich affektierten Art, die Frau von Captain Stottlemeyer zu spielen (tatkräftig unterstützt von der Synchronisation durch Petra Barthel), zum unkontrollierten Augenrollen zu verleiten. Der Umstand, dass sie beim Anschlag des unbekannten Snipers außer Gefecht gesetzt wird, ist also nicht nur ein Antrieb für eine starke Leistung von Serienehemann Ted Levine, sondern vor allem auch eine Beruhigung für die Nerven des Publikums, das „die Frau des Captains“ erst wieder in der Schlussszene in voller Fahrt ertragen muss.

Obwohl der große Katzenjammer um Karen Stottlemeyer sehr weit hergeholt wirkt, weil jede Entsprechung für die abgöttische Liebe ihres Mannes in ihrem Verhalten zu fehlen scheint, nutzen die Macher die Situation immerhin, um darum einen interessanten Fall zu stricken und verschiedentlich Vergleiche mit Monks traurigem Verlust zu ziehen. „Wenn ich sie verliere ... Was ist, wenn ich sie verliere?“ sorgt sich der Captain im Krankenhaus – und man weiß, dass für Monk dieses Problem des Partnerverlusts bereits bittere Realität geworden ist.

Interessant gerät die Struktur der Episode, die als Whodunit beginnt und die Täterauflösung dann nicht bis zum Ende aufhebt, sondern ungefähr auf halber Strecke einstreut. Ab dem zweiten Attentat des Heckenschützen heißt die Frage dann nicht mehr „Wer?“, sondern „Warum?“ – und Andy Breckman liefert eine sehr zufriedenstellende Aufwicklung der Ergebnisse, bei der zwar Monks Unsicherheit über die Vorgeschichte des Täters verwundert, aber zugleich der Sprung des „gestörten“ Detektivs (so drückt sich der ältere der Stottlemeyer-Söhne aus) auf einen fahrenden Müllwagen ein memorables Highlight darstellt. Das gleiche gilt für den Hund, den Sharona am Tatort findet und den sie kurzerhand Adrian nennt, weil er ständig nervös ist und sich putzt. Ähnlich wie Toby in Sherlock Holmes’ „Zeichen der Vier“ lässt sich mit dem vierbeinigen Adrian eine Spur verfolgen, von der Monk und Sharona nicht sofort ahnen, wie heiß sie ist ...

Gubanov Offline




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08.08.2017 15:20
#36 RE: Monk (2002-09, TV) Zitat · antworten



Mr. Monk heiratet Sharona (Mr. Monk Gets Married)

Episode 28 der TV-Kriminalserie, USA 2004. Regie: Craig Zisk. Drehbuch: David Breckman. In den Hauptrollen: AM, SF, RD. Mit: Nestor Carbonell (Dalton Padron), Jane Lynch (Dr. Julie Waterford), Susan Kellermann (Maria Disher), Michael Ensign (Raymond Tolliver), Jessica Lundy (Rachel Sweeney), Patrick Breen (Jeffrey Sweeney), Jim Beaver (Sheriff Mathis), William Sanderson (Joshua Skinner) u.a. Erstsendung (USA): 27. Februar 2004. Erstsendung (BRD): 15. Februar 2005.

Zitat von Mr. Monk heiratet Sharona (28)
Randy Disher ist totunglücklich: Seine Mutter hat nach kurzer Romanze einen windigen Antiquitätenhändler geheiratet, der sie nun direkt nach der Hochzeit in ein Eheberatungsseminar schleift. Aus Mitleid sehen sich Monk und Sharona den frischgebackenen Ehemann Dalton Padron einmal genauer an und entdecken, dass er sich wegen eines mutmaßlich dort versteckten Goldschatzes in die Villa des Beratungsinstituts hineingetrickst hat. Sie geben sich nun ebenfalls als Ehepaar aus und müssen versuchen, den Schatz, der schon zwei Menschenleben gekostet hat, vor Padron zu finden ...


Zugegeben: Die Handlung von „Mr. Monk heiratet Sharona“ ist so abenteuerlich wie selten eine „Monk“-Folge zuvor. Weder das versteckte Gold noch die Indizien noch das Verhalten der Gastfiguren folgt in irgendeiner Weise den Gesetzen der Wahrscheinlichkeit. Doch das spielt ehrlich gesagt eine untergeordnete Rolle, denn die Folge kann dafür in anderen Abteilungen glatte Punktsiege einfahren: Sie ist spannend, temporeich, mitreißend und vor allem unfassbar komisch. Die Idee, dass sich Monk und seine Assistentin Sharona als Ehepaar ausgeben, hätte durchaus auch nach hinten losgehen können, aber die trocken-sarkastische Art, in der Drehbuch und Regie ihr Publikum zu den Verbündeten der Detektive machen, während die gutmütig-verpeilte Ehetherapeutin immer im falschen (richtigen?) Moment Bruchstücke ihrer Streitigkeiten überhört, erweist sich als humoristischer Volltreffer. Das vorgespiegelte Eheleben wird natürlich von Adrian Monks Zwängen bei den normalsten Kleinigkeiten überschattet, was das bloße Zusammenleben in einem Zimmer schwierig gestaltet und den Zuschauern groteske Lachmomente beschert (vor allem, als sich die beiden „Eheleute“ küssen sollen).

So schlägt „Mr. Monk heiratet Sharona“ zwei Fliegen mit einer Klappe: Sowohl Bitty Schram als auch Jason Gray-Stanford (über seine von Susan Kellermann dargestellte Mutter) erhalten Gelegenheit, ihre Figuren weit ins Private auszubauen und noch liebenswerter zu machen. Dank des Verzichts auf unnötige sonstige Rahmenauftritte – Stottlemeyer, Kroger und Benjy tauchen diesmal nicht auf – erscheint die Folge dennoch nicht überfrachtet.

Das Wichtigste: Die Erfahrung im Waterford Institute schließt für alle Beteiligten mit dem Fazit, dass es besser ist, das kurzfristige Ehe-Experiment nicht zu wiederholen. Die Serie widersteht damit der bei Detektivreihen immer im Hintergrund lauernden Versuchung, die Hauptfigur unter die Haube zu bringen (was bei „Monk“ insbesondere in Hinblick auf die Trudy-Geschichte nicht clever gewesen wäre), und gewährt dem geneigten Publikum dennoch den einmaligen Genuss von Screwball-Momenten.

Gubanov Offline




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08.08.2017 17:15
#37 RE: Monk (2002-09, TV) Zitat · antworten



Mr. Monk landet im Gefängnis (Mr. Monk Goes to Jail)

Episode 29 der TV-Kriminalserie, USA 2004. Regie: Jerry Levine. Drehbuch: Chris Manheim. In den Hauptrollen: AM, SF, LS, RD. Mit: Danny Trejo (Spyder Rudner), Tim Curry (Dale Biederbeck), Patrick St. Esprit (Lody), John Cothran (Warden Christie), Kathy Baker (Sylvia Fairbourn), Rick Cramer (Second nazi), David Meunier (Ray Kaspo), Joe Narciso (Medical examiner) u.a. Erstsendung (USA): 5. März 2004. Erstsendung (BRD): 22. Februar 2005.

Zitat von Mr. Monk landet im Gefängnis (29)
Das scheint nun wirklich recht sinnlos: Wenige Minuten, bevor er die Todesspritze gesetzt bekommt, wird der Häftling Ray Kaspo mit einer vergifteten Henkersmahlzeit ermordet. Obwohl seine Klaustrophobie sich bemerkbar macht, ermittelt Monk im Gefängnis von San Francisco, zumal ihm Dale „die Qualle“ Biederbeck, der mittlerweile auch Insasse dort ist, ein unmoralisches Angebot macht: Er verschafft ihm im Gegenzug Informationen über das Ableben von Trudy, wenn Monk den Fall löst. Um das zu schaffen, muss Monk sich selbst als Häftling tarnen ...


War die letzte Folge noch von einem hohen Humoranteil geprägt, so geht es diesmal ernster, um nicht zu sagen gefährlicher und sogar ein bisschen sensibler zu. Natürlich nutzt „Mr. Monk landet im Gefängnis“ die Marotten des Detektivs im streng geregelten und von prolligen Mannsbildern geprägten Knastalltag stellenweise mit Genugtuung aus, doch insgesamt macht sich eine ernsthaftere Herangehensweise bemerkbar, die dem Staffelfinale gut zu Gesicht steht. Befeuert von der Hoffnung, mehr über Trudys letzte Minuten zu erfahren, lässt sich Monk auf ein unsicheres Spiel mit Dale, der Qualle, ein, die man aus Folge #004 bereits kennt. Der Schauspieler hat zwar gewechselt (Tim Curry erscheint noch eindrucksvoller als Adam Arkin in Staffel 1), doch alle Insignien des allwissenden, unausstehlichen Millionärs mit unappetitlicher Körperfülle sind geblieben: Selbst im Knast verzichtet Biederbeck nicht auf Komfort und aushäusige Essenlieferanten und nutzt seinen Einfluss außerdem dazu, um sich wenigstens ein Fenster einbauen zu lassen.

Einprägsame Auftritte als Insassen liefern Danny Trejo und Patrick St. Esprit ab – von beiden droht Monk beachtliche physische Gefahr, sodass sein Ausflug in den „Bau“ durchaus zu seinen bedrohlichsten Abenteuern zu zählen ist. Er erinnert an die klassischen amerikanischen Gefängniskrimis des Film Noir und auch an deren familienfreundlichere Serienaufarbeitung in dem „Mord ist ihr Hobby“-Fall „Skandal hinter Gittern“ von 1985, in dem Jessica Fletcher ihrerseits aber natürlich in einem Frauengefängnis ermittelte.

Zu den Stärken der Folge gehören das Motiv für den Mord, das beachtliche Recherchen des einmaligen „Monk“-Schreibers Chris Manheim verrät (er schrieb übrigens zwischen 1987 und 93 auch acht Mal für „Mord ist ihr Hobby“), sowie die collageartige Verschränkung der finalen Erläuterungen – die diesmal Sharona übernimmt – mit dem spannenden Showdown. So bleibt die Folge positiv in Erinnerung und spornt mit latentem Cliffhanger gleich zum Einlegen von Staffel 3 an, obwohl sich am Anfang der Episode noch ein paar Längen bemerkbar gemacht hatten (das überlange Gespräch der Häftlinge oder Monks Leibesvisitation).

Gubanov Offline




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08.08.2017 17:30
#38 RE: Monk (2002-09, TV) Zitat · antworten



Meine Episodenrangliste zur 2. „Monk“-Staffel

Platz 01 | ★★★★★ | Folge 024 | Mr. Monk, sein Bruder und drei Kuchen
Platz 02 | ★★★★★ | Folge 028 | Mr. Monk heiratet Sharona
Platz 03 | ★★★★★ | Folge 022 | Mr. Monk und der 12. Geschworene
Platz 04 | ★★★★★ | Folge 026 | Mr. Monk und die entführte Großmutter

Platz 05 | ★★★★☆ | Folge 017 | Mr. Monk geht in den Zirkus
Platz 06 | ★★★★☆ | Folge 015 | Mr. Monk fährt nach Mexiko
Platz 07 | ★★★★☆ | Folge 029 | Mr. Monk geht ins Gefängnis
Platz 08 | ★★★★☆ | Folge 019 | Mr. Monk geht mit Sharona ins Theater

Platz 09 | ★★★★★ | Folge 018 | Mr. Monk und der älteste Mann der Welt
Platz 10 | ★★★★★ | Folge 027 | Mr. Monk und die Frau des Captains
Platz 11 | ★★★★★ | Folge 016 | Mr. Monk und das Baseballfieber
Platz 12 | ★★★★★ | Folge 021 | Mr. Monk, ein Playboy und viele schöne Mädchen

Platz 13 | ★★★☆★ | Folge 025 | Mr. Monk und der Fernsehstar
Platz 14 | ★★★☆★ | Folge 014 | Mr. Monk geht wieder zur Schule
Platz 15 | ★★★☆★ | Folge 020 | Mr. Monk und der schlafende Verdächtige

Platz 16 | ★★★★★ | Folge 023 | Mr. Monk und der Zeitungsjunge

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