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Dieses Thema hat 5 Antworten
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 James-Bond-007-Forum
Havi17 Offline




Beiträge: 3.768

14.03.2023 11:04
James Bond, eine Kopie Zitat · Antworten

Die Romanfigur des Lemmy Caution war der erste Geheimagent des Kinos. Hierzu ein Zitat von J. Kramp : "Zum Start 1963 war Dr.No zwar ein kleiner Flop an der Kinokase aber wegweisend für die Zukunft.
Damals waren die Agentenfilme mit Eddie Constantine das Kinogeschäft. Eddie wurde dann im wahrsten Sinne des Wortes von Bond abgelöst. Zitat-Ende.

Mit einem Kinnhaken erledigte er massenweise Gangster. Sein Lieblingsgetränk war Whisky–im Film. Allein in den 50er Jahren erschien er in 18 Spielfilmen auf der Leinwand. Der erste Streifen hieß
"Im Banne des blonden Satans". "Niemand schmust und prügelt so wie Eddie Constantine". Zitat-Ende. Die Romanvorlage stammt von Peter Ceyney, Poison Ivy 1937.

Bereits 1966 gab es bei Matt Helm die Idee des Bösen mit dem Metallschädel gespielt von Richard Devon, die 1977 bei James Bond Einzug hielt.

Vielleicht wisst Ihr noch weitere Ideen?

Gruss
Havi17

Fabi88 Offline



Beiträge: 3.911

15.03.2023 21:28
#2 RE: James Bond, eine Kopie Zitat · Antworten

Ich lasse mich schon wieder viel zu leicht triggern, aber bei dem Thread-Titel ist das von Dir ja auch mit ziemlicher Sicherheit absolut gewollt.
Aber der Reihe nach: Dein erster Satz, der erste Fehler.
Ich wüsste nicht, dass die Lemmy Caution-Reihe noch vor Fritz Langs "Spione" 1928 den Weg in die Kinos fand und auch später (bzw. früher als 1953) gab es in Hollywood im Rahmen der B-Movies und Serials so Einiges Agenten-mäßiges wie "Spy Smasher" von 1942, was in die selbe Kerbe schlägt und teilweise sogar mehr von Bond vorwegnimmt, als Caution. Lemmy Caution erinnert mich doch wesentlich mehr an die späteren Jerry Cotton-Filme als an Bond.

Du schreibst es ja schon: Lemmy Caution erledigt Gangster - und das meist mit den Fäusten. Der Mann arbeitet für das FBI. Die Männer dort heißen zwar auch Agenten, sind aber im Grunde Kriminalpolizisten, keine Spione. Allein da hinkt der Vergleich zu James Bond und Co. Es gibt keine Auftragsmorde für den Staat, keine internationalen Spionagefälle, keine atomare- oder sonstige weitreichende Bedrohung. Alles ein paar Nummern kleiner als die Weltbeherrschungspläne bei Bond.
Eher versuchten die Franzosen da mit der Filmreihe wohl an die von ihnen sehr geschätzten Film Noirs amerikanischer Bauart anzuknüpfen, aber das Ganze noch etwas reißerischer und unernsthafter anzugehen. Wahrscheinlich waren die Rechte an Peter Cheyneys Romanen einfach günstig und man hätte viel lieber Raymond Chandlers Philip Marlowe oder Dashiell Hammets Sam Spade verfilmt, konnte sich das jedoch nicht leisten.
Die Caution-Filme zeigen oder erzählen im Grunde Nichts, was aus Amerika nicht 10 Jahre vorher schon (oft besser ausgeführt) auf die Leinwand kam. Peter Ceyney seinerseits dürfte auch 1936 schon fleißig Dashiell Hammett und Co gelesen haben, bevor er "This Man is Dangerous" schrieb. "Sein Lieblingsgetränk war Whisky" trifft auch etwa auf 95 Prozent aller Hardboiled-Hauptfiguren, die es vorher in Romane und Filme schafften, zu.

Da war Herman Cyril McNeiles mit seinem literarischen Bulldog Drummond schon 1920 eher auf Bond-Pfaden, wobei er die Idee einen Gegner immer wieder auftreten zu lassen ohne Conan Doyles Professor Moriarty wohl auch nicht gehabt hätte. Agentenromane gab es vorher auch schon von John Buchan ("Die neununddreißig Stufen" 1915) und anderen. Ja, Ian Fleming hat James Bond 1953 sicher nicht aus dem literarischen Nichts herbeifantasiert, aber wird sich eher von McNeiles, John Buchan und bekanntermaßen eigenen Erfahrungen im Geheimdienst inspirieren lassen als von einem englischen Hardboiled-Autor aus der zweiten Reihe wie Peter Cheyney.
Was Bond (als Filmreihe) zum Erfolg werden ließ, war ein junger, charismatischer Hauptdarsteller, bunte Bilder, exotisches Flair mit internationalen Drehorten, groß angelegte Pläne dunkler Mächte, extravagante Studio-Sets und dann auch zunehmend Gadgets und Co. Nichts davon bietet Caution. Ganz im Gegenteil wurde Eddie Constantine bewusst als "Gangstertype" gecastet um einen Kontrast zu seiner positiven Ermittlerrolle zu schaffen. Dass der Held dann auch oft mit Frauen rumschäkert genügt nicht für eine direkte Verwandschaft zu Bond.
Bei Lemmy Caution gab es Bond-artiges mit entführtem Wissenschaftler und Co erst ein Jahr nach dem Kinostart von "Dr. No". Bei der günstigen Produktionsweise damals, wird der Film "Zum Nachtisch blaue Bohnen" wahrscheinlich als direkte Antwort auf "Dr. No" produziert worden sein. Andersherum werden Broccoli und Saltzman sicher nicht Lemmy Caution im Kopf gehabt haben, als sie "Dr. No" produzierten. Es lassen sich nämlich zumindest zu den ersten beiden Caution-Filmen "Im Banne des blonden Satans" und "Dieser Mann ist gefährlich" nicht einmal amerikanische oder britische Kinostarttermine finden. Möglich, dass sie dort erst später, nur als Teil von Double Features oder gar nur im TV liefen.

So sehr ich nachvollziehen kann, wenn man seine Liebe für eine bestimmte Filmreihe so lebt, aber der gute Lemmy gibt diese weitreichende Bedeutung, die Du ihm zuschreiben willst objektiv gesehen nicht her. Hier James Bond oder Anderen "Abkupferei" zu unterstellen ist weit überzogen. Die Filme sind international ohne Bedeutung, liefen wohl außer im Heimatland Frankreich nur in Deutschland relativ erfolgreich - wohl weil dort aufgrund des NS-Regimes die Film Noir-Klassiker, bzw. unterhaltsamen B-Movies um FBI-Agenten der 40er-Jahre nie aufgeführt und daher unbekannt waren. Bei der IMDB rangieren die Lemmy Caution-Filme mit wenigen hundert Stimmen alle bei 5 bis knappen 6 Punkten von 10, so dass man hier auch nicht von "übersehenen Perlen" oder ähnlichem sprechen kann.

Und ich schätze Kramp ja sehr, aber wo "Dr. No" ein kleiner Flop gewesen sein soll, wüsste ich gern. Vielleicht reißt Du hier aber ja das Zitat auch wieder irgendwo bewusst aus dem Zusammenhang um dein gewünschtes Ergebnis zu erzielen? Möglicherweise war "Dr. No" in Deutschland nicht sofort ein Riesenerfolg und daher für den Verleih ein "Flop", weil man sich ähnlich volle Kinos wie in Großbritannien und den USA erhofft hatte, aber laut IMDB hat der Film weltweit das 16-fache seines geringen Budgets eingespielt. Zu den Lemmy Caution-Filmen gibt es nicht einmal Zahlen und dass die Reihe ausgerechnet im Moment der Bond-Erfolge eingestellt wurde, spricht auch Bände - hätte dies doch eigentlich der Zeitpunkt sein müssen, wo auch das angebliche (!) "Original" endlich die Anerkennung findet, die es verdient. Stattdessen gab es mit "Alphaville" dann noch einen Film, bei dem Godard sich der Figur des Lemmy Caution bediente um eine Dystopie mit noch stärker in den Vordergrund gestellten Film Noir-Elementen zu schaffen.

Das einzige, was man noch halbwegs als Diskussionsbasis nehmen kann ist dein Hinweis auf Matt Helm und "abgekupferte Ideen" bei Bond. Ja, irgendwann nach "Diamantenfieber" hängten sich die Bond-Produzenten gern an Trends und andere Filme. So ist "Leben und sterben lassen" ein Ritt auf der durch "Shaft" und ähnliche Filme losgetretenen "Blaxploitation"-Welle und "Moonraker" eine mehr als deutliche Reaktion auf den Erfolg des ersten "Star Wars"-Films.
Aber der Beißer in "Moonraker" hat keinen Metallschädel, sondern ein metallenes Gebiss und eine allgemein überzeichnete "eiserne Konstitution". Da hat sicher niemand der Autoren an Matt Helm gedacht.
Eher finden sich in "Moonraker" zahlreiche Elemente aus dem amüsanten Agentenfilm "Unser Mann in Rio".

Savini Offline



Beiträge: 756

16.03.2023 08:55
#3 RE: James Bond, eine Kopie Zitat · Antworten

Eine kleine Ergänzug zu diesem sehr interessanten Beitrag: Vieles, was man heute fest mit James Bond verbindet (exotische Schauplätze, überzeichnete Widersacher) findet sich haufenweise schon in den amerikanischen Serials der 30er/40er. Das Motiv, dass man eine völlig umständliche Methode wählt, um den Helden sterben zu lassen, kam etwa in den Sherlock-Holmes-Filmen mit Basil Rathbone vor und wurde in einem davon ("Die Geheimwaffe") bereits ironisch kommentiert. Das hiesige Punlikum zumindest kannte diese Filme in den 60ern natürlich praktisch gar nicht, weshalb diese Assoziationen damals fehlten.
Woanders habe ich mal mit jemandem darüber diskutiert, X meinte, dass es zwischen James Bond undden Serials drei wesentliche Unterschiede gegeben habe:
1.: Bei Bond stand ein viel höheres Budget und mehr Zeit zur Verfügung, weshalb man in anderen Ländern oder sogar auf anderen Kontinenten drehte; Serials dagegen beschränkten sich auf Studiokulissen und Archivbilder.
2.: Die Bösewichter wählten zwar spektakuläre Tode für ihre Gegner vor, wurden aber selbst am Ende einfach abgeführt, erschossen oder starben off screen.
3.: Schöne Frauen, die gerettet/beschützt werden mussten oder als Verführerinnen dienten, gab es in den Serials zwar auch, aber die Helden blieben natürlich keusch.
Übrigens erwähnte X auch den um 1960 sehr populären Dick Barton, der sich mit "Mein Name ist Barton, Dick Barton" vorstellte und seinen Hut schwungvoll an den Ständer warf; und er erwähnte, dass Patrick McGoohan als John Drake mitunter auch sehr "bondige" Dialoge gehabt habe.

Zitat von Fabi88 im Beitrag #2
Das einzige, was man noch halbwegs als Diskussionsbasis nehmen kann ist dein Hinweis auf Matt Helm und "abgekupferte Ideen" bei Bond. Ja, irgendwann nach "Diamantenfieber" hängten sich die Bond-Produzenten gern an Trends und andere Filme. So ist "Leben und sterben lassen" ein Ritt auf der durch "Shaft" und ähnliche Filme losgetretenen "Blaxploitation"-Welle und "Moonraker" eine mehr als deutliche Reaktion auf den Erfolg des ersten "Star Wars"-Films.

Das "James-Bond-Buch" von Klaus-Peter Walter aus dem Jahr 1995 wird darauf genauer eingegangen, dass James Bond irgendwann zwangsläufig andere Filme/Serien kopieren musste, da das, was ihn auszeichnete, irgendwann jeder Held in einer normalen Krimiserie auch konnte. Auch John Gardner sei in seinen Bond-Romanen so verfahren, weshalb Walter spöttisch fragt, wann James Bond wohl in einem Dino-Park landen werde, nachdem er das in einem Comic bereits getan habe.
Zitat von Fabi88 im Beitrag #2
Aber der Beißer in "Moonraker" hat keinen Metallschädel, sondern ein metallenes Gebiss und eine allgemein überzeichnete "eiserne Konstitution". Da hat sicher niemand der Autoren an Matt Helm gedacht.
Eher finden sich in "Moonraker" zahlreiche Elemente aus dem amüsanten Agentenfilm "Unser Mann in Rio".

Die Eröffnungssequenz von "Moonraker" erinnert übrigens an das Finale von "Fantomas bedroht die Welt", wobei die Szene in "Moonraker" natürlich inhaltlich und von der Inszenierung her viel spektakulärer ist.

Savini Offline



Beiträge: 756

16.03.2023 10:31
#4 RE: James Bond, eine Kopie Zitat · Antworten

Zitat von Savini im Beitrag #3
Die Eröffnungssequenz von "Moonraker" erinnert übrigens an das Finale von "Fantomas bedroht die Welt", wobei die Szene in "Moonraker" natürlich inhaltlich und von der Inszenierung her viel spektakulärer ist.

Korrektur: Die an "Moonraker" erinnernde Szene gab es in "Fantomas gegen Interpol".

Havi17 Offline




Beiträge: 3.768

16.03.2023 18:45
#5 RE: James Bond, eine Kopie Zitat · Antworten

Zitat von Havi17 im Beitrag #1
Die Romanfigur des Lemmy Caution war der erste Geheimagent des Kinos. Hierzu ein Zitat von J. Kramp : "Zum Start 1963 war Dr.No zwar ein kleiner Flop an der Kinokase aber wegweisend für die Zukunft.
Damals waren die Agentenfilme mit Eddie Constantine das Kinogeschäft. Eddie wurde dann im wahrsten Sinne des Wortes von Bond abgelöst. Zitat-Ende.

Mit einem Kinnhaken erledigte er massenweise Gangster. Sein Lieblingsgetränk war Whisky–im Film. Allein in den 50er Jahren erschien er in 18 Spielfilmen auf der Leinwand. Der erste Streifen hieß
"Im Banne des blonden Satans". "Niemand schmust und prügelt so wie Eddie Constantine". Zitat-Ende. Die Romanvorlage stammt von Peter Ceyney, Poison Ivy 1937.

Bereits 1966 gab es bei Matt Helm die Idee des Bösen mit dem Metallschädel gespielt von Richard Devon, die 1977 bei James Bond Einzug hielt.

Vielleicht wisst Ihr noch weitere Ideen?

Es geht nicht um die amerikanischen Kinos, das wäre natürlich noch zu ergänzen gewesen. Auch Joachim bezog sich nicht darauf. In den USA gibt es schon lange Geheimagenten, z.B. Dick Barton, welchen ich auch als Serie kenne. Der Hinweis zu dem Metallschädel bezog sich auf die Idee mit dem großen Magneten, bei dem Devon am Kopf hochgezogen wurde, beim Beißer natürlich an den Zähnen.

Gruss
Havi17

Fabi88 Offline



Beiträge: 3.911

16.03.2023 19:38
#6 RE: James Bond, eine Kopie Zitat · Antworten

Zitat von Havi17 im Beitrag #5
Es geht nicht um die amerikanischen Kinos, das wäre natürlich noch zu ergänzen gewesen. Auch Joachim bezog sich nicht darauf. In den USA gibt es schon lange Geheimagenten, z.B. Dick Barton, welchen ich auch als Serie kenne. Der Hinweis zu dem Metallschädel bezog sich auf die Idee mit dem großen Magneten, bei dem Devon am Kopf hochgezogen wurde, beim Beißer natürlich an den Zähnen.

Die von uns angesprochenen Filme liefen aber zumindest auch in Frankreich, bzw. waren den dortigen Filmemachern bekannt, so dass auch dort Lemmy Caution kein Pionier auf irgendeinem Gebiet war.

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