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 Romane
Georg Offline




Beiträge: 2.911

23.04.2018 19:00
Die Millionengeschichte (1926) Zitat · antworten

Nach langer Zeit habe ich mir auch wieder mal einen Wallace vorgenommen:

Die Millionengeschichte (The Million Dollar Story)

Originalausgabe: 1926
Übersetzung ins Deutsche von Hans Herdegen
gelesene Ausgabe: Goldmann 1990

Ein paar Worte von mir zum Inhalt: Es schüttet in Strömen und der begüterte John Sands steuert seinen teuren Wagen durch die Landschaft. Unter einem Baum kauert eine Frau. Es handelt sich dabei um Margaret Maliko, die aus dem Gefängnis entflohen ist. Dort saß sie wegen Giftmords an ihrem Mann. Sie ist aber anscheinend unschuldig. Margaret Maliko wird von John Sands in seine Wohnung mitgenommen. Er erzählt ihr von seinem Freund Harry Leman, einem reichen Amerikaner, der in London lebt und Junggeselle ist. Der Plan: Margaret soll Harry heiraten. Alles geschieht unter dem Mantel der Verschwiegenheit. Jimmy Cassidy, ein junger Reporter, stellt eines Tages Nachforschungen an. Er möchte für seinen Verleger eine Sensationsgeschichte, die er selbst „Millionengeschichte“ nennt, schreiben. Dabei stößt er auf Ungereimtheiten, was die Hochzeit Lemans betrifft. Wenig später ist der Millionär tot. Er wurde vergiftet. Inspektor Blessington lässt seine Nichte Faith verhaften, da alle Indizien darauf hindeuten, dass sie es aus Gier getan hat. Cassidy glaubt an die Unschuld der jungen Frau und sucht Beweise für den waren Tathergang und nach dem wahren Mörder ...

„Die Millionengeschichte“ ist ein recht kurzer, aber zügig zu lesender Wallace-Roman, der durch seine Szenen im peitschenden Regen am Beginn der Geschichte den Leser gleich in ihren Bann zieht. Dieses Niveau kann der Krimi dann nicht durchgehend halten, aber er ist auch nie langweilig. Einziges Problem des Whodunit-Rätsels ist, dass nur wenige für den Übeltäter in Frage kommen. Außerdem wird rund 25 Seiten vor Schluss schon dessen Identität verraten. Dies führt aber auch dazu, eines der interessantesten Täterporträts in der Wallace’schen Welt abzuliefern. Ein Täter, der an Sadismus und Brutalität nicht zu überbieten ist und diese, wie er selbst sagt (siehe Zitat), im Opportunismus begeht. Nach (wenn auch rund 25 Jahre zurück liegender) Lektüre von rund 80 Wallace-Romanen kann ich mich jedenfalls an keinen derartig perfiden und Gewalt bereiten Charakter erinnern. Er peitscht sogar Frauen aus, um an sein Ziel zu kommen.

Der hier ungenannte Täter erklärt es gegen Ende des Buches (in der Goldmann-Ausgabe auf Seite 113) selbst so: „In den wenigen Minuten [...] müssen Sie den Eindruck erhalten haben, daß ich grausam bin, nur weil mir Grausamkeit Vergnügen bereitet. Aber nichts liegt mir ferner. Ich kann mich sogar rühmen, niemals einen Menschen oder ein Tier verletzt zu haben, es sei denn, daß ich es tun mußte, um mir Vorteil zu verschaffen. Man geht doch auch nicht einfach zu einem Pferd und schlägt es zwecklos mit der Peitsche, das tut höchstens ein brutaler Mensch, der Freude daran hat, Tiere zu quälen. Aber wenn man keine Zeit hat und den Zug erreichen muß, gibt man dem Pferd vor dem Wagen die Peitsche, damit es schnelle geht. Ist das etwa Grausamkeit? Nein, durchaus nicht - das ist eiserne Notwendigkeit. [...] Ich habe [PERSON WIRD NICHT GENANNT] Schmerzen verursacht, aber nur dadurch habe ich mich vor Schaden bewahren können.“

Insgesamt sicherlich einer der unbekannteren Wallace-Romane, was sich auch an der Tatsache manifestiert, dass die Geschichte nie verfilmt (und vertont?) wurde. Der Titel ist wohl auch nicht so anziehend für einen Krimi. Leicht lesbare Krimikost, die man problemlos zügig konsumieren kann.

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