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Gubanov Offline




Beiträge: 14.747

15.06.2017 17:15
Death Steps in the Dark (1976/77) Zitat · antworten



Death Steps in the Dark (Passi di morte perduti nel buio)

Kriminalfilm, IT / GR 1976/77. Regie: Maurizio Pradeaux. Drehbuch: Arpad de Riso, Maurizio Pradeaux. Mit: Leonard Mann (Luciano Morelli), Robert Webber (Inspektor), Susy Jennings (Ulla), Nikos Verlekis (Raul Komakis), Vera Krouska (Ingrid Stelmosson), Antonio Maimone (Omar Effendi), Barbara Seidel (Ida Tuclidis), Andreas Ioannou (Mr. Tuclidis), Anestis Vlahos (Salvatore), Evagelia Samiotaki (Baffo) u.a. Uraufführung (IT): 17. Februar 1977.

Zitat von Death Steps in the Dark
Im Expresszug von Istanbul nach Athen wird eine Passagierin während einer Tunneldurchfahrt inmitten einer Gruppe Mitreisender erstochen. Der Besitzer des für die Tat verwendeten Brieföffners, Luciano, gerät unter Mordverdacht. Während Luciano den leitenden Inspektor von seiner Unschuld zu überzeugen versucht, setzt der wahre Mörder sein blutiges Handwerk in Athen mit einem Rasiermesser fort, um sich einiger lästiger Erpresser und Mitwisser zu entledigen. Für Luciano, der nach den weiteren Taten flüchtig ist, beginnt ein Spiel gegen die Zeit um seine Freiheit und sein Leben ...


Obwohl Maurizio Pradeaux’ erster Giallo „Die Nacht der rollenden Köpfe“ insbesondere hier im Forum einen sehr guten Ruf besitzt, war ich bei meiner Erstsichtung davon nicht besonders angetan. Umso gespannter war ich, ob sein zweiter Beitrag zur gelben Reihe mich mehr überzeugen würde, zumal sich die Situation mit dem Mord im Zug in Südosteuropa (Erinnerungen an Agatha Christie werden wach!) auf dem Papier sehr vielversprechend liest. Tatsächlich liefert Pradeaux einen soliden Einstieg, indem er den Mörder in PoV-Perspektive an Schaffner und Abteilen vorbei durch den Zug laufen und seine Tat vorbereiten lässt. Auch die Ausführung des ersten Mordes – Einfahrt in den Tunnel, totale Finsternis, ein Schrei, Ausfahrt aus dem Tunnel, Leiche inmitten eines vollbesetzten Abteils – gestaltet sich reizvoll. Da ist es ein wenig schade, dass man bei dem überaus sommerlichen Wetter des Films in Ermangelung einer den Zug aufhaltenden Schneewehe den „Orient-Express light“ schon bald wieder verlassen muss.

Doch auch die ersten Ermittlungen und die den Killer in die Ecke drängenden Erpressungsversuche gestalten sich spannend und wurden flüssig in Szene gesetzt. Athen als Schauplatz für einen Giallo ist eine ungewöhnliche, aber ansprechende Wahl, zumal hier durch das Verweilen in der Stadt der Akropolis, durch die griechische Produktions- und Schauspielerbeteiligung und durch die Alltäglichkeit der Szenen ein wirklich authentisches Lokalkolorit, stärker als etwa in „Der Schwanz des Skorpions“, vermittelt wird. Auch wenn sich Pradeaux bemüht, wohlbekannte Giallo-Merkmale einfließen zu lassen (der schwarzgemantelte Killer mit den Handschuhen und dem Rasiermesser, die argentoesken Blicke in seine Augen, der J&B-Whiskey in der Kulisse), wirkt „Death Steps in the Dark“ durch den anderen Schauplatz einerseits, durch die eher glanzlose Inszenierung andererseits doch wie ein ganz eigenes Gewächs – fast eher wie ein TV-Film und auf jeden Fall wie ein Low-Budget-Titel.



Die Mordszenen sind im Großen und Ganzen gelungen und angemessen blutig, auch einige Verdächtige machen ihren Job ausgezeichnet: Nikos Verlekis als sympathischer Erpresser, die an Uta Levka in Dunkel erinnernde Suzy Jennings als profitgierige Affäre und der als falscher Priester getarnte Antonio Maimone sind diesbezüglich besonders hervorzuheben. Auch Robert Webber als Ermittler wird denjenigen gefallen, die der Polizistenrolle ein wenig Humor nachsehen können (der Arme wird den ganzen Film über von Magenproblemen gequält). Andererseits verschenkt sich der Film die ganz großen Spannungshöhepunkte durch einen absolut unangebrachten, dummen und übertriebenen Klamauk in anderen Rollen. Hierbei fällt vor allem das „Blondchen“ Vera Krouska als schwedisches Model Ingrid auf, die Ingrid Bergmans Schusseligkeit ihrer Landsmännin aus „Mord im Orientexpress“ mit Rika Dialinas naivem Blödelhumor aus „Die Todesstrahlen des Dr. Mabuse“ kombiniert. Eine scheußliche Mischung, die einem jede Szene mit ihr schon von Anfang an vergellt. Gerade zum Ende hin werden dann zunehmend weitere Figuren dieser Machart eingeführt (der Schwarzhändler, die Safeknackerin) und auch der etwas blasse Hauptdarsteller Leonard Mann gibt sich für einige Albernheiten her, die der Film wahrlich nicht gebraucht hätte.

Die intendierte Mischung aus Giallo und Komödie verleiht „Death Steps in the Dark“ zwar ein gewisses Alleinstellungsmerkmal, allerdings ist der Preis, der dafür bezahlt wird (ein eigentlich gut ausgedachtes, aber durch Witzeleien verschenktes Finale), unverhältnismäßig hoch, zumal der Humor auf den heutigen Zuschauer fast durchgängig platt und billig wirkt. Das Einzige, was mich in Bezug auf den Film wirklich zum Lachen gebracht hat, ist der in der IMDb hinterlegte deutsche Titel (Videoauswertung oder ausgedacht?) – ein einmaliges Elaborat bester Schmuddelfrotzelei: „Ladykiller – Ihre Brüste wackelten im Todestakt“. In der OFDb wird er gar nicht erst geführt; dort ist die Produktion unter ihrem angemesseneren englischen Synchrotitel gelistet. Zwar gibt es in dem Film die übliche Prise Erotik zu sehen, für die Susy Jennings sowohl mit Männlein als auch mit Weiblein in die Kiste steigt, doch ins Übermaß verfällt „Death Steps in the Dark“ in dieser Beziehung nicht.

Außergewöhnlicher Schauplatz routiniert inszeniert. Maurizio Pradeaux erweist sich auch in seinem zweiten Giallo als eher durchschnittlicher Regisseur, der nicht an Stilblüten begabterer Kollegen anknüpfen kann, aber einen handfesten Krimi liefert, welcher leider viel an übertriebenem Klamauk und teilweise zu dick aufgetragenen Schauspielerleistungen einbüßt. Die Entscheidung, welche seiner beiden Arbeiten ich bevorzugen würde, fällt mir schwer. 3 von 5 Punkten.

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