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Beiträge: 14.376

30.12.2016 22:05
Warum musste Staatsanwalt Traini sterben? (1975) Zitat · antworten



Warum musste Staatsanwalt Traini sterben? / Der Terror führt Regie
(Perché si uccide un magistrato)


Kriminalfilm, IT 1975. Regie: Damiano Damiani. Drehbuch: Damiano Damiani, Fulvio Gicca Palli, Enrico Ribulsi. Mit: Franco Nero (Giacomo Solaris), Françoise Fabian (Antonia Traini), Marco Guglielmi (Staatsanwalt Alberto Traini-Luis), Pierluigi Aprà (Fornari), Renzo Palmer (Vincenzo Terrasini), Gianni Zavota (Commissario Zamagna), Elio Zamuto (Abgeordneter Selimi), Giancarlo Badessi (Abgeordneter Derrasi), Luciano Catenacci (Anwalt Meloria), Giorgio Cerioni (Dr. Valgardeni) u.a. Uraufführung (Italien): 5. Februar 1975. Uraufführung (Deutschland): 7. September 1977.

Zitat von Warum musste Staatsanwalt Traini sterben?
Der aufmüpfige Regisseur Giacomo Solaris stellt mit seinem Film, der zwar falsche Namen nennt, sich aber sonst offen auf Palermos Oberstaatsanwalt Traini und dessen angebliche Involvierung in mafiöse Aktionen bezieht, einige hohe Tiere der sizilianischen Gerichtsbarkeit bloß. Er erwartet, dass Traini den Film beschlagnahmen lässt, doch dieser demonstriert ihm stattdessen, dass ihm die Anschuldigungen nichts anhaben können. In diesem Punkt irrt sich Traini, denn bald darauf wird er erschossen. Eine Folge von Giacomos filmischer Kampagne oder ein Mafiaverbrechen? Der Filmemacher und die Ehefrau des Staatsanwalts gehen mehreren Spuren nach ...


Der marode, mafiadominierte italienische Süden ist mittlerweile zum filmischen Klischee geworden, dessen sich auch das große Hollywood-Kino mehrfach angenommen hat. Mehr Authentizität darf man von jenem Filmemacher erwarten, dessen Filme das Genre in seiner Heimat Ende der 1960er und Anfang der 1970er Jahre begründeten. Damiano Damiani, der schon „Der Tag der Eule“ (1968) und „Der Clan, der seine Feinde lebendig einmauert“ (1971) gedreht hatte und auf dessen Konto auch der 80er-Jahre-TV-Erfolg „Allein gegen die Mafia“ ging, glich in seinem andauernden, politisch motivierten „Enthüllungskampf“ gegen verfilzte, verbrecherische Strukturen in hohen gesellschaftlichen Kreisen dem hier vorgestellten Protagonisten Giacomo, der mit Filmen, die auf gesellschaftlichen Missständen basieren, seinen Gerechtigkeitsdrang befriedigen will. Natürlich bleibt Giacomo dann auch eine moralisch überlegene Figur, die in ein Wespennest aus Vetternwirtschaft und Geheimniskrämerei sticht; doch auf selbstkritische Weise reflektiert Damiani gleichfalls die Konsequenzen, die rücksichtslos anklagende Massenmedien aufwirbeln. Giacomos Film, den der Regisseur sicher nicht aus Zufall als einen stummen Theaterepos von bizarr-surrealistischer Ausgestaltung zeigt, bringt ein zwar zweifelhaftes, aber vorsichtig austariertes Fass zum Überlaufen – und während einige Mitstreiter des Mafiafeindes sich über Staatsanwalt Trainis Tod freuen, muss Giacomo ihnen grundlegende humanistische Werte in Erinnerung rufen.



Leider muss nach Trainis Tod ein gewisser Abfall nicht nur im Spannungsbogen, sondern auch in der inszenatorischen Qualität des Films verzeichnet werden. Marco Guglielmi, den aufmerksame Krimifreunde als jungen Kriminalassistenten in „Der Teppich des Grauens“ kennen, holt aus dem Mordopfer in den ersten Minuten des Films so viele interessante Facetten heraus, dass sein frühes Ableben äußerst bedauerlich und dem weiteren Handlungsverlauf abträglich ist. Neben dem bereits erwähnten Film-im-Film gerät vor allem die Konfrontation der beiden Antagonisten in Trainis verdunkelten Privaträumen zu einem atmosphärischen Höhepunkt, der an Auseinandersetzungen zwischen Sherlock Holmes und Professor Moriarty erinnert. Der tote Traini hinterlässt eine Lücke, die nicht nur die Figuren schockiert, sondern es dem Film darüber hinaus auch erschwert, mit einem adäquaten Ersatz aufzuwarten. Die Paarung Giacomos mit der Frau des Toten, die mit ihm eigentlich nichts zu tun haben will, überzeugt nicht ganz und gerät bisweilen allzu wankelmütig bzw. hysterisch, wobei im Rahmen der Handlung – gerade in Hinblick auf die überraschende Lösung – auch kaum mehr möglich gewesen wäre. Franco Neros Leistung schmälert das auf keinen Fall; er bleibt als charismatische Identifikationsfigur von Anfang bis Ende im Fokus, wobei ihm diese Funktion als Kämpfer gegen das gesammelte Who-is-Who der sizilianischen Filzokratie auch gewissermaßen in den Schoß fällt.

Nach einem vergleichsweise ruhigen Mittelteil bäumt sich der Film am Ende noch einmal auf. Damiani verzichtet auf Gewaltorgien, Sex und Abseitiges und greift lieber auf den psychologischen Trick zurück, seinem mühevoll aufgebauten Helden einen Pyrrhussieg aufzubürden. Der Zuschauer soll von der dokumentarfilmähnlichen Realitätstrue des Films beeindruckt werden, die Machtlosigkeit des in Giacomo gespiegelten Damiani erahnen und zugleich dessen menschliche Größe nachvollziehen – abermals dankbare Minuten für Nero. Auch die getragenen, melancholischen Töne, die Riz Ortolani diesem Film angedeihen ließ, fügen sich perfekt in die Stimmung ein, die trotz strahlenden Wetters und großzügiger Stadt- und Landschaftsaufnahmen eher bedrückt ist.

Ambitionierter Mafia-Polizei-Film, dessen persönliche Note über seine verhaltene Machart hinwegtröstet. Ein starker, typgerecht besetzter Franco Nero verliert seinen besten Gegenspieler, der im eigentlichen Sinne des Wortes gar kein so erbitterter Gegner war, wie „Standesdünkel“ vermuten lassen würden, leider schon früh im Film. Im Anschluss an diesen ergriffen machenden Mord (der leider unverständlicherweise offscreen geschieht) widmet er sich einer typischen Sisyphusarbeit gegen politische Blutsbrüderschaften und müde Behörden. 3,5 von 5 Punkten.



Die DVD von Colosseo-Film / FilmArt: Der Film von Damiano Damiani erschien schon 2007 unter seinem Originaltitel bei Colosseo auf DVD. Seitdem wurde sie in diversen Auflagen wiederveröffentlicht, v.a. als „Der Terror führt Regie“. Die Edition von FilmArt zum Beispiel präsentiert die Scheibe in einer auf 500 Exemplare limitierten kleinen texturierten Hartbox mit hübsch gezeichnetem Cover-Artwork. Soweit mir bekannt ist, enthalten aber alle Versionen die gleiche DVD. Diese enthält den Film in sehr guter Bildqualität, gibt aber darüber hinaus nicht viel her. Die Auswahl zwischen deutschem und italienischem Ton ist eigentlich keine, da Untertitel fehlen, sodass die meisten Zuschauer auf die Synchronisation angewiesen sein dürften. Auch auf Bonusmaterial muss man verzichten – außer einem italienischen Trailer wird nichts geboten. Insgesamt ein vernünftiges, aber etwas spartanisches Paket, bei dem man im 10-Euro-Bereich nichts falsch macht.

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