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Dieses Thema hat 9 Antworten
und wurde 3.306 mal aufgerufen
 Off-Topic
Peter Offline




Beiträge: 2.845

07.04.2014 19:07
Top-15 der deutschen Hörbuch-Sprecher Zitat · Antworten

Hallo zusammen,
hier kommt die Revolution. Endlich mal ein Ranking im Forum, wir hatten ja noch nie eines... ... Und doch irgendwie neu, denn:

Es geht um Schauspieler ohne Film, Geschichten ohne optische Elemente, kurzum: die besten Hörbuch-Sprecher.

Da mir die Rhein-Main-Verkehrslage vor einigen Jahren die Sammlung und den ausgiebigen Genuss von Hörbüchern nahegelegt hat, entwickelte sich ein gewisser Erfahrungsschatz, der freilich alles andere als repräsentativ ist. Daher sind Meinungen und Infos, Ergänzungen und Erweiterungen Eurerseits bitter nötig und ausdrücklich erwünscht. Zumal sich nur eine Frau in meinem Ranking befindet. Keine böse Absicht, ganz ehrlich. Dafür soll sie auch ganz oben stehen.

Hier also meine persönlichen Top-15:

Platz 01: Katharina Thalbach
Unendlich viel mehr als die hiesige Quotenfrau. Die Vollblut-Mimin veredelt den besten Shakespeare - wer zweifelt daran, dass es sich um Macbeth handelt - ganz allein zum ebenso lebendigen wie todessuchenden Hörspiel. Der Killerspruch für Krimifreunde: "Ich ging so tief ins Blut hinein, dass schwerer war zurückzugehen, statt weiterwaten - und es durchzustehen...!"... Vielleicht klappt´s ja mal live zum Literatursommer in Bad Homburg....

Platz 02: Klaus Löwitsch
Ob im legendären Populär-Hörspiel (Per Anhalter durch die Galaxis) oder in der in humoristischer Stimmung mit verschiedenen Dialekten (Pension Grillparzer) bis hin zu tiefsinnig analytischen Literaturbetrachtungen (Offenbarung und Untergang; Ich Kreatur...): Seine akzentuiert-spielerisch Stimmfärbung drückte einfach alles aus.

Platz 03: Ulrich Matthes
Hat vielleicht die sensibelste aller Stimmen, habe ihn auch schon unvergesslich live auf der Bühne gesehen. Ausgewiesener Spezialist für Camus, Kafka und Joseph Roth. Liest Matthes "Die Pest", geht der Hörer wohlig schauernd in Quarantäne. Aber Vorsicht: Yersinia pestis kriecht bedrohlich immer näher...

Platz 04: Christian Brückner
Einer der besten Noir-Stimmungsverbreiter, nicht nur für Chandler-Stoffe. Brückner ist dort, wo die Gangster agieren. Und wenn Brückner den Paten liest, fühlt es sich an, als säße Robert DeNiro als Beifahrer und würde Dir die Corleone-Geschichte aus eigenem Erleben ins Ohr flüstern. Vielseitig genug auch für sensiblere Stoffe (Joyce, Baricco).

Platz 05: Hans Korte
Keiner bringt uns den geliebten Dürrenmatt näher. Auch ohne Schwyzerdütsch der perfekte Bärlach in allen Lebenslagen. Intensiv und überzeugend auch bei Andersch oder Solschenizyn, reüssiert einfach auf ganzer Palette.

Platz 06: Helmut Griem
Gebildet, geerdet, introvertiert. Doch wehe, er orientiert sich 180 Jahre zurück und stößt auf den unbeugsamen Jungbürger, von dessen Art es in Hessen und der ganzen Republik zu wenige gab und gibt: Dann wird Griem in den wutbebenden und Gerechtigkeit suchenden Worten Georg Büchners zum Vulkan.

Platz 07: Walter Richter
Noch einer, der aus purem Gerechtigkeitsbedürfnis einen selbstmörderischen Wahnsinn entwickelt und den Hörer von "Michael Kohlhaas" voll emotionalisiert: Während es Schlöndorff im Film mit David Warner, einem denkbar ungeeigneten "Säulenheiligen" (so der Regisseur selbst) versuchen musste, wird das Hörspiel von einem authentisch-rustikalen Wutbürger getragen. Das hätte Kleist gefallen.

Platz 08: Hans-Peter Hallwachs
Verdammt glaubwürdiges Bogart-Pendant als Hörspiel-Marlowe, resp. Spade. Mal clever und schmierig, mal ehrlich und schwierig, mal hartgesotten und voll versoffen, immer an der Front zwischen Gangstern und Bullen. Als Schlaumeier und Prügelknabe. Angenehm gemütliches Zuhören im weichen Sitz.

Platz 09: Matthias Brandt
Lange unterschätzter Spitzenschauspieler, dessen vorsichtige und dennoch packende Erzählerstimme in den Bann zieht. Denkwürdiger Grenzgänger Leamas als "Spion, der aus der Kälte kam".

Platz 10: Otto Sander
Abgeklärt und rauchig, ohne je seine Spitzbübigkeit abgelegt zu haben. Gut aufgehoben bei den schwermütig-sarkastischen russischen Klassikern.

Platz 11: Johannes Steck
Wenn er liest, benötigen die Stoffe von Edgar Wallace keine Bilder. Idealer Zugang für Romane, die sich nicht auch unter den populären und gelungenen Verfilmungen wiederfinden.

Platz 12: Oliver Siebeck
Die James-Bond-Abenteuer-Stimme schlechthin. Der verbrecherische Schmutz klingt immer mit. Genau wie die Coolness des Star-Agenten.

Platz 13: Hans Paetsch
Darf in einem solchen Ranking nicht fehlen. Keineswegs nur der Märchenonkel, den alle Mittelalten aus der Kindheit kennen. Macht sich auch bei Poe oder Dostojewski hervorragend. Wieviele derart markante, sonore Stimmen hat man überhaupt je gehört? Sehr wenige.

Platz 14: Christian Rode
Sollte man sich wirklich nach einem Nachfolger von Hans Paetsch umschauen, stößt man zwangsläufig auf die liebenswerte Stimme von Christian Rode. Und außerdem kann man Wilhelm Hauff für "Das kalte Herz" gar nicht oft genug ins warme Herz schließen....

Platz 15: Will Quadflieg
Alter Klassiker unter den alten Klassikern. Er ist Goethes Faust - und er ist Hesses Steppenwolf. Wer denn sonst?

Gubanov Offline




Beiträge: 16.116

07.04.2014 20:03
#2 RE: Top-15 der deutschen Hörbuch-Sprecher Zitat · Antworten

Eine interessante Liste. Außerhalb des Krimi-Bereichs kann ich leider nicht viel mitreden. Aber schön, dass Hans Paetsch schon genannt wurde. Ich würde bei Edgar Wallace Robert Giggenbach ergänzen. Außerdem höre ich Friedhelm Ptok immer wieder gern.

Jack_the_Ripper Offline




Beiträge: 388

07.04.2014 21:36
#3 RE: Top-15 der deutschen Hörbuch-Sprecher Zitat · Antworten

Jenseits des Krimibereiches kann ich hier leider nichts beitragen, sehr gerne hab ich zuletzt Jürgen Tarrach zugehört, der Agatha Christies "Das Böse unter der Sonne" für den Hörverlag gelesen hat, als schlimme Enttäuschung erwies sich die beim gleichen Label erschienene Lesung von "Tod auf dem Nil" durch Gerd Anthoff - hier musste ich mich nach kurzer Zeit geschlagen geben.

Peter Offline




Beiträge: 2.845

08.04.2014 15:32
#4 RE: Top-15 der deutschen Hörbuch-Sprecher Zitat · Antworten

Zitat von Gubanov im Beitrag #2
Ich würde bei Edgar Wallace Robert Giggenbach ergänzen.

Trifft sich gut. Meine erste Begegnung mit Robert Giggenbach ist ohnehin vorgesehen. Sobald die verzinkte Schreckensbande zum Tuch greift....

Peter Offline




Beiträge: 2.845

08.04.2014 20:06
#5 RE: Top-15 der deutschen Hörbuch-Sprecher Zitat · Antworten

Zitat von Jack_the_Ripper im Beitrag #3
Jenseits des Krimibereiches kann ich hier leider nichts beitragen, sehr gerne hab ich zuletzt Jürgen Tarrach zugehört, der Agatha Christies "Das Böse unter der Sonne" für den Hörverlag gelesen hat, als schlimme Enttäuschung erwies sich die beim gleichen Label erschienene Lesung von "Tod auf dem Nil" durch Gerd Anthoff - hier musste ich mich nach kurzer Zeit geschlagen geben.

Anthoff ist mir noch nie als Sprecher untergekommen. Allerdings habe ich in Erinnerung, dass ich ihn in anderem Zusammenhang, im Anti-Top-Ranking der Derrick-Darsteller, mal genüßlich als ewig-exaltierte Nervensäge verrissen habe. War wohl absolut kein Irrtum. Das ist beruhigend...
Auch Tarrach kenne ich bislang nur als Schauspieler - aber als guten. Mit "Das Böse unter der Sonne" könnte ich ihn mir gut vorstellen und behalte dies mal im Hinterkopf. Selbst wenn ich die Story schon allzu gut kenne, nachdem ich vor einiger Zeit nach der Ustinov- auch die Suchet-Poirot-Version genossen habe.

Marmstorfer Offline




Beiträge: 7.446

09.04.2014 13:11
#6 RE: Top-15 der deutschen Hörbuch-Sprecher Zitat · Antworten

Zitat von Peter im Beitrag #5

Anthoff ist mir noch nie als Sprecher untergekommen. Allerdings habe ich in Erinnerung, dass ich ihn in anderem Zusammenhang, im Anti-Top-Ranking der Derrick-Darsteller, mal genüßlich als ewig-exaltierte Nervensäge verrissen habe. War wohl absolut kein Irrtum. Das ist beruhigend...


An dieser Stelle muss ich mich zum Apologeten Anthoffs aufschwingen, der seinem Dr. Claus Reiter in der ZDF-Reihe "Unter Verdacht" ein faszinierendes Profil verleiht. Reiter ist eine Figur, welche sich die Marschroute "Nach oben buckeln, nach unten treten" zum persönlichen Mantra auserkoren hat; ein Opportunist, wie er in keinem Buche steht; ständig abwiegend und abwiegelnd; im subtilen Dauerclinch mit seiner Untergebenen Dr. Eva-Maria Prohacek (Senta Berger), die als Leiterin der Abteilung für Amtsdelikte ständig den Hohen Herren auf den Pelz rückt, in deren Glanz sich Reiter so gerne sonnt, die er aber eiskalt fallen lässt, sobald deren Fehlverhalten auch auf ihn zurückfallen könnte. Eine aalglatte Figur, möchte man meinen, aber Anthoff verleiht ihr genau jene Ecken und Kanten die nötig sind, um sie nicht zur Karikatur eines bajuwarischen Beamten-Wendehalses werden zu lassen. Da schwingt immer eine Prise Proletariat mit, welches dieser Mann so gerne ablegen würde, es aber einfach nicht kann - da mag er noch so teuren Rotwein schlürfen.

Peter Offline




Beiträge: 2.845

09.04.2014 14:53
#7 RE: Top-15 der deutschen Hörbuch-Sprecher Zitat · Antworten

Bin fast geneigt, dies mit distanziertem Wohlwollen zu überprüfen...

Mr Keeney Offline




Beiträge: 1.329

09.04.2014 15:19
#8 RE: Top-15 der deutschen Hörbuch-Sprecher Zitat · Antworten

Auch ich muss mich hier mal als Fürsprecher Anthoffs zu Wort melden, meines Erachtens hatte er nämlich seine absolute Sternstunde in einer der m. E. besten TV-Serien überhaupt: „Löwengrube“.
In dieser Serie spielte er einen stellenweise mit ähnlichen Attributen (wie von Marmstorfer beschrieben) ausgezeichneten Polizeikommissar, Arbeitskollegen und Vorgesetzten der „Hauptfigur“ Karl Grandauer (Jörg Hube). Allerdings hier weniger proletarisch fundiert sondern eher zutiefst umtriebig-kleinbürgerlich mit einem Hang zum Vornehmen und Künstlerischen. Wie fast alle Charaktere dieser Serie keineswegs eindimensional sondern vielschichtig lebensecht.

Und auch der „Bulle von Tölz“ wäre um einiges weniger witzig geworden ohne seine, diesmal allerdings bewusst überzogene, Darstellerkunst.

In diesem Zusammenhang: in der Löwengrube gibt übrigens ein weiterer Bulle-Stammdarsteller einen im Vergleich sogar noch eindrucksvolleren Beweis seiner Bandbreite und seines großartigen darstellerischen Könnens: Michael Lerchenberg.

Sorry, für das Abschweifen…aber die Bresche für Anthoff schien mir verbreiterungswürdig…

Peter Offline




Beiträge: 2.845

09.04.2014 15:30
#9 RE: Top-15 der deutschen Hörbuch-Sprecher Zitat · Antworten

Zitat von Mr Keeney im Beitrag #8
Sorry, für das Abschweifen…aber die Bresche für Anthoff schien mir verbreiterungswürdig…

Abschweifung verziehen. Aber die Skepsis ist nicht ausgeräumt. Beim Tölzbullen nervte er mich so tierisch, dass ich schnell wieder aussteigen musste....

Peter Offline




Beiträge: 2.845

19.09.2015 13:28
#10 Top-50 der deutschen Hörbuch-Sprecher Zitat · Antworten

--- UPDATE: Aus 15 werden 50 ! ---


Platz 01: Katharina Thalbach
Unendlich viel mehr als die hiesige Top-Ten-Quotenfrau. Die Vollblut-Mimin veredelt den besten Shakespeare - wer zweifelt daran, dass es sich um Macbeth handelt - ganz allein zum ebenso lebendigen wie todessuchenden Hörspiel-Abenteuer. Der Killerspruch für Krimifreunde: "Ich ging so tief ins Blut hinein, dass schwerer war zurückzugehen, statt weiterwaten - und es durchzustehen...!"... Vielleicht klappt´s ja mal mit meinem Live-Erlebnis - irgendwann zum Literatursommer in Bad Homburg....

Platz 02: Klaus Löwitsch
Ob im legendären Populär-Hörspiel (Per Anhalter durch die Galaxis) oder in der in humoristischer Stimmung mit verschiedenen Dialekten (Pension Grillparzer) bis hin zu tiefsinnig analytischen Literaturbetrachtungen (Offenbarung und Untergang; Ich Kreatur...): Mit seine akzentuiert-spielerischen Stimmfärbung drückte er einfach alles aus.

Platz 03: Ulrich Matthes
Hat vielleicht die sensibelste aller Stimmen, habe ihn auch schon unvergesslich live auf der Bühne gesehen. Ausgewiesener Spezialist für Camus, Kafka und Joseph Roth. Liest Matthes "Die Pest", geht der Hörer wohlig schauernd in Quarantäne. Aber Vorsicht: Yersinia pestis kriecht bedrohlich immer näher...

Platz 04: Christian Brückner
Einer der besten Noir-Stimmungsverbreiter, nicht nur für Chandler-Stoffe. Brückner ist dort, wo die Gangster agieren. Und wenn Brückner den Paten liest, fühlt es sich an, als säße Robert DeNiro als Beifahrer und würde Dir die Corleone-Geschichte aus eigenem Erleben ins Ohr flüstern. Vielseitig genug auch für sensiblere Stoffe (Joyce, Baricco) - und für das spannendste unter den (heute noch!) brisantesten Polit-Dramen: Franz Werfels "Die Vierzig Tage des Musa Dagh".

Platz 05: Hans Korte
Keiner bringt uns den geliebten Dürrenmatt näher. Auch ohne Schwyzerdütsch der perfekte Bärlach in allen Lebenslagen. Intensiv und überzeugend auch bei Andersch oder Solschenizyn, reüssiert einfach auf ganzer Palette.

Platz 06: Helmut Griem
Gebildet, geerdet, introvertiert. Doch wehe, er orientiert sich 180 Jahre zurück und stößt auf den unbeugsamen Jungbürger, von dessen Art es in Hessen und der ganzen Republik zu wenige gab - und gibt: Dann wird Griem mit den wutbebenden und Gerechtigkeit suchenden Worten Georg Büchners zum Vulkan.

Platz 07: Walter Richter
Noch einer, der aus purem Gerechtigkeitsbedürfnis einen selbstmörderischen Wahnsinn entwickelt und den Hörer von "Michael Kohlhaas" voll emotionalisiert: Während es Schlöndorff im Film mit David Warner, einem denkbar ungeeigneten "Säulenheiligen" (so der Regisseur selbst) versuchen musste, wird das Hörspiel von einem authentisch-rustikalen Wutbürger getragen. Das hätte Kleist gefallen.

Platz 08: Hans-Peter Hallwachs
Verdammt glaubwürdiges Bogart-Pendant als Hörspiel-Marlowe, resp. Spade. Mal clever und schmierig, mal ehrlich und schwierig, mal hartgesotten und voll versoffen, immer an der Front zwischen Gangstern und Bullen. Als Schlaumeier und Prügelknabe. Angenehm gemütliches Zuhören im weichen Sitz.

Platz 09: Matthias Brandt
Lange unterschätzter Spitzenschauspieler, dessen vorsichtige und dennoch packende Erzählerstimme in den Bann zieht. Denkwürdiger Grenzgänger Leamas als "Spion, der aus der Kälte kam". Who the hell is Richard Burton? Zwar lässt er Anthony Perkins in "Psycho" nicht genauso einfach vergessen, die totale Identifikation mit der im Roman wesentlich tiefgründigeren Figur 'Norman Bates' macht uns Brandt aber unangenehm leicht.

Platz 10: Otto Sander
Abgeklärt und rauchig, ohne je seine Spitzbübigkeit abgelegt zu haben. Gut aufgehoben bei den schwermütig-sarkastischen russischen Klassikern. Überragend herrliche Schwarzhumorigkeit bei einer seiner letzten Hörbuch-Taten in "Der Hundertjährige..."

Platz 11: Johannes Steck
Wenn er liest, benötigen die Stoffe von Edgar Wallace keine Bilder. Idealer Zugang für Romane, die sich nicht auch unter den populären und gelungenen Verfilmungen wiederfinden.

Platz 12: Oliver Siebeck
Die James-Bond-Abenteuer-Stimme schlechthin. Der verbrecherische Schmutz klingt immer mit. Genau wie die Coolness des Star-Agenten.

Platz 13: Hans Paetsch
Darf in einem solchen Ranking nicht fehlen. Keineswegs nur der Märchenonkel, den alle Mittelalten aus der Kindheit kennen. Macht sich als Hörspieler auch bei Poe oder Dostojewski hervorragend. Wieviele derart markante, sonore Stimmen hat man überhaupt je gehört? Sehr wenige.

Platz 14: Christian Rode
Sollte man sich wirklich nach einem Nachfolger von Hans Paetsch umschauen, stößt man zwangsläufig auf die liebenswerte Stimme von Christian Rode. Und außerdem kann man Wilhelm Hauff für "Das kalte Herz" gar nicht oft genug ins warme Herz schließen....

Platz 15: Will Quadflieg
Alter Klassiker unter den alten Klassikern. Er ist Goethes Faust - und er ist Hesses Steppenwolf. Wer denn sonst?

Platz 16: Hansi Jochmann
Die sehr bekannte Synchronstimme von Jodie Foster verbreitet Willensstärke und Emanzipation. Führt den Zuhörer souverän auch durch einen haarsträubenden Krimi wie "Knochenlese".

Platz 17: Günter Lamprecht
Berliner Urgestein. Wenn´s nicht filmisch zupackend auf dem 'Alexanderplatz' oder im 'Tatort' ist - oder raumfüllend auf der Theaterbühne - dann fühlt er sich akustisch in der kühlen Noir-Welt von Chandler zu Hause.

Platz 18: Ernst Schröder
Auf dem Hörbuchsektor ein rares Gast, ganz so wie Tschechows "Flattergeist". Man sucht ihn förmlich in Hörspielen, um jedes seiner Worte aufzusaugen, wie etwa die von seinem selbstmitleidigen 'Lehrer' in Frischs "Andorra". Die stimmliche Klasse des großen Ernst Schröder steht außerhalb jeden Zweifels.

Platz 19: Friedhelm Ptok
Ob Simenon, Shakespeare oder Chandler: Der gern eingesetzte Hörspiel-Profi überzeugt in jedem Ensemble, vorzugsweise kriminelles Milieu....

Platz 20: Joachim Kerzel
Großer Routinier, macht uns auf sonore Weise auch die abgründigsten und brutalsten Krimis der Marke Grangé schmackhaft.

Platz 21: Frank Glaubrecht
Einer der jugendlichen Darsteller aus Bernhard Wickis "Die Brücke" hat sich zu einem höchst profilierten Synchronsprecher mit bekannt-angenehmer Hörbuchstimme gemausert. Trägt mühelos auch vielschichtige historische Romane. Die tiefe, körnige Stimme passt dabei besonders gut zu den bösen Wendungen...

Platz 22: Peter Pasetti
Was soll man eigentlich sagen, außer, dass es kaum eine schönere Stimme gibt? Vielleicht, dass man dankbar für einen solchen 'Sherlock Holmes' ist. Demnächst steht ein Krimi-Kleinod auf dem Programm, Haefs´ "Fälle für das Triumvirat", Pasetti ist natürlich mit von der Partie....

Platz 23: Andrea Sawatzki
Sie kann erfrischend offen sein - so, wie im richtigen Leben auf der Buchmesse - und damit definitiv "Gut gegen Nordwind" - oder psychologisch komplex wie seinerzeit im 'Tatort'.

Platz 24: Christian Berkel
Kongenialer Lebenspartner von Andrea Sawatzki, entsprechend harmonisch im gemeinsamen Hörspiel. Wandlungsfähig in der Stimme - wie im ganzen Schauspiel.

Platz 25: Horst Frank
Bringt uns Spionage, Kriegsgewalt und Krimispannung gleichermaßen nah - im Klassiker unter den Spannungsromanen: "Die Nadel". Im Film gespielt von Donald Sutherland, der in einem angelsächsischen Ranking der Hörbuchsprecher auch weit vorn wäre. Aber nicht als Folletts 'Faber', sondern für seinen "Old Man and the Sea" von Hemingway.

Platz 26: Nadja Uhl
Hat sich zu einer vielseitigen und überzeugenden Schauspielerin gemausert. Das merkt man auch ihren Audio-Auftritten an. Von liebevoll bis hinterhältig...

Platz 27: Robert Giggenbach
Großer künstlerischer Allrounder. Erneuert die Freundschaft mit Romanen, die im hiesigen Forum noch den anderen weiteren Freund haben dürften: "Der Zinker" und "Die Bande des Schreckens".

Platz 28: Barbara Auer
Markante und bewährte Krimistimme. Bestens geeignet für "Mörderisch gute Nachtgeschichten von bösen Frauen".

Platz 29: Wanja Mues
Hat bereits in jungen Jahren viel Charisma entwickelt, nicht zuletzt durch das Naturgeschenk seiner Stimme; daher reicht es auch locker für Büchner-Stoffe. Hohe Krimi-Affinität.

Platz 30: Bodo Primus
Perfekte Erzählerstimme von hohem Wiedererkennungswert. Mit aktuellen Biografien genauso überzeugend wie mit dem Mega-Klassiker "Moby Dick".

Platz 31: Klausjürgen Wussow
Charismatisch wie wenige andere Erzählstimmen, bringt er uns jede Gefühlsschwankung mit Wärme - und dennoch leicht ironischer Distanziertheit nahe. Was könnte als Vorlage besser passen als das scharfsichtige Werk eines im Innern fatalistischen - und ebenso bedeutenden Autors vom Schlage eines Joseph Roth...?!

Platz 32: Claus Wilcke
Der tiefste und geheimnisvollste aller Bässe würde sogar einen tiefenpsychologischen Großmeister wie Edgar Allan Poe zum Schaudern bringen.

Platz 33: Bernhard Minetti
Wäre kein Mann für alle modernen Stoffe gewesen. Aber wenn man sich für eine einzige gefühlte Rollen-Inkarnation entscheiden müsste, würde man sie - wo auch sonst? - in einem von Shakespeares Königsdramen finden. Minetti IST nämlich 'König Lear'. Gefühlte Hamlets gibt´s ja viele.....

Platz 34: Sabine Sinjen
Als Lears Tochter kann es die gutherzige Sabine Sinjen auch so schlangenartig böse, dass man dem aus allen Rudern gelaufenen Alten schnellstens zu Hilfe eilen möchte...

Platz 35: Mario Adorf
Der große Altmeister wurde spät genötigt, die "Lieblingsballaden der Deutschen" zu lesen und tat es so, dass man vorauseilend wehmütig werden möchte. Taucht immer wieder gern in manchen zu Hörspielen umgebauten Filmen auf und macht dann gleich wieder Freude, zum Beispiel als Schnösel-Weltmeister in der "Schachnovelle".

Platz 36: Andrea Hörnke-Trieß
Klassisch ausgebildet und auf dem Hörbuchsektor vielbeschäftigt. Von Wilde über Joyce zu Jelinek. Und bringt uns hochmodern die erschütternde Wirklichkeit in Afghanistan nah - mit Hosseinis "Tausend strahlende Sonnen".

Platz 37: Peer Augustinski
Seine Stimme gehörte im guten Sinne zu den auffälligsten. Dankbarer Sprecher für Wallace oder Poe. War generell in Krimis besser aufgehoben als bei 'Klimbim'.

Platz 38: Iris Berben
Die Grande Dame ist viel häufiger zu sehen als zu hören, da freut man sich über die Ausnahmen - wie die Beteiligung in einem Rilke-Projekt.

Platz 39: Gerd Wameling
Sehr präsenter Krimidarsteller, der aber auch im Feinsinn französischer oder Wiener Literatur - von der Größe Schnitzlers - meisterhaft zu erzählen versteht.

Platz 40: Ben Becker
Stimmliches Naturereignis, intensiv mit drogengeschwängertem Rauch bearbeitet. Liest eher live als im Studio, spielt auf der Bühne auch mehr als er liest, eine solch überragende Präsenz soll aber nicht unerwähnt bleiben. Zumal er auch literarisch-musikalische Projekte wie "Hermann Hesse: Die Welt unser Traum" tatkräftig unterstützt.

Platz 41: Burghart Klaußner
Als Schauspieler viel zu vielbeschäftigt, um oft als Sprecher aufzufallen. Aber wenn sich einer langsam Richtung Olymp bewegt, dann fällt er eben auch in wenigen Momenten schon auf. Und sei es eine vital gestaltete Oscar-Wilde-Biografie.

Platz 42: Charles Brauer
Von unzähligen Tatorten als Ermittler gestählt, stimmlich abgebrüht. Einer, dem nichts Menschliches fremd ist, serviert einen spannenden Grisham locker aus dem Ärmel.

Platz 43: Hanns Zischler
Seit Jahrzehnten höchst präsenter Schauspieler, filmisch in allen Kunstrichtungen zu Hause. Da ist ein vielschichtiger Márquez gerade die richtige Herausforderung.

Platz 44: Hans-Christian Blech
Jedes Hörspiel ist recht, um den Hochgeschätzten zu suchen und hier unterzubringen: Hemingways "In einem anderen Land"; oder zwei unverwüstliche Dramastoffe, die auch als Hörspiel wiederkehrten: Stemmles "Affaire Blum" - und Dürrenmatts "Die Physiker".

Platz 45: Friedrich Schoenfelder
Eine der vornehmsten, perfekt beherrschten Stimmen überhaupt, bewiesen in vielen Filmauftritten, leider etwas zu selten als reiner Hörgenuss. Fand Gefallen daran, in russische Klassiker einzutauchen. Gute Wahl.

Platz 46: Max-Volkert Martens
Vom Krimi- und Charakterdarsteller wurde das Nordlicht zu einer Sprecher-Allzweckwaffe. Flaubert, Johnson, Fromm, Ph. & Jo. Roth (geht´s verschiedener?), T. Mann. Ja, was für ein Gemisch!

Platz 47: Carl Raddatz
Nicht wirklich häufig als Sprecher aufzutreiben. Aber wenn, dann ist die Lebendigkeit so auffallend wie die schnelle Wiedererkennung. Beste alte Schule, dennoch nie als unmodern aufgefallen. Da klappt´s auch mit Beckett wunderbar.

Platz 48: Robert Stadlober
Man unterschätzt ihn immer noch gern, aber für den leichtgewichtigen Jugend-Darsteller wurde durch die richtige Rollenwahl der Weg zu den anspruchsvolleren Fächern geebnet.

Platz 49: Oskar Werner
Kein eigentlicher Hörbuchsprecher, aber auf vielen akustischen Dokumenten lebendig geblieben. Einer der größten Bühnen- und internationalen Filmstars deutscher Sprache, zumindest eine Zeit lang, bis zu seinem kontinuierlichen Niedergang, Darf hier zur Abrundung keinesfalls fehlen.

Platz 50: Klaus Kinski
Kein eigentlicher Hörbuchsprecher, Teil 2: War auf offener Bühne DER deutschsprachige Live-Star, landete mit vielen Klassikern (und unvermeidlich Nebensächlichem) auf unzähligen CDs und darf sich als Highlight und würdiger Beschließer des Ganzen auf der '50' feiern lassen.
Damit ist auch klar: ganz genau genommen ist die Reihenfolge gar nicht so ganz genau zu nehmen...

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