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Gubanov Offline




Beiträge: 16.116

15.07.2013 11:49
Bewertet: "Man at the Carlton Tower" (1961, Merton Park) Zitat · Antworten



The Edgar Wallace Mysteries: Man at the Carlton Tower
Kriminalfilm, GB 1961. Regie: Robert Tronson. Drehbuch: Philip Mackie (Buchvorlage „The Man at the Carlton“, 1931: Edgar Wallace). Mit: Maxine Audley (Lydia Daney), Lee Montague (Tim Jordan), Allan Cuthbertson (Superintendent Cowley), Terence Alexander (Johnny Time), Alfred Burke (Harry Stone), Nigel Green (Lew Daney), Nyree Dawn Porter (Mary Greer), Geoffrey Frederick (Sergeant Pepper), Geoffrey Lumsden (Stocker), Frank Forsyth (Portier) u.a.

Zitat von The Edgar Wallace Mysteries: Man at the Carlton Tower
Tim Jordan hat das große Los gezogen: Seinen Job als Scotland-Yard-Detektiv konnte er nach einer Erbschaft an den Nagel hängen – nun residiert er vornehm im hochmodernen Carlton Tower Hotel. Allerdings trifft er dort auf Unterweltgestalten, die seinen alten Spürsinn wieder anregen. Mit der Hilfe eines mysteriösen Racheengels deckt er ein faszinierendes Verbrechen um Mord und Juwelendiebstahl auf, bei dem sich nichts so verhält, wie es auf den ersten Blick scheint ...


Über diesen Edgar-Wallace-Film wird gern geunkt, er sei nur eine Werbeaktion für das im selben Jahr eröffnete Carlton Tower Hotel gewesen. Tatsächlich kann man das nicht ganz verleugnen, doch immerhin lieferte Wallace selbst mit seinem Romantitel „The Man at the Carlton“ unwissentlich eine Steilvorlage. Im Roman bezieht er sich dabei auf das von 1899 bis 1940 betriebene Carlton Hotel an der namhaften Kreuzung von Haymarket und Pall Mall, das im Krieg schwer beschädigt und in den späten Fünfzigerjahren zugunsten eines Bürohochhauses abgerissen wurde. Dem allgemeinen Trend folgend nahm auch das neue, im Mittelpunkt des Films stehende Carlton Tower in Knightsbridge die Form eines Hochhauses an und symbolisierte damit den Luxus und die Selbstsicherheit einer neuen Ära. Die Preise waren 1961 schon gesalzen, auch wenn sich 5 Pfund pro Übernachtung (und selbst 50 für die Tower Suite) heute nicht mehr nach großen Summen anhören mögen. Sein 50-jähriges Jubiläum feierte das Carlton Tower 2011 unter Führung durch die Jumeirah-Hotelgruppe mit Wurzeln in Dubai – eine Bildergalerie illustriert die abwechslungsreiche Geschichte des Hauses mit farbenfrohen Prospektfotos aus der Zeit des Filmdrehs.
Selbst für den Fall, dass dieser Krimi von Produzent Jack Greenwood als Publicity-Maßnahme angelegt worden war, kann er sich nicht vorwerfen lassen, über seinen Hauptschauplatz die stringente Entwicklung der dargebotenen Handlung zu vergessen. Mit sehr stimmungsvollen Szenen bei einem nächtlichen Juwelendiebstahl eröffnet „Man at the Carlton Tower“ eine Jagd auf zwei verfeindete Verbrecher, von denen bis zum Ende unklar bleibt, wer wen umgebracht hat. Das Finale auf dem Landsitz Clench House erinnert ebenso wie die Szenen im Stardust-Nachtklub (man beachte über die Ähnlichkeit der astronomischen Namensgebung hinaus die sehr kosmosartige Inneneinrichtung) an den Rialto-Wallace „Das Geheimnis der gelben Narzissen“, ohne jedoch so fest in dem halbseidenen Etablissement aufzuschlagen.

Ein interessantes Zusammenspiel liefern sich Lee Montague und Maxine Audley, weil Montagues Tim Jordan als Privatier nicht mehr an den strikten Verhaltenskodex des Beamtentums gebunden ist. Verbunden mit seinem etwas feisten, durchtriebenen Äußeren und der Liebelei mit der offensichtlich die Grenze zwischen Gut und Böse nicht allzu genau absteckenden Lydia Daney führt das dazu, dass man sich nicht einmal der Integrität des Hauptermittlers sicher sein kann. Um dieses ungewohnte Ungleichgewicht wieder auszumerzen, stellte das Drehbuch seinem Hauptdarsteller Allan Cuthbertson („Das Geheimnis der weißen Nonne“) in einer der üblichen soliden Ermittlerrollen zur Seite.
Einen typischen Wallace-Charakter findet man auch in Johnny Time wieder, der, seines Zeichens charmanter Kleinganove mit guten Beziehungen zu Scotland Yard, als Steigbügelhalter für die wirklich bösen Buben agiert und für diese Unvorsichtigkeit schließlich mit seinem Leben bezahlt – Lew Pheeney lässt grüßen. Die Sequenz, in der Time den Kugeltod stirbt, zählt aufgrund ihrer Kaltblütigkeit zu den beeindruckendsten Morden, die ich bisher in der Reihe gesehen habe.


Abgesehen von dem Umstand, dass man die Entdeckung der lang gesuchten Juwelen cleverer hätte aufziehen können, gibt es an „Man at the Carlton Tower“ wenig zu kritisieren. Als Schaubild seiner Zeit ist diese Folge weniger an der Wiederauferstehung Wallace’scher Nostalgie interessiert als vielmehr daran, vorzuführen, wie modern, aber auch kaltblütig England nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufersteht. 4,5 von 5 Edgars.

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