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Dieses Thema hat 23 Antworten
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 Aktuelle Filme (DVD, Kino, TV)
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eastmancolor Offline



Beiträge: 2.382

21.06.2013 21:27
Ich habe sie gut gekannt - Ein Echtes Meisterwerk Zitat · antworten

ICH HABE SIE GUT GEKANNT von Antonio Pietrangeli ist nun von Filmjuwelen erschienen.
Italien / Deutschland 1965
Unbedingt ansehen! Ein echtes Meisterwerk und vielleicht Joachim Fuchsbergers bester Film, auch wenn er nur eine kleine Rolle hat.
Darsteller: Stefania Sandrelli, Karin Dor, Franco Nero, Mario Adorf, Enrico Maria Salerno, Robert Hoffmann, Joachim Fuchsberger u.v.a.

Die Doppel DVD gibt's bei der OFDB schon für 13,99 Euro.

Peter Offline




Beiträge: 2.817

21.06.2013 21:54
#2 RE: Ich habe sie gut gekannt - Ein Echtes Meisterwerk Zitat · antworten

Meine Neugier ist geweckt, den Film hab´ ich gleich mal bestellt. Danke für den Tipp!

eastmancolor Offline



Beiträge: 2.382

22.06.2013 00:45
#3 RE: Ich habe sie gut gekannt - Ein Echtes Meisterwerk Zitat · antworten

Zitat von Peter im Beitrag #2
Meine Neugier ist geweckt, den Film hab´ ich gleich mal bestellt. Danke für den Tipp!



Der Film ist ganz bewusst episodenartig aufgebaut und der rote Handlungs Faden zieht sich eher auf psycholgischer Ebene durch den Film. Eine gewisse Sensibilität ist aber wichtig. Einfach genial! Ganz ansehen und danach beurteilen. Du wirst es nicht bereuen.

10 von 10 Punkten!

eastmancolor Offline



Beiträge: 2.382

27.06.2013 07:40
#4 RE: Ich habe sie gut gekannt - Ein Echtes Meisterwerk Zitat · antworten

Wer den schönen Soundtrack von Piero Piccioni mag kann sich freuen.
Der Soundtrack zum Film erscheint erstmal überhaupt auf einem Tonträger.
Ich hätte in den ganzen Jahren nicht im Traum daran gedacht, dass da noch was rauskommt.
Für mich persönlich ist das eine kleine Sensation und auch noch zu diesem Zeitpunkt.
Was für Zufälle es gibt.
Am 28.06.13 erscheint von Beat Records (Auflage 500 Stück) Beat die CD mit einem 12 seitigem Booklet.
http://www.beatrecords.it/shop.asp?lingu...rodotto=BCM9521

Auf Amazon wird komischerweise ein späteres Datum 15.07.13 angegeben.
http://www.amazon.de/Io-Conoscevo-Bene-P...+conoscevo+bene


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eastmancolor Offline



Beiträge: 2.382

27.06.2013 08:11
#5 RE: Ich habe sie gut gekannt - Ein Echtes Meisterwerk Zitat · antworten

Ich habe die CD über Beat Records bestellt und hoffe, dass sie mich die nächste Woche erreicht.
Die Filmmusik besteht aus einem sehr schönen Instrumental Soundtrack von Pierro Piccioni und vielen italienischen Songs dieser Zeit.
In einem anderen Forum fand es ein User schade, dass auf der CD nur der Instrumental Score und nicht die Songs enthalten sein werden.
Es gibt verschiedene Club Szenen im Film, die eigentlich nicht unter "Songs" laufen, bzw. die nur Stimm Samples beinhalten. Ich hoffe sehr, dass diese Stücke auf der Soundtrack CD enthalten sein werden.
Wenn mir die CD vorliegt werde ich das genau überprüfen.
Es gibt übrigens einige der Songs des Films auf Vinyl Single und auch auf CD. Von Gilbert Becauds "Toi", einem der schönsten und wichtigsten Songs des Films liegt mir eine 45er Vinyl vor und auf CD habe ich mir nun zwei Lieder von Sergio Endrigo aus dem Film bestellt.
Ich hoffe, langfristig den kompletten Soundtrack zusammen zu bekommen, mit allen Instrumental Tracks (Beat Records CD) und allen im Film verwendeten Schlagern um mir meinen eigenen Soundtrack auf CD zu brennen. Ich muss eigentlich nur noch jemanden finden, der mir die Vinyl Single digitalisiert. Das ist heutzutage gar nicht mehr so einfach.
Sobald die CD geliefert wurde, berichte ich im Detail welche Musik sich darauf befindet.
Auf jeden Fall ist der reine Soundtrack die Basis und von dem hätte ich nie und nimmer erwartet, dass der nach 48 Jahren noch erscheint.

eastmancolor Offline



Beiträge: 2.382

07.07.2013 10:04
#6 RE: Ich habe sie gut gekannt - Ein Echtes Meisterwerk Zitat · antworten

In der neuen DVD Special Juli2013 bekommt der Film auch die Höchtbewertung. :)

Zitat DVD SPECIAL:
Wer kennt diesen Film? Wahrscheinlich selbst viele Cineasten nicht. Aber was für ein Meisterwerk hat man uns hier wieder zugänglich gemacht.

Zitat DVD Special:
Die kleinsten Rollen werden von Stars übernommen, eine Parade italienischer Prominenz, kleine Episoden, die sich zusammenfügen zu einem faszinierenden Portrait, realistisch, lyrisch, eindringlich, unwiderstehlich. Ein Filmjuwel.

Bestnote 5 Punkte


eastmancolor Offline



Beiträge: 2.382

08.07.2013 22:13
#7 RE: Ich habe sie gut gekannt - Ein Echtes Meisterwerk Zitat · antworten

Die CD mit dem Original Soundtrack von Piero Piccioni kam heute bei mir an und ich bin begeistert.
8 Jahre lang hätte ich alles für diese Filmmusik gegeben und nun ist die CD ganz zufällig fast gleichzeitig mit der DVD erstmals auf einem Tonträger erschienen. :)
Man hat die Bänder laut Booklet gut erhalten in einem Archiv gefunden. Einfach wunderbar!
Die CD beinhaltet fast alle Instrumental Stücke des Films und verschiedene Arrangments des Haupthemas aber auch die treibenden, knackig, groovigen Beats der Clubszenen, wenn Adriana unterwegs ist und Party macht.
Wer Interesse an der CD hat, sollte meiner Meinung nach nicht zu lange zögern, weil die kleine Auflage von 500 Stück bestimmt bald vergriffen sein wird und man dann Mondpreise für die letzten 100 Exemplare bezahlen muss.
Soundtrack Note 10 von 10
Der Soundtrack steht meiner Meinung nach auch für sich alleine, weil er einfach wunderbar 60s Lounge mit knackigen Beats bietet.


http://www.beatrecords.it/shop.asp?lingu...521&uscita=prox

:D :D :D

http://www.amazon.de/Io-Conoscevo-Bene-P...+conoscevo+bene


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Prisma Offline




Beiträge: 7.541

10.07.2013 02:02
#8 Bewertet: "Ich habe sie gut gekannt" (1965) Zitat · antworten



ICH HABE SIE GUT GEKANNT / IO LA CONOSCEVO BENE (1965)

mit Stefania Sandrelli als Adriana
sowie Jean-Claude Brialy, Enrico Maria Salerno, Mario Adorf, Joachim Fuchsberger, Nino Manfredi und Ugo Tognazzi
ferner Karin Dor, Claudio Camaso, Franco Nero, Robert Hoffmann, Franco Farizi, Turi Ferro, Véronique Vendell, u.a.
eine Co-Produktion der | Ultra | Les Films Du Siècle | Roxy | im Nora Filmverleih
ein Film von Antonio Pietrangeli






»Danke dass Sie mir die Zeit vertrieben haben!«


Adriana (Stefania Sandrelli) zieht es aus der Provinz nach Rom, wo sie versucht, sich mit unterschiedlichen Jobs über Wasser zu halten. Ob als Friseurin in einem kleinen Laden, Kosmetikerin, Platzanweiserin im Kino oder Mannequin, sie hat ein großes Ziel vor Augen, nämlich Filmschauspielerin zu werden. Doch reichen ihre Schönheit und der bloße Wille dafür letztlich aus? Adriana lernt in kurzer Zeit viele unterschiedliche Männer kennen, sei es bei Diskotheken-Besuchen oder am Strand, bei Veranstaltungen oder wenn es der Zufall gewollt hat, und jeder ist fasziniert von ihren Reizen, die sie jedoch eher defensiv einsetzt, und schließlich erscheint die Verwirklichung ihrer Träume in genau so weiter Ferne zu sein, wie die Suche nach der Liebe, denn so unterschiedlich die sich schnell abwechselnden Männer auch sind, Adriana findet immer nur dasselbe Ergebnis...

Diese Arbeit von Antonio Pietrangeli kann sicherlich als eines der Prunkstücke des italienischen Neorealismus betrachtet werden, auch wenn "Ich habe sie gut gekannt" seinerzeit eher nur wohlwollend zur Kenntnis genommen wurde, beziehungsweise keinen riesigen Durchbruch feiern konnte. Die Beschreibung »Meisterwerk« eilt dieser Produktion immer wieder voraus, und spätestens wenn der Film dann nach der Erst-Ansicht für wenig Aufsehen sorgen konnte, fühlt man sich in seiner Skepsis bestätigt. Obwohl der Verlauf mit vielen beachtlichen Feinheiten angereichert wurde, und man den glasklaren Aufbau bemerkenswert findet, und den Eindruck einer sehr subtil und geradlinig angelegten Geschichte bekommt, machte sich bei der italienischen Langfassung immer wieder eine schraubzwingenartige Langatmigkeit, im Schutzgriff einer überaus hochwertigen Inszenierung breit. Hätte bei der Veröffentlichung durch Filmjuwelen nicht zusätzlich die deutsche Kinofassung zur Verfügung gestanden, hätte ich mir den Film so schnell auch kein zweites Mal angesehen, und ich hätte ihn dann vermutlich ungerechtfertigt verrissen. Qualitäten und Sinnhaftigkeit erschließen sich tatsächlich bei der zweiten Chance, und es ist interessant darüber zu spekulieren, wie "Ich habe sie gut gekannt" wirken wird, wenn man sich das Werk ein halbes Dutzend Mal angesehen hat. Eigentlich ist das gesamte Konzept des Films sehr simpel und definiert sich hauptsächlich über Darstellung und unzählige Details, so dass man es im Endeffekt mit einer nicht uninteressanten Variante zu tun hat, wenn dramatische oder theatralische Anteile und schwer formulierte Kritik in Form deutlicher Angriffe, ausnahmsweise einmal nicht auf dem Silbertablett serviert werden, und daher eine eher minimalistische Strategie verfolgt wird, die den Zuschauer aber genauso ansprechen, treffen und bewegen kann, weil sie sehr nah wirkt. Genau betrachtet hat man es hier eigentlich mit einem Film zu tun, der wesentlich leichter hätte misslingen können, wenn nicht alle Zahnräder so optimal funktioniert hätten.





Die 1946 geborene Italienerin Stefania Sandrelli verleitet dazu, einen halben Roman zu schreiben. Zunächst möchte ich die Faszination um die damals erst Anfang 20-jährige beschreiben, eine Faszination nach der ich im Film stets suche, und die, wenn sie sich plötzlich entfaltet, für die ganz großen Momente im Filmleben sorgt. Neben ihr habe ich eine solch begeisternde Leistung in diesem Jahr bislang vielleicht nur von Belinda Lee gesehen, wenn auch nur vom einfachen Prinzip der Faszination her. Stefania Sandrelli nur als schön oder attraktiv zu bezeichnen, wäre eine schamlose Untertreibung, denn sie vermittelt wesentlich mehr, als man pauschal in irgend einem Film erwarten dürfte. Es fängt mit ihrer Leichtfüßigkeit an, die so natürlich und spontan wirkt, mündet in Sinnlichkeit, die man in jeder simplen Bewegung, in jedem Augenaufschlag und in jedem einzelnen Blick verfolgen kann, nimmt in den Bereichen Lebensfreude, Interaktion, Ernüchterung und Resignation deutliche, oder verständliche Formen an, die mitunter tatsächlich das tägliche Leben schreibt. Adriana wirkt verträumt und in Verbindung mit einer tief melancholischen Note sehr greifbar. Dabei wirft sie aber auch etliche rhetorische Fragen auf. Da dieser Film aber glücklicherweise die Schicksalsfrage ignoriert, fragt man sich bei fortlaufender Zeit tatsächlich, warum alle sie so gut gekannt haben. Warum stellt diese junge Frau (unbewusst oder nicht) fließbandartige Freibriefe aus, warum verfolgt sie ihre Ziele so unzureichend, warum zeigen sich keine wichtigen Lerneffekte? Adriana ist im übertragenen Sinne wie das Gras, das keine Ahnung davon hat, wie grün es eigentlich ist, wie die Blüte, die keinen Schimmer davon hat, wie süß sie wirklich duftet; diesen Dreh haben nur die Beobachter, die Interessenten, ihre Männer heraus, die sie aus Eigennützigkeit und Gleichgültigkeit allerdings auch nicht darüber aufklären werden. Stefania Sandrelli zeichnete jedenfalls eine der sichersten Interpretationen, die ich seit langem miterleben konnte, und deren Aura durchdringend, und für alle Beteiligten indirekt auffordernd ist. Hochklassig und mitreißend!

Die Darsteller der deutschen Seite wurden so auffällig konträr besetzt, dass es trotz Kleinstauftritten sehr beachtlich, oder wahlweise sehr erfrischend wirkt. Man muss tatsächlich von entgegengesetzt im Sinne der üblichen Einsatzgebiete von Karin Dor und Joachim Fuchsberger sprechen, weil sie angesichts des bestehenden Images vollkommen verändert, und dem Empfinden nach sogar stichhaltiger wirken. Karin Dor halte ich zum Beispiel für eine Pionierin, was den deutschen Film angeht, doch ihre Auftritte im Rahmen der europäischen, beziehungsweise internationalen Bühne sind damit nicht annähernd, bezüglich Präzision und Aura, zu vergleichen. Vergleichsweise halte ich ihre Leistungen global gesehen, oder fernab des Üblichen daher für wesentlich interessanter, was ich allerdings von Joachim Fuchsberger gar nicht einmal sagen möchte. In diesem Film wirkt seine ebenfalls kurze Darbietung etwas zu derb konstruiert, aber nicht minder interessant. Selbst Robert Hoffmann gibt seiner Figur einen Hauch Ambivalenz, ja und Véronique Vendell spielt tatsächlich das, was sie eigentlich immer zu spielen hatte, auch wenn sie im Rahmen ihrer eigenen Filmografie hier jedoch deutlich heraus sticht. Was bei "Ich habe sie gut gekannt" so erstaunlich bleibt, ist im Endeffekt nicht, dass das Szenario von Anfang bis Ende mit großen Namen angereichert wurde, die lediglich nur Gäste bleiben; nein, die Perfektion besteht darin, dass keiner von ihnen verheizt wurde, da selbst Darbietungen die nur wenige Minuten umfassen, einen deutlichen, wenn nicht sogar tiefen Schliff offerieren. Auf den ersten Blick scheint die Konstruktion nämlich ausschließlich wegen ihrer Hauptdarstellerin zu funktionieren, doch ein Mosaik braucht definitiv mehrere Steinchen. Es ist also egal, wie man den Film schließlich auffasst, Fakt ist aber, dass man es mit einem grandiosen Schauspieler-Film zu tun bekommt, der in dieser Hinsicht vielleicht nicht beispiellos ist, aber im Sinne eines runden Ergebnisses nachweislich immer nur schwer zu bewerkstelligen war. Ob Jean-Claude Brialy, Mario Adorf, Claudio Camaso oder Ugo Tognazzi; das Stargast-Karussell dreht sich in Schwindel erregender Art und Weise, und von diesen bemerkenswerten Leistungen sollte man sich ruhig selbst, und ohne Fremdeinschätzung überzeugen lassen.

Auf die handwerkliche Inszenierung einzugehen sprengt ebenfalls den Rahmen, also sei nur kurz erwähnt, welch herrliche, teils sinnliche Bildkompositionen hier zum Tragen kommen, wie die Musik beinahe Tag und Nacht im Kopf herumschwirrt und dass man einfach sehr viel in diesem, auf den ersten Blick, unscheinbaren Film geboten bekommt. Zunächst erschien mir das alles selbst für ein herkömmliches Drama zu wenig, vor allem weil Elemente wie feiner Humor, lapidar-offene Dialoge und schnelle Ortswechsel und Gedankensprünge etwas verwirrend erscheinen. Die Stärken gibt der Verlauf früher oder später preis, wenig verschachtelt, ohne sprachliche Klippen und ohne unnötige Steigerungen in der Komplexität der Geschichte. Das Fazit des Zuschauers ist wohl also ein sehr einfaches: Jeder glaubt, sie wohl schon einmal, zweimal oder gar mehrmals gut gekannt zu haben, aber im Endeffekt ist das eigentlich überhaupt nicht der Fall, da der Titel des Films ausschließlich eine Umkehrreaktion anbahnt: Ich habe (stets) mich gut gekannt, könnte man möglicherweise sagen. Daher muss SIE nicht unbedingt Adriana, oder Stefania Sandrelli heißen. Der Film wirkt unterm Strich ereignisreich und gut komprimiert (wohlgemerkt bei deutscher Kinofassung), obwohl er eigentlich nur ein Thema abhandelt, welches allerdings durch seine Darsteller zahlreiche Facetten bekam. Ansonsten ist "Ich habe sie gut gekannt" - ich möchte beinahe sagen - überqualifiziert, dennoch sollte man den Film alleine schon wegen dieser so umwerfenden Stefania Sandrelli gesehen haben, deren Blick den selben Effekt hat, wie der einer gewissen Medusa. Eine einfachere, aber nicht minder packende Schlüsselszene in einem Film habe ich übrigens selten einmal erlebt. Adriana tut sich Glycerin ins Auge, ihr dunkles Make-Up hinterlässt eine sanfte Spur auf ihrer Wange, plötzlich fixiert sie unmittelbar den Zuschauer, und stellt dabei die ganz bestimmte, indirekte Frage, oder sie macht einen deutlichen Vorwurf, was sich aber vor allem der Titel des Films vorbehält, in dem man Frage und Antwort gleichermaßen herausfiltern kann. Augenscheinlich erteilt Regisseur Antonio Pietrangeli der Komplexität eine deutliche Absage, indem er aus der tragenden oder empfundenen Einfachheit eine erstaunliche Umkehrrektion kreierte. Auf die Begrifflichkeit »Meisterwerk« mag ich mich allerdings schlussendlich noch nicht einlassen, da dieser Status ausschließlich beim dutzendfachen Anschauen entstehen kann, aber ein stiller Hochkaräter ist ohne jeden Zweifel entstanden. Klingt jedenfalls auch nicht mehr so prosaisch, wie ich nach der ersten Ansicht befürchtet habe.

eastmancolor Offline



Beiträge: 2.382

11.07.2013 01:03
#9 RE: Bewertet: "Ich habe sie gut gekannt" (1965) Zitat · antworten

Zitat von Prisma im Beitrag #8


ICH HABE SIE GUT GEKANNT / IO LA CONOSCEVO BENE (1965)

mit Stefania Sandrelli als Adriana
sowie Jean-Claude Brialy, Enrico Maria Salerno, Mario Adorf, Joachim Fuchsberger, Nino Manfredi und Ugo Tognazzi
ferner Karin Dor, Claudio Camaso, Franco Nero, Robert Hoffmann, Franco Farizi, Turi Ferro, Véronique Vendell, u.a.
eine Co-Produktion der | Ultra | Les Films Du Siècle | Roxy | im Nora Filmverleih
ein Film von Antonio Pietrangeli






»Danke dass Sie mir die Zeit vertrieben haben!«


Adriana (Stefania Sandrelli) zieht es aus der Provinz nach Rom, wo sie versucht, sich mit unterschiedlichen Jobs über Wasser zu halten. Ob als Friseurin in einem kleinen Laden, Kosmetikerin, Platzanweiserin im Kino oder Mannequin, sie hat ein großes Ziel vor Augen, nämlich Filmschauspielerin zu werden. Doch reichen ihre Schönheit und der bloße Wille dafür letztlich aus? Adriana lernt in kurzer Zeit viele unterschiedliche Männer kennen, sei es bei Diskotheken-Besuchen oder am Strand, bei Veranstaltungen oder wenn es der Zufall gewollt hat, und jeder ist fasziniert von ihren Reizen, die sie jedoch eher defensiv einsetzt, und schließlich erscheint die Verwirklichung ihrer Träume in genau so weiter Ferne zu sein, wie die Suche nach der Liebe, denn so unterschiedlich die sich schnell abwechselnden Männer auch sind, Adriana findet immer nur dasselbe Ergebnis...

Diese Arbeit von Antonio Pietrangeli kann sicherlich als eines der Prunkstücke des italienischen Neorealismus betrachtet werden, auch wenn "Ich habe sie gut gekannt" seinerzeit eher nur wohlwollend zur Kenntnis genommen wurde, beziehungsweise keinen riesigen Durchbruch feiern konnte. Die Beschreibung »Meisterwerk« eilt dieser Produktion immer wieder voraus, und spätestens wenn der Film dann nach der Erst-Ansicht für wenig Aufsehen sorgen konnte, fühlt man sich in seiner Skepsis bestätigt. Obwohl der Verlauf mit vielen beachtlichen Feinheiten angereichert wurde, und man den glasklaren Aufbau bemerkenswert findet, und den Eindruck einer sehr subtil und geradlinig angelegten Geschichte bekommt, machte sich bei der italienischen Langfassung immer wieder eine schraubzwingenartige Langatmigkeit, im Schutzgriff einer überaus hochwertigen Inszenierung breit. Hätte bei der Veröffentlichung durch Filmjuwelen nicht zusätzlich die deutsche Kinofassung zur Verfügung gestanden, hätte ich mir den Film so schnell auch kein zweites Mal angesehen, und ich hätte ihn dann vermutlich ungerechtfertigt verrissen. Qualitäten und Sinnhaftigkeit erschließen sich tatsächlich bei der zweiten Chance, und es ist interessant darüber zu spekulieren, wie "Ich habe sie gut gekannt" wirken wird, wenn man sich das Werk ein halbes Dutzend Mal angesehen hat. Eigentlich ist das gesamte Konzept des Films sehr simpel und definiert sich hauptsächlich über Darstellung und unzählige Details, so dass man es im Endeffekt mit einer nicht uninteressanten Variante zu tun hat, wenn dramatische oder theatralische Anteile und schwer formulierte Kritik in Form deutlicher Angriffe, ausnahmsweise einmal nicht auf dem Silbertablett serviert werden, und daher eine eher minimalistische Strategie verfolgt wird, die den Zuschauer aber genauso ansprechen, treffen und bewegen kann, weil sie sehr nah wirkt. Genau betrachtet hat man es hier eigentlich mit einem Film zu tun, der wesentlich leichter hätte misslingen können, wenn nicht alle Zahnräder so optimal funktioniert hätten.





Die 1946 geborene Italienerin Stefania Sandrelli verleitet dazu, einen halben Roman zu schreiben. Zunächst möchte ich die Faszination um die damals erst Anfang 20-jährige beschreiben, eine Faszination nach der ich im Film stets suche, und die, wenn sie sich plötzlich entfaltet, für die ganz großen Momente im Filmleben sorgt. Neben ihr habe ich eine solch begeisternde Leistung in diesem Jahr bislang vielleicht nur von Belinda Lee gesehen, wenn auch nur vom einfachen Prinzip der Faszination her. Stefania Sandrelli nur als schön oder attraktiv zu bezeichnen, wäre eine schamlose Untertreibung, denn sie vermittelt wesentlich mehr, als man pauschal in irgend einem Film erwarten dürfte. Es fängt mit ihrer Leichtfüßigkeit an, die so natürlich und spontan wirkt, mündet in Sinnlichkeit, die man in jeder simplen Bewegung, in jedem Augenaufschlag und in jedem einzelnen Blick verfolgen kann, nimmt in den Bereichen Lebensfreude, Interaktion, Ernüchterung und Resignation deutliche, oder verständliche Formen an, die mitunter tatsächlich das tägliche Leben schreibt. Adriana wirkt verträumt und in Verbindung mit einer tief melancholischen Note sehr greifbar. Dabei wirft sie aber auch etliche rhetorische Fragen auf. Da dieser Film aber glücklicherweise die Schicksalsfrage ignoriert, fragt man sich bei fortlaufender Zeit tatsächlich, warum alle sie so gut gekannt haben. Warum stellt diese junge Frau (unbewusst oder nicht) fließbandartige Freibriefe aus, warum verfolgt sie ihre Ziele so unzureichend, warum zeigen sich keine wichtigen Lerneffekte? Adriana ist im übertragenen Sinne wie das Gras, das keine Ahnung davon hat, wie grün es eigentlich ist, wie die Blüte, die keinen Schimmer davon hat, wie süß sie wirklich duftet; diesen Dreh haben nur die Beobachter, die Interessenten, ihre Männer heraus, die sie aus Eigennützigkeit und Gleichgültigkeit allerdings auch nicht darüber aufklären werden. Stefania Sandrelli zeichnete jedenfalls eine der sichersten Interpretationen, die ich seit langem miterleben konnte, und deren Aura durchdringend, und für alle Beteiligten indirekt auffordernd ist. Hochklassig und mitreißend!

Die Darsteller der deutschen Seite wurden so auffällig konträr besetzt, dass es trotz Kleinstauftritten sehr beachtlich, oder wahlweise sehr erfrischend wirkt. Man muss tatsächlich von entgegengesetzt im Sinne der üblichen Einsatzgebiete von Karin Dor und Joachim Fuchsberger sprechen, weil sie angesichts des bestehenden Images vollkommen verändert, und dem Empfinden nach sogar stichhaltiger wirken. Karin Dor halte ich zum Beispiel für eine Pionierin, was den deutschen Film angeht, doch ihre Auftritte im Rahmen der europäischen, beziehungsweise internationalen Bühne sind damit nicht annähernd, bezüglich Präzision und Aura, zu vergleichen. Vergleichsweise halte ich ihre Leistungen global gesehen, oder fernab des Üblichen daher für wesentlich interessanter, was ich allerdings von Joachim Fuchsberger gar nicht einmal sagen möchte. In diesem Film wirkt seine ebenfalls kurze Darbietung etwas zu derb konstruiert, aber nicht minder interessant. Selbst Robert Hoffmann gibt seiner Figur einen Hauch Ambivalenz, ja und Véronique Vendell spielt tatsächlich das, was sie eigentlich immer zu spielen hatte, auch wenn sie im Rahmen ihrer eigenen Filmografie hier jedoch deutlich heraus sticht. Was bei "Ich habe sie gut gekannt" so erstaunlich bleibt, ist im Endeffekt nicht, dass das Szenario von Anfang bis Ende mit großen Namen angereichert wurde, die lediglich nur Gäste bleiben; nein, die Perfektion besteht darin, dass keiner von ihnen verheizt wurde, da selbst Darbietungen die nur wenige Minuten umfassen, einen deutlichen, wenn nicht sogar tiefen Schliff offerieren. Auf den ersten Blick scheint die Konstruktion nämlich ausschließlich wegen ihrer Hauptdarstellerin zu funktionieren, doch ein Mosaik braucht definitiv mehrere Steinchen. Es ist also egal, wie man den Film schließlich auffasst, Fakt ist aber, dass man es mit einem grandiosen Schauspieler-Film zu tun bekommt, der in dieser Hinsicht vielleicht nicht beispiellos ist, aber im Sinne eines runden Ergebnisses nachweislich immer nur schwer zu bewerkstelligen war. Ob Jean-Claude Brialy, Mario Adorf, Claudio Camaso oder Ugo Tognazzi; das Stargast-Karussell dreht sich in Schwindel erregender Art und Weise, und von diesen bemerkenswerten Leistungen sollte man sich ruhig selbst, und ohne Fremdeinschätzung überzeugen lassen.

Auf die handwerkliche Inszenierung einzugehen sprengt ebenfalls den Rahmen, also sei nur kurz erwähnt, welch herrliche, teils sinnliche Bildkompositionen hier zum Tragen kommen, wie die Musik beinahe Tag und Nacht im Kopf herumschwirrt und dass man einfach sehr viel in diesem, auf den ersten Blick, unscheinbaren Film geboten bekommt. Zunächst erschien mir das alles selbst für ein herkömmliches Drama zu wenig, vor allem weil Elemente wie feiner Humor, lapidar-offene Dialoge und schnelle Ortswechsel und Gedankensprünge etwas verwirrend erscheinen. Die Stärken gibt der Verlauf früher oder später preis, wenig verschachtelt, ohne sprachliche Klippen und ohne unnötige Steigerungen in der Komplexität der Geschichte. Das Fazit des Zuschauers ist wohl also ein sehr einfaches: Jeder glaubt, sie wohl schon einmal, zweimal oder gar mehrmals gut gekannt zu haben, aber im Endeffekt ist das eigentlich überhaupt nicht der Fall, da der Titel des Films ausschließlich eine Umkehrreaktion anbahnt: Ich habe (stets) mich gut gekannt, könnte man möglicherweise sagen. Daher muss SIE nicht unbedingt Adriana, oder Stefania Sandrelli heißen. Der Film wirkt unterm Strich ereignisreich und gut komprimiert (wohlgemerkt bei deutscher Kinofassung), obwohl er eigentlich nur ein Thema abhandelt, welches allerdings durch seine Darsteller zahlreiche Facetten bekam. Ansonsten ist "Ich habe sie gut gekannt" - ich möchte beinahe sagen - überqualifiziert, dennoch sollte man den Film alleine schon wegen dieser so umwerfenden Stefania Sandrelli gesehen haben, deren Blick den selben Effekt hat, wie der einer gewissen Medusa. Eine einfachere, aber nicht minder packende Schlüsselszene in einem Film habe ich übrigens selten einmal erlebt. Adriana tut sich Glycerin ins Auge, ihr dunkles Make-Up hinterlässt eine sanfte Spur auf ihrer Wange, plötzlich fixiert sie unmittelbar den Zuschauer, und stellt dabei die ganz bestimmte, indirekte Frage, oder sie macht einen deutlichen Vorwurf, was sich aber vor allem der Titel des Films vorbehält, in dem man Frage und Antwort gleichermaßen herausfiltern kann. Augenscheinlich erteilt Regisseur Antonio Pietrangeli der Komplexität eine deutliche Absage, indem er aus der tragenden oder empfundenen Einfachheit eine erstaunliche Umkehrrektion kreierte. Auf die Begrifflichkeit »Meisterwerk« mag ich mich allerdings schlussendlich noch nicht einlassen, da dieser Status ausschließlich beim dutzendfachen Anschauen entstehen kann, aber ein stiller Hochkaräter ist ohne jeden Zweifel entstanden. Klingt jedenfalls auch nicht mehr so prosaisch, wie ich nach der ersten Ansicht befürchtet habe.



Tolle Analyse! Danke!
Du hast auf jeden Fall begriffen, dass der Film mit jeder Sichtung immer besser wird.
Das macht für mich übrigens ein Meisterwerk aus.

Prisma Offline




Beiträge: 7.541

11.07.2013 01:43
#10 RE: Bewertet: "Ich habe sie gut gekannt" (1965) Zitat · antworten

Vielen Dank für die Rückmeldung! Dabei habe ich den Film erst zweimal gesehen. Die erste Ansicht ließ mich tatsächlich etwas ratlos zurück, weil der Produktion so viel Positives vorausgeeilt war. Ich will nicht sagen, dass ich die Qualitäten nicht zur Kenntnis genommen hatte, aber ich habe schon an meiner Auffassungsgabe gezweifelt. Daher habe ich ihn mir erneut angeschaut und mir dabei vorgenommen, genauer auf Details zu achten, was aber eigentlich gar nicht großartig nötig ist, da sie dem Zuschauer förmlich ins Auge springen. Vermutlich hat es an der Langfassung gelegen, die wirkte zu arg gestreckt und hatte bei mir immer wieder kleinere Aussetzer in der Aufmerksamkeit zur Folge. Und über das Thema »Meisterwerk« sprechen wir in einem halben Jahr noch einmal!

eastmancolor Offline



Beiträge: 2.382

11.07.2013 08:41
#11 RE: Bewertet: "Ich habe sie gut gekannt" (1965) Zitat · antworten

Zitat von Prisma im Beitrag #10
Vielen Dank für die Rückmeldung! Dabei habe ich den Film erst zweimal gesehen. Die erste Ansicht ließ mich tatsächlich etwas ratlos zurück, weil der Produktion so viel Positives vorausgeeilt war. Ich will nicht sagen, dass ich die Qualitäten nicht zur Kenntnis genommen hatte, aber ich habe schon an meiner Auffassungsgabe gezweifelt. Daher habe ich ihn mir erneut angeschaut und mir dabei vorgenommen, genauer auf Details zu achten, was aber eigentlich gar nicht großartig nötig ist, da sie dem Zuschauer förmlich ins Auge springen. Vermutlich hat es an der Langfassung gelegen, die wirkte zu arg gestreckt und hatte bei mir immer wieder kleinere Aussetzer in der Aufmerksamkeit zur Folge. Und über das Thema »Meisterwerk« sprechen wir in einem halben Jahr noch einmal!



Warum ich von Deiner Review so angetan bin, ist weil Du die Mehrfach Sichtungen ansprichst, die den Film immer besser machen. Meisterwerke eröffnen sich meiner Meinung nach meist nach mehrfach Sichtungen. Ich finde es auch spannend, wenn ein Film sein ganzes Potential nicht nach einer Sichtung verschenkt und die Wirkung danach verpufft, sondern man ihn immer und immer wieder sehen kann und ihn lieben lernt und er niemals langweilig wird. In der Musik nennt man sowas altmodisch Evergreen.

Prisma Offline




Beiträge: 7.541

11.07.2013 11:51
#12 RE: Bewertet: "Ich habe sie gut gekannt" (1965) Zitat · antworten

Zitat von eastmancolor im Beitrag #11
weil Du die Mehrfach Sichtungen ansprichst, die den Film immer besser machen

Da ich den Film wie gesagt erst zweimal gesehen habe, stelle ich mir das zumindest so vor. Aber es war ja tatsächlich so, dass mein Eindruck wie ausgewechselt war. Der Stil und die hochwertige Inszenierung liegen auf der Hand, ja und die Faszination des Films erschließt sich irgendwann, ich glaube das ist so sicher wie das Amen in der Kirche, doch dabei kann ich gar nicht genau beschreiben, warum das eigentlich so ist? Wir sollten zunächst einfach froh über die Veröffentlichung sein, alleine das ist schon mehr, als man erwarten darf!

eastmancolor Offline



Beiträge: 2.382

16.08.2013 23:27
#13 RE: Bewertet: "Ich habe sie gut gekannt" (1965) Zitat · antworten

Karin beim Autogramme schreiben. Gerade auf YouTube entdeckt.
http://www.youtube.com/watch?v=Yvmb8ACzo6Q

Ernst Hofbauer Offline



Beiträge: 3

18.08.2013 14:38
#14 RE: Ich habe sie gut gekannt - Ein Echtes Meisterwerk Zitat · antworten

Wirklich ein hervorragender Film - ein wiederzuentdeckendes Filmwunder!

Für die Wochenzeitung "Freitag" habe ich eine Empfehlung für die DVD verfasst. Bei Interesse hier

Grüße

Prisma Offline




Beiträge: 7.541

18.08.2013 14:44
#15 RE: Ich habe sie gut gekannt - Ein Echtes Meisterwerk Zitat · antworten

Oh, das ist wirklich sehr schön beschrieben, vielen Dank fürs Teilen!

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